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Das Saarland soll zweisprachig werden ...

Erstellt von Die Luftgitarre, 05.02.2014, 14:00 Uhr · 1 Antwort · 460 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Das Saarland soll zweisprachig werden ...

    Scheint mir ein typischer Fall von weltfremder Planung nach dem Motto "die Expertenkommission meint" zu sein: Das Saarland ist knapp bei Kasse, die Bevölkerung schrumpft, aber in dem nächsten Jahren sollen anscheinend massenhaft Französischlehrer eingestellt werden.

    Französisch-Kompetenz: Saarland will zweisprachig werden - Deutschland - Politik - Handelsblatt

    Es heißt dann, das Saarland sei ja "das Tor nach Frankreich". Klingt einleuchtend, ist aber anachronistisch. So als würden Geschäftsleute und Diplomaten auf dem Flug von Berlin oder Frankfurt nach Paris immer in Saarbrücken zwischenlanden, um vor dem Weiterflug noch einen Dolmetscher anzuheuern ... (nichts gegen Saarbrücken, aber es ist einfach so, dass der Waren- und Kulturaustausch heute zum allergrößten Teil direkt zwischen den großen Metropolen abläuft.)

    Tatsächlich läuft die Idee, Französisch an den Schulen aufzuwerten und im öffentlichen Dienst zum Einstellungskriterium zu machen, darauf hinaus, unnötige neue Bildungs- und Arbeitsmarktbarrieren zu errichten, sowohl gegenüber älteren deutschen Arbeitssuchenden (die mehrheitlich kein Französisch sprechen und dies auch nicht mehr so leicht lernen werden) als auch gegenüber Arbeitssuchenden mit (in aller Regel nicht frankophonem) Migrationshintergrund (von denen ja viele genug damit zu tun haben, erstmal richtig Deutsch zu lernen).

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Das Saarland soll zweisprachig werden ...

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Scheint mir ein typischer Fall von weltfremder Planung nach dem Motto "die Expertenkommission meint" zu sein: Das Saarland ist knapp bei Kasse, die Bevölkerung schrumpft, aber in dem nächsten Jahren sollen anscheinend massenhaft Französischlehrer eingestellt werden.

    Französisch-Kompetenz: Saarland will zweisprachig werden - Deutschland - Politik - Handelsblatt

    Es heißt dann, das Saarland sei ja "das Tor nach Frankreich". Klingt einleuchtend, ist aber anachronistisch. So als würden Geschäftsleute und Diplomaten auf dem Flug von Berlin oder Frankfurt nach Paris immer in Saarbrücken zwischenlanden, um vor dem Weiterflug noch einen Dolmetscher anzuheuern ... (nichts gegen Saarbrücken, aber es ist einfach so, dass der Waren- und Kulturaustausch heute zum allergrößten Teil direkt zwischen den großen Metropolen abläuft.)
    "Das Tor zu Frankreich" kann das Saarland durchaus sein, aber eben eher als Wirtschaftsstandort. Unternehmen die eine Europazentrale suchen und die beiden größten zentralen EU-Märkte abdecken möchten, können sich gut im Saarland niederlassen. Auch kleinere Firmen können davon profitieren, wenn sie aus Deutschland heraus gleichzeitig gut den französischen Markt abdecken können. Umgekehrt ist das je etwas schwieriger. Die Franzosen haben es ja nicht immer so mit anderen Sprachen... Tatsächlich ist es doch heute schon so, dass die Saarländer die französischsten Deutschen sind und immer wieder damit gespielt wird besonders frankophil zu sein. Es ist ja bei der Geschichte des Saarlandes auch kein Wunder.

    Tatsächlich läuft die Idee, Französisch an den Schulen aufzuwerten und im öffentlichen Dienst zum Einstellungskriterium zu machen, darauf hinaus, unnötige neue Bildungs- und Arbeitsmarktbarrieren zu errichten, sowohl gegenüber älteren deutschen Arbeitssuchenden (die mehrheitlich kein Französisch sprechen und dies auch nicht mehr so leicht lernen werden) als auch gegenüber Arbeitssuchenden mit (in aller Regel nicht frankophonem) Migrationshintergrund (von denen ja viele genug damit zu tun haben, erstmal richtig Deutsch zu lernen).
    Das Saarland kam ja erst 1955 zurück zur Bundesrepublik. Viele Ältere dürften noch recht gut französisch sprechen ;-) Ich finde es heute schade, dass ich nur recht kurz freiwillig französisch in der Schule belegt hatte. Ich dachte nur Englisch sei wichtig und Französisch würde ich nie brauchen. Nun wohne ich nichtmal eine Autostunde von Belgien und Frankreich ist auch nur 250km entfernt. Es ist mir jedes Mal peinlich, wenn ich mich dort nicht verständigen kann und ich kann überhaupt nicht verstehen, wie manche arabischstämmigen Mitbürger ein ganzes Leben ohne hiesige Sprachkenntnisse in Deutschland verbringen können.

    Andererseits ärgert es mich, dass die Belgier und vor allem die Franzosen selbst dann nicht Deutsch oder Englisch sprechen möchten, wenn sie es eigentlich können. Schon drei Kilometer hinter der Staatengrenze ist das ja oft so. Touristenfreundlich ist das nicht unbedingt so nah zwischen den Ländern im BeNeLux-Raum.

    Aus Französisch ein Einstellungskriterium zu machen und wirklich eine amtliche Zweisprachigkeit zu verordnen, kommt mir heute etwas zu hoch gegriffen vor. Trotzdem wäre ich eigentlich sogar dafür, Französisch in ganz Deutschland neben Englisch zu lehren. 2003 waren wir schon viel weiter. Deutschland und Frankreich waren drauf und dran mittelfristig eine doppelte Staatsbürgerschaft einzuführen, die deutsch-französischen Beziehungen waren auf einem Höhepunkt und man plante gar einen Staatenbund aus beiden Staaten als Schrittmacher in Europa. Das mag nicht jedem gefallen haben. Aber wirklich falsch war es nicht und da hätte auch eine Zweisprachigkeit angegangen werden müssen. Heute klingt das schon wieder eher wie Science Fiction. Doch Deutschland und Frankreich waren und sind seit dem Ende des 2. WK immer wieder die wichtigsten Partner und Verbündeten gewesen. Schröder hatte sich damals gar von Chirac beim EU-Gipfel vertreten lassen.

    Ich finde es gibt gute Gründe dafür, dass Deutschland und Frankreich wieder näher zusammen rücken und dazu gehört auch, dass in beiden Staaten beide Sprachen beherrscht werden - was nicht heisst, dass sie beide Amtssprache sein müssten. Wie gut aber auch in fortgeschrittenem Alter noch neue Sprachen gelernt werden können, kann man recht gut an den Wissenschaftlern und Ingenieuren ablesen, die nach dem 2. WK in die USA abgeworben wurden. Mit etwas mehr "Druck" würde ich vermutlich sogar auch ganz gerne noch Französisch lernen. Aber es gibt ja auch noch genug andere Dinge und so wenig Zeit...

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