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Die kindlichen Stars

Erstellt von bubu, 08.12.2004, 23:25 Uhr · 5 Antworten · 927 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von bubu

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    Heute hatte ich ein kleines Schlüsselerlebnis. Nicht lachen, aber ich bekam die aktuelle "Maxim" in die Hand und las sogar mal ein wenig darin. In der aktuellen Ausgabe ist ein Interview mit Colin Farrell. Als ich es las, dachte ich mir plötzlich: dieser Mensch redet und lebt wie ein pubertierender 15-jähriger.

    Zwar hat man den Eindruck, dass die Stars immer prolliger werden, aber das liegt meiner Einschätzung nach daran, dass zum einen heute einfach mehr öffentlich gemacht wird als früher (die Presse hat nicht mehr den Respekt vor dem Privatleben) und zum anderen, dass immer mehr Prolls heute leichter zu "Stars" werden.

    Ich denke, in früheren Zeiten waren die Stars genauso kindlich wie die heute. Auch wenn sie meinetwegen noch mehr intellektuelle Tiefe besaßen, zeichneten sie sich dennoch immer durch eine augenscheinliche emotionale und persönliche Unfähigkeit aus, Verantwortung zu übernehmen und ein normales Leben zu führen. Sie waren und sind wie große Kinder. Ob das nun Schauspieler, Literaten oder sonstwelche Kunstschaffenden sind - selbst von vermeintlich großen Granden und Diven enthüllen Dokumentationen aus heutiger Zeit immer mehr Details, die früher nie öffentlich gemacht worden wären. Sie rütteln bedrohlich an den Monumenten von einst. Ich jedenfalls finde es immer erschreckender in neu aufgerollten Dokumentationen über beispielsweise Romy Schneider, Gerard Depardieu, Maria Callas, etc. irgendwelche Details zu erfahren (das Übliche: Alkohol-, Tabletten, Drogen-, Magersucht, gescheiterte Ehen, Abtreibungen - den ganzen Schmutz eben) , die diese Menschen als völlig hilflose, emotional verkrüppelte Geschöpfe erscheinen lassen.

    Mir kam die These in den Sinn, dass eigentlich alle Stars irgendwie von ihrer Persönlichkeit her "verkrüppelt" bzw. in der Entwicklung stecken geblieben sind. Die meisten leben promiskuitiv, nehmen Drogen, leben eine einzige Party, sind unfähig, langfristige Beziehungen bzw. Verantwortung zu übernehmen oder übernehmen zu wollen (Ausnahmen gibt es natürlich).

    Ich frage mich warum.

    Die Frage nach der Henne und dem Ei. Ist es die Persönlichkeit, die von vornherein "unfertig" bleibt, und sich diesen Beruf sucht, oder ist es der Beruf, der Ruhm, der die Persönlichkeit an der Weiterentwicklung hindert?

    Liegt es daran, dass ein Star genau wie ein Kind permanente Aufmerksamkeit braucht, dass nur durch die äußere Reflexion das Ich definiert wird?

    Liegt es daran, dass die Leute einfach total unter Stress stehen und den versuchen zu betäuben?

    Liegt es daran, dass (vor allem bei Schauspielern) aufgrund des konstruierten Bildes in den Medien/der Gesellschaft eine permanente Identitätskrise erzeugt wird?

    Und warum gibt es offenbar für jeden künstlerischen Bereich auch die klischeegemäße Droge? Ich finde das mittlwerweile fast schon ermüdend, dieses Klischee immer und immer wieder bestätigt zu sehen.

    Als da wären:

    Literaten: meist Alkohol / Alkohol und Tabletten (Frauen)
    Schauspieler: fast immer Kokain / Tabletten (Frauen)
    Musiker: Alkohol / Cannabis / Kokain / Heroin
    Schaffende Künstler: LSD u.ä. / Alkohol / Kokain

    Wieso nimmt eigentlich keiner Crack???

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von waschbaer

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    bubu postete
    Zwar hat man den Eindruck, dass die Stars immer prolliger werden, aber das liegt meiner Einschätzung nach daran, dass zum einen heute einfach mehr öffentlich gemacht wird als früher (die Presse hat nicht mehr den Respekt vor dem Privatleben) und zum anderen, dass immer mehr Prolls heute leichter zu "Stars" werden.
    Ich würde das sogar als den Hauptgrund anführen. Dass die Presse mittlerweile in vielfacher Hinsicht "gnadenlos" geworden ist, ist leider ein Faktum. Sie wollen doch nur noch Skandale und Sensationen anpreisen. Abgesehen freut sich so manch ein "normaler Bürger" vielleicht auch noch insgeheim, dass man "zum Glück nicht so ist, wie dieser Proll-Star", der als reine Medienmarionette hochgepusht wird.


    Ich denke, in früheren Zeiten waren die Stars genauso kindlich wie die heute. Auch wenn sie meinetwegen noch mehr intellektuelle Tiefe besaßen, zeichneten sie sich dennoch immer durch eine augenscheinliche emotionale und persönliche Unfähigkeit, aus Verantwortung zu übernehmen und ein normales Leben zu führen. Sie waren wie große Kinder.
    Das waren viele und sind es heute immer noch. Ich weiß nicht, ob du jemals den großartigen - auch Oscar preisgekrönten Film "Amadeus" von Milos Forman - gesehen hast. Da gibt es eine Szene, in der der damalige "Star" Wolfgang Amadeus Mozart sich absolut kindisch benimmt und überhaupt nicht so ist, wie man es sich von einem klassischen Musiker erwarten würde. Ich glaube, dass dies einfach auch zeigt, dass sie auf der einen Seite, so viel Druck durch die an sie gerichtete Erwartungshaltung verspüren und mit diesem nicht fertigwerden und daher - quasi als Ausgleich - auf einer andere Seite wieder "Dampf ablassen müssen."

    Mir kam die These in den Sinn, dass eigentlich alle Stars irgendwie von ihrer Persönlichkeit her "verkrüppelt" bzw. in der Entwicklung stecken geblieben sind. Die meisten leben promiskuitiv, nehmen Drogen, leben eine einzige Party, sind unfähig, langfristige Beziehungen bzw. Verantwortung zu übernehmen oder übernehmen zu wollen (Ausnahmen gibt es natürlich).
    Interessante Theorie. Ich kenne eine Person, die bei einer Runde von Popstars mitgemacht hat. Der zeigt mittlerweile auch schon solche "Starallüren". Es scheint also irgendwas dran zu sein. Und die Ausnahmen sind wirklich recht wenige.

    Liegt es daran, dass (vor allem bei Schauspielern) aufgrund des konstruierten Bildes in den Medien/der Gesellschafteine eine permanente Identitätskrise erzeugt wird?
    Dies mag durchaus stimmen. Auf jeden Fall wäre es eine interessante Theorie für eine Langzeitstudie, aber da werden die Damen und Herren aus Hollywood mit Sicherheit nicht mitmachen.

  4. #3
    Benutzerbild von SonnyB.

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    Ich denke, es kommt darauf an, in welchem Alter man zum "Star" wird. Im Kindes- oder Jugendalter hat man noch nicht gelernt Verantwortung für sein Handeln und sich selbst zu übernehmen.
    Wenn man von Kindesbeinen an alles abgenommen bekommt, warum sollte man das ändern ? Ist doch schön einfach so.

    Frei nach dem "Prinz aus Zamunda": "Abwischer !!"

    Seht euch die Stars an, die erst im Vortgeschrittenen Alter berühmt wurden und sich ihren Erfolg erarbeitet haben: Die sind meistens anders drauf und geben das auch an ihren Nachwuchs weiter.

    Wenn ich mit 14 /15 entdeckt werde, und vom behüteten Elternhaus ins behütende Managnement geschubbst werde...wie soll ich denn da Eigenständigkeit lernen ? Ich brauch nicht mehr selber zu denken und da kann man sich dran gewöhnen. Und wenn ich schon nach einem Auftritt, bei dem die Leute geklatscht haben, gesagt bekomme: "Du bist der Tollste, Schönste, Beste..." Und danach nicht mehr viel vom Leben mitbekomme....tja.

    Und Drogen ? Na kommt man doch sehr leicht dran und es vertreibt die Langeweile. Ich muss mir ja keine Sorgen mehr um meinen Arbeitsplatz oder die nächste Miete mehr machen.


  5. #4
    Benutzerbild von Torsten

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    Was für ein Albtraum es sein kann, prominent zu sein, belegte sehr anschaulich die erste Folge dieser ZDF-Reihe, bei der Thomas Gottschalk jeweils für ein paar Tage zu Besuch bei einer stinknormalen Familie weilt: In der besagten Ausgabe nahm die Mutter den Entertainer mit zum Einkaufen in den Supermarkt - es spottet jeder Beschreibung, wie sehr der Mann ohne Unterlass von den Leuten umlagert wurde. Spätestens hier musste selbst dem Dümmsten klar werden, welch ein Fluch ein so ausgeprägter Bekanntheitsgrad sein kann.

    Dass ein solches Leben mitsamt seinen Auswirkungen auf die Persönlichkeit nicht im Entferntesten mit dem eines Normalbürgers zu vergleichen ist, liegt auf der Hand. Die von bubu beschriebenen Auswirkungen könnte man daher fast als zwangsläufig bezeichnen.

    Bemerkenswert finde ich, wenn eine Frau wie Angelina Jolie - vielleicht die derzeit charismatischste Persönlichkeit Hollywoods - sehr offen mit ihren Marotten umgeht und sich einen Dreck darum schert, was der Rest der Welt darüber denkt. Nachzulesen u. a. in einem gerade aktuellen Artikel auf "spiegel.de":

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,330983,00.html

    bubu schrieb
    Wieso nimmt eigentlich keiner Crack???
    Weil Crack bekanntermaßen das übelste Teufelszeug in der Drogenszene ist und daher ein außergewöhnlich abschreckendes Image hat. Zitat von dieser Seite:

    http://www.drugcom.de/site/druginfo/...ikon.php?id=24
    Die Gefahr einer schweren psychischen Abhängigkeit ist bei Crack sehr groß.

  6. #5
    Benutzerbild von Babooshka

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    Michael Jackson ist das deutlichste Beispiel von allen, denn der fühlt sich ja geradezu um seine Kindheit gebracht (was sicherlich auch stimmt).

    Ja, Berühmtheit kann ein ganz schöner Fluch sein. Wenn so jemand, den wirklich viele kennen, schon mit hochgeschlagenem Kragen und tief ins Gesicht gezogener Mütze, vielleicht noch mit (Sonnen-) Brille ausgestattet in den Supermarkt gehen muss, um mal eben ein paar Liter Milch zu kaufen und dann natürlich trotzdem allüberall erkannt wird, weil er/sie halt recht markant aussieht, ja, dann ist das ein Fluch. Andererseits müssen solche Promis dann auch lernen, damit umzugehen, denn ohne ihre Fans wären sie nicht das, was sie sind.

    Gut, das war jetzt ein bisschen offtopic, denn hier geht's ja um Stars, die dies in jungen Jahren und daher nie richtig erwachsen wurden.

  7. #6
    Benutzerbild von Alyosha

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    wenn man mit Leuten auch mal Tiefsinniges reden kann, stört es mich auch nicht wenn sie sonst sehr "kindlich" wirken - ich meine, mich stört das Gehabe von Blink 182 oder den Ärzten nicht (auch wenn ich jetzt selber nicht unbedingt so drauf bin) - wichtig ist halt daß man möglichst unverdorben ist; und es kommt auf den guten Charakter und Menschlichkeit und Aufgeschlossenheit an, das ist ja die Hauptsache

    ja, es stimmt tatsächlich daß man vielen Künstlern, die erst nach längerem Schaffen und "Lehrzeit" sich einen Namen gemacht haben, dies irgendwie auch anmerkt - z.b. Debbie Harry, oder Patti Smith

    Ausnahmen gibt es ganz besonders in der Punk-Szene - Siouxsie oder 5ex Pistols oder The Clash oder wer-auch-immer waren alle sehr jung als sie angefangen haben Musik zu machen und Platten zu verkaufen - aber man merkte ihnen von Anfang an an daß sie es 100%ig ernst meinen mit ihrer Sache.

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