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Die neue alte Unverkrampftheit

Erstellt von Die Luftgitarre, 12.12.2011, 17:03 Uhr · 23 Antworten · 1.856 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Die neue alte Unverkrampftheit

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Aber genau das haben die in diesem Verein ja gerade nicht getan. Dieser Beschluss bezog sich ja gerade nicht auf irgendeine Sachfrage oder individuelle Mitglieder, sondern ausdrücklich auf die ethnische Herkunft/Zuordung der Mitglieder, ja mehr noch: potentieller zukünftiger Mitglieder. D. h. nicht die Vertreter der polical correctness haben den Gartenzaunstreit auf eine politische Ebene gehoben, sondern die deutschstämmigen Vereinsmitglieder haben dies selber getan, nämlich mit ihrem Beschluss.
    Das ist IMO der Punkt. Wenn ein Mitglied aus Osteuropa z.B. besonders laut ist, sind dann alle Osteuropäer potentiell besonders nervig, und müssen deshalb mit einer Schrebergarten-Quote bedacht werden?

    Es ist doch so: Wenn jeman ein A**** ist muss man seine Meinung sagen dürfen - unabhängig davon ob der Nervsack nun weiß, schwarz, gelb oder grün ist. Aber nur weil ein Grüner ein völliger Idiot ist, sinds dann alle?

    BTW: Ein Kumpel hat mal seinem ehemaligen Musiklehrer gegenüber gewagt Marcel Reich-Ranicki zu kritisieren. Als Antwort kam: "Bist Du Antisemit?"
    Selten sowas dämliches gehört. Und dann noch von einem Leeerer - peinlicher und beschränkter gehts nimmer.

    BTW2: Ich habe übrigens gerade viele Witze über Juden gelesen. Das hervorragende Roman heißt "Die Teilacher" und ist von Michel Bergmann. David Letterman erzählt auch gern gute...

    BTW3: Es kotzt mich an, dass wegen dem verrückten Österreicher, der immer so komisch redete, nur noch wenige Juden in .de Leben. Insbesondere viele witzige kreative Künstler sind ausgewandert. Und jetzt haben wir den Salat - einer wie Mario Barth ist in .de *der* Zuschauermagnet ;-> Da kann man ja meschugge werden...

    Lutz

  2.  
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  3. #12
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    AW: Die neue alte Unverkrampftheit

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    In diesem Fall scheint ja den Beschwerdeführern zumindest ansatzweise bewußt zu sein, dass die Integrationsverweigerung zum großen Teil von der Stadtverwaltung selber ausgeht, für die es nämlich kostengünstiger ist, die Neuankömmlinge ganz unbürokratisch sich selbst und der örtlichen Halbwelt unseriöser Vermieter und Geschäftemacher zu überlassen (anstatt geltendes Mietrecht und Schulpflicht durchzusetzen).

    In den meisten Fällen trifft der Unmut der Alteingessenen jedoch nicht jene, die von der Rechtlosigkeit der Roma profitieren, sondern vielmehr die Roma selbst: Gewalt gegen Roma: Osteuropas vergessener Bürgerkrieg - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik.

  4. #13
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    AW: Die neue alte Unverkrampftheit

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    In diesem Fall scheint ja den Beschwerdeführern zumindest ansatzweise bewußt zu sein, dass die Integrationsverweigerung zum großen Teil von der Stadtverwaltung selber ausgeht, für die es nämlich kostengünstiger ist, die Neuankömmlinge ganz unbürokratisch sich selbst und der örtlichen Halbwelt unseriöser Vermieter und Geschäftemacher zu überlassen (anstatt geltendes Mietrecht und Schulpflicht durchzusetzen).
    Das die Stadt für Lösungen gefordert ist, steht doch außer Frage, dem verschließt sie sich auch nicht. Daraus eine Schuldzuweisung zu machen, halte ich aber für ungerecht. Duisburg hat sicher alles mögliche schon verbockt, aber sicher keine Anwerbung krimineller Bulgaren in prekären Wohnraum, Prostitution, Tagelöhnerei und Kriminalität betrieben. Und billig für Duisburg ist das schon gar nicht, was allein den verstärkten Polizeieinsatz und die permanente Entsorgung wilder Müllkippen, Ungeziefer-Bekämfpung und Entrümpelung angeht.

    Die Stadt verhält sich sogar vergleichsweise proaktiv und sozial. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Ruhrgebietsstädte seit Jahrzehnten einen Niedergang und Strukturwandel erleben, der ihnen bis heute dauernd Haushaltssperren durch die Bezirksregierung beschert. Vieles was man gerne machen will, darf die Stadt deshalb nicht finanzieren. Insofern ist der Sarkasmus der Beschwerdeführer leider teilweise auch sehr unsachlich bzw. inkompetent. Das ändert allerdings nichts an den Problemen, dass viele Duisburger Bürger darunter ganz konkret leiden und es doch wohl nicht Ernst gemeint sein kann, dass das Land in das man immigiert einem Zuwanderer ein gemachtes Nest bereiten muss. So sorglos haben es vielleicht Ärzte die nach Norwegen auswandern, aber sonst fast niemand auf der Welt.

    Ausserdem hat die Stadt auf vieles Lust (nicht nur auf einen neuen Bürgermeister), nur nicht auf diese Schandflecken. Aber man darf man in Duisburg an der Bausubstanz auch in marodesten Stadtteilen nicht unwiedersprochen rütteln. Schon gar nicht wenn man dafür ggf. auch einen potenten Sponsor hat. Dann heisst es, dass Großkapital spiele mit den Menschen und wolle sie entwurzeln. Die Anwohner in ehem. Werkssiedlungen, rund um bereits seit über hundert Jahren existierende Hüttenstandorte, werden seit Jahren von Bürgerinitiativen gegen die Hüttenbetreiber aufgewiegelt. Nun sollen die Häuser weg und die Gegenwehr erlebt ihren Höhepunkt. Schau es Dir an, um solche Buden tobt der K(r)ampf.

    So kämpfen Leute (die selbst oft gar nicht dort wohnen und dort als besser situierte "Lohas" auch nie wohnen würden) dagegen, dass die teilweise in erbärmlichem Zustand befindlichen Häuser abgerissen und gegen einen Park/Grüngürtel ersetzt werden (seitens des Hüttenbetreibers um die Probleme mit der Feinstaubbelastung zu lösen). Tatsächlich stammen diese Häuser zum Teil noch aus der Kaiserzeit (es ist ein Jammer, ja!), sind aber eben nach 20-30 Jahren ruinöser Nutzung z. T. schon völlig vergammelt, verschimmelt und verwahrlost (der Einsatz kommt zu spät!). Es gibt vom Osten Deutschlands bis nach Detroit sehr gute Erfahrungen damit Städte kontrolliert zu schrumpfen und dadurch Ghetto-Bildung und Verwahrlosung zu verhindern / zurückzubilden. Aber auch das lassen die Protestler nicht so ohne weiteres zu. Also was denn nun? Soll die Stadt sich zusammen mit Unternehmen dem Thema annehmen und Verslumung vermeiden oder soll alles bleiben wie es ist und die Elends-Migranten ziehen weiter in solchen Billigst-Wohnraum ein und buddeln im Keller Kloaken? Die ehem. dort lebenden türkischstämmigen Migranten sind doch wenn sie konnten schon längst weggezogen, wie die letzten Deutschen lange vor ihnen. Dennoch ist der Einfluss der Stadt auf solche Verwerfungen in diesen Dimensionen klein und davon abhängig wie sowas finanziert werden kann.

    So sind wir aber gleichzeitig auch beim Kern der Differenzen angekommen. Wer ist in erster Linie für sein Glück im neuen Land verantwortlich? Das Land oder der Mensch der immigriert um sich dort ein besseres Leben aufzubauen? Die Frage ist umso interessanter, wenn die Stadt in der die Migranten leben kein Geld hat um Extrawürste zu braten, während den dort seit ihrer Geburt lebenden Kindern die Fahrtkostenzuschüsse zur Schule zusammengestrichen werden, Stadtteilbibliotheken geschlossen werden, die Etats der Kinder und Jugendarbeit um bis zu 30% gekürzt werden müssen und es gar so schlecht steht, dass sich auch der Rat der Stadt selbst verkleinert, Dienstwagen abschafft , sein eigenen Aufwandsentschädigungen kürzt(!). Wenn es mal so weit kommt, dass Politiker an sich selbst sparen dürfte doch klar sein, dass einfach kein Geld dafür da ist Multi-Kulti-Träumereien zu finanzieren. Diese Träume basieren immer noch auf der irrigen Annahme, die Bundesrepublik Deutschland wäre das Land in dem für jeden Milch und Honig fließt der kommt.

  5. #14
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    AW: Die neue alte Unverkrampftheit

    Das die innereuropäische Armutsmigration nicht primär auf kommunaler Ebene bewältigt werden kann, ist richtig. Aber ich denke, wenn deutsche Unternehmen Nutzen aus der EU-Mitgliedschaft Rumäniens und Bulgariens ziehen können (billige Produktionsstandorte, neue Absatzmärkte), dass können sie steuerlich auch einen Beitrag zur Behebung des größten Armutsproblems in der EU, jenes der Roma, leisten. Und wenn Merkel im Interesse deutscher Banken Machtworte gen Athen und Rom sprechen kann, dann könnte sie im Sinne der vielbeschworenen "europäischen Werte" auch mal ein Machtwort gen Bukarest und Sofia bezüglich der Pogrome gegen die Roma sprechen. (Vielfach kommen die Roma ja nicht nach Deutschland, weil sie sich hier große Arbeitsmarktchancen ausrechnen, sondern einfach weil sie davon ausgehen, dass man ihnen hier zumindest nicht mit augenzwinkernder Duldung der Dorfpolizei die Häuser anzündet.)

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    So sind wir aber gleichzeitig auch beim Kern der Differenzen angekommen. Wer ist in erster Linie für sein Glück im neuen Land verantwortlich?
    Dass man nicht einfach "seines Glückes Schmied" ist, schon gar nicht in einem fremden Land, dass der Zeitpunkt der Einwanderung und der soziale Hintergrund im Herkunftsland da entscheidend mitreinspielen - diese Erfahrung mussten z. B. auch schon Iren und Italiener in den USA machen. Sie kamen, als die guten Plätze schon vergeben waren, und aus dem Landproletariat ihrer Heimatländer stammend kamen für sie nur noch die schlecht bezahlten Malochertätigkeiten in Frage. Ihre Wohngegenden waren von schlechten sanitären Verhältnissen und mafiösen Strukturen (unter denen in erster Linie die Einwanderer selber zu leiden hatten) geprägt. Doch das angelsächsich-protestantische Establishment um 1900 hatte eine andere, eine kulturelle Erklärung: Die Iren und Italiener 'als solche' waren einfach liederliche, kriminelle, stumpfsinnig-bildungsfeindliche Leute mit Hang zur Verschworenheit und Ghetto-Bildung, unfähig sich in die moderne, rationale Industriegesellschaft zu integrieren; das musste wohl daran liegen, dass sie ... Katholiken waren, da waren sich angelsächsischen Protestanten in der Neuen Welt ganz sicher! *g*

  6. #15
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    AW: Die neue alte Unverkrampftheit

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Das die innereuropäische Armutsmigration nicht primär auf kommunaler Ebene bewältigt werden kann, ist richtig. Aber ich denke, wenn deutsche Unternehmen Nutzen aus der EU-Mitgliedschaft Rumäniens und Bulgariens ziehen können (billige Produktionsstandorte, neue Absatzmärkte), dass können sie steuerlich auch einen Beitrag zur Behebung des größten Armutsproblems in der EU, jenes der Roma, leisten.
    Es sind aus deutscher Sicht natürlich schon billige Produktionsstandorte. Aber weil diese Standorte billig sind, reisst die Globalisierung neben Rationalisierung ja hier in Deutschland die sozialen Löcher in ehem. Arbeiter-Bezirken. Die Probleme bekommen Städte, Länder und Bund noch nicht übergreifend in den Griff, weil oft das Geld fehlt. Und nun, wo diese Problembezirke Zuzugs-Ziel von sehr armen und teilweise, bzw. leider überdurchschnittlich häufig kriminellen EU-Einwanderern werden, sollen zusätzlich zur gigantischen EU-Umverteilungsmaschine deutsche Steuergelder nach Bulgarien gepumpt werden? Das finde ich keine gute Idee, zumal es ja nicht (nur) am Geld liegt was passiert.

    Produktionsstandorte westeuropäischer Firmen in den östlichen EU-Ländern sind erstmal neue Arbeitgeber und führten dort über kurz oder lang bisher zu mehr Wohlstand durch steigende Löhne, Steuern und Teilhabe der Mitarbeiter und Regionen am Erfolg (z. B. Skoda/Tschechien). Das sollte als Beitrag von Wirtschaftsunternehmen in marktwirtschaftlichen Systemen reichen.

    Und wenn Merkel im Interesse deutscher Banken Machtworte gen Athen und Rom sprechen kann, dann könnte sie im Sinne der vielbeschworenen "europäischen Werte" auch mal ein Machtwort gen Bukarest und Sofia bezüglich der Pogrome gegen die Roma sprechen. (Vielfach kommen die Roma ja nicht nach Deutschland, weil sie sich hier große Arbeitsmarktchancen ausrechnen, sondern einfach weil sie davon ausgehen, dass man ihnen hier zumindest nicht mit augenzwinkernder Duldung der Dorfpolizei die Häuser anzündet.)
    Es wäre wahrscheinlich einfacher Kritik deutlich zu machen, wenn es nun keine interne EU-Angelegenheit wäre. Trotzdem hast Du Recht. Das diplomatische Schweigen zu solchen Geschehen ist inakzeptabel. Was die jetzt hier lebenden bulgarischen Roma angeht, ist die o. g. eigene Erwartung allerdings doch eher ein Grund als EU-Bürger seine Freizügigkeit und erhoffte Unversehrtheit hier nicht für Kriminalität zu nutzen oder?

    Dass man nicht einfach "seines Glückes Schmied" ist, schon gar nicht in einem fremden Land, dass der Zeitpunkt der Einwanderung und der soziale Hintergrund im Herkunftsland da entscheidend mitreinspielen - diese Erfahrung mussten z. B. auch schon Iren und Italiener in den USA machen.
    Der Vergleich mit den Iren passt. Aber sind sie nicht auch dem selben Irrtum aufgesessen? Überträgt sich die "Schuld" für die Misere durch den Irrtum des Immigranten auf das Zielland? Die Iren wanderten damals aus Armut und wegen hoher Ernteausfälle der Bauern in die USA aus, getrieben von der naiven Vorstellung, dass sie dort Landwirtschaft betreiben und es dann schon besser sein würde. Tatsächlich landeten sie dann wie die bulgarischen Roma heute in kriminellen Ballungsräumen, weil sie sich das Land in den USA gar nicht leisten konnten. Nun waren die Medien damals noch nicht so weit wie heute und man kann nicht wissen ob jeder Ire über die harte Realität vorher im Bilde war. Bei den bulgarischen Roma kann man aber davon ausgehen, dass die die heute kommen wissen wo sie hier landen und in welchem Status.

    Es ist für sie offenbar immer noch verlockender in Deutschland kriminell zu leben, als in Bulgarien legal. Das ist ein Umstand, der in Bulgarien abgestellt werden muss. Unterstützung bei uns verdienen m. E. nur die die sich hier bemühen legal zu leben. Alle anderen müssen so behandelt werden, wie jeder andere EU-Bürger auch der hier kriminell wird.

  7. #16
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    AW: Die neue alte Unverkrampftheit

    Zum Thema 'Roma und Kriminalität' muss man v. a. erstmal sagen, dass Roma auch in Westeuropa weitaus häufiger von Rechtlosigkeit selber betroffen sind anstatt von ihr zu profitieren! Denn für richtiges Gangstertum fehlen ihnen einfach die Kontakte und die Ressourcen. Sie arbeiten ohne Vertrag und Sozialversicherung auf Baustellen oder in Putzkolonnen und können ihren Lohn nicht einklagen, sie zahlen Miete bar ohne einen Mietvertrag zu haben und sie stehen in der Prostitution auf der untersten Stufe der Kiezhierarchie. Schutzgelder erpressen können Roma nur untereinander, auf den Strich schicken nur 'ihre' eigenen Leute. - Die Schädigung der umgebenden Mehrheitsgesellschaft beschränkt sich hingegen auf Taschendiebstahl.

    Der Hintergrund ihrer Misere ist, dass sie schon in ihren Heimatländern in Südosteuropa eine Randgruppe waren, deren traditionelle Gewerbe (Kesselflickerei, Korbweben, Schaustellerei u.a.) durch die industrielle Moderne entwertet worden waren und die gleichzeitig durch die das Osmanische Reich beerbenden neuen Nationalismen ausgegrenzt wurden. Nachdem die kommunistischen Diktaturen immerhin auf Assimiliation gedrängt und Mittel dafür bereit gestellt hatten, gab es 1989/90 ein Wiederaufleben der ausgrenzenden Nationalismen und zusätzlich lieferten Globalisierung und wirtschaftliche Verunsicherung unter den umgebenden Bevölkerungen den Nährboden für eine Rückkehr der Pogrome. Und wenn sie nach Deutschland kommen, haben sie zum Mangel an neuzeitlicher Schulbildung noch den Nachteil, die Sprache nicht zu kennen und noch nicht mal theoretisch Zugang zum Sozial- und Gesundheitswesen zu haben. Und da halten sie sich eben an die einzigen, auf die sie sich verlassen können: ihre Sippenangehörigen.

  8. #17
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    AW: Die neue alte Unverkrampftheit

    Erklären kann man das natürlich alles gut. Hintergründe sind auch immer interessant. Und natürlich ist die Welt schlecht und es gibt benachteiligte Volksgruppen in allen möglichen Ländern. Aber was soll das jetzt ganz praktisch für den betroffenen Nachbarn aussagen? Das bei Immigranten ein erfahrenes Unrecht eigenes Unrecht relativieren soll?

    Wie wird man den berechtigten Interessen der akut betroffenen Anwohner gerecht? Im Moment sind sie gezwungen weg zu ziehen, wenn sie Kriminalität und diversen Belästigungen entfliehen wollen. Das verschlimmert die Lage, ein Slum entsteht. Was soll dagegen akut getan werden? Ich meine wirklich mit bestehenden Mitteln getan werden, nicht einfach sozialromantisch und unfinanzierbar anklagend immer mehr Geld von Stadt, Land, Staat fordernd. Die ganz großen Probleme wird man nicht von heute auf morgen lösen und den jetzt hier kriminell tätigen Sippen wird man auch bei größten Anstrengungen den Mangel an neuzeitlicher Schulbildung und fehlende Sprachkenntnisse nur noch zu einem Bruchteil abmildern können.

    Vergessen darf man auch nicht, dass es hier immer noch um EU-Bürger und interne Probleme eines EU-Landes geht, dass in der Lage war EU-Beitrittskriterien zu erfüllen. Deutschland darf also eine Meinung dazu haben und die auch äußern. Das wars aber auch. Der Ruf nach deutschen Geldern und direkter deutscher Einmischung in die internen Angelegenheiten anderer EU-Staaten ist deshalb etwas was eigentlich nicht sein kann. Das klingt für mich jedenfalls ein bisschen nach einer links-ideologischen Neuauflage von "Am deutschen Wesen mag die Welt genesen ".

  9. #18
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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Vergessen darf man auch nicht, dass es hier immer noch um EU-Bürger und interne Probleme eines EU-Landes geht, dass in der Lage war EU-Beitrittskriterien zu erfüllen. Deutschland darf also eine Meinung dazu haben und die auch äußern. Das wars aber auch.
    In Griechenland, wo Kredite deutscher Banken und Aufträge für deutsche Firmen zu platzen drohten, hat Merkel mal eben die Regierung auswechseln lassen. Wenn die Sinthi und Roma eine ähnliche Lobby im Bundestag hätten wie der Bund der Deutschen Industrie, dann würden in Rumänien und Bulgarien längts EU-Kontrolleure an die Türen der Polizeistationen klopfen. Es ist eine Frage des politischen Willens, bzw. der Prioritäten. Im Augenblick hat für Berlin Priorität, dass deutsche Firmen möglichts noch lange die Länder dort zur Umgehung deutscher Tarifverträge und Arbeitsrechtsbestimmungen nutzen können.

    Der Ruf nach deutschen Geldern und direkter deutscher Einmischung in die internen Angelegenheiten anderer EU-Staaten ist deshalb etwas was eigentlich nicht sein kann. Das klingt für mich jedenfalls ein bisschen nach einer links-ideologischen Neuauflage von "Am deutschen Wesen mag die Welt genesen ".
    Die deutsche Politik ist sonst nicht so zurückhaltend, wenn es um die 'Einforderung von Rechtstaatlichkeit und Menschenrechte' geht. Nur wird halt je nach Interessenlage mit zweierlei Maßstäben gemessen. Gegenüber Russland hebt man mahnend den Zeigefinger, zu den Vorgängen im EU-Partnerland Ungarn z. B. (Zensur: Ungarn dreht letztes Oppositions-Radio ab | Politik*- Frankfurter Rundschau) schweigt man.

  10. #19
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    AW: Die neue alte Unverkrampftheit

    Kritisieren kann man alles, ätzende Kritik an den politisch Handelnden üben sowieso. Aber die Linken spüren ja auch gerade, dass der Zuspruch vom Bürger dafür dramatisch sinkt. Sie merken: Von "Jawoll" und "So isses!" löst sich noch kein Problem. Und weil es keine Probleme löst nur theoretische Debatten durch Aneinanderkettung von Vorwürfen an die politisch Handelnden zu führen, fragte ich was man nun konkret vor Ort tun soll um die Lage zu verbessern.

    Die Rahmenbedingungen / die Welt kann man auch bei bestem Willen sowieso nicht so schnell ändern. Siehe Palästina, sie Korea, siehe 40 Jahre deutsche Teilung, siehe Taiwan usw. Sowas braucht immer Zeit. Vor allem werden sich die Menschen aber auch dann nicht von einem Tag auf den anderen ändern, selbst wenn die Ursache für die Fehlentwicklungen einmal ausgeschaltet sein sollte. Solange kann der kleine betroffene Bürger aber nicht auf Lösungen vor Ort warten.

    Also: Was kann und soll man rechtzeitig mit bestehenden Mitteln vor Ort in Problemvierteln tun, ohne immer nur illusorisch mehr Geld zu fordern, die Bringschuld zur Integration "einfach" in eine Holschuld umzukehren, Fehlverhalten immer nur zu erklären oder mit dem Finger auf irgendjemanden zu zeigen der angeblich an allem Schuld ist?

  11. #20
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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Kritisieren kann man alles, ätzende Kritik an den politisch Handelnden üben sowieso. Aber die Linken spüren ja auch gerade, dass der Zuspruch vom Bürger dafür dramatisch sinkt. Sie merken: Von "Jawoll" und "So isses!" löst sich noch kein Problem. Und weil es keine Probleme löst nur theoretische Debatten durch Aneinanderkettung von Vorwürfen an die politisch Handelnden zu führen, fragte ich was man nun konkret vor Ort tun soll um die Lage zu verbessern.
    In gewisser Weise beschreibt das genau das Problem: Die Bürger fordern die Lösung (vermeintlicher sowie tatsächlicher) Probleme mit Migranten deshalb so entschieden, weil dies anscheinend die einzigen Probleme sind, die man heutzutage noch lösen kann. Alles andere nämlich - zunehmend miese Arbeitsbedingungen, Verschlechterungen bei Rente und Sozialleistungen, steigende Mieten, steigende Lebensmittelpreise ect. - wird als Sachzwang, bzw. höhere Gewalt, bzw. Schicksal abkzeptiert. Noch etwas böser könnte man sagen: es ist die Logik der erlaubten, konformen Empörung. Denn Probleme mit Migranten sind die einzigen Probleme, sie man lösen kann, ohne mit strukturell stärkeren (Arbeitgeber, HartzIV-Fallmanager, Vermieter, Polizei) und mit der allgemein akzeptierten Ideologie leiiiider notwendiger Zumutungen in Konflikt zu geraten. Überall sonst heißt es "muss ja, muss", "isso", "hilft ja nix", nur bei Migranten kann man (außerhalb einiger grünalternativer Nischen) mit Aussicht auf Erfolg auch mal sagen: "Das lassen wir uns nicht gefallen!". (Denn gegenüber den Migraten kann man sich immerhin auf die Staatsbürgerschaft berufen und man weiß, dass die keine echte Lobby haben.)

    Und nein, dies ist keine soziologische Spekulation. Ich bekomme dies seit Monaten auf der Arbeit mit, die Leute dort meckern den ganzen Tag über alle möglichen Personengruppen, über kriminelle Migranten, über faule HartzIV-Bezieher, über nervige Kunden, über inkompetente Kollegen. Nur über einen schimpfen sie nie, auch nicht in Abwesenheit: über den Chef.

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