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Die 70er und die 80er

Erstellt von Die Luftgitarre, 23.11.2003, 13:36 Uhr · 7 Antworten · 1.459 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Wir sprechen hier ja immer von "den 80ern", meist in Abgrenzung zu "den 70ern" und den "90ern". Aber wenn man sich mal aus dem Bann dieser Dezimal-Chronologie lößt, dann spricht doch eigentlich auch einiges dafür, die Zäsuren nicht 1980 und 1990 anzusetzen, sondern eher die Zeit von Mitte 70er bis Mitte 80er als eine Einheit aufzufassen.

    Dies gilt sicher weniger für die Mode, aber m. A. n. in gewisser Hinsicht für die Musik und sehr stark für´s Kino und für den politisch-gesellschaftlichen Zeitgeist.

    Zur Begründung der Zäsuren um 1975/76 und 1985/86 in den jeweiligen Bereichen:

    Filme:
    - In den frühen 70ern ging es hier oft sehr politisch und problem-orientiert zu. Die Ästhetik war meist schroff und sachlich. Außerdem war in den frühen 70ern immer noch das TV-bedingte "Kinosterben" im ´Gange. // 1975, bzw. 1977 kamen dann mit "Der weiße Hai", bzw. "Krieg der Sterne" aber das neue Blockbuster-Kino. 1976 wurde mit Stephen Kings "Carrie" das Teenager-Horror-Genre geschaffen. Generell waren schon in den späten 70ern fantastische, irreale Themen angesagt: "Amityville", "Das Omen", "Der Exorzist" oder auch "Supermann". Das Kino war gegenüber der sozialkritisch-realistischen Phase 68 - 73/74 zu den Unterhaltungs-/Weltfluchts-Bedürfnissen der "einfachen" Jugendlichen zurückgekehrt. Und es begann die Weichzeichner-Ära.

    - Bis 1986 folgten die ganzen Fantasy-, Teenhorror- und Highschool-GenreKlassiker. Danach war igrnedwie die Luft aus den Genres raus, es ging über zu Fließband-Produktion. Und der Weichzeichner kam aus der Mode.


    Zeitgeist
    - In Geschichtsbüchern gilt die Mitte der 70er hier als "Tendenzwende". Gemeint ist: In den frühen 70ern waren die Stichwörter "Weltverbesserung", "Reformeuphorie" in den späten 70ern aber bereits "Weltflucht", "Zukunftsangst", "Zivilisationskritik". Am Beginn der 70er stand die "Futurologie" hoch im Kurs: Mittels modernster Erkenntnisse v.a. aus Soziologie und Sozialpädagogik sollte eine "emanzipatorische, demokratischere" Zukunft "geplant" werden. Mitte der 70er schien dann aber die WIRKLICHE Zukunft in Gestalt von Rezession und Öko-Problematik eher wie ein Unwetter hereinzubrechen. Man zog sich zurück, sei es in eher ästhtisch definierte "Jugendkulturen", in "alternative Freiräume" oder in New-Age-Sekten.

    - In den späten 80ern wiederum kam eine neue Wende: Sowohl "Weltverbesserung" als auch "Weltflucht" waren jetzt "out". Die meisten jungen Leute nahmen die Welt jetzt einfach "so wie sie ist", ohne "sich groß einen Kopf zu machen". ("Spaßgesellschaft")


    Musik:
    - Mitte der 70er lösten Glam-Rock und Disco die extrem intellektualisierte "experimentelle, psychedelische" Phase (seit 67/68) ab. Es begann eine Zeit der erstklassigen Ohrwürmer (hinzu kam, daß um 1974/75 die Studio-Arrangements entscheidend verbessert, der Sound "wärmer" und "voller" wurde); auch wurde das visuelle, tänzerische Element wichtiger. Gegenüber dieser Zäsur, war doch die stilistische Veränderung INNERHALB der Disco/Pop-Musik am Beginn der 80er eher zweitrangig.

    - In den späten 80ern war wiederum die Zeit der ganz großen Ohrwurm-PopKlassiker vorbei, v. a. begann die Zeit, in der (im Pop/Disco-bereich) die RHYTHMUS-Arrangements wichtiger wurden als die MEOLODIEN.

  2.  
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  3. #2
    Otto
    Benutzerbild von Otto
    Meine absolute Lieblingsmusik stammt tatsächlich aus dem Zeitraum 1975 bis 1987. Das waren auch alles schon Jahre, in denen ich mich wirklich für Musik interessiert habe (schon als Kind). So sehe ich diese Zeit in Sachen Musik als einen zusammenhängenden Zeitraum. Ich höre die Musik der Jahre 75-79 mindestens genau so gern wie die von 80-87.

  4. #3
    Benutzerbild von Babooshka

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    Otto postete
    Meine absolute Lieblingsmusik stammt tatsächlich aus dem Zeitraum 1975 bis 1987. Das waren auch alles schon Jahre, in denen ich mich wirklich für Musik interessiert habe (schon als Kind). So sehe ich diese Zeit in Sachen Musik als einen zusammenhängenden Zeitraum. Ich höre die Musik der Jahre 75-79 mindestens genau so gern wie die von 80-87.
    Sehe ich ganz genauso. Jedoch mit einer Verschiebung um ein Jahr nach hinten, also 1974-1986.

  5. #4
    Benutzerbild von Torsten

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    @ Die Luftgitarre:
    - In den späten 80ern war wiederum die Zeit der ganz großen Ohrwurm-PopKlassiker vorbei, v. a. begann die Zeit, in der (im Pop/Disco-bereich) die RHYTHMUS-Arrangements wichtiger wurden als die MEOLODIEN.
    Komisch, dieser Punkt kommt mir doch aus einer anderen Diskussion bekannt vor... Solltest du dich da etwa inspiriert haben lassen, Luftgitarre?

  6. #5
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Torsten postete
    @ Die Luftgitarre:
    - In den späten 80ern war wiederum die Zeit der ganz großen Ohrwurm-PopKlassiker vorbei, v. a. begann die Zeit, in der (im Pop/Disco-bereich) die RHYTHMUS-Arrangements wichtiger wurden als die MEOLODIEN.
    Komisch, dieser Punkt kommt mir doch aus einer anderen Diskussion bekannt vor... Solltest du dich da etwa inspiriert haben lassen, Luftgitarre?
    Ich weiß jetzt nicht genau, welchen Thread Du meinst. Der Gedanke einer musikalischen Zäsur in den späten 80ern - von melodie-betontem Pop (mit den SAW-Produktionen als Zerfalls-Produkt) zu rhytmus-betontem Eurodance - taucht ja in DIVERSEN Thrads auf.

  7. #6
    Benutzerbild von Torsten

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    @ Die Luftgitarre:
    Ich weiß jetzt nicht genau, welchen Thread Du meinst. Der Gedanke einer musikalischen Zäsur in den späten 80ern - von melodie-betontem Pop (mit den SAW-Produktionen als Zerfalls-Produkt) zu rhytmus-betontem Eurodance - taucht ja in DIVERSEN Thrads auf.
    Ich meinte Posting 141 auf dieser Seite:

    http://www.plauderhoehle.de/forum/sh...ime=1069787729


  8. #7
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Mir ging es - jetzt: beim Aspekt Musik - gar nicht so sehr ums Werturteil (wann sozusagen "die beste Zeit" war), sondern eher um die "Stilgeschichte" (wenn ich das mal so hochgestochen ausdrücken darf *g*)

    Ich war immer sowohl 70er- als auch 80er-Fan. Folgende Songs z. B. standen für mich immer für "die 70er" und damit in einem ganz starken Kontrast zum Feeling der 80er:

    - "Dancing Queen" von ABBA
    - "Xanadu" von Olivia Newton John
    - "You took the words right out of my mouth" von Meat Loaf
    - "Guilty" von den Bee Gees bzw. Barbra Streisand
    - allgemein der Sound von ABBA und von Roxy Music

    Bis mir irgendwann auffiel, daß im Grunde diese Musik der süßlich-pathetischen Melodien und der "schmalzigen" Arrangements nur für die ZWEITE HÄLFTE der 70er typisch ist und daß der Gegensatz zur gitarren-lastigen und noch stark woodstock-inspirierten Musik der ersten Hälfte der 70er mindestens so groß ist wie der zu der Musik der 80er.

    Zieht man dann noch in die Betrachtung mit ein, daß mit dieser Musik ja auch erst das Disco-Wesen aufkam, dann erscheint 1974/75/76 als wirklich tiefe Zäsur in Geschichte von Jugend- und Unterhaltungskultur, 1981/82 dagegen nur als Veränderung in der Stil-Nuance.

    Die nächste wirklich tiefe Zäsur ist dann erst wieder das Aufkommen von Techno einerseits und Rap andererseits, beides (zumindest im großen Rahmen erst) in den späten 80ern, sozusagen die Ablösung des herkömmlichen Popsongs als Hauptgenre der Jugendkultur und der herkömmlichen Band als musikalischen Haupt-Akteur.

    Insofern dann meine These von der Blütezeit des (i. e. S.) POPsongs: Mitte 70er bis Mitte 80er (stilistisch nochmal zerfallend in 1974/75 - 1980/81 und 1981/82 - 1986/87).

    -------

    Aber wie gesagt: Ich bin der Meinung, daß diese Einheit von späten 70ern und (v. a. frühen) 80ern im Film-Bereich noch viel ausgeprägter ist.

  9. #8
    Benutzerbild von Alyosha

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    man darf hierbei nicht vergessen daß es ja schon ab 1976 Punk-Mode gab, die zuerst mehr von bestimmten Leuten getragen wurde, dann so gegen 1979 in der allgemeine Mode-Szene überging

    (in Deutschland erst so 1-2 Jahre später; ich glaube so richtig in die allgemeine Mode kam Punk in Deutschland erst 1982, aber 80/81 fing's, glaube ich, auch schon ein bißchen damit an ??)




    ich war immer der Meinung daß über die ursprüngliche Punk-Mode (Mitte/Ende der 70er) ganz viel Blödsinn geredet wird, besonders von Pädagogen, Psychologen, Soziologen ! Das sind alles Theorien, die vielleicht in MANCHEN Fällen zutreffen können, (oder auch: sich überschneiden) können, aber es geht echt auf keine Kuhhaut wie da immer übertrieben und verallgemeinert wird ....

    da wird immer reingedeutet daß die Punker von damals auf soziale probleme aufmerksam machen wollten, daß sie sich damit "von den Spießern" oder "von den Älteren" abgrenzen wollten, daß sie es SELBER häßlich fanden usw. usw.

    ich sah das alles nie so. Es ist einfach nur aus Modegründen, weil's toll aussieht, weil es eben "der Style" von demjenigen ist der es trägt - SO habe ich das immer gesehen, und es gab auch schon DAMALS nicht wenige Leute die das so gesehen haben.

    Wenn genau dieselben Leute tatsächlich protestieren in dem Sinne daß sie eine Meinung haben oder sich für Veränderungen einsetzen, dann muß das doch gar nicht mal heißen daß ihr Outfit unmittelbar damit zusammenhängt !
    Das OUTFIT kann ja trotzdem einfach nur deswegen so sein weil es eben "geil aussieht" -
    ich sehe diese beiden Dinge völlig unabhängig voneinander ....
    und ich glaube es gab -auch schon damals- UNZÄHLIGE Leute die das eher SO gesehen haben.

    (auch z.b. die 5ex Pistols haben sich in Interviews so geäußert. Sie haben gesagt daß Outift ist doch nicht um blöde Spießer zu schockieren und provozieren, sondern einfach nur weil sie sich darin eben wohlfühlen, einfach nur nach dem Motto "gefällt mir" !)

    Es ist echt Wahnsinn was die Allgemeinheit immer für blöde Vorstellungen über "Jugendkulturen" hat, Psychologen, Soziologen, Medien-Leute, ALLE !
    Echt unglaublich wie da immer fehlinterpretiert und vor allem übertrieben und verallgemeinert wird. Ständig voreilige Schlußfolgerungen, und Pauschalisieren bis zum Geht-nicht-mehr .....

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