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Der Bahnstreik kommt.... und nun?

Erstellt von PostMortem, 02.10.2007, 00:24 Uhr · 45 Antworten · 3.525 Aufrufe

  1. #1
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    Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Der Kommentator der Tagesthemen ist erzürnt und watscht die Lokführer-Gewerkschaft GDL ab. Der Kommentator der BILD tobt ebenfalls. Die verkürzte Darstellung (wie sie auch im Heute Journal vorkam, nicht aber in der Tagesschau dort wurde immerhin korrekt berichtet): 10% sind denen noch zu wenig. Dabei waren echte 10% gar nicht im Angebot. Angeboten wurden 4,5% wie sie schon immer angeboten waren und angeordnete Mehrarbeit im Wert von weiteren 5,5%. Am Stundenlohn ändert das also genau gar nichts und die Lokführer gehören auch heute nicht zu den Freizeitweltmeistern. Noch länger fern der Heimat auf der Schiene zu sein ist sicherlich kein Geschenk.

    Viele Leute die ich kenne regen sich auf. Sie vergleichen mit sich selbst, sehen die Lokführer als Raffzähne. "Die sollen froh sein wenn sie einen Job haben", "30% mehr Lohn? Die haben sie ja nicht alle!" usw.

    Klar, die Kritik kann ich aus der jeweiligen Perspekive der Leute sogar verstehen. Doch die Lokfüher kann ich auch verstehen. Sie haben einen sehr verantwortungsvollen Job, der sich bei der heutigen Technisierung nicht mehr so sehr vom wahnsinnig anerkannten Beruf des Piloten unterscheidet. Wenn du das nicht so unwahrscheinliche Pech hast mal in einen Selbstmörder zu fahren, hast Du Schock und Trauma am Hals. Jeden Tag bist Du auf der Strecke weit weg von zu Hause, Deine Frau/Freundin macht Dir dauernd die Hölle heiss weil Du nie da bist und/oder geht vor Langeweile fremd. Du bist einsam in Deiner Bude und musst immer konzentriert bleiben. Wenn Du mal zu Hause bist pennst Du wenn Deine Familie wach ist usw.

    Gemessen an ihrem Job verdienen Lokfüher m. E. wenig. Das gilt sicherlich genauso für Krankenschwestern, die in unserem Land vergleichsweise ausserordentlich mickrig für den Dienst am Menschen entlohnt werden. Es gibt sicherlich noch andere Berufsgruppen deren Leistung zu wenig honoriert wird. Es steht ihnen allen frei sich zu organisieren und etwas zu tun. Sie könnten es tun wie die Ärzte oder nun eben die Lokführer. Was nutzt also der Vergleich mit dem eigenen Elend, warum dürfen andere nicht dafür eintreten, dass sie das bekommen was sie verdienen? Darf das keinr, weil wir nach Jahren der Genügsamkeit an zweistellige Abschlüsse und große Streiks nicht mehr gewohnt sind und manche sie schon gar unanständig finden?

    Ich habe volles Verständnis für die Lokführer. Um jemals auf ein angemessenes Gehaltsgefüge für diesen Job zu kommen, muss man einmal eine größere Schippe draufpacken. Mit Tippelschritten in Inflationshöhe bekommt man das nicht hin. Die Bahn verarscht die Gewerkschaft von vorne bis hinten, versucht das Tarifrecht durch juristische Scharmützel auszuhebeln, hetzt die Kunden gegen ihre Mitarbeiter auf, spannt Politik und Medien für Propagandazwecke vor ihren Karren. Ich finde das unanständig. Wir haben es in diesem Land verdammt gut was Streiks angeht. Bei unseren Nachbarn steht weitaus häufiger irgendwas still. Hierzulande wird so getan, als wäre ein Streik mittlerweile quasi schon zivilier Ungehorsam. Es ist für keinen Betroffenen schön wenn sein Zug ausfällt. Aber was da passiert ist grundsätzlich völlig in Ordnung. Es kann nicht sein, dass eine Tarifpartei ihre Instrumente nicht nutzen dürfen soll, nur weil dies tatsächlich Auswirkungen haben wird. Da spielt es auch keine Rolle, dass die GDL eine kleine Gewerkschaft ist und das die Bahn die anderen Gewerkschaften im Nacken hat mit denen sie schon Abschlüsse getätigt hat. Noch vor ein paar Monaten sah die Berichterstattung auch noch ganz anders aus als heute. Heute ist sie tendenziell pro Bahn, damals wurde noch die Lage des Lokführers berücksichtig und erklärt.

    PM

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    AW: Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Der Kommentator der Tagesthemen ist erzürnt und watscht die Lokführer-Gewerkschaft GDL ab. Der Kommentator der BILD tobt ebenfalls. Die verkürzte Darstellung (wie sie auch im Heute Journal vorkam, nicht aber in der Tagesschau dort wurde immerhin korrekt berichtet): 10% sind denen noch zu wenig. Dabei waren echte 10% gar nicht im Angebot. Angeboten wurden 4,5% wie sie schon immer angeboten waren und angeordnete Mehrarbeit im Wert von weiteren 5,5%. Am Stundenlohn ändert das also genau gar nichts und die Lokführer gehören auch heute nicht zu den Freizeitweltmeistern. Noch länger fern der Heimat auf der Schiene zu sein ist sicherlich kein Geschenk.
    Die Bezahlung ist doch im Grunde zweitrangig. Dass sie die berühmten 31% nicht durchsetzen kann, weiß die GDL auch. Hauptsächlich geht es ihr um den eigenen Tarifvertrag, ohne den die Bahn aus der Sache nicht mehr herauskommt. Es sei denn, sie hält so lange durch, bis die GDL kaputt ist, was allerdings noch dauern kann. Pikanterweise ist genau diese Einführung eines eigenen Tarifvertrags aber Bestandteil des Geißlerschen und Biedenkopfschen Vermittlungsbeschlusses, den die Bahn mitgetragen hat. Nun wollen Mehdorn & Co. davon aber nichts mehr wissen. Insofern ist klar, wer die Schuld an den kommenden Streiks trägt und es ist mehr als scheinheilig, dass die Bahn nun das Opfer spielt.

    Viele Leute die ich kenne regen sich auf. Sie vergleichen mit sich selbst, sehen die Lokführer als Raffzähne. "Die sollen froh sein wenn sie einen Job haben", "30% mehr Lohn? Die haben sie ja nicht alle!" usw.

    Klar, die Kritik kann ich aus der jeweiligen Perspekive der Leute sogar verstehen. Doch die Lokfüher kann ich auch verstehen. Sie haben einen sehr verantwortungsvollen Job, der sich bei der heutigen Technisierung nicht mehr so sehr vom wahnsinnig anerkannten Beruf des Piloten unterscheidet.
    Das sehe ich nun nicht so. Viel mehr als Beschleunigen und Bremsen ist doch nicht zu tun. So weit ich weiß, stehen die heutigen Züge auch alle in Verbindung mit dem Fahrdienstleiter im nächsten Stellwerk, der den Zug im Zweifelsfall auch noch bremsen lassen kann, wenn ihm irgendwas nicht passt. Im Zweifelsfall scheinen mir da Piloten, aber auch Bus- und Fernfahrer den anspruchsvolleren Beruf zu haben. Und mit Ausnahme der Piloten werden letztere auch nicht besser bezahlt als Lokführer, wenn überhaupt.

    Aber letzten Endes ist es natürlich das gute Recht der Gewerkschaft, in den Arbeitskampf zu ziehen. Das ist nun mal der Preis der Tarifautonomie. Und woanders sieht man so was auch erheblich entspannter. Wenn ein Tiefensee vor "verheerenden Konsequenzen" im Falle eines Streiks warnt, soll er mal nach Frankreich oder Italien schauen. Nach seiner Logik müssten diese Länder schon seit Jahrzehnten am Ende sein.

  4. #3
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    AW: Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Zitat Zitat von ihkawimsns Beitrag anzeigen
    Die Bezahlung ist doch im Grunde zweitrangig. Dass sie die berühmten 31% nicht durchsetzen kann, weiß die GDL auch. Hauptsächlich geht es ihr um den eigenen Tarifvertrag, ohne den die Bahn aus der Sache nicht mehr herauskommt. Es sei denn, sie hält so lange durch, bis die GDL kaputt ist, was allerdings noch dauern kann. Pikanterweise ist genau diese Einführung eines eigenen Tarifvertrags aber Bestandteil des Geißlerschen und Biedenkopfschen Vermittlungsbeschlusses, den die Bahn mitgetragen hat. Nun wollen Mehdorn & Co. davon aber nichts mehr wissen. Insofern ist klar, wer die Schuld an den kommenden Streiks trägt und es ist mehr als scheinheilig, dass die Bahn nun das Opfer spielt.
    Klar kommt man mit 31% nicht durch, aber dieses Spielchen ist zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ja bekannt. Man trifft sich sowieso immer bestenfalls in der Mitte. Aber der Tarifvertrag ist natürlich wichtig, da der Lokführer momentan mit Berufsgruppen in einem Topf ist zu denen er nicht passt. Das die Bahn sich mit den beiden anderen Gewerkschaften in die Klemme manövriert hat, ist ja auch echt nicht das Problem der GDL.

    Das sehe ich nun nicht so. Viel mehr als Beschleunigen und Bremsen ist doch nicht zu tun. So weit ich weiß, stehen die heutigen Züge auch alle in Verbindung mit dem Fahrdienstleiter im nächsten Stellwerk, der den Zug im Zweifelsfall auch noch bremsen lassen kann, wenn ihm irgendwas nicht passt.
    Ja, über meinen Beruf höre ich auch immer, dass ich doch nichts tun muss, weil der Computer doch alles selbst macht "Pilot der Schienen" trifft es für mich wirklich eher beim Lokführer. Man stellt sich das aus der Ferne oft zu einfach vor. Ausserdem ist es heutzutage doch fast nebensächlich was man an Tätigkeiten ausführt, sondern wieviel Verantwortung man trägt. Ein Lokführer trägt die Verantwortung für den ganzen verdammten Zug und hunderte Menschen. Aber auch sonst ist das alles nicht so einfach. Wo der Laie nur 1,2,3 Signale neben der Strecke wahrnimmt gibts in Wahrheit für den Lokführer locker 100 usw. Es ist mehr als Gas geben und bremsen. Es ist vor allem die ganze Zeit Konzentration auf jeden Hinweis, hohe Anspannung und Aufmerksamkeit obwohl die Arbeitsumgebung eher einschläfernd ist. Erst Recht wenn man diesen Job nachts oder auch mehrere Nächte hintereinander machen muss (und das dann ein Arbeitsleben lang), kann man wahrscheinlich erst wirklich verstehen was das bedeutet. Aber: Der Lokführer hat keinen Autopiloten und wenn er Mist baut rummsts mit hunderten Leuten hinten drin. Es ist oberflächlich immer ein wenig vergleichbar mit dem Brummi-Fahrer. Aber tatsächlich kann jeder relativ einfach Brummi-Fahrer werden (weshalb da ja auch Lohndumping herrscht), Lokführer hingegen nicht und das hat durchaus seine Gründe in Ausbildung, Technik und Verantwortung.

    Aber letzten Endes ist es natürlich das gute Recht der Gewerkschaft, in den Arbeitskampf zu ziehen. Das ist nun mal der Preis der Tarifautonomie. Und woanders sieht man so was auch erheblich entspannter. Wenn ein Tiefensee vor "verheerenden Konsequenzen" im Falle eines Streiks warnt, soll er mal nach Frankreich oder Italien schauen. Nach seiner Logik müssten diese Länder schon seit Jahrzehnten am Ende sein.
    Richtig, ist natürlich nicht so. Und so verdienen die Lokführer dort auch viel mehr als der Deutsche und genießen nach wie vor ein höheres Ansehen.

    PM

  5. #4
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    AW: Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Ja, über meinen Beruf höre ich auch immer, dass ich doch nichts tun muss, weil der Computer doch alles selbst macht "Pilot der Schienen" trifft es für mich wirklich eher beim Lokführer. Man stellt sich das aus der Ferne oft zu einfach vor. Ausserdem ist es heutzutage doch fast nebensächlich was man an Tätigkeiten ausführt, sondern wieviel Verantwortung man trägt. Ein Lokführer trägt die Verantwortung für den ganzen verdammten Zug und hunderte Menschen. Aber auch sonst ist das alles nicht so einfach. Wo der Laie nur 1,2,3 Signale neben der Strecke wahrnimmt gibts in Wahrheit für den Lokführer locker 100 usw. Es ist mehr als Gas geben und bremsen. Es ist vor allem die ganze Zeit Konzentration auf jeden Hinweis, hohe Anspannung und Aufmerksamkeit obwohl die Arbeitsumgebung eher einschläfernd ist. Erst Recht wenn man diesen Job nachts oder auch mehrere Nächte hintereinander machen muss, kann man wahrscheinlich erst wirklich verstehen was das bedeutet. Aber: Der Lokführer hat keinen Autopiloten und wenn er Mist baut rummsts.
    Stimmt, und das gilt auch alles für Bus- und Fernfahrer (gut, da geht's nicht um Hunderte, aber zumindest noch um Dutzende Leute). Die müssen aber auch noch lenken, auf Gegenverkehr achten und sind zu 100 Prozent selbst verantwortlich...

    Aber wie gesagt: Für deren Arbeitskampf habe ich volles Verständnis.

  6. #5
    justmusic
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    AW: Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Ich bin beruflich bedingt viel mit der Bahn unterwegs, habe in den letzten 15 Monaten etwa 2500€ bei der Bahn umgesetzt (und ich fahre zum halben Preis), aber ich habe vollstes Verständnis für den Streik.

    Als die Telekom gestreikt hat, tat es sicher auch vielen weh, wenn die Störungen nicht behoben wurden, besonders Firmen, für die eine funktionierende Kommunikation teilweise überlebenswichtig ist, aber da wurde nicht gleich vor Gericht gezogen.
    Und nur weil es weh tut, sollen die Lokführer nicht streiken dürfen? Die Grundlage für ein Verbot muss glaub ich erst noch geschaffen werden!

    Sollen sie ruhig streiken, wenn sie anders ihre Forderungen nicht durchsetzen können, dafür sind sie schließlich in der Gewerkschaft!

    Was die Lohnforderungen angeht, man sollte dabei immer mal auch ein Auge darauf werfen, was die Basis dieser Forderung ist. 31% von 1000 ist ganz was anderes als 31% von 3000, um es mal übertrieben auszudrücken. Und dass die Lokführer hierzulande bisher nicht gerade üppig entlohnt werden, ist auch bekannt.

    Und die Arbeit der Lokführer ist ziemlich anspruchsvoll, die Ausbildung ist schwer und die Durchfallquote auch nicht gerade gering. Und gerade, weil immer mehr Technik im Spiel ist, wird der Job so anspruchsvoll.
    Die Signale auf der Strecke zu erkennen ist mit der kleinen Regionalbahn bei Tempo 70-80 sicher noch recht einfach, aber wenn man dann mit 300km/h durch die Landschaft saust, ist das wesentlich anspruchsvoller. So einen Zug bringt man nicht mal eben zum Stehen, wenn vielleicht eine Schranke irgendwo auf der Strecke nicht funktioniert! Und die Hochgeschwindigkeitszüge sind eine Folge der zunehmenden Technik, ohne ständige Weiterentwicklung könnte auf der Strecke Frankfurt - Köln heute kein ICE-Sprinter fahren! Der fährt einmal in der Stunde, und da muss jemand vorne drin sitzen, der damit klar kommt, und der soll für seine Arbeit auch eine faire Entlohnung bekommen.


    Anderes Beispiel: der Fluglotse.
    Der tut eigentlich den ganzen Tag nix anderes, als den Piloten Anweisungen zu geben, aus welcher Richtung sie anfliegen sollen, zu welcher Ausfahrt sie rollen sollen und an welchem Gate sie "anlegen sollen", starten und landen macht dann immernoch der Pilot, eigentlich nicht weiter wild, und trotzdem verdienen Fluglotsen ausgesprochen gut, und das zu Recht! Bei den Anweisungen müssen soviele Faktoren beachtet werden, teilweise nicht zu beeinflussende wie Wetter. Und eine falsche Anweisung kann verheerende Folgen haben.
    Auf einem kleinen Regionalflughafen mit je einem Start / einer Landung in der Stunde mag das auch noch relativ kontrollierbar sein, aber an großen Flughäfen wie Frankfurt mit Starts und Landungen im Minutentakt ...

    Der Fluglotse trägt also die gleiche Verantwortung wie der Pilot oder eben der Lokführer, ein kleiner Fehler hat große Wirkungen, und warum soll der Lokführer da nicht auch ein faires Gehalt bekommen wie eben der Pilot oder der Fluglotse?


    Ja und was mach ich als regelmäßiger Nutzer der Bahn in nächster Zeit?
    Erstmal bin ich froh, dass ich aktuell mit dem Auto daheim bin und so erstmal etwas abwarten kann. Und für die nächsten Wochen werde ich mich wohl mehr auf die Autobahn konzentrieren, irgendwie komm ich also schon heim. Und was überfüllte Züge angeht (weil ja einige ausfallen werden), wer an den anderthalb Euro für die Sitzplatzreservierung spart, tut das definitiv am falschen Ende.
    Ich hoffe jetzt nur, dass die Züge, für die ich schon Fahrkarten hier liegen habe, dann auch fahren, aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit!

  7. #6
    Benutzerbild von TeilzeitPunk66

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    AW: Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Streiken ?, die sollen doch echt froh sein den Job noch zu haben,wir alle sind ersetzbar, ich Arbeite 7 Tage die Woche im 3 Schichtsystem in der Chemiebranche , gekürzt wird überall besonders die Zuschläge die den Nettoverdienst erst ausmachen ,so wie Nacht/Erschwerniszulagen,Staubzuschuss, das Wort Streiken wird bei uns nur
    Müde belächelt,wir sind froh das die Nachtzuschläge noch nicht besteuert werden, 1 freies Wochenende im Monat haben wir,die Lokführer sollen nicht rumjammern
    sondern den Job machen.....denn gut ist wer überhaupt noch einen hat...

  8. #7
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Zitat Zitat von TeilzeitPunk66 Beitrag anzeigen
    Streiken ?, die sollen doch echt froh sein den Job noch zu haben,wir alle sind ersetzbar, ich Arbeite 7 Tage die Woche im 3 Schichtsystem in der Chemiebranche , gekürzt wird überall besonders die Zuschläge die den Nettoverdienst erst ausmachen ,so wie Nacht/Erschwerniszulagen,Staubzuschuss, das Wort Streiken wird bei uns nur
    Müde belächelt,wir sind froh das die Nachtzuschläge noch nicht besteuert werden, 1 freies Wochenende im Monat haben wir,die Lokführer sollen nicht rumjammern
    sondern den Job machen.....denn gut ist wer überhaupt noch einen hat...
    Malocherjobs werden durch derartige Schichten eben erst interessant und umso geringer qualifiziert die Arbeit ist, desto leichter ist man ersetzbar. Deshalb muss man sich aber nicht maßlos ausbeuten lassen und fordern das gefälligst alle so arbeiten wie man selbst. Mein Vater arbeitet auch in der Chemibranche und der hat weitaus bessere Arbeitsbedingungen wie Du. Da ist aber auch mehr Zug in der Belegschaft und jede Kürzung von irgendwas gäbe richtig Theater. Die Firma gibts seit über 100 Jahren und derzeit brummts sowieso. Es ist also nicht so, dass man direkt Pleite gehen muss nur weil die Mitarbeiter von ihrem Job leben können und noch etwas Freizeit haben.

    Klar, der Traumbürger von Wirtschaft und wirtschaftshöriger Politik sieht so aus wie Du es schilderst (übrigens sind auch die ersetzbar). Wer nie aufmuckt, sich nach und nach alles nehmen lässt und immer wieder mit dem zufrieden ist was ihm bleibt, der hat am Ende gar nichts mehr. Irgendwann haben wir dann alle Jobs von denen man nicht leben kann, sind aber froh, dass wir wenigstens noch gebraucht werden.

    Politik und Wirtschaft feiern sich und ihren Aufschwung, jedes Quartal wird geprotzt wie toll die Arbeitslosenquote doch wieder gesunken ist. Gleichzeitig wird gejammert, dass es ja sooooo unendlich schwer ist heute überhaupt noch gute Mitarbeiter zu finden. Mit "die sollen doch echt froh sein den Job noch zu haben", macht man sich in diesen Zeiten nur unnötig klein und bleibt unter seinen Möglichkeiten. Für "Ich habe wenig und bin zufrieden, also sollen alle wenig haben und zufrieden sein", habe ich eh noch nie viel übrig gehabt. Bei diesem Wettbewerb nach unten machen sich alle nur gegenseitig fertig und keiner hat was davon. Die Vorstandsbezüge bei der Bahn haben sich seit Mehdorns Amtsanrtitt vervielfacht. Entweder ist das unanständig oder leistungsbezogen. Wenn es leistungsbezogen ist, dann bitte auch bei den Mitarbeitern und die sind mit ihren Forderungen dann noch vergleichsweise bescheiden und bodenständig.

    PM

  9. #8
    justmusic
    Benutzerbild von justmusic

    AW: Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Zitat Zitat von TeilzeitPunk66 Beitrag anzeigen
    Streiken ?, die sollen doch echt froh sein den Job noch zu haben,wir alle sind ersetzbar...
    Ganz ehrlich? Den Satz hab ich oft genug gehört in meinem Berufsleben, und der geht mir sowas vom am allerwertesten vorbei!
    Mein Ausbeuter in Weimar hat das ständig zu mir gesagt, und als ich dann mal länger krank war, hat er versucht, mich zu ersetzen (ich hab seine Stellenanzeige gefunden, als ich mich nach Alternativen umgesehen habe), er hat es aber nicht geschafft! Es gab keinen, den er nicht hätte erstmal einarbeiten müssen, der sofort hätte meinen Job übernehmen können.
    Irgendwann meinte er dann aber, mich nicht mehr brauchen zu müssen (und ich war im sehr dankbar dafür) ... ich war nicht einen Tag arbeitslos, hatte nahtlos was neues, er konnte mich dafür nicht ersetzen und von der Firma ist mittlerweile nicht mehr viel übrig.
    Wo ich jetzt arbeite, bricht gerade die Abteilung auseinander (wenn nicht bald jemand was tut), weil 2 Leute gekündigt haben, der Abteilungsleiter und der Mitarbeiter, der 5 Projekte gleichzeitig bearbeiten konnte. Die sind nicht so einfach zu ersetzen, weil das Wissen kann keiner haben, der von extern kommt, der Posten des Abteilungsleiters wurde intern neu besetzt, der Kollege fehlt dann aber woanders. Für die fehlenden Leute kommen dann Leiharbeiter, die aber von der Materie keine Ahnung haben (geht im Sondermaschinenbau auch schlecht), die muss man erstmal ein halbes Jahr wenigestens einarbeiten, bis sie selbstständig Projekte bearbeiten können, war ja bei mir nicht anders, der Umsatz ist dieses Jahr dafür katastrophal .... und jetzt sag mir nicht, die beiden fehlenden Kollegen wären einfach zu ersetzen!

    Genauso wie ein Lokführer, die Spezialausbildung ist sehr schwer, und den Lokführer-Führerschein macht man nicht mal eben so von heute auf morgen, das sind alles hochspezialisierte Fachkräfte. Oder willst du ab morgen ICE fahren?

    Jeder, der in seinem Beruf gut ist und engagiert, sich weiterzuentwickeln und sich so Spezialkenntnisse angeeignet hat, ist nicht einfach so zu ersetzen, und das wissen auch diejenigen, die das zu entscheiden haben!

  10. #9
    Mumie
    Benutzerbild von Mumie

    AW: Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Zitat Zitat von TeilzeitPunk66 Beitrag anzeigen
    Streiken ?, die sollen doch echt froh sein den Job noch zu haben,wir alle sind ersetzbar,
    Vorne weg,nimms nicht persönlich.

    Ich kann sowas auch nicht mehr hören.
    Ich arbeite momentan bei der Tankstellen-Marke X,als Tankwart im Fahrbahnbereich und mag meinen Beruf(gelernter Tankwart mit fast 20 Jahren Berufserfahrung) grundsätzlich sehr gerne.
    Doch was ich inzwischen verdiene ist nicht nur traurig,sondern zum .
    Um ein wenig aus den Nähkästchen zu plaudern.Anstatt den "Tankwarten" (indirekt über den Kraftstoffpreis,wie es früher bei den Tankwartlöhnen üblich war)ein ordentliches(von dem man Leben kann) Gehalt zu zahlen,überlässt der Konzern die Entlohnung der Tankwarte den "Partnern"(Pächter) macht aber soweit ich weis aber Vorschläge wie der Lohn sich zusammenstellen soll.Und da wären ein sehr niedriger Grundlohn von 600 Euro Brutto(für eine 40 Stundenwoche),mit der Möglichkeit von Provision,(natürlich wird vorausgesetzt das es an allen Stationen die gleichen Voraussetzungen herschen).
    Nun,wenn man Pech hat ist man dann an einer solchen Gurke von Station(und da gibt es einige davon) und kommt eh nicht an die 1200 Euro(Brutto!) die Gesellschaft vorgeben(ach,ja bei den 1200Euro,ist das Trinkgeld(!)mit reingerechnet.
    Letztendlich:
    Man kann,obwohl man eine gute Ausbildung hat und die Arbeit mag(sprich motiviert ist),mehr schlecht als recht davon alleine Leben(Familie gründen oder Altersvorsorge ist so wieso nicht möglich) der Konzern schöpft ab und der Arbeiter bzw. Angestellte bleibt auf der Strecke!
    Wenn ich dann noch sehe,welche fetten Gewinne von den Konzernen jedes Jahr eingefahren werden,kommt mir gleich nochmal daß .
    Die Pächter jammern auch alle und verweisen bei Lohnforderungen darauf das ihnen auch nichts bleibt,weil die Konzerne zuviel absahnen(mit spezielen Pachtverträgen).
    Aber was tun?

  11. #10
    Mumie
    Benutzerbild von Mumie

    AW: Der Bahnstreik kommt.... und nun?

    Um auch noch was direkt zum Thema(Bahnstreik) zu sagen:
    Ich habe das auch beobachtet und bin absolut der Meinung das die Lokführer das Recht haben zu streiken.
    Was mich aber immer in allen Berufen ärgert,sind die Trittbrettfahrer(sprich die keiner Gewerkschaft beitreten,aber gerne die Lohnerhöhungen oder andere Verbesserungen entgegen nehmen).

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