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Discounter LIDL contra Rechtsstaat. Pfui!!!

Erstellt von DeeTee, 04.10.2005, 18:10 Uhr · 59 Antworten · 4.025 Aufrufe

  1. #31
    Mumie
    Benutzerbild von Mumie
    PostMortem postete

    Die letzten 160 (von ehemals 800) gewerkschaftlich und/oder betriebsratsmäßig organisierten Mitarbeiter, derer sich Birkenstock bis 1995 an diesem Standort nicht entledigen konnte, behielten ihren Job an diesem Werk. Sie durften jeden Tag in den leeren Werkshallen antreten und NICHTS tun. Durch diese Zermürbungstaktik wollte Birkenstock die rund 3 Mio. DM sparen, die ihn ein Sozialplan gekostet hätte. Im Laufe dieser Aktion ließ er Mitarbeiter anderer Standorte bei kostenfreier Bewirtung vor dem "alten" Werk zur "Pfui!"-Demonstration gegen die einst aufmüpfigen "Nestbeschmutzer" auflaufen und erteilte der 160 köpfigen Restbelegschaft für diesen Zweck und exakt an diesem Tag eine Urlaubssperre, damit sie es auch nur alle sehen können, was sich vor ihrem ehemaligen Werk abspielt.....



    PM
    @PostMortem

    Das wahr doch ein schlechter Scherz?Oder?

  2.  
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  3. #32
    Benutzerbild von PostMortem

    Registriert seit
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    Mumie postete
    PostMortem postete

    Die letzten 160 (von ehemals 800) gewerkschaftlich und/oder betriebsratsmäßig organisierten Mitarbeiter, derer sich Birkenstock bis 1995 an diesem Standort nicht entledigen konnte, behielten ihren Job an diesem Werk. Sie durften jeden Tag in den leeren Werkshallen antreten und NICHTS tun. Durch diese Zermürbungstaktik wollte Birkenstock die rund 3 Mio. DM sparen, die ihn ein Sozialplan gekostet hätte. Im Laufe dieser Aktion ließ er Mitarbeiter anderer Standorte bei kostenfreier Bewirtung vor dem "alten" Werk zur "Pfui!"-Demonstration gegen die einst aufmüpfigen "Nestbeschmutzer" auflaufen und erteilte der 160 köpfigen Restbelegschaft für diesen Zweck und exakt an diesem Tag eine Urlaubssperre, damit sie es auch nur alle sehen können, was sich vor ihrem ehemaligen Werk abspielt.....



    PM
    @PostMortem

    Das wahr doch ein schlechter Scherz?Oder?
    Nein, solche Scherze würde selbst ich mir verkneifen ;-)

    Einige Stories hierzu findet man gesammelt auf den Seiten dieses orthopädischen Schuhfachgeschäfts:

    http://www.gassenschmidt.de/birk.htm

    Man sollte sich wirklich mal die Zeit nehmen und diese Zeitzeugnisse durchlesen. Ich weiss gar nicht, warum Birkenstock-Sandalen ausgerechnet ein Symbol von Links-Alternativen werden konnten.....

    Kostprobe aus dem Artikel der SZ: "Nichts ist zu albern oder zu traurig, als daß es in diesem Krieg nicht zum Zankapfel geworden wäre - bis zum Gang auf die Toilette. Als die "Deppen" noch in der Werkshalle einer anderen Tochterfirma untergebracht waren, wurde ihr Weg vom Arbeitsplatz bis zu den Klos anfangs von Paletten genau abgegrenzt. Dann kam der Ukas, per Lastenaufzug in den Keller zu fahren und dort auf einem mit Klebestreifen markierten Pfad zum weiter entfernten Klo zu marschieren."

    Aus einem anderen Artikel: "Ohne ausreichendes Produktionsmaterial ausgestattet, beschimpfte die Geschäftsleitung sie daraufhin als faul und unfähig und wies ihnen neue Hallen zu &shyp; ohne Maschinen, d.h. ohne Arbeitsmöglichkeit. Eine Arbeitsanweisung vom 05.02.96 untersagte den zur Untätigkeit verdammten Leuten "jegliche Art von privater Beschäftigung wie Stricken, Häkeln, Kartenspielen oder ähnliches" während der Arbeitszeit und den Aufenthalt im Pausenraum außerhalb der Pausenzeiten."

    Auf der anderen Seite, machen es die Gewerkschaften solchen Patriarchen auch einfach. Eine Anti-Gewerkschaftseinstellung gilt heute ja fast schon als schick. Ganz normale Menschen, auch ganz normale Angestellte, schimpfen mittlerweile ja auch nicht völlig grundlos auf die Gewerkschaften und sehen sie als Wirtschaftswachstumshemmnis. Wenn man sich solche Possen wie den Arbeitskampf um die 35-Stundenwoche in Ost-Deutschland anschaut, kann man da auch manchmal ins Grübeln kommen. Vertreten Gewerkschaften wirklich noch die Interesseren von Arbeitnehmern oder sind auch sie nur Konzerne, die Seifenblasen verkaufen wollen, um ihre "Kundschaft" zu halten?

    Kein Zweifel: Ich bin für eine Organisation von Arbeitnehmern und für eine gemeinsame Vertretung dieser Interessen gegenüber der Arbeitgeberseite. Alles andere endet darin, dass am Ende überall Birkenstock und Lidl sein wird, egal wo man arbeitet. Aber es wäre mal an der Zeit diesen ganzen linksradikalen MLPD-Quark aus den Gewerkschaften zu schmeissen. Doch das traut sich wohl keiner, weil manche kampfbereite Belegschaft aus den klassischen Malocherbranchen immer noch den Klassenkampf träumt...

    PM

  4. #33
    Benutzerbild von DeeTee

    Registriert seit
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    Wie diese Machtspielchen heute laufen, kann man in diesem Beitrag sehen:
    "Uneinsichtig"
    Lokalredakteurin aus Rastatt nach einem Bericht über den Discounter Lidl entlassen
    VON GABRIELE RENZ

    Das Discount-Handelsunternehmen Lidl ist Negativ-Schlagzeilen gewohnt. Seit die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihr Schwarzbuch veröffentlicht hat, in dem sie an Beispielen die These zu belegen sucht, der Discounter erwirtschafte seine guten Zahlen "auch mit den schlechten Arbeitsbedingungen" der Belegschaft, reißen Berichte nicht ab. Verdi ist ein Dorn im Auge, dass in den mehr als 2000 Lidl-Filialen kaum Betriebsräte gewählt sind.

    Als Offensiv-Verteidigung wählte der Konzern deshalb jüngst eine Einladung an Journalisten, einmal das Zentrallager in Bietigheim (bei Rastatt) zu besuchen und mit den - dort vorhandenen - Betriebsräten zu sprechen. Die Lokalredakteurin der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) zitierte einen Gewerkschafter, "so schlimm" sei es nicht mit den Arbeitsbedingungen, man werde schließlich "voll nach Tarif bezahlt". Die Reporterin schildert sachlich, aber beherzt die Arbeit im Kühlhaus und den hohen Wechsel unter den meist befristet angestellten Mitarbeitern.

    In dem Bericht der Redakteurin aber fand sich auch eine Passage, welche die Chefredaktion aus dem Verdi-Schwarzbuch als Übernahme aus dem Schwarzbuch identifizierte. Es war die Aussage, Lidl erwirtschafte seine Gewinne "mit den schlechten Arbeitsbedingungen" der Mitarbeiter. Damit aber habe die Kollegin nicht kritisch, sondern "tendenziös" berichtet, sagte BNN-Chefredakteur Klaus Michael Baur gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Auch in Gesprächen sei die Journalistin "uneinsichtig" gewesen.

    Dabei wolle man ihr gar nicht vorwerfen, falsch berichtet zu haben. Dass sie jedoch "deutlich in den Hintergrund gedrängt" habe, was auf der Lidl-Pressekonferenz gesagt worden sei, mache man ihr zum Vorwurf: Die Redakteurin wurde fristlos entlassen. Aus Tendenzgründen, wie der Betriebsrat mitteilt.

    Zwei Farbanzeigen pro Woche

    Für rund 1,4 Millionen Euro jährlich schaltet der zur Schwarz-Gruppe gehörende Einzelhandelsriese in den in Karlsruhe erscheinenden BNN (knapp 150 000 Auflage) zweimal die Woche großformatige Farbanzeigen mit seinen Angeboten. Die Summe bleibt ebenso unkommentiert wie der Verdacht, die Verlagsspitze sei vor so viel Marktmacht eingeknickt.

    Beim Betriebsrat der Zeitung kursiert hartnäckig das Gerücht, Verleger und Chefredakteur gleichen Nachnamens hätten angesichts des Drucks von Lidl "überreagiert". Man habe die Geschäftsführung "einbestellt", sagt Betriebsrat Ralf Kattwinkel.

    Chefredakteur Klaus Michael Baur - seit Mai dieses Jahres der Adoptivsohn des Verlegers - gibt auch zu, einen Tag nach Erscheinen des Artikels einen Anruf von Lidl bekommen zu haben. Das Unternehmen hätte sich beschwert, aber ein Treffen sei auf eigenen Wunsch, nicht auf Druck des Discounters zustande gekommen. Schon gar nicht habe Lidl gedroht, keine Anzeigen mehr zu schalten, sagt Baur.

    In lokalen Web-Foren wird die entlassene Redakteurin inzwischen als "wahre Heldin" gefeiert. Doch den Job ist sie los. Thomas Schelberg vom Deutschen Journalistenverband (DJV) ist entsetzt. Wenn das einreiße, sei die journalistische Unabhängigkeit dahin. Und das Schlimme daran sei, dass hier die Pressefreiheit nicht durch den Staat gefährdet sei, sondern durch den Verleger selbst. "Grotesk", findet Schelberg.

    Der baden-württembergische DJV-Landesvorsitzende Karl Geibel geißelt einen "ungeheuerlichen Vorgang" und ein "rechtswidriges" Vorgehen des Verlages. Lidl selbst streitet eine Einflussnahme ab.

    In den Zeitungshäusern mehren sich allerdings seit Jahren Klagen über Koppelgeschäfte und Druck großer Anzeigenkunden. So hatte die Lufthansa, wie die FR am 12. April 2000 berichtete, der Financial Times Deutschland nach einem Bericht mit der Abbestellung der Exemplare für ihre Flugzeuge gedroht.

    Die 38-jährige frühere BNN-Redakteurin hat jetzt Kündigungsklage eingereicht.

    [ document info ]
    Copyright © Frankfurter Rundschau online 2005
    Dokument erstellt am 07.10.2005 um 16:56:34 Uhr
    Erscheinungsdatum 08.10.2005
    (Hervorhebung von mir)
    Link: http://www.fr-aktuell.de/_inc/_globa...me/startseite/

    Der von mir hervorgehobene Abschnitt bestätigt einen Verdacht, den ich schon die ganze Woche mit mir herumtrage: In den großen Printmedien wird über die "Lidl-Affäre" nicht berichtet, weil in praktisch allen bedeutenden regionalen und überregionalen Zeitungen LIDL zu den Hauptanzeigenkunden gehört. Auf SPIEGEL und TAZ trifft das nicht zu. Aber was ist mit den anderen???

    fragt sich
    DeeTee

  5. #34
    Benutzerbild von F.G.T.H.

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    falkenberg postete
    Doch, ich hab das sehr wohl verstanden. Und es geht hier um die Frage eines Boykotts gegen Lidl und die Gründe dafür.
    Nein hast Du nicht. Punkt
    falkenberg postete
    Selbstverständlich muss man hinterfragen, wen man mit einem Boykott trifft. Und das ist keine triviale Angelegenheit. Das Pauschalargument, dass man eh nur Unschuldige trifft, weil die dann ihren Arbeitsplatz verlieren, mag anderswo zutreffen, hier trifft es so nicht zu. Man darf da wirklich nicht nur die Arbeitsplätze bei einem einzigen Arbeitgeber sehen.
    Frage nicht beantwortet, 6 setzen!
    falkenberg postete
    Die Discounter Lidl, Aldi Nord, Aldi Süd, Norma, Netto usw. haben in allen Filialen ein praktisch einheitliches Sortiment und dafür eine annähernd einheitliche Verkaufsfläche und einen ähnlichen Personalbestand. Da gibt es keine großen und kleinen Filialen. Du kannst einen Aldi oder Lidl weder auf der Verkaufsfläche eines Dorfkonsums noch auf dem eines Kauflands betreiben. Insofern gibt es keine großen und kleinen Filialen.
    Ich finde es schön, dass mir jemand von außerhalb sagt wie groß hier die Läden sind.
    Für den Einen ist es ein Schokoriegel und für den Anderen die größte Praline der Welt.
    falkenberg postete
    Du reißt mal wieder alles aus dem Zusammenhang. Der ungerechtfertigte Boykott war der nicht stattgefundene gegen die Elektronikmärkte, und das war auch eindeutig erkennbar. Und zum Lidl-Boykott: Muss man denn zu allem gleich eine abgeschlossene Meinung haben?
    Mein Herzblatt, was heisst hier mal wieder? Wenn ich so zurück blicke hast Du doch versucht mir sämtlichen Scheiß zu verkaufen. Ich weiß bis dato nicht was Du von mir willst!
    Elektromärkte waren ein Beispiel, denn, man hätte sie auch boykottieren können, macht aber keiner.
    Warum?
    Es gibt viel schlimmeres, gerade zur Weihnachtszeit, schöne verchromte Kugeln oder ähnliches. Weisst Du, wie und wo sie hergestellt werden?
    Nein?
    Ich ja und sei froh das Du es nicht weisst.(Ich werde hier keine Namen nennen, aber jeder kauft dort ein.)
    Lass mich in Ruhe mit deinem belanglosem Scheiß.
    Komm zur Sache, aber rede nicht in Fragezeichen.
    Was stimmt an meinen Aussagen nicht, dass ich gegen einen Boykott wäre?
    PS: Ich habe bis vor 2 Jahren, selber einen Laden im Einzelhandel gehabt und mit Erfolg verkauft. (Also erzähl mir nichts von irgendwelchen Abwanderungen nach China welche Du als Beispiel gebraucht hast.) Bleib auf dem Teppich!

    PSS: ab Mittwoch werde ich den Kölner-Raum besuchen, wer Interesse hat, bitte melden bin bis zum 22.10. verfügbar, für Kölsch und Alt.

  6. #35
    Benutzerbild von falkenberg

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    Wenn du keine Kritik an deinen Äußerungen vertragen hast, halt doch gleich die Klappe. Auf deinem Niveau mach ich hier jedenfalls nicht weiter. Thema erledigt, und bei Lidl ist alles in bester Ordnung.

  7. #36
    Benutzerbild von musicola

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    @ F.G.T.H. & Falkenberg

    Durchatmen. Bis 10 zählen. Runterkommen.


    Zurück zum Thema:

    @ DeeTee

    Ist mir auch schon die ganze Woche aufgefallen. Selbst in so Revolverblättern wie BILD (die Zeitung, die sich gern als Kämpfer des kleinen Arbeitnehmers darstellt), und für die solch eine Story eine Mordsauflage bedeuten würde, hält sich spürbar deutlich zurück. Kein Wunder, auch beim Springer-Schmierblatt ist LIDL regelmäßig groß drin. Allerdings in der Werbung und nicht in den Schlagzeilen...

  8. #37
    Benutzerbild von frasier

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    PostMortem postete

    Auf der anderen Seite, machen es die Gewerkschaften solchen Patriarchen auch einfach. Eine Anti-Gewerkschaftseinstellung gilt heute ja fast schon als schick. Ganz normale Menschen, auch ganz normale Angestellte, schimpfen mittlerweile ja auch nicht völlig grundlos auf die Gewerkschaften und sehen sie als Wirtschaftswachstumshemmnis. Wenn man sich solche Possen wie den Arbeitskampf um die 35-Stundenwoche in Ost-Deutschland anschaut, kann man da auch manchmal ins Grübeln kommen. Vertreten Gewerkschaften wirklich noch die Interesseren von Arbeitnehmern oder sind auch sie nur Konzerne, die Seifenblasen verkaufen wollen, um ihre "Kundschaft" zu halten?

    Kein Zweifel: Ich bin für eine Organisation von Arbeitnehmern und für eine gemeinsame Vertretung dieser Interessen gegenüber der Arbeitgeberseite. Alles andere endet darin, dass am Ende überall Birkenstock und Lidl sein wird, egal wo man arbeitet. Aber es wäre mal an der Zeit diesen ganzen linksradikalen MLPD-Quark aus den Gewerkschaften zu schmeissen. Doch das traut sich wohl keiner, weil manche kampfbereite Belegschaft aus den klassischen Malocherbranchen immer noch den Klassenkampf träumt...

    PM
    Die großen Gewerkschaften vertreten ganz klar ihre eigenen (Überlebens-)Interessen. Das von dir gebrachte Beispiel zeigt das ganz klar.

    Klar brauchen Arbeitnehmer ein Instrument, um nicht der Willkür des Arbeitgebers ausgeliefert zu sein. Aber warum muss es dazu ein zentralistisches Gebilde geben, das die Verhältnisse im Betrieb X oder Y gar nicht kennt und auch nicht kennen kann?

    Da entscheiden Gewerkschaftsfunktionäre über hunderte von Kilometern entfernte Unternehmen und über ganze Branchen ohne ein blassen Dunst davon zu haben, was dort los ist.

    Das ist finsterster Sozialismus, eigentlich Planwirtschaft ala DDR.

    Ich meine jeder Betrieb ist anders und nur die dortige Geschäftsleitung und die Arbeitnehmer wissen, was nötig und was möglich bei Verhandlungen ist um weiter konkurrenzfähig zu bleiben und andererseits akzeptable Bedingungen zu erreichen.

    Also ist es doch viel besser, wenn die es dort dezentral ausmachen, ohne das Typen wie Bsirske da mitzureden haben.

    Franz Steinkühler hat mal gesagt, wenn die Angestellten eines Betriebes diesen bestreiken, dann hat der Betrieb ein grosses Problem. Das heisst, die Arbeiter haben sehr wohl eine ausreichende Verhandlungsmacht gegenüber dem Arbeitgeber. Sie brauchen keine riesige Gewerkschaft, wie ihnen immernoch weisgemacht wird.

  9. #38
    Benutzerbild von falkenberg

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    Ich bin auch kein ausgesprochener Gewerkschaftsfreund, aber das ist ziemlich übertriebene Polemik, was Du da schreibst. Für die dezentrale Interessenvertretung gibt es den Betriebsrat. Die Gewerkschaften reden da normalerweise auch nicht rein, solange der Betriebsrat seine Aufgaben problemlos wahrnehmen kann. Wenn aber bereits das Wählen eines Betriebsrats und damit eine Organisation der Belegschaft unmöglich gemacht oder erschwert wird, dann können die Gewerkschaften sehr wohl wirksame Starthilfe leisten.

    Auch die Stellung der Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen ist durchaus vernünftig. Es hat schon was für sich, dass unabhängig von der Position des Betriebsrats im Betrieb vernünftige Kompromisse erzielt werden können, die ein schwacher Betriebsrat allein nicht erreichen würde. Auch die Arbeitgeber wissen sehr wohl, wie gut sie mit den gemäßigten deutschen Gewerkschaften dran sind. Dass es vereinzelt Auswüchse gibt, ist nicht zu bestreiten.

  10. #39
    Kinderfresser
    Benutzerbild von Kinderfresser
    @ FGTH und Falkenberg:

    Zumindest zur Größe von Lidl, Aldi etc Fillialen kann ich sagen, daß es durchaus unterschiedlich große Fillialen gibt...

  11. #40
    Benutzerbild von PostMortem

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    falkenberg postete
    Ich bin auch kein ausgesprochener Gewerkschaftsfreund, aber das ist ziemlich übertriebene Polemik, was Du da schreibst. Für die dezentrale Interessenvertretung gibt es den Betriebsrat. Die Gewerkschaften reden da normalerweise auch nicht rein, solange der Betriebsrat seine Aufgaben problemlos wahrnehmen kann. Wenn aber bereits das Wählen eines Betriebsrats und damit eine Organisation der Belegschaft unmöglich gemacht oder erschwert wird, dann können die Gewerkschaften sehr wohl wirksame Starthilfe leisten.
    Richtig, deswegen bin ich auch gegen die pauschale Gewerkschaftsverdammung. Immerhin muss man sich dann auch überlegen, wer denn den Hundts und Rogowskis auf der übergeordneten Ebene noch Paroli bieten soll? Die Wirtschaft / die Unternehmer sind immerhin gleich mehrfach in Verbänden organisiert und betreiben Lobby-Politik. Die setzen dann wieder ihre Maximalforderungen zur Abschaffung der Arbeitnehmerrechte in die Welt und niemand hat das Potenzial mit Gewicht Paroli zu bieten. Da müsste es schon sehr straff organisierte Einzelbetriebe mit starken Betriebsräten geben, um z. B. die allgemeine Wiedereinführung des Samstags als Regelarbeitstag oder die Rückkehr zur 50-Stunden-Woche zu verhindern.

    Ausserdem gibt es in vielen kleinen und mittleren Betrieben lediglich Alibi-Betriebsräte. Dort hat man etwas schlauer gehandelt als bei Birkenstock und Lidl. Man hat einfach sofort einen Betriebsrat gegründet und dafür gesorgt, dass dieser mit gefälligen Leuten besetzt wird. Ich selbst habe eine "getürkte" Betriebsratswahl mit erlebt, in der die GF letztendlich den BR hinsichtlich der Besetzung des Postens des BR-Vorsitzenden erpressen konnte.

    Des weiteren bieten Gewerkschaften Weiterbildung im Arbeitsrecht, Rechtsschutz und Solidarität. Dadurch sind viele risikofreudige Betriebsräte überhaupt erst in der Lage wirklich ihren Mund aufzumachen. Eine einfache Rechtsschutzversicherung trägt zwar auch die Kosten eines Arbeitsgerichtsprozesses, sie sichert Dir aber kein zahlreiches Erscheinen solidarischer Mitarbeiter vor Gericht und bei Solidaritätsaktionen zu. Es gibt genügend Beispiele, wie unkündbar unliebsame Betriebsräte wirklich sind.

    Erst so können viele Betriebsräte, dort wo es am dringensten notwendig ist, überhaupt erst aktiv werden. Es gibt genügend Betriebsräte, die sich lautstark von Gewerkschaften lossagen, die aber überhaupt keine Ahnung haben, welche Rechte sie als Betriebsrat eigentlich haben. Das habe ich vor allem bei meiner Freundin im Krankenhaus und in einem vorwiegend mit weiblicher "Berufswiedereinstiegs"-Belegschaft ausgestatteten VW-Zuliefererbetrieb erlebt.
    Da gabs dann Betriebsräte, aber wehe es wurde etwas von ihnen verlangt. Vor lauter Hilfs- und Ahnungslosigkeit kam da eher die Auskunft, dass man gegen dieses und jenes leider nichts unternehmen könnte. Dabei ging es um handfeste Verstöße gegen das ArbeitszeitGESETZ(!), also nicht nur Abweichungen vom Tarifvertrag.

    Von daher: Gewerkschaften sind notwendig um ein Gleichgewicht der Kräfte zu wahren. Sonst können wir auch wieder zu den Verhältnissen in Zeiten der Tagelöhner zurückkehren. Das scheinen die Hundts und Rogowskis ja oftmals fast zu wollen. Dabei scheinen sie nur zu vergessen, dass es die Großindustriellen waren, die einmal darauf hingearbeitet haben, von diesen unverlässlichen Zuständen weg und zu fairen Arbeitsverhältnissen mit langfristiger Bindung hin zu kommen.

    Es müsste wohl nur innerhalb der Gewerkschaften zu einer kleinen Revolution kommen.... Weg mit dem Filz und weg mit den Ideologien der 70er und 80er Jahre. Die taugen in Zeiten der Globalisierungsprobleme nichts mehr.

    PM

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