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Der Otto Reutter Thread

Erstellt von murmel, 25.12.2006, 20:56 Uhr · 9 Antworten · 1.657 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von murmel

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    Der Otto Reutter Thread

    Damit auch alle wissen, worüber wir reden:

    Otto Reutter, eigentlich Otto Pfützenreuter, (* 24. April 1870 in Gardelegen; † 3. März 1931 in Düsseldorf) war ein deutscher Komiker.

    1895 wagte er wahrscheinlich im schweizerischen Bern einen ersten Auftritt als „Salonhumorist“. Im Jahr darauf hatte er dann in Berlin seinen endgültigen Durchbruch. Hierbei wirkte insbesondere sein Talent, komisch-pointierte Verse in eingängigen Melodien im Sprechgesang vorzutragen und dabei selbst durch seine Erscheinung ironisch-komisch zu wirken. Nach diesem schicksalhaften Auftritt im „Wintergarten“-Varieté des Berliner Central-Hotels gehörte Reutter zu den umjubelten Stars und konnte sich in den folgenden Jahrzehnten durch großes Talent und großen Fleiß an der künstlerischen und finanziellen Spitze der deutschen Kleinkunstbühnen-Artisten halten.

    In der Zeit des Ersten Weltkrieges und auch einige Zeit danach, sang er viele Lieder, in denen das Geschehen und die allgemeine Meinung teilweise eher kritisch als humorvoll dargestellt wurde. So erzählt das Lied Ich möcht' erwachen beim Sonnenschein eher melancholisch, teilweise sogar sehr traurig über die allgemeine Stimmung in der Nachkriegszeit und Reutters Verlust seines Sohnes Otto Reutter jun. (geb. 1897?) in der Schlacht um Verdun.

    In den zwanziger Jahren trat Otto Reutter mit jenen Couplets auf, die heute noch bekannt sind und die u.a. von Peter Frankenfeld, Robert Kreis und anderen Interpreten vorgetragen und umgesetzt wurden. Insgesamt hat er über 1000 Couplets verfasst, die in diversen Schallplatten-Aufnahmen erhalten sind, die meisten von ihm gesungen, jedoch auch einige von Sängern wie Gustav Schönwald oder Armin Berg vorgetragen. Die Schallplattenaufnahmen von Otto Reutter wurden teilweise von einem Orchester begleitet (Grammophon-Studioorchester unter der Leitung von Bruno Seidler-Winkler, später vom Paul-Godwin-Ensemble unter Leitung Paul Godwins), teilweise hatte er eine Klavierbegleitung. Reutters frühe akustische Aufnahmen wurden zumeist durch das Grammophon-Studioorchester begleitet, die späteren elektrischen Aufnahmen durch Klavier oder das Paul-Godwin-Ensemble.

    Bedingt durch das Kriegsende und die Inflationszeit verlor er aber große Teile dieses Vermögens und war weiterhin darauf angewiesen, mit seinen Couplets durch die Varietés zu tingeln. So entstand ab 1919 sein „Alterswerk“ - seine von Humor und Melancholie, Lebensweisheit und altersmilder Naseweisheit gekennzeichneten Couplets, die noch heute zum Bestandteil des deutschen Humors für gehobene Ansprüche gehören. In seinen Couplets sah er nicht nur gesellschaftliche Ereignisse voraus, sie spendeten auch Trost in Zeiten der Entbehrung. Allerdings folgten seine Couplets immer dem jeweiligen Zeitgeschmack und den Tagesereignissen. Man lachte mit der Menge des Volkes über den Erbfeind, über den Reichstag, über das Wunderpferd Hans, über die Gewerkschaft, über die Frau. Reutter forderte in einem Couplet der 1920er Jahre sogar einen neuen starken Führer, damit es vorwärts gehen sollte - wenngleich er sich sicher dabei nicht einen Adolf Hitler vorstellte. Seine Couplets zeigen somit den damaligen Zeitgeist recht eindrucksvoll.

    Erkrankt und erschöpft starb Otto Reutter während einer Gastspielreise Anfang 1931 in Düsseldorf. Er wurde in Gardelegen beigesetzt.

    (Quelle: Wikipedia)

    DER BLUSENKAUF

    Wenn Frau'n was kaufen, geht das flink,
    ich weiß, wie's meinem Freund erging,,
    der, jung vermählt, wollt in der Früh
    mal ins Büro, da sagte sie:
    "Lass mich ein Stückchen mit dir gehen" -
    dann blieb sie vor ´nem Laden stehn.
    "Komm, gib mir's Geld - bin gleich zurück,
    es dauert nur ´nen Augenblick.
    Bleib draußen", sprach Frau Suse,
    "ich kauf mir bloß ´ne Bluse."


    Nun geht sie rein - "´nen Augenblick".
    Ihr Mann, sehr heiter, bleibt zurück. -
    Er freut sich - ´s Wetter ist sehr schön,,
    sieht Kinder, die zur Schule gehen. -
    Und sie sagt drinnen zur Mamsell:
    "´ne blaue Bluse, aber schnell!"
    Nun schleppt man alle blauen rein,
    und nach ´ner Stunde sagt sie: "Nein,
    ich finde keine nette,
    ich möchte ´ne violette."


    Nun packt man violette aus.
    Ihr Mann, geduldig, steht vorm Haus.,
    denkt: "Ziemlich lange währt so'n Kauf",
    geht auf und ab - und ab und auf -
    und sie sagt drinnen: "Das ist nett!
    Wie kam ich nur auf violett?
    Da fällt mir ein, Frau Doktor Schmidt
    geht immer mit der Mode mit -
    und die trägt jetzt ´ne gelbe.
    Ach, geb'n Sie mir dieselbe."


    Nun packt man alle gelben aus.
    Ihr Mann wird hungrig vor dem Haus.
    Der Mittag naht - die Sonne sticht,
    die Kinder komm'n vom Unterricht. -
    Und sie sucht drin und sagt alsdann:
    Was geht Frau Doktor Schmidt mich an!
    Wie kam ich auf ´ne gelbe nur?
    Es wird ja Frühling, die Natur
    zeigt frohe Hoffnungsmiene,
    ach, geb'n Sie mir ´ne grüne."


    Nun packt man alle grünen aus.
    Ihr Mann wird matt und seufzt vorm Haus:
    "Gern kauft' ich ´ne Zigarre mir,
    jedoch das Geld, das ist bei ihr-" -
    Und sie sagt drin: "Beim Sonnenschein,
    da wird das Grün zu dunkel sein." -
    Da schaut er rein. "Mein Portemonnaie."
    Sie sagt: "´nen Augenblick noch. Geh!
    Ich bin ja gleich zur Stelle. -
    Ach, geb'n Sie mir ´ne helle."


    Nun packt man alle hellen aus.
    Da gibt's ein Ungewitter drauß:
    Es regnet bis zum Abendbrot -
    und sie sagt drinnen zur Mamsell:
    "So'n Wetter heut - und dazu hell?
    Und überhaupt, wir haben bald
    April, da wird's oft nass und kalt,
    dann bin ich die Blamierte.
    Ach, geb'n Se ´ne karierte."


    Nun packt man die karierten aus -
    und er stöhnt, frei nach Goethe, drauß:
    "Was ewig weiblich, zieht uns an.
    Das Weib, das zieht sich ewig an." -
    Und sie probt drin und sagt entsetzt:
    "Was - Nummer vierundvierzig jetzt?
    Nicht zweiundvierzig, schlank und schick?
    Dann nichts Kariertes - das macht dick",
    ihr Blick zur Taille schweifte.
    "Dann geb'n Sie ´ne gestreifte."


    Nun packt man die gestreiften aus.
    Ihr Mann, der wankt und röchelt drauß:
    "Ein Augenblick!" Das war ihr Wort! -
    Dann fällt er um - man trägt ihn fort. -
    Da kommt sie mit ´ner roten raus.
    "Hier bin ich schon", ruft froh sie aus -
    und schreit: "Mein Mann!! Mein einz'ges Glück!
    Gott, ist er tot? - Ein Augenblick!"
    Und in den Laden starrt se:
    "Ach geb'n Sie mir ´ne schwarze."

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Babooshka

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    Danke für den Thread Murmel, das war wirklich fällig Ich werde mich zu gegebener Zeit näher damit befassen.

  4. #3
    Benutzerbild von NovalisHH

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    Das klingt doch lecker Spiele gerade mit dem Gedanken, auch einen Helmut-Qualtinger-Thread oder Fredy-Siek-Thread zu eröffnen...

    Legendär von Reutter ist und bleibt natürlich in erster Linie "Der Überzieher", der den meisten von uns wohl überwiegend in der Interpretation von Peter Frankenfeld ein Begriff ist.
    Neulich fand ich darüber hinaus eine ganz schrullige Version des "Überziehers" von Peter Alexander aus den 50er Jahren.

    Ein Traum wäre m.E., wenn sich etwa Klaus Hoffmann, nach seinen phantastischen Brel-Spielereien, vielleicht einmal eines "Otto-Reutter-Tributealbums" annehmen könnte... ich denke Hoffmann wäre ein absolut genialer "Proklamator" der Reutter-Couplets!

    Liebe Grüße aus HH

  5. #4
    Benutzerbild von murmel

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    Ich habe ein Otto Reutter-Duplikat jüngst auf dem Weihnachtsmarkt gesehen, sehr gut gemacht und ich kannte als erstes den Blusenkauf aber ich bin ja auch ausse ehemalige ddr sozusagen

    btw. warum seine Werke nicht so stehen lassen wie sie sind?

  6. #5
    Benutzerbild von Elek.-maxe

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    Zitat Zitat von murmel Beitrag anzeigen
    warum seine Werke nicht so stehen lassen wie sie sind?
    Weil die Aufnahmen schlecht sind?

    Mit Brel kann man ja sowas machen, damit die frz. Sprache verschwindet - Äh, wollte sagen, ...damit man den Belgier überhaupt versteht.

    BTW: Ich kenne Otto Reutter nicht.

  7. #6
    Benutzerbild von murmel

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    Zitat Zitat von Elek.-maxe Beitrag anzeigen
    Weil die Aufnahmen schlecht sind?
    BTW: Ich kenne Otto Reutter nicht.
    Ach es geht. Wurde ja seinerzeit auf Schellack-Platten aufgenommen.
    In den meisten Fällen geht dann der Charme und das Flair verloren, zumal ich mir keine gute "Coverversion" eines Otto Reutter-Couplets vorstellen kann. Wobei von Max Raabe vielleicht...

    Brauchst Du Input für deine Wissenslücke?

  8. #7
    Benutzerbild von Elek.-maxe

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    Zitat Zitat von murmel Beitrag anzeigen
    Brauchst Du Input für deine Wissenslücke?
    Ich fürchte, mir fehlt dazu die Zeit.
    Außerdem höre ich schon in meine 5CD-Sammlung von Spike Jones nie rein, weil für mich durch das Schellackkratzen zu wenig übrigbleibt, annähernd nie rein.

  9. #8
    Benutzerbild von Babooshka

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    Maxe wenn du nächstes Mal nach Berlin kommst, werde ich dich mit Otto Reutter quälen Diejenigen, die letztes Mal bei mir im Auto mitgefahren sind, habe ich ja schon mit Claire Waldorff beschallt.

    Max Raabe ist zweifellos ein Großer, aber wenn er Otto Reutter zum Besten gibt, müsste er den schwulen Unterton in seiner Stimme (nicht negativ gemeint) abstellen, denn wenn der auch zu vielem passt, was er so macht, zu Otto Reutter passt er nicht.

    Und hier ist der berühmte Überzieher:

    1.
    Kennen Sie denn die Geschichte
    von dem Überzieher schon,
    den sich kaufte der Herr Fichte
    bei der Firma Stern und Sohn?
    Dieser Paletot war`n Prachtstück,
    und der Preis war garnicht stark:
    Neunundvierzig Mark und achtzig -
    nicht mal ganze fünfzig Mark.
    Der Herr Stern sprach: "Sei`n Se froh!
    `s ist mein schönster Paletot.
    Geb`n Sie acht - auf die Pracht;
    `s wird gestohln - bei Tag und Nacht.
    Sind Se mal - im Lokal,
    häng`n Se`n vor sich auf im Saal.
    Schau`n Se `n dann - immer an,
    bleibt der Überzieher dran.
    Seh`n Se weg - von dem Fleck,
    ist der Überzieher weg!"

    2.
    Fichte ging ins Wirtshaus leider.
    Dort war`n Zettel angebracht:
    "`s gibt kein Raum für Überkleider,
    jeder Gast geb selber acht!" -
    Einen Haken fand Herr Fichte
    hinten nur - `s war ärgerlich.
    Darum dreht er sein Gesichte,
    hängt den Mantel hinter sich -
    Und nun saß er wie gebannt,
    schaute immer nach der Wand.
    "Ist er weg - ist er hier?
    Ja, da hängt der Überzieh`r.
    Ist er hier? Ist er weg?
    Nein, er hängt noch auf dem Fleck.
    Schau` ich stier - hinter mir,
    hab` ich meinen Überzieh`r.
    Seh ich weg von dem Fleck,
    ist der Überzieher weg."

    3.
    Fichte rief nun: "Kellner! Essen!"
    Der bracht`s Essen ihm und ging.
    Nun hat Fichte nicht vergessen,
    dass der Mantel hinten hing.
    Denn ihm schien - das war gefährlich -
    als ob alle Gäste hier
    schauten gierig und begehrlich
    nur nach seinem Überzieh`r.
    Darum kam es, als er aß,
    er den Mantel nicht vergaß.
    Essen hier - da das Bier
    und da hängt der Überzieh`r.
    Oben kaun - hier verdaun -
    und dabei nach hinten schaun.
    Schau ich stier - hinter mir,
    schmeckt kein Essen und kein Bier.
    Seh ich weg - von dem Fleck,
    ist der Überzieher weg.

    4.
    Nun mag sein, durch die Bewegung,
    durch das Drehen beim Souper
    kam sein Korpus in Erregung,
    und er kriegte Magenweh.
    "Gut" sagt er, "das geht vorüber,"
    Wollt` zu der bewussten Tür,
    die ihm grade gegenüber -
    "Halt!" denkt er: "der Überzieh`r!"
    Setzt sich wieder hin ganz sacht
    Und hat kummervoll gedacht:
    "Wenn zur Tür - ich marschier,
    nimmt man mir den Überzieh`r.
    In der Eck - im Versteck -
    gehn die Magenschmerzen weg.
    Bleib ich hier - im Revier,
    bleib`n de Magenschmerzen mir.
    Geh ich weg von dem Fleck,
    ist der Überzieher weg."

    5.
    Ja, was gibt es da zu lachen,
    gab es sowas wohl schon früher?
    Musst man sich da Sorgen machen
    wegen einem Überziehr?
    Stundenlang konnt` man da sitzen
    hinter der bewussten Tür
    und braucht` keine Angst zu schwitzen
    wegen seinem Überziehr.
    Man ging raus, das ist doch klar,
    wenn Gefahr im Anzug war.
    Man saß froh - anderswo
    und da hing der Paletot.
    Kam zur Tür - man herfür,
    sah man seinen Überziehr.
    Spürt man heut innres Leid,
    denkt man erst ans Überkleid.
    Geht man weg - von dem Fleck,
    ist der Überzieher weg.

    6.
    So dacht Fichte - und blieb sitzen.
    Aber schließlich musst er raus.
    Plötzlich sprach er: Das wird nützen -
    trittst jetzt mit dem Mantel aus!
    Brauchst ihn ja nicht anzuziehen,
    das erschüttert dich zu sehr.
    Nimmst ihn übern Arm beim Fliehen
    und kommst nachher wieder her."
    Er stand auf und - setzt sich hin;
    Alles fuhr ihm durch den Sinn:
    "Essen, Bier - kriegt ich hier,
    hab noch nicht bezahlt dafür.
    Magenschmerz drückt mein Herz
    und der Kellner anderwärts.
    Wart ich prompt - bis er kommt,
    Weiß ich nicht ob mir`s bekommt.
    Geh ich weg von dem Fleck,
    ist der Überzieher weg.

    7.
    Nehm ich mir - `n Überziehr
    übern Arm, schaut man nach mir.
    Denn der Raum, der mein Traum,
    ist zwei Schritt vom Ausgang kaum.
    Steh ich auf - und ich lauf
    mit dem Rock - hält man mich auf!
    "Nicht vom Fleck! - Der will keck
    mit `nem Überzieher weg."
    Alles schwirrt und kracht und klirrt,
    bis der Wirt gerufen wird.
    Schließlich irrt - auch der Wirt,
    Schimpft mit mir und wird verwirrt.
    `s kommt ein Gast - und der fasst
    meinen Mantel voller Hast.
    Mit Gespür hin zur Tür
    rennt durch den Gang herfür
    und ruft keck: Dieser Geck
    nahm mir `n Überzieher weg!

    8.
    Will ich dann - zu dem ran,
    kommt der Kellner hinten an:
    "Bleibn Se hier! - Nicht zur Tür!
    Zahln Se erst die Zeche mir!"
    Bis ich zahl - voller Qual,
    ist der raus aus dem Lokal.
    Ich am Fleck - ohne Zweck
    und der Überzieher weg.
    Was ich tu: es ist verkehrt,
    alles bleibt mir so verwehrt!
    Bis ich näher - das erklär,
    dazu drängt die Zeit zu sehr.
    Das Malheur - kommt vorher:
    Hab` den Gang nicht nötig mehr.
    Wie ich`s mach - `s gibt `n Krach,
    ja da hilft kein Weh und Ach!
    Hab` den Schreck - und den Dreck
    und den Überzieher weg!

    Irgendwie ist auf den Otto Reutter-CDs immer nur eine Kurzversion der Lieder. Absatz Nr. 5 ist mir ziemlich unbekannt, wobei ich den Rest des Lieds flüssig durchsingen kann (jaja, man lernt so einiges, wenn man bestimmte CDs oft im Auto hört).

    Hier ist übrigens eine interessante Otto Reutter-Seite: http://www.otto-reutter.de/index1.htm

    Ich sage immer, Otto Reutter war der Reinhard Mey der 20-er Jahre. Seine Texte sind auch heute noch/wieder gültig und aktuell. Er sprach die Dinge so aus, wie sie waren.

    Das hier liebe ich auch sehr:

    Die Statistik zeigt`s dem Kenner
    Es gibt mehr Frauen als wie Männer
    Darum rat ich allen Frau`n
    Sich beizeiten umzuschau'n.
    Doch bitte sich begnügen
    Es kann nicht jede `n schönsten kriegen
    Schaun se nicht so wählerisch
    Nur nach dem, der jung und frisch.

    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    So nen alten, wohlbestallten,
    So`n Beamten mit Pension
    Sehr begehrt ist die Person
    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    Ist er'n bischen aufgefrischt
    Ist er besser oft wie'n junger
    Und stets besser als wie nischt.

    Ist so'n Mann auch kein Adonis,
    Wenn's man bloß 'ne Mannsperson ist
    Ging die Schönheit auch perdu
    Um so mehr schaut man auch SIE.
    Droht vielleicht 'ne Glatze?
    Nun, einer kriegt'se einer hat'se
    Oder hat er 'n Doppelkinn?
    Gut, dann greift man doppelt hin.

    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    Kriegt er auch schon ein'ge Falten
    Die sind bloß am Kopf zu sehn
    `s andere ist vielleicht sehr schön.
    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    Ist er auch schon dick und breit
    Nen jungen müssen se erst füttern
    und den haben se schon soweit.

    'n junger läßt sich schwer bezwingen
    Wenn se den Pantoffel schwingen
    'n alter gibt ihnen `s Portemonnaie
    Macht die Betten, kocht Kaffee.
    'n junger küßt zwar heiß und mächtig
    Doch 'n alter küßt bedächtig
    Was ihm fehlt an Temperament
    Das ersetzt er durch Talent.

    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    Der ist stets gut auszuhalten
    Der ist treu in Ewigkeit
    Wird immer treuer mit der Zeit.
    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    Der geht weniger aus sich raus
    Küßt nicht oft, doch dauerts länger
    Dadurch gleicht's sich wieder aus.

    Drum, könn' sie keinen jüngeren haben,
    Nehm se sich nen alten Knaben
    Gibt ja viele dort und hier
    Und wie wär es denn mit mir?
    Ich empfehl mich hier aufs Beste
    Hab noch heut sehr schöne Reste
    Grüß sie alle, nah und fern
    Schreiben se mal, ich komme gern.

    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    Der ist froh wenn sie'n behalten
    'n junger küßt oft unbedacht
    Heiß und schnell, drum geben se acht.
    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    Der küßt voller Liebesqual
    Denn der denkt bei jedem Kusse
    "Huch, ist vielleicht das letztemal."

  10. #9
    Benutzerbild von NovalisHH

    Registriert seit
    12.02.2003
    Beiträge
    1.004
    Ich habe gerade Peter Alexanders Fassung des "Überziehers" in die geplante "Hautnah"-CD hinsichtlich P.A. eingekoppelt. Hoffe sehr, UNIVERSAL gibt diese 1962er-Aufnahme frei : )
    Halte Euch auf dem Laufenden!

    Liebe Grüße aus HH & nochmals ein Gutes, Neues Jahr für Euch alle

  11. #10
    Benutzerbild von Babooshka

    Registriert seit
    15.11.2002
    Beiträge
    7.585
    Sehr jut und etwas abgewandelt auf heute übertragbar ist auch dieser hier:

    Sei modern und schenkt dein Weib dir Kinder
    unmoderne Vornamen, die verhinder.
    Fritze, Wilhelm, Jrete und Marie
    solche Namen gibt man heute nie.
    Olaf ist ein hochmoderner Name
    Ingeborg heißt heut schon jede Dame.
    Haupsach' det 'de vorne schwedisch bist
    wenn et hinten ooch bloß Schulze ist.


    Dieses Lied kommt mir jedes Mal in den Sinn, wenn ich wieder einmal einem Kevin Müller, einem Finn Meier oder auch einer Donatella Schmidt begegne.

    Und noch einer, der auch aus der heutigen Zeit stammen könnte:

    Ein Mädgelein poussierte in jedem Nachtlokal.
    Da kam der Storch, ich traf sie mit ihrem Kinde mal.
    Wer ist der Vater, fragt' ich leis
    da sagte sie betrübt, wer weiß...
    Berlin is ja so jroß, so jroß so jroß
    ick nenn den Bengel da
    Georch Max Bernhard Heinrich, jekürzt GmbH.

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