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Der Öko

Erstellt von musicola, 25.09.2006, 14:55 Uhr · 3 Antworten · 1.371 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von musicola

    Registriert seit
    07.02.2002
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    13.851

    Der Öko

    Dieter Rehnen:

    Der Öko:

    Musik: U2, Simple Minds, Angelo Branduardi

    Behausung: Alternativer Bauernhof

    Nachrüstung: Schwerter zu Pflugscharen!

    Strickbegabung: 100%

    Aussteigerwille: Ja, eigentlich schon, weißt du, aber ich weiß ein Stückweit ja auch nicht so genau, wohin jetzt genau...

    Getränke: Trinken? Quatsch, kiffen!

    Fortbewegungsmittel: R4

    Verhältnis zu Geld: Geld kann man nicht essen

    Lieblingsfernsehsendung: Monitor

    Sozialverhalten: Du, mit mir kannste echt über alles reden, du, wirklich.

    Essen: Müsli

    Haare (Kopf): Einfach wachsen lassen

    Klamotten (oben): Wollpulli mit Buttons

    Klamotten (unten): Streifenhose, rote Cordhose, Hausbesetzerschuhe

    Lebensmotto: Und wenn morgen die Welt untergeht, so pflanze ich heute noch einen Baum
    Quelle: Die sagenhaften Achtziger; Econ & List Taschenbuch Verlag

    ************

    Herrlich überspitzte Darstellung des typischen 80er-Ökos!

    Aber ist das wirklich überspitzt, was Dieter Rehnen da zum Besten gab
    und waren/sind die Ökos in Wahrheit viel normaler?

    Ich selbst habe und hatte eigentlich nie näheren Kontakt zu Vertretern der oben beschriebenen Spezies. Klar, man sieht dann und wann mal irgendwelche Mittdreißiger bis Mittvierziger, denen man dann diesen Stempel auf den ersten Blick aufdrücken könnte, besonders, wenn man, wie ich im Einzelhandel arbeitet. SonnyB. und Vonkeil können dies sicher bestätigen! Aber persönlich kennen tue ich Keine/n.

    Haben wir hier im Forum bekennende Ökos? Oder Member mit Ökos im Freundeskreis? Sind Ökos automatisch Grünen-Wähler? Wollen sie immer noch die Welt vor dem Untergang retten?

    Fragen über Fragen...


    Gruß
    musicola

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Babooshka

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    15.11.2002
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    7.585
    Ich war früher mal Öko, aber nur vom Look her, und das irgendwann zwischen 1981 und Hälfte 1983. Irgendwo schrieb ich das auch schon mal. Ich trug lila gefärbte Männerunterhemden, Opahemden, Baumwollhemden made in India, Opawesten, Wollpullis, dunkelblaue und lilane Halstücher, ausgewaschene Jeans, Chinaschuhe, Clogs, Indienkleider, Fransenröcke, Jugendstil- und Indienschmuck, Patchouliöl und andere Parfümöle, hatte lange Haare und meine Schultasche war aus hellem Naturleder. Ich träumte von Roots-Schuhen, Alpakapullis und noch mehr Indienkleidern, Dinge, die ich alle nicht bekam, da viel zu teuer. Gesinnungsmäßig war ich jedoch absolut nicht so drauf. Politik ging mir gründlich am Arm vorbei, ich interessierte mich Null dafür. Demnach war ich auch auf keiner einzigen Friedensdemo, auf keinem Ostermarsch und keinem AKW Nee-Festival und ich habe auch kein besetztes Haus von innen gesehen. Ich interessierte mich weder für Marxismus noch für Leninismus noch für sonstigen Kommunismus und zum Wählen war ich noch zu jung. Drogen waren mir seit jeher zuwider und so habe ich auch keinen einzigen Joint angerührt. Das einzige - ja, ich hörte gerne U2, viel Progessives aus den 70-ern, Neil Young und Andreas Vollenweider und Karat und ich trank dazu auch gerne Wildkirschtee. Und ja, ich habe auch Der Tod des Märchenprinzen gelesen (packte mich aber damals schon gehörig an den Kopf) und auch diese Gedichtbände von Kristiane Allert-Wybranietz. Ja, ich schrieb Briefe auf Umweltpapier, weil ich es so schön fand. Ich strickte im Unterricht, das taten aber auch die Nicht-Alternativen. Aber alles in allem ist es reiner Zufall, dass ich eine Alternative war (damals sagte man noch nicht Öko dazu), weil dieser Look in meiner Schulklasse vorherrschte und auch mein erster Freund ein Alternativer war. Mein Lookwandel vollzog sich langsam so ab Mitte 1983, als ich die Schule gewechselt hatte und nun so ziemlich die einzige Alternative der Schule war (und dementsprechend blöd angeguckt wurde). Bereits im Winter 83/84 zog ich meinen schicken bestickten afghanischen Lammfellmantel mit Ziegenfellbesatz nicht mehr an

    Ja, so war das bei mir. Es gab aber auch die anderen Alternativen. Meine damalige beste Freundin war so eine. Zunächst wahrscheinlich, weil ich und der Rest der Klasse es waren; sie war da immer etwas Mitläuferin. Aber sie wurde es mehr und mehr, auch als ich davon abkam, war auf Friedensfestivals, Ostermärschen und Anti-USA-Demos zu finden, war eine Anwärterin für Leistungskurs Deutsch und verließ dann die Schule, um erst Fremdsprachenkorrespondentin und dann Erzieherin zu werden - letzteres war eher mit ihrer Gesinnung vereinbar. Wie ich später hörte, war sie dann mit einem Sannyasin zusammen, mit dem sie um die Wette kiffte und dann natürlich auch nach Indien reiste.

    Unter den Alternativen gab's so'ne und solche. Die einen, die nur die Mode mitmachten, so wie ich, und daneben die Vollblut-Ökos, die das mit allen Konsequenzen betrieben.

  4. #3
    Benutzerbild von Sammy-Jooo

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    So überspitzt ist die Darstellung des 80er-Ökos gar nicht, denn wenn man diese Leutchen seinerzeit live erleben konnte erkennt man in dieser Beschreibung doch sehr viel wieder. Hier war es auch so das als Behausung auf dem „alternativen Resthof“ auch noch ein paar alte Bauwagen zu finden waren. Als Fortbewegungsmittel dienten auch oft alte 2CV (also Enten), Traktoren, Unimogs, Solex-Mofas und Fahrräder. Ich glaube Fernsehen hatten die Leutchen zuerst gar nicht, denn ohne Strom war das gar nicht so einfach. Bei den Klamotten wurden auch oft diese Norwegerpullis und Rentierpullis gesehen. Als Hosen wurden auch gerne ausgewaschene, lilafarbene Latzhosen getragen. Und den alkoholischen Getränken waren sie auch nicht abgeneigt, auch wenn es sich dabei dann meistens um selbstgemachte Weinsorten aus diversen Beeren handelte und auch selbstgebrannter Obstbrand, Kartoffel- und Rübenschnaps war dort zu finden. Im Grunde waren es recht nette Typen mit denen man auch als Nicht-Öko gut auskommen konnte und bei denen man auch gastfreundlich empfangen wurde wenn dort eine Party lief. Zu der Zeit war hier von „den Grünen“ ja noch nicht so viel zu sehen, aber ich kann mir vorstellen das dort eben die „Keimzelle“ der Grünen lag und das heute viele davon diese Partei immer noch wählen.

  5. #4
    Benutzerbild von krähe74

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    Zitat Zitat von Babooshka Beitrag anzeigen
    Ich war früher mal Öko, aber nur vom Look her, und das irgendwann zwischen 1981 und Hälfte 1983. Irgendwo schrieb ich das auch schon mal. Ich trug lila gefärbte Männerunterhemden, Opahemden, Baumwollhemden made in India, Opawesten, Wollpullis, dunkelblaue und lilane Halstücher, ausgewaschene Jeans, Chinaschuhe, Clogs, Indienkleider, Fransenröcke, Jugendstil- und Indienschmuck, Patchouliöl und andere Parfümöle, hatte lange Haare und meine Schultasche war aus hellem Naturleder. Ich träumte von Roots-Schuhen, Alpakapullis und noch mehr Indienkleidern, Dinge, die ich alle nicht bekam, da viel zu teuer. Gesinnungsmäßig war ich jedoch absolut nicht so drauf. Politik ging mir gründlich am Arm vorbei, ich interessierte mich Null dafür. Demnach war ich auch auf keiner einzigen Friedensdemo, auf keinem Ostermarsch und keinem AKW Nee-Festival und ich habe auch kein besetztes Haus von innen gesehen. Ich interessierte mich weder für Marxismus noch für Leninismus noch für sonstigen Kommunismus und zum Wählen war ich noch zu jung.

    ...
    Das kommt mir sehr bekannt vor. Ich habe zehn Jahre später auch so eine Art Öko-Look gepflegt. Ich trug lange Cordhemden zu Cordwesten, zerschlissene Jeans, und eine kurze Wildlederjacke mit bunten Tüchern. Meine Mutter ließ dieser Look regelmäßig rot sehen. Außer den Äußerlichkeiten war aber auch bei mir nicht viel dahinter und spätestens nach dem Abi und mit Beginn des Studiums war es damit auch vorbei. Nun musste die Kleidung möglichst schwarz und sehr figurbetont sein und mit viel Schminke. Das dann halt die neue Abgrenzung vom langweiligen Studentinnen-Look. *ggg*

    Ökos in freier Wildbahn habe ich trotzdem kennengelernt. Anfang der 80er in Form der Klassenlehrerin, die den Friedenstaube-Button trug und uns Grundschülern die gesunde Ernährung und den Konsumverzicht predigte. Später eine Klassenkameradin, die mit 15 auf Feministin machte und auch den besagten Märchenprinzen las. Soviel ich weiß, macht sie heute auch was künstlerisches und ist bestimmt lesbisch geworden.