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echt heftig ... für eine, wie O-Geißen sagt, Versöhnungssendung

Erstellt von Heiko, 07.03.2004, 18:15 Uhr · 20 Antworten · 1.871 Aufrufe

  1. #1
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  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von DeeTee

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    Das finde ich traurig und es macht mich wütend. Aber überrascht bin ich nicht. Dagegen hilft nur: nicht beliebig fernsehen. Selektiv schauen und die Krawallsender auslassen. Und versuchen, das auch anderen Leuten beizubringen.

    Viel Hoffnung diesbezüglich habe ich aber nicht.

    DeeTee

  4. #3
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    DeeTee postete
    Das finde ich traurig und es macht mich wütend. Aber überrascht bin ich nicht. Dagegen hilft nur: nicht beliebig fernsehen. Selektiv schauen und die Krawallsender auslassen.
    Deine Worte entsprechen ja anscheinend in etwa denen die Oliver Geissen verwendet hat, als er von der Tat hörte...

    Aber: Eine bessere Welt durch besseres Fernsehen? Ich denke mal, wenn überhaupt, könnte durch die Welt das Fernsehen schlechter geworden sein. Leider neigen wir aber dazu, die Auswirkungen zu brandmarken und zu kritisieren, statt die Probleme an der Wurzel zu packen (z. B. Kameras in Schulen installieren um Gewalt zu erkennen, statt Perspektiven für Jugendliche zu schaffen und die Saat des Gewaltpotenzials zu vermeiden). Emotionen sind bei der Reaktion auf solche Geschehnisse auf jeden Fall keine guten Ratgeber. Ich weiss auch gar nicht, wer einmal meinte, dass jedes Verbrechen durch irgendwas in den Medien verursacht worden sein muss und deshalb irgendwie vermeidbar gewesen wäre. Doch 100%igen Schutz gibt es nicht.

    Ansonsten finde ich es unwahrscheinlich interessant: Mir ist bis jetzt mit diesem Thema niemand aufgefallen, der ankam und sagte: "Schau Dir das mal an, da hat so ein kranker Idiot seine Frau getötet, dem Kind die Mutter genommen und es fast verhungern lassen. Schrecklich, ich will das der Mann für seine Taten bestraft wird!". Sondern es hieß immer: "Guck mal, hier wegen dem Oliver Geissen!!!". Ist das normal? Kein Wort vom Täter, aber Bestürzung über die zweifelhafte oder zumindest fragwürdige (Mit)Schuld einer Talkshow? Das erinnert mich sehr an den Aufruhr den die Anti-Jugendarbeitslosigkeitsspots-Spots von verdi verursacht haben. Tausende Suizidfälle pro Jahr erregen niemanden. Aber lass mal eine Gewerkschaft einen Spot drehen der dieses Thema aufgreift.... Oi oi oi, da bringen sich dann doch aber bestimmt "plötzlich" Leute in unserer ach so heilen Welt wegen um, wenn die das sehen, Pfui, Skandal, Verbot!!!

    Offenbar leiten viele Menschen aus dieser "Meldung" unreflektiert ab, dieses Verbrechen wäre in irgendeiner Form von Oliver Geissen verursacht worden oder gar durch ihn vermeidbar gewesen. Aber in einer Welt wo angeblich Videospiele Kinder töten und nicht etwa Waffen oder wo offenherzige Kleidung vergewaltigt und nicht gestörte Männer, ist das nun wohl eben so... Und das alles weil eine abgetakelte Ex-Talkerin diese Sache benutzt um sich nochmal als besorgter Gutmensch ins Rampenlicht zu rücken (ist zufällig doch nochmal eine neue Sendung geplant?).

    Der Typ hat seine Frau umgebracht und sein Kind fast verhungern lassen. Das waren nicht "die Medien" und auch nicht Oliver Geissen. Und solange niemand sagen kann, dass es diesen Vorfall ohne den TV-Auftritt (der auch schonwieder einige Zeit zurückliegt) nicht gegeben hätte, finde ich Vorwürfe in dieser Richtung populistisch und nicht seriös. Es ist für mich ein Unding, dass solche Mörder oder irgendwelche kranken Hirne die andere Menschen abknallen, am Ende noch zu Opfern der Medien hochstilisiert werden. Vor Gericht fehlt dann nur noch die Story von der schweren Kindheit und uns allen kommen sicherlich die Tränen!

    Bei der ganzen Sache fehlt mir jetzt eigentlich nur noch ein Politiker mit Nase für den zielsicher umgeleiteten Volkszorn, der sich mit einer überzogenen Forderung nach dem Verbot von Nachmittagstalkshows beliebt machen will. Dann hätten wir wieder die übliche Palette komplett.

    Jeder ist verantwortlich für sein Handeln und das ist nicht durch schwere Kindheiten, irgendwelche Sendungen und Filme oder sonstiges zu entschudligen bzw. die Schuld ist nicht abzuschwächen oder zu verteilen. Dies ist schließlich kein Verkehrsunfall. Und für Kinder, deren Beeinflussungspotenzial zu Handlungen deren Reichweite sie nicht abschätzen können sicherlich vorhanden ist, gibt es Eltern mit Aufsichtspflichten und Jugendschutz der durch sie mit einzuhalten ist. Leider kommen sie dem nur noch selten nach, wodurch dann selbst Erwachsene in ihren Freiheiten eingeschränkt werden sollen.

    Dave

  5. #4
    Benutzerbild von Tessi

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    Ich kann das alles verstehen, ich schalte auch um oder ab wenn ich O.G. sehe

    Wisst Ihr noch was er uns mit der 80er Show angetan hat?

    Nur leider macht der einzige öffentlich rechtliche Sender die ARD bei dem Talkmist auch mit, alle auf der Quotenjagd

    nachdenkliche Gedanken, ciao Tessi

  6. #5
    Benutzerbild von musicola

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    Dave Bowman postete
    z. B. Kameras in Schulen installieren um Gewalt zu erkennen
    Ironiemodus ON
    Dann werden die Filme aus den Kameras geklaut und ins Internet gestellt!
    Brauchen die Täter nicht mal mehr eigenes Equipment in die Schule mitzubringen!
    Ironiemodus OFF

    Das erinnert mich sehr an den Aufruhr den die Anti-Jugendarbeitslosigkeitsspots-Spots von verdi verursacht haben. Tausende Suizidfälle pro Jahr erregen niemanden. Aber lass mal eine Gewerkschaft einen Spot drehen der dieses Thema aufgreift.... Oi oi oi, da bringen sich dann doch aber bestimmt "plötzlich" Leute in unserer ach so heilen Welt wegen um, wenn die das sehen, Pfui, Skandal, Verbot!!!
    Kenn ich garnicht, den Spot?! Wann war das?
    Und das alles weil eine abgetakelte Ex-Talkerin diese Sache benutzt um sich nochmal als besorgter Gutmensch ins Rampenlicht zu rücken (ist zufällig doch nochmal eine neue Sendung geplant?).
    der Gedanke kam mir auch gleich als ich davon las...


    gibt es Eltern mit Aufsichtspflichten und Jugendschutz der durch sie mit einzuhalten ist. Leider kommen sie dem nur noch selten nach, wodurch dann selbst Erwachsene in ihren Freiheiten eingeschränkt werden sollen.

    Dave
    Genau! Ich habe es oft genug erlebt, dass minderjährige Jugendliche bei mir ein Videospiel, dass erst ab 16 oder gar 18 Jahren freigegeben ist haben wollten und ich sie abblitzen ließ!
    Wenig später kamen sie mit PAPA oder MAMA im Schlepptau und ließen
    sich das Spiel von denen an der Kasse bezahlen!

    Auch nicht selten, dass Eltern mit dem Videospielwunsch ihres 11jährigen Sprösslings auf nem Zettel kamen und auf meinen Einwand dass das Spiel
    erst ab 16 oder 18 ist, entgegneten:
    "Ach, der Bub ist schon ziemlich weit für sein Alter, der kann damit umgehen,
    das hätten Sie ihm ruhig verkaufen können!"

    Auf meine Antwort, dass ich das nicht kann weil ich es nicht darf,
    reagieren manche Eltern mit Unverständnis ob ihrer doch schon so erwachsenen "Kleinen", die meisten jedoch mit überraschtem Blick weil sie
    gar nicht wissen, dass die Altersangaben nichts mit dem Schwierigkeitsgrad zu tun haben sondern mit eventueller Gewaltdarstellung oder dass die Angaben gesetzlich bindend sind und ich mich schon strafbar mache, wenn ich ein Game "ab 12" an einen 10jährigen verkaufe!!

    Mit Videofilmen läuft es sicher ganz ähnlich!

    musicola

  7. #6
    Benutzerbild von
    @ musicola

    Der verdi-Spot kam glaube ich im November 2003 raus und lief auf VIVA evtl. auch im Kino. Es wurden vier Jugendliche gezeigt, deren Suizid(absichten) andeutungsweise aber durch schnelle Schnitte und härtere Musik durchaus etwas drastischer daherkamen. Die Aussage unter dem Motto "Stand up and fight" war, dass die fehlende Aussicht auf einen Ausbildungsplatz zu gefährlicher Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit führen kann und dem (und nicht dem Leben) ein Ende gemacht werden muss.

    Statt das Thema aufzugreifen entbrannte, geführt durch die entsprechenden Arbeitgeberverbände (HDE) und die CDU/Junge Union, sofort eine Debatte über die Gefährlichkeit dieses Spots. Natürlich fanden sich auch Psychologen die bereitwillig darüber philosophierten, dass ein solcher Spot den Suizid verherrliche und zu Nachahmungen führen könne.

    Auf die Idee, dass sich bereits junge Menschen wegen der angeprangerten Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit umgebracht haben und andererseits, mit Freude und Zuversicht im Leben stehende Jugendliche sich kaum für einen Selbstmord begeistern lassen würden kam niemand (für mich malwieder unbegreiflich, für BILD & Co und viele Mitbürger anscheinend malwieder völlig selbstverständlich, denn sowas gehört eben verboten und "kann ja schließlich nicht gut sein"). Im Laufe der Diskussion beeilte man sich natürlich durchaus zu erklären, dass das Thema an sich natürlich ganz wichtig sei und diskutiert werden müsse, aber der Spot eben ungeeignet wäre und der Sache nicht dienlich.

    Der Spot ist dann auch rasch verschwunden. Die Diskussion um das eigentliche Thema blieb allerdings (natürlich?) aus. Der Spot kam auf Seite 1, die Jugendarbeitslosigkeit hingegen nehmen wir wohl langsam als Gegeben hin. Niemand regt sich darüber genauso sehr so auf, wie über diesen Spot.

    Da ich nicht weiss, ob es in Ordnung ist hier einen Link zum Spot zu setzen, habe ich Dir mal ein PM dazu geschickt.

    Dave

  8. #7
    Benutzerbild von Arcadia

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    @dave

    Zunächst einmal möchte ich Dir vollkommen zustimmen, was dieses Trara um Oliver G. bezüglich des Mordes betrifft. Denn einen wirklichen Zusammenhang sehe ich da nicht. Ich denke, dass ein Mensch, der so krank im Kopf ist, bestimmt keine Talkshow benötigt, um sich zu einer solchen Tat hinreissen zu lassen. Das Potential für diese Tat steckte in diesem Menschen, und ich bin davon überzeugt, dass er sie so oder so begangen hätte. Und schon gar nicht ein O.G. hätte etwas daran ändern können. Mord ist Mord, und nicht o.G. ist daran Schuld, sondern der Täter, und mich k**** es genauso an, dass dieser nun als Opfer der Medien dargestellt wird. Jeder Mensch ist für sein eigenes Tun und Handeln verantwortlich, und muss auch die Konsequenzen dafür tragen.
    Aber bei einigen anderen Deiner Aussagen habe ich etwas andere Meinungen, denn es ist auch statistisch bewiesen, dass die Zahlen der Gewalttaten, Missbräuche und Vergewaltigungen mit der Freizügigkeit und Gewaltverherrlichung in Fernsehen und Internet drastisch angestiegen ist. Und da rede ich nicht nur von kleinen Kindern oder Jugendlichen, die aufgrund mangelnder Aufsichtspflicht irgendwelche Altersbeschränkungen nicht berücksichtigen, sondern auch von vielen erwachsenen Menschen, die mit den gebotenen Inhalten nicht umzugehen wissen.
    Aber dennoch stimmt es schon, dass letzten Endes jeder für sein handeln verantwortlich ist...aber dennoch werden Täter auch durch die Medien gepuscht.
    Aber eines möchte ich den Medien auch zu Gute halten. Hätten wir sie nicht, würden solche Ereignisse wie dieser Mord unter den Teppich gekehrt werden. Niemand würde es sehen, und keiner wüsste, welche grausamen Dinge in dieser Welt geschehen. Ausserdem kann es auch Opfern helfen das Schweigen zu brechen und gegen die Täter anzugehen, weil sie sehen, dass sie nicht alleine da stehen, und es andere gibt, die ein ähnliches Schicksal erleiden mussten.
    Was allerdings den Anti-Arbeitslosigkeit-Werbespot angeht, kann ich nur sagen, dass ich es mehr als gut finde, dass er verboten wurde. Es gibt bestimmt genügend andere Wege, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Spot jemanden in den Selbstmord hätte treiben können, der nicht schon vorher daran gedacht hätte, aber dennoch fand ich ihn definitiv zu brutal. Es gibt menschen, die tatsächlich tagtäglich mit sich selbst zu kämpfen haben, um zu überleben, um weiterzumachen. Und genau für diese Menschen ist dieser Spot mehr als gefährlich gewesen, und hätte fatale Folgen haben können. Ich weiss schon, was die Aussage dieses Spots sein sollte. Arbeitslosigkeit stoppen, anstatt sein Leben zu beenden. Aber meinst Du, dass suizidgefährdete Menschen diese Aussage erkennen? Antwort: NEIN. Sie fühlen sich in ihrem Denken, sie seien wert- und nutzlos, bestätigt.
    Das hätte man psychologisch sensibler aufziehen können!
    Ich habe nichts dagegen, wenn die Menschen über die Nachrichten erfahren, wie unsere Welt aussieht, in der Hoffnung, dass sich evt. dadurch mal was ändern wird (ich weiss: Utopie), aber eine solche Darstellung der Gewalt finde ich einfach nur noch gefährlicher. Aber anscheinend sind die Menschen heut zu Tage schon so abgestumpft, dass sie nur noch durch so grausame Bilder zu beeindrucken sind....finde ich eher traurig, dass man so weit gehen muss.

    Arcadia

  9. #8
    Benutzerbild von DeeTee

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    @Dave:

    Ich hoffe, es überrascht Dich nicht, wenn ich Dir auch zustimme. Ich wollte mit meinem Beitrag nicht ausdrücken, dass ich der medienwirksamen Betroffenheit von OG anhänge. Allerdings möchte nicht ausschließen, dass dieses Drama - egal wie krank der Typ ist - seinen Anfang durch die Fernsehsendung genommen hat. Fernsehen erzeugt einen gigantischen sozialen Druck auf diejenigen, die dort zu sehen sind. Das erhöht sich noch, wenn sie in sozialen Konfliktsituationen gezeigt werden. Die allerwenigsten dürften sich über die entsprechenden Folgen im Klaren sein (da ist dann die "freiwillige" Teilnahme völlig nebensächlich).
    Mich verärgert, dass insbesondere die privaten Krawallsender an dieser Stelle die Menschen nur noch instrumentalisieren - nämlich um Quote zu machen. Konsequenzen, moralische Antizipation ... völlig egal.

    Ich ertrage das nicht, daher entziehe ich mich dem Medium und seinen Manipulationsfunktionen. Es gibt auch sehr viele andere Dinge zu tun!

    Grüße!
    DeeTee

  10. #9
    Benutzerbild von
    @ Arcadia

    Zunächst einmal möchte ich Dir vollkommen zustimmen, was dieses Trara um Oliver G. bezüglich des Mordes betrifft. Denn einen wirklichen Zusammenhang sehe ich da nicht. Ich denke, dass ein Mensch, der so krank im Kopf ist, bestimmt keine Talkshow benötigt, um sich zu einer solchen Tat hinreissen zu lassen. Das Potential für diese Tat steckte in diesem Menschen, und ich bin davon überzeugt, dass er sie so oder so begangen hätte. [...]
    Aber bei einigen anderen Deiner Aussagen habe ich etwas andere Meinungen, denn es ist auch statistisch bewiesen, dass die Zahlen der Gewalttaten, Missbräuche und Vergewaltigungen mit der Freizügigkeit und Gewaltverherrlichung in Fernsehen und Internet drastisch angestiegen ist.


    Die pure Statistik kann Entwicklungen und Trends sichtbar machen. So kann es z. B. Statisktiken geben die eine Zunahme von Gewalt zeigen (z. B. die Verbrechensstatistik von 2003, die eine Zunahme der Körperverletzungsdelikte um 5,5% auf 127.000 Fälle ausweist). An anderer Stelle gibt es Statistiken die eine Zunahme von Gewaltdarstellung im TV belegen. Einen kausalen Zusammenhang können Statistiken aber niemals belegen. Genauso gut könnte ich eine Statistik darüber daneben legen, dass die Deutschen jedes Jahr weniger Bier trinken und damit belegen, dass der sinkende Bierkonsum zu Gewalt führt. Nur weil das eine logisch klingen mag und das andere albern, ist es noch nicht wahr.
    Licht ins Dunkel versuchen Studien zu bringen, die diese Statistiken wissenschaftlich analysieren und durch eigene Experimente und Umfragen Schlüsse ziehen lassen. Das Problem hierbei ist allerdings: Es gibt jeweils Studien die sowohl die Bedenklichkeit, als auch die Unbedenklichkeit durchaus stichhaltig nachweisen wollen. Wiederum das Problem hierbei: Studien die die Unbedenklichkeit von etwas annehmen (wirklich beweisen lässt sie sich naturgemäß nicht) schaffen es fast nie oder nur sehr unauffällig in die Medien. Studien die die Schädlichkeit von etwas belegen schaffen größere Schlagzeilen. So gibt es auch im Mobilfunkbereich hunderte bis tausende Studien die unbedenkliche Ergebnisse geliefert haben. Zu Schlagzeilen und Diskussionen wurden allerdings die gut 1-2 Dutzend Studien die eine potenzielle Schädlichkeit festgestellt haben. Wie sie entstanden sind, ob sie sich reproduzieren lassen, ob sie seriösen Maßstäben standhalten fragt niemand mehr. Es bleibt hängen "Es könnte schädlich sein, da war mal was, ich hab da mal was gelesen". Und so ist es auch bei diesem Thema.

    Selten wird in solchen Studien und allgemein beim Thema Gewalt durch Medienkonsum allerdings die Henne / Ei Frage gestellt. Was war denn zu Erst da?
    Steigt die Gewalt wirklich wegen dem TV Programm oder leben wir in einer generell gewalttätigeren Welt, was sich in einem gewalttätigeren Programm niederschlägt? Sind die Gründe für zunehmende Gewalt steigende Armut, steigende Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit ("ich habe sowieso nichts zu verlieren"), steigende soziale Härten / Ungerechtigkeit und Sparmaßnahmen oder sind die Leute gewalttätig wegen "Kill Bill"?

    Die große Frage ist ja auch: Lösen Medien Gewalt aus oder verursachen sie sie?
    Im Einzelfall können Medien Gewalt zu einem Zeitpunkt X ausgelöst haben. Ich bin allerdings der Meinung, dass die Gewaltbereitschaft schon vorher da gewesen sein muss und sich auch durch jeden anderen Effekt zu einem anderen Zeitpunkt hätte freisetzen lassen. Verursacht wird die Gewalt von Medien wahrscheinlich nicht bis sehr sehr selten.

    Die Gewalt war auf jeden Fall zu Erst da und die Medien sind nur ein Spiegel unserer Gesellschaft. Es gibt genug Beispiele dafür, dass der Mensch zu unvorstellbarer Gewalt völlig ohne (TV-)Medieneinfluss fähig war und ist. Oder welchen schlechten Film soll Hitler gesehen haben?

    Was allerdings den Anti-Arbeitslosigkeit-Werbespot angeht, kann ich nur sagen, dass ich es mehr als gut finde, dass er verboten wurde.

    Meines Wissens wurde er nicht verboten. Das wäre auch schlimm. Dort ist nichts illegales zu sehen gewesen und ich frage mich welche Demokratie und welche Freiheit wir noch zu verteidigen hätten, wenn sowas in Deutschland zensiert werden könnte.

    Es gibt bestimmt genügend andere Wege, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

    Wen hat es denn vor dem Spot (abseits der üblichen "dieses Jahr fehlen 140.000 Lehrstellen"-Nachrichten) wirklich interessiert und wen von den Leuten die zu Zeiten des Spots gesagt haben "Ja, wir müssen und werden darüber reden müssen, aber nicht so!" hat denn dieses Herzthema in letzter Zeit auf Seite 1 gebracht?

    Ich weiss schon, was die Aussage dieses Spots sein sollte. Arbeitslosigkeit stoppen, anstatt sein Leben zu beenden. Aber meinst Du, dass suizidgefährdete Menschen diese Aussage erkennen? Antwort: NEIN. Sie fühlen sich in ihrem Denken, sie seien wert- und nutzlos, bestätigt.

    Für mich ist das eher eine sehr deutsche Analyse: Erstmal alle Nachteile suchen und das schlechteste annehmen. Aber ich frage: Alle Leute die an dem Spot rumkritisiert haben und das Thema anders behandelt sehen wollen, was haben die denn seitdem getan? Das einzige was ich z. B. vom HDE gelesen habe war, dass die im Raum stehende Ausbildungsabgabe zu noch weniger Ausbildungsplätzen führen wird. CDU/JU kloppen sich lieber wie die Verrückten um die Besetzung eines macht- und nutzloses Amtes.... Wo sind die ganzen Leute geblieben die gesagt haben, dass man das besser machen könnte? Nachdem der Spot weggeräumt war, waren auch sie weg.

    Für mich ging es hier den vordergründig Besorgten eher darum, das Thema schnell wieder aus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu bringen. Denn das wir uns damit überhaupt beschäftigen müssen, liegt ja nicht an der Fähigkeit von Politik und Wirtschaft etwas zu verändern. Auch die "Das liegt alles an Gewalt-TV und "Killerspielen"-Argumentationen von diversen Politikern sind m. E. nur ein billiges Alibi-Argument um Volkes Zorn abzulenken und das eigene Versagen, dass zu dieser schlechten Entwicklung geführt hat, auszublenden. Deshalb hat auch niemand Interesse daran, wirklich Licht ins Dunkel zu bringen. Es wäre ja fast schon unglaubwürdig, wenn eine deutsche Familienministerin erklären würde, dass Medien keinen Einfluss auf die Gewaltentwicklung hätten, dabei gibt es auch solche Studien durchaus. Der übliche "Hmmm.... das kann ja nicht gut sein"-Mechanismus greift und alles lässt sich auf die bösen, bösen Medien schieben.

    Übrigens sind wir trotz dieser teils sehr emotional und engagiert geführten Diskussion, allen Weltuntergangsszenarien und Abgesängen auf die deutsche Zivilisation immer noch eines der sichersten Länder der Erde. Man könnte manchmal meinen, das wüsste keiner....

    Dave

  11. #10
    Benutzerbild von Arcadia

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    Sorry, aber weisst Du was?! Du bist ja ganz toll in Worten und im Argumentieren, aber weisst Du, was mir bei Dir fehlt? Ein Wort namens "Empathie". Du findest immer zu allem ein passendes Gegenargument, was im Endeffekt genauso wenig beweist, wie meine Argumente in Deinen Augen!
    Kapierst Du eigentlich, was hier passiert? Du redest von einem wirtschaftlich sicheren Land, aber darum ging es mir noch nicht einmal in meinem Posting! Ich rede nicht davon, dass die Menschheit zu Grunde geht, weil unsere Wirtschaft nicht gesichert ist, sondern davon, was mit den Menschen im einzelnen passiert, teils ausgelöst von den Medien, und dann von eben diesen wieder weiterverarbeitet und ausgeschlachtet. Das ist einfach nur krank und verschlimmert alles nur noch. Und das bedeutet keinen wirtschaftlichen Zusammenbruch, sondern Menschen, denen es zunehmends psychisch schlechter geht. Was meinst Du, wie sich Menschen fühlen, die psychisch bereits labil sind, und dann Deinen "tollen" Werbespot sehen? Ich rede nicht von Fakten, sondern von Gefühlen, die ich sehr bei Dir vermisse!
    Und meine tolle Statistik, die anscheinend ja eh wie alles was ich sage, zu nichts taugt, habe ich übrigens nicht aus dem Fernsehen, weil ich mir so ein Massenspektakel eh kaum noch anschaue, denn ich halte es wie DeeTee, und entziehe mich dem Medium der Volksverdummung.
    Und noch mal zu dem Spot: siehst Du! Was hat er denn bewirkt? Wurde was gegen die Arbeitslosenzahl unternommen? nein. Aber nicht, weil der Spot nicht mehr zu sehen war, sondern eben weil die Story, die dafür genutzt wurde, viel interessanter war. Also hat sie doch komplett ihr Ziel verfehlt. Vielleicht hätte man doch mehr verdeutlichen sollen, dass die Arbeitslosigkeit im Vordergrund steht, anstatt durch Selbstmordszenen einen Tumult auszulösen. Dann wäre vielleicht eher was unternommen worden.
    Und das, was ich geschrieben habe bezüglich des Spots, ist keine typisch deutsche Analyse, sondern die Erfahrung eines Menschen, der das selber gefühlt und durchlebt hat! Aber das wirst Du wohl auch nicht verstehen, weil Du keine Ahnung hast wie sich sowas anfühlt! Du redest hier nur von Fakten, aber die Realität fühlt sich anders an!

    Danke fürs Gespräch!

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