Umfrageergebnis anzeigen: Die Finanzkrise, alles nur Zufall?

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  • Ja, es konnte wirklich niemand absehen was passiert und es steht keine böse Absicht dahinter!

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    3 42,86%
  • Schwierig zu sagen was dahinter steckt, aber vermutlich eine Verkettung unglücklicher Umstände!

    4 57,14%
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Finanzkrise&Rezession oder: Neue Weltordnung auf Kosten der Globalisierunhgsverlierer

Erstellt von PostMortem, 09.12.2008, 23:02 Uhr · 2 Antworten · 543 Aufrufe

  1. #1
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    Finanzkrise&Rezession oder: Neue Weltordnung auf Kosten der Globalisierunhgsverlierer

    Die Finanzkrise ist allgegenwärtig, längst ist eine handfeste Wirtschaftskrise aus ihr geworden. Noch shoppen wir artig und bescheren dem Handel ein recht ordentliches Weihnachtsgeschäft. Das Ganze kommt mir vor wie die spielende Kapelle beim Untergang der Titanic. Es kam alles so plötzlich und überwältigend, dass viele von uns wohl noch gar nicht begreifen, dass das kommende Jahr nicht nur schlechte Nachrichten, sondern handfeste Einschnitte und auch Einschläge mit sich bringen wird. In den USA sind innerhalb von vier Wochen 500.000 Menschen arbeitslos geworden und die großen Zusammenbrüche werden erst noch kommen. Unsere Unternehmen klagen über einbrechende Auftragseingänge, die ersten mittelgroßen Fische melden ohne Vorwarnung Insolvenz an oder zumindest Kurzarbeit. Die Schlange der Bittsteller vor Kanzleramt, Ministerpräsidenten und Finanzministerien wird länger und lauter.

    Es wird nicht lange dauern, dann wird die "ruhige Hand" der Kanzlerin das Geld mit vollen Händen ausgeben und das auf Pump. Dabei kann es den Niedergang nur Verzögern, aber nicht aufhalten, wenn die Wirtschaft zum Erliegen kommt. Das Geld wird fließen weil Banken uns in diese Lage gebracht haben. Das Geld wird von Banken kommen. Und das Geld das wir in Zukunft brauchen, um die Zinsen für das Geld zu zahlen das wir jetzt pumpen, wird auch von Banken kommen. In Wahrheit werden wir von Banken regiert. Die Ver- und Entflechtung der Deutschland AG war Sache der Banken, Politik wird erheblich beeinflusst von Banken - auf der ganzen Welt. Und an jedem Dollar oder Euro den der ganze Spaß kostet verdienen sie mit, denn er kostet Zinsen (und solange Schulden wegen immer weiterer Kreditneuaufnahmen nicht getilgt werden Zinsenszins...).

    War es also wirklich Verantwortungslosigkeit und Ahnungslosigkeit der Banker die uns in diese Lage gebracht hat? War es nicht so, dass seit Jahren und Jahrzehnten vor dem Platzen der US-Immobilienblase gewarnt wurde und nichts ist geschehen? Kann man so etwas ohne Vorsatz überhören?

    Ist es nicht so, dass die Verluste nun wieder der Allgemeinheit auferlegt werden? In Wahrheit ist das alles doch ein wahnsinnig billiges Kreditprogramm, auch wenn ein paar Bankiers sich im Büßerhemd verkleiden. Und auf der anderen Seite sind so viele ehemalige Perlen der Großindustrie nun sehr billig zu haben. Jemand wird sich das alles unter den Nagel reissen. Es können Asiaten sein, es können Araber sein. Sie haben Geld, wir haben Schulden. Den Preis zahlen hierzulande die, die vorher schon zu den Verlierern der Globalisierung gehört haben. Was sie aufgebaut haben wird billig verscherbelt. Erst zahlen sie mit Steuergeldern die Milliardenhilfen und nicht wenige anschließend noch mit dem sozialen Abstieg in die Arbeitslosigkeit, weil sie Unternehmen nur sehr selten mit Steuergeldern retten lassen.

    Ist das alles wirklich Zufall? Ich bin nicht gerade ein Freund von Verschwörungstheorien. Aber die Bankenwelt hat seit ihrem Bestehen immer wieder eine große Rolle im Weltgeschehen gespielt und auch von den größten Katastrophen der Weltgeschichte immer noch profitiert. Ich kann nicht glauben, dass sowas wie die Finanzkrise auf so breiter Front nur wegen irgendeines Gruppenverhaltens passiert ist. Ich denke jedem an den entsprechenden Schaltstellen war klar was passieren wird und man hat es mit ganz bestimmten Zielen und Strategien im Hinterkopf auch geschehen lassen. Und wenn es so war, dann funktioniert der ganze Plan bis jetzt wie am Schnürchen... Die Welt und das Wirtschaftsgefüge in der Welt kann auf den Kopf gestellt werden. Die Finanzkrise wird vielleicht in etwas enden, was früher von Politikern als "Neue Weltordnung" propagiert worden ist. Sie wird vielleicht kommen, aber ganz anders als westliche Politiker sich das wohl mal vorgestellt hatten. Und die Banker? Die haben doch seit Jahrzehnten die immer weitere Verlagerung von allem was nicht niet- und nagelfest war Richtung Osten gefordert und gefördert...

    Was denkt ihr?

    PM

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Torsten

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    AW: Finanzkrise&Rezession oder: Neue Weltordnung auf Kosten der Globalisierunhgsverli

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Was denkt ihr?
    Das, was ich kürzlich schon im Fußballthread geschrieben habe. Wo keine Grenze gesetzt und nur mit vorangegangenen Missständen relativiert wird - frei nach dem Motto: ist eh schon alles scheiße, also kann's noch ein bisschen beschissener werden -, wird die Freiheit bis zum Anschlag ausgenutzt. Der Pferdefuß des Kapitalismus ist ja letztlich derselbe wie der seines Gegenmodells: Beide ignorieren einen elementaren Trieb des Menschen ("haben wollen") und sägen damit am eigenen Ast. Da die Banker an den Schaltstellen des Kapitals sitzen, nutzen sie natürlich jeden erdenklichen Weg, um ihre Unternehmen bzw. sich selbst dabei die größtmöglichen Vorteile zu verschaffen. Ob das moralisch vertretbar ist, spielt keine Rolle, solange sich alles noch im legalen Rahmen bewegt (und manchmal auch nicht).

    Um sich den Grund solcher Vorfälle zu erklären, muss man sich doch nur eingestehen, wie es ist: Solange uns nicht Einhalt geboten wird, handeln wir doch fast alle nach dem Prinzip "nach uns die Sintflut" - warum sollte man von Finanzjongleuren was anderes erwarten? Wer kann sich schon davon freisprechen, ähnlich gehandelt zu haben, wenn er entsprechende Möglichkeiten gehabt hätte? Vor allem in einer durchökonomisierten Welt, in der Geld und Status alles bedeuten! Nein, die einzelnen Beteiligten hatten keinen übergeordneten Plan - nur das ganz normale, egoistische Ziel, so viel wie möglich für sich rauszuholen. Wenn in diesem System dann alles im Domino-Effekt voneinander abhängig ist, kommt es beim Zusammenbruch eben zu den Folgen, mit denen wir uns jetzt rumschlagen dürfen. That's it!

    Und da isses völlig egal, ob es um die Finanzkrise, explodierende Managergehälter, die Kommerzialisierung des Sports, obszönen Verschwendungswahn der Ölscheichs oder immer volksverblödendere Fernsehformate geht: All das passiert nur, weil die Gesellschaften nicht den Mut aufbringen, an einem bestimmten Punkt "Stop!" zu sagen. Statt sich die Mühe eines breites Diskurses über notwendige Grenzen zu machen, fragt man lieber abwinkend "Wo soll man denn Grenzen setzen?" und tut so, als dürfe man im Namen des Fortschritts darüber gar nicht erst nachdenken. Stattdessen wird lieber auf die Vernunft des Marktes bzw. des Einzelnen vertraut; das aber ist eine Illusion. Um dahin zu gelangen, müsste ein "neuer Mensch" geschaffen werden - aber den kenne ich bisher nur aus "Star Trek"...

    Apropos Kinofiktion - was der Autor der TV-Serie "The Wire" als ihre Kernaussage beschreibt, kann man auf die Verhältnisse rund um den Globus münzen: "Die Show handelt vom Niedergang eines Imperiums. In unserem System sinkt an jedem Tag der Wert eines jeden Individuums - egal ob Dealer, Staatsanwalt, Journalist. Dies ist das Amerika, für das wir bezahlt haben. Nicht mehr und nicht weniger."

    Und wie zitierte Georg Schramm kürzlich in "Neues aus der Anstalt" den Ökonomen John Maynard Keynes so treffend: "Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen mit widerwärtigen Motiven sich irgendwo dem Allgemeinwohl verpflichten werden."

  4. #3
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    AW: Finanzkrise&Rezession oder: Neue Weltordnung auf Kosten der Globalisierunhgsverli

    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    Da die Banker an den Schaltstellen des Kapitals sitzen, nutzen sie natürlich jeden erdenklichen Weg, um ihre Unternehmen bzw. sich selbst dabei die größtmöglichen Vorteile zu verschaffen. Ob das moralisch vertretbar ist, spielt keine Rolle, solange sich alles noch im legalen Rahmen bewegt (und manchmal auch nicht).
    Das würde ich als Generalverdacht gegenüber den Bankern unterschreiben. Die Finanzkrise ist jedoch von der Clinton-Regierung und der Fed verursacht worden, obwohl niemand daran kurz- oder mittelfristig etwas verdient hat. Kurzfristige und -sichtige Gier kann also in diesem Fall als Grund ziemlich sicher ausgeschlossen werden. Clinton hat 1999 dafür gesorgt, dass sich jeder bis dahin Nicht-Kreditwürdige ein Haus auf Pump kaufen durfte (diese Kredite sind dann auch reihenweise geplatzt). Schon damals war allen bewusst, dass der Staat für diese Kredite in großem Umfang wird einspringen müssen. Warum hat man diese Entwicklung trotzdem losgetreten? Bush und die Fed haben die Zinsen in den USA derart in den Keller gefahren, dass sich Sparen nicht mehr lohnte (es gab nichtmal einen Inflationsausgleich) und die Leute im Gegenteil noch viel mehr Kredite aufnahmen, da diese so verdammt günstig waren. Warum hat man diese Entwicklung forciert, obwohl die US-Amerikaner sowieso schon als überschuldet galten? Das ganze kommt einem vor, als hätte der Eine dem Auto die Bremsen entfernt und der Andere tritt Mangels Bremse wie verrückt aufs Gas, während er auf die Mauer zurast.

    Nein, die einzelnen Beteiligten hatten keinen übergeordneten Plan - nur das ganz normale, egoistische Ziel, so viel wie möglich für sich rauszuholen. Wenn in diesem System dann alles im Domino-Effekt voneinander abhängig ist, kommt es beim Zusammenbruch eben zu den Folgen, mit denen wir uns jetzt rumschlagen dürfen. That's it!
    Und genau daran habe ich aus o.g. Gründen meine Zweifel. Aus verschiedensten Richtungen wurde sozusagen auf diese Krise hingesteuert, ohne das jemand kurz- oder mittelfristig irgendeinen Profit erwarten durfte. Es wirkt doch wirklich fast so, als hätte man sich genau auf das verlassen was nun passiert: Man fährt alles mit großen Verlusten vor die Wand, sozialisiert diesen Aufwand in Form der nun anlaufenden staatlichen Hilfen, kommt nach einiger Zeit relativ ungeschoren aus der Krise raus, hatte in dieser ganzen Zeit jedoch die historische Gelegenheit die gesamte WIrtschafts(/Welt?)ordnung neu zu sortieren
    .
    "Und wie zitierte Georg Schramm kürzlich in "Neues aus der Anstalt" den Ökonomen John Maynard Keynes so treffend: Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen mit widerwärtigen Motiven sich irgendwo dem Allgemeinwohl verpflichten werden."
    Wobei man dazu sagen muss, dass Keynes damit vor langer Zeit das angelsächsische Wirtschaftsmodell beschrieben hat. Unternehmer im herkömmlichen Sinne waren in Deutschland jedoch oft auffallend sozial und dachten langfristig. Einige Sozialleistungen wurden nicht von Gewerkschaften erkämpft, sondern basieren auf "Erfindungen" von Unternehmern. Ich habe erst heute erfahren, dass es in dem Gebäude in dem ich arbeite einmal ein Schwimmbad, Kegelbahnen und ein Kostmetikstudio gab - gratis für die Mitarbeiter. Heute meint man, so etwas sein Erfindungen amerikanischer Internet Start Ups. Tatsächlich sind eine größere Zahl der heutigen angestellten Manager widerwärtig. Ich bin versucht zu denken, dass es der Manager-Karriere förderlich zu sein scheint an einer ausgeprägten Soziopathie zu leiden. Vielleicht hat der Kapitalismus diese Sorte Mensch hervorgebracht bzw. nach oben gespült. Es war aber nicht immer so, dass widerwärtige Menschen die erfolgreichsten Unternehmer waren und kurzfristiges Denken und Handeln als Erfolgsmodell galt. Diese "Mode" hat uns allein das neoliberale Modell der Briten und US-Amerikaner eingebrockt.

    PM

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