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Ephraim Kishon ist tot

Erstellt von waschbaer, 30.01.2005, 15:31 Uhr · 2 Antworten · 499 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von waschbaer

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    Und wieder ist eine der großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts von uns gegangen. Ich habe manche seiner Sachen recht gerne gelesen bzw. in der Bühnenfassung gesehen.

    Trauer um Ephraim Kishon

    Satiriker starb in seiner Schweizer Wahlheimat

    Ephraim Kishon ist tot. Der vor allem im deutschsprachigen Raum überaus erfolgreiche Satiriker starb am Samstag in Appenzell. Kishon wurde 80 Jahre alt. Der beissende Humor des in Ungarn geborenen jüdischen Schriftstellers lebt in seinem Werk weiter.

    (ap) «Ephraim Kishon war zweifellos einer der bedeutendsten Künstler der israelischen Kultur», sagte Israels Staatspräsident Mosche Katzav am Sonntag im israelischen Radio. Keiner habe so wie er den Prozess der Eingliederung von Einwanderern in die israelische Gesellschaft zum Ausdruck bringen können.

    Trotz seiner europäischen Herkunft zeichnete Kishon in seinen Romanen und Erzählungen in kongenialer Präzision die Charaktere und Gedankenwelt der jüdischen Einwanderer aus Nordafrika nach.

    Ambivalentes Verhältnis zu Israel

    Zu Israel aber habe Kishon immer ein ambivalentes Verhältnis gehabt, sagte am Sonntag sein Sohn Rafi. So habe er die Gründung des jüdischen Staates zwar als grösstes Wunder des 20. Jahrhunderts betrachtet. Von den Intellektuellen und Kritikern in Israel habe er sich aber oft ungerecht behandelt gefühlt. Gleichwohl habe sein Vater weiter auf Hebräisch geschrieben und Israel von der Schweiz aus immer wieder besucht.

    Die Erfolge in Deutschland freuten Kishon besonders. Er sagte, es sei ein besonderes Gefühl, dass die Kinder seiner Henker jetzt seine Bewunderer seien, sagte Rafi Kishon.

    Kishon wurde am 23. August 1924 unter dem Namen Ferenc Hoffmann in Budapest geboren und im Zweiten Weltkrieg von den Nazis nach Polen deportiert. In einem Konzentrationslager stellte ihn ein Wachmann mit anderen Juden in eine Reihe auf und erschoss zehn Häftlinge - Kishon aber überging er. «Sie machten einen Fehler, sie liessen einen Satiriker am Leben», schrieb Kishon später.

    Flucht vor den Nazis

    Im letzten Kriegsjahr 1945 gelang ihm auf dem Weg ins Vernichtungslager Sobibor die Flucht. 1949 siedelte er von Ungarn nach Israel über, wo er seinen neuen Namen annahm. Später lebte er in der Schweiz, was ihm in Israel Kritik eintrug.

    Nachdem Kishon in Budapest Kunstgeschichte und Bildhauerei studiert hatte, schrieb er in Israel zunächst satirische Glossen für die Tageszeitung «Maariv». Mit Beginn der 60er Jahre gab er eine Vielzahl von Satiren und Erzählbänden heraus. Am bekanntesten wurden «Dreh'n Sie sich um, Frau Lot» (1962), «Arche Noah, Touristenklasse» (1963) und «Wie unfair, David» (1967).

    Beisetzung in Israel

    Sein Werk von mehr als 50 Büchern wurde in mehr als 34 Sprachen übersetzt. Im deutschen Sprachraum erreichten seine Bücher eine Millionenauflage. Ausserdem schrieb er Drehbücher für Filme wie «Salah Schabati». In Deutschland erhielt Kishon 1978 den Orden wider den tierischen Ernst und 1984 den Karl-Valentin-Orden. 2003 bekam er für sein Lebenswerk die höchste Auszeichnung des israelischen Staates, den Israel-Preis. Kishon hinterlässt seine dritte Frau Lisa und drei erwachsene Kinder. Die Beisetzung findet in Israel statt.

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von röschmich

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    Ich habe es auch eben vernommen. Einmal habe ich ihn sogar live gesehen und habe mir Bücher von ihm signieren lassen.

  4. #3
    Benutzerbild von Babooshka

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    Ich wusste gar nicht, dass er drei "beste Ehefrauen von allen" hatte, ich dachte, er hätte nur diese eine gehabt, jene christliche Palästinenserin, die Mutter von Amir, Renana und Rafael.

    Wie dem auch sei, ich bin traurig. 80 Jahre ist ein gutes Alter und ich hoffe, er hat nicht leiden müssen. Aber mit ihm haben wir einen brillanten Autoren verloren, wie es sie heute gar nicht mehr gibt. Ich lese seine Satiren, seit ich 13 oder 14 bin und kann immer wieder aufs Neue herzlich darüber lachen. Ich war und bin weniger ein Fan seiner Polit-Satiren, verstand die oft nicht, aber seine Episoden aus dem täglichen Leben, über seine Familie, Freunde, Essen, Reisen und jüdische Bräuche sind unschlagbar. Sehr schön auch jene Geschichte, wo er seinen Freund nach einem feuchtfröhlichen Abend noch recht verkatert und seiner Erinnerung beraubt anruft, meisterhaft schauspielerisch interpretiert von Harald Juhnke.

    Wollen wir Kishon hier noch ein bisschen huldigen. Was sind denn so eure Lieblingsgeschichten von ihm?