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Discos in den 80ern, Versuch eines Vergleichs

Erstellt von dj.forklift, 11.04.2005, 10:25 Uhr · 8 Antworten · 1.550 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von dj.forklift

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    Es gibt ja schon einige Ost-West-Threads hier im Forum heute will ich mal wieder einen eröffnen.

    Es war schon nicht leicht, wenn man zu DDR-Zeiten Schallplattenunterhalter (= DJ) werden wollte. Es mangelte an Technik, an Musik, jedoch mangelte es kaum an Auftrittsmöglichkeiten. Gaststätten wollten gerne Tanzabende anbieten. Da kam es dann schon zu atemberaubenden Auftritten, wo mit einer 2 x 100 W Anlage eine Veranstaltung für 200 Leute betrieben wurde. Man nahm meistens Kassettenrecorder, wer viel Kohle und vor allem Vitamin B hatte durfte sogar ein Spulentonband Marke „Tesla“ (Tschechei) oder „Jupiter“ (Sowjetunion) sein eigen nennen. Plattenspieler waren kaum im Einsatz, sie hielten den Einsätzen nicht stand und da man mit Lizenzplatten vorsichtiger umging wie mit einer Flasche TNT blieben die meist zuhause. Von pitchbarem Equipment hat man mal was gehört, die wirklich allerwenigsten hatten auch so was. Mixen war kaum möglich. Findige Köpfe (wie mein Kumpel und ich) setzten sich mal hin und bastelten an den Recordern Potentiometer vor die Motoren, was nicht wirklich den gewünschten Erfolg hatte und der Lebensdauer der Motoren alles andere als zuträglich war, aber es war mal einen Versuch wert. Man wollte schließlich irgendwie hervorstechen. Und wenn es nur auf der Klassendisko war.

    Moderation war obligatorisch, spätestens nach jedem 3. Titel. Manche (hauptamtlichen) Discotheker lieferten am Abend auch eine Show a la „Disco“ mit Ilja Richter ab, also Musik und Einlagen in einem mehr oder weniger gutem Verhältnis

    Musikalisch lief es (leider) meist so: West = gut, Ost = Schrott. Man hatte es echt schwer, wenn man mal mehr als 10 Titel aus der DDR im eigenen Land an einem Abend präsentieren wollte. Das ist jetzt hier ganz anders. Ich wohnte damals in Zwickau. Die hauptsächlichen Mitschnittquellen waren die Top 10 auf Bayern 3, Die Schlager der Woche und der Treffpunkt auf RIAS 2 und wer gut wohnte konnte auch noch Gerd Alzen jeden Dienstag mit Maxis Maximal hören. Wer ein gutes Zahlengedächtnis hatte konnte anhand der Musikreihenfolge den Freitag bestimmen, an dem die Schlager der Woche aufgenommen wurden. Die einheimischen Spezialsendungen wie „Wünsch Dir doch mal Tanzmusik“, „Musikalische Luftfracht“, Duett und DT 64 wurden zumindest in meiner ehemaligen Wohngegend kaum genutzt. Bis heute ist mir das unverständlich. Was es im Radio gab, wurde gespielt. Weiter nix. Weiter gab es ja nix.

    Frohen Mutes gingen mein Kumpel und ich im Jahre 1984 zum Kulturbund der DDR und bewarben uns um eine Amateurlizenz. Mein Kumpel durfte. Sein Vater war ein hohes Tier. Ich durfte nicht, mein Vater war nicht in der Partei und Alkoholiker dazu. So einen wie mich konnte man nun wirklich nicht vor die Leute lassen (Trotz eines 10.-Klasse-Durchschnittes von 1,4). Na ja, da haben wir halt etwas schwarz gemuckt. Ging Gott sei Dank gut. (Ätsch AWA, Stasi, VP & Co. )

    Dann kam die Wende und alles wurde anders. Heute haben wir 2005, ich lege regelmäßig (trotz meiner unmöglichen Vergangenheit) vor Publikum auf, und es gibt einen unübersichtlichen Dschungel von Verkaufs-, Hörer-, Airplay-, Tipper-, ... Charts. Es gibt Discotheken, Clubs, Bars, Studios, Tanzcafés; alle mit unterschiedlicher Musikausrichtung, alle mit unterschiedlichen Kundenkreis.

    Jetzt mal meine Fragen, speziell an alle, die hier im Forum aufgelegt haben bzw. noch auflegen. Wie war das damals im Westen? Hatte man wirklich immer Geld um sich die neuesten Platten zu besorgen oder gab es da auch Mucke vom Tape? Was waren so die gängigen Equipment-Marken in den Discos in den 80ern? Mußte man sein Zeug selbst mitbringen (Technik und Musik) oder hatten die Läden einen gewissen Bestand? Lieh man sich untereinander dazu mal die Platten aus? Wann begann das eigentlich mit dem Pitchen und Mixen? Wie lange dauerte es, bis die Leute diese Art von Musikdarbietung akzeptierten? Wann begann es, dass sich die Musik in den Diskos von der Musik im Radio „verabschiedete“? Heute veranstaltet man 70er, 80er, 90er, Ostalgie- und andere Partys, um die Leute in die Locations zu locken. Was machte man in den 80ern? Wann begann man zu unterscheiden zwischen, Club, Tanzlokal usw.?

    Freue mich über ein paar Antworten!

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Muggi

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    Ich mach heute auch noch gelegentlich (daher mein Nick ), aber dazu vielleicht später etwas mehr. Nur noch mal eine Anmerkung zu DDR-Diskos: Offiziell war zwar das berühmte 60:40-Verhältnis von Ost- und Westmusik vorgeschrieben, ich kann mich jedoch nicht erinnern, jemals in der DDR großartig einheimische Musik auf solchen Veranstaltungen gehört zu haben. Einzige Ausnahme war dann 1988 wirklich "Verdammt" von Wolfgang Ziegler.

  4. #3
    Benutzerbild von stoni

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    @Muggi

    Kann ich bestätigen.Ich glaube die haben (wenn überhaupt ) den Ost-Rotz im Vorprogramm auf Minimallautstärke abgedudelt

  5. #4
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Viel habe ich zu dem Thema nicht beizutragen, nur dies hier:

    dj.forklift postete
    Moderation war obligatorisch, spätestens nach jedem 3. Titel.
    In Dessau scheint das heute noch so zu sein! In Erfurt aber nicht, kann ich nun bezeugen (@ bamalama & Konsorten); ich war kurz vor Ostern mit Freunden in einem sehr populären Erfurter Studentenclub, und dort gab es keine Moderation.

  6. #5
    Benutzerbild von Gosef

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    Als ich irgendwann davon gehört habe, dass Moderation in DDR-Discos bis zum Schluss üblich war, fand ich das schon ein bisschen befremdlich...
    Meiner Beobachtung nach gab es Moderation bis ca. Ende 70er, danach würde das unmodern und eingestellt.
    Eine Disco hatte auch immer eine zumeist fest eingebaute Anlage, der DJ brachte nur seine Platten mit, die er (zusätzlich zu dem schon vorhandenen Stamm-Bestand in der Disco) spielen wollte.
    Mucke vom Tape war in der Disco zwar manchmal möglich, aber recht unüblich. Das Meiste kam halt von Vinyl oder später von CDs. Vielleicht auch mal was von VHS, wenn der Videoclip über den Projektor (neudeutsch: Beamer) an die Wand geworfen würde. Sowas gabs allerdings nicht in allen Discos.
    Kurzzeitig gabs mal den besonderen Sound dadurch, dass auf zwei Plattentellern die gleiche Platte abgespielt wurde. Richtig wars dann, wenn ein leichter Echo-Effekt dabei rauskam.
    Der DJ sorgte per Plattenbürste dafür, dass kein Plattenteller den anderen zu weit "überholte".
    Gruß
    Gosef

  7. #6
    Benutzerbild von Scheul

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    Gosef postete

    Der DJ sorgte per Plattenbürste dafür, dass kein Plattenteller den anderen zu weit "überholte".
    Gruß
    Gosef
    Also ich habe noch NIE einen DJ gesehen, der eine Plattenbürste benutzt. Und schon gar nicht um die Geschwindigkeit eines Plattenspielers zu beeinflussen. Dafür gibt es den Pitchregler!

    Bei uns ist es es so, daß die Discotheken Ihre eigene Anlage hat. In den 80ern hatten die meist auch Ihre eigenen Schallplatten. Mittlerweile ist es so, das die DJ´s Ihre eigenen Tonträger mitbringen müßen.

  8. #7
    Benutzerbild von Gosef

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    Scheul postete
    Also ich habe noch NIE einen DJ gesehen, der eine Plattenbürste benutzt. Und schon gar nicht um die Geschwindigkeit eines Plattenspielers zu beeinflussen. Dafür gibt es den Pitchregler!
    Ja, lach Du nur! So eine Reaktion habe ich erwartet.
    Es ist aber so, dass man über die Plattenbürste den Einfluss auf die Tellergeschwindigkeit viel genauer dosieren kann als über den Pitchregler.
    Gruß
    Gosef

  9. #8
    Benutzerbild von Scheul

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    Gosef postete
    Scheul postete
    Also ich habe noch NIE einen DJ gesehen, der eine Plattenbürste benutzt. Und schon gar nicht um die Geschwindigkeit eines Plattenspielers zu beeinflussen. Dafür gibt es den Pitchregler!
    Ja, lach Du nur! So eine Reaktion habe ich erwartet.
    Es ist aber so, dass man über die Plattenbürste den Einfluss auf die Tellergeschwindigkeit viel genauer dosieren kann als über den Pitchregler.
    Gruß
    Gosef
    Ich werde mal einen Freund von mir befragen, der ist seit Urzeiten schon DJ.

    Aber ehrlich gesagt: Ich habe noch nie jemanden gesehen, der die Bürste dafür nimmt. Dafür gibt es doch Finger! Und meinen Technics bekommst Du durch die Bürste übrigens nicht langsamer!!

  10. #9
    Benutzerbild von italomaster

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    Gosef postete
    Es ist aber so, dass man über die Plattenbürste den Einfluss auf die Tellergeschwindigkeit viel genauer dosieren kann als über den Pitchregler.
    Gruß
    Gosef
    Das halte ich fuer ein absolutes Geruecht! Ich bin seit ca. 15 Jahren DJ und das ist bestimmt nicht so. Man greift NIE an die Platte selbst, weil der Eingriff dann auf alle Faelle zu hoeren ist (eiern).

    Ein guter DJ hat da andere Moeglichkeiten.

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