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Dumm in Deutschland

Erstellt von bubu, 26.09.2005, 21:44 Uhr · 107 Antworten · 8.792 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von Torsten

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    Von einer "Arena Di Verona" höre ich heute auch zum ersten Mal. War in meinem Leben erst einmal in Italien, dessen Sehenswürdigkeiten sind mir daher nicht so geläufig. Und freiwillig kriegt mich sowieso keiner mehr in eine Oper, bei meinem einzigen Besuch einer solch kreischigen Veranstaltung bin ich nach dem ersten oder zweiten Akt entnervt im Foyer hocken geblieben.

    Die einzigen mir bekannten Theater-/Opernstätten Italiens sind die Mailänder Scala und das Teatro La Fenice in Venedig. Letzteres aber auch nur, weil von dessen Schicksal in den letzten Jahren häufiger berichtet wurde (1996 Zerstörung durch ein Feuer, vor zwei Jahren Wiedereröffnung).

    Feenwelts Fragen zum Thema Allgemeinbildung sind berechtigt. Bisweilen kommt mir auch der Gedanke, dass Bildung abseits praktischer Anwendung in erster Linie ein Statusssymbol ist, mit dem sich bei passender Gelegenheit trefflich prahlen lässt.

    Übrigens: Zählt ihr euch zu den Leuten, die sich in wenigen Themengebieten umso besser auskennen oder zu denen, die überall mal ihre Nase reinhalten, ohne irgendwas davon besonders gut zu beherrschen?

    Ich bekenne mich wie Harald Schmidt zu einem etwas breiter gestreuten Halbwissen.

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von J.B.

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    Ich weiß von allem etwas, aber von wenig bis nichts wirklich viel!

    Ich denke, dass es da am Treffendsten ausdrückt.

    Gruß

    J.B.

  4. #23
    Benutzerbild von bubu

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    Zu Bohlen:
    Mag sein, dass er gebildeter ist, als er vorgibt zu sein. Er verhält sich allerdings nicht so und es ändert auch nichts daran, dass er medial eine miese Vorbildfunktion transportiert.

    Ich gestehe: Die "Arena di Verona" war mir bislang auch noch nicht untergekommen.

    Bevor ich auf Feenwelts Fragen eingehe vorneweg die Definition von Allgemeinwissen nach Wikipedia:
    Als Allgemeinwissen oder -bildung bezeichnet man jenes Wissen, das ein Mensch zur Orientierung in seiner Lebenswelt als grundlegende Bildung haben sollte.

    Was als Allgemeinwissen definiert wird, hängt stark ab von Land/Kultur, Zeit, sozialem Umfeld oder individuellem Wissen. In unserer Kultur bezieht sich das Allgemeinwissen auf Sprache, Literatur, musische Talente (Musik, Kunst), Sozialkunde, Geographie, Geschichte, Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie) und Mathematik. Nach Klafki umfasst die Allgemeinbildung nicht nur Wissen, sondern auch pragmatische Handlungsfähigkeit, ethische Beurteilungsfähigkeit, soziale Handlungsfähigkeit und ästhetische Orientierung.

    Dietrich Schwanitz formuliert in Bildung (1999, S. 394): Bildung ist die Fähigkeit, bei der Konversation mit kultivierten Leuten mitzuhalten, ohne unangenehm aufzufallen. Bildung orientiert sich an dem Ideal der allgemeinen Persönlichkeitsbildung im Gegensatz zur praktischen Berufsbildung der Spezialisten. Dieses Verständnis ist auf einen engen kognitiven Bildungsbegriff reduziert und enthält keine systematischen inhaltlichen Kriterien.
    Tatsächlich hatte ich unterbewusst beim Starten dieses Threads Abiturienten (bzw. auch Studenten) im Sinn. Was ich als Wissensstandard eines Abiturienten voraussetze, sehe ich heute bei vielen tatsächlich nicht mehr erfüllt. Zudem hatte ich Beispiele aus meinem beruflichen Lebensumfeld Journalist angeführt, für das alleine schon zur o.g. pragmatischen Handlungsfähigkeit gewisses Wissen erforderlich ist. Viel erschütternder als die Wissenslücken an sich (Lücken kann man immer aus eigener Kraft schließen) finde ich allerdings den immer seltener anzutreffenden Wissensdurst bei jungen Erwachsenen.

    Wenn das aber frei und individuell definierbar ist, was zu einer guten Allgemeinbildung gehört, wo sind dann die Schnittmengen?
    Ich finde diese Definition sehr treffend:
    Nach Klafki umfasst die Allgemeinbildung nicht nur Wissen, sondern auch pragmatische Handlungsfähigkeit, ethische Beurteilungsfähigkeit, soziale Handlungsfähigkeit und ästhetische Orientierung.
    Was ist ein Minimum-Set an Allgemeinbildung?
    Und wer definiert das?
    Bis zu deinem Schulabschluss die Lehrpläne. Danach dein Lebensumfeld und du selbst.

    Reicht die Schulbildung einer Hauptschule als Allgemeinbildung aus?
    Sie sollte zumindest das Rüstzeug bieten, dass du für dein noch zu wählendes berufliches und privates Lebensumfeld einen guten Start hast.

    Reicht es aus, sich immer weiter bilden zu wollen und interessiert bei "fachfremden" Gesprächen zu zu hören?
    Sollte Allgemeinbildung sich lediglich auf Wissen beziehen, das man im Alltag praktisch anwenden kann?
    Ist Allgemeinbildung nicht vielleicht nur das, was man im Bekanntenkreis in Gesprächen anwenden kann?
    Wenn man das mal weiterdenkt, kommt man irgendwann an die Grundfrage nach dem Sinn seines Daseins. Das musst du für dich selbst beantworten. Je nachdem, wie hoch deine Ansprüche an dich selbst und dein Leben sind. Genügt es dir, wenn du dein monatliches Auskommen zum Leben hast, einmal im Jahr in Urlaub fahren kannst? Immer genug zu essen hast? Ist dir die Entwicklung der Welt um dich herum egal? Willst du nicht wissen, woher du kommst, was vor dir war, warum du bist, warum die Welt so ist, wie sie ist und warum sie früher anders war? Dann brauchst du sicherlich kaum Allgemeinwissen. Doch vielleicht kannst du all diese Fragen mit Ja beantworten. Und wenn nicht für dich, dann hast du vielleicht Kinder, denen du etwas persönliches mitgeben willst, deine Meinungen, deine Ansichten, deine Gedanken.


    Und wenn der Bekanntenkreis aus schwer arbeitenden Menschen mit wenig Schulbildung besteht, die gar keine Zeit haben, sich "um so einen Kram" zu kümmern, weil Job und Familie sämtliche freie Zeit auffressen?

    Ist es nicht schon arrogant, wenn man etwas als Allgemeinbildung definiert, weil man selbst ja vielleicht irgendwann die Zeit hatte, über seinen eigenen Tellerrand zu sehen?
    Das ist eine interessante Frage. Was uns vielleicht in den Sichtweisen unterscheidet: Ich sehe die Aneignung von Allgemeinbildung im Sinne obiger Definition weniger als Luxus denn als Pflicht. Und das in vielerlei Hinsicht. Wir leben in einer industrialisierten Wissensgesellschaft, die hohe Anforderungen stellt. Wenn du da bestehen willst, musst du das Basus-Rüstzeug dafür haben. Das ist Wissen. In einer Jäger- und Sammler-Gesellschaft wäre dieses Basis-Rüstzeug das Wissen, wie man Mammuts jagt oder Beeren sammelt. Verweigerst du dich diesem Wissen, musst du auch die Konsequenzen tragen (wenn diese auch in unserer heutigen Zeit wohl weniger dramatisch wären als damals ).

    Wir leben in einer Demokratie. Du hast viele Freiheiten. Diese sind nicht vom Himmel gefallen, sondern wurden hart erkämpft. Wir sollten sie bewahren. Das bedeutet Verantwortung und ist auch eine Pflicht. Dazu musst du dir in einer Demokratie eine Meinung bilden. Und um das zu können, musst du einfach mitbekommen, was um dich herum passiert. Um dieses Zeitgeschehen wiederum einordnen und ethisch bewerten zu können, musst du die Hintergründe und die historischen Entwicklungen kennen. Dazu benötigst du Wissen.
    Wenn dir jemand ein Auto schenkt, kannst du auch nicht einfach losfahren, sondern musst erst einmal wissen, wie's geht. Und du musst die Regeln kennen. Du musst dir also das Wissen aneignen, um das Auto fahren zu können und fahren zu dürfen.

    Ein weiterer Aspekt: je weniger du weißt, desto hilfloser bist du. Das meint die pragmatische Handlungsfähigkeit. Wenn du einen breiten Background hast, stehen dir viel mehr Möglichkeiten offen. Du bist fähiger für dich selbst zu sorgen, anstatt, dass andere für dich sorgen müssen. Das sehe ich auch als Pflicht. Nimm mal den Fall der heutzutage allgegenwärtigen Bedrohung durch Arbeitslosigkeit. Mit einem breiten Wissen steigerst du einfach deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dir stehen mehr Lebensumfelder offen. Du kannst mehr Ideen entwickeln.

    Zur (fehlenden) Zeit: wir hatten dieses Thema schon einmal im Thread "Die neue Zeitlichkeit". Es ist für mich eine Pflicht, dir diese Zeit zu nehmen.

    Allgemeinwissen hört auf und Bildungsluxus beginnt für mich da, wo du dir zum Beispiel deine Hobbys ausbaust, dir rein aus Spaß Wissen aneignest, das nicht zu den o.g. Fähigkeiten nötig wäre. Das soll aber nicht heißen, dass die Aneignung von Allgemeinwissen nicht auch Spaß machen kann und sollte.

  5. #24
    Benutzerbild von Babooshka

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    Keiner von euch kennt die Arena di Verona, ich bin erschüttert! Andererseits gehe ich mal davon aus, wärt ihr anstelle des Blind Date meiner Freundin gewesen, hättet ihr eure Wissenslücke sicher geschickter überspielt, anstatt mit so einer doofen Frage ein Fettnäpfchen zu riskieren

    Über die Tatsache, wo Allgemeinbildung anfängt und wo sie aufhört usw. lässt sich streiten; fest steht, dass hier aber bereits ganz schöne Hämmer von Bildungslücken genannt wurden, allen voran die Sache mit New Orleans und dem Maple Leaf auf dem Pulli. Und da verstehe ich Bubus Aussage schon: Von den Leuten, bei denen sich diese Bildungslücken manifestierten, erwartet man das ganz einfach nicht, von denen setzt man aufgrund der (Aus-)Bildung, die sie in ihre Position gebracht haben, voraus, dass sie solche Dinge wissen.

    Ich habe auch festgestellt, dass sich die Allgemeinbildung mit den Jahren verbessert, sofern man mit offenen Augen durchs Leben geht und für Wissen und Informationen empfänglich ist. Mein befreundeter Lehrer hat mir früher im Alter von so 16 bis 20 manchmal Nachhilfe in Geschichte, Sozialkunde und Politischer Weltkunde gegeben, um mich durch diverse Tests und Klasusuren zu bringen. Und er war über meine Nullahnung so dermaßen sauer, dass er mich regelmäßig unangespitzt in den Boden rammte, verbal natürlich. Mit 18 wurde ich mal vom französischen Radiosender France Inter interviewt. In schönstem Französisch sprach ich über Berlin, Jugendkulturen, Aufrüstung und sowas, schließlich hatten wir gerade 1983. Dann stellte der Typ auch ein paar dämliche Fragen, z. B. was wir Schüler über den Marxismus denken, ob wir unter uns darüber diskutieren. Nee, hab ich gesagt, für mich ist das kein Thema. Als ich dann gefragt wurde, ob ich wüsste, wer Daniel Cohn-Bendit sei, musste ich passen. Inzwischen weiß ich es und so manches andere aus o.g. Bereichen auch. Mein Lehrer würde sich aber auch heute noch über mein mangelndes Interesse und demnach mein unzureichendes Wissen in diesen Dingen ärgern.

  6. #25
    Benutzerbild von frasier

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    Torsten postete
    Und freiwillig kriegt mich sowieso keiner mehr in eine Oper, bei meinem einzigen Besuch einer solch kreischigen Veranstaltung bin ich nach dem ersten oder zweiten Akt entnervt im Foyer hocken geblieben.

    Stimmt, das muss man sich nicht antun.
    Ich bekenne mich wie Harald Schmidt zu einem etwas breiter gestreuten Halbwissen.
    Das ist wohl die bessere Methode. Da lässt sich neues Wissen besser einordnen als wenn man noch garnichts weis oder wenn man meint auf einem Gebiet schon alles zu wissen.

  7. #26
    Benutzerbild von Elek.-maxe

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    Babooshka postete
    Ich habe auch festgestellt, dass sich die Allgemeinbildung mit den Jahren verbessert, sofern man mit offenen Augen durchs Leben geht und für Wissen und Informationen empfänglich ist.
    Das habe ich auch schon festgestellt. Ich hielt mich eigentlich immer für gut allgemein-gebildet. Eine Freundin von mir war das früher eigentlich recht wenig, in Erdkunde war sie eine Katastrophe, in anderen und gerade in zur Allgemeinbildung gehörenden Dingen auch oft nicht sonderlich bewandert. Das hat sich in den letzten 15 Jahren sehr positiv verändert. (OK, in Rechtschreibung ist sie schlechter als früher, aber da fehlt wohl irgendwie die Übung).

    Generell finde ich es auch erschreckend, wie es mit der Rechtschreibung bergab geht. Obwohl ich nie das große As im Schulfach Deutsch war, bin ich heute oft der Kontrollator für Schriftverkehr bei mir im Büro, die anderen (z.T. jünger, meist etwas älter) geben mir häufig Dokumente zum nochmaligen Durchsehen. Dabei sind die noch recht erträglich. Post von "außen", die nicht durch ein professioneles Sekretariat gegangen sind strotzen gerne vor Fehlern. Ich habe auch schon Bewerbungen gelesen, bei denen ich nicht wußte, ob ich lachen, weinen oder kotzen soll - so schlimm waren die. Ich hab dann erstmal den Kopf geschuttelt und den Abfall in die Rundablage befördert.
    Auch an professionellster Stelle, in den Printmedien, geht es hier immer weiter bergab. Was die F7-Taste von Word nicht erkennt, erkennt wohl auch kein anderer - falls die überhaupt genutzt wird. OK, ich verschreibe mich unabsichtlich auch häufiger, aber hinter mir steht kein Apparat zur Veröffentlichung. Dinge wie die "Katastrophen-Apostrophen" bekommt man so oft vorgesetzt, daß einige meiner Bekannten meinen, hinter Genitiv gehört einer und bei jedem Plural-"s" auch.


    Ganz abgesehen davon möchte ich dieses Forum (wo ich ja erst seit 3 Monaten häufiger mitschreibe) einmal ausgesprochen loben, da hier -

    1. sich von allen Seiten (zumindest von allen Stammgästen) darum bemüht wird eine saubere Form zu wahren, mit kompletten Sätzen und angewandter Rechtschreibung.
    2. das geistige Niveau wirklich enorm hoch ist, vor allem wenn man bedenkt, daß es sich hier um ein Zusammentreffen um das eher lockere Thema "80er" und nicht um irgendetwas verkopftes geht.

  8. #27
    Benutzerbild von musicola

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    Zuallererst: Von einer "Arena di Verona" höre ich heute auch das erste Mal...

    Habe auch eine schöne Anekdote von meinem Arbeitsplatz:

    Mittagspause, ein Kollege erzählt am Tisch, dass er am Vorabend auf der Heimfahrt einen Bussard angefahren habe und ihm das schrecklich leid getan hat.

    Die mit am Tisch sitzende 19jährige Auszubildende sah ihn verständnislos an und fragte, was denn ein Bussard sei...





    Kinderfresser postete
    Im Übrigen halte ich es mit Wellington: "Ich wünschte es wäre Nacht oder die Preußen kämen..."
    Dieses angebliche Zitat ist übrigens einer von 500 populären Irrtümern:

    "Ich wollte es wäre Nacht oder die Preußen kämen..."

    So soll Wellington vor Waterloo gesprochen haben, aber diesen Ausspruch hat er nie getan. Als Wellington vor der Schlacht mit seinen Generälen zum letztenmal zusammensaß, sagte er nur: "Unser Plan ist ganz einfach; die Preußen oder die Nacht." Mit anderen Worten, Wellington setzte darauf, dass sich die Franzosen beim ständigen Anrennen gegen die Engländer erschöpfen würden; diese bräuchten dann nur zu warten, bis es entweder dunkel würde oder die Preußen kämen.
    Und so geschah es auch: Die Franzosen rannten an bis es dunkel wurde, dann kamen die Preußen.

    Literatur William Lewis Hertslet: Der Treppenwitz der Weltgeschichte, 11. Auflage, Berlin 1965



    Quelle: Lexikon der populären Irrtümer - 500 kapitale Missverständnisse, Vorurteile und Denkfehler von Abendrot bis Zeppelin

  9. #28
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Torsten postete
    Bisweilen kommt mir auch der Gedanke, dass Bildung abseits praktischer Anwendung in erster Linie ein Statusssymbol ist, mit dem sich bei passender Gelegenheit trefflich prahlen lässt.
    Bis vor 10, 20 Jahren war Bildung, v. a. im Bereich Kunst und Kultur, auf jeden Fall ein allseits hochgeachtetes Statussymbol, und entsprechende Wissensinhalte mußten auf die Schnelle reingepaukt werden, wenn man in höhere Gesellschaft aufstieg und nicht als "neureich" auffallen wollte! Heute gibt es da eher einen Elitenkonflikt zwischen altehrwürdigem Bildungsbürgertum (nach wie vor das Leitbild für die gar nicht so kleine Zahl der Germanistikstudenten, Literaturzirkelfrauen, ZEIT-Leserbriefschreiber, arte-Fans u. ä.) und den bekennend neureichen TV-Trash-Promis, wobei letztere natürlich beim Volk im Zweifel besser ankommen, aber auch bei nachrückenden, traditionsfernen Jahrgängen der ökonomischen Eliten als "Kult" ein Stück weit Vorbildfunktion bekommen.

    Ich glaube, gerade die frühere Statussymbol-Funktion "höherer Bildung" und die damit einhergegangene Umstände (Lernstress, überhaupt der Begriff "Lehrstoff", die fragwürdige Kanonisierung bestimmter Bildungsinhalte) haben in weiten Teilen der Bevölkerung zu dem Eindruck geführt, daß es bei Bildung nur um so´n "Getue" geht, ein Eindruck, der fließend in den Fehlschluß überging, daß es in den ganzen Büchern und draußen in der Welt im Grunde gar nicht wirklich was entdecken gibt. Neu ist daran nur, daß dieses Denken heute trotzig zur Schau gestellt wird.

  10. #29
    justmusic
    Benutzerbild von justmusic
    Ich finde, grundlegende Dinge im Leben gehören zur Allgemeinbildung!

    Also dass man weiß, wie ein Kastanienbaum aussieht, auch wenn man mit Botanik nicht viel am Hut hat! Oder Weidenkätzchen von Forsythia unterscheiden kann. Die Getreidesorten will ich mal gar nicht abverlangen!

    Oder dass man die 16 deutschen Bundesländer mit Hauptstädten kennt zum Beispiel!

    Also ein gewisses Maß an Grundbildung sollte jeder haben, ganz gleich, welche Schul- und Ausbildung man genossen hat und wo die persönlichen Hobbys und Interessen liegen!

  11. #30
    Benutzerbild von waschbaer

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    Über das Thema könnte ich mich stundenlang auslassen.

    Ich könnte wirklich Arbeiten, die ich noch vor zehn Jahren geschrieben hätte, heute nicht mehr auftischen, da sie wohl als zu schwer gelten würden.

    Dass viele Schüler und Studenten heute leider nicht mehr eine umfassende Allgemeinbildung bekommen ist leider Fakt. Woran das liegen mag, ist ja hier schon von vielen Vorrednern (besser gesagt: Schreibern) erörtert worden.

    Ich kann aber noch ein paar Kalauer einstreuen:

    Frage: Beschreibe neben dem Christentum noch zwei weitere Beispiele einer religiös motivierten Jahreszählung.

    Antwort: Das Judentum, denn sie rechnen ab der Flucht Mohammeds aus Jerusalem.

    Aua, das tat weh, aber gut das mag ja auch noch reinstes Spezialwissen sein.


    Nehmen wir etwas einfacheres: Ich hatte mal eine Praktikantin und die fragte mich doch glatt, ob in Australien auch Englisch gesprochen wird. Nein, sie fragte nicht nach irgendeinem Dialekt oder einer sonstigen Aussprachevariante, sondern sie wusste wirklich nicht, welche Sprache in Australien gesprochen wird.

    Oder wie wäre es damit: Als ich bei der EU-Osterweiterung fragte, welche Staaten denn nun neu in die EU aufgenommen werden, bekam ich u.a. als Antwort: Brasilien (verwechselt mit Bulgarien - was ja ebenfalls falsch gewesen wäre), Russland oder auch Alaska. Und das waren zum Teil ernst gemeinte Antworten. Traurig, oder?

    Solche Beispiele könnte ich wirklich mehrfach geben.

    Das Thema Rechtschreibung ist hier ja ebenfalls schon erwähnt worden. Dass die Anzahl derjenigen Schüler, die an Legasthenie leiden, sprunghaft in den letzten Jahren angestiegen ist, kann ich mir auch nicht so recht erklären. Es mag manche Ärzte geben, die da mit dem Bescheinigen sehr schnell sind.

    Mein Patenkind hat diese Bescheinigung ebenfalls bekommen. Dabei bin ich mir recht sicher, dass sie einfach nur über mangelnden Fleiß (Lehrerdeutsch für faul) verfügt. Sie kann nämlich wunderbar in der deutschen Sprache sämliche Wörter so gut wie fehlerfrei schreiben. Nur in Englisch sieht sie die Übungsform "Diktat" nun einmal überhaupt nicht ein und übt sie dementsprechend auch nicht.

    Manchmal kommt man als Lehrer wirklich sehr schnell ans Resignieren. Ich habe oftmals das Gefühl, dass - ähnlich wie es Bubu auch schon geschrieben hat - die Jugend von heute wirklich sich nicht zu schade ist, mit ihrem nicht vorhandenen Wissen (ich vermeide bewusst den Terminus Dummheit) zu glänzen. Die Medien machen es mit Feldbusch und Co. ja vor. Oder mittlerweile auch die ganze deutsche Gangsta-Proll-Kultur. Bezeichnenderweise habe ich kürzlich mal auf MTV ein Video von Fler gesehen und das wurde sinngemäß etwa so anmoderiert:"Vor langer, langer Zeit zeichnete sich deutscher Rap oder Hip Hop durch Intelligenz und Wortwitz aus, heute hat man endgültig das Gefühl, dass diese Musikrichtung einfach in PROLLstadt und ASSENhausen angekommen ist." Innerlich musste ich einfach nur noch lachen und zustimmen.

    Auffällig finde ich es auch, dass manchmal bei Quizsendungen à la Jauch und Co. jüngere Kandidaten (so 25 Jahre und jünger) wirklich die einfachsten Sachen nicht wissen. Ich kann es ja wirklich noch verstehen, wenn ein 60-jähriger eine Frage nach einem Rock- oder Popsong nicht weiß, aber man sollte doch auch als 25-jähriger wissen, wie die Hauptstadt von Österreich heißt.

    Die derzeitigen Ergebnisse der PISA-Studie verwundern mich persönlich überhaupt nicht, denn zum einen ist von einem Teil der Schüler leider die Bereitschaft auch mal gegen den eigenen Widerstand zu lernen (also die Lerninhalte, die einem schwer fallen und eben nicht nur "Spaß" machen) gegengleich Null.

    Auch in Bayern wird es nicht immer weiter nach "oben" gehen. Ich merke es an meinen derzeitigen Schülern aus der 6. Klasse, die mittlerweile in das G8 (achtjähriges Gymnasium in Bayern) eingegliedert sind. Diese haben zum Teil mehrfach die Woche Nachmittagsunterricht und kommen teilweise erst weit nach 17 Uhr nach Hause. Die Ärmsten müssen dann noch Hausaufgaben machen, evtl. ein Instrument üben, eine Jugendgruppe oder die Gruppe eines Sportvereins besuchen. In einem Unterrichtsprojekt haben wir einfach mal das Freizeitverhalten der Kinder analysiert und dabei ist mir aufgefallen, wie wenig die aktuellen G8-Gymnasiasten in Bayern (im Vergleich zu meiner Schulzeit) an Freizeit überhaupt noch haben. Das sind zum Teil schon richtig kleine Manager mit proppenvollem Terminkalender. Dass ich dabei dann auch keine große Lust mehr auf Lernen hätte versteht sich wohl von selber.

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