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Discounter LIDL contra Rechtsstaat. Pfui!!!

Erstellt von DeeTee, 04.10.2005, 18:10 Uhr · 59 Antworten · 4.023 Aufrufe

  1. #51
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    Es ist mir ein Rätsel, wieso dieser neoliberale Kurs in der Bevölkerung doch so viele Anhänger hat und man meint, die uralte Weisheit "Wenns der Wirtschaft gut geht, gehts mir auch gut", würde in Zeiten der Raubtier-Globalisierung auch nur noch einen Cent wert sein. Heute kann man diese alte Weisheit geradezu umdrehen: Nur wenns mir gut geht, gehts auch der Wirtschaft gut. Sonst kaufe ich nämlich nichts und die kostensenkendste Verlagerung nach China oder Polen bringt keine höhere Marge, wenn mangels kaufkräftiger Absatzmärkte keiner die Produkte kaufen kann.
    Des Rätsels Lösung heisst Wettbewerbsfähigkeit. Nur wenn Firmen international mithalten können gibt es auch viele und sichere Arbeitsplätze.
    Erkläre mir das bitte mal am Beispiel von WalMart in England. Es will mir nicht ganz einleuchten, dass ein WalMart, der seine Eigentümer ja nicht zu den reichsten Menschen der Erde gemacht hat weil er so unprofitabel ist, in einem der teuersten Länder Europas (was Lebenshaltung angeht) die Mitarbeiter wie Leibeigene behandeln muss um wettbewerbsfähig zu sein. Wird der WalMart London nach Peking verlagert wenn er nach ohnehin nicht gerade üppigem Tarif bezahlt? Wohl kaum.... und warum wird von den neoliberalen Wirtschaftsorakeln immer so getan, als könne nur wettbewerbsfähig sein, wer seiner Belegschaft die Kaufkraft nimmt? Woanders nennt man das Sägen am eigenen Ast. Wo soll denn der kaufkräftige Absatzmarkt noch her kommen, wegen dem sich die Verlagerung nach Fernost und das Einstreichen der dann fetteren Marge lohnt, wenn in eben diesen ursprünglichen Absatzmärkten alle untertariflich bezahlte Mitarbeiter oder Arbeitslose sind die sich nichts leisten können? Erklär mir das bitte, wenn Du von der Richtigkeit dieser Vorgehensweise überzeugt bist.

    Nur wer einen Job hat und sich einigermaßen sicher sein kann, diesen auch behalten zu können oder relativ schnell einen neuen zu finden wird auch konsumieren.
    Aber nicht als "working poor", darum gehts hier doch die ganze Zeit. Wie soll man als gering, weil untertariflich, bezahlter WalMart-Mitarbeiter anständig konsumieren, wenn der gesamte Lohn schon mehr schlecht als recht für Miete und die Deckung des täglichen Lebensbedarfs beim eigenen Arbeitgeber reicht?

    Der Kern der Marktwirtschaft ist der Wettbewerb.
    Richtig, aber der Wettbewerb nach oben! Krank ist der Wettbewerb, wenn er nach unten zielt und das tut er wenns um die momentane Drangsalierung von Arbeitnehmern in entwickelten Ländern geht. Und es geht ja nicht nur darum. Wir verschrotten hierzulande Millardenwerte, ganze Produktionsstandorte, die in 150 Jahren gewachsen und floriert sind verschwinden mit ihren tausenden Mitarbeitern, weil irgendwelche osteuropäischen Länder mit 10 Jahre Steuerfreiheit locken, die aus deutschen Steuermitteln über den Umweg "EU" finanziert werden. Ist das der Wettbewerb den Du meinst?

    Ich sehe es auch mit Sorge, dass, der Einstieg in eine Spirale nach unten im Konkurrenzkampf marktwirtschaftlicher und demokratischer 1. Welt Länder gegen diktatorische chinesische Planwirtschaftskapitalisten immer selbstverständlicher von ganz normalen Menschen so hingestellt wird, als hätte das auch nur irgendwas mit Marktwirtschaft zu tun. Die Vertretung solcher Thesen steht für mich auf einer Stufe mit irgendwelchen amerikanischen Ultrachristen die die Evolutionstheorie aus den Biologiebüchern verbannen wollen. Ich kann es auch nicht mehr hören, dass dieser Raubtier-Kapitalismus im Gewand der Globalisierung von manchen hingestellt wird wie Wetter, gegen das man nichts tun kann. Ob man dagegen nun etwas tun kann oder nicht, man kann damit auf jeden Fall anders umgehen und muss es nicht rechtfertigen, dass es in Ordnung ist wenn Millionen Menschen in entwickelten Ländern unter dem Deckmantel des Wettbewerbs arbeiten gehen sollen ohne von dieser Arbeit auch ein menschenwürdiges Leben führen zu können - von den unverschämten Eingriffen in die Menschenwürde und Privatsphäre der Walmart-Mitarbeiter haben wir ja noch nichtmal angefangen zu reden....

    PM

  2.  
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  3. #52
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    Zum Thema "Marktwirtschaft heute" finde ich die Ankündigung der ZEIT ganz interessant:

    Hans Graf von der Goltz: „Dieser Neoliberalismus ist eine Pest“

    Einer der führenden deutschen Manager der Nachkriegszeit, Hans Graf von der Goltz, 79, hat scharf mit den jüngsten Entwicklungen des Wirtschaftssystems abgerechnet: „Dieser Neoliberalismus ist eine Pest ... Die neue Religion heißt: Geld, Geld, Geld – wachsen bis zum Platzen“, klagt er in der ZEIT. Es bestehe keine Bindung mehr zum Unternehmen, wenn von oben die Loyalität aufgekündigt werde. „Wenn ein Betrieb früher in Schwierigkeiten geriet, kam als Erster der Eigentümer dafür auf und als Letzter der Arbeitnehmer. Heute ist es umgekehrt“, sagt er. Von der Goltz hat fünfzig Jahre die Wirtschaft der Bundesrepublik als Vorstandsvorsitzender des Pharmaziekonzerns Altana, für BMW und als Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank mitgeprägt. Seinen größten Einfluss erreichte er als Generalbevollmächtigter und Testamentsvollstrecker des Großindustriellen und BMW-Hauptaktionärs Herbert Quandt. Für den Ex-Manager hat sich die Mentalität der Wirtschaftsverantwortlichen vollkommen verändert. Er ist stolz darauf, dass es bei BMW und Altana nie Massenentlassungen gegeben hat. Auch wenn er als Vorstandsvorsitzender von Altana manchem Vorstandsmitglied kündigen musste. „Ich habe das immer persönlich gemacht, es nicht delegiert, um den Betreffenden nicht die Würde zu nehmen.“ Zur Ankündigung von Mercedes, 8 000 Stellen zu streichen, sagt von der Goltz: „Das ist der Fluch der bösen Tat ... Schrempps Gigantomanie, aus Mercedes die Welt-AG zu machen, ist fürchterlich gescheitert.“ Wenn man einmal den Pfad der Tugend verlassen habe, sei es schwer, ihn wieder zu betreten.
    Na, frasier ...

    DeeTee

    PS: Ich prophezeie eine Antwort in dem Stil: 'Die Zeiten haben sich geändert'. Womit wir wieder beim goldenen Sachzwang sind, mit dem man alles rechtfertigen kann. Siehe INSM!

  4. #53
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    Es ist mir ein Rätsel, wieso dieser neoliberale Kurs in der Bevölkerung doch so viele Anhänger hat und man meint, die uralte Weisheit "Wenns der Wirtschaft gut geht, gehts mir auch gut", würde in Zeiten der Raubtier-Globalisierung auch nur noch einen Cent wert sein. Heute kann man diese alte Weisheit geradezu umdrehen: Nur wenns mir gut geht, gehts auch der Wirtschaft gut. Sonst kaufe ich nämlich nichts und die kostensenkendste Verlagerung nach China oder Polen bringt keine höhere Marge, wenn mangels kaufkräftiger Absatzmärkte keiner die Produkte kaufen kann.
    Des Rätsels Lösung heisst Wettbewerbsfähigkeit. Nur wenn Firmen international mithalten können gibt es auch viele und sichere Arbeitsplätze.
    Erkläre mir das bitte mal am Beispiel von WalMart in England. Es will mir nicht ganz einleuchten, dass ein WalMart, der seine Eigentümer ja nicht zu den reichsten Menschen der Erde gemacht hat weil er so unprofitabel ist, in einem der teuersten Länder Europas (was Lebenshaltung angeht) die Mitarbeiter wie Leibeigene behandeln muss um wettbewerbsfähig zu sein. Wird der WalMart London nach Peking verlagert wenn er nach ohnehin nicht gerade üppigem Tarif bezahlt? Wohl kaum.... und warum wird von den neoliberalen Wirtschaftsorakeln immer so getan, als könne nur wettbewerbsfähig sein, wer seiner Belegschaft die Kaufkraft nimmt? Woanders nennt man das Sägen am eigenen Ast. Wo soll denn der kaufkräftige Absatzmarkt noch her kommen, wegen dem sich die Verlagerung nach Fernost und das Einstreichen der dann fetteren Marge lohnt, wenn in eben diesen ursprünglichen Absatzmärkten alle untertariflich bezahlte Mitarbeiter oder Arbeitslose sind die sich nichts leisten können? Erklär mir das bitte, wenn Du von der Richtigkeit dieser Vorgehensweise überzeugt bist.
    Zu deiner Information, Unternehmen werden gegründet, um Gewinn zu machen
    (menschenverachtend oder?). Der Chef geht also auf den Arbeitsmarkt und sucht sich die benötigten Leute.

    Nun gibt es Tätigkeiten, die keine besondere Qualifikation verlangen, wie Leute an der Kasse. Diese Leute sind nunmal billig zu haben, weil die Arbeit jeder machen kann, also auch jeder Arbeitlose. Demzufolge ist der Chef in der besseren Position, da er eine große Auswahl an Arbeitskräften hat.

    Und da er Gewinn machen will und die Konkurrenz es auch so macht nimmt er die billigsten Leute. Er kann diesen Leuten nicht das dreifache zahlen, damit die sich möglichst viel kaufen können. Erstens weil er dann pleite geht und zweitens was hat er davon, wenn die Leute ein Auto oder sonstwas kaufen oder sogar sparen. Das Geld kommt höchstens zum geringen Teil zu ihm zurück.

    Du verlangst von einem Betrieb volkswirtschaftliches Denken. Aber das geht nicht, er kann nur an seinen Betrieb denken, dass dieser im Wettbewerb nicht untergeht.

    Angenommen, du könntest entscheiden, dass deine Firma ab sofort doppelte Gehälter für alle zahlen würde. Wäre das jetzt gut für dich, die Firma und die Volkswirtschaft?

    Der Kern der Marktwirtschaft ist der Wettbewerb.
    Richtig, aber der Wettbewerb nach oben! Krank ist der Wettbewerb, wenn er nach unten zielt und das tut er wenns um die momentane Drangsalierung von Arbeitnehmern in entwickelten Ländern geht. Und es geht ja nicht nur darum. Wir verschrotten hierzulande Millardenwerte, ganze Produktionsstandorte, die in 150 Jahren gewachsen und floriert sind verschwinden mit ihren tausenden Mitarbeitern, weil irgendwelche osteuropäischen Länder mit 10 Jahre Steuerfreiheit locken, die aus deutschen Steuermitteln über den Umweg "EU" finanziert werden. Ist das der Wettbewerb den Du meinst?
    [/quote]Es gibt nur einen Wettbewerb, und der läuft auf internationaler Ebene ab.

    Zum normalen Wettbewerb auf gleicher Höhe in "normalen" Zeiten kommt zur Zeit der Wettbewerb unten gegen oben.

    Das ist nicht krank sondern die langfristige Angleichung zwischen uns und den Entwicklungsländern. Die Leute dort haben auch einen besseren Lebensstandard als bisher verdient.

    Der Anpassungsprozess wird mit Verlusten bei uns verbunden sein, das heisst aber nicht, dass es für uns auf null geht.

    Wir können schon unser Lohnniveau behalten, wenn es die Produkitivität zulässt.

    Jedes Unternehmen, das höhere Löhne zahlt als es seine Produktivität im internationalen Vergleich erlaubt wird den Wettbewerb verlieren.

  5. #54
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    frasier postete
    Du verlangst von einem Betrieb volkswirtschaftliches Denken. Aber das geht nicht, er kann nur an seinen Betrieb denken, dass dieser im Wettbewerb nicht untergeht.
    Es geht nicht nur um volkswirtschaftliches Denken. Es geht auch um ein Mindestmaß an Anstand den Mitarbeitern gegenüber.

    frasier postete
    Angenommen, du könntest entscheiden, dass deine Firma ab sofort doppelte Gehälter für alle zahlen würde. Wäre das jetzt gut für dich, die Firma und die Volkswirtschaft?
    Es geht hier nicht um Lohnverdoppelungen, sondern um Lohnkürzungen, außerdem um die Erhöhung von Arbeitsnormen.

    frasier postete
    Es gibt nur einen Wettbewerb, und der läuft auf internationaler Ebene ab.
    Wir reden hier vom Einzelhandel, nicht von der Produktion. Das hat schon FGTH nicht begreifen wollen. Die Lidl- oder WalMart-Kasse kannst Du nun mal nicht nach China verlagern.

  6. #55
    Benutzerbild von PostMortem

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    frasier postete
    Zu deiner Information, Unternehmen werden gegründet, um Gewinn zu machen (menschenverachtend oder?). Der Chef geht also auf den Arbeitsmarkt und sucht sich die benötigten Leute.
    Vielleicht kommst Du mal von Deinem hohen Ross runter und nimmst Deinerseits die Information zur Kenntnis, dass ich über eine betriebswirtschaftliche Ausbildung verfüge und einige Jahre in der Konzernzentrale eines international tätigen Marktführers im Controllig tätig war. Es gibt in diesem Punkt keinen Anlass mir Nachhilfestunden zu erteilen oder ins polemische abzugleiten. Ich habe in dieser Zeit genug Verlagerungen erlebt und Profitabilität von Werken mit ermittelt. Des weiteren musst Du Dir in diesem Punkt vorhalten lassen, dass Du zu Unrecht aus einer Gewinnerzielungsabsicht die Notwendigkeit ableitest Mitarbeiter eines Unternehmens schlecht zu behandeln und schlecht zu bezahlen.

    Nun gibt es Tätigkeiten, die keine besondere Qualifikation verlangen, wie Leute an der Kasse. Diese Leute sind nunmal billig zu haben, weil die Arbeit jeder machen kann
    Und da er Gewinn machen will und die Konkurrenz es auch so macht nimmt er die billigsten Leute.
    Richtig! Die Löhne für diese Tätigkeiten werden nicht unters Existenzminimum gedrückt weil man es muss, sondern weil man es kann! Schön, dass wir uns in diesem Punkt dann immerhin einig sind. ich frage mich allerdings, wie Du darauf kommst, dass die pure Schilderung von Missständen diese auch gleichzeitig rechtfertigen sollte?

    Solange niemand diese Spirale nach unten anheizen würde, wäre auch niemand in Zugzwang. Wenn Aktionäre/Eigentümer im Handel sich mit den gewohnten 5% Umsatzrendite bescheiden würden und man nicht plötzlich meinen würde was besseres sein zu müssen (man schielt auf die Umsatzrenditen von Banken und Telcos (20-50%)) wäre es nicht nötig mit zweifelhaften und menschenunwürdigen Methoden und Rückschritte ins 19. Jahrhundert Gewinne künstlich zu erhöhen. Kistenschieben (hochtrabend "Logistik" genannt) ist eben keine besondere Qualifikation, da gibts eben nicht mehr Umsatzrendite, basta...

    Könnte man jedenfalls analog zu den mit gleicher Argumentation ohnehin schon niedrig bezahlten Einzelhandelskräften sagen. Aber es muss ja eine Umsatzrendite her, die der Branche eigentlich aufgrund ihrer Schaffenshöhe gar nicht zusteht. Man will nicht akzeptieren, dass mit einer SAP mehr zu verdienen ist als mit einer Metro. Das soll dann auf dem Rücken der Mitarbeiter korrigiert werden, die das Pech haben eben nur die Qualifikation mitzubringen, die ihre Branche seit jeher verlangt hat.

    Das kann nicht gutgehen, denn diese Branchen bilden das Rückgrat der Beschäftigung der breiten Bevölkerung. Wenn die breite Masse aber über den täglichen Bedarf hinaus nichts mehr konsumieren kann, weil man ihr die Löhne drückt, dann nutzt auch alle Wettbewerbsfähigkeit nichts mehr. Denn ohne Markt für ein Produkt, nutzen auch die tollste Produktivität und die tollsten Produktionskosten nichts. Leider blendest Du diesen Aspekt, ist ja auch lediglich die Nachfrageseite was solls, des Marktes und der Marktwirtschaft beständig aus (damit befindest Du Dich aber in "guter" Gesellschaft einiger sog. Experten).

    Es wird Dir auf Dauer nur nichts nutzen, so wie es den selbsternannten neoliberalen Wirtschaftsgurus auf Dauer nichts nutzen wird, wenn sie beständig daran vorbei plappern, dass das Problem der deutschen Wirtschaft und des deutschen Arbeitsmarktes die schlappe Binnenkonjunktur ist. Und die bringt man nicht auf Trab, wenn man bei rein nationalen Branchen wirres China-Zeugs sabbelt und ihren Mitarbeitern die Kaufkraft nach 10 Jahren allgemeiner Reallohnsenkung weiter reinschränkt. Und wo selbst diese seit 10 Jahren sinkenden Reallöhne keine Arbeitsplätze geschafft haben, lautet Deine Medizin noch mehr Lohnsenkung?

    Er kann diesen Leuten nicht das dreifache zahlen, damit die sich möglichst viel kaufen können. Erstens weil er dann pleite geht und zweitens was hat er davon, wenn die Leute ein Auto oder sonstwas kaufen oder sogar sparen. Das Geld kommt höchstens zum geringen Teil zu ihm zurück.
    Das Autos keine Autos kaufen gilt auch für überquellende Regale mit Wohlstandsprodukten. So isoliert ("wenn einer im Einzelhandel halbwegs verdient kauft er ja von dem Geld doch nur n' Auto und der Einzelhändler geht Pleite") kann man doch eine Volkswirtschaft nicht beschreiben. Und was sollen diese permanenten Übertreibungen? Nennen wir das Kind doch mal beim Namen: Eine ungelernte Kassiererin, also der Prototyp einer ungelernten Kraft am unteren Ende der Gehaltsabstufungen, verdient in Deutschland je nach Bundesland und Region zwischen 700 und 1000 Euro brutto(!) im Monat. Keiner hat gesagt, dass man diesen Job mit 2100 bis 3300 Euro brutto entlohnen müsste. Aber wie billig brauchst Du es denn, damit die WalMart und Lidl Eigner nicht mehr in Angst vor der drohenden Insolvenz leben müssen?

    Du verlangst von einem Betrieb volkswirtschaftliches Denken. Aber das geht nicht, er kann nur an seinen Betrieb denken, dass dieser im Wettbewerb nicht untergeht.
    Das ist ja nun völlig daneben!!!!!! ICH unterstelle eben gerade (fast) jedem Betrieb, dass er eben nur an sich und seinen maximalen Profit denkt, deshalb die Volkswirtschaft den Bach runter gehen würde und wir DESHALB Gewerkschaften brauchen, die die Arbeitnehmerseite (und damit nichts anderes als die Nachfrageseite unter den Marktteilnehmern) anständig vertreten. Darum gehts hier doch die ganze Zeit?!

    Im übrigen sind die Gewerkschaften dann ja eine ganz besonders schlaue Erfindung, die Dir total entgegen kommt: Die vereinbaren nämlich schon seit Jahrzehnten Tarifverträge und damit Tarifgruppen die sich nach Qualifikation steigern. Das ist es doch was Du willst? Ungelernte Kassiererin ist Tarifgruppe 1, Marktleiter ist Tarifgruppe 6 und alles andere zwischen Wareneingang und unterm Marktleiter ist irgendwo zwischen 2 und 5. Das ist Bezahlung nach Qualifikation. Das haben wir schon!

    Angenommen, du könntest entscheiden, dass deine Firma ab sofort doppelte Gehälter für alle zahlen würde. Wäre das jetzt gut für dich, die Firma und die Volkswirtschaft?
    Netter Versuch! Dumm nur, dass Du es die ganze Zeit so hinstellst, als könnten alle nur überleben, wenn alle die Löhne halbieren. Wenn Du mir erklären kannst wo unterm Strich eigentlich der Unterschied ist wenn alle halbe oder doppelte Löhne verdienen, dann könnte ich Dir obige Frage beantworten. Das verbietet sich allerdings von selbst, weil es nunmal so aussehen würde: Bei halbierten Löhnen streichen sich die Unternehmen einen satten Gewinnaufschlag ein und geben die Kostensenkung kaum an die Kunden weiter. Bei doppelten Löhnen werden die Mehrkosten am Ende voll an den Kunden weiter gegeben. Und damit haben wir erklärt warum die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Und damit haben wir auch erklärt, dass Fragen wie die obige einfach nur eine Finte sind, weil es niemandem darum geht Löhne zu verdoppeln sondern lediglich darum geht, dass Lohndumping jeder Volkswirtschaft schadet und damit logischerweise am Ende auch jedem einzelnen Unternehmen. Willst Du diese zwangsläufige Folge des Wegfalls von Nachfrage durch Kaufkraftverlust etwa auch noch bestreiten oder gar behaupten, dass einzelne Betriebe gegen volkswirtschaftliche Effekte immun sind und es deshalb richtig ist sich nicht drum zu scheren?

    Das ist nicht krank sondern die langfristige Angleichung zwischen uns und den Entwicklungsländern. Die Leute dort haben auch einen besseren Lebensstandard als bisher verdient.
    Du willst also die aktuelle krankhafte Entwicklung mit einer historisch bedingten krankhaften Entwicklung (die im übrigen von den Urgroßvätern und Großvätern heutiger Raffzähne verursacht und jahrzehntelang zementiert wurde) rechtfertigen und so fast noch als humanitäre Geste hinstellen? Sehr originell! Deine Sorte Wirtschaft5experten muss sich halt nur mal entscheiden: Entweder ist es unser Schicksal uns nach unten zu entwickeln und dann kann man dagegen ja auch gar nichts machen oder CDU + FDP hätten aus FDP mit MwSt.-Erhöhung und Kirchhoff ein Schlaraffenland gemacht. Ich orientiere mich letztendlich dran, dass wir europäische Nachbarn haben, die immer noch sozialstaatlich organisiert sind UND nicht dran denken den Schwellenländern nach unten entgegen zu kommen, um sich in der Mitte zu treffen.

    Der Anpassungsprozess wird mit Verlusten bei uns verbunden sein, das heisst aber nicht, dass es für uns auf null geht.
    Dann fang doch schonmal an und geh mit gutem Beispiel voran! Worauf verzichtest Du denn als erstes? Warum gehst Du nicht zu Deinem Chef und bittest ihn pro-aktiv um einen Gehaltsgespräch bezgl. der Korrektur Deines Gehaltes nach unten? Wie qualifiziert bist Du denn so? Ich meine heute, wo Diplom-Ingenieure schon einfachste Schreibtischjobs annehmen, ist das auch nicht mehr so dolle. Ein diplomierter Pförtner bekommt schließlich auch nicht mehr Geld. Also, dann zeig mal wie Verlustbereit Du so bist.


    Wir können schon unser Lohnniveau behalten, wenn es die Produkitivität zulässt.
    Du widersprichst Dir! Entweder behalten wir unser Lohnniveau weil wir produktiv sind oder es geht nur drum den billigsten für jeden Job zu finden ("weil die anderen es auch machen") und setzt die passende Produktivität einfach als selbstverständlich voraus.

    Jedes Unternehmen, das höhere Löhne zahlt als es seine Produktivität im internationalen Vergleich erlaubt wird den Wettbewerb verlieren.
    Kann ja sein, passt jetzt halt nur überhaupt nicht zu einem jeweils regional agierenden Einzelhändler. Die Kunden kaufen nicht plötzlich in Peking ein. Dieser Wettbewerb wird also national bleiben (was man allein am Beispiel Deutschland sehr schön sehen kann: Hier spielt WalMart kaum eine Rolle, weil wir den härtesten Wettbewerb haben und uns die Preise von WalMart nichtmal sonderlich beeindrucken können). Aber dennoch nochmal: Alle Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit nutzt nichts, wenn sie rein auf Kosten der Kaufkraft geht und somit die Nachfrageseite killt, die nunmal für eine funktionierende Marktwirtschaft notwendig ist. Es ist eben dumm, dass jeder Mitarbeiter eines Unternehmens nicht nur Sparfaktor sondern auch Nachfrager und damit Wachstumsmotor jedes Marktteilnehmers sein kann, aber eben ein Glück noch nicht zu ändern.

    Ich werde übrigens deutlich über Tarif bezahlt und arbeite für ein Unternehmen, dass das profitabelste Unternehmen seiner Branche ist. Wenn man sich Deine Wirtschaftslehren so durchliest, arbeite ich ja bei einem Perpetum Mobile und meine Chefs sind durch pure Inkompetenz so erfolgreich und das obwohl ich nicht mein ganzes Gehalt bei ihnen ausgebe

    PM

  7. #56
    Benutzerbild von frasier

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    PostMortem postete
    frasier postete
    Zu deiner Information, Unternehmen werden gegründet, um Gewinn zu machen (menschenverachtend oder?). Der Chef geht also auf den Arbeitsmarkt und sucht sich die benötigten Leute.
    Vielleicht kommst Du mal von Deinem hohen Ross runter und nimmst Deinerseits die Information zur Kenntnis, dass ich über eine betriebswirtschaftliche Ausbildung verfüge und einige Jahre in der Konzernzentrale eines international tätigen Marktführers im Controllig tätig war. Es gibt in diesem Punkt keinen Anlass mir Nachhilfestunden zu erteilen oder ins polemische abzugleiten. Ich habe in dieser Zeit genug Verlagerungen erlebt und Profitabilität von Werken mit ermittelt. Des weiteren musst Du Dir in diesem Punkt vorhalten lassen, dass Du zu Unrecht aus einer Gewinnerzielungsabsicht die Notwendigkeit ableitest Mitarbeiter eines Unternehmens schlecht zu behandeln und schlecht zu bezahlen.
    Bist du überhaupt in der Lage zwischen in einer Beschreibung und einer Rechtfertigung zu unterscheiden? Wohl kaum.

    Ansonsten ersetzt auch die beste Ausbildung nicht das logische Denken.

    Aber mach dir nichts draus, selbst einzelne angesehene Volkswirte glauben noch an den Schwachsinn, man müsse einfach die Löhne anheben und alles weitere läuft dann schon.

    Millionen Gewerkschafter könne ja nicht irren, gell?

  8. #57
    Benutzerbild von falkenberg

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    Was soll denn solche Polemik? Es geht hier nicht um Lohnanhebungen, die Forderungen sind doch schon bescheiden. Wenn die Leute keinen Lohnverzicht hinnehmen müssen, sind sie doch schon froh.

    Und warum gehst Du kein bisschen darauf ein, was man Dir antwortet? Das kann ich jetzt nur als Eingeständnis der Unsinnigkeit Deiner Argumentation werten. Aber zieh nur weiter über die ach so blöden Gewerkschaften her.

  9. #58
    Benutzerbild von PostMortem

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    falkenberg postete
    Und warum gehst Du kein bisschen darauf ein, was man Dir antwortet? Das kann ich jetzt nur als Eingeständnis der Unsinnigkeit Deiner Argumentation werten. Aber zieh nur weiter über die ach so blöden Gewerkschaften her.
    Ich habe nun auch schon einige Zeit das Gefühl mit einem neoliberalen Antwortgenerator zu interagieren und da ist es dann wohl nicht möglich eine richtige Diskussion zu führen. Da es offenbar nicht zu erreichen ist auf sachlich begründete, kritische Fragen eine Antwort zu bekommen, hat das aber irgendwie keinen Nährwert... Scheinen nicht sehr belastbar zu sein die neoliberalen Ideologien und sich nur mehr schlecht als Recht mit auswendig gelernten Hans-Olaf-Henkel-Phrasen und dem Absprechen des Intellekts des Gegenübers verteidigen zu lassen.

    PM

  10. #59
    Benutzerbild von frasier

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    Na gut, es bringt wirklich nichts, darüber weiter zu diskutieren.

    Ich hatte in Post 49 einen grundsätzlichen Zusmmenhang erklärt, der genauso einfach wie logisch ist.

    Darauf hin sollte der Gegenbeweis am Beispiel von Wal-Mart geführt werden.

    Schon der Versuch, einen grundsätzlichen Zusammenhang anhand eines kleinen Ausschnitts aus der Wirtschaft widerlegen zu wollen führt in die Irre.

    Der Gegenbeweis kann nur auf der selben, also abstrakten Ebene geführt werden.

    Abgesehen davon hab ich nie die Zustände im Einzelhandel befürwortet, was die Arbeitsbedingungen betrifft und das Verbot eines Betriebsrates. Aber dafür gibt es Gesetze, zumindest hierzulande und das ist gut so.

    Was die Gewerkschaften befrifft, ich hab die schon immer abgeleht, schon zu Zeiten, als ich noch eher SPD-Befürworter, absoluter Unionsgegner war und mit der FDP garnichts anfangen konnte.

    Solche kartellartigen Organisationen wie die Gewerkschaften als auch die Arbeitgeberverbände passen nicht in die Marktwirtschaft. Jemand, der gerade den Zusammenbruch des Sozialismus erlebt hat und dann das gewerkschaftliche Treiben im Westen sieht, der sieht da Ähnlichkeiten in den Strukturen als auch den Argumentationen der Funktionäre.

    Es ist ein innerer Widerspruch, der sich noch eine Weile halten wird, schon wegen der starken Lobby in der Politik, aber auf Dauer klärt sich das.

    Die Interessen von Arbeitnehmern lassen sich besser auf betrieblicher Ebene vertreten, auch wenn es mal schwarze Schafe wie Lidl gibt.

  11. #60
    Mumie
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    Lidl-gegen Belegschaft.
    Neue Runde!
    Nachdem jetzt Lidl die Belegschaft(unter anderen eine Verkäuferin die dann 60 km fahren müsste um 1Stunde am Tag zu arbeiten) versetzen wollte(wahrscheinlich um die Gemeinschaft zu zersprengen und Sie dann einzeln fertig zu machen),hat das Arbeitsgericht entschieden das nicht zu zulassen(die Filliale muss wieder geöffnet werden,mit der alten Belegschaft oder Lidl muss täglich weiter zahlen).!

    Ich weis zwar nicht wer den längeren Arm hat(sollte normalerweise das Gericht sein),aber ich bin gespannt(und froh daß es doch noch nicht so weit ist das man alles,als AG machen kann).
    Mir braucht keiner mehr sagen das wir keine Gewerkschaften mehr brauchen,weil sie überholt sind(so ein Freund vor einen Jahr)!Ich denke in Zukunft um so mehr!!

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