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Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

Erstellt von PostMortem, 13.03.2013, 16:35 Uhr · 29 Antworten · 1.743 Aufrufe

  1. #21
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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Es ist natürlich total abwegig, dass Vorfälle heutzutage in Duisburg oder Berlin gar nicht erst angezeigt werden, weil man vor der Rache ganzer Clans Angst hat oder weil die Clans untereinander selbst Gesetz und Polizei spielen.
    Jedenfalls wird in der Kriminalistik davonausgegangen, dass die Anzeigebereitschaft bei Gewaltdelikten in den 90ern und 00ern nicht ab-, sondern zugenommen hat (u.a. weil Videobeweise in U-Bahnen, Discotheken und auf Straßen eine Verurteilung wahrscheinlicher machen, aber auch infolge zugenommener Mobilität und Individualisierung, d. h. man zieht häufiger um, wechselt häufiger das soziale Umfeld und ist weniger der sozialen Kontrolle durch 'seinen Kiez' ausgesetzt.). Demnach beruht nicht die fallende Gewaltstatistik der letzten Jahre auf einer geringeren Anzeigebereitschaft, sondern vielmehr die phasenweise in den 90ern ansteigende Gewaltstatistik auf einer größer gewordenen Anzeigebereitschaft.

  2.  
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  3. #22
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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Jedenfalls wird in der Kriminalistik davonausgegangen, dass die Anzeigebereitschaft bei Gewaltdelikten in den 90ern und 00ern nicht ab-, sondern zugenommen hat (u.a. weil Videobeweise in U-Bahnen, Discotheken und auf Straßen eine Verurteilung wahrscheinlicher machen, aber auch infolge zugenommener Mobilität und Individualisierung, d. h. man zieht häufiger um, wechselt häufiger das soziale Umfeld und ist weniger der sozialen Kontrolle durch 'seinen Kiez' ausgesetzt.). Demnach beruht nicht die fallende Gewaltstatistik der letzten Jahre auf einer geringeren Anzeigebereitschaft, sondern vielmehr die phasenweise in den 90ern ansteigende Gewaltstatistik auf einer größer gewordenen Anzeigebereitschaft.
    Die Bundesstatistik schluckt allerdings die steigenden Zahlen in den Problembezirken. Aber selbst wenn: Es ist nicht einzusehen warum man keine Maßnahmen mehr durchführen soll um die Gewalt in Deutschland weiter zu senken, nur weil die Fälle von Gewaltkriminalität von 215.000 (2006) auf knapp unter 200.000 gesunken sind (was auch nur dem Stand von 2002 entspricht und ich kann mich nicht erinnern, dass wir da in Deutschland die Insel der Glückseeligen waren). Vor allem ist es ja leicht: Bei jeder anderen Fragestellung würde man auch Ursachenforschung betreiben und sich dann vom größten zum kleinsten Brocken durcharbeiten. Das ist ja völlig klar, denn beim größten Brocken kann man am schnellsten viel erreichen und die Gesamtlage weiter deutlich verbessern. Und wer hinter diesem großen Brocken steckt ist mittlerweile fundiert rausgearbeitet. Da hat auch schon ein Orts-Bürgermeister alles wissenswerte drüber in ein Buch geschrieben. Aber der ist ja wahrscheinlich auch so eine "alte rechtsradikale Lügensau".

    Seit ein paar Jahren ist die Faktenlage eindeutig, dass ein bis zwei Zuwanderergruppen weit überproportional zu ihrem Bevölkerungsanteil straffällig werden. Wer die Erkenntnisse gegenprüfen wollte, könnte bombensicher beim Durchzählen der Namen der Angeklagten vor deutschen Gerichten nicht den Hauch von Zweifel daran finden. Bei jeder anderen Angelegenheit wäre es überhaupt keine Frage, dass es richtig ist sich als Erstes auf diesen größten Brocken zu konzentrieren und zu gucken was man da machen kann. Nur in diesem Fall ist das nicht so einfach, weil gewisse politische Kräfte und Ideologien diese Täter unter Welpenschutz gestellt haben und jeden der es auch nur wagt "JEHOVA" zu sagen...... Das ist weltfremd und macht auf Dauer alles nur noch schlimmer, weil es die Probleme nicht löst, sondern sehenden Auges verschlimmert (genauso wie der Versuch es entgegen der Erkenntnisse als reines Unterschicht-Problem darzustellen).

    In was für einem Land lebe ich eigentlich? Die Fakten liegen auf dem Tisch und man fühlt sich mittlerweile als ganz normaler Mensch in gewissen Situationen und an gewissen Orten fremd und unwohl und dann heisst es: Selbst Schuld! Du stellst Dich an! Aber wehe es ist Pferdefleisch in der Lasagne oder ein Politiker rühmte in lockerer Atmosphäre vor Monaten die Dirnd-Qualitäten einer Journalistin. Dann geht der #aufschrei los..... Pffffff!

  4. #23
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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Die Bundesstatistik schluckt allerdings die steigenden Zahlen in den Problembezirken. Aber selbst wenn: Es ist nicht einzusehen warum man keine Maßnahmen mehr durchführen soll um die Gewalt in Deutschland weiter zu senken
    Das sagt ja auch niemand. Hier ging es erstmal nur um den recht durchsichtigen Vorschlag der CDU, die Polizeistatistik an die eigenen Wahlkampferfordernisse anzupassen.

    Das ist weltfremd und macht auf Dauer alles nur noch schlimmer, weil es die Probleme nicht löst, sondern sehenden Auges verschlimmert (genauso wie der Versuch es entgegen der Erkenntnisse als reines Unterschicht-Problem darzustellen).
    Genau das ist es aber: Ein Unterschichtsproblem. Kneipenschlägereien, Messerstechereien, Bandenbildung u. ä. sind seit jeher Phänomene der Wohnquartiere der Unterschicht. Das berüchtigte Hamburger 'Gängeviertel' z. B. (später abgerissen) wurde zu Kaisers Zeiten von der Polizisten nur in größeren Trupps betreten. Dass die Täter bei Gewalt- und Straßenkriminalität heute halt nicht mehr Kalle und Hannes, sondern eher Memet und Murat heißen, liegt einfach daran, dass zwischen den 60ern und 80ern die (abstammungs)deutsche Unterschicht zu einem großen Teil durch Zugewanderte ersetzt wurde (wobei die zuerst gekommenen Italiener in den Jahren der Vollbeschäftigung oft noch den Aufstieg in die Mittelschicht schafften, was später - nebenbei gesagt auch innerhalb der abstammungsdeutschen Bevölkerung! immer seltener der Fall war). Und da die Unterschichtsquartiere nun eine fremdländische Prägung bekamen, wurde die dortige Gewalt- und Straßenkriminalität als kulturelles Phänomen wahrgenommen, als Folge mangelnder Integration der zugewanderten Hitzköpfe in unsere friedliche abendländische Zivilisation. Umgekehrt wird die frühere, abstammungsdeutsche Unterschichts- und Kiezkriminalität entweder vergessen oder verniedlicht (die Rocker, ach ja, die hatten eine rauhe Schale, aber einen weichen Kern, die Zuhälter damals noch einen Ehrenkodex usw., heute hingegen mit den Türken, Russen und Albanern ist das ganz anders ...).

  5. #24
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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Das sagt ja auch niemand. Hier ging es erstmal nur um den recht durchsichtigen Vorschlag der CDU, die Polizeistatistik an die eigenen Wahlkampferfordernisse anzupassen.
    Unternimmt die Politik nichts bei gewonnen Erkenntnissen, ist sie den Sorgen und Nöten normaler Menschen entrückt. Kümmert sie sich, ist es angeblich nur Populismus und Wahlkampfgetöse... Ich wäre da vorsichtig, denn man könnte den linken Kräften auch vorwerfen, dass sie sich nur zum Zwecke der Stimmenfängerei so der Realitätsverweigerung hingeben und einerseits für mehr Karriere-Chancen von Frauen in Aufsichtsräten kämpfen und andererseits die Augen darüber verschließen wie wenig die Frauen in den so als Wähler umworbenen Kulturkreisen bis heute aus kulturellen und religiösen Gründen zu melden haben. Aber der größte Witz dabei ist, dass die selben frauenfeindlichen Muslimbrüder die sowas hier verzapfen, schon morgen völlig zu Unrecht kritisierte Zuwanderer wären, wenn sie sich in den Flieger setzen würden und mit ihrer Gesinnung hierher kommen.

    Genau das ist es aber: Ein Unterschichtsproblem.
    Es ist leicht vor Ort zu sehen, dass das eigentlich eine Opfer verhöhnende Unterstellung ist. Ich war gestern wieder in Essen-Katernberg, vor einigen Wochen in DU-Marxloh und Hochfeld. Mir tuts schon leid, wenn ich alte Rentner-Ehepaare mit ihrem Rollator in diesem Umfeld sehe und sie total verloren wirken. Aber das ist nichtmal das schlimmste Problem. Da gibts noch viel schlimmeres und die deutschstämmige Unterschicht macht nicht etwa mit, sondern leidet mittlerweile in Unterzahl unter der Nicht-Bereitschaft zur Integration. Die verbliebene deutsche Unterschicht HAT höchstens das Problem vor Ort. Zu nichts anderem kann man vor Ort kommen. Politische Debatten erscheinen da längst wie ein Satire, denn es ist offensichtlich wer dort wen ausgrenzt. Aus der Ferne theoretisierend Relativismus zu betreiben hilft keinem weiter und wird zur tickenden Zeitbombe. Der längst verdrehte Integrationssdruck geht doch schon im ganz normalen Alltag los:

    Zitat Zitat von [http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/2.1763/die-debatte/spd-schmerzvoller-abschied-vom-multikulti-1635163.html
    " SPD: Schmerzvoller Abschied vom Multikulti - Die Debatte - FAZ: Mit einem gewissen Neid blicken Parteifunktionäre auf die Grünen, die wider alle Empirie an ihren überlieferten Vorstellungen über die multikulturelle Gesellschaft festhalten können, weil ihre Anhängerschaft gegenüber Überfremdungsängsten immun scheint: Wer jung ist und grün, der genießt die Wasserpfeife in der alkoholfreien Shisha-Bar in Kreuzberg. Wer älter wird, zieht in den hippen Stadtteil Prenzlauer Berg und schickt seine Kinder auf Schulen, auf denen deutsch gesprochen wird. So ist Multikulti möglich. An der SPD-Basis sieht die Wirklichkeit vielfach anders aus. Mit den Einwandererfamilien der ersten und zweiten Generation ging man gemeinsam für die 35-Stunden-Woche auf die Straße. Vertreter der dritten und vierten Generation beschimpfen aber bisweilen deren Töchter, wenn sie im bauchfreien T-Shirt den Dönerladen betreten. Und einen Umzug nach Charlottenburg lässt der Geldbeutel nicht zu. So ist Multikulti nicht möglich.
    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Kneipenschlägereien, Messerstechereien, Bandenbildung u. ä. sind seit jeher Phänomene der Wohnquartiere der Unterschicht. Das berüchtigte Hamburger 'Gängeviertel' z. B. (später abgerissen) wurde zu Kaisers Zeiten von der Polizisten nur in größeren Trupps betreten. Dass die Täter bei Gewalt- und Straßenkriminalität heute halt nicht mehr Kalle und Hannes, sondern eher Memet und Murat heißen, liegt einfach daran, dass zwischen den 60ern und 80ern die (abstammungs)deutsche Unterschicht zu einem großen Teil durch Zugewanderte ersetzt wurde
    Solche historischen Bezüge sind als Rechtfertigung oder Relativierung sowieso sehr gefährlich. Daran hat sich schon die Nazi-Propaganda im Dritten Reich gerne bedient. Mit Bezug zur Kaiserzeit könnte man Hartz IV oder heutige Zeitarbeit als absolutes Wohlfahrtsprogramm verkaufen, die aufkeimende Gewalt in Stadien mit Hinweis auf frühere Hooligans relativieren oder sich als Rechter darauf berufen, dass noch 1875 im heutigen Tierpark Hagenbeck fremdländische Menschen in Menschenschauen lebten und nicht etwa unter uns. Da bleiben wir doch besser im heute.

    Erklären und theoretisieren kann man viel. Mehr Bildung, mehr dies, mehr jenes - das sind die rot-grünen Patentrezepte der letzte 10, 15, ach bald 20 Jahre gewesen. Seitdem wurden zwei "verlorene Generationen" produziert. Und nun? Mal ganz konkret... Was ist zu tun und kostet nicht Unmengen Geld das sowieso nicht mehr da ist?

  6. #25
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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Mit den Einwandererfamilien der ersten und zweiten Generation ging man noch gemeinsam für die 35-Stunden-Woche auf die Straße. Vertreter der dritten und vierten Generation beschimpfen aber bisweilen deren Töchter, wenn sie im bauchfreien T-Shirt den Dönerladen betreten.
    Und genau an diesem Kontrast zwischen damals und heute zeigt sich doch, dass die bisweilen zu beobachtende aggressive Betonung einer türkisch-muslimischen Cliquenidentität weniger mit der Herkunftskultur der Eltern als vielmehr mit neueren Entwicklungen hier in Deutschland zu tun hat. Denn der Bezug auf die damalige Kampagne der IG Metal bringt uns zum Kern des Themas: Die DGB-Gewerkschaften war der wichtigste und erfolgreichste Integrationsfaktor überhaupt (und zwar lange bevor es diese öffentliche Debatte gab). Es ist doch kein Zufall das dieser demonstrative Neo-Traditionalismus unter türkischstämmigen Jugendlichen quasi im gleichen Maße anstieg, in dem die Relevanz der Gewerkschaften abnahm und Arbeiter zunehmend die Deklassierung und Ohnmacht erlebten (Zeitarbeit, HartzIV, Deindustrialisierung ect.). Bei der Erfahrung von Ohnmacht und Deklassierung ziehen sich Leute für gewöhnlich auf das zurück, was man ihnen "nicht nehmen kann": Männlichkeit, Streetfighterqualitäten und eben die Herkunft. Im Falle abstammungsdeutscher Unterschichtsangehöriger bedeutet dies eine Wiederentdeckung ihres Deutschtums und im Falle türkischstämmiger Unterschichtsangehöriger eine Wiederentdeckung des Türkentums (+ wahlweise auch noch des Islam). Wer dann unter diesen wiederentdeckten ethnischen Trennlinien innerhalb der Unterschicht stärker zu leiden hat, hängt vom Ort und den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen ab: In den Großstadtghettos muss eher der blonde Kevin aufpassen, in den Kleinstädten v. a. im Osten muss sich hingegen Murat in Acht nehmen.

  7. #26
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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Wer dann unter diesen wiederentdeckten ethnischen Trennlinien innerhalb der Unterschicht stärker zu leiden hat, hängt vom Ort und den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen ab: In den Großstadtghettos muss eher der blonde Kevin aufpassen, in den Kleinstädten v. a. im Osten muss sich hingegen Murat in Acht nehmen.
    Wenn es um den Osten geht, hängt man sich zum Wohle Murats aber entschlossen "GEGEN NAZIS!" rein und es wird ein riesen Aufstand veranstaltet (da fragt man auch weniger nach Ursachen, macht man auch nicht so feine Unterschiede zwischen echten Nazis und frustrierten Wiedervereinigungs-Verlierern). Gehts im Westen um den Schutz des blonden Kevin: Schwafel, Erklärbär, leugnen, vertuschen, schönfärben, relativieren, bla... Ein Paradebeispiel für Doppelmoral ist das, auch weil man anscheinend bei Deutschen ohne Scham pauschalisieren kann: OSTEN = Nazis. Aber schreibe mal einer ausländischen Bevölkerungsgruppe derart pauschalisierend was zu. Dann ist das plötzlich nicht mehr ok.

  8. #27
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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Wenn es um den Osten geht, hängt man sich zum Wohle Murats aber entschlossen "GEGEN NAZIS!" rein und es wird ein riesen Aufstand veranstaltet (da fragt man auch weniger nach Ursachen, macht man auch nicht so feine Unterschiede zwischen echten Nazis und frustrierten Wiedervereinigungs-Verlierern). Gehts im Westen um den Schutz des blonden Kevin: Schwafel, Erklärbär, leugnen, vertuschen, schönfärben, relativieren, bla...

    Die öffentlichen Gesten bei Opfern von Neonazis liegen nicht daran, dass ein Opfer mit Migrationshintergrund menschlich beklagenswerter wäre als ein Opfer ohne Migrationshintergrund. Diese Gesten hängen einfach damit zusammen, dass die Taten von Neonazis einen deutlicheren politischen Charakter haben. Wenn ein Deutscher von einer türkischstämmigen Gang vor einer Disco totgeschlagen wird, mögen antideutsche Stimmungen mit reinspielen, solche Motive sind nach Lage der Dinge i. d. R. jedoch nicht ausschlaggebend für die Tat. Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt, in welchen ein Haus angezündet wurde einfach nur weil eine Familie mit einem deutschen Namen da drinnen wohnte. Auch ist bisher keine bewaffnete Gruppe bekannt geworden, die serienartig ihnen völlig unbekannte Leute einfach nur wegen deren deutscher Abstammung umbrachte. Es handelt sich bei Gewalttaten von türkischstämmigen Jugendlichen typischer Weise um Discoschlägereien oder Macho-Händel und "das-hier-ist-unser-Wohnblock"-Quatsch, bei dem die deutsche Abstammung des Opfern höchstens sekundär hinzukommt.

    Hinzu kommt, dass bei den Taten türkischstämmiger Gangs kein Anlass zu der Sorge besteht, dass die Täter Rückhalt oder Verständnis in Teilen der abstamungsdeutschen Mehrheitsgesellschaft genießen. Eine applaudierende Menge normalet Anwohner (wie damals in Lichtenhagen) wäre bei türkischstämmigen Tätern kaum zu erwarten, ebensowenig heimliche Kumpanei von Teilen des 'Verfassungsschutzes' (NSU-Affäre). Auch gab es niemals deutschfeindliche Parteien in Kommunal- und Landesparlamenten. Die öffentliche Skandalisierung von Morden mit Neonazi-Hintergrund dient v. a. der Klarstellung, dass es keine Ambivanz in der Mitte der Gesellschaft gibt, also kein "Naja, irgendwie kann man das schon verstehen, bei all den Ausländern". Dies ist zum einen die Konsequenz aus den frühen 90ern (als solche Stimmungen durchaus schon mal aus der Mitte der Gesellschaft vernehmbar waren). Zum anderen zeigt der Blick nach Italien und Ungarn, was passiert, wenn der Mainstream der Gesellschaft nicht durch Mittel der Skandalisierung eine klare Abgrenzung gegenüber fremdenfeindlichen Umtrieben vornimmt (in diesen beiden Ländern ist es mittlerweile politisch unkorrekt, Zigeuner NICHT zu hassen.)

  9. #28
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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Die öffentlichen Gesten bei Opfern von Neonazis liegen nicht daran, dass ein Opfer mit Migrationshintergrund menschlich beklagenswerter wäre als ein Opfer ohne Migrationshintergrund. Diese Gesten hängen einfach damit zusammen, dass die Taten von Neonazis einen deutlicheren politischen Charakter haben. Wenn ein Deutscher von einer türkischstämmigen Gang vor einer Disco totgeschlagen wird, mögen antideutsche Stimmungen mit reinspielen, solche Motive sind nach Lage der Dinge i. d. R. jedoch nicht ausschlaggebend für die Tat.
    Zumindestens da kommen wir mal annähernd auf einen gemeinsamen Nenner. Die Einschätzung, dass antideutsche Stimmungen nicht ausschlaggebend sind, ist aber schon geschickt formuliert. Ausschlaggebend ist natürlich etwas anderes: Eine antideutsche und antizionistische Lehre in einigen problematischen, nicht kontrollierbaren Koranschulen, die auf fruchtbaren Boden bei desillusionierten, in ihrer Identität beeinträchtigten jungen Leuten fällt - das läuft kaum anders als bei rechten Rattenfängern und ihrem jungen Gefolge auch. Allerdings scheint es weitaus effektiver zu funktionieren mit der Verbreitung einer vermeintlich überlegenen Religionslehre zu arbeiten, als nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten. Wenn es um den Grad der Identifikation mit der gewählten Gesinnung geht, würden die doitschen Jungs und Mädels glaube ich im Vergleich zu aufgestachelten oder gar radikalisierten Muslimen ziemlich blass aussehen. Im Grunde sind aber die gleichen Krankheiten am Werk und sie sprechen sogar auf die gleichen Therapien an. Nicht ohne Grund verläuft die Jagd nach Salafisten mittlerweile auffallend parallel den Maßnahmen im Kampf gegen Neo-Nazis. Nun ist der aufgestachelte Mehmet in Marxloh nicht gleich ein Salafist, aber hinsichtlich des Trends üben die Salafisten mit ihrer Propaganda durchaus einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Einstellung zur Integration und Assimilierung vieler Muslime aus. Es ist für mich ziemlich leicht zu entdecken, dass antideutsche und antizionistische Stimmungen in arabischen und muslimischen Kreisen weitaus verbreiteter sind und ungenierter ausgesprochen und ausgelebt werden, als der angeblich weit verbreitete latente Juden- und Ausländer-Hass unter Deutschen/Deutschstämmigen.

    Hinzu kommt, dass bei den Taten türkischstämmiger Gangs kein Anlass zu der Sorge besteht, dass die Täter Rückhalt oder Verständnis in Teilen der abstamungsdeutschen Mehrheitsgesellschaft genießen. Eine applaudierende Menge normalet Anwohner (wie damals in Lichtenhagen) wäre bei türkischstämmigen Tätern kaum zu erwarten
    Da reden wir vielleicht auch ein bisschen aneinander vorbei. Die "normalen Anwohner" in den von mir benannten Teilen westdeutscher Städte im Ruhrgebiet und anderswo sind längst keine Deutschstämmigen, nichtmal mehr nicht-arabische/nicht-muslimische Migranten mehr. Die die es sich leisten konnten sind den dort jetzt vorherrschenden Zuständen längst entflohen und weggezogen. Der Anteil arabischer oder muslimischer Menschen liegt dort längst deutlich über 50%: Sie sind jetzt die Mehrheitsgesellschaft, haben eine komplett fremdländische Infrastruktur in ihrer Muttersprache in ganzen Vierteln DU-Marxlohs, E-Katernbergs usw. Du kannst ja mal mit einem Sack Kartoffeln, einem Mettbrötchen oder einer Kippa dort rumspazieren und berichten wie lange es gedauert hat bis Du dort ein Problem bekommen hast. Du kannst Dir auch eine deutsche Polizei-Uniform aus dem Kostümverleih holen und dort mal nach dem (den) Rechten schauen. Und dann reden wir hinterher drüber (wenn das noch möglich ist) wie relevant es ist, dass das Problem zumindest seitens der dortigen Mehrheitsbevölkerung weniger ein politisches ist.

  10. #29
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Du kannst ja mal mit einem Sack Kartoffeln, einem Mettbrötchen oder einer Kippa dort rumspazieren und berichten wie lange es gedauert hat bis Du dort ein Problem bekommen hast. Du kannst Dir auch eine deutsche Polizei-Uniform aus dem Kostümverleih holen und dort mal nach dem (den) Rechten schauen. Und dann reden wir hinterher drüber (wenn das noch möglich ist) wie relevant es ist, dass das Problem zumindest seitens der dortigen Mehrheitsbevölkerung weniger ein politisches ist.
    Erinnert mich an den Danger Seeker aus dem wunderbar anarchischen Kentucky Fried Movie, der in einem bestimmten Viertel Maximalpigmentierte (1) schrie...



    So ein Sketch, z.B. punkto Türken in der von Dir genannten Gegend, dürfte hier selbst 36 (!) Jahre später auch im Zeitalter der tabulosen Brachial"komik" wohl eher nicht im TV laufen...

    Aber das hat natürlich einen ernsten Hintergrund - was würde passieren, wenn man (als jemand der gerne fotografiert) bei Deinem geschilderten Erlebnis auf sein Recht pocht von einer öffentliche Straße aus zu knipsen, und dem Macho-Türken widerspricht, dass es "seine Straße" ist?
    Dann würde es mich nicht komplett wundern, dass man in einer kleinen Zeitungsmeldung als Opfer landet. Und in diesem Moment hilft es auch nicht viel, dass die Statistik besagt das bestimmte Delikte bei bestimmten Gruppen rückläufig sind.

    Klar, kann es Dir auch bei einem .de Proll so passieren - aber der Mensch ist ja sehr subjektiv in seinem Empfinden, wenn man mit einer bestimmten Gruppe schlechte Erfahrungen macht...

    (1) von der Red. geändert

  11. #30
    Benutzerbild von waschbaer

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    AW: Die Grenzen der Toleranz - und was dann?

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Vermutlich nicht, denn man weiss ja das schon das eine oder andere passiert ist. Da hat man als Mann eben Pech und schämt sich seiner Geschlechtsgenossen die solche Ängste verursachen und Dich mit unter Generalverdacht stellen. Wo ist der Unterschied, wenn die Integration eines großen Teils von Zuwanderern aus einem bestimmten Kulturkreis offenkundig misslungen ist und nicht nur Studien auch ganz klar das erhöhte Gewaltpotenzial anzeigen (Studie über Muslime in Deutschland - Der Islam und die Gewalt - Politik - Süddeutsche.de / Islam in Deutschland: Muslimische Jugendliche = gewalttätige Jugendliche? | Gesellschaft | ZEIT ONLINE), sondern
    gemessen am Bevölkerungsanteil auch tatsächlich überproportional viel passiert (was die Medien nach wie vor nur mit der Kneifzange anfasssen, aber wehe es passiert mal was andersherum).

    Mittlerweile sagen das doch sogar schon gut integrierte türkischstämmige Deutsche und ziehen aus typischen Zuwanderer-Vierteln nach Möglichkeit weg, weil sie von strenger muslimischen Zuwanderern dafür verachtet werden, wenn sie sich deutschen Werten und Bräuchen zuwenden und ihre Kinder offen erziehen. Es lässt sich langsam nicht mehr übersehen, dass Europa ein echtes Problem mit der Integration eines großen Teils der Zuwanderer islamischen Glaubens hat.
    Dies kann ich leider durch meine Tätigkeit an einem Jugendschöffengericht bestätigen. Wähernd bei deutschen Angeklagten häufig Delikte wie Einbruch oder Fahren ohne Fahrerlaubnis oder BTMG-Verstöße geahndet werden, kommen bei Angeklagten mit Migrationshintergrund (v.a. bei türkischen Angeklagten) dann eben noch die Delikte mit Körperverletzung (meist in besonders schweren Fällen) hinzu und dies eben leider überproportional. So traurig es ist, es ist leider wahr.

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