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Discounter LIDL contra Rechtsstaat. Pfui!!!

Erstellt von DeeTee, 04.10.2005, 18:10 Uhr · 59 Antworten · 4.021 Aufrufe

  1. #41
    Benutzerbild von frasier

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    falkenberg postete
    Ich bin auch kein ausgesprochener Gewerkschaftsfreund, aber das ist ziemlich übertriebene Polemik, was Du da schreibst. Für die dezentrale Interessenvertretung gibt es den Betriebsrat. Die Gewerkschaften reden da normalerweise auch nicht rein, solange der Betriebsrat seine Aufgaben problemlos wahrnehmen kann. Wenn aber bereits das Wählen eines Betriebsrats und damit eine Organisation der Belegschaft unmöglich gemacht oder erschwert wird, dann können die Gewerkschaften sehr wohl wirksame Starthilfe leisten.
    Wenn das Unternehmen die Organisation der Mitarbeiter unmöglich macht ist das einfach kriminell und ein Fall für die Gerichte.

    Wie soll den die Gewerkschaft mehr durchsetzen können als die Belegschaft oder die Gerichte?

    Was die Tarife betrifft kan ein Flächentarif kaum die unterschiedlichen Belange verschiedener Unternehmen berücksichtigen. Das heisst, die schwachen Firmen sind ganz klar gegenüber den starken benachteiligt. Sie gehen dann entweder pleite oder müssen aus der Tarifgemeinschaft austreten.

    So gesehen regelt sich das Problem mit der Zeit von ganz allein. Schade nur um die Pleiten, die mit flexiblerer Politik hätten verhindert können. Die Leute, die dabei ihren Job verloren haben könne sich dann fragen, ob die Gewerkschaften ihnen tatsächlich geholfen haben.

    Zur Intelligenz der Gewerkschaften sei nur die Forderung nach der Wende "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" in Ostdeutschland innerhalb von wenigen Jahren angemerkt. Bei einer Produktivität von 30 Prozent gegenüber dem Westen eine schnelle Lohnangleichung zu fordern ist geisteskrank.

    So konnte sich im Osten keine Wirtschaft entwickeln sondern in erster Linie Arbeitslosigkeit.

  2.  
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  3. #42
    Benutzerbild von PostMortem

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    frasier postete
    Zur Intelligenz der Gewerkschaften sei nur die Forderung nach der Wende "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" in Ostdeutschland innerhalb von wenigen Jahren angemerkt. Bei einer Produktivität von 30 Prozent gegenüber dem Westen eine schnelle Lohnangleichung zu fordern ist geisteskrank.
    Geisteskrank wäre es gewesen, dies nicht zu fordern. Selbst die Politik hat in den sauren Apfel gebissen und während der Währungsunion einen 1:1 Wechselkurs festlegt.

    Was wäre denn sonst passiert? Westdeutschland hätte über 80 Mio Einwohner!

    Dies nach rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu beurteilen wäre geisteskrank gewesen und hätte uns allen katastrophale Zustände beschert, wie wir sie uns vermutlich nicht vorstellen können.

    Den Gewerkschaften deshalb mangelnde Intelligenz zu unterstellen ist doch ziemlich durchsichtig. Immerhin haben die Gewerkschaften, da kann man dem Einzelnen Funktionär unterstellen was man will, sich immer das Wohl der Menschen auf die Fahnen geschrieben. Gleichzeitig haben viele Politiker und Wirtschaftslobbyisten nur ihr eigenes Wohl im Sinn - und nachweislich den größten Anteil daran, dass durch Managementfehler und Reformunfähigkeit so viele Menschen arbeitslos sind. Die Gewerkschaften hingegen legen überhaupt keine Rahmenbedingungen fest. Sie stellen Forderungen und verhandeln diese mit der Unternehmerseite. Da auf Unternehmer-Seite ja ausschließlich intelligente Menschen sitzen, wird man wohl auch nur intelligente Verträge mit den Gewerkschaften unterschreiben. Und so waren ja auch bisher nach jedem Tarifabschluss noch alle Parteien zufrieden. Den Gewerkschaften ist diesbezüglich also nichts in die Schuhe zu schieben. Ihnen die "Fehler" der Treuhand (letztendlich ging es bei diesem Gekungel doch nur darum Westdeutschen Unternehmen Marktzugänge zu sichern und nicht darum Betriebe zu übernehmen) und marode Betriebe, die oftmals 40 Jahre von ihrer Substanz zehrten, anzukreiden, ist Geschichtsfälschung erster Güte. Gewerkschaften haben noch in keinem Land einen Wirtschaftsboom verhindert, wo einer zu machen gewesen wäre.

    PM

  4. #43
    Benutzerbild von falkenberg

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    frasier postete
    Wenn das Unternehmen die Organisation der Mitarbeiter unmöglich macht ist das einfach kriminell und ein Fall für die Gerichte.Wie soll den die Gewerkschaft mehr durchsetzen können als die Belegschaft oder die Gerichte?
    Solange die Belegschaft nicht organisiert ist, kann da jeder nur auf eigenes Risiko klagen. Die Gewerkschaft dagegen kann z. B. Juristen zur Verfügung stellen und ganz anderen Druck ausüben.

    frasier postete
    Was die Tarife betrifft kan ein Flächentarif kaum die unterschiedlichen Belange verschiedener Unternehmen berücksichtigen. Das heisst, die schwachen Firmen sind ganz klar gegenüber den starken benachteiligt. Sie gehen dann entweder pleite oder müssen aus der Tarifgemeinschaft austreten.
    Das ist auch mehr Legende als Realität. Für Problemfälle sind entsprechende Ausnahmen immer möglich. Wenn da jeder Betriebsrat selbst verhandeln müsste, würde er in den meisten Fällen über den Tisch gezogen.

    frasier postete
    Zur Intelligenz der Gewerkschaften sei nur die Forderung nach der Wende "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" in Ostdeutschland innerhalb von wenigen Jahren angemerkt. Bei einer Produktivität von 30 Prozent gegenüber dem Westen eine schnelle Lohnangleichung zu fordern ist geisteskrank.
    Das ist in dieser Form ja auch nicht realisiert worden. Erst jetzt ist man annähernd so weit. Die Produktivität ist übrigens etwas, das in erster Linie der Arbeitgeber beeinflusst.

    frasier postete
    So konnte sich im Osten keine Wirtschaft entwickeln sondern in erster Linie Arbeitslosigkeit.
    Ach so, jetzt sind die Gewerkschaften schuld? Alles klar. Lohndumping wäre da auch nix zu machen gewesen.

  5. #44
    Benutzerbild von frasier

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    PostMortem postete
    ]Geisteskrank wäre es gewesen, dies nicht zu fordern. Selbst die Politik hat in den sauren Apfel gebissen und während der Währungsunion einen 1:1 Wechselkurs festlegt.

    Was wäre denn sonst passiert? Westdeutschland hätte über 80 Mio Einwohner!
    Ich hatte nichts gegen den 1:1 Wechselkurs von gesagt. Das war unumgäglich, da sonst die Löhne und Renten nicht zum leben gereicht hätten. Das allein brachte aber schon genug Wettbewerbsnachteile für die ostdeutschen Firmen.

    Da konnte man ohne Erhöhung der Produktivität die Löhne nicht einfach hochziehen, ohne diese Firmen zu killen.

    Nach der Währungsunion waren die ostdeutschen Löhne erst bei einem Drittel des Westens. Mit diesen Voraussetzungen hätten man leicht ausländische Investoren finden können, die die Firmen modernisiert hätten und dafür einen Zugang zum riesigen europäischen Markt bekommen hätten. Dann wären Produktivität und Löhne Hand in Hand steigen können und es gäbe eine funktionierende Wirtschaft im Osten.

    So aber wurden die Löhne massiv angehoben und Investoren abgeschreckt.

    Das mit den 80 Millionen Leuten im Westen ist natürlich Unsinn, denn der westdeutsche Arbeitsmarkt hatte gar keine Millionen freie Jobs zur Verfügung. Die meisten hätten im Westen eh keinen job gefunden und wären arbeitslos gewesen und hätten im Osten bleiben können.


    Den Gewerkschaften deshalb mangelnde Intelligenz zu unterstellen ist doch ziemlich durchsichtig. Immerhin haben die Gewerkschaften, da kann man dem Einzelnen Funktionär unterstellen was man will, sich immer das Wohl der Menschen auf die Fahnen geschrieben. Gleichzeitig haben viele Politiker und Wirtschaftslobbyisten nur ihr eigenes Wohl im Sinn - und nachweislich den größten Anteil daran, dass durch Managementfehler und Reformunfähigkeit so viele Menschen arbeitslos sind. Die Gewerkschaften hingegen legen überhaupt keine Rahmenbedingungen fest. Sie stellen Forderungen und verhandeln diese mit der Unternehmerseite. Da auf Unternehmer-Seite ja ausschließlich intelligente Menschen sitzen, wird man wohl auch nur intelligente Verträge mit den Gewerkschaften unterschreiben. Und so waren ja auch bisher nach jedem Tarifabschluss noch alle Parteien zufrieden. Den Gewerkschaften ist diesbezüglich also nichts in die Schuhe zu schieben. Ihnen die "Fehler" der Treuhand (letztendlich ging es bei diesem Gekungel doch nur darum Westdeutschen Unternehmen Marktzugänge zu sichern und nicht darum Betriebe zu übernehmen) und marode Betriebe, die oftmals 40 Jahre von ihrer Substanz zehrten, anzukreiden, ist Geschichtsfälschung erster Güte. Gewerkschaften haben noch in keinem Land einen Wirtschaftsboom verhindert, wo einer zu machen gewesen wäre.
    Die Gläubigkeit in Gewerkschaften im Westen konnte ich noch nie verstehen, das muss wohl Macht der Gewohnheit sein. Fakt ist aber, dass sich die Löhne am Markt bilden müssen, ohne eine 'Instanz für Gerechtigkeit'. In einer gesunden Marktwirtschaft ist die Arbeitslosigkeit viel niedriger als bei uns (z. Bsp. GB,AUS) was die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern stärkt.

    Das Schicksal deutscher Gewerkschaften wird das selbe sein wie in den älteren Volkswirtschaften. Nicht weil ich sie nicht ausstehen kann sondern weil sie mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen. Umsonst verringert sich auch nicht die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder von Jahr zu Jahr.

  6. #45
    Benutzerbild von DeeTee

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    @frasier:
    denn der westdeutsche Arbeitsmarkt hatte gar keine Millionen freie Jobs zur Verfügung. Die meisten hätten im Westen eh keinen job gefunden und wären arbeitslos gewesen und hätten im Osten bleiben können.
    1. Wir haben auch heute keine Millionen freie Arbeitsplätze.
    2. Ohne die Westabwanderung läge die Arbeitslosenquote in den neuen Bundesländern in größeren Gebieten bei deutlich über 50 %.
    3. Tja, sie hätten im Osten bleiben können. Ich sehe da einen Konjuntivus irrealis.

    Fakt ist aber, dass sich die Löhne am Markt bilden müssen, ohne eine 'Instanz für Gerechtigkeit'. In einer gesunden Marktwirtschaft ist die Arbeitslosigkeit viel niedriger als bei uns (z. Bsp. GB,AUS) was die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern stärkt.
    Wie oft bist Du in GB gewesen und hast mit den dortigen Arbeitnehmer gesprochen? Vor allem bei ROVER stelle ich mir das interessant vor.

    Mir erscheint es, dass Du hier die Propaganda des BDI und der INSM ziemlich ungefiltert wiedergibst. Leider!
    Es gibt übrigens auch prosperierende Wirtschaften in Dänemark, Norwegen und Finnland - und deren Sozialsystem ist ziemlich anders als das in GB oder Australien und Neuseeland. (Nur mal so am Rande.)

    DeeTee

  7. #46
    Benutzerbild von PostMortem

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    frasier postete
    Nach der Währungsunion waren die ostdeutschen Löhne erst bei einem Drittel des Westens. Mit diesen Voraussetzungen hätten man leicht ausländische Investoren finden können, die die Firmen modernisiert hätten und dafür einen Zugang zum riesigen europäischen Markt bekommen hätten. Dann wären Produktivität und Löhne Hand in Hand steigen können und es gäbe eine funktionierende Wirtschaft im Osten.
    Aber sicher doch, während alle anderen Kosten sich in Rekordtempo angeglichen haben und die Bedürfnisse der Noch- und baldigen Ex-DDR-Bürger keine Grenzen kannten, hätte man die Löhne dort einfach bei 1/3 des West-Niveaus einfrieren können.... Pure Träumerei! DAS wäre nur bei Verzicht auf die Wiedervereinigung und bei Einführung einer beschränkten Freizügigkeit der DDR-Bürger möglich gewesen. Dann hätte man die DDR sich entwickeln lassen wie Polen, ok. Aber im Zuge der Wiedervereinigung ernsthaft dran zu glauben, dass ein Teil Deutschlands auch nur über mehrere Wochen auf einem derartigen Lohnniveau hätte gedeckelt werden können, glaubst Du vermutlich so ziemlich allein. Alles was man dadurch messbar erreicht hätte, wäre mangels Kaufkraft das Ausbleiben des Wiedervereinigungsbooms von 91 und 92 gewesen.

    Das sich dadurch ansonsten überhaupt etwas zum Positiven verändert hätte, ist auch deshalb schon falsch, weil nach der 1:1 Währungsunion kein Ost-Bürger mehr die Ostprodukte kaufen wollte und auch die Nicht-Endkundenorientierten Unternehmen bei den Ost-Exporten von der Westkonkurrenz überrollt wurden. Wer kaufte denn noch einen 10.000DM Trabi, wenn er dafür ein weit überlegenes 3-4 Jahre altes Westauto kaufen konnte? Dadurch verschuldeten sich die Ost-Unternehmen zusehends in den Konkurs und aus den ehemals angestrebten 600 Mrd. DM Veräußerungsgewinnen durch die Treuhand wurden am Ende 200 Mrd. DM Verlust.

    So aber wurden die Löhne massiv angehoben und Investoren abgeschreckt.
    Wo wurden denn Investoren abgeschreckt? Das ist doch eine verzerrte Darstellung der Realität! Natürlich gingen die Investoren die zielsicher nach Billigstandorten suchten ohne Umwege direkt nach Osteuropa. Aber wollen wir denn ein Billiglohnland sein? Nein! Das hat doch auch Deine Lieblingspartei in diesem Wahlkampf immer wieder betont. Und jene Investoren, die einen günstigen Qualitätsstandort suchten, die sind auch gekommen, siehe AMD, siehe Opel, siehe VW etc.

    Wenn überhaupt Investoren abgeschreckt worden sind, dann durch den katastrophalen Zustand der Produktionsanlagen. Chemie-Standorte wie Bitterfeld haben Investoren geworben. Dynamit-Nobel hat heute z. B. ein Werk dort. Allerdings wurden die alten Werke schlichtweg komplett abgerissen und neue Werke gebaut. Diese wurden anschliessend von bestens ausgebildeten Leuten betrieben. Kein Grund für zweierlei Maß bei den Löhnen!

    Was aus Deinem Vorschlag einzig und allein heraus entstanden wäre, wäre doch ein ruinöser Lohnwettkampf nach unten gewesen in unserem Land. Die Brandt Zwieback Fabrik steht doch heute schon nur noch auf der Packung noch in Hagen / NRW. Tatsächlich steht die Fertigung in Ostdeutschland. Und so haben es viele deutsche Betriebe gemacht. Wenn Dein Traum von 1/3 Ostlöhnen wahr geworden wären, dann hätten wir in Westdeutschland eben nicht nur in Gelsenkirchen Arbeitslosenquoten >20%, sondern auch in Stuttgart, München usw. Das sowas ausgerechnet immer von Leuten favorisiert wird, die sagen, das sich Preise am Markt bilden müssen, ist doch eigentlich der blanke Hohn!? Nach unten darf man Löhne regulieren, aber freie Vertragsverhandlungen nach oben darf man als Gewerkschaft nicht führen?

    Das mit den 80 Millionen Leuten im Westen ist natürlich Unsinn, denn der westdeutsche Arbeitsmarkt hatte gar keine Millionen freie Jobs zur Verfügung. Die meisten hätten im Westen eh keinen job gefunden und wären arbeitslos gewesen und hätten im Osten bleiben können.
    Warum? Obwohl wir auch heute im Westen bei weitem keine Vollbeschäftigung haben, verwaisen ostdeutsche Städte immer mehr. Bei Deinen Gehaltsträumereien hätte man von westdeutscher Sozialhilfe in der richtigen Ecke (dörfliche Region mit niedrigen Mieten) auch vergleichsweise leben können wie ein König. Weniger Lohn für harte Arbeit ist doch kein Anreiz sich im Osten mit schrottreifen Anlagen weiter die Gesundheit zu ruinieren! Das ist übrigens auch alles was niedrige Löhne bewirken: Menschen zu verschleissen ist so billig, dass nicht in moderne Maschinen investiert wird. Nicht ohne Grund sterben in China jedes Jahr zehntausende Menschen. Vorbild für Ostdeutschland und Lösung für den Abbau der Massenarbeitslosigkeit? Makaber...

    Die Gläubigkeit in Gewerkschaften im Westen konnte ich noch nie verstehen, das muss wohl Macht der Gewohnheit sein. Fakt ist aber, dass sich die Löhne am Markt bilden müssen, ohne eine 'Instanz für Gerechtigkeit'. In einer gesunden Marktwirtschaft ist die Arbeitslosigkeit viel niedriger als bei uns (z. Bsp. GB,AUS) was die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern stärkt.
    Da 1/3 der Arbeitnehmer in UK zu den sog. "working poor" gehören, sehe ich es nicht als erstrebenswert an, diesem angelsächsischen Modell zu folgen. Von Arbeit muss man leben können! Eine niedrige Arbeitslosigkeit ist nach meinen Wertevorstellungen keinen Cent wert, wenn jeder Dritte(!) von seiner Arbeit kein lebenswertes Leben führen kann. In Zeiten in denen sich Preise aufgrund eines ruinösen Preisdrucks durch finanziell, ökologisch und gesundheitlich übel ausgebeutete 3.-Weltländer bilden, noch von "gesunder Marktwirtschaft" zu sprechen, halte ich sowieso für einen schlechten Scherz. Dieser Markt ist nicht gesund und das müsste angesichts der Arbeitsmarktentwicklung in ganz Europa und den weltweiten Klimaveränderungen langsam auch der Letzte gemerkt haben.

    PM

  8. #47
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    @PM:
    Da 1/3 der Arbeitnehmer in UK zu den sog. "working poor" gehören, sehe ich es nicht als erstrebenswert an, diesem angelsächsischen Modell zu folgen. Von Arbeit muss man leben können! Eine niedrige Arbeitslosigkeit ist nach meinen Wertevorstellungen keinen Cent wert, wenn jeder Dritte(!) von seiner Arbeit kein lebenswertes Leben führen kann.
    Sorry, aber das kann man auch deutlicher formulieren: früher nannte man das Leibeigenschaft oder Sklaverei.

    das müsste angesichts der Arbeitsmarktentwicklung in ganz Europa und den weltweiten Klimaveränderungen langsam auch der Letzte gemerkt haben.
    Illusion! Das Denken funktioniert anders: Wenn das Mittel der Wahl - in diesem Fall die freie Markwirtschaft - nicht geholfen hat, dann brauchen wir mehr davon; denn die Dosis war zu niedrig.

    Wie sagte ein ehemaliger Dozent von mir vor einigen Jahren: Wenn man das gleiche Loch tiefer gräbt, dann wird's nur noch dunkler.

    DeeTee

  9. #48
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    Auch zur Handelskette Wal-Mart gibt es neue Informationen:
    Link: http://www.zmag.de/artikel.php?id=1613

    Wal-Mart ist der größte Einzelhandelskonzern der Welt - in Großbritannien besser bekannt als Supermarktkette Asda. Wal-Mart hat sich ein globales Imperium aufgebaut. Seine Supermärkte pflegen das Image des “Dauerniedrigpreis“-Ladens. Folge dieser obsessiven Fixierung auf niedrige Preise sind Hungerlöhne und sich ständig verschlimmernde Sweatshop-Arbeitsbedingungen; ortansässige Geschäfte und Gemeinden werden niedergemacht. Diese Strategie ist hinlänglich bekannt. Nun gibt es neue Beweise, wie die oberen Asda-Etagen die Arbeitsbedingungen Ihrer MitarbeiterInnen in Großbritannien weiter verschlechtern und die Rechte der ArbeiterInnen bewusst “beschneiden” wollen.

    Der Inhalt eines Dokuments mit dem Titel ‘Warehouse Chip Away Strategy 2005‘ ist zur Organisation ‘War on Want’ durchgesickert. In dem Schreiben wird umrissen, wie das obere Asda-Management plant, Standardarbeitsbedingungen drastisch zu unterlaufen - obwohl ein solcher Verstoß gegen die Arbeitnehmerrechte auch ein Vestoß gegen Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen wäre und außerdem zu Gewerkschaftsprotesten führen könnte - wie die Leitung offen zugibt. (...)
    Der komplette Artikel ist zu lang zum Quoten, also bitte selbst weiterlesen!

    DeeTee

  10. #49
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    DeeTee postete
    Auch zur Handelskette Wal-Mart gibt es neue Informationen:
    Link: http://www.zmag.de/artikel.php?id=1613

    Wal-Mart ist der größte Einzelhandelskonzern der Welt - in Großbritannien besser bekannt als Supermarktkette Asda. Wal-Mart hat sich ein globales Imperium aufgebaut. Seine Supermärkte pflegen das Image des “Dauerniedrigpreis“-Ladens. Folge dieser obsessiven Fixierung auf niedrige Preise sind Hungerlöhne und sich ständig verschlimmernde Sweatshop-Arbeitsbedingungen; ortansässige Geschäfte und Gemeinden werden niedergemacht. Diese Strategie ist hinlänglich bekannt. Nun gibt es neue Beweise, wie die oberen Asda-Etagen die Arbeitsbedingungen Ihrer MitarbeiterInnen in Großbritannien weiter verschlechtern und die Rechte der ArbeiterInnen bewusst “beschneiden” wollen.

    Der Inhalt eines Dokuments mit dem Titel ‘Warehouse Chip Away Strategy 2005‘ ist zur Organisation ‘War on Want’ durchgesickert. In dem Schreiben wird umrissen, wie das obere Asda-Management plant, Standardarbeitsbedingungen drastisch zu unterlaufen - obwohl ein solcher Verstoß gegen die Arbeitnehmerrechte auch ein Vestoß gegen Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen wäre und außerdem zu Gewerkschaftsprotesten führen könnte - wie die Leitung offen zugibt. (...)
    Der komplette Artikel ist zu lang zum Quoten, also bitte selbst weiterlesen!

    DeeTee
    Passt super zum Thema! Hier sieht man das Ergebnis der geschürten Anti-Gewerkschaftsstimmung in UK und das Ergebnis der Entmachtung der Gewerkschaften, die Thatcher so überhaupt erst möglich wurde. Das ist die Quittung für das, worauf manche Briten gar Stolz waren und wo manche bundesdeutsche Politiker und Wirtschaftsfunktionäre immer mit leuchtenden Augen hin wollen.

    Und hier sieht man auch das "Wunder", dass tatsächlich hinter augenscheinlich besseren Arbeitslosenzahlen steckt: Im Einzelhandel wird sowieso nicht prickelnd gezahlt, wenn dann noch 20% unter Tarif gezahlt wird, ist quasi jeder 6. Mitarbeiter "umsonst". Tolles Jobwunder! Und jetzt wo Lohndumping nicht mehr reicht, will man sich selbst dieser Geringverdiener nun am liebsten noch entledigen. Am Ende führt das dann zu mehr Arbeitslosen und Arbeitnehmern die kaum etwas verdienen. Das sowas in einer weiteren Spirale nach unten endet (die Arbeitslosen müssen Leistungen unterhalb des Existenzminimums erhalten, weil sie sonst ein besseres Leben führen können als die "working poor" und die Arbeitnehmer lassen sich noch mehr gefallen um nicht auch arbeitslos zu werden) ist klar. Wer glaubt dran, dass mit schwachen ausserbetrieblichen Arbeitnehmerinstanzen in solchen Unternehmen tatsächlich so etwas wie "betriebliche Bündnisse" möglich sind?

    Sowas muss man doch einfach mal sehen! Das Gewerkschaften Arbeitsplätze gefährden oder verhindern und reale oder relative Lohnsenkungen mittel- und langfristig Arbeitsplätze schaffen ist ein Märchen und wers nachplappert macht sich zum Dummen, der den Superreichen zum eigenen Nachteil die Taschen kräftig weiter mit voll macht. Es ist mir ein Rätsel, wieso dieser neoliberale Kurs in der Bevölkerung doch so viele Anhänger hat und man meint, die uralte Weisheit "Wenns der Wirtschaft gut geht, gehts mir auch gut", würde in Zeiten der Raubtier-Globalisierung auch nur noch einen Cent wert sein. Heute kann man diese alte Weisheit geradezu umdrehen: Nur wenns mir gut geht, gehts auch der Wirtschaft gut. Sonst kaufe ich nämlich nichts und die kostensenkendste Verlagerung nach China oder Polen bringt keine höhere Marge, wenn mangels kaufkräftiger Absatzmärkte keiner die Produkte kaufen kann.

    Andererseits müssen auch Sparfüchse mal aufwachen: Lidl, Walmart.... wo sitzen denn die größten Ausbeuter? Lasst Euch nicht verarschen, vor allem nicht beim Geiz...

    PM

  11. #50
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    PostMortem postete

    Es ist mir ein Rätsel, wieso dieser neoliberale Kurs in der Bevölkerung doch so viele Anhänger hat und man meint, die uralte Weisheit "Wenns der Wirtschaft gut geht, gehts mir auch gut", würde in Zeiten der Raubtier-Globalisierung auch nur noch einen Cent wert sein. Heute kann man diese alte Weisheit geradezu umdrehen: Nur wenns mir gut geht, gehts auch der Wirtschaft gut. Sonst kaufe ich nämlich nichts und die kostensenkendste Verlagerung nach China oder Polen bringt keine höhere Marge, wenn mangels kaufkräftiger Absatzmärkte keiner die Produkte kaufen kann.
    Des Rätsels Lösung heisst Wettbewerbsfähigkeit. Nur wenn Firmen international mithalten können gibt es auch viele und sichere Arbeitsplätze. Nur wer einen Job hat und sich einigermaßen sicher sein kann, diesen auch behalten zu können oder relativ schnell einen neuen zu finden wird auch konsumieren.

    Der Kern der Marktwirtschaft ist der Wettbewerb.

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