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Die Fussball-WM-Klassikersammlung auf DVD

Erstellt von Muggi, 09.03.2006, 12:14 Uhr · 57 Antworten · 7.531 Aufrufe

  1. #41
    Benutzerbild von Torsten

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    Zitat Zitat von Muggi
    Fazit: Sieht man einmal von den Erklärungsversuchen zu Battiston ab, ist "Anpfiff" eine unheimlich aktuell wirkende Lagebeurteilung des deutschen Fußballs, zu Unrecht fast vergessen. Einige Entwicklungen wie das Bosman-Urteil oder der TV-Gelder-Irrsinn durch das Pay-TV waren noch nicht vorhersehbar, aber viele andere Dinge verblüffen durch ihre fortbestehende Gültigkeit. Wer die Gelegenheit zum Erwerb hat - kaufen!
    Danke für die ausführliche wie launige Beschreibung, werde mir das Buch dann auch mal an Land ziehen.

    Noch was zum Finale 2002: Brasilien hatte im Vergleich zur deutschen Mannschaft das bessere Turnier gespielt, im Endspiel hätte es aber auch anders laufen können. Wer weiß, was passiert wäre, wenn dieser Freistoß aus 30 Metern von Neuville nicht am Pfosten, sondern ein paar Zentimeter weiter links im Tor eingeschlagen wäre.

    Und beim unvergesslichen Lapsus von Kahn musste man damals unweigerlich an die Worte von Marcel Reif denken, der nach dem Halbfinale gesagt hatte, dass der "Titan" bisher keinen Fehler gemacht habe und zu hoffen bleibe, dass das nicht ausgerechnet im Endspiel passiere...

  2.  
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  3. #42
    Benutzerbild von Muggi

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    Aus nachvollziehbaren Gründen wird wohl in den nächsten 6 (WM+Urlaub) Wochen keine DVD eine Chance haben, angeschaut zu werden, deshalb kurz vor Toresschluß noch der Kommentar zu den beiden zuletzt Gelieferten.

    DVD 10 Halbfinale 1986 Deutschland - Frankreich

    Toni Schumacher hatte wohl recht, als er in seinem Buch "Anpfiff" schrieb: "Hätte ich im Finale so gehalten wie im Spiel gegen Frankreich, wären wir Weltmeister geworden." Da ist was dran, denn nach dem frühen 1:0 durch Brehme brandete wirklich ein französischer Angriff nach dem anderen auf das deutsche Tor zu. Schon kurios, welche Parallelen sich zum Halbfinale gegen England vier Jahre später auftun. Ein Freistoßtor von Brehme mit Hilfe eines gigantischen Torwartklopses...

    Man muß fairerweise sagen, dass es wirklich nach wie vor ein Genuß ist, dem damaligen amtierenden Europameister und dort speziell dem aus Tigana, Platini, Fernandez und Giresse bestehenden Mittelfeld zuzusehen. Wahrscheinlich das beste der damaligen Zeit. Ich wünsche mir ohnehin in dieser Edition noch die Viertelfinalpartie der WM 1986 zwischen Frankreich und Brasilien, in meiner Erinnerung ein wahres "Jahrhundertspiel"!

    Dieses Halbfinale war sicherlich ein gutes, wenn auch kein überragendes Match. Als allgemein anerkannt gilt, dass Wolfgang Rolff in seiner Rolle als Bewacher von Platini das beste seiner 37 Länderspiele gab. Man sieht es nicht immer im Bild, aber er muß Platini dermassen auf den Füßen gestanden haben, dass der Franzose in der zweiten Halbzeit sichtlich entnervt andeutungsweise nach Gegenspielen trat oder laut fluchend herumlamentierte.

    Außerdem sehr bemerkenswert finde ich die weiten und dabei stets sehr präzisen Abwürfe Schumachers, deren Training er in seinem Buch ausführlich beschreibt. Auf dem Platz aufgestellte Pappkameraden und Würfe über 50, 60 Meter hinweg genau auf die Scheiben.

    Eine kleine Kuriosität gibt es auch zu entdecken. Etwa fünf Minuten vor Ende der ersten Halbzeit wird Lothar Mätthäus gefoult und während er sich wieder aufrappelt und in Nahaufnahme zu sehen ist, hört man deutlich "Wir wollen keine - Bayern-Schweine!". Frustrierte Gladbach-Fans, die ihm noch den Vereinswechsel im Jahr zuvor übelnahmen?

    DVD 11 Zwischenrunde 1974 Deutschland - Schweden

    Wenn man sich die Aufnahmen dieses Spiels so anschaut, fragt man sich, warum nur die Partie gegen Polen drei Tage später als "Wasserschlacht" in die Geschichte eingegangen ist. Hier schüttet es nämlich auch wie aus Kübeln! Das Begleitheft erwähnt den kuriosen Umstand, dass es bei fast der Hälfte der 38 WM-Spiele mehr oder weniger heftig regnete.

    Das Spiel macht trotz der widrigen äußeren Umstände Spaß. Die ersten 25 Minuten sind praktisch ein Spiel auf ein (und zwar das schwedische) Tor. Doch dann kommt es wie so oft - das bedrängte Team geht in Führung, hier gleich mal durch einen Treffer Marke "Tor des Monats". In meinen Augen begingen die Schweden den Fehler, zu früh diese Führung zu verteidigen und auf ihren überragenden Torwart Ronnie Hellström zu vertrauen. Das mußte ja irgendwann schiefgehen, auch wenn die Partie bis 12 Minuten vor Schluß 2:2 stand. Aber Deutschland war ganz klar die bessere Mannschaft und nach der Einwechslung von Günter Grabowski (für mich nach wie vor einer der zu Unrecht unterschätztesten Spieler der damaligen Zeit) wurden die vielen Chancen endlich auch noch zu Toren genutzt.

    Diese DVD ist die erste, bei der mir der Kommentar so richtig auf die Nerven ging. Wolfram Esser kommentiert in einem dermaßen einschläfernden Tonfall, wie man es sonst nur von Übertragungen irgendwelcher europäischer Adelshochzeiten kennt.

    Schon beim Hinsehen schmerzhaft ist das Hineinschlittern Paul Breitners in die neben dem schwedischen Tor postierte Fotografenmeute. So ein Kamerastativ tut bestimmt dem Schienbein wohl...

    Tja und der Schiri geht glatt als Sepp Blatter-Double durch...

    Das Begleitheft wartet mit einigen interessanten Informationen auf, so zum ehemals angespannten Verhältnis beider Nationen nach den Vorkommnissen beim WM-Spiel 1958 oder den zahlreichen schwedischen Legionären in der Bundesliga. Neu war mir persönlich hingegen, dass Torschütze Rainer Bonhof gebürtiger Niederländer ist, der erst als Jugendlicher einen deutschen Pass beantragte.
    Alles in allem: Scheißwetter- tolles Spiel!

  4. #43
    Benutzerbild von Sammy-Jooo

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    Jetzt ist sie da, die DVD Nummer 30 der Klassikersammlung

    Und diese DVD ist wirklich gut gemacht, denn da von diesem Klassiker keine Fernsehaufnahmen mehr existieren war es sicherlich nicht so einfach das Spiel einigermassen auf DVD zu bannen. Und es sind sogar Farbbilder zu sehen, denn irgendwer muss da wohl mitgefilmt haben. auf dem Titel der DVD ist vermerkt: "Das große Finale mit spektakulären Farbbildern! Alle fünf Tore in Farbe. Plus exclusives Bonusmaterial!"

  5. #44
    Benutzerbild von Muggi

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    Hab noch einiges nachzutragen...

    DVD 12 Finale 1982 Deutschland - Italien
    Ich hatte nach den Ereignissen der diesjährigen WM etwas die Befürchtung, voreingenommen an diese Partie heranzugehen. Nach dem Ansehen muß ich konstatieren: Weit gefehlt! Italien wurde 1982 völlig verdient Weltmeister und das in einer Art und Weise, die es (im Gegensatz zu 2006) leicht macht, den Titel zu gönnen.

    Doch zunächst ein kleiner Rückblick: An die WM in Spanien kann ich mich nur noch düster erinnern, da meine Eltern, was den Punkt "als 10jähriger lange aufbleiben" recht rigoros handhabten. Ich weiß nur noch, dass ich sowohl die deutsche Vorrundenpleite gegen Algerien als auch das Skandalspiel gegen Österreich live gesehen habe, allerdings waren das auch beides Nachmittagsspiele. Daher dürfte dies jetzt das erste Mal überhaupt gewesen sein, dass ich dieses Finale in voller Länge sah.

    Ich hatte anhand des Ergebnisses eigentlich erwartet eine italienische Mannschaft zu sehen, die die deutsche nach allen Regeln der Kunst auseinander nimmt, doch das ist falsch. Zumindestens die erste Halbzeit ist doch wirklich mit "ausgeglichen" zu benennen, auch wenn sich unmittelbar vor den Torhütern wenig abspielte. Der verschossene italienische Strafstoß passt da gut ins Bild. Toni Schumacher beschreibt in "Anpfiff" das Finale 1982 als "von vornherein in den Köpfen verloren". Da ist wohl etwas dran.

    Völlig anders wiederum stellt sich die Lage in Durchgang 2 dar. Hier merkt man doch recht deutlich, wie nach dem Halbfinale gegen Frankreich einfach die Kraft fehlte. Im Begleitheft zur DVD wird beispielsweise noch die unmittelbare Nachgeschichte des Krimis von Sevilla erzählt. Das deutsche Teams saß bis in die frühen Morgenstunden in einem heillosen Durcheinander auf dem Flughafen fest und schaffte es erst nach handfesten Drohungen seitens der Mannschaftsleitung eine Starterlaubnis zu erhalten. Die Italiener wiederum hatten innerhalb der regulären Spielzeit ihr nachmittägliches Halbfinale gegen Polen locker gewonnen und konnten so deutlich mehr Kräfte sparen.

    Zwei Spieler gilt es besonders hervorzuheben: Bruno Conti auf italienischer und Uli Stielike auf deutscher Seite. Nicht zu fassen, was der Conti gerannt ist... Stielike (immerhin Fußballer des Jahres 1982 in Spanien!) wiederum kommt mir in Betrachtungen der deutschen Nationalmannschaftsgeschichte leider immer ein wenig stiefmütterlich behandelt vor. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass sich jeder Libero an Franz Beckenbauer messen lassen mußte. Der Überlieferung zufolge soll er Rummenigge in der Kabine angeschnauzt haben, weil dieser (durch eine Verletzung alles andere als fit) sich weigerte, sich auswechseln zu lassen (was dann erst in der 69. Minute geschah). Aber was der Stielike in der zweiten Hälfte geackert und gekämpft hat - ich zieh den Hut!

    Fazit: Ein verdienter Sieg, ein verdienter Weltmeister (auch nach Startschwierigkeiten schon aufgrund des grandiosen Spiels gegen Brasilien) und der Torjubel von Marco Tardelli nach dem 2:0 dürfte wohl zu den berühmtesten der WM-Geschichte zählen...

    Noch zwei weitere optische Auffälligkeiten des Finales: Verteidigerlegende Guiseppe Bergomi (damals gerade erst 18!) mit scheußlicher Schenkelbürste unter der Nase und ein schon vor dem Anpfiff äußerst gequält dreinschauender Bundeskanzler Schmidt auf der Tribüne. Verständliches Mienenspiel, wenn man sich die politische Lage in Bonn im Sommer 1982 ins Gedächtnis ruft.

    Noch eine kleine Anekdote zum Schluß: Ausgerechnet die DDR drehte mit "Verzeihung, sehen Sie Fußball?" einen Film, der in Episodenform die Erlebnisse verschiedener Personen in einem Ost-Berliner Hochhaus während des Finalspiels beschreibt.


    DVD 13 Vorrunde 1990 Deutschland - Jugoslawien

    Wie sich Eindrücke doch im Laufe der Zeit verändern können. Ich hatte dieses 4:1 als rauschendes Fußballfest in Erinnerung und freute mich dementsprechend auf dieses DVD, gerade weil in den gelegentlich gesendeten Spielwiederholungen Vorrundenpartien nie vorkommen. Nach den 90 Minuten bin ich doch einigermaßen erstaunt, wie wenig mich dieses Spiel vom Hocker gerissen hat. Die ersten 20 Minuten waren ein Totalausfall und alleine das Weltklassetor von Matthäus in der 2. Halbzeit reißt das auch nicht wieder raus. Kontrolliert gespielt und überlegen gewonnen - das ist alles, was mir dazu einfällt. Weiß Gott kein schlechtes Spiel, aber ein Klassiker? Wohl eher nicht.
    Was zuallererst ins Auge fällt: Die aus heutigen Augen geradezu unglaubliche Härte im Spiel. Mit der aktuellen Regelauslegung hätte es rote und gelbe Karten gehagelt, aber damals war das anscheinend alles noch im Bereich des Vertretbaren. Gerade Andy Brehme gibt hier einen Knochentreter par excellence ab.

    Durch die zu größeren Teilen völlig überalterte jugoslawische Mannschaft war das Spiel bis auf die 10 Minuten nach dem Anschlußtreffer eine völlig einseitige Partie. Ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass Rudi Völlers Treffer zum 4:1 auch als Attacke im 5-Meter-Raum gewertet werden hätte können.
    Es bleibt zu vermuten, dass dieser gute Start ins Turnier einen bedeutenden Anteil am späteren Titelgewinn hatte. Lothar Matthäus machte das wahrscheinlich beste seiner 150 Länderspiele und auch die Medien waren zufrieden. Lustigerweise sieht man aber in einer Einstellung Franz Beckenbauer erregt auf Andy Brehme einschimpfen und das bei klarer deutscher Führung!

    Ziemlich nervig: Dieter Kürten und Otto Rehagel am Mikrofon. Das wird wohl nur noch durch das "Duo Infernale" Heribert Fassbender und Karl-Heinz Rummenigge beim Holland-Spiel getoppt werden...

    Im damals noch existierenden gesamtjugoslawischen Team entdeckt man noch zwei kroatische Superstars der 90er, Robert Prosinečki (damals 21) und bei einem kurzen Schwenk auf die Bank Davor Šuker (damals 22).
    Und noch etwas aus Muggis Anekdotensammlung: Die beiden Gründungsmitglieder der in den 80ern doch recht erfolgreichen deutschen Hardrockband BONFIRE waren 1990 dermassen zerstritten, dass es Studioverbote und Anwaltsklagen hagelte. Kurioserweise war einer der beiden von diesem Spiel so hingerissen, dass er den anderen noch während der Partie anrief und die Versöhnung anbot. Und wie man aus obigen Link ersehen kann, machen Hans Ziller und Claus Lessmann immer noch gemeinsam Musik.

  6. #45
    Benutzerbild von Muggi

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    DVD 14 Zwischenrunde 1974 Deutschland - Polen

    Spiele mit deutscher Beteiligung, die Beinamen bekommen haben, kann man an einer Hand abzählen. Da gibt es "Das Wunder von Bern", "Das Jahrhundertspiel", "Die Schmach von Cordoba", "Die Schande von Gijon" und eben diese Partie hier, "Die Wasserschlacht von Frankfurt".

    Aufgrund der klimatischen Ereignisse dieses denkwürdigen Tages hat die DVD eine erweiterte Lauflänge, denn knapp eine Dreiviertelstunde lang darf man den verzweifelten Bemühungen von Feuerwehr, Platzwart und Helfern zuschauen, den unter Wasser stehenden Rasen des Waldstadions mit zum Teil kurioser Technikunterstützung halbwegs bespielbar zu bekommen. Der Bildregisseur fand das anscheinend so lustig, dass er einige Passagen in bester "Fußballballett"-Manier vor- und rückwärts liefen ließ. Dazu noch die ständigen Schaltungen ins Studio, wo Hans-Joachim Rauschenbach in schlecht sitzendem mausgrauen Anzug mit zitronengelbem (!) Hemd, orangener (!!) Krawatte mit kackbraunem (!!!) Muster das wandelnde Testbild gibt.

    Das Spiel hat einigen Unterhaltungswert, natürlich erst einmal durch den komischen Faktor, wenn ein Spieler wie gewohnt zu einem Dribbling ansetzt und erst nach ein paar Sekunden bemerkt, dass der Ball zwei Meter hinter ihm in einer Schlammpfütze steckenblieb... Aber trotz des eigentlich unbespielbaren Platzes versuchten insbesondere die Polen ein gefälliges Kombinationsspiel aufzuziehen, gut möglich, dass die DFB-Elf bei normalen Bedingungen nicht gewonnen hätte. Auf jedem Fall ein tolles Spiel mit einem überragenden Sepp Maier auf der deutschen und einem begeisternden Robert Gadocha auf polnischer Seite. Trotz nur eines Tores eine meiner bisherigen Lieblingsscheiben dieser Edition!

    Ein kleiner Wermutstropfen: Der Kommentar von Ernst Huberty. Herrjeh, hier ging es um den Einzug in ein WM-Finale und der Mann spricht als berichte er vom Betriebssportfest... Ein Beispiel: In der 73. Minute fischt Maier im Sprung einen Ball aus der Torecke und ohne die Stimme nur eine Spur zu erheben heißt es lakonisch: "Das war Deynas Schuß und Maiers Glanzparade".

    Toll.

    In Halbzeit zwei klingt der Kommentar wie durchs Telefon gesprochen, der Stadionkrach ist dafür stärker zu hören und zaubert deutlich mehr Atmosphäre in die gute Stube als im ersten Durchgang. Fazit: Macht auch nach 32 Jahren noch Spaß...


    DVD 15 Vorrunde 1974 BR Deutschland - DDR

    Tja...die Bilanz ist bis in alle Ewigkeit versaut... Allerdings kann man im Rückblick sagen: Ein Spiel, dass trotz des Ergebnisses zwei Sieger hatte. Fußballzwerg DDR, als späterer 6. durchaus ehrenvoll beim einzigen WM-Auftritt und die Bundesrepublik, die diese Niederlage wahrscheinlich erst zum Titel getrieben hat. Die Fakten der Erignisse nach diesem Spiel sind allgemein bekannt: Palastrevolte gegen Bundestrainer Schön, Franz Beckenbauer diktiert die Aufstellung, die Mannschaft spielt danach wie ausgewechselt und erreicht das Finale. Wer weiß, wie es gelaufen wäre wenn nicht ein gewisser Herr Sparwasser den lichten Moment seines Fußballerlebens gehabt hätte...

    Ich war mir nicht sicher, ob ich dieses Spiel überhaupt schon einmal in voller Länge gesehen hatte. Daher nahm ich aufgrund gelesener Berichte an, dass die DFB-Truppe ein wahres Gurkenspiel abgeliefert hätte. Das stimmt aber nur teilweise. Gerade in der Anfangsphase sah es nach einer klaren Sache für den Favoriten aus, die DDR-Abwehr anfangs ein wahrer Hühnerhaufen, dazu noch die von Kreische kläglich vergebene Chance vor dem leeren Tor. Sieht man sich dann aber gerade die Mitte der zweiten Halbzeit an, geht auf Seiten der Weiß-Schwarzen fast gar nichts mehr, richtig schön behäbig nach vorn und selbst der vom Publikum lautstark geforderte und begeistert empfangene Günter Netzer konnte da nichts mehr richten. Hingegen sah man beim ausgewechselten Overath den Frust recht deutlich.

    Ein Wort zu den doch recht lautstarken DDR-"Touristen": Nun ja, wie das Begleitheft recht launig informiert, waren selbst die Sprechchöre genau instruiert. Aber solche "Highlights" wie "Hoy, hoy, hoy - Jürgen Croy!" rufen selbst bei mir als DDR-Kind latente Fremdschamgefühle hervor...

    Die DVD bietet als Extra zwei Tonspuren mit den beiden Originalkommentaren des ZDF (Werner Schneider) und dem des DDR-Fernsehens. Angesichts der bei den bisher drei erschienenen'74er-DVDs doch recht lahmen Kommentare, habe ich mich für die Version Ost entschieden, nicht zuletzt, weil an jenem Abend in Hamburg eine Institution des DDR-Sports am Mikrofon saß - Heinz-Florian Oertel. Geliebt, gehasst - polarisiert hat er auf jedem Fall. Besonders berüchtigt war er für seine blumigen Formulierungen, wobei den Kommentar beim Zieleinlauf des zweifachen Marathon-Olympiasiegers Waldemar Cierpinski 1980 in Moskau wohl noch heute jeder etwas ältere Ossi auswendig aufsagen kann:

    "Liebe junge Väter, haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Söhne Waldemar! Waldemar!!! Waldemar ist da!"



    Bei diesem Spiel hielt sich Oertel diesbezüglich hingegen zurück, mit einer Ausnahme. Über den späteren zeitweiligen Präsidenten von Hansa Rostock, Gerd Kische:

    "Kische...überall zu finden, der Hanseate! Oh, er spielt wie ein Wikinger..."



    Wie immer werden im Begleitheft die herausragenden Spieler der Partie kurz porträtiert. Auf Seiten der DDR hätte ich anstatt der dargestellten Hamann, Bransch und Weise eher Torwart Croy und den nach persönlichen Problemen (Alkohol) 1997 gestorbenen Reinhard Lauck ausgewählt. Zu letzterem folgender Artikel:

    http://www.berlinonline.de/berliner-...029/index.html



    Als Lokalpatriot muß ich natürlich noch darauf hinweisen, dass bei diesem historischen Ereignis mit Lothar Kurbjuweit auch ein gebürtiger Riesaer auf dem Platz stand...

  7. #46
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    DVD 16 Achtelfinale 1990 Deutschland - Niederlande

    Eine der Scheiben, auf die ich mich im Vorfeld am meisten gefreut habe und wie gerade die zweite Halbzeit zeigt - zu Recht! Dabei gibt es soviel, über das man sich aufregen könnte. Zum Beispiel die gut zu hörenden Urwaldgeräusche einiger unverbesserlicher Vollpfosten auf deutscher Fanseite, die jedesmal einsetzen, wenn Gullit, Rijkaard oder Winter am Ball sind. Dann natürlich die berühmte Spuckaffäre samt zweier Platzverweise für Völler und Rijkaard und nicht zuletzt der Katastrophenkommentar von Heribert "Guten Abend allerseits" Faßbender und Karl-Heinz Rummenigge.

    Doch trotzdem macht die Topleistung Jürgen Klinsmanns alles wieder mehr als wett. War wohl das Jugoslawien-Spiel (DVD 13) das beste Länderspiel von Lothar Matthäus, dann gilt dies hier für den späteren Bundestrainer. Kaum zu glauben, was der für einen Alarm gemacht hat...

    Das Begleitheft widmet sich in einigen Ausführungen der gewandelten öffentlichen Meinung zu Jürgen Klinsmann, hatte aber wohl einen recht frühen Redaktionsschluß vor der diesjährigen WM und konnte daher den Höhepunkt des Klinsi-Hypes noch gar nicht einbeziehen.

    Allerdings darf man einen anderen Schwaben keinesfalls vergessen - Guido Buchwald. So oft belächelt und unterschätzt, hier aber an beiden Toren beteiligt. Seinen Spitznamen "Diego" hat er sich in diesem Achtelfinale mehr als verdient...

    Ich mußte eine meiner Erinnerungen korrigieren. So souverän, wie ich Deutschland in diesem Turnier in Erinnerung hatte, sah gerade die Abwehr keineswegs aus. Glück, dass Marco van Basten während dieser WM komplett außer Form war und der Verlust Rijkaards für die Holländer scheinbar schwerer wog als das Fehlen Rudi Völlers für die DFB-Elf.
    Fazit: Ein Highlight dieser DVD-Kollektion, besonders die zweite Hälfte ist sensationell!


    DVD 17 Halbfinale 2002 Deutschland - Südkorea

    Auch hier rächt sich der frühe Redaktionsschluß. Behauptet doch die beiliegende Dokumentation allen Ernstes, dass die deutsche Nationalmannschaft in diesem Halbfinale groß aufspielte. Setzt man das aber mit den deutschen Partien der WM 2006 in den direkten Vergleich, fällt einem sofort wieder der Begriff der Rumpeltruppe ein, die sich mit viel Glück ins Finale mogelte und erst dort ein richtig gutes Spiel ablieferte.

    Den Südkoreaner merkt man in diesen 90 Minuten vor einem entfesselten Heimpublikum (das in diesem Jahr übrigens exakt die gleichen Gesänge nonstop ablieferte... ) doch recht deutlich an, wieviel Kraft sie dieses Turnier bis zu diesem Zeitpunkt bereits gekostet hatte. Bei dieser laufaufwendigen Spielweise war nach 2 Verlängerungen in Folge irgendwann kräftemäßig nichts mehr zuzusetzen.

    Jeder kennt Michael Ballacks tragische Geschichte mit zwei verpassten Finals in Folge, wohl nicht umsonst war ihm nach dem diesjährigen Ausscheiden in Dortmund zum Heulen. Aber wie er nur vier Minuten nach seiner gelben Karte, die das Aus fürs Finale bedeutet, eiskalt das entscheidende Tor macht - Wahnsinn! Wie das Heft richtig erwähnt: Paul Gascoigne passierte 1990 im Halbfinale gegen Deutschland das gleiche Desaster, wonach er in Tränen ausbrach und kaum noch einen Fuß auf den Boden brachte.

    Im Grunde genommen, handelt es sich hier um ein recht ödes Spiel mit wenig Chancen, Oliver Kahn mußte nur einmal richtig etwas zeigen. Wäre das kein WM-Halbfinale gewesen hätte dieser müde Kick wohl kaum die Berechtigung, in diese Edition aufgenommen zu werden.

    Noch ein Wort zur Hymnenzeremonie: Anna-Maria Kaufmann mag ja optisch nett anzuschauen sein, aber von Sopranistinnen gesungene Nationalhymnen gehen ganz und gar nicht. Und Heribert Faßbender labert wieder, wenn der Tag lang ist...

  8. #47
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    DVD 18 Zwischenrunde 1982 Deutschland - Spanien

    Wenn ich mich recht zurückerinnere, ist die 1986er WM die erste, die ich bewußt mitbekommen habe. So sagte mir dieses Spiel 4 Jahre zuvor im Vorfeld nahezu nichts. Trotzdem kann man dieses doch recht ansehnliche Zwischenrundenspiel der "Pleiten, Pech und Pannen"-WM 1982 in die Rubrik "Gut gespielt, verdient gewonnen" einsortieren. Kein Klassiker im eigentlichen Sinne, aber ein deutlich vergnüglicherer Genuss als die DVD Nummer 17.

    Ein ganz bemerkenswertes Spiel liefert hier einer der neben Rudi Völler größten Sympathieträger der deutschen Fußballgeschichte ab - Litti! Gibt es eigentlich jemanden, der den nicht mag? Ein Tor selbst erzielt und eins grandios vorbereitet, besser kann man es gar nicht machen.

    Die Ausgangslage war klar, gegen den Gastgeber mußte ein Sieg her, um die Chance auf das Halbfinale zu wahren. Dass nach dem Sieg dann dennoch kein Jubel ausbrach, hatte schlicht und einfach den Grund, dass die DFB-Elf das Ergebnis des letzten Gruppenspiels Spanien-England abwarten mußte, welches erst 3 Tage später ausgetragen wurde. Eine Zwischenrunde mit je 3 Mannschaften pro Gruppe ist nun wirklich auch zu blöd...

    Dies blieb auch zum Glück die Ausnahme und ab 1986 wurde das aktuell gebräuchliche K.O.-System nach den Vorrundenspielen eingeführt. Diese Zwischenrunden wirken aus heutiger Sicht ohnehin etwas seltsam.

    Etwas irritiert haben mich im Stadion befindliche Werbeplakate mit der Aufschrift "Colombia '86", bis mir dann wieder einfiel, dass die folgende WM ursprünglich in Kolumbien stattfinden sollte und erst aufgrund Organisations- und Geldmängel 1983 an Mexiko abgegeben wurde.


    DVD 19 Zwischenrunde 1978 Deutschland - Österreich

    Natürlich krankt diese DVD an einem ganz entscheidenden Manko: Was ist dieses Spiel, die "Schmach von Cordoba", ohne den legendären ORF-Radiokommentar von Edi "I wer' narrisch!" Finger?

    So muß man sich mit den sachlichen Worten von Rolf Kramer begnügen, die der Dramatik der Situation (immerhin ging es um den Einzug ins "kleine" Finale, rein theoretisch sogar um das Endspiel) nicht unbedingt gerecht werden. Allerdings passt diese dürre Atmosphäre zum doch recht trostlosen "Estadio Chateau Carreras" in Cordoba.

    Natürlich wäre es falsch, dieses Spiel auf Österreichs historischen Sieg nach 47 Jahren (kam danach eigentlich noch mal einer?) zu reduzieren. Das 1:0 durch Rummenigge ist ein traumhaft mit zweifachem Doppelpass herausgespieltes Tor, Krankls (O-Ton Finger: "Der Hansiburli") 2:1-Volleyschuß nicht minder und wer den Begriff "Bad Hair Days" neu definieren will, sollte sich mal die "gar erschröcklichen" Minipli-Ungetüme von Maier (!!!), Schachner oder Prohaska näher ansehen. Verbrechen am Haupthaar - wir klagen an!

    Freilich verlor Deutschland dieses Spiel völlig zu Recht, mich würde einmal die Fehlpaßstatistik dieser Partie interessieren, ganz furchtbar!
    Und wer mit etwas Satire leben kann, wird hier bestens bedient...

    Man muß eben auch gönnen können...viel mehr ist ja nicht da.

  9. #48
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    DVD 20 Achtelfinale 1994 Deutschland - Belgien

    Tja, 1994... Für mich die "verlorene" WM. Ich machte seinerzeit gerade eine Hotelfachausbildung und hatte durch meine Arbeitszeiten praktisch nie Zeit, die WM zu verfolgen. Dazu kommt, nach Aussagen der Begleitdokumentation der Fakt, dass durch den Preispoker eines dubiosen amerikanischen Zwischenhändlers der TV-Rechte praktisch kaum ein Spiel live im Free-TV
    zu sehen war. Ich selbst kann mich nur daran erinnern zwei Spiele in voller Länge gesehen zu haben, nämlich das Viertelfinal-Aus der DFB-Elf und die vorliegende Partie gegen Belgien.

    Aber auch sonst scheinen in Deutschland beim Stichwort "USA-Weltmeisterschaft" nur zwei Dinge einzufallen. Die "Stinkefinger"-Affäre um Stefan Effenberg und das Bulgarien-Debakel. Wenn man sich diese DVD anschaut, wird man feststellen, dass diese Sicht der Dinge ungerecht ist. Vielmehr möchte ich mich der im Heft aufgestellten These anschließen:

    Wäre Deutschland nicht in der nächsten Runde gescheitert, sondern mit einer achtbaren Leistung im Halbfinale ausgeschieden - das Belgien-Spiel würde als ein Höhepunkt der 90er Jahre gelten.

    Denn was hier Matthias Sammer, Jürgen Klinsmann (Volltreffer der Torwart-Erfrischungsgetränke beim 2:1 ) und vor allem der damals 34 Jahre alte Rudi Völler (herrjeh, ich bin genau so alt und nicht mal ansatzweise so grau... ) zusammenkombinieren hat Tempo und Klasse, nicht unbedingt die Faktoren, die man allgemein mit der Vogts-Ära in Zusammenhang bringt. Torchancen zuhauf, die die Belgier nur dank Michel Preud'homme, des damals besten Torwarts der Welt, schadlos überstanden. Nur in den letzten Minuten der Partie, nach dem späten Anschlußtreffer schwimmt die deutsche Mannschaft doch sichtlich. Ansonsten macht das Spiel einfach nur Spaß, Daumen hoch!

    Ärgerlich ist wieder einmal die schlampige Recherche für das Begleitheft. Da wird doch allen Ernstes behauptet, dass das WM-Aus bei der WM 1998 noch eine Runde früher, im Achtelfinale kam. Nun, bekanntlich schlug man dort noch mit Ach und Krach Mexiko, ehe es dann gegen Kroatien endgültig zappenduster wurde...

    Alle Fans des 1. FC Kaiserslautern mögen mir verzeihen, aber bei der Nennung des Namens Martin Wagner in der deutschen Aufstellung mußte ich doch erst mal recherchieren...


    DVD 21 Vorrunde 2002 Deutschland - Saudi-Arabien

    Nun, wohl eher ein Trainingsspiel-Klassiker... Wie sich auch bei der diesjährigen WM herausgestellt hat, birgt das Qualifikationssystem der Fifa mit fest zugesicherten Startplätzen pro Kontinent so einige Risiken bezugs der Qualität der Teilnehmer. Tschechien, Holland oder Uruguay - alle nicht dabei, dafür völlig überforderte Saudis, die mit 0 Punkten und 0:12 Toren nach Hause fuhren.

    Den geringsten Vorwurf kann man noch dem Torhüter machen, einzig und allein bei Kloses 5:0 machte er eine etwas unglückliche Figur. Aber sonst? Erster Torschuß in der 76. (!) Minute, körperlich absolut unterlegen und so ein dankbares Opfer für ein munteres Scheibenschießen. Wäre das Spiel nur 2:0 ausgegangen, hätte es wohl kaum den Weg in diese Edition geschafft. So bleiben ein paar Statistik-Eckwerte wie das erste Länderspieltor Bernd Schneiders, das letzte Oliver Bierhoffs, die ersten drei der inzwischen elf WM-Tore Miroslav Kloses und den höchsten Sieg einer deutschen Nationalmannschaft bei einer WM überhaupt.

  10. #49
    Benutzerbild von Muggi

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    Kommando zurück: 2002 war Uruguay dabei...

  11. #50
    Benutzerbild von Muggi

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    Seltsam, mein öffentliches Meckern über das Hinterherhinken meiner Lieferungen gegenüber den aktuell erschienenen Ausgaben scheint wohl einer gelesen zu haben, statt Nummer 28 und 29 bekam ich am Freitag die 31 und 32, also die ersten beiden deutschen Spiele der WM 2006, zugestellt. Die habe ich mir natürlich sofort anschauen müssen, aber machen wir hier mal hübsch der Reihe nach...

    Zunächst noch ein Nachtrag zum Belgien-Spiel von 1994. In Zeiten, in denen praktisch jeder Provinzkicker in goldenen, silbernen oder sonstwie farbigen Schuhen aufläuft, muten die spöttischen Überlegungen Gerd Rubenbauers über Enzo Scifos rote Töppen etwas seltsam an. Schon komisch, wie schnell man sowas als Normalzustand akzeptiert hat.


    DVD 22 Vorrunde 1978 Deutschland - Mexiko

    Stellt das 8:0 von DVD 21 den bis heute gültigen deutschen WM-Rekord dar, hat man es hier mit der bis dahin gültigen Bestmarke zu tun, dem 6:0 beim Debakel-Turnier in Argentinien, der einzige Sieg bei dieser WM.

    So schwach, wie es das Ergebnis ausdrückt, waren die Mexikaner gar nicht, allerdings ging spätestens nach dem 3:0 kurz vor der Pause und dem danach durch einen Zusammenprall des Torhüters mit Rummenigge notwendigen Wechsel des Torwarts sämtliche Ordnung der Hintermannschaft flöten. Und so konnten sie glänzen, der "schöne" Hansi Müller , sein Namensvetter Dieter, Heinz Flohe mit zwei Toren plus einem Billardschuß an beide Pfosten und natürlich auch Karl-Heinz Rummenigge beim einzigen verletzungsfreien seiner drei WM-Turniere. Speziell das Tor zum 3:0 - sensationell!

    Wurden die beim Österreich-Spiel gesichteten Frisurentgleisungen auf deutscher Seite bereits erwähnt, kann man hier bei den Mexikanern mit dem heutigen Trainer der dortigen Frauen-Nationalmannschaft Leonardo Cuéllar ein wahres Afro-Ungetüm bewundern, dass in der Liga von Kolumbiens Carlos Valderrama spielt...

    Leider gibt's wieder die üblichen kleinen Fehler im Heft zu bekritteln, völlig unverständlich, warum einem Fallrückzieher-Foto korrekt der der Name Hugo Sánchez zugeordnet wird, während im gleich daneben stehenden Text diese Aktion in der ersten Halbzeit fälschlicherweise Cuéllar zugeschrieben wird.


    DVD 23 Viertelfinale 1986 Deutschland - Mexiko

    Gleiche Paarung, ganz andere Voraussetzungen. Mexiko im eigenen Land mit starken Spielen und völlig zurecht im Viertelfinale, während sich Deutschland (wieder einmal) mit Ach und Krach hineinkämpfte und sich erst ab diesem Spiel steigerte.

    Manchmal erstaunt es mich, welche kühnen Schlüsse in der Dokumentation gezogen werden, die bei genauerer Betrachtung wohl einen sehr wahren Kern haben. Beim Belgien-Spiel war das schon einmal so, hier lautet die Theorie, dass Deutschland ohne diesen Sieg über Mexiko höchstwahrscheinlich vier Jahre später nicht Weltmeister gewesen wäre, da Franz Beckenbauer nach einem Viertelfinal-Aus das Handtuch geworfen hätte. So hatte er Zeit und Ruhe, an der Mannschaft zu arbeiten. Da ist was dran...

    Das Spiel an sich ist sicherlich nicht hochklassig, aber spannend und dramatisch. Speziell ab der zweiten Halbzeit und dem (in meinen Augen berechtigten) Platzverweis für Berthold, der hier in jungen Jahren eine Visitenkarte seines ihm auch später anhaftenden Images gab. Also am Einsatz gab's da ganz und gar nichts auszusetzen. Und ich habe das mexikanische Klima selbst schon mal erlebt, kaum vorstellbar, da auch noch 120 Minuten Fußball zu spielen...

    Bei zwei Aktionen habe ich einmal zur "Privatzeitlupe" per Standbild gegriffen, zum Einen in Halbzeit eins, als Kommentator Eberhard Figgemeier einen Durchbruch von Hugo Sánchez als "bis hier oben nach Abseits riechend" einsortierte, womit er ganz schön daneben lag. Und zum Zweiten beim Strafraumfall des gleichen Akteurs in der zweiten Halbzeit. Schwer zu sagen, ob er von Jakobs gestoßen wurde oder nicht. Sagen wir es einmal so: Ein Rudi Völler hat für so eine Aktion im Finale 1990 einen Strafstoß zugesprochen bekommen...

    Apropos Sánchez: Ich habe selten so einen hinterhältigen Treter gesehen, der mit Fouls arbeitete, die man maximal noch einem Verteidiger, niemals aber einem Stürmer zutrauen würde. Mag sein, dass er der beste mexikanische Spieler aller Zeiten und ein Nationalheld ist, aber mit dieser Art und Weise gewinnt man bei mir keinen Blumentopf...

    Die DVD ist mit knapp 215 Minuten proppenvoll gestopft, da gibt es einen ausführlichen Vorbericht inklusive einer kurzen Zusammenfassung des "Jahrhundertspiels" Brasilien gegen Frankreich, Interviews beim Stadtbummel mit Briegel und Förster und bei der Vorstellung des Gegners das Sensationstor von Negrete gegen Bulgarien. Schön, das mal auf DVD zu haben!

    Im Studio ein Harry Valérien mit damals wohl topmodischen Bundfaltenhosen in Karooptik (auch an Franz Beckenbauer und Mexikos Coach Bora Milutinovic zu bewundern) verstärkt von Otto Rehagel, Rinus Michels, Dettmar Cramer und ab der Pause auch Rainer Bonhof. Auch nach dem Spiel kurze Interviews mit dem ganz starken Schumacher, Jakobs, Littbarski und Franz Beckenbauer - ja so umfangreich hätte ich mir jede DVD gewünscht!

    Der "übliche "Fehler im Heft beschränkt sich hier darauf, dass man das Fernsehstudio der ARD zuordnet, dabei sind Harry Valérien und Rolf Töpperwien doch ZDF-Urgesteine...

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