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Die am meisten überschätzten Filme

Erstellt von Torsten, 04.12.2003, 15:14 Uhr · 140 Antworten · 16.927 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Torsten

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    Wie die letzte Woche kurz aufgeflammte Debatte um den "Blade Runner" zeigte, scheint im Thema Film ja ein ganz besonders kontroverses Potenzial zu stecken. Damit's hier in der Vorweihnachtszeit nicht zu heimelig wird , soll dieser Thread pikante Diskussionen zu diversen cineastischen Klassikern in Gang bringen...

    Also: Welche bekannten und erfolgreichen Filme sind in euren Augen überschätzt? Bei welchen Streifen könnt ihr den medialen Hype und die kollektive Begeisterung nicht nachvollziehen? Gibt es sogar Beispiele, die bei euch regelrechte Hass-Attacken auslösen? Wenn ja, immer raus damit - hier dürft und hier sollt ihr dem dumpfen Mob mal so richtig die Meinung geigen...

    Ich hab' mir auf die Schnelle vier Beispiele vorgenommen, bei denen ich mich der weit verbreiteten Lobhudelei nicht oder nur teilweise anschließen kann:

    "Matrix"
    Dieser High-Tech-Schwachsinn hat es tatsächlich geschafft, in punkto Überbewertung sogar noch mein zweites Beispiel zu toppen. Als größte Leistung rund um dieses peinliche Machwerk darf das weltweite Marketing-Bombardement angesehen werden, das in seiner penetranten Ausprägung fast schon einer Gehirnwäsche gleicht.

    Kaum ein anderer Film wirkt derart unfreiwillig komisch: Miese Schauspieler, die es schaffen, den gesamten Plot mit maximal drei Gesichtsausdrücken zu bestreiten; eine Story, die mit ihrem wirren Hin und Her eine Komplexität vorgaukelt, die zwar nicht vorhanden, aber dafür umso haarsträubender ist; eine völlig unausgegorene Mischung aus altbackener Mystik und futuristischer Cyber-Technokratie, angesichts derer man vermuten muss, dass die Macher ihr Publikum nicht besonders ernst nehmen; und nicht zuletzt ein gruselig einfältiger pseudo-philosophischer Anstrich, der wohl auch dem simpelsten Gemüt ein Gefühl von Tiefgründigkeit suggerieren soll.

    Heinzel erklärte mir mal, der hauptsächliche Grund für den Erfolg dieser Volksverarsche sei neben den Special Effects auch die ausgeprägte Coolness, die der Streifen ausstrahle. Worauf ich entgegnete, dass eine grünkühle Optik, schwarze Kutten und dauerpräsente Sonnenbrillen für mich noch längst keine echte Coolness herbeizaubern. Bei diesem Begriff denke ich jedenfalls eher an eine lässige Attitüde, wie sie beispielsweise in den Tarantino-Filmen vorherrscht...

    "Star Wars"
    Vielleicht liegt es ja daran, dass ich mich als Kind nie für die Phantasiewelt des George Lucas interessiert habe - jedenfalls musste ich fast 25 Jahre alt werden, bis ich mich überreden ließ, mir die drei Teile der Ur-Trilogie anzusehen. Und da war ich fassungslos, dass dieser naive Blödsinn schon seit fast zwei Jahrzehnten Heerscharen von Fans zu karnevalistischen Umtrieben nötigte und ihm von erwachsenen Menschen eine quasi-religiöse Verehrung zuteil wurde.

    Nichts gegen die ihrerzeit herausragende Tricktechnik, auch nix gegen die erstaunliche Phantasie der Figuren- und Set-Designer. Aber die in meinen Augen völlig unpassende Mischung aus Gewaltdarstellung und Niedlichkeitsfaktor in Verbindung mit dem allzu simplen Plot lässt das Ganze zu einem sich selbst karikierenden Kuriositätenkabinett verkommen, das am Ende nur noch albern wirkt....

    Unfreiwillig komisch erscheint einem allerdings auch manch damalige Filmkritik, die diesen Schmu ernster nahm, als ihm zusteht. So fand ich beispielsweise folgenden Auszug aus dem Magazin "Film und Fernsehen":

    "(...) dass Kinder da hinaufschauen und vor allem anderen Begriffe wie Tod, Qual, Krieg, Zerstörung und Untergang assoziieren, dass solch ein Weltallbild gebastelt wird, um ihr Weltbild zu formen, und dass Erwachsene dies tun, dass sie dafür Alec Guinness und fünfzig Millionen Dollar aufwenden - ja, was ist das eigentlich? Sehr einfach - ich denke, es ist ein Verbrechen."

    Geradezu unheimlich erscheint einem allerdings auch die prophetische Gabe, die ein Rezensent der "Science Fiction Times" damals offensichtlich besaß:

    "'Star Wars' gehört zu jenen zahllosen Filmen, die das Publikum unmündig halten wollen. 'Star Wars' ist wie eine Droge; keine harte, aber wer weiß: Vielleicht kommen die harten noch - die, die einem am liebsten den Verstand rauben möchten. Wehret den Anfängen!"

    Hatte da etwa jemand schon Machwerke wie "Matrix" vor Augen...?

    "Der Schuh des Manitu"
    Falls hier jemand glaubt in der Lage zu sein, mir zu erklären, was an diesem Tinnef auch nur ansatzweise komisch sein soll - bitte melden! Hab's nämlich bis heute nicht begriffen und weiß nicht so recht, an wessen Verstand ich nun zweifeln soll -am eigenen oder dem der drei Millionen Kinogänger. Ein Videoabend konnte mich jedenfalls nicht aufklären - zwei leichte Schmunzler in 80 Minuten sowie ein sich selbst auf die Schippe nehmender Sky DuMont können doch nicht allen Ernstes der Grund für den angeblich erfolgreichsten deutschen Kinofilm sein!

    Oder hatte das Publikum doch so etwas wie Geschmack und war nur an den Szenen mit Marie Bäumer interessiert...?

    "2001 - Odyssey im Weltraum"
    Bevor ich nun gesteinigt werde: Ja, dies ist ein Meilenstein des Films. Die Perfektion der kühl strahlenden Optik ist bis heute wohl unerreicht, ebenso die detailversessene Genauigkeit des Regisseurs. Aber das, was diesen Streifen von allen anderen Sci-Fi-Werken abhebt, ist in meinen Augen auch gleichzeitig sein Schwachpunkt: der philosophische Tiefgang, der sich in mancherlei Hinsicht eher als geschickter Etikettenschwindel erweist.

    Kein anderer Film dürfte so viel Stoff zu Interpretationen liefern wie dieser, und nichts anderes hatte der Regisseur beabsichtigt. Wer versucht, die knapp 150 Minuten im herkömmlichen Sinne zu verstehen, wird scheitern - hier darf sich jeder seine eigene Deutung zurechtlegen. Speziell das Ende wurde von Kubrick ohne eigentlichen Hintergedanken gewählt, nachdem man mit verschiedenen Final-Variationen herumexperimentiert hatte.

    Nun mag manch einer sagen: Ist doch schön, wenn das Publikum sich auch mal seine eigenen Gedanken machen muss und nicht mit festgelegten Botschaften abgespeist wird. Das wäre noch einigermaßen zu ertragen, wenn der Film dafür nicht so mystisch verquast wäre und den Zuschauer zu einer Hirnakrobatik zwingen würde, die letzten Endes mehr Fragen als Antworten aufwirft. Zumal in alle Richtung sprießende Spekulationen ja auch nicht selten komische Züge annehmen, wenn sie Tiefgang vermuten, wo gar keiner vorhanden ist. Ich habe schon Gespräche über diesen Film mitbekommen, deren Inhalt mich unweigerlich an die wichtigtuerischen Expertisen angeblicher Kunstkenner erinnerte, denen von Schimpansen hingekrickelte Farbkleckse als wertvolle Gemälde innovativer Maler angepriesen wurden...


    Tja, vier Beispiele - und davon drei Sci-Fi-Streifen. Ob das purer Zufall ist?

    Wie auch immer: Wer Lust hat, sich hier gleichsam auszukotzen, Stellung zu nehmen und kontrovers zu diskutieren, möge sich nicht zurückhalten. Bei einigermaßen reger Beteiligung dürfte es jedenfalls interessant zu beobachten sein, wie unterschiedlich die Geschmäcker ausgeprägt sind...

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von bamalama

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    @ TORSTEN

    wenn ich es nicht besser wissen würde (ich sage nur: CLEO KRETSCHMER ), müssten wir uns filmmässig super verstehen.
    ich kann den hype für sämtliche der von dir genannten filme auch überhaupt nicht nachvollziehen, allen voran DER SCHUH DES MANITU.
    diesen film habe ich gemeinsam mit meinem besten freund gesehen. 80 minuten haben wir aber nicht durchgehalten - nachdem wir nach 30 minuten nicht mal ansatzweise schmunzeln konnten, haben wir den film gestoppt.

    2001 - ODYSSEY IM WELTRAUM

    ich gebe zu: ich war sehr jung, als ich den film im kino sah: ein klassenkamerad hat an seinem geburtstag seinerzeit ca. 10 leute in´s kino eingeladen. er war begeistert, die anderen haben wohl eine andere "party" erwartet. wahrscheinlich haben wir uns deshalb einfach zu wenig mühe gegeben, den film zu verstehen. vielleicht sollte ich mir den film noch einmal ansehen.

    MATRIX

    leute, die mit sonnenbrillen in´s kino gehen, finde ich nicht cool, sondern albern. sonst hat torsten schon alles gesagt.

    STAR WARS

    als kind habe ich die teile geliebt. ich finde diese reihe auch heute nicht schlecht, allerdings ist diese reihe für mich eine unter vielen. deshalb passt sie in diesen thread (hier geht´s ja nicht um grottenschlechte filme, sondern um solche, die ihren extrem guten ruf unserer meinung nach nicht verdient haben).

    spontan würde mir noch PULP FICTION einfallen, obwohl TORSTEN mir bereits ankündigte, dass ich für die nennung dieses titels von vielen gesteinigt werde.

    to be continued...

  4. #3
    Benutzerbild von bamalama

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    ...schon wieder ich, aber mir sind noch ein paar kandidaten eingefallen:

    MONTY PYTHON-filme (DAS LEBEN DES BRIAN, DIE RITTER DER KOKOSNUSS

    diese filme treffen absolut nicht mein humorzentrum. ich musste diese filme mal gemeinsam mit einer "alten clique" angucken, und weiss bis heute nicht, worüber ich mich mehr gewundert habe: über die filme, oder über das teilweise merkwürdige verhalten meiner damaligen freunde.

    GOOD BYE LENIN!

    nach all diesen lobeshymnen habe ich mir die DVD blind gekauft - und sie kurz darauf wieder verschenkt.

    CASINO

    ich mag ROBERT DE NIRO sehr, allerdings hatte ich bei diesem film enorme probleme mit SCORCESEs erzählweise. deshalb habe ich die 171 minuten auch nicht durchhalten können.

    HERR DER RINGE

    sorry, aber: sprechende und laufende bäume (TEIL 2) lasse ich mir allenfalls in filmen wie DIE REISE IN´S LABYRINTH gefallen.

    abschliessend noch das aktuellste beispiel:

    FLUCH DER KARIBIK

    das war sie also: die rettung des PIRATENFILMS. ich habe mich selten so gelangweilt...

  5. #4
    Benutzerbild von Castor Troy

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    Driven mit Sly
    Tears of the sun(Bruce Willis)

  6. #5
    Benutzerbild von SonnyB.

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    "Jenseits von Africa" und "Der mit dem Wolf tanzt" (jetzt fehlt hier ein schnarch Smilie) fand ich sowas von laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig, und dafür noch Oscars zu vergeben......tss tss.

    Auch "das Geisterhaus" war nicht besser und "die Brücken am Flusssssssszzzzzzzzzzzz....püh".

    Auch in Sachen Humor scheine ich nicht den Massengeschmack zu treffen:

    die 007 5dreiviertel Dinger von Leslie Nielsen hauen mich nicht aus den Socken. Alberner Slapstick für unter 5 jährige.

    Von "Herr der Ringe" war ich allerdings begeistert, aber ich kannte auch vorher schon die Bücher (original in Englisch, alte und neue Übersetzung) und wollte mal sehen, was draus gemacht wurde, nach der Pleite in den 70ern. Vielleicht ist das der Unterschied.

    "Matrix" Teil 1 ist Kult, genau so wie "the Crow" und dann......pffft....Luft raus.

  7. #6
    Benutzerbild von Babooshka

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    bamalama postete
    spontan würde mir noch PULP FICTION einfallen, obwohl TORSTEN mir bereits ankündigte, dass ich für die nennung dieses titels von vielen gesteinigt werde.
    Von mir nicht, von mir nicht! Endlich jemand, der so denkt wie ich! Davon abgesehen, dass ich den Film nicht verstanden habe - erst wird Travolta abgeknallt und einige Szenen später war er wieder lebendig - bin ich im Kino damals beinah weggepennt.

    Ein anderer Film, bei dem ich immer "aber der ist doch so geil" zu hören bekomme und wahrscheinlich hier auch gesteinigt werde:

    Brazil

    Ich habe keine Ahnung, was daran so komisch/ironisch/sarkastisch/zynisch sein soll. Bei der Szene, wo ein Raum bis obenhin mit Fäkalien vollläuft, habe ich mich einfach nur geekelt. Ebenso bei der mit der alten Frau, die geliftet wird und der hinterher das ganze Gesicht runterfällt.

    Clockwork Orange:
    Ein hervorragendes Buch, aber was mich an dem Film maßlos stört, ist, dass er da aufhört, wo das Buch noch lange nicht zu Ende ist und die Message der Geschichte daher vollkommen flöten geht.

    Koyaanisqatsi:
    Für Fans der Musik von Philipp Glass sicherlich interessant. Ich konnte diesen im Zeitraffer wimmelnden Menschen nichts abgewinnen.

  8. #7
    Benutzerbild von SonnyB.

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    Ja genau "Pulp Fiction" den hab ich schon erfolgreich verdrängt. Soviel schlechtes Zeug kann man doch gar nicht rauchen, um so einen Müll zu fabrizieren. Oder hab ich da was falsch verstanden, und der Zuschauer muss bekifft sein um den gut zu finden ?

  9. #8
    Benutzerbild von Heinzi

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    Babooshka postete
    Davon abgesehen, dass ich den Film nicht verstanden habe - erst wird Travolta abgeknallt und einige Szenen später war er wieder lebendig - bin ich im Kino damals beinah weggepennt.
    Pulp Fiction wird nicht chronologisch erzählt.
    Er enthält Szenen, die, obwohl früher gezeigt als andere, erst danach stattfinden und umgekehrt.
    Die abschliessenden Ereignisse um den Toten im Wagen, in der Travolta (wieder) vorkommt, spielen also vor der Szene, in der er auf dem Klo erschossen wird.

    Im Netz gibt es genügend Leute, die sich eingehender mit dem Werk befasst haben. Da liesse sich, bei Interesse, auch eine chronologische Erzählung der Handlungsstränge finden.

    Der Schuh des Manitu fand ich übrigens auch Scheisse.
    Einfach nicht mein Humor...

  10. #9
    Benutzerbild von bamalama

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    wo sind die PULP FICTION-fans, vor denen mich TORSTEN (gerade auch noch einmal am telefon) gewarnt hat???

  11. #10
    Benutzerbild von Castor Troy

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    bamalama postete
    ...schon wieder ich, aber mir sind noch ein paar kandidaten eingefallen:

    .



    FLUCH DER KARIBIK

    das war sie also: die rettung des PIRATENFILMS. ich habe mich selten so gelangweilt...
    Ich habe gerade denn Film im Web bestellt

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