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Der Kalte Krieg: Was habt Ihr davon mitbekommen?

Erstellt von Die Luftgitarre, 31.07.2003, 23:15 Uhr · 18 Antworten · 1.342 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Ich mach mal den Anfang:

    - Da ich Jahrgang 1973 bin hab ich die ganze Sache mit Pershing2/Friedensbewegung/"3. Weltkrieg" in der ersten Hälfte der 80er überhaupt nicht mitbekommen.

    - In der zweiten Hälfte der 80er wußte ich dann als Unter- bzw. Mittelstufen-Schüler zwar, daß es da zwei "Blöcke" gab, auch mit unterschiedlichen Regierungs- und Wirtschaftssystemen, und daß die einander mit Atomraketen bedrohten; aber irgendwie hab ich das als Teenager in der zweiten Hälfte der 80er nicht wirklich ernst und wichtig genommen. Ich hab das eher als altbekannte Rivalität und weniger als aktuelle Kriegsgefahr wahrgenommen. Und zwar nicht erst seitdem Gorbatschow und Reagan 1987 das erste wirkliche Abrüstungsabkommen unterzeichnet hatten (das hab ich damals sowieso nicht so genau mitbekommen). Nein, auch bevor man überall von Perestroika sprach, hab ich ebenso wie meine Freunde das ganze eher als Filmkulisse für unterhaltsame Spionage-Thriller wahrgenommen. Bei den Stichwörtern "Kalter Krieg" und "80er" erinnere ich mich spontan nur an:

    - "Gotcha!", diese herrliche Spionage-Teenager-Komödie, wo ein Highschool-Typ während eines Europa-Trips von einer verführerischen Frau (eine tschechisch-slowakische Agentin, wie sich rausstellt) über die Grenze nach Ost-Berlin gelockt wird.

    - "Rocky IV" Ich war für den Russen, einfach weil ich bei Filmen immer für die Bösen bin.

    - "007 - The Living Daylight" wo´s für Mr. Bond erst in die CSSR und dann nach Afganistan geht.

    - Jetzt wird´s skurril: Ein Klassenkamerad und Computer-Freak erklärte mir damals, er erwäge russisch zu lernen, damit er sein Computer-Wissen später je nach Angeboten beiden Seiten zur Verfügung stellen könnte.

    - Ein paar Waffenfetsichisten in meiner Klasse haben hin und wieder über russische und amerikanische Kampfjets und Panzer im Vergleich diskutiert.

    - Das mit der Mauer fand ich schon schlimm. Ich mußte dabei auch immer an den Videoclip zu Elton Johns "Nikita" denken.

    - Apropo Videos. Da war ja auch noch Stings "Russians". Der friedensbewegte Sting wäre in Ohnmacht gefallen, aber ich fand die düstere Stimmung in dem Song/Video, von der ich natürlich auf das Wesen der Russen schloß, sehr "cool" und hab mir über das Wettrüsten nicht weiter Gedanken gemacht.

    - Die Frage, welche Seite denn nun tatsächlich die gute war, hat mich nicht wirklich interessiert. Aber da ich bei Filmen wie gesagt immer für die Bösen war, war ich gefühlsmäßig eher für "die Russen". Allein schon um unseren CDU-Erdkunde-Lehrer zu ärgern. (Es ging im übrigen immer eher um die "Russen"; die DDR selber spielte für mich keine Rolle, und hatte mit "Deutschland" (=BRD) genauso wenig zu tun wie Polen oder Ungarn)

    - DDR-Fernsehen hab ich nur zweimal gesehen: 1986 als "25 Jahre antifaschistischer Schutzwall" gefeiert wurden. War einfach bizarr. Und 1989 anläßlich 40 Jahre DDR. Ich weiß noch genau, wie mein Vater ins Zimmer guckte: "Was? Den Quatsch guckst Du Dir an? Naja ..." *g*

    - Die Frage wie man dann das Ende 1989/90 miterlebt hat: Ich hatte GANZ KUR VORHER (Sommer ´89) gerade angefangen, mich etwas für Politik zu interessieren, und überlegt, wie man wohl die positiven Aspekte der beiden Systeme (Meinungsfreiheit und Demokratie hier, soziale Absicherung dort) kombinieren könnte. Von daher erhoffte ich mir von den Reformen im Osten eher vage so einen "dritten Weg". Die tatsächliche Entwicklung nach dem Mauerfall hab ich dann eher als enttäuschend erlebt.

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von falkenberg

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    Du schmeißt da leider einiges durcheinander. Als Kalten Krieg aus deutscher Sicht bezeichnet man üblicherweise die Zeit bis 1969, als die Ostverträge in Gang kamen.

    Da Du selbst zugibst, von der politischen Situation in den 80ern keine Ahnung zu haben, müssten jetzt politische Grundsatzdebatten folgen. Die möchte ich hier aber nicht führen. Besorg Dir vernünftige Literatur zur politischen Struktur der damaligen Bundesrepublik und der DDR. Die damaligen Filme sind nicht unbedingt eine gute Referenz.

    Ich bin auch nur 6 Jahre älter als Du, war aber immer politisch interessiert und habe mir die DDR auch vor der Wende angesehen. Darüberhinaus hat mich auch das musikalische Schaffen der DDR interessiert, ich habe durchaus regelmäßig DDR-Radiosender gehört (in Ostniedersachsen war das möglich).

    Die damalige "Friedensbewegung" in der BR Deutschland sollte man nicht so ernst nehmen. Sie hat sich im Nachhinein selbst diskreditiert. Man musste keineswegs konservativer Gesinnung sein, um schon 1982 zu erkennen, dass die "Friedensbewegung" von der DKP (und damit indirekt von der SED) gesteuert war. Nach dem Zusammenbruch der DDR hat die SED die Einflussnahme auch zugegeben, aber das wollte schon bald danach niemand mehr wissen. Die Demonstranten mit den lila Tüchern waren halt nicht unbedingt die hellsten unter der Sonne. Zur Abrüstung hat die damalige "Friedensbewegung" jedenfalls nicht beigetragen, eher im Gegenteil.

  4. #3
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    [quote]falkenberg postete
    Du schmeißt da leider einiges durcheinander. Als Kalten Krieg aus deutscher Sicht bezeichnet man üblicherweise die Zeit bis 1969, als die Ostverträge in Gang kamen.[/quote9

    Das war der Klate Krieg IM ENGEREN SINNE. Im weiteren Sinne bezeichnet man damit die gesamte Zeit der Systemkonfrontation. Gelegentlich bezeichnet man außedem die Zeit zwischen Anfganistan/NATO-Doppelbeschluß und dem Einknicken der Sowjetunion unter Gorbatschow als "Zweiten Kalten Krieg", der das Zwischenspiel der "Entspannungsphase" beendete.

    [b]
    Da Du selbst zugibst, von der politischen Situation in den 80ern keine Ahnung zu haben, müssten jetzt politische Grundsatzdebatten folgen. Die möchte ich hier aber nicht führen. Besorg Dir vernünftige Literatur zur politischen Struktur der damaligen Bundesrepublik und der DDR. Die damaligen Filme sind nicht unbedingt eine gute Referenz.
    Ich gebe zu, DAMALS als Kind/Teenager von Politik keine Ahnung gehabt zu haben. Und: Der Thread bezieht sich auf WAHRNEHMUNG dieser letzten Phase der Systemkonfrontation durch die Zeitgenossen, nicht auf die rückblickende, geschichtswissenschaftliche Klärung der tatsächlichen Zusammenhänge.


    [b]
    Ich bin auch nur 6 Jahre älter als Du, war aber immer politisch interessiert und habe mir die DDR auch vor der Wende angesehen. Darüberhinaus hat mich auch das musikalische Schaffen der DDR interessiert, ich habe durchaus regelmäßig DDR-Radiosender gehört (in Ostniedersachsen war das möglich).
    "Nur 6 Jahre älter"! In puncto Politik-Interesse macht es einen Riesen-Unterschied ob Du 12 bis oder 18! Ich kenne einige sehr politische Leute. Die haben alle erst so mit 14/15 - 17 angefangen, sich für Politik zu interessieren.

    [b]
    Die damalige "Friedensbewegung" in der BR Deutschland sollte man nicht so ernst nehmen. Sie hat sich im Nachhinein selbst diskreditiert. Man musste keineswegs konservativer Gesinnung sein, um schon 1982 zu erkennen, dass die "Friedensbewegung" von der DKP (und damit indirekt von der SED) gesteuert war. Nach dem Zusammenbruch der DDR hat die SED die Einflussnahme auch zugegeben, aber das wollte schon bald danach niemand mehr wissen.
    Was heißt "Steuerung"? Die DKP-Leute sind da natürlich mitmarschiert. Die Masse der "Friedensbewegten" waren aber keine Kommunisten. Und kann man sagen, daß diese nicht-kommunistische Mehrheit von der DKP "gesteuert" wurde, bloß weil sie wegen einer punktuellen Übereinstimmung (Ablehnung des NATO-Doppelbeschlusses) zusammen auf die Straße gegangen sind?
    Das könnte man höchsten behaupten, wenn es bei dieser Bewegung außer der DKP keine selbstständigen Inititativen und Strukturen gegeben hatte und die Leute alle nur durch DKP-Flyer auf die Straße gelockt worden sind.
    Tatsächlich war die Friedensbewegung eine Angelegenheit ganz überwiegend von "grün" eingestellten Pfarrern, Lehrern und Sozialpädagogen; die DKP konnte unter diesen dann einige neue Mitglieder gewinnen, aber sie konnte nicht der Bewegung im ganzen ihren Stempel aufdrücken. Sie konnte ganz konkret NICHT durchsetzen, daß auf den Demos nicht mehr über die sowjetischen Atom-Raketen gesprochen werden durfte.

    [b]
    Die Demonstranten mit den lila Tüchern waren halt nicht unbedingt die hellsten unter der Sonne. Zur Abrüstung hat die damalige "Friedensbewegung" jedenfalls nicht beigetragen,
    Ersteres mag sein, letzteres stimmt sicher

    [b]
    ... eher im Gegenteil
    wie denn das? Du meinst jetzt wahrscheinlich: Nur durch entschiedene Auf-, pardon: Nachrüsten des Westens wurde der Osten zum Einlenken gezwungen, und daher: Ein Glück, daß die Regierungen nicht auf die Friedensbewegung gehört haben? Dazu:

    Erstens: Den Gegner totrüsten ist natürlich auch eine Form, abzurüsten, aber zum einen eine sehr unausgewogene und zum anderen die riskanteste

    Zweitens: Auch nachdem der Osten seine Waffen gestreckt hatte, gab´s ja keine Friedensdividende. Zumindest die USA haben jetzt erst recht massiv aufgerüstet!

  5. #4
    Benutzerbild von falkenberg

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    Die Luftgitarre postete
    Ich gebe zu, DAMALS als Kind/Teenager von Politik keine Ahnung gehabt zu haben. Und: Der Thread bezieht sich auf WAHRNEHMUNG dieser letzten Phase der Systemkonfrontation durch die Zeitgenossen, nicht auf die rückblickende, geschichtswissenschaftliche Klärung der tatsächlichen Zusammenhänge.
    In Deinen Äußerungen war nicht erkennbar, das Du dich von der teilweise infantilen Sichtweise ("Die Frage, welche Seite denn nun tatsächlich die gute war, hat mich nicht wirklich interessiert. Aber da ich bei Filmen wie gesagt immer für die Bösen war, war ich gefühlsmäßig eher für "die Russen". ") verabschiedet hättest. Da Du das offensichtlich doch hast, hätte es besser "keine Ahnung gehabt zu haben" heißen sollen.

    Die Luftgitarre postete
    Nur 6 Jahre älter"! In puncto Politik-Interesse macht es einen Riesen-Unterschied ob Du 12 bis oder 18! Ich kenne einige sehr politische Leute. Die haben alle erst so mit 14/15 - 17 angefangen, sich für Politik zu interessieren.
    Es macht sicher einen Unterschied, wenn man z. B. die DDR noch als solche kennenlernen konnte. Allerdings habe ich mich auch schon vor 1983 (was bei Dir 1989 wäre) für solche Dinge interessiert.

    Die Luftgitarre postete
    Die DKP-Leute sind da natürlich mitmarschiert. Die Masse der "Friedensbewegten" waren aber keine Kommunisten. Und kann man sagen, daß diese nicht-kommunistische Mehrheit von der DKP "gesteuert" wurde, bloß weil sie wegen einer punktuellen Übereinstimmung (Ablehnung des NATO-Doppelbeschlusses) zusammen auf die Straße gegangen sind?
    Das ist die weit verbreitete beschönigende Sichtweise. Initiiert wurde das Ganze von der DKP bzw. deren Ablegern, "mitmarschiert" sind die anderen.

    Die Luftgitarre postete
    Sie konnte ganz konkret NICHT durchsetzen, daß auf den Demos nicht mehr über die sowjetischen Atom-Raketen gesprochen werden durfte.
    100%igen Einfluss hatte sie natürlich nicht. Aber welchen Stellenwert hatte denn damals die Rüstung der Sowetunion bei den Demonstranten? So gut wie gar keinen, höchstens bei einer verschwindend geringen Minderheit.

    Die Luftgitarre postete
    Du meinst jetzt wahrscheinlich: Nur durch entschiedene Auf-, pardon: Nachrüsten des Westens wurde der Osten zum Einlenken gezwungen, und daher: Ein Glück, daß die Regierungen nicht auf die Friedensbewegung gehört haben?
    Das meine ich hier nicht. Ohne "Friedensbewegung" wäre es 1982/3 zu Verhandlungsergebnissen bezüglich Abrüstung oder zumindest Nichtaufrüstung gekommen. Die Sowjetunion hat die Verhandlungen abgebrochen, weil sie meinte, durch den Druck der "Friedensbewegung" eine einseitige Abrüstung auf NATO-Seite erreichen zu können.

    Dass letztlich die NATO den Warschauer Pakt totgerüstet hat, ist eine andere Sache. Ob das von NATO-Seite so beabsichtigt war, wird man nicht feststellen können, vermutlich war es das eher nicht.

  6. #5
    Benutzerbild von
    Ich denke nicht, dass dies hier als besonders politischer Thread von Luftgitarre konzipiert ist (sondern eher als Sammlung persönlicher Erinnerungen an einen bestimmten Aspekt eines Jahrzehnts - und das auch nur als Ableger, des "Wann würdet Ihr gerne geboren worden sein?"-Threads) und es wäre doch Schade, jetzt direkt eine Grundsatzdebatte daraus zu machen, wann der kalte Krieg aus deutscher Sicht zu Ende war oder ob man mit x Jahren eine politisch korrekte Sichtweise hatte oder nicht. Für mich und ein "paar" andere Leute, war er 1989 zu Ende und das spiegelt sich auch in der Presse der damaligen Zeit wider. Ein Beispiel hierfür, mag folgende "zeitgenössische" Karrikatur sein:



    Abgesehen davon, soll es hier jawohl gerade auch u. a. um die "teilweise infantile Sichtweise" eines Grundschülers(!) gehen (im Fall von Luftgitarre). Es wäre doch nun völlig Banane in einem "Was habt ihr davon mitbekommen"-Thread nicht zuzugeben, dass man von der "Böser Russe, guter Ami"-Propaganda seinerzeit ganz schön eingenommen war. Gerade das ist es z. B., was Luftgitarre davon noch hauptsächlich in Erinnerung hat. Das ist doch ok, darum gehts hier doch und nicht darum, ob das damals richtig oder falsch war?!

    Und natürlich macht es auch nur Sinn, über einen "Kalten Krieg" in den 80ern zu diskutieren, wenn man ihn selbst als noch existent gesehen hat. Und ich glaube, dass sehen viele so. Und das sowohl aus Deutscher, als auch aus globaler Sicht (was eins wird, wenn man an die 3. WK Szenarios denkt, die alle auf deutschem Boden abgefackelt worden wären).....

    Meine Erinnerungen folgen in einem separaten Post.

    Dave

  7. #6
    Benutzerbild von
    So, nun mal mein Beitrag zum Thema "Was habt ihr vom Kalten Krieg mitbekommen?":

    Ich wuchs neben dem eisernen Vorhang auf. Am Anfang war es noch ganz schön weit weg, als ich mit dem Fahrrad weiter fahren durfte, war es halbwegs erreichbar. Später wurde mir klar, dass es nur 3km waren und ich damit nur aufgrund eines kleinen Flüsschens nicht im FDJ-Hemd durch die Gegend radelte. ;o)

    Die Atmosphäre direkt am Zaun faszinierte mich, die DDR-Grenzsäulen (mit 1,8m größer als ich) fand ich deshalb spannend, weil ich, da wo es möglich war, immer mal einen Schritt an ihnen vorbeiging. Da DDR, da BRD, hier ich *g*
    An anderer Stelle kam man bis auf 5-10m an den Zaun ran. Nicht selten liefen da hinter in nochmal 10-20m Abstand NVA-Grenzer mit ihren Schäferhunden. Ich hielt die damals für arme Irre, denn auf unserer Seite, machte kein Mensch so einen Aufstand - da liefen nur ganz normale Leute am Zaun rum.

    Beeindruckend waren die riesigen Beton-Beobachtungstürme. Ich musste bei ihrem Anblick immer an "die Dreibeiner" (Tripods) denken. Und in gewisser Weise, hatten sie ja auch die gleiche Funktion. Im Winter, wenn die Bäume kein Laub mehr trugen, konnte man die erste Ortschaft hinter den Grenzanlagen erkennen. Ich habe mich immer gefragt, ob die Leute von dort auch zu uns rübergucken und ob sie sich eher freuen oder eher ärgern, dass wir vom Westen aus von Aussichtsplattformen rübergaffen, wie in einen Zoo.

    Es gab bei uns Straßen ins Nichts (sie endeten an gesprengten Brücken oder mitten in einem Feld), Eisenbahnlinien die nirgendwo mehr hinführten und andere Dinge, die davon zeugten, dass es einmal eine andere Zeit gegeben haben muss, als alles noch eins war. Irgendwie fühlte ich mich bei dem Gedanken, was sich auf so einer Straße früher alles mal abgespielt hat, wer wen ganz normal besuchen konnte usw. etwas unheimlich.

    Wir bekamen auch DDR Fernsehen rein. Die DDR-Nachrichten, "Der schwarze Kanal" usw. waren wirklich eine erstklassige Satire auf unser Land. Richtig gut wurde es allerdings, wenn man erst Aktuelle Kamera und dann Tagesschau angeschaut hat. Es ist schon erstaunlich wie unterschiedlich man ein und die selbe Nachricht verbreiten kann. In den Dritten Programmen werden ja heutzutage teilweise beide Ausgaben von vor 20 Jahren hintereinander gesendet. Immer wieder gut <g>

    1989 war ich dann mitten im Geschehen. Die DDR setzte sich in Bewegung und sie kam zu Fuß die Hauptsraße runter. Der Verkehr kam zu Erliegen. Zehntausende DDR-Bürger fluteten unsere Stadt - und zwar Mitten in der Nacht. Ruckzuck wurde das Rathaus geöffnet, Kohle von den Banken rangeschafft und dann gabs das berühmte Begrüßungsgeld. Die Schlange vor dem Rathaus war bestimmt 2km lang und es standen immer 4-5 Leute auf dem Bürgersteig nebeneinander. Es wurden auch immer mehr, weil die Stadt dann einen Buspendelverkehr organisierte. Als dann auf einmal die Geschäfte mitten in der Nacht um 2h aufmachten, dachte ich echt ich träume. Die Leute haben alles weggetragen, die Läden waren leer. Wir hatten in den folgenden Tagen unsere Not, für uns selbst was zu fressen zu kaufen. Entweder gabs nix mehr oder die Läden waren wegen Überfüllung ständig abgeschlossen, bis wieder genug Leute draussen waren. Man, man, man ;o) Tja, damals haben sich noch alle in den Armen gelegen. Es existieren noch Fotos und Filme aus der Zeit, wo so richtig rührende Szenen drauf sind, wo die Tränen fließen usw.
    Ich selbst habe in diesen Tagen einen größeren Teil meiner Verwandschaft kennen gelernt, von dem ich gar nicht wusste, dass es ihn gibt.

    Und schon damals wurde mir klar, dass diese Euphorie nicht lange halten würde. Denn schon da gingen nach anfänglicher Freude die Zankereien los, wie denn nun alles kam, wie es nun ist und vor allem wie es einmal weitergehen wird. Ich wünsche mir heute manchmal, jeder der heute missgelaunt über das Verhältnis zwischen Ost- und West denkt, wegen dem Soli hadert usw., hätte damals mal auf so ein Trabidach geklopft und diesen historischen Moment nicht nur im Fernsehen erlebt.

    Ich bin froh und dankbar, damals dabei gewesen zu sein. Eine Chance, bei so einem historischen Moment teilhaben zu können, ist verschwindend gering. Und genau deshalb, ist für so viele Menschen der Kalte Krieg auch 1989 zu Ende gegangen, auch und gerade in Deutschland. Leider erscheinen solche Ereignisse erst in ihrer wahren Größe, wenn sie 30 Jahre später in Geschichtsbüchern zu lesen sind.

    Damals hat man sich gefreut..... heute wünscht man sich den Zustand dieses Tauziehens zwischen zwei Mächten fast als Stabilitätsfaktor zurück.

    Dave

  8. #7
    Benutzerbild von new-waver

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    der kalte krieg ist mir so in erinnerung gelieben, dass sich ost und west waffenstarrend gegenüberstand und sich damit brüsteten, wie viel atomsprenköpfe der eine und der andere hat und oft jeder die gesamte erde in die luft sprengen kann!
    ich fand (und finde) den gedanken einfach krank, dass irgendwo so ein arxxxxxx an einem knöpfchen sitzt und über das schicksal der gesamten menschheit entscheiden kann! es war eine regelrechte horrorvorstellung dass auf einer seite einer aus versehen mal den roten knopf drückt und damit die gegenreaktion des gegener auslöst und die welt in schutt und asche legt!
    ich konnte dieses wettrüsten nie verstehen!!
    für mich war die eine seite so schlimm wie die andere!
    als jugendlicher hatte man mehr als ein ungutes gefühl bei dem gedanken, dass jeden tag der kalte zu einem heißen krieg werden, der 3. weltkrieg ausbrechen könnte und deutschland wohl der hauptschlachtplatz geworden wäre.
    da packte einen schon die wut dass einfach irgend jemand dein leben so in der hand hält!
    ich bin froh dass es jetzt ein großteil der atomwaffen verschrottet sind, der warschauer pakt zerbrochen und das feindbild von damals verschwunden ist!
    gelernt hat die menschheit allerdings kaum etwas daraus, denn atombomben gibt es immer noch und es wird munter weiter getestet!
    auch haben wir uns neue feindbilder geschaffen. allen voran die amis!
    eigentlich schade, denn für mich war das zerbrechen des ostblocks ein weltpolitisches ereignis, welches ein wendepunkt in der menschheitsgeschichte hätte sein können!!


    ------

  9. #8
    Benutzerbild von agony

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    6
    Mein Beitrag ist Rambo… da ich mehr am Ende der 70er aufschlug mal nur der dritten Teil… wenn man mal die Hände vor’s Gesicht hält und durchluschert (bzw. das Ganze mit infantilen Augen betrachtet) könnte man denken, dass die Feinde meines Feindes meine Freunde sind… heute müsste man eigentlich schlauer sein… Vielleicht ist das ja auch weit hergeholt...

  10. #9
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    agony postete
    Mein Beitrag ist Rambo… da ich mehr am Ende der 70er aufschlug mal nur der dritten Teil… wenn man mal die Hände vor’s Gesicht hält und durchluschert (bzw. das Ganze mit infantilen Augen betrachtet) könnte man denken, dass die Feinde meines Feindes meine Freunde sind… heute müsste man eigentlich schlauer sein… Vielleicht ist das ja auch weit hergeholt...
    Überhaupt nicht. Dem Westen ist es doch heute mega-peinlich, daß er die ganzen religiösen Fanatiker in Afganistan damals als "Freiheitskämpfer" hochgejubelt hat (bloß weil die halt praktischer Weise ebenfalls gegen die gottlosen Sowjets waren)!

  11. #10
    Benutzerbild von Feenwelt

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    Blitzlicht 1: 1982 oder 83, weiß ich nicht mehr genau, kochte die Pershing-Diskussion extrem hoch. Ich war damals in der 6./7. Klasse und auf meinem Gymnasium wurde ein Streik initiiert. (Und zwar von Schülern, die mit der DKP ganz bestimmt nichts am Hut hatten.) Dummerweise dürfen Schüler aber nicht streiken. An dem bewußten Streiktag sollte sich ab 9.30 Uhr die Schule in der Aula versammeln, zum friedensbewegten Diskutieren. Die Lehrer hatten den Auftrag, das zu verhindern. Diese Situation spaltete die Schule. Einige Lehrer ignorierten die Order und gingen selbst in die Aula. Andere, wie mein superkonservatives Latein-Sackgesicht, hielten die Schüler mit Repressalien im Klassenzimmer fest. Einige von uns gingen trotzdem und erfuhren später, daß sie eine 6 bekamen. Sie wären nämlich angeblich in dieser Stunde mündlich geprüft worden... (Und NUR die!)
    Wieder andere Lehrer sperrten die Schüler ein, was zwar zu ein paar Anzeigen führte, aber keine Konsequenzen hatte. Es war das 1. Mal, das ich das Gefühl hatte, wirklich etwas gegen den Kalten Krieg zu unternehmen, als ich mit den anderen Schülern in der Aula saß und politischen Diskussionen lauschte, die ich nur halbwegs verstand.

    Blitzlicht 2: Ich besuchte etwa 1984 meinen Patenonkel in Helmstedt. Weil ich keinen Bock mehr auf Kaffee und Kuchen hatte, ging ich etwas spazieren, im Wald. Als ich einige Zeit einem Waldweg gefolgt war, tauchte auf einmal mittendrin ein riesiges weißes Schild auf. Ich weiß nicht mehr, was genau draufstand. (Irgendwas mit "Selbstschuß-Anlagen" und "Weitergehen verboten!")
    Aber es machte mir eine Höllenangst. Es war das 1. Mal, daß ich wirklich verstand, was die Trennung Deutschlands bedeutete. Ich dachte nur die ganze Zeit: "Oh mein Gott, Du bist hier wirklich in Lebensgefahr. Gleich fällt von irgendwoher ein Schuß - und das war's. Bist Du vielleicht schon einen Schritt zu weit gegangen???" (Die Grenze hatte ich vorher noch nie gesehen.)

    Insgesamt kann man sagen, daß der Kalte Krieg für mich nicht nur Öko, Müsli, Joints, friedensbewegte Trällerliedchen zur Gitarre und Pfadfinder-Mentalität war. Er war für mich ab etwa 83 sehr real, sehr bedrohlich und verlor seinen Schrecken erst dann, als ich 1987 zur Bundeswehr kam. Es herrschte schon längst Glasnost und Perestroika, aber man versuchte uns immer noch einzubläuen, daß "Blau" gegen "Rot" kämpft und "der Russe" der Feind sei. Spätestens da durchschaute ich, daß hier ein überkommenes System zwanghaft am Laufen gehalten wurde, nicht nur von DDR-Seite, sondern eben auch in Westdeutschland.

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