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Der Niedergang der Hörkultur

Erstellt von Torsten, 02.08.2004, 17:04 Uhr · 22 Antworten · 1.321 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Babooshka

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    Äh, kleine Ergänzung, um Missverständnisse auszuschließen:

    Ich für meinen Teil konnte noch nicht feststellen, dass mich stundenlanges Hören von mp3s, sei es per "getoasteter" CD oder per Webradio genervt hätte, mehr genervt hätte als stundenlanges Hören "richtiger" CDs oder LPs. Ich merke da keinen Unterschied.
    Ich meine "keinen Unterschied", was den Genervtheitsfaktor angeht. Ansonsten höre ich den Unterschied schon. Wie einst zwischen Platte und Cassette halt.

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von Torsten

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    MaxiMan postete
    Ich kann mich dieser Vermutung aus eigenen Erfahrungen heraus nur anschließen.
    Ich ebenfalls. Da ich der Musik mindestens zur Hälfte über hochauflösende Kopfhörer lausche, treten hier selbst die feinsten Unsauberheiten deutlichst zu Tage. Und da macht sich nach längerem Hören eine deutliche Ermüdung bemerkbar, weil das komprimierte Zeug sehr kühl, oft harsch und regelrecht steril klingt. Das ist ein Sound, der eigentlich für Roboter und nicht für Menschen gemacht ist!

    Die Qualität von Klängen und Tönen macht für mich einen nicht unerheblichen Teil des emotionalen Gehalts von Musik aus, sodass ich die Entwicklung zu immer mehr Datenreduktion als paradox empfinde. Man darf sich zudem auch fragen, warum viele Musiker und Toningenieure einiges an Zeit und Mühe investieren, um gut klingende Tonträger zu produzieren, wenn vielen Menschen der Sound völlig am Allerwertesten vorbeigeht; offensichtlich scheint der breiten Masse nicht klar zu sein, dass dies eben auch ein sehr wichtiger Aspekt von Musik ist.

    Eines erlebt man aber immer wieder: Selbst diejenigen, die die Bedeutung guter Klangqualität gerne kleinreden, machen meist einen auffällig faszinierten Eindruck, wenn sie mal die Gelegenheit haben, einer echten High-End-Anlage zu lauschen. Sooo kalt scheint sie es dann offensichtlich doch nicht zu lassen, wenn sie merken, dass sie im Vergleich zu so viel Präzision, Durchsichtigkeit, Druck und vor allem Gänsehautfaktor sich sonst eigentlich nur purer Lärmbelästigung aussetzen... ;-)

  4. #13
    Benutzerbild von Torsten

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  5. #14
    Benutzerbild von F.G.T.H.

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    Herr Biermann sollte sich als Fledermausflüsterer beim Nabu bewerben. Wer im Alter von 42 Jahren den höheren Frequenzumfang von SACD bzw. DVDA gegenüber der herkömmlichen CD-A hören kann, darf mit dieser Fähigkeit im Zirkus oder bei "Wetten das" auftreten. Hörversuche haben ergeben, dass auch sogenannte "audiophile" nicht einmal in der Lage waren, MP3 codierte Musik als solche zu erkennen. Die Treffer lagen im Zufallsbereich. (ct' 6/2000)

    Martin Mittelmann

    kopiert aus einem Spiegel-Leserbrief

    dem kann ich nur zustimmen, anders verhält es sich wenn ich LCD's mit DVD's vergleiche da liegt die LCD meilenweit vorn, weil da ist im Sound richtig Druck hat sich aber leider nicht durchgesetzt, dies sind persönliche Erfahrungswerte auf einer High-End Anlage.

  6. #15
    Benutzerbild von Torsten

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    Herr Biermann sollte sich als Fledermausflüsterer beim Nabu bewerben. Wer im Alter von 42 Jahren den höheren Frequenzumfang von SACD bzw. DVDA gegenüber der herkömmlichen CD-A hören kann, darf mit dieser Fähigkeit im Zirkus oder bei "Wetten das" auftreten. Hörversuche haben ergeben, dass auch sogenannte "audiophile" nicht einmal in der Lage waren, MP3 codierte Musik als solche zu erkennen. Die Treffer lagen im Zufallsbereich.
    Erstens gab es da schon ganz anderere Resultate. Zweitens geht es hier mehr um die Auswirkungen bei länger andauernden Hörsitzungen, und da schneidet MP3-Mucke nach eigener Erfahrung spürbar und somit deutlich schlechter ab.

  7. #16
    Benutzerbild von F.G.T.H.

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    Hi Torsten
    Natürlich stimme ich Dir zu, wie ich schon in anderen Postings von Dir vernehmen konnte bist Du im Besitz einer vernünftigen Anlage um quallifizierte Urteile abgeben zu können.
    Es ist auch logisch das MP 3 sclechter sein muß. Dennoch kann ich es mir nicht vorstellen, dass ein Normalsterblicher der unwissendlich MP 3 über einen längeren Zeitraum hört völlig gestresst das Arial verlässt.

  8. #17
    Benutzerbild von Babooshka

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    F.G.T.H. postete
    Dennoch kann ich es mir nicht vorstellen, dass ein Normalsterblicher der unwissendlich MP 3 über einen längeren Zeitraum hört völlig gestresst das Arial verlässt.
    Genau das kann ich eben auch nicht. Definieren wir doch mal "längeren Zeitraum". Mehrere Stunden? Wenn ich ein einfaches Projekt zu bearbeiten habe, bei dem ich mich nicht so doll konzentrieren muss, läuft entweder ein Webradiosender mit oder eine selbst getoastete CD mit ganz vielen Liedern, also ebenfalls mp3, damit ich nicht dauernd aufstehen und wechseln muss. Wie jeder andere auch, arbeite ich täglich mehrere Stunden - mit dem Unterschied, dass ich sie oft nicht so hintereinander wegarbeite, sondern sie auf den ganzen Tag verteile. Ich kann danach keine übermäßige Müdigkeit oder Gestresstheit oder Genervtheit feststellen. Das passiert mir nur, wenn ich ein doofes Projekt habe

  9. #18
    Benutzerbild von F.G.T.H.

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    Hi Babooshka

    Ich fange mal Vorsichtig an und sage 3-4 CD Längen. Wobei auch noch zu berücksichtigen wäre, was Du ja auch schon sagtest "was mache ich während des hörens?". Selbst wenn ich es als Hintergrundmusik laufen lasse auf dem Feinsten vom Feinen ist nur ein Beispiel und ich lese dabei, komme aber aufgrund einer kurzen musikalischen Ablenkung raus bin ich auch genervt. Ausschlaggebend ist natürlich auch die Lautstärke oder bin ich in meiner geliebt gewohten Umgebung, wie ist die Tagesverfassung usw.. Also was sich die Tester da wohl gedacht haben, ich weis nicht!

  10. #19
    Benutzerbild von Christoph

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    Schöner Artikel! Leider ist er in den gedruckten Ausgaben des SPIEGEL nicht veröffentlicht worden, sondern nur im Internet. Und nachdem ich mit Torsten bereits "offline" das Thema diskutiert habe, hier also mein ausführlicher Senf dazu:

    Die Diskussion um Vinyl oder CD ist endlos und endet jedes Mal in der wohl mehr philosophischen Frage, ob knisternde Lagerfeuerromantik oder sterile Durchsichtigkeit das Musikerlebnis greifbarer machen. Egal, Geschmackssache!

    Interessanter wird daher für mich der letzte Abschnitt des SPIEGEL Textes, nämlich wenn es darum geht, ob mit der Komprimierung ein Kulturverlust einhergeht.
    Ich selber bin mit der CD sehr zufrieden, die darauf speicherbare Datenmenge ist riesig und wird nur deshalb in den letzten Jahren relativiert, weil inzwischen jedes Mobiltelefon offenbar unzählige Gigabytes Speicherkapazität haben muss. Und auch gerade deshalb ist es doch paradox, dass zwar Rechnerleistung und Speicherkapazität immer gigantischer werden, die Musikdatenmenge aber komprimiert - weil reduziert - werden muss. Wo ist da die Logik? Also, die CD – ordentlich aufgenommen und auf vernünftiger Hardware abgespielt, bietet ein sauberes Klangbild auf handlicher Größe und komfortabler Bedienung.

    Aber es haben auch stärker komprimierte Musikformate durchaus ihre Berechtigung. Ich nutze ausserhalb der eigenen vier Wände fast ausschliesslich MiniDisc (MD). Als Hörprobe beim Online-CD-Shop reichen ganz sicher auch mp3-Dateien aus, um sich von der Musik ein erstes Bild zu machen. Problematisch wird es für mich erst, wenn ein solches reduzierendes Verfahren als Standard etabliert werden soll (passiert zum Glück nicht) oder, weil die Alternativen an Einfluss verlieren, es sich still und heimlich etabliert (das scheint bei der aktuellen Jugend durchaus der Fall).

    Ich hatte bereits mehrmals das Vergnügen, an Studioaufnahmen beteiligt zu sein: bei klassischen Produktionen als auch bei meiner eigenen Band. Es ist wirklich erstaunlich (und als Betroffener natürlich sehr nervig ), mit welcher Genauigkeit die Tontechniker ihre Arbeit machen. Da wird jedes noch so minimale Nebengeräusch aufgespürt und verbannt. Da wird probiert, welcher Schuh am Schlagzeug welchen Sound bringt, woher evtl. störende Vibrationen kommen, und dann gibt es unzählige elektronische Helfer, die alle nur dem Ziel dienen sollen, nichts als die Musik auf das Band zu lassen. Und das ist nur die technische Seite, auf der anderen Seite stehen Musiker, die jahrelang üben, lautlose Fingersätze erfinden, Anblasgeräusche und ihre Verhinderung trainieren, damit auch hier nichts als Musik auf das Band kommt. Da geht unheimlich viel Liebe mit auf die Aufnahme, es wird liegend oder gar nackt gesungen (Mariah Carey), damit es "ehrlich" klingt, da machen sich unzählige Leute Gedanken, bis dann endlich ein Produkt geschaffen ist, dass diese Liebe und Musizierfreude im besten Fall auch auf die Zuhörer überträgt. Oft funktioniert das! Warum sonst bleibt ein Musikstück meist über Jahre hinweg für manche DAS Lieblingslied?

    Aber dann kommen jugendliche Cracks, jagen die Musik durch einen Filter – und futsch! Kein Gedanke an die Vorarbeit, an die Mühe. Sicher sind auch andere Faktoren schuld: die Kurzlebigkeit vieler Produktionen, die Austauschbarkeit vieler Künstler. Ich erinnere mich, wie ich nach einem Superalbum auf den Nachfolger wartete, die Nachrichten zum Stand der Studioarbeit verfolgte, dann die erste Single des nun bald erscheinenden Albums hören konnte, und dann nach ewigem Warten endlich die Nachfolgeplatte (m)eines Stars gekauft (gekauft!) habe. Die Kids heute? Nachfolgealbum? Egal, Künstler Y klingt doch genauso wie X – höre ich halt Y. Kaufen? Wie jetze... Das alles trägt dazu bei, dass der ideelle Wert einer Platte heute eben nicht mehr so hoch angesehen wird, also hat man auch kein Problem damit, den Song komprimiert auf Festplatte zu speichern, ihn kaputt zu machen. Soll er, von mir aus, solange er nicht vergisst, wie ein Tonträger im Regal aussieht und was alles dazugehört, bis er dorthin kommt. Sonst läuft es wohl darauf hinaus, dass zum zukünftigen Musikunterricht in der Schule das ganz banale "HÖREN" eines Liedes zum Lehrplan gehören wird.


    Warum geht man eigentlich zum Italiener, wenn man mal wieder Pasta oder Pizza essen möchte? Ich könnte mir auch einen Tiefkühlfladen in den Ofen schieben, und dann daheim italienisch essen, oder? Ich könnte generell kurz schauen, was der Körper an Nährstoffen täglich braucht, und dann halt den entsprechenden Pillenmix einwerfen, oder? Trotzdem gehe ich gerne zum Italiener... Dort bekomme ich eben keine Tiefkühlpizza, ich habe ausserdem um mich herum Leute, die offenbar auch gerne italienisch geniessen, ich habe einen Koch aus Italien, ich habe die italienischen Wortfetzen der Bedienung, ich fühle vielleicht ein bisschen von der südeuropäischen Gelassenheit, ich habe ein passend ausgewähltes Getränk, einen liebevoll eingerichteten Raum, einen typischen Duft, ein bestimmt angenehmes Gesamterlebnis. Zum Essen gehört eben eindeutig mehr als eine Kaubewegung – und so ist es auch beim Hören!


    Also, Babooshka:
    Hören kann man auf verschiedene Art. Das von Dir beschriebene Hören (Post 016) würde ich kaum als solches bezeichnen, eher als Hintergrunduntermalung. Das ist auf keinen Fall negativ gemeint. Nur erklärt es, warum es Dich nicht stört, mp3 Format abzuspielen: Du hörst nicht hin, genauso könnte auch ein Ventilator oder der Fernseher laufen, oder? Ist das gleiche Phänomen wie bei den meisten Radiosendern (oder der typischen Kaufhausmusik): es dudelt so vor sich hin, aber niemand kann danach wirklich sagen, wie viele oder gar welche Lieder gespielt wurden. In Deinem Fall ist es sogar wichtig, denn würde Dich die Musik direkt ansprechen, könntest Du Dich weniger auf die Arbeit konzentrieren.

    Und umgekehrt ist es eben nicht möglich, voll konzentriert eine CD anzuHÖREN, die keine musikalische und klangliche Tiefe hat. Es wird langweilig, die Sinne werden nicht gefesselt, es fällt schwer, dranzubleiben, es wird einfach anstrengend. Man kann auch nicht stundenlang auf ein Testbild starren und danach behaupten, es hätte eine emotionale Bindung bestanden 

    Und noch eine Aussage von Babooshka, das ich aufgreifen möchte:
    Babooshka postete
    ... die Cassetten, die wir früher (also damals, in den 80-ern) hatten und teilweise immer noch haben (ich jedenfalls werde meine nie aufgeben), klangen doch qualitativ gesehen noch schlechter als mp3. Hat sich da jemals wer drüber aufgeregt?...
    Nein, hat sich niemand drüber aufgeregt. Der Unterschied zu heute ist aber, dass dieser Unterschied jedem bewusst war. Erstens, weil der Klangunterschied wirklich sehr deutlich war, zweitens, weil der Kopieraufwand recht hoch war (Verkabeln, Kassetten vorbereiten, einpegeln und dann in Echtzeit überspielen). Die Gefahr heute ist, dass alle unter zweitens genannten Aspekte praktisch wegfallen und der erstgenannte Punkt eben scheinbar nicht mehr so deutlich zu hören ist. Es wird als selbstverständlich angesehen und das Original gar nicht mehr als solches wahrgenommen.


    Und kurz zur DVD-A/SACD: hierfür wird sich ganz sicher die Masse erst interessieren, wenn die Preise und das soziale Umfeld (wieder) stimmen. Vielleicht sollte aber auch erst mal konsequent das Potentzial der herkömmlichen CD genutzt werden. Die Anlage, und sei sie noch so hochwertig, kann nur wiedergeben, was auf der Scheibe gespeichert ist, und das scheint bei der Masse der aktuellen Produktionen eher wenig zu sein! Daran ist aber nicht die CD schuld, sondern ihre jeweiligen Macher!

    Gruß
    Christoph

  11. #20
    Benutzerbild von Torsten

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    Danke und Kompliment für diesen pointierten wie wunderbar dargelegten Beitrag, Christoph - mit das Beste, was ich in letzter Zeit in diesem Forum gelesen habe. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass ich den Inhalt komplett unterschreibe...

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