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Die Vinyl-Schallplatte wird 60!

Erstellt von 666meng666, 20.06.2008, 15:13 Uhr · 7 Antworten · 2.067 Aufrufe

  1. #1
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    Ausrufezeichen Die Vinyl-Schallplatte wird 60!

    Zum 60. Geburtstag der guten alten Vinyl-Schallplatte hat die Saarbrücker Zeitung einen kleinen Bericht über den immer noch beliebten Tonträger veröffentlicht, den ich Euch nicht vorenthalten möchte...


    Vor 60 Jahren löste die Vinyl-Platte die Schellack-Platte ab. Obwohl sich die CD durchgesetzt hat, nimmt die Zahl der Schallplatten-Fans wieder stetig zu. 2007 wurden 700.000 Vinyl-Platten verkauft.

    Berlin. Wahre Liebe schert sich nicht um Argumente. Was hier zählt, ist Gefühl. "Es ist dieses Ritual des Auflegens, das Saubermachen und sehen zu können, wie sich die Platte dreht, was die Vinyl-Platte zu etwas Besonderem macht", sagt Helge Palm. Regelmässig kommt der 52-Jährige in den kleinen Plattenladen im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Wenn er die Wahl hat zwischen CD und LP, kauft er die Schallplatte. An der Ladentheke ist der Kampf zwischen der grossen Schwarzen und dem kleinen Silberling längst entschieden. Die CD hat gewonnen und kämpft inzwischen selbst gegen neue digitale Speicher. Aber die alte Schallplatte verteidigt auch 60 Jahre nach ihrer Erfindung hartnäckig ihren Platz in den Herzen vieler Menschen.

    Am 21. Juni 1948 rotierte die Langspielplatte als Polyvinylchlorid (PVC) zum ersten Mal. Der Ingeneur Peter Goldmark bei dem amerikanischen Medienunternehmen CBS hatte sie entwickelt. Schnell setzte sie sich weltweit gegen ihre Vörgängerin - die Schellackplatte - durch. Die neue Platte war billiger, ihr Klang schöner und mit einer Geschwindigkeit von 33 1/3 Umdrehungen pro Minute bot sie eine deutlich längere Spieldauer: etwa 25 Minuten pro Seite. Die Schellackplatten konnten mit 78 Umdrehungen lediglich ein einziges Musikstück wiedergeben. Die ersten deutschen LP´s erschienen 1951 bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft.
    Nicht nur bei Klassikliebhabern ist die Schallplatte nach wie vor beliebt. Vor allem passionierte Discjockeys schwärmen von den Rillen.
    So auch René Murawski: "Ich liebe Vinyl. Ich kaufe keine CD´s. Klang und Gefühl einer LP sind einfach viel wärmer und satter." Mit Kopfhörern auf den Ohren lauscht der 27-Jährige andächtig der Musik. So wie Murawski denken viel und sichern der Vinyl-Schallplatte eine Zukunft. Vor allem elektronische Musik, Hip-Hop und Rock, aber auch Funk, Soul und Jazz wird immer noch auf Vinyl produziert. Die neuesten Pop-Remixes von Madonna bekommt man inzwischen auch wieder auf Platte.
    Auch wenn die Langspielplatte als Tonträger mittlerweile von CD und mp3-Dateien abgelöst wurde, besetzt die Vinyl-Scheibe seit Jahren eine Nische. 2007 profitierte die LP von der allgemeinen Retro-Welle. Deutschlandweit wurden etwa 700.000 Vinyl-Platten verkauft - 100.000 mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zur CD ist das fast nichts. Davon gingen rund 150 Millionen über die Ladentische.
    Ein Ende der Schallplatte ist nicht in Sicht. Im vergangenen Jahr gab es mit der Vinyl Disc sogar eine Neuentwicklung. Sie besteht aus zwei miteinander verbundenen Schichten. Eine Seite der Scheibe ist schwarz, hat die übliche Rille und kann auf jedem normalen Plattenspieler abgespielt werden. Etwa zwei Musiktitel haben auf ihr Platz. Auf der anderen Seite ist die Scheibe silbern und kann digitale Musik, Videos oder Computerspiele speichern.

    Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 16.06.2008, Seite D7. Bericht: Catherine Simon (dpa-Mitarbeiterin).

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Veja

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    AW: Die Vinyl-Schallplatte wird 60!

    Gut daß die Vinylschaltplatte keine deutsche Erfindung ist, sonst hätte sich bestimmt schon mal jemand beschwert, daß man auf Plattenspielern zwischen 33 und 45 hin- und her schalten kann und hätte dem vielleicht eine zeitgeschichtliche Bedeutung beigemessen.

  4. #3
    Benutzerbild von SonnyB.

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    AW: Die Vinyl-Schallplatte wird 60!

    @Veja

    Oahhh... böse... aber guuuuut

  5. #4
    Benutzerbild von Veja

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    AW: Die Vinyl-Schallplatte wird 60!

    Allerdings ein ganz doofer Rechtschreibfehler drin. Es soll natürlich Schallplatte heißen. Ich war wohl in Gedanken schon beim hin- und herschalten als ich Schaltplatte geschrieben habe.

  6. #5
    Mumie
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    AW: Die Vinyl-Schallplatte wird 60!

    Einen(wenn nicht sogar den wichtigsten)Grund für die Schallplatte,ist in dem Bericht vergessen worden!
    Schallplatten vergessen nie(versucht mal in 20-30 Jahren eure CD(oder DVD) ab zu spielen)!

  7. #6
    Benutzerbild von 666meng666

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    AW: Die Vinyl-Schallplatte wird 60!

    Hier noch ein weiterer Artikel, den ich bei "Eines Tages - Zeitgeschichten auf Spiegel online" gefunden habe:


    Digital? Ganz egal! Das Fundament der Popkultur ist aus schwarzem PVC. Vor 60 Jahren wurde die Langspielplatte erfunden - und revolutionierte die moderne Gesellschaft. Die Vinylscheibe verhalf dem Rock'n'Roll zum Durchbruch und begründete die DJ-Kultur. Dann wurde sie selbst zum Musikinstrument.

    Das subtile Spiel von Klavierlegende Vladimir Horowitz schwoll gerade zu einem raunenden Tosen an, wogende Bässe verwoben sich mit klirrenden Kadenzen zu einem mächtigen Crescendo - da machte es "klack". Die Stahlnadel des Grammophons hatte nach gerade einmal vier Minuten das Ende der Schellackschallplatte erreicht und die aufgewühlten Zuhörer vor dem dramatischen Höhepunkt ins akustische Nichts fallen lassen. Als sechs gewechselte Schallplatten und fünf musikalische Unterbrechungen später endlich der Schlussakkord von Brahms' 2. Klavierkonzert ertönte, hatte einer der Zuhörer an diesem Herbstabend 1945 endgültig genug.

    Und so beschloss Dr. Peter Goldmark, Elektroingenieur bei der US-Plattenfirma CBS und begeisterter Klassikliebhaber, einen neuartigen Klangträger zu entwickeln - mit wesentlich längerer Spieldauer und besserem Sound als die seit Jahrzehnten übliche Schelllackplatte. Nach drei Jahren Forschungsarbeit präsentierte Goldmark seine Erfindung schließlich der Öffentlichkeit: Am 21. Juni 1948 drehte sich in New York die erste Langspielplatte aus rauscharmen Polyvinylchlorid auf dem Plattenteller.

    Die Vinyl-LP war eine echte Revolution - für die Musikindustrie, der das "schwarze Gold" (Branchenjargon) satte Gewinne bescherte, genau wie für Klangfanatiker, die den warmen analogen Ton bis heute allen digitalen Musikkonserven vorziehen. Mehr noch: Die Scheibe mit der extralangen "Microgroove"-Rille veränderte fundamental unsere Gesellschaft. In kongenialer Partnerschaft mit dem Radio eroberte sie die Jugend der Welt und verhalf dem Rock'n'Roll zum Durchbruch: Auf dem Plattenteller des Dr. Goldmark drehte sich das Fundament des Pop-Zeitalters.

    Doch zunächst schien der Fortschritt vor allem technologischer und ästhetischer Natur. Als die Deutsche Grammophon 1951 die erste deutsche Langspielplatte veröffentlichte - ein Violinkonzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy - ging den Klassikfans das Herz auf. Die Spieldauer von 20 bis 30 Minuten, genug für einen Opernakt oder sogar eine Symphonie, war eine Sensation - kaum noch vorstellbar in Zeiten, in denen Mozarts Gesamtwerk locker auf den MP3-Player passt.

    Goldmarks genialer Trick war die Entdeckung der Langsamkeit. Während die Schellackplatte mit 78 Umdrehungen pro Minute wild auf dem Plattenteller wirbelte, kreiste die Langspielplatte aus PVC mit 33 1/3 Umdrehungen beinahe gemächlich um ihr Zentrum - entsprechend später erreichte die Nadel das Ende der Scheibe. Dazu ermöglichte das neuartige Vinyl deutlich schmalere Rillen und verlängerte damit noch einmal den Musikgenuss. Die Erfindung der Stereoschallplatte 1958 durch die Firma Mercury machte die LP endgültig zum konkurrenzlosen Klangerlebnis - im gleichen Jahr wurden Herstellung und Verkauf von Schellackplatten in Deutschland eingestellt.

    Kult wurde Vinyl mit der Einführung der Single. Ab 1949 brachte der Plattenriese RCA die kleinen schwarzen Scheiben mit nur 17 Zentimeter Durchmesser und einem Song auf jeder Seite auf den Markt. Die Single war das perfekte Produkt für die musikhungrige Jugend. Die Single war leicht, handlich, nahezu unzerbrechlich - und machte so die eigene Wunschmusik mobil. Dank tragbarer Miniplattenspieler konnten die Hits von Elvis, Chuck Berry oder den Everly Brothers zum Petticoat-Swingen mit in den Park oder an den Strand genommen werden. Abends ging es auf den "Record Hop" - Tanzveranstaltungen, bei denen statt Live-Band ein Mann im großkarierten Sakko am Plattenspieler einheizte - die ersten Anfänge der DJ-Kultur.

    Ein rundes halbes Jahrhundert lang lebten Jugendliche im Rhythmus, den die Vinylscheibe auf dem Plattenteller vorgab - für Generationen ist ihre eigene Geschichte mit dieser oder jener Schallplatte verbunden. Ein Album aus dem Regal gezogen und das abgegriffene Cover betrachtet - schon ist sie da, die Erinnerung. Wie herrlich war es, mit dem Bruder damals auf dem Teppichboden liegend mucksmäuschenstill dem "Dschungelbuch" oder dem "Sängerkrieg der Heidehasen" vom Plattenteller zu lauschen oder bei Kindergeburtstagen erste Tanzeinlagen zu Boney M. oder Abba zu wagen.

    Und dann die erste selbstgekaufte Platte! Der Kauf war wie ein Initiationsritual. Mit einer LP wurde man zum ernstzunehmenden Menschen - mitunter auch gleich zum Rebellen, wenn zu Mutters Entsetzen langhaarige Lederträger mit Tätowierungen und martialischem Gesichtsausdruck vom Cover blickten. Heute ist die Scheibe mit Kratzern von Exzessen im Partykeller übersäht, aber jedes "Tak, tak, tak" auch wie ein Zeitzeugenbericht aus der eigenen Vergangenheit: Die Erinnerung an den Kumpel, der damals das Bierglas auf der brandneuen Beatles-LP zerdepperte, hat sich für immer nicht nur in die Platte, sondern auch in das Gedächtnis eingegraben.

    Eine Schallplatte aufzulegen, hat etwas Zeremonielles. Keine Chance, sie nebenher beim Joggen oder Autofahren zu hören - das Medium verlangt eine Auszeit vom Multitasking. Ganz vorsichtig wird das gute Stück aus Hülle und Inlet gezogen, die Finger nur am äußersten Rand, um es nicht zu beflecken; dann wird die schwarzglänzende Scheibe auf den Plattenspieler gelegt wie eine Opfergabe auf den Altar. Und die Cover - aufwendig gestaltete Kunstwerke, manchmal aufklappbar oder mit Postern, Aufklebern und dergleichen bestückt; nicht selten von bekannten Künstlern gestaltet - Andy Warhol etwa, der für Velvet Underground das berühmte Bananen-Cover entwarf und für die Rolling Stones das "Love you live"-Doppelalbum illustrierte. Gemessen an den kleinen CD-Plastikhüllen hatte das LP-Cover noch Format, von Downloads ganz zu schweigen.

    Seit die CD in den Achtzigern das digitale Musikzeitalter einläutete und die Zahl computerkompatibler Tonträgerformate von MP3 über SACD bis DVD Audio seither immer unüberschaubarer wird, klingelt angeblich auch das Sterbeglöcken für's Vinyl. Klar - das Plattenhören und -kaufen ist in der Ära beliebig und fast umsonst reproduzierbarer Digitalmusik inzwischen eine Leidenschaft von Minderheiten. Doch die Nachfrage nach der Langrille steigt wieder. Nach dem Tiefststand Mitte der neunziger Jahre, als in Deutschland nur noch 400.000 LPs verkauft wurden, stieg sie bis 2003 laut Bundesverband Musikindustrie wieder auf eine Million Exemplare.

    Vorbei sind die dürren Jahre, als sich Plattenfans bei Sammlerbörsen und auf Flohmärkten mit Second-hand-Vinylglück eindecken mussten. Viele kleine Labels haben inzwischen die Nische Vinyl entdeckt und bringen Musik exklusiv auf schwarzen Scheiben auf den Markt. Aber auch Musikriesen wie Universal oder Deutsche Grammophon reagieren und veröffentlichen wieder verstärkt auf Vinyl - zum Jubiläumsjahr der schwarzen Scheibe lässt Universal eigens 80 Vinylklassiker von Jimi Hendrix bis Nick Drake nachpressen. Und so bieten auch die großen Medien-Supermärkte inzwischen wieder lange Regale mit den schmalen Plattenhüllen im Format 30 mal 30 Zentimeter - "Saturn" in Köln etwa hat derzeit 30.000 LPs im Sortiment. Und bei spezialisierten Online-Vinylhändlern gibt es mittlerweile fast alle Titel auf LP, vom brandneuen Madonna-Album bis zur alten Sinatra-Aufnahme. Kein Wunder, dass auch Presswerke die Kapazitäten erweitern.

    Das Vinyl lebt also. Was wäre auch der DJ ohne Pose am Plattenteller, ohne den körperlichen Einsatz beim Scratchen und Juggeln. Wie un5exy ist es, eine vorprogrammierte Playlist vom Laptop abzunudeln? Inzwischen hat die Platte und ihr Spieler ohnehin das profane Dasein als bloßes Wiedergabemedium hinter sich gelassen und sich höhere Weihen als echtes Musikinstrument erarbeitet. Längst haben Songwriter, Arrangeure und Komponisten die Poesie des Plattenspielerklangs für sich entdeckt. Künstler wie Brite Philip Jeck oder der Deutsche Claus van Bebber etwa entwickeln schon seit den siebziger Jahren Musikformen, für die sie ausschließlich Schallplatten und Turntables verwenden. Aber auch im musikalischen Mainstream benutzen HipHopper und Indie-Bands das Geräuschearsenal der Vinylplatte gern als Stilmittel.

    Und auch wenn es altmodisch wirken mag, Musik auf Plastikfladen gepresst aufzubewahren und analog abzuhören - die Schallplatte hat nicht nur nostalgischen Wert, sie ist ein riesiger Kulturschatz: 560 Billionen Platten gibt es heute auf unserem Planeten, schätzt der Vinylexperte Robert Suchy, Geschäftsführer des High-End-Plattenspielerherstellers Clearaudio. Vieles bekommt man anders als auf Vinyl gar nicht zu hören, denn nur der geringste Teil ist digitalisiert. So besteht das Gedächtnis des 20. Jahrhunderts zu einem nicht so kleinen Teil aus PVC. Das ist nicht schlecht, denn im vergleich zur CD ist die Vinylscheibe um einiges haltbarer - ganz abgesehen davon, dass die Daten aus der Rille nicht mit einem falschen Knopfdruck oder einem Festplattencrash verloren gehen können.

    Ein Turntable wird sich auch in 50 oder 100 Jahren noch in irgendeinem Keller auftreiben lassen.

    Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/...t_ein_hit.html

  8. #7
    Benutzerbild von Scheul

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    AW: Die Vinyl-Schallplatte wird 60!

    Zitat Zitat von Veja Beitrag anzeigen
    Gut daß die Vinylschaltplatte keine deutsche Erfindung ist, sonst hätte sich bestimmt schon mal jemand beschwert, daß man auf Plattenspielern zwischen 33 und 45 hin- und her schalten kann und hätte dem vielleicht eine zeitgeschichtliche Bedeutung beigemessen.
    Wenn da nicht die Umdrehung 33 1/3 wäre

  9. #8
    Benutzerbild von 666meng666

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    AW: Die Vinyl-Schallplatte wird 60!

    Knistern beim Abspielen, empfindliche Scheiben, leuchtende Hüllen: Auch im Zeitalter von MP3-Playern sind Schallplattenspieler im Einsatz - und sei es nur zum Überspielen alter Scheiben auf den Rechner.

    Von dpa-Mitarbeiter
    Florian Oertel

    Stuttgart. Der 25. Geburtstag der CD im vorigen Jahr ist ohne grosses Tamtam vorübergegangen. Schliesslich gilt die Scheibe vielen angesichts von MP3 und Co. als Auslaufmodell. Dagegen wurde jüngst der 60. Geburtstag der LP mit viel Wohlwollen kommentiert. Das beweist: Das Vinyl lebt - und mit ihm der Plattenspieler. Immer wieder gibt es neue Modelle, auch auf der Internationalen Funkausstellung (IFA, 29. August bis 3. September) in Berlin werden einige zu sehen sein.
    Hersteller von Schallplattenspielern bedienen keinen Massenmarkt mehr. Rund 700.000 neue LP´s gingen im vergangenen Jahr in Deutschland über die Ladentische, so der Bundesverband Musikindustrie in Berlin. Gegenüber 149 Millionen CD´s ist das mickrig. Trotzdem wurden immerhin 115.000 Spieler verkauft.
    "Für 2008 rechnen wir mit 117.000", sagt Roland M. Stehle vom IFA-Mitveranstalter GFU aus Frankfurt/Main. Das verwundert wenig, wenn man bedenkt, dass es noch immer viele Vinyl-Liebhaber mit grossen Sammlungen gibt, die auch auf Flohmärkten oder bei Second-Hand-Läden zugreifen.
    Bewegung herrscht vor allem im Einsteigerbereich. Dazu zählt Peter Steinfadt Geräte für etwa 80 bis 1000 Euro. "Dieses Segment ist im Lauf der vergangenen Jahre auf jeden Fall grösser geworden", sagt Steinfadt von der Analogue Audio Association, einem Verein "zur Erhaltung und Förderung der analogen Musikwiedergabe" aus Oberhausen.
    Allerdings ist "neu" bei Plattenspielern ein relativer Begriff: Steinfadt nennt als Referenzgerät für Einsteiger den "TD 170" von Thorenz, den "P1" von Rega oder auch den "Debut III" von Pro-Ject, die allesamt nicht erst in diesem Jahr erschienen sind. Sie kosten um die 300 Euro - dazu kommen etwa 50 Euro für ein Tonabnehmersystem.
    Eine "Vielfalt" sieht auch Bernhard Rietschel von der Zeitschrift "Audio" in der Starter-Kategorie. "Aber technisch unterscheiden sich diese Spieler kaum von früheren, da wird ein bisschen gespielt mit Materialien und Formen". Rietschel kann Einsteigern etwa den DP300 von Denon empfehlen - oder den nur rund 180 Euro teuren SLBD 20 von Technics. "Er beruht im Prinzip auf einem Frühachtziger-Konzept."
    Wer nach Plattenspielern mit tatsächlich neuen Funktionen sucht, wird auf Geräte stossen, die sich quasi überflüssig machen, indem sie das Digitalisieren von Vinyl ermöglichen. Der Hersteller Ion Audio aus Willich (Nordrhein-Westfalen) bringt im Herbst etwa den "LP2CD" heraus. "Das ist ein geschlossenes System, das es erlaubt, direkt von LP auf CD zu brennen", sagt Geschäftsführer Ralf Wegener. Dazu wird das analoge Tonsignal der Schallplatte in dem Gerät mit Hilfe von Software in ein digitales umgewandelt. Der Nutzer nimmt am Ende die beschriebene CD aus der Schublade an der Vorderseite. "Der Wandler stammt aus profesionellen Studiogeräten", sagt Wegener. Rund 350 Euro kostet der Spieler. Eine weitere Neuheit ist der "LP2Flash". Er erlaubt Kopien auf sogenannte SD-Karten. "Und er hat USB-Ausgänge", so Wegener. Damit lässt sich der Spieler mit dem Rechner verbinden, was ebenfalls zum Digitalisieren von Musik nützlich ist.
    Auf solche Geräte setzen gleich mehrere Hersteller. "Es gibt im Einsteigerbereich den Trend, dass immer mehr Plattenspieler mit digitalen Ausgängen angeboten werden, vor allem mit USB", sagt Bernhard Rietschel.
    Der Hifi-Experte hält aber von den USB-Geräten nicht allzu viel. "Das Problem ist die technische Ausführung. Plattenspieler zu bauen, ist eben eine Kunst." Wer ein bisschen technisches Geschick habe, kriege das Digitalisieren aber auch mit einem herkömmlichen Spieler hin.

    Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 22.08.2008, Nr. 196, Seite B5.

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