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Einfach nur dreist...

Erstellt von ihkawimsns, 05.03.2004, 17:45 Uhr · 3 Antworten · 1.222 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    ... dieser Typ. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, die Einzelheiten (von T-Online):


    Sozialamt zahlt nicht fürs Bordell

    Bordellbesuch: Sozialamt zahlt nicht
    Das Sozialamt muss weder für Bordellbesuche noch Pornohefte zahlen. Das Verwaltungsgericht Ansbach wies den Antrag eines Sozialhilfeempfängers zurück, der entsprechende Ausgaben von den Behörden erstattet haben wollte. Bordellbesuche, so befanden die Richter, seien mit dem Regelsatz der Sozialhilfe abgegolten.

    Für die Psyche ins Bordell
    Der 35 Jahre alte Arbeitslose aus dem mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen machte vor Gericht "erhebliche 5exuelle Bedürfnisse" geltend: Da seine thailändische Frau, mit der er ein Kind habe, derzeit in ihrer Heimat lebe, könne er diese Bedürfnisse nur bei Freudenhaus-Besuchen befriedigen. "Ich brauche die Bordellbesuche zur Wiederherstellung meines psychischen und physischen Gleichgewichts", argumentierte er.

    Rechnung für Pornofilme und 5exspielzeug
    Obendrein machte er für die Trennung von seiner Frau die Behörden verantwortlich. Die hätten der Thailänderin das Flugticket nach Deutschland nicht bezahlen wollen. Um seinen starken 5exualtrieb befriedigen zu können, verlangte er schließlich vom Sozialamt die Erstattung der Kosten: 600 Euro monatlich für jeweils vier Bordellbesuche inclusive Fahrt nach Nürnberg. Außerdem sollte ihm die Behörde auch noch monatlich acht Pornofilme, zwei monatlich erscheinende Kontaktmagazine sowie Hilfsmittel zur Selbstbefriedigung erstatten. Die "Bild"-Zeitung zitiert den arbeitslosen Kfz-Mechaniker mit den Worten: "Ich bin auf 5exuellem Entzug."

    Kein Gesundheitsproblem
    Die Richter lehnten das Ansinnen ab. Sie sahen auch keinen "Sonderbedarf" oder ein ärztlich anerkanntes Gesundheitsproblem. Der Arbeitslose kündigte Berufung gegen das Urteil an. Das Verwaltungsgericht hatte anfangs zwar erhebliche Bedenken über die Zulässigkeit der Klage geäußert, sie dann aber doch angenommen.

    Klagefreudiger Sozialhilfeempfänger
    Der 5exbedürftige Kläger ist den Richtern nicht unbekannt: Er beschäftigt die Justiz seit Jahren mit umstrittenen Sozialhilfeansprüchen. Derzeit sind nach Angaben des Gerichts 30 bis 35 Klagen des Franken anhängig. Unter anderem streite er vor dem Verwaltungsgericht Berlin mit dem Auswärtigen Amt immer noch um die Flugtickets für seine Frau.


    Ein Glück, das das abgelehnt wurde... Es besteht also doch noch Hoffnung für unser Justizsystem!

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Zokarr

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    Das hier ist bei uns letzte Woche passiert:

    Sozialhilfeempfänger verklagte die Stadt vor dem Verwaltungsgericht erfolglos wegen einmaliger Beihilfe

    Fahrten mit der Straßenbahn? Im Fahrgastraum erhöhe Strahlung das Krebsrisiko. Ein gebrauchtes Fahrrad? Auch zu gefährlich: Unerkannte Haarrisse könnten während der Fahrt zu einem Rahmenbruch führen. Argumente eines Sozialhilfeempfängers für die Notwendigkeit eines neues Herrenrades nebst Helm. Die Richter der 4. Kammer des Verwaltungsgerichts überzeugten derartige Sicherheitsbedenken allerdings nicht.

    Der 32-Jährige hatte gegen die Stadt Braunschweig geklagt, nachdem die Behörde die einmalige Beihilfe für Herrenrad und Helm abgelehnt hatte. Der Mann könne auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. In der Nähe seiner Wohnung gebe es eine Haltestelle. Als Sozialhilfeempfänger könne er auch erheblich verbilligte Fahrkarten kaufen.

    Nun habe die Stadt jedoch außer Acht gelassen, konterte der 32-Jährige, dass im Fahrgastraum von Straßenbahnen künstliche Quellen magnetischer Felder erzeugt würden, die die Gehirnaktivitäten und Durchblutung erheblich stören würden. Außerdem erhöhe sich durch die Strahlung das Risiko, an Krebs zu erkranken.

    Aus Sicherheitsgründen sei außerdem ein neues Fahrrad nötig. Und das sei nicht unter 200 Euro zu haben. Das Rad brauche er, um Supermärkte mit Billigangeboten in anderen Stadtteilen erreichen zu können, Wegen seines unterdurchschnittlichen Einkommens sei er darauf angewiesen.

    Nach dem Urteil des Braunschweiger Verwaltungsgerichts (Aktenzeichen 4 A 295/03) sind einmalige Beihilfen nur zu gewähren, wenn sie aus sozialhilferechtlicher Sicht notwendig sind, um ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Nicht zum notwendigen Lebensunterhalt aber gehört danach ein Gegenstand, "wenn er nur eine Annehmlichkeit darstellt, etwa deshalb, weil der Hilfesuchende einen anderen Gegenstand für denselben Zweck verwenden kann und ihm dies zuzumuten ist".

    Was konkret bedeutet: Statt mit Fahrrad könne der Kläger mit Bus und Bahn fahren. Deshalb habe er keinen Anspruch auf Beihilfe für ein Fahrrad.

    In ihrem Urteil weisen die Richter außerdem darauf hin, dass die Stadt Braunschweig Sozialhilfeempfängern zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel "besonders preiswerte Fahrkarten" anbietet. Eine Monatskarte für Fahrten innerhalb Braunschweigs koste zurzeit 9,70 Euro. Der Betrag sei bereits im Regelsatz berücksichtigt und daher zumutbar.

    Den Bedenken des 32-Jährigen gegen Straßenbahnfahrten gingen die Verwaltungsrichter im Übrigen nicht nach. Die Begründung: Er könne auch mit Linienbussen fahren.


    Auf solche Ideen würde ich gar nicht kommen

  4. #3
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Ein anderes Thema, zwar auch dreist, aber eigentlich irgendwo zwischen "lächerlich" und "amüsant" einzuordnen (Quelle: Thüringer Allgemeine):



    Reich an Fantasie

    Das "Deutsche Reich" streckt seine Fühler nach Thüringen aus. Eine "provisorische Reichsregierung", die die Existenz der Bundesrepublik leugnet und sich selbst als legitimen Erben der Weimarer Republik ausgibt, hat offenbar im Freistaat eine ganze Reihe von Unterstützern gefunden.

    Kürzlich bekam Dieter Althaus Post von einer "Kollegin". Per Fax lief die Ankündigung einer Strafanzeige gegen den Thüringer Regierungschef und "die gesamte Regierung" ein. Die Vorwürfe reichen von räuberischer Erpressung, Körperverletzung im Amt bis zu Wahlbetrug. Der Absender: "Deutsches Reich, Kommissarische Landesregierung des Freistaats Thüringen, Martina Pflock."

    Mit dem Regierungssitz hat die kommissarische Althaus-Konkurrentin noch Schwierigkeiten. Denn nach dem Verständnis ihrer Berliner Reichs-Freunde ist die wahre, weil ehemalige Thüringer Landeshauptstadt Weimar. Da sich dort aber noch keine Regierungs-Immobilie fand, geht alle Reichs-Post an das "kommissarische Büro der Landesregierung" in Friedrichroda unter der alten, vor der Wende gültigen Postleitzahl 5804. Es ist die Adresse des "Bürgerbüros", in dem auch Frau Pflocks Verein "Abwasser-Abzocke - Nein Danke" seinen Sitz hat.

    Die eigenartige Symbiose zwischen bürgerbewegtem Protest gegen Abwasserbescheide und Sehnsucht nach alten Strukturen ist nur ein Hinweis darauf, dass sich die "provisorische Reichsregierung" mit Sitz in Berlin-Zehlendorf derzeit besonders um Thüringen bemüht.

    Mitte Februar fand in Saalfeld sogar eine Sitzung der "Reichsregierung" statt. Der frühere Bahnbeamte und "Reichskanzler" Gerhard Günter Ebel, der auf seiner Internet-Seite auf mehrere nervenärztliche Gutachten verweist, dass er voll zurechnungsfähig sei, tafelte am 11. Februar mit etwa 30 Mitstreitern abends in der Gaststätte "Zur Hummel", verlautete aus Polizeikreisen. Danach soll der "Kanzler" in seinen Mercedes mit Wiener Kennzeichen gestiegen und in eine Polizeikontrolle geraten sein. Da er keinen gültigen Ausweis bei sich gehabt haben soll, musste er in einer Zelle in Rudolstadt übernachten, zur "Identitätsfeststellung".

    Wahrscheinlich hatte Ebel doch einen Ausweis bei sich. Einen grünen mit der Aufschrift "Deutsches Reich", der von seinem eigenen Innenministerium verkauft wird. Ebenso wie ein spezieller Führerschein, den man zum Beispiel bei einer Anlaufadresse im Kyffhäuserkreis bestellen kann.

    Ein Vertreter des "Reichs-Innenministeriums" ist es auch, der noch immer die Thüringer Justiz beschäftigt. Er gehöre einer "Gruppe von meist männlichen Personen um die 50 aus dem Raum Nordhausen/Sondershausen" an, die "fast sektenartig" zusammenarbeiten, sagte der Sondershäuser Amtsrichter Christian Kropp im Juli 2002 bei der ersten Urteilsverkündung. Der schon mehrfach Vorbestrafte war ins Visier des heimischen Finanzamtes geraten und hatte sich auf seine Art gewehrt: Er erklärte die Behörde für ihn als "Bürger des Deutschen Reiches" für nicht zuständig. Falls die Zahlungsaufforderung nicht fallen gelassen werde, müssten die Finanzbeamten mit "Zwangsmaßnahmen" rechnen. Das Finanzamt zeigte den Säumigen daraufhin wegen "Nötigung" an.

    Amtsrichter Kropp sprach den Angeklagten damals frei. Seine Begründung: Es sei keine Nötigung, sondern "Humbug und Unfug". Selbst eine Amtsanmaßung läge nicht vor, weil das Amt des Reichskanzlers nicht mehr existiert. Die Staatsanwaltschaft in Mühlhausen wollte sich allerdings mit Kropps Freispruch nicht abfinden und legte Berufung ein. Nun kommt es am Anfang April nochmals zur Verhandlung vor einer Strafkammer am Landgericht in Mühlhausen.

    "Eigentlich ist die sachliche Auseinandersetzung mit den Theorien dieser so genannten Reichsregierung lange beendet", sagt der Jurist Prof. Peter Huber, lange Dekan der Universität Jena und nun in München tätig. "Gerhard Schröder ist Rechtsnachfolger von Bismarck." Genau das aber wird von den Reichs-Vertretern bestritten. Sie sehen ein Vakuum zwischen dem Untergang des Deutschen Reiches und der Gründung der Bundesrepublik, deren Existenz sie deshalb in Frage stellen. Daraus würde folgen: Es braucht sich nur jemand der alten Reichs-Traditionen anzunehmen, schon hat er die Macht.

    Dieser einfachen Karriereversuchung ist eine ganze Reihe von Leuten erlegen, die sich allerdings untereinander nicht grün sind. Der in Thüringen mitsamt Gefolge aktive Ebel konkurriert mit seinem ehemaligen "Reichstagspräsidenten" Samter um die wahre Lehre der "Reichsregierung", wobei sich beide auf eine angebliche Legitimation durch die USA-Regierung berufen. Wieder eine andere Gruppe will das Reich über freie Wahlen bereits wiederhergestellt haben und beruft sich auf eine Abstimmung, an der einige tausend Leute teilgenommen hätten.

    "Das ist alles ohne jede Rechtsgrundlage", sagt Rechtswissenschaftler Huber. Selbst den angeblich fehlenden Friedensvertrag mit den Alliierten, den die Reichsvertreter als Legitimation anführen, habe es mittlerweile gegeben: "Im Zwei-plus-Vier-Vertrag steht die Anerkennung der Bundesrepublik durch die Siegermächte ausdrücklich drin."

    Unbeeindruckt von solchen Argumenten schreitet der Aufbau des neuen Freistaats Thüringen weiter voran. Kürzlich erhielt auch Umweltstaatssekretär Stefan Baldus einen Brief von Martina Pflock, in dem sie ihn wegen der Weiterexistenz des Reiches auf die Unrechtmäßigkeit seines Amtes hinweist. Baldus wird darin aufgeklärt, dass er "ausschließlich als Privatperson" handele und auch über die Folgen belehrt: "Sie haften mit Ihrem gesamten Privatvermögen."





    Ach ja, die Internet-Adresse lautet: www.deutsches-reich.com. So etwas herrlich Weltfremdes...

  5. #4
    Benutzerbild von DeeTee

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    http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/877/27850/


    Holzauge, sei hyperwachsam!

    Jüdische Aliens aus der globalen Pipeline

    Irgendwann kriegen sie dich: Politische Extremisten und Ufo-Freaks vernetzen ihre Verschwörungstheorien.
    Von Alex Rühle


    Dies ist selbstverständlich nicht sueddeutsche.de . Es ist eine Botschaft der Illuminaten an Osama bin Laden, der wiederum eine muslimisch verkleidete Echse ist. Zusammengestellt wurde das Internetangebot von einem jüdischen Alien, der mit seinem Notebook in einem Biergarten auf dem Aldebaran sitzt.

    Der Text dient der Ablenkung der Leser und diverser Geheimdienste. Legen die Profis vom Mossad die Bilddaten aus dem Feuilleton über die aus dem Sportteil übereinander, erkennt man den Lageplan der Kommandozentrale der Rothschilds unter der Antarktis...

    Die gängigen Verschwörungstheorien des zwanzigsten Jahrhunderts ließen sich lange Zeit in zwei Gruppen unterteilen: Zum einen gab es die politischen Extremisten, Weltverschwörungstüftler, die den Wunsch nach einem menschenfreundlichen Leben ohne Gewalt für aussichtslos halten. In anderen Sphären werkelten eher harmlose Freaks an ihren populären Theorien über Ufos oder außerirdische Reptilien herum.

    Komplottkompott

    Beunruhigend ist, dass die Welterklärungsmodelle der Ufologen und die Theorien vieler rechtsradikaler Verschwörungsphantasten in den vergangenen fünfzehn Jahren einander immer ähnlicher wurden. Der amerikanische Politologe Michael Barkun hat in einer soeben erschienenen Studie (?A Culture of Conspiracy?, University of California Press) beängstigend klar herausgearbeitet, wie sich die verschiedenen okkultistischen, recht5extremistischen, esoterischen Theorien mehr und mehr zu einer Art Super- oder Metaverschwörung vernetzen.

    Der Schulterschluss von politischen Verschwörungstheoretikern und den buntscheckigen Ufo-Kosmologen ist in Barkuns Augen deshalb so brisant, weil damit politischer Extremismus salonfähig gemacht wird: In Amerika glauben seit den fünfziger Jahren 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung hartnäckig an die Existenz von Ufos. Seitdem nun die xenophob-paranoischen Verschwörungstheoretiker die Ufos für ihre Zwecke gekapert haben, landen sie mit ihrem Geraune mitten im Mainstream.

    Fusion paranoia nannte der Amerikaner Michael Kelly, selbst ein großer Verschwörungstheoretiker, diese Verrührung verschiedener Modelle: In einem riesigen, selbstreferentiellen Netz-Werk ventilieren Ufologen immer häufiger antisemitische Ressentiments; im Gegenzug entdecken militante Weltverschwörer Energiefelder unter den peruanischen Anden oder behaupten, die ?Protokolle von Zion? seien von ?arischen Reptilien? verfasst worden.

    Das in Australien beheimatete und in zwanzig Ländern erhältliche Magazin Nexus etwa klärt seine Leser seit Jahr und Tag über ufologische Neuigkeiten und die ?Zukunftswissenschaften? auf. Seit einiger Zeit aber gibt es in jeder Ausgabe auch Mitteilungen über widerwärtige Machenschaften des Mossad oder die von Bush und Cheney verlegte ?globale Drogenpipeline?.

    In der aktuellen Ausgabe steht neben den üblichen Ufo-Meldungen ein langer Aufsatz über die ?jüdischen Rockefellers?, die zusammen mit einigen anderen Plutokraten daran arbeiten, die Weltherrschaft an sich zu reißen.


    » Ein einziges aldebaranisches ?Schlachtschiff könnte die ganze Erde erobern «

    Man muss aber gar nicht nach Australien gehen: Jan van Helsing, mit bürgerlichem Namen Jan Udo Holey, der in Deutschland mehrere außergewöhnlich erfolgreiche verschwörungstheoretische Bücher veröffentlichte, vermischt in seinen Schriften immer häufiger neonazistisches und antisemitisches Gedankengut mit esoterischen Theorien.

    Helsing weiß etwa, dass die Nazis 1945 einen Flug zum Aldebaran unternommen haben, um ?Hilfe für die Erde? zu holen, denn schon ein einziges aldebaranisches ?Schlachtschiff könnte die ganze Erde erobern?.

    Warum es trotzdem nicht geklappt hat mit der Hilfe, ist unbekannt. Die Bewohner des Aldebaran aber ähneln den schönsten SS-Zuchtphantasien, sie sind blond, blauäugig und tragen unter der Schuhsohle ein Hakenkreuz.

    Helsings Adept Jo Conrad, ein ehemaliger Taxifahrer, mischt in seinen Schriften rechtsradikales und verschwörungstheoretisches Material mit den Szenarien des britischen Science-Fiction-Autors David Icke, der die Außerirdischen in Gestalt von Reptilienwesen, die sich als Menschen tarnen, mitten unter uns glaubt.

    Conrad weiß, dass die ?Grauen?, bei Icke ?Greys? genannt, sich besonders gerne als Staatsmänner und Präsidenten tarnen. In guter alter antisemitischer Tradition sind die Greys ?großnasige? Widerlinge, hinter denen ?noch andere Gruppen stehen, und selbst hinter denen stehen welche, die nie in Erscheinung treten, aber dennoch Leute haben, die ,vor Ort? die Drecksarbeit erledigen, um die Erde für eine Invasion vorzubereiten. So werden die Grauen von der Orion-Gruppe benutzt und diese von den reptilienartigen Draco.?


    » ?Philosophen verstecken einen Stein hinter einem Baum und dann gehen sie ihn suchen? «

    Sowohl für Ufonauten als auch für Verschwörungstheoretiker gilt, was Nietzsche über seine Berufskollegen sagte: ?Philosophen verstecken einen Stein hinter einem Baum und dann gehen sie ihn suchen?. Sie haben eine Lösung, und dann suchen sie die Beweise.

    Nicht nur in dieser Hinsicht waren sich beide Richtungen immer schon ähnlich: Sowohl Ufologen als auch die amerikanische John Birch Society, sowohl Echsenfreunde als auch Jan van Helsing sind glühende Teleologen: Nichts geschieht zufällig; alles ist kohärent.

    Die Welt wird mithilfe ihrer Modelle so durch und durch erklärbar wie in Fausts mittelalterlichem kosmologischen Modell, in dem ?alles ineinander webt, eins in dem andern wirkt und strebt?. Drittens ist bei ihnen allen nie etwas so, wie es zu sein scheint.

    Jede weithin geglaubte These, jede offizielle Erklärung muss schon deshalb falsch sein, weil sie eben weithin geglaubt wird. Wer Einwände vorbringt, ist selbst verblendet: Bloß weil du selbst nicht paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.

    Transzendentale Obdachlosigkeit

    Außerdem: Viele Verschwörungstheoretiker beweisen ja gar nichts, sie haben nur den außerordentlichen Mut, Fragen zu stellen. Und fragen wird man ja noch dürfen: Der Demokrat Howard Dean machte das kürzlich vor, als er, befragt zu angeblich geheim gehalten Dokumenten über die Anschläge vom 11. September, im Radio sagte: ?Die interessanteste Theorie, die ich dazu gehört habe ?es ist natürlich nur eine Theorie, man kann sie nicht beweisen ? ist die, dass Bush vorher von den Saudis über die Anschläge in Kenntnis gesetzt wurde. Wer weiß schon, was wirklich passiert ist??

    In Zeiten transzendentaler Obdachlosigkeit sind Verschwörungstheorien dem unbehausten Menschen so etwas wie eine warme Decke. Die Weltraum-Echsen, die Ufos, die von den Juden betriebene Neue Weltordnung ? sie alle sind unheimlich, grausam, omnipräsent.

    Aber immerhin liefern sie einen Grund, eine griffige Weltformel des Übels, in der alles ohne Rest aufgeht. Arische oder jüdische Außerirdische sind immer noch tröstlicher als sich eingestehen zu müssen, dass ein Irrer mit einem Gewehr den Präsidenten der Vereinigten Staaten auf offener Straße erschießen kann.

    Oder dass ein paar Fanatiker mit Teppichmessern vier Boeings zu Geschossen machen können.

    Die kanadische Psychotherapeutin Catherine Gildiner schrieb nach dem 11. September: ?Das verschwörungstheoretische Denken, das jetzt so rapide um sich greift, ist eine kollektive Form der posttraumatischen Belastungsstörung. Unser Gehirn bereitet uns damit auf den nächsten Angriff vor. In psychiatrischer Terminologie wird das Hyperwachsamkeit genannt.?

    Holzauge, sei hyperwachsam!

    Dank der unterwanderten Ufologen werden seither alle Hyperwachsamen mit Erkenntnissen über die wahren Hintermänner der Anschläge gefüttert: die Illuminaten, die Freimaurer, außerirdische Roboter und immer wieder die Juden... David Icke, Jo Conrads Gewährsmann für die Machtübernahme durch die ?Grauen? und der wohl einflussreichste Verschwörungstheoretiker, wurde von einer Stimme aus dem All mitgeteilt, dass die Rockefellers sich vor den Anschlägen ?auffällig verhalten hätten?.

    Das wunderbare Weltgedächtnis des Internet

    Mathias Bröckers, hierzulande wohl der erfolgreichste Verschwörungsprofi, schreibt in seinem Bestseller ?Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11. 9.?: ?Zweimal täglich googeln hilft zuverlässig gegen virulente Manipulationen, Propaganda-Infektionen und chronische Verblödung.?

    Ja, das wunderbare Weltgedächtnis des Internet, wo ja endlich alles unzensiert zu finden ist. Der Satz erinnert an die mittelalterlichen Ärzte, die Blutarmut mit Aderlass bekämpfen wollten.

    Es ist erstaunlich zu sehen, wie dieses offene Medium immer wieder als geschlossenes System funktioniert, wie die Autoren der darin zirkulierenden Texte oftmals einfach nicht auf Reize der Außenwelt reagieren: Man kann noch so oft beweisen, dass die Rockefellers keine Juden sind und die Illuminaten nur ein kleiner Kreis um einen Ingolstädter Professor waren, der sich wieder auflöste, bevor er überhaupt in Erscheinung getreten war: Im Nexus-Magazin oder den Phantasien von Helsing tauchen sie natürlich als jüdische Weltenherrscher und mächtige Gruppierung wieder auf.

    Lego für Erwachsene

    So packt einen beim Surfen durch die Paralleluniversen der Verschwörer zunächst Baudrillards ?vertige de l?interpretation?, ein Schwindelgefühl ob der hemmungslosen Kombinationsfreude der Weltendenker. Je länger man aber darin liest, desto mehr erinnert das Ganze an Lego für Erwachsene: Im Grunde kommen inzwischen alle mit denselben Versatzstücken aus, die nur jedes Mal anders kombiniert werden.



    Es gibt, zum meinem Bedauern, viele Leute, die an Verschwörungstheorien glauben - egal wie abgefahren diese sind.

    Grüße!
    DeeTee

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