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In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

Erstellt von PostMortem, 16.01.2012, 16:31 Uhr · 36 Antworten · 3.669 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    Zitat Zitat von J.B. Beitrag anzeigen
    Es ist eben einfach sich über die Raucher, Kaffeetrinker oder Klo-Zeitungsleser aufzuregen und nach entweder Verbot oder Ausstempeln zu rufen, da dass ja sehr offensichtliche Dinge sind. Wie würde die Stimmungslage wohl aussehen, wenn man grundsätzlich alles ausser Arbeit am Arbeitsplatz verbieten würde? Keine Kunden, kein Anruf, keine Mail zu beantworten, Arbeit für heute schon erledigt? Dann bitte tunlichst nach weiterer Arbeit suchen.....
    Dieser leichtfertige Ruf nach Verboten um niedere Interessen durchzusetzen macht mir immer mehr Angst. Welches Land ist gefährdeter eine Zeit wie 1933-1945 nochmal zu erleben: Eines das bei jeder neuen durchs Dorf getriebene Sau nach Verboten ruft bzw. Verbote in Ordnung findet nur weil sie einem gerade in den Kram passen oder eines das stets die Freiheit höher bewertet als ein zweifelhaftes Verbot? Ich habe das Gefühl in Deutschland sind viele Leute schon für ein Verbot wenn es sie nur selbst nicht betrifft. Gleich danach kommt diese "Wenn man nichts zu verbergen hat, hat man doch auch nichts zu befürchten!"-Denke bei Überwachungsvorhaben.

    Und auch sonst: Ich finde es auch als Nichtraucher unglaublich, dass ein Raucherpausen-Verbot als vermeintliche Freizeitbeschäftigung (ich sehe und höre Raucher eigentlich immer nur über die Arbeit reden und sehe oft, dass da Dinge auf dem kurzen Dienstweg geregelt werden können die offiziell viel länger gebraucht hätten) ausgerechnet heutzutage so hoch kocht. Nach neueren Umfragen sind die meisten Arbeitnehmer in der Freizeit für ihren Arbeitgeber erreichbar, lt. Statistiken wird jede Menge unbezahlte Mehrarbeit geleistet, Arbeit mit nach Hause genommen usw. usf. Ausgerechnet heute, wo Arbeit und Freizeit sich immer weiter vermischen, fangen Diskussionen an das vermeintlich Private aus der Arbeit zu verdrängen? Das auch zu einer Zeit wo immer mehr seelische Erkrankungen und sog. "Burnouts" die Menschen arbeitsunfähig machen? Auf der Arbeit noch mehr arbeiten und zu Hause auch noch?

    Es geht doch oft gar nicht mehr darum, sich umfassend mit etwas zu beschäftigen um eine sinnvolle, eine weise Lösung zu finden, sondern man ergibt sich blindem Aktionismus und nagelt einen einzelnen Aspekt aus einem komplexen Zusammenhang ans Kreuz. Mit den daraus resultierenden später auftretenden Probleme kann sich ja dann später jemand anderes beschäftigen.

    Ich glaube, es ist diesem Aktionismus geschuldet, dass heute schneller Verbote, bzw. Gesetze zum Verbot, erlassen werden, als noch vor 15-20 Jahren.
    Das denke ich auch. Es ist ja geradezu ein Automatismus geworden, dass bei einem größeren Ereignis (Amoklauf, Katastrophe, größerer Unfall etc.) irgendein Politiker noch am selben Abend eine Verbotsdebote lostritt um Handlungsfähigkeit und die Übernahme von politischer Verantwortung vorzugaukeln. Und was das "Beste" daran ist: Es funktioniert! Wie sehr die Umfragen auch sonst dagegen gewesen wären, unter dem frischen Schock-Eindruck eines solchen Ereignisses sind plötzlich deutliche Mehrheiten von Befragten für das jeweilige Verbot. Das ist politische Rattenfängerei und man muss Jahrzehnte mit den Folgen leben, weil auch solche eilig zusammengeschusterten Verbote nur ganz selten zurückgenommen werden. Es werden ja mehr neue Paragraphen erdacht als alte gestrichen.

    Das verhält sich kongruent zu einem weiteren erstaunlichen Phänomen, dass ich in den letzten Jahren verstärkt betrachte, nämlich der komplizierten Vereinfachung, wie ich es nenne. Anstatt Dinge, Vorgänge und Sachverhalte als das zu definieren, was sie sind, können oder wofür sie geeignet sind, werden lieber gewaltige, literarisch fast schon an Enzyklopädien erinnernde, Werke verfasst, um aufzulisten, wofür etwas nicht geeignet ist, bzw. was etwas nicht kann oder was sie nicht sind.
    Ganz gut kann man das glaube ich am sog. Verbraucherschutz sehen. Ich kopiere hier einfach mal den vom Gesetzgeber vorgesehenen Mustertext der aktuell für Online-Shops gültigen Widerrufsbelehrung rein. Da kann man glaube ich ganz gut die "komplizierte Vereinfachung" sehen. Einfach mal normal schnell durchlesen und sich dann überlegen ob man weiss was los ist:

    Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen in Textform (z. B. Brief, Fax, E-Mail) oder - wenn Ihnen die Sache vor Fristablauf überlassen wird - auch durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform, jedoch nicht vor Eingang der Ware beim Empfänger (bei der wiederkehrenden Lieferung gleichartiger Waren nicht vor Eingang der ersten Teillieferung) und auch nicht vor Erfüllung unserer Informationspflichten gemäß Artikel 246 § 2 in Verbindung mit § 1 Abs. 1 und 2 EGBGB sowie unserer Pflichten gemäß § 312g Abs. 1 Satz 1 BGB in Verbindung mit Artikel 246 § 3 EGBGB. Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache. Der Widerruf ist zu richten an: [...]

    Ich denke diese sperrigen Text-Ungetüme sind nicht für Verbraucher gemacht. Sie sind für Juristen die Paragraphen und Schlagworte auf ihren Listen abhaken und dann entscheiden ob sie die Widerrufsbelehrung eines Shops abmahnen können oder nicht. Gesetze von Juristen für Juristen.... Wohl auch ein Grund für die neue Verbots-Geilheit im Bundestag. Immerhin besteht er zu einem Großteil aus Juristen. Sogar unser Staatsoberhaupt ist Jurist, auch wenn man das wirklich nicht merkt.

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    Zitat Zitat von J.B. Beitrag anzeigen
    Wie würde die Stimmungslage wohl aussehen, wenn man grundsätzlich alles ausser Arbeit am Arbeitsplatz verbieten würde? Keine Kunden, kein Anruf, keine Mail zu beantworten,
    Also hier am Arbeitsplatz ist privates Internet verboten ...

  4. #13
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    Demnächst könnte man auch sagen: Daaaamals (TM), als Fahrradfahren noch ohne Helm erlaubt war... Heute sind viele auf dem Drahtesel tatsächlich besser geschützt als F1-Piloten in den 1950s und frühen 60s...

    Ich musste mir neulich mal mächtig auf die Zunge beißen, als ein Kumpel für die 1km "Radtour" zur Imbissbude seinen Helm aufsetzte. Und ja, so ein Helm ist sicher echt nicht schlecht ((c) Werner), aber irgendwas sträubt sich da bei mir. Da könnte ich ja gleich auch beim Inlinern eine Haube tragen *g*

    Sicherheitsgurte waren übrigens auch im Motorsport mal total umstritten. Bis es dann in den späten 60s einen Highspeed-Megacrash gab, wo fast der komplett Wagen zerlegt war, der Fahrer sich aber dank Gurt nur leicht verletzte. Dann hielten alle das M***, und die Belts wurden eingeführt...


    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Was heute anscheind deutlich öfter verboten ist als in den 80ern ist das Rumlungern an öffentlichen Plätzen. Zumindest gab's da neulich so eine "Reality"-Sendung, wo ein Security-Dienst andauernd Leute aus Parks und Einkaufspassagen verjagt hat, einmal sogar nachts von einer Waldlichtung ...
    An Verbotsschilder vor Supermärkten wie bei Rewe, die den Aufenthalt + Allllohol vor dem Gebäude verbieten (gesehen im nicht immer schönen HH Stadtteil Jenfeld *bg*), kann ich mich aus den 80s auch nicht erinnern.

    BTW: Man möge auch mal an die Wirkung denken, die (zu) viele Verbotsschilder haben können - schaut euch mal genau diesen Shot hier aus "Second Life" an (die Umgebung inkl Sign hat ein Kumpel von mir modelliert *g*)




    Lutz

  5. #14
    Benutzerbild von cv-cd

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    Ja, ja ... die Raucherpausen!
    Seht ihr eigentlich, wie sich die Welt verändert hat? Oder sollte ich schreiben "Wie gehässig die Menschen (ja ... auch Du und Ich) geworden sind?
    Wenn denjenigen, die für die Abschaffung der R.Ps. sind bzw. diesen irrsinn in die Welt gesetzt haben, ihr Leben spass machen würde (wohl so wie früher), dann würde es sie einen dreck scheren, ob Elfie & Friedolin am quarzen/ dampfen sind!
    Aber da man selber traurig ist, müssen alle anderen auch traurig gemacht werden!

    Die Menschen sind inzwischen so drauf, dass in ein paar Jahren das bummsen ... jede 5exuelle Handlung verbieten werden. Und alles nur, weil so eine unglückliche Sau nicht kommen kann.

    Geile Welt geworden wah?
    Ach ... die Achtziger waren irgendwie viel besser!
    Achja ... Prince Denmark, nach einem zug brauchte man einen Satz neue Unterhosen
    Breitbeinig gehen, weil der Pelz unten ... *prust*... lassen wir das mal!


    P.S.
    Wären Menschen glücklich, würden sie sich einen scheiß um das kümmern, was andere tun!
    "Normale" Dinge sind damit gemeint!!!!!


    Aubacke ... wie konnten die Menschen bloß früher alles schaffen?

  6. #15
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    Jetzt gleich um 14:00 Uhr findet eine Anhörung im Landtag NRW statt: Das Ladenschlussgesetz steht auf dem Prüfstand. Es soll ggf. wieder verschärft werden.

    Dementsprechend heute morgen wieder große Diskussion und Wortmeldungen auf WDR2, in den letzten Tagen jede Menge Artikel in den Online-Medien und Zeitungen.

    Immer wieder die gleichen Contra-Argumente: Nicht mehr Umsatz, nur mehr 400-Euro-Kräfte, brauche ich nicht, die armen VerkäuferInnen etc.

    Alles ok! Auch klar, dass in der Denke von Betroffenen eine Rückkehr zum Verbot der Ladenöffnung das Einfachste ist um Verschlechterungen in den Arbeitsbedingungen rückgängig zu machen. Aber abgesehen davon, dass das ein Trugschluss sein dürfte (weil auch andere Einflüsse bestehen und nicht an allem immer nur die Öffnungszeiten Schuld sind), ist das eben nur die vermeintlich einfachste und nicht die beste Lösung. Wann der Laden schließt wird auch nichts daran ändern, dass die Kräfte im Einzelhandel heute immer mehr mit sich machen lassen (müssen?) was Arbeitgeber wollen. Das wird auch weiterhin ausgenutzt werden, egal wann. Das ist was für Tarifparteien und ggf. für Arbeitsschutzgesetze. Aber es ist eigentlich gerade kein Thema der Öffnungszeiten.

    Wo immer mehr Menschen immer mehr professionelle Ansprüche rund um die Uhr erfüllen müssen, gibt es logischerweise auch einen anderen Bedarf für Ladenöffnungszeiten als früher. Wo Shopping immer stärker als Freizeitgestaltung und Erlebnis vermarktet wird, kann das nicht nur zu Zeiten stattfinden in denen kaum ein Berufstätiger Freizeit hat. Und grundsätzlich ist es doch erstmal legitim, dass ich als Einzelhändler mit meinem Betrieb dann Umsätze und Gewinne erwirtschaften kann wann ich es für richtig halte. Eine Einschränkung dieser Eigentumsrechte dürfte eigentlich nur schwer zu akzeptieren sein - deswegen wurde ja auch liberalisiert. Es ist also grundsätzlich erstmal legitim für den Geschäftsinhaber und bedarfs- und kundenorientiert dann zu öffnen wenn der Kunde kommen möchte und Zeit hat.

    Alle Schwierigkeiten die das für Angestellte mit sich bringt (die hier größer zu sein scheinen als in Ländern die noch nie so ein Ladenschlussgesetz kannten wie es in Deutschland einmal war) sind m. E. wie überall sonst auch zu regeln, innerbetrieblich, arbeitsrechtlich, zwischen den Tarifparteien durch Betriebsräte usw. So ist es überall, so muss es doch auch im Einzelhandel sein. Arbeitsbedingungen und Rahmenbedingungen ändern sich überall, allein schon durch die Globalisierung. Dann müssen sich Belegschaften anpassen und das muss geregelt werden.

    Gute Arbeitsbedingungen, angemessene Schichtzulagen, Ausgleichstage, Pausen etc. sind aber auch in anderen Branchen nicht vom Himmel gefallen. Statt nach Verboten zu rufen um diesen Anstrengungen aus dem Weg gehen zu können, sollte man sich im Einzelhandel darum kümmern. Das ist schwer, anstrengend, richtig ätzend. Man muss sich organisieren, für seine Rechte eintreten, verhandeln, kratzen, beissen, Haare ziehen. Und am Ende stehen immer nur Kompromisse die man stetig verbessern muss. Aber das ist trotzdem kein Grund nach neuen Ladenöffnungsverboten zu rufen und teilweise an den Motiven von Kunden herumzukritisieren die das Angebot geöffneter Läden zu späterer Stunde wahrnehmen. Es schämt sich ja auch keiner in die Disco zu gehen, nachts bei ebay zu stöbern das Homebanking zu benutzen oder noch dem Schatz telefonisch ein "Gute Nacht" ins Ohr zu säuseln. Dafür, dass das läuft, arbeiten auch überall Menschen die einem keinen Vorwurf daraus machen ihre Dienste in Anspruch zu nehmen.

  7. #16
    Benutzerbild von Feenwelt

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Alles ok! Auch klar, dass in der Denke von Betroffenen eine Rückkehr zum Verbot der Ladenöffnung das Einfachste ist um Verschlechterungen in den Arbeitsbedingungen rückgängig zu machen. Aber abgesehen davon, dass das ein Trugschluss sein dürfte (weil auch andere Einflüsse bestehen und nicht an allem immer nur die Öffnungszeiten Schuld sind), ist das eben nur die vermeintlich einfachste und nicht die beste Lösung. Wann der Laden schließt wird auch nichts daran ändern, dass die Kräfte im Einzelhandel heute immer mehr mit sich machen lassen (müssen?) was Arbeitgeber wollen. Das wird auch weiterhin ausgenutzt werden, egal wann. Das ist was für Tarifparteien und ggf. für Arbeitsschutzgesetze. Aber es ist eigentlich gerade kein Thema der Öffnungszeiten.
    Hmja, Deine Argumentation klingt für mich so: Die armen Leute werden eh ausgebeutet, dann macht es ja auch nix, wenn sie mit dem bißchen erweiterte Ladenöffnungszeit auch noch ausgebeutet werden.
    Natürlich hast Du Recht: Ausbeutung wird es immer geben, gerade im Einzelhandel. Nicht immer sind die Ladenöffnungszeiten schuld, richtig. Aber ganz häufig sind sie es. Fangen wir mal damit an: Sie verkomplizieren das Privatleben. Insbesondere für diejenigen, die zu Zeiten mit dieser Arbeit angefangen haben, als es noch einen SchlaDo gab. Ich weiß nicht, wie viele Einzelhandels-Angestellte Du kennst. Aber 99,9% werden Dir eines bestätigen: Niemand hat wirklich Bock, um diese Uhrzeiten zu arbeiten. Wenn es also sonst keinen Grund gibt, warum sollte man den Angestellten nicht ihr Leben erleichtern? Nur, weil es in Amiland genau so ist? Ach so, neee, weil es eine ausgebeutete Kaste ist, denen muß man keinen Gefallen tun. Sorry, aber den Sarkasmus konnte ich mir nicht verkneifen.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Wo immer mehr Menschen immer mehr professionelle Ansprüche rund um die Uhr erfüllen müssen, gibt es logischerweise auch einen anderen Bedarf für Ladenöffnungszeiten als früher. Wo Shopping immer stärker als Freizeitgestaltung und Erlebnis vermarktet wird, kann das nicht nur zu Zeiten stattfinden in denen kaum ein Berufstätiger Freizeit hat.
    Oh ja, genau. Am besten öffnen wir also alle rund um die Uhr, bitte auch die Büros.
    Schließt Du eigentlich in Deinen Worten "kaum ein Berufstätiger" die Einzelhändler mit ein? Die haben nämlich immer noch das selbe Problem. Lass' mal schnell schauen: Die Hotline meines Telefonanbieters ist bis 20 Uhr erreichbar, die meiner Versicherung bis um 18 Uhr, die meiner Bank bis 20 Uhr, und die für mich zuständige Polizeistelle hat den schönen Text auf der Webseite:
    "Eine Mail-Nachricht wird nur während der normalen Bürostunden gelesen. In dringenden Fällen wählen Sie Polizeinotruf: 110"
    Die Reihe könnte ich bestimmt noch fortsetzen.
    Also erreiche ich wichtige Stellen nur zu Zeiten, zu denen ich noch arbeiten würde, wäre ich noch im Warenhaus.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Und grundsätzlich ist es doch erstmal legitim, dass ich als Einzelhändler mit meinem Betrieb dann Umsätze und Gewinne erwirtschaften kann wann ich es für richtig halte.
    Ja, das wäre legitim, wenn das der freie Wille des Einzelhändlers wäre. Der Einzelhändler öffnet aber nicht dann, wenn er gerade mal Lust hat. Er öffnet, wenn er sich davon einen Gewinn verspricht. Der muß aber nicht immer materieller Art sein. Als die verlängerten Ladenöffnungszeiten kamen, haben große Kaufhäuser (für eines davon habe ich damals gearbeitet) ganz offen zu ihren Mitarbeitern gesagt: "Wir sind uns auch nicht sicher, ob es das wirklich bringt. Aber aus Prestigegründen müssen wir als führendes Haus am Platze natürlich länger öffnen." Die Einzelhändler drum herum, die kleineren Läden, haben alle etwas Ähnliches gesagt, ich habe damals viele interviewt: "Wenn der K... öffnet, dann müssen wir das ja auch." (Viele haben später dann doch dichtgemacht, einige für immer.) Dazu kam der Druck der Stadträte. Wie sähe das denn auch aus, wenn nur ein oder zwei Läden in der Einkaufszone geöffnet haben? Und in einigen Einkaufszentren wurden die Ladenöffnungszeiten sogar vom jeweiligen Betreiber gesamt vorgegeben - bei Androhung der Pachtkündigung.
    In vielen kleineren Orten wiederum, in denen man sich kein Prestige versprechen brauchte, wurden die längeren Ladenöffnungszeiten nicht in Anspruch genommen, aus gutem Grund.
    Tatsächlich - das sollte man nicht verschweigen - haben sich die Ladenöffnungszeiten "gelohnt". Ich hab's nicht zur Hand, aber ich meine mich an eine Statistik zu erinnern, die ca. 3-4% Mehreinnahmen im Durchschnitt auswies. Dummerweise zu wenig für die Löhne, die bei gleichbleibendem Personal hätten gezahlt werden müssen. Das Ergebnis war für jeden spürbar ein Personalabbau. Ja, man kann weidlich darüber streiten, ob die Öffnungszeiten der einzige Grund für den Abbau waren. (Waren sie aus meiner Sicht nicht.) Aber ein Wesentlicher.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Es schämt sich ja auch keiner in die Disco zu gehen, nachts bei ebay zu stöbern das Homebanking zu benutzen oder noch dem Schatz telefonisch ein "Gute Nacht" ins Ohr zu säuseln. Dafür, dass das läuft, arbeiten auch überall Menschen die einem keinen Vorwurf daraus machen ihre Dienste in Anspruch zu nehmen.
    Immer die selben alten Argumente. Und deshalb auch das selbe alte Gegenargument: Es gibt Leute, die haben sich ihre Arbeit ausgesucht als bekannt war, welche Öffnungszeiten es gab. Aber diese Öffnungszeiten haben sich die meisten (ausser den jüngeren Mitarbeitern) eben nicht ausgesucht. Zumal sie wunderbar flexibel sind. Der Rewe bei mir umme Ecke hat vor ein paar Monaten mal so eben seine Öffnungszeiten von 22 Uhr auf 23.30 Uhr hochgesetzt. Scheint 'ne Konzernentscheidung zu sein, denn der Laden ist um 23 Uhr genau so leer wie er es um 22 Uhr auch schon war. 'Ne Mitarbeiterentscheidung war's jedenfalls nicht.

  8. #17
    Benutzerbild von musicola

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    @ Feenwelt

    +1

  9. #18
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    Ich verstehe beide Seiten. Daaamals (TM) in New York fand ichs ja cool nachts einzukaufen - oder auch im schönen Dänemark (Hallo Castor ) am Sonntag. In letzterem Land ists mir nicht aufgefallen, dass da die Verkäufer besonders darunter leiden, btw

    Lutz

  10. #19
    Benutzerbild von musicola

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    Sollen wir Verkäufer mit schmerzverzerrtem Gesicht oder verheulten Augen in den Abteilungen sein um unserem "Leid" mehr Ausdruck zu verleihen?

    Unter den Öffnungszeiten meines Arbeitgebers vor Ort und speziell Mo-Fr leide ich prinzipiell mal nicht wirklich. Wir öffnen um 9.30 Uhr und schließen um 19.30 Uhr. Finde das moderat und auch in Ordnung. Der Samstag isses, der mir aufstößt, da haben wir zwar "nur" bis 19.00 Uhr offen, aber aktive Sportvereinszugehörigkeiten, oder den Heimspielbesuch um 14.00 Uhr (15.30 Uhr) beim Ortsverein kann man da in aller Regel in die Tonne kloppen!
    Ich hab noch relativ großes Glück, dass mein Vorgesetzter Verständnis für meine Vereinsliebe hat, und mir so gut es geht ermöglicht meine Wormatiaspiele zu sehen. Ich also bspw. um 18.00 Uhr Feierabend bekomme, wenn ein Mittwoch- oder Freitagspiel um 19.00 Uhr ansteht.
    Bzw. darf ich Samstags, wenn ein Heimspiel ist, meine beiden Pausen zusammenlegen um mit meinem anderen Fankollegen wenigstens die zweite Halbzeit gucken zu können.
    Oder auch mal ein Freizeittausch mit meinem Vorgesetzten oder meinen beiden Abteilungskolleginnen damit ich im Fanbus zur langen Auswärtsfahrt am Mittwoch oder Freitag sitzen kann...

    Aber mit diesem Glück bin ich als Mitarbeiter im Einzelhandel wohl eher die Ausnahme!
    Komplette Samstagspiele (auch auswärts) inkl. Vorbereitung und Nachbesprechung kann ich nur gucken, wenn's mein regulärer freier Samstag ist, oder ich Urlaub habe!

    Ich freu mich dann bei den Terminierungen über jedes Flutlichtheimspiel und über möglichst viele Sonntagsansetzungen! Denn da ist die Wahrscheinlichkeit, dabei zu sein, enorm hoch!


    Daher mein Fazit:

    in den 80ern war es den Mitarbeitern im Einzelhandel eher erlaubt, regelmäßig einen gemütlichen Samstagnachmittag im Stadion / auf dem Fußballplatz zu verbringen. Heute verbietet sich das durch die Öffnungszeiten quasi von selbst!

  11. #20
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: In den 80ern erlaubt - heute verboten!?

    Zitat Zitat von musicola Beitrag anzeigen
    Sollen wir Verkäufer mit schmerzverzerrtem Gesicht oder verheulten Augen in den Abteilungen sein um unserem "Leid" mehr Ausdruck zu verleihen?
    Ne schon klar Nur ich denke gerade Dänemark gilt nun nicht unbedingt als Hochburg des Neoliberalismus. Dieses "halts M***, und sei froh, dass Du einen Job hast" ist doch in .dk noch nicht so heftig wie bei uns, oder?

    Sogar die Arztkosten sind in .dk noch nicht amerikanisiert (wie Castor hier mal andeutete) - bei uns geht es da z.T. ja schon deutlich in Richtung Sicko

    BTW: In Belgien gibt es aktuell ein Gewerkschaftsplakat "Kämpft für eure Rechte, sonst geht es euch wie Herrn Müller" - zu sehen ist ein Deutscher, dem es offensichtlich nicht gut geht - so ändern sich die Zeiten (wenn man nicht u.a. auf die Strasse geht und protestiert - wie in .de vielfach noch in den 80s, btw)...


    Zitat Zitat von musicola Beitrag anzeigen
    Daher mein Fazit:

    in den 80ern war es den Mitarbeitern im Einzelhandel eher erlaubt, regelmäßig einen gemütlichen Samstagnachmittag im Stadion / auf dem Fußballplatz zu verbringen. Heute verbietet sich das durch die Öffnungszeiten quasi von selbst!
    Übel... War mir nicht so bewusst... Und läuft da auch nichts mit tauschen, oder im Wechsel? Es wird doch kaum so sein, dass alle einfach (den verlängerten Öffnungszeiten entsprechend) XX Stunden länger in der Woche arbeiten (als in den 80s)?

    Lutz

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