Seite 2 von 4 ErsteErste 1234 LetzteLetzte
Zeige Ergebnis 11 bis 20 von 34

Der Sinn-Thread oder die Frage nach dem Warum

Erstellt von bubu, 10.08.2003, 13:53 Uhr · 33 Antworten · 3.223 Aufrufe

  1. #11
    Otto
    Benutzerbild von Otto
    Also, ich verbinde die 80er in erster Linie mit der Musik von damals. In den 90ern habe ich auch immer schon viel aus den 80ern gehört, aber das richtige Interesse kam bei mir wieder gegen Mitte der 90er auf. Ich lernte gewisse Musik-Versandhäuser kennen, die sich auf 80er spezialisierten, wie z.B. Kess-Versand oder auch Total Recall, und es gab eine Zeitschrift namens Musik-Flohmarkt, mit privaten Anzeigen.

    Als ich dann in den 90er Jahren arbeiten musste, wurde mir auch bewusst, wie gut wir es doch in der Schule noch hatten. Immer genügend Freizeit, keine Überstunden bzw. Nachhausekommen quasi nur noch zum Schlafen, lange Ferien bzw. Sommer, und natürlich noch nicht diese Hektik des Berufslebens. Allerdings erlebe ich gerade diese Unbeschwertheit in gewisser Form wieder, da ich momentan nicht zur arbeitenden Bevölkerung gehöre (nach ein paar Jahren ohne Job studiere ich erst mal wieder, um mich beruflich zu verändern). Wenn ich mir jetzt meine Studienkollegen so anschaue (die meisten sind zwischen 1979 und 82 geboren), fällt mir auf, dass wir damals in dem Alter mit weniger zufrieden waren, was materielle Ausstattung angeht (nur mal so ganz nebenbei).

    1999 hatte ich den ersten C64-Emulator für den PC, diesen habe ich nach 10-jähriger "C64-Abstinenz" natürlich mit Begeisterung ausprobiert. Im gleichen Jahr war ich schon mal einige Monate ohne Job, hatte dadurch den halben Sommer für mich und machte in der Zeit Tagesausflüge in nahegelegene Großstädte. Dort fand ich irgendwo einen Laden für gebrauchte Schallplatten zu niedrigen Preisen. Seitdem konnte ich immer mal meine musikalische 80er-Sammlung weiter ausbauen bzw. wiederherstellen, da meine Kassetten aus den 80ern nicht überlebt hatten oder ich damals auch mal vorschnell welche löschte. Und schon ein Jahr später wurde ich auf eBay aufmerksam.

    2001 dann war ich in den ersten 80er-Foren aktiv. Zum einen das schon erwähnte von Gero, dann das 70er/80er-Forum (http://70er-80er.de/) von Jörg Gerhard. Erst Anfang 2002 wurde ich auf dieses Forum hier aufmerksam, und hier bin ich geblieben, denn auch ich muss sagen, dass hier mehr los ist als auf den anderen beiden.

  2.  
    Anzeige
  3. #12
    Benutzerbild von Heiko

    Registriert seit
    01.10.2001
    Beiträge
    3.389
    Otto postete
    2001 dann war ich in den ersten 80er-Foren aktiv. Zum einen das schon erwähnte von Gero, dann das 70er/80er-Forum (http://70er-80er.de/) von Jörg Gerhard. Erst Anfang 2002 wurde ich auf dieses Forum hier aufmerksam, und hier bin ich geblieben, denn auch ich muss sagen, dass hier mehr los ist als auf den anderen beiden.
    ... das freut mich , wobei die genannten Boards natürlich auch nicht schlecht sind !!!

  4. #13
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    Torsten postete
    @ Sven Hoek:
    Darüber könnten wir uns jetzt streiten
    Allerdings...
    Posthistoire leite ich aus den (imho) recht überzeugenden Analyse von Virilio und Baudrillard ab:

    Baudrillard sieht ein zweifaches Ende der Geschichtschreibung

    1. durch stete Verlangsamung der inter-individuellen Kommunikation: Medien übertönen mit ihrem simulativen Monolog den Diskurs zwischen den Teilnehmern der sozialen Masse. Durch dieses Schweigen wird die Geschichtsschreibung gestoppt.

    2. durch stete Beschleunigung der Ereignisse vermiitelt durch die Medien: Die Ununterscheidbarkeit simulativer, dissimulativer und "realer" Ereignisse in den Medien in immer schnellerer Abfolge hat die Indifferenz von (wirklicher) Ursache und (informativer) Wirkung zur Folge. Diese Indifferenz verunmöglicht Geschichtsschreibung.

    Der zweiten These schließt sich im Wesentilchen auch Virilio an (rasender Stillstand). Ich finde Baudrillards Konzepte (die übrigens aus den späten 70ern stammen) recht plausibel, weil sie nicht das Ende der Geschichte, sondern das Ende der Möglichkeit, Geschichte zu fixieren, behaupten.

    Mein Gesellschaftstheorieprof. sieht das allerdings ganz anders und hat mir sogar schon mal ne Hausarbeit zurück gegeben, in der er einen ganzen Absatz mit Baudrillard-Referat gestrichen hat ("Das hat mit Soziologie nichts zu tun.")


    Sven

    P.S. Jungejunge, sind wir offtopic ...

  5. #14
    Benutzerbild von falkenberg

    Registriert seit
    27.04.2003
    Beiträge
    926
    @ Sven

    Meinst Du sowas ernst? Irgendwie erinnert mich Dein Beitrag bezüglich der Verständlichkeit an diejenigen von imperium22. Auch wenn ich durchaus zugeben muss, dass die Gründe nicht ganz die gleichen sind. Da sich der Inhalt Deines Beitrags bei mehrmaligem gründlichem Lesen doch annähernd erschließt, kommt die Erkenntnis hinzu, dass der Unterschied im Sinngehalt auch nicht so gewaltig ist.

  6. #15
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    Na ja,

    ersten referiere ich ja nur die These von Baudrillard (wenn schon, musst du ihn mit imperium22 vergleichen ) und zweitens ist das ganze Werk Baudrillards zur Simulationstheorie ca. 1500 Seiten stark. Dass sich das nicht ohne Abstraktion und Verkürzung in 6 Zeilen pressen lässt, ist nicht meine Schuld. :-P

    Was gibt es denn inhaltlich auszusetzen?

    Wenn du mehr wissen möchtest: Jean Baudrillard. Der symbolische Tausch und der Tod. München: Matthes & Seitz, 1992 ODER Jean Baudrillard. Kool Killer - oder der Aufstand der Zeichen. Berlin: Merve, 1978

    Sven

    P.S. Zudem möchte ich zu bedenken geben, dass es rhetorisch nicht besonders geschickt ist, eine Polemik damit zu starten, dass jemand anderes (Imperium22) das genauso gesagt & gemeint haben könnte und im zweiten Atemzug zuzugeben, dass man es nicht wirklich ganz (und auf Anhieb) verstanden hat - wie ich ja sowieso dieses eigenartige Imperium22-Bashing weder gutfinde noch mitspiele.

  7. #16
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

    Registriert seit
    09.10.2002
    Beiträge
    1.204
    Sven Hoëk postete
    [Baudrillard sieht ein zweifaches Ende der Geschichtschreibung

    1. durch stete Verlangsamung der inter-individuellen Kommunikation: Medien übertönen mit ihrem simulativen Monolog den Diskurs zwischen den Teilnehmern der sozialen Masse. Durch dieses Schweigen wird die Geschichtsschreibung gestoppt.

    2. durch stete Beschleunigung der Ereignisse vermiitelt durch die Medien: Die Ununterscheidbarkeit simulativer, dissimulativer und "realer" Ereignisse in den Medien in immer schnellerer Abfolge hat die Indifferenz von (wirklicher) Ursache und (informativer) Wirkung zur Folge. Diese Indifferenz verunmöglicht Geschichtsschreibung.

    Der zweiten These schließt sich im Wesentilchen auch Virilio an (rasender Stillstand). Ich finde Baudrillards Konzepte (die übrigens aus den späten 70ern stammen) recht plausibel, weil sie nicht das Ende der Geschichte, sondern das Ende der Möglichkeit, Geschichte zu fixieren, behaupten.

    (...)

    Mein Gesellschaftstheorieprof. sieht das allerdings ganz anders und hat mir sogar schon mal ne Hausarbeit zurück gegeben, in der er einen ganzen Absatz mit Baudrillard-Referat gestrichen hat ("Das hat mit Soziologie nichts zu tun.")
    Nix für ungut, aber ich denke, Dein Soziologie-Prof hatte recht *g*

    Aus dem Postmodernen ins Deutsche übersetzt besagen die von Dir zitierten Thesen doch nur:

    a) daß nicht mehr die gewöhnlichen Leute den Gang der Dinge untereinander besprechen, sondern nur noch die Medien, und

    b) daß die Normal-Bürger strenggenommen nicht mehr auf die politischen Ereignisse reagieren, sondern nur auf die Nachrichten über diese Ereignisse

    Hiergegen ist einzuwenden:

    a) Das war im Prinzip immer so. Auch früher wurden die historischen Ereignisse in erster Linie in Gelehrten-Fllugschriften u. ä. behandelt und nicht am Dorfstammtisch. Und von Herrscherwechsel hat man nur durch Bekanntmachungen auf dem Marktplatz erfahren.

    b) Wieso soll das ein Problem für die Geschichtsschreibung sein? Versteh ich nicht ...

  8. #17
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    a) ist nicht korrekt "übersetzt" . Es geht im Prinzip darum, dass die Medien in ihrer Allgegenwärtigkeit - B. spricht hier vor allem das Fernsehen an - einzig monologische Kommunikation zwischen Medium und Empfäger zulassen. Der Grad der Informiertheit hängt heute im Wesentlichen von Grad der Medienteilnahme ab. Aber die Medien - vor allem die elektronischen Massenmedien - funktionieren nicht nach dem dialogischen Kommunikationsmodell. Sie "senden" und der Betrachter "empfängt". Damit ist Information nur noch einkanalig möglich. Daraus folgt, dass das Individuum zum Schweigen verurteilt ist, was die Informationsübertragung angeht. Und daraus resultiert, dass Geschichte als nicht mehr geschrieben werden kann, sondern allenfalls passiert und von den Medien registriert und übertragen wird.

    zu b) kann ich noch erläutern, dass der mediale Reflex von Ereignissen nach B. grundsätzlich simulativer Art ist. Dadurch, dass massenmedial übertragene Informationen keine nachprüfbare Referenz mehr haben (wer war schon in Algerien und weiß, ob da wirklich jemand entführt wurde? - mal ganz überspitzt formuliert) und in immer größerer Menge auf den Zuschauer einstürmen, so dass Geschichtsschreibung sie nicht erfassen und erst recht nicht als Beleg nutzen kann.

    Das ganze ist wirklich nur sehr knapp dargelegt und die Verständnisschwierigkeiten rühren, glaube ich, im Wesentlichen aus der Kürzelhaftigkeit meiner Darstellung. Ich empfehle bei Interesse die obigen Literaturtipps.

    Mein Soziologieprofessor ist übrigens Anhänger der Frankfurter Schule. Es verbietet sich für ihn also a priori, einer ahistorischen Philosophie zu glaube und erst recht, wenn man aus ihr "Auschwitz-Leugnung" ableiten kann (was weder ich noch B. selbst je gemacht haben oder machen würden, was allerdings nicht selten von der Ideologiekritik unterstellt wurde). Nun, daher habe ich seinen Kommentar als das genommen, was er ist: Notwehr.

    Sven

  9. #18
    Benutzerbild von falkenberg

    Registriert seit
    27.04.2003
    Beiträge
    926
    Sven Hoëk postete
    Das ganze ist wirklich nur sehr knapp dargelegt und die Verständnisschwierigkeiten rühren, glaube ich, im Wesentlichen aus der Kürzelhaftigkeit meiner Darstellung.
    Glaub ich nicht. Die Luftgitarre hatte das doch eigentlich recht treffend zusammengefasst. Meinst Du wirklich, das Ganze wird nachvollziehbarer, wenn man es auf über 50 Seiten auswalzt? Wohl kaum.

    Nein, bitte nicht hier ausprobieren. Bitte nicht!

  10. #19
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    Ja, stimmt. Philosophische Schriften bedürfen keiner ausführlichen Argumentation (erst recht nicht durch den Autoren selbst).

    Die Stichhaltigkeit der Gedanken B.s ergibt sich ja nicht allein aus seinem Werk heraus. Die argumentative Struktur geht viel tiefer bis hin zu einer politischen Ökonomie der Zeichen. Das ist alles sehr voraussetzungsreich und keineswegs durch feuilletonistisches Abwinken zu übergehen.

    Du solltest deinen Tonfall übrigens mal unter Kontrolle bekommen. Es besteht für mich ja gar nicht die Notwendigkeit, dir das philosophische Konzept Baudrillards darzulegen. Ich dachte halt, da könnte ein Gespräch draus entstehen. Polemik bekomme ich schärfer und argumentativ präziser auch woanders.

    Sven

  11. #20
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

    Registriert seit
    09.10.2002
    Beiträge
    1.204
    [b]

    a) ist nicht korrekt "übersetzt" . Es geht im Prinzip darum, dass die Medien in ihrer Allgegenwärtigkeit - B. spricht hier vor allem das Fernsehen an - einzig monologische Kommunikation zwischen Medium und Empfäger zulassen. Der Grad der Informiertheit hängt heute im Wesentlichen von Grad der Medienteilnahme ab. Aber die Medien - vor allem die elektronischen Massenmedien - funktionieren nicht nach dem dialogischen Kommunikationsmodell. Sie "senden" und der Betrachter "empfängt". Damit ist Information nur noch einkanalig möglich. Daraus folgt, dass das Individuum zum Schweigen verurteilt ist, was die Informationsübertragung angeht. Und daraus resultiert, dass Geschichte als nicht mehr geschrieben werden kann, sondern allenfalls passiert und von den Medien registriert und übertragen wird.
    Aber bei historischen Ereignissen war der Informationsfluß doch schon immer monologisch: Auch gegenüber Inschriften auf Stein oder gegenüber Aushängen am Rathaus oder Herrscher-Gemälden war der einache Mann von der Straße immer nur "Empfänger"

    Vielmehr könnte man sagen, daß das Kommunikationsmodell im 20ten Jahrhundert immer dialogischer Geworden ist: Man kann Politiker auf Wahlkampfveranstaltungen befragen, kennt vielleicht den einen oder anderen politisch aktiven Mitbürger, der wiederum jemanden kennt. Und dann natürlich das ur-dialogische Internet!

    [b]
    zu b) kann ich noch erläutern, dass der mediale Reflex von Ereignissen nach B. grundsätzlich simulativer Art ist. Dadurch, dass massenmedial übertragene Informationen keine nachprüfbare Referenz mehr haben (wer war schon in Algerien und weiß, ob da wirklich jemand entführt wurde? - mal ganz überspitzt formuliert) und in immer größerer Menge auf den Zuschauer einstürmen, so dass Geschichtsschreibung sie nicht erfassen und erst recht nicht als Beleg nutzen kann.
    Wiederum: Woher konnte der Bauer in Dithmarschen anno 1453 sicher sein, daß Konstantinopel wirklich gefallen war? (Und woher können WIR es???) Daß aber 1989 die Berliner Mauer geöffnet wurde, davon konnte man sich dank Auto und Telefon ggf. selbst überzeugen.

    Und daß massenmediale Informationen in immer größerem Umfang übertragen werden, ist für die Geschichtsschreibung kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Unser "Wissen" über weit zurückliegende Epochen basiert oft auf ein paar Inschriften, Münzfunden und fertig. Daß es für die fernere Vergangenheit weit weniger Quellen gibt als für die jüngere, liegt nicht in erster Linie daran, daß so viel verloren gegangen ist, sondern daran, daß damals soviel weniger an Quellen produziert wurde. Damals gab´s ein paar Hofschreiber und das war´s. Heute gibt es unzählige Medien, zwischen deren Darstellung man vergleichen kann.

Seite 2 von 4 ErsteErste 1234 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Danny's Frage-Thread
    Von Timeghost im Forum 80er / 80s - MUSIKSUCHE / SOUND SEARCH
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 01.10.2006, 17:01
  2. Frage nach Lp's einiger Titel
    Von MW1976 im Forum 80er / 80s - POP & WAVE
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 12.01.2003, 17:24
  3. Schöne Musik oder nicht und Frage nach weiter Songs?
    Von imperium22 im Forum 80er / 80s - POP & WAVE
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 04.10.2002, 23:50