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Die Ebayisierung des Lebens

Erstellt von Muggi, 10.03.2006, 00:15 Uhr · 16 Antworten · 1.692 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Muggi

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    Manchmal fahren die Gedanken wirklich Achterbahn. So geschehen gestern beim Anschauen der Fussball-DVD mit dem WM-Finale 1990. Nach Ende der Partie ist dort zu sehen, wie der eine Ehrenrunde trabende Guido Buchwald von einem italienischen Balljungen um sein Trikot gebeten wird, was der deutsche Spieler in seinem Freudenrausch gar nicht bemerkt. In dem Moment dachte ich: Der Kleine will einfach nur ein Souvenir haben. Heute würde das Trikot mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Tage bei Ebay auftauchen. Kommt es mir nur so vor, dass heutzutage alles sofort auf seinen Wiederverkaufswert taxiert wird? Das Internetauktionen den Schwarzmarkt geradezu befeuert haben, indem beispielsweise Eintrittskartenkontigente ruckzuck leergekauft werden? Das Fälschungen und Betrug zugenommen haben?

    Das der Kapitalismus von Angebot und Nachfrage sowie von Ein- und Verkauf lebt, ist mir natürlich klar. Das niemand zum Kauf von irgendetwas gezwungen wird, auch. Aber muß ich Auswüchse deswegen kommentarlos hinnehmen? Ich weiß nicht, ob ich jetzt hoffnungslos dem aktuellen Gesellschaftsmodell hinterherhinke, aber ich persönlich hätte ein schweres Problem mit mir selbst, wenn ich jemanden per Ebay so richtig über den Tisch ziehe. So toll es sein kann, ein lange gesuchtes Teil endlich erwerben zu können, für mich ist Ebay ein Tummelplatz dubioser Gestalten, den ich weiträumig umfahre.

    In solchen Belangen bin ich stockkonservativ. Ich kaufe mir etwas, um es auch zu behalten bzw. denke nicht schon beim Kauf daran, es umgehend mit Profit wieder loszuschlagen. Liege ich da falsch?


  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Fraenkie

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    Muggi postete
    ... Liege ich da falsch?

    Jein, würde ich sagen. Einerseits hast Du sicherlich recht mit Deinen Beobachtungen und den daraus gezogenen Schlußfolgerungen. In vielem stimme ich Dir sogar zu. Andererseits sollte man auch nicht alle Ebayer über einen Kamm scheren. Ich hatte da schon mit vielen (um nicht zu sagen: mit fast ausschließlich) ehrlichen Händlern zu tun. Im Normalfall können die ja auch nichts dafür, wenn die von ihnen angebotene Ware teuer verkauft wird. Dafür sorgen allein die Bieter. So funktioniert nun mal das Auktionsprinzip. Genauso gut kann es ja sein, daß sich für hochwertige Ware nur ein einziger Interessent findet, und dann bekommt er das Gewünschte eben zum Startpreis. Ich jedenfalls bin froh, daß es Ebay gibt, denn ohne dieses Auktionshaus hätte ich ganz viele Sachen, die ich einst lange suchte, noch immer nicht. Als Verkäufer trete ich dagegen nur sporadisch in Erscheinung. Wenn ich mal etwas doppelt habe oder nicht mehr benötige, stelle ich es ins Ebay und hoffe, daß ich noch irgendein Sümmchen dafür erhalte. Wenn es dann ein hübsches Sümmchen wird, bin ich auch nicht böse. Ebay ist eben, was man selbst daraus macht und wie man es nimmt. Mein Rat: Nimm es mit Lockerheit und Humor. Und laß die dubiosen Gestalten mit überteuerten Angeboten einfach links liegen.
    Gruß,
    Fraenkie

  4. #3
    Benutzerbild von Torsten

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    Wir leben in einer Wertbemessungsgesellschaft. Da erfolgt fast jegliches Handeln nur noch mit der Fragestellung "Was bringt mir das?"; ethische, moralische oder humane Motive werden dadurch zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Ebay ist hierfür genauso ein Beispiel wie die Wirtschaftsbosse, deren Geschäftspolitik sich einzig an Aktienrenditen orientiert.

    Und in Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs, wo sich erst mal jeder selbst der Nächste ist, ist die beschriebene Mentalität zwangsläufig. Eben die viel zitierte Abwärtsspirale.

    Ansonsten schließe ich mich Frankie an. Man muss die Auswüchse nicht gutheißen, kann sie aber selbst umschiffen und sich auf einen vernünftigen Umgang mit Online-Auktionen konzentrieren. Ich freue mich jedenfalls, in der Vergangenheit auf diese Weise an manches Schätzchen gelangt zu sein, das ich sonst vielleicht nie mehr bekommen hätte. Eine solch große potenzielle Anbieter- und Käuferschar findet man schließlich weder auf'm Flohmarkt noch im Anzeigenteil diverser Printmedien.

  5. #4
    Kinderfresser
    Benutzerbild von Kinderfresser
    Ebay ist eine zweischneidige Klinge. Einerseits bin ich froh, daß es ebay gibt, denn dort habe ich auch schon einige Schnäppchen gemacht bzw. CDs ersteigern können, wo ich sonst noch bis ins Rentenalter auf Flohmärkten nach Suchen könnte.... Bestes Beispiel: meine beiden CDs von Hob Goblin. J.B. hat da sogar eine für 3,50 Euro bekommen (aber nur weil ich nicht mitgeboten habe )

    Andererseits sind manche Sachen schweineteuer, auch weil so mancher den aktuellen Marktpreis nicht kennt. Anders kann ich mir aber nicht erklären, daß das Rodgau Monotones Doppel-Album "Risiken und Nebenwirkungen" gestern bei 25,50 Euro stand (siehe auch ebay mal anders Thread) obwohl es bei amazon neu nur 19,99 Euro kostet.....

    Ach ja, was versteigern von Trikots betrifft.... ganz aktuell, verkauft ein Eintracht Frankfurt Fan ein Trikot von Mike Hanke (Wolfsburg), daß er sich nach dem Gastspiel der Wolfsburger in Frankfurt erschnorrt hat.... Begründung für seinen Verkauf ist, daß er kein Wolfsburg-Fan ist. Aber lasse ich mir dann von einem Spieler ein Trikot schenken??????

    Und hier noch der Link zur Auktion:

    http://cgi.ebay.de/MATCH-WORN-SPIELE...QQcmdZViewItem

  6. #5
    Benutzerbild von ICHBINZACHI

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    Man hat ja schon über diverse dubiose Angebote auf Ebay gehört ... und jede Wette, daß nach dem Finale irgendwo ein Stück Rasen auftaucht, wenn die Brasilianer gewinnen > bei Ebay Brasilien , die Italiener > Ebay Italien ....

    Es gibt leider viel zu viele, die über den Weg auch und vor allem Tonträger und Bildmaterial verkaufen wollen ... was zumindest auf dem deutschen Markt als Raubkopie oder nicht legale Zusammenstellung gilt ... ich erinnere mich an die MP3-DVD´s von einem isländischen Anbieter ...

    Die Leute versuchen halt irgendwie Geld zu machen und wollen das maximale herausholen aus dem Geschäft und dazu gehört , zu wissen, was der Artikel wert ist, den man hat und danach werden die Startpreise ausgelegt ...

    Man muß ja nicht bei denen wo es zweifelsfrei zu teuer angesetzt ist kaufen ...
    Wie geschrieben bleibt es einem ja selbst überlassen.

    Ich finde es eigentlich viel schlimmer, daß es gerade bei Ebay immer mehr
    SHOPS gibt, bei denen stetig, die gleichen Sachen durchlaufen ... 20 Seiten
    Angebote , wurde etwas nicht verkauft, taucht es am Ende wieder am Ende der Liste auf ... Mensch die Auktion ist doch eigentlich abgelaufen und tatsächlich
    ist es kurz darauf wieder drinn ...
    Der Grundgedanke von Ebay, der die Leute damals zur Ebayerforschung animiert
    hat, ist in der Zwischenzeit untergegluckert worden ...
    Kaum noch Angebote, die wirklich von jemandem für nen Euro reingestellt werden, weil er ne kleine Sammlung hat und diese mal eben verkaufen will.

    Gerade bei den auslaufenden Angeboten bei den Vinylmaxis , sind 90 Prozent nur noch Shops, die auf Masse zählen ... man schaue auf die Anzahl der Bewertungen ... es sind die Second-Hand-Shops der Neuzeit ... so würde ich es formulieren ... und einige dieser Shops fallen unangenehm auf, weil sie nur noch mit Sofortkaufpreis handeln, also kein fairer Wettbewerb möglich ist ...
    jedenfalls hat es mit VERSTEIGERN gar nichts mehr zu tun.

    Vielleicht sollte man mal überlegen, ob man bei Ebay für die Shops nicht ein nach Rubriken sortiertes Register macht und diese aus dem Tagesgeschäft rausnimmt
    es ist doch sowas von nervig, wenn man sich durch 20 auslaufende Artikel des gleichen Anbieters klickt, bis das nächste reale Privatangebot kommt und dann
    der nächste Shop, usw.

    Vor allem nerven aber diejenigen Shopbesitzer, die ihre WARE bei anderen KLEINSTANBIETERN zusammenkaufen und damit auch die kleinen realen Auktionen meist uneinnehmbar machen ... klar ... bei denen ist das Kapital eher da, mal eine seltene Scheibe auch teurer einzukaufen ... und bei der Anzahl der vielen FULLTIMEEBAYER findet jede seltene Scheibe jemanden, der diese erkennt.

    Was jedoch genial ist, und dies in rasant steigendem Umfang, ist Ebay als Informationsquelle ... Tracklisten, Cover, Labelnummern ... da gibts ne Menge
    abzufischen

  7. #6
    Benutzerbild von italomaster

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    Auf Grund des Angebotsueberhangs ist die stetig aufsteigende Kurve bei ebay zum Erliegen gekommen, soll heissen, sie ist eine horizontal Konstante geworden. Die prozentualen Steigerungen der letzten Jahre sind im letzten Jahr bei weitem nicht mehr erreicht worden.

    Daher setzt ebay jetzt auf eine neue Linie - so etwas wie das groessten Versandhaus (in Konkurrenz zu QUELLE / NECKERMANN und Co.) zu werden. Daher werden jetzt zunehmend die Shops gepusht. Super Entwicklung...

    Aber das ist ja der Preis des Kapitalismus: Es muss staendig 'auf Teufel kommm raus' Wachstum herrschen, Milliardenumsaetze und -gewinne reichen nicht, es muessen neue Felder erschlossen werden, egal, ob man dem eigenenen Grundgedanken damit gegenlaeufig ist.

    Ich nutze es, aber ebay suc*s...

  8. #7
    Benutzerbild von Peter

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    ICHBINZACHI postete

    Vielleicht sollte man mal überlegen, ob man bei Ebay für die Shops nicht ein nach Rubriken sortiertes Register macht und diese aus dem Tagesgeschäft rausnimmt
    es ist doch sowas von nervig, wenn man sich durch 20 auslaufende Artikel des gleichen Anbieters klickt, bis das nächste reale Privatangebot kommt und dann
    der nächste Shop, usw.
    volle Zustimmung

  9. #8
    Benutzerbild von DeeTee

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    Ich sehe es ein bißchen so, wie die ersten 3 Beiträge dieses Threads es darstellen. Allerdings sollte man angesichts unser gesellschaftlichen Entwicklung einfach auch akzeptieren, dass Ebay auch zur Gewinnerzielungsmöglichkeit für den kleinen Mann geworden ist.
    Wer wenig Geld hat, kann seine über den Arbeitsverdienst hinaus zusätzlichen Einkünfte nicht mittels Kapitalanlagengewinne erzielen; dafür hat er/sie kein Geld. Aber das Taschengeld über Ebay aufbessern ist möglich - wenn man es geschickt macht. Und der dümmere zahlt dabei drauf.
    Für den einen (wie mich) ist es eher Vergnügen, für andere aber auch schlicht Notwendigkeit (und einfacher als sich bei Sauwetter auf den Flohmarkt zu stellen).

    Und was die Sache mit den Ebay-Shops angeht: Vieles wird einfacher, wenn man das Suchergebnis richtig filtert, also z. B. alle "sofort & neu" entfernt. Dann wird's gleich übersichtlicher.

    Grüße!
    DeeTee

  10. #9
    Benutzerbild von frasier

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    Dieses Kommerzdenken gab es schon immer, es ist nur sichtbarer geworden.

  11. #10
    Benutzerbild von J.B.

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    Ich habe mir über dieses Thema auch schon einige Gedanken gemacht und habe hier mal meine Überlegungen auf drei Kernaussagen reduziert.

    1. Ebay spart unter Umständen Zeit, Aufwand und Geld was die Erfüllung von Wünschen angeht.

    2. Kapitalismus mit all seinen Auswüchsen und sämtliche Gesetze und Strategien freier Markwirtschaft greifen früher oder später überall, wo gehandelt wird.

    3. Lange Zeit haben viele Leute den Spruch „Aus Sch***e kann man Geld machen“ immer nur gehört. Heute sehen viele, vor allem durch Ebay, dass es tatsächlich so ist und jeder dazu in der Lage ist.


    Zu Punkt 1:

    Das Phänomen Ebay setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die schon für sich alleine eine ziemliche Anziehungskraft entwickeln.

    - Jeder mit Internetverbindung kann an einer Auktion teilnehmen!

    - Die Wettkampfathmosphäre gibt einem das Gefühl besonderes geleistet zu haben, wenn man (eine Auktion) gewonnen hat (siehe Ebay- Werbung)!

    - Prinzipiell besteht für jedes Ebay-Mitglied die Möglichkeit bei Dingen mitzubieten, in deren Nähe sie/er sonst nicht einmal ansatzweise gekommen wäre!

    - Sich eine „Belohnung“ zu gönnen ist bei Ebay viel bequemer, als bei Wind, Schnee, Regen oder brütende Hitze in die Stadt zum Shoppen zu gehen!

    - Man bekommt Dinge bei Ebay, die man sonst nie bekommen hätte!

    - Jegliche Distanz ist verschwunden! Ich kann in Australien, Amerika, Japan, Argentinien oder Malaysia einkaufen!

    - Die Wahrscheinlichkeit für einen selbst seltene oder wertvolle Dinge bei Ebay früher oder später zu finden ist groß!

    - Wenn man aufmerksam vergleicht und sucht findet man so einige Dinge bei Ebay billiger, als im Geschäft um die Ecke.

    - Wer hat sich nicht schon immer den weltgrößten Flohmarkt direkt vor der eigenen Haustür gewünscht?!

    Dieses hat die beiden nächsten Punkte für mich unmittelbar zur Folge, wie hoffentlich aus meinen Ausführungen zu eben jenen deutlich wird.

    Zu Punkt 2:

    Was als eine kleine Plattform für Auktionen von Privat an Privat begann, hat mittlerweile eine rasante Entwicklung hingelegt und ist meiner Meinung nach kurz vor den letzten noch machbaren Zügen.

    Zudem sollte man sich der Tatsache bewusst werden, dass Ebay eine Art Schule ist. Eine Schule, in der auf einmal sehr viele Menschen lernen, wie man handelt, welche (legalen, illegalen, fairen oder unfairen) Taktiken angewendet werden können, um Geld zu verdienen und was Gewinnmaximierung ist. Früher haben Menschen so etwas jeden Tag auf dem Marktplatz ihrer Stadt gelernt. Heute kann es jeder, der Internetzugang hat, bei Ebay mitverfolgen und auch mitlernen. Nicht nur „learning by doing“ ist plötzlich für viele möglich, sondern auch etwas viel simpleres: „Learning by watching“.

    Am Anfang haben Privatleute die Sachen bei Ebay eingestellt, die sie nicht mehr brauchten, wollten oder die sie doppelt hatten. Ich wage mal zu behaupten, dass die wenigsten damals im Sinn hatten so viel Kohle wie nur irgend möglich aus ihren Auktionen zu holen.

    Warum? Weil in den meisten Bereichen den Anbietern überhaupt gar nicht bewusst wurde, was das von ihm verkaufte Objekt für einen anderen wert sein kann und vielleicht auch aufgrund seiner Seltenheit, Herkunft oder Beschaffenheit ist. Mit der Zeit wurde dann mehr und mehr Mitgliedern, die regelmäßig Sachen auf Ebay anboten und/oder kauften zwei Dinge klar.

    1. Manchen Sachen sind wesentlich mehr Wert, als man jemals gedacht hätte...

    ...und...

    2. es gibt Menschen die bereit sind selbst für Schrott ein Haufen Geld hinzulegen.

    Das wiederum hatte nun zur Folge, dass die Grundpreise (= Einstellpreise) zunächst bei wenigen, später dann bei immer mehr Dingen stiegen, da den Anbietern immer bewusster wurde, was ein Gegenstand wert ist.

    Ebay hat so nebenbei ein Haufen von selbsternannten Kunstkennern, Münzkoryphäen, Kuscheltierwertspezialisten und, und, und geschaffen. Ähnlich wie die BILD-Zeitung nach jedem Fußballspiel der Nationalmannschaft Millionen von Trainern an den Stammtischen der Nation erschafft.

    Ab diesem Zeitpunkt war der Weg für die Anbieter bereitet, denen es einzig darum ging Geld zu machen.

    Aus dem Nischentreffpunkt für Sammler, was Ebay ohne Zweifel in vielen Bereichen war und leider in immer wenigeren noch ist, wurde Stück für Stück ein Shopping-Center nicht nur für die ganze Familie, nein für einfach jeden, der ins Netz konnte und entweder etwas suchte oder etwas loswerden wollte, völlig egal was es war. Denn bei Ebay konnte man ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach alles finden.

    Ebay hat dies immer weiter angeheizt. Plötzlich gab es Autos zu kaufen! Und Immobilien! Der Trend hat sich immer weiter fortgesetzt und mittlerweile Ausmaße angenommen, die einen zunächst nur den Kopf schütteln lassen, später mit einem merkwürdigen Gefühl in der Magengegend ausstatten und letztendlich fassungslos die Frage stellen lassen: „Was zur Hölle soll das?“ Dazu aber später mehr, wenn ich auf Punkt 3 meiner Kernaussagen näher eingehe.

    Nachdem nun also die Anfangspreise für mehr und mehr Gegenstände kletterten, passierte das, was in so einem Fall immer Eintritt! Immer mehr Anbieter blieben auf ihren vermeintlich doch so wertvollen Waren sitzen, denn zeitgleich mit dem Wertbewusstsein hielt bei Ebay auch das Schnäppchenjägertum Einzug.

    Zur Erläuterung meiner Gedankengänge: Erst wenn man sich des Wertes, den ein Gegenstand, real oder für einen selbst ideell haben kann, bewusst ist, kann man zum Abzocker oder Schnäppchenjäger werden! Wenn wir ehrlich sind, haben wir ein Schnäppchen doch nur dann gemacht, wenn wir etwas weit unter dem was der Gegenstand für uns selbst Wert ist, ersteigert, erhandelt oder gekauft haben.

    Nun also kam die Phase, in der die Käufer den Verkäufern aufzeigten, dass sie nicht bereit waren jeden Preis für das Objekt ihrer Begierde zu zahlen (was sich mit zunehmender Zeit teilweise leider wieder ändern sollte). Die Anbieter befanden sich nun also in einem Dilemma. Aber zum Glück kann man ja weiter von der „Ebayschule“ lernen. Der Ablauf ist eigentlich wie in der Natur: Pioniertaten, die sich bewähren, werden kopiert, verbessert, wieder kopiert und immer weiter ausgefeilt. Hier aber war das zuschauende, lernende Publikum um einiges größer und durch den Segen der Technik quasi immer direkt am Ort des Geschehens.

    Man lernte also, dass Faktoren, wie Jahreszeit, Ferien, anstehende Feiertage und noch viele andere Dinge zu einem unterschiedlichen Kauf- bzw. Steigerverhalten bei den Käufern führte. Plötzlich wurden immer mehr Ebay-Mitglieder, bewusst oder unbewusst zu „Hobbypsychologen“, denn man erkannte, dass viel höhere Preise erzielt werden konnten, wenn man sie zum vermeintlichen Schnäppchenpreis einstellte und mehrere Kaufwillige aufeinander trafen. Menschen legten in der Hitze der Auktion jegliche Vernunft ab, überschritten selbstgewählte Schmerzgrenzen mehrfach und ignorierten
    jeden anderen Anbieter über Ebay hinaus. Dieses Verhalten ist heute bei nicht wenigen Ebayanern immer noch so.

    Und Ebay feuerte diese Tendenzen immer weiter an. Es gab mit einem Mal unterschiedliche Laufzeiten der Auktionen, man hatte auch die Möglichkeit mehrere gleiche Verkaufsgegenstände an unterschiedliche Käufer in einer Auktion abzugeben, die Zahlungsmöglichkeiten wurden erweitert und es wurden Shops eingeführt. Damit war dann der Grundstein für die Professionellen gelegt, bzw. die Tür endlich ganz aufgestoßen worden.

    Und mit diesen professionellen Händlern erhielten dann Dumping-Sofortkaufpreise und in letzter Konsequenz wahre Fluten von immer gleichen Billigartikeln u.Ä. Einzug in die Angebotslisten. Ebay schuf und schafft mit einem Mal Existenzen!

    Es werden Ebaykurse angeboten, Seminare, Schulungen und mehr oder minder fragliche Zertifikate und Diplome können erworben werden. Es gibt Ebay-Agenturen und –Markler, ja sogar eine Ebay-Universität!

    Nun also sind wir an einem Punkt angekommen bei dem es für nicht wenige ans Existenzielle geht! Gepaart mit der Erkenntnis, dass eine florierende Umsatzquelle schon immer zwielichtige Gestalten anlockte, verwundert es also nicht, wenn plötzlich jedes Mittel Recht ist, um an möglichst viel Geld zu kommen.

    Zweit- und Drittaccounts werden genutzt um Preise hochzutreiben oder anonym, da der Erstnickname unter Umständen in der entsprechenden Szene bekannt ist, die Sammlungen bzw. Angebote der immer weniger werdenden, aber nie aussterbenden Ahnungslosen (bzgl. Wert der Gegenstände) möglichst billig aufzukaufen und dann teuer weiter zu verhökern.

    Es wird Geld mit Porto & Verpackung gemacht und mehr und mehr mit dem Unwissen der Otto-Normal-Mitglieder. Nämlich dann, wenn nur leere Umverpackungen, Bedienungsanleitungen, Kopien oder Fotos von dem vermeintlichen Verkaufsobjekt angeboten werden. Nur wer sich sämtliche Erläuterungen in den oft ellenlangen Artikelbeschreibungen genauestens durchliest, findet mit etwas Glück den faulen Zauber.
    Mittlerweile sind solche Auktionen, samt ihren Beschreibungen ja schon eine regelrechte Kunstform!

    Eines also haben viele Mitglieder noch nicht bei Ebay gelernt (und werden es wohl auch nie): die Gesetze, Paragraphen, Bestimmungen und deren Umsetzung, Auslegung und Anwendung.

    Über Plagiate, Markenpiraterie u.Ä. muss man da gar nicht mehr reden.

    Zu Punkt 3:

    Es geht vielen, wie aus dem oben Angeführten ersichtlich, also heutzutage mehr denn je darum Geld mit Ebay zu verdienen.

    Da sind zum einen diejenigen, deren Existenz von Ebay abhängt, weil sie mit dem dortigen Handel ihr Geld verdienen und zum anderen die, vor denen uns einst Eduard Zimmermann warnte, nämlich Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Dazu gesellen sich dann noch Trendsetter, dicht gefolgt von oft skrupellosen Trendsurfern, Ich-würde-sogar-meine-Oma-anbieten-Verkäufer, sowie Menschen, die bar jeglicher Selbstachtung, Stolz und Selbstwertgefühl Dinge bei Ebay anbieten, die einen schon erschrecken können, bzw. einen am geistigen Zustand des anderen zweifeln lassen.

    Aber warum?

    Weil die Leute erkannt haben, dass es selbst für unsinnigste Angebote immer noch Menschen gibt, die für so etwas Geld ausgeben. Denn Ebay ist nicht nur ein Handelszentrum, sondern meiner Meinung nach auch noch der größte Treffpunkt für Sammler der noch so abgedrehtesten Sammelobjekte.

    Was Händler wertvoller Güter und ganze Unterweltschichten schon lange wissen, nämlich, dass ein fanatischer Sammler bereit ist für bestimmte Dinge so ziemlich jeden Preis zu zahlen, wurde nach und nach vielen Ebay-Mitgliedern bewusst.

    Das sowohl verrückte als auch geniale an Ebay ist, dass es diese fanatischen Sammler nicht nur im Bereich von Juwelen, Münzen, Briefmarken, Antiquitäten oder Kunstgegenständen gibt, sondern selbst noch in Bereichen, wie Kaffeesahnedöschendeckeln, Lego, Mokkatassen, Sand, usw.

    Hier kann man also wie nirgends sonst auf der Welt aus Sch***e Geld machen!

    Da ist es dann auch nur noch ein kleiner Schritt, sich selbst, seine Dankbarkeit, seine Freundschaft (im Moment SEHR aktuell!) und was sonst noch alles anzubieten.

    Wenn mir bei Ebay eines bewusst geworden ist in den letzten Jahren, dann die Tatsache, dass nichts mehr heiligt ist!

    Über die Preise für ein gewöhnliches Gurkenglas nach dem Küblböckunfall konnte ich noch herzlich lachen, aber über die angebotenen Trümmer der COLUMBIA habe ich nur noch den Kopf geschüttelt.

    Wann immer jemand stirbt, wann immer es ein Unglück gibt, es dauert keine 24 Stunden und entsprechende Angebote zu der verstorbenen Person oder zum Ereignis schießen wie Pilze aus dem Boden, einfach weil sich Geld damit machen lässt!

    Warum würde man sich so etwas kaufen wollen? Entweder weil man Sammler ist, oder aber weil es einfach nur möglich ist!

    Wie und wo sonst hätten Menschen wie Du und ich sonst die Gelegenheit gehabt den Golf des Papst zu kaufen, einen Teil der COLUMBIA, einen Meteoriten, ein Glas Nichts, Munition aus dem Irak-Krieg, die Freundschaft eines Menschen oder einfach nur ein Wurtbrötchen?

    In Kurzfassung:

    Attraktivität --> viele Mitglieder (Punkt 1) --> Wandlung vom Marktplatz zum Allround-Shopping-Center --> Arbeitgeber - „Existenzgründer“ (Punkt 2) --> Nachfrage nach fast allem - Angebot von fast allem --> Geld machen um jeden Preis (Punkt 3)


    Gruß

    J.B.

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