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Graffiti und Tags: Kunst oder Schmiererei?

Erstellt von Babooshka, 25.11.2004, 15:38 Uhr · 161 Antworten · 10.480 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Sinister

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    lol
    bei solchen postings lohnt sich ein gespräch ja wirklich

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von J.B.

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    @ sinister

    Und bei solchen Antworten ebenfalls!

    Kotzsmilies, anderen pauschal Unwissenheit zu unterstellen, sich selbst als den einzig waren Adepten (= Eingeweihten) zu betrachten und ironische, aber dem Sinngehalt nach leere Antwortblasen sind für eine angemessene Gesprächsführung auch nicht wirklich dienlich.

    Schade

    Ich habe meine Fragen nicht zum Spaß gestellt, weil ich hohle, zynische Phrasen lesen wollte oder nur um immer wieder in Erfahrung bringen zu können wie unwissend ich bin.

    In diesem Sinne

    J.B.

  4. #13
    Benutzerbild von Sinister

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    "sich selbst als den einzig wahren Adepten (= Eingeweihten) zu betrachten..."

    du unterstellst mir das ja auch obwohl ich das nie sagte!
    zudem hab ich dich persönlich nicht angesprochen, wenn doch, war das nicht absichtlich! das ist ja auch nicht böse gemeint...

    was die smileys angeht... sie heissen ja auch emoticons und verdeutlichen meine persönliche stimmung. im s-bahn-thread hat es ja auch jeder für notwendig gehalten, oder zu verwenden... ich bin deswegen auch nicht gleich verärgert.

  5. #14
    Benutzerbild von Sinister

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    "warum malst du (illagal)?"
    einen einzig konkreten grund gibt es nicht, denn jeder sprayer malt aus eigenen persönlichen gründen. bei mir spielen sozialkritische dinge eine sehr grosse rolle. krieg, ungerechtigkeit, politik, liebeserklärung... da ist alles dabei.
    ich vergleiche das malen mit plakatieren. hat sich schonmal jemand über plakatieren aufgeregt? komisch, wenn nicht, denn ein sehr grosser teil der plakate kleben laut ordungsamt nie da wo sie es eigentlich sollten: an legalen flächen.
    eine legale fläche suche ich ebenfalls auf, die legalität der fläche spielt für mich keine so grosse rolle. meine suche nach flächen zielt auch nicht darauf, etwas zu "zerstören". viel eher darauf, dass die "message" von möglichst vielen gesehen wird.
    tags haben zum einen bedeutung, innerhalb der "szene" gesehen zu werden. oder oft auch nur für den sprayer selbst... "hier war ich schon mal!"
    aber auch für andere aufmerksame nicht-sprüher "hey, der war doch auch schon in XXXX!"
    hauptsächlich aber dient ein tag der kommunikation innerhalb der szene!
    kunst ist es sicher für den ein oder anderen. ja, viele wandproduktionen sind es tatsächlich. kann ja keiner abstreiten...
    ich bevorzugte in letzter zeit das schablonen-sprühen, weil dies eine sehr klassische art ist, die botschaft karikativ, informativ und kreativ zu zeigen.
    ich sehe mich nicht als rebell, widerständler und nicht als revolutionär... aber ich zeige gerne, was mir gegen den strich geht. auf andere weise könnte ich das nicht zeigen bzw. bin ich der meinung, dass die anderen möglichkeiten wenig bringen... demos sind leider mangelware oder die leute zu feige? schüchtern?
    graffiti gibt es seit den 60ern und viel länger hinaus! ich bezweifle, dass es je eine möglichkeit findet, dies einzuschränken oder gar abzuschaffen...
    graffiti ist meiner ansicht nach ein spiegel der gesellschaft. solange es gewisse bewegungen in einer gesellschaft gibt, gibt es auch wege, diese optisch zu signalisieren.
    ps: laut lexikon ist kunst "das eigene (kreative) können". heisst also, wenn ein sprayer sein handwerk versteht, ist es demnach also auch kunst...?! wird wohl so sein.
    wie einer der user schon erwähnte: wieso wird ein bild mit farbspritzern, handabdrücken, etc. als "kunst" betitelt?
    wieso nennen alle kritiker es kunst, wenn der bekannte künstler Flatz eine gehäutete kuh von einem kran fallen lässt?
    wieso ist es kunst, wenn ein picasso-bild einen stier mit verdrehten köpfen und 4 augen kunst ist!
    hingegen aber über mehrere jahre ausgearbeitete buchstaben nicht?
    wer behauptet, dass das "schmieren" von buchstaben bzw. das sprühen eines bildes nicht schwer wäre oder da gar keine technik dahinter steckt, soll es doch mal gerne zu einem vergleich zwischen nicht-sprayer und sprayer kommen lassen.

    "der kick!?"
    nein, der kick ist es nur am anfang und bei mir war es auch nicht der ausschlaggebende grund, da ich mir sicher war, meine meinung auf diese weise an die öffentlichkeit zu tragen. der kick war also nur begleiterscheinung.
    "warum also s-bahnen und warum private häuser!"
    ich persönlich verzichte auf objekte, bei denen ich weiss, dass sie kulturell wichtig sind (museen, kirchen, etc.) oder jene, die sich der eigentümer/besitzer mühsam erspart hat.
    was anderers ist es für mich hingegen bei s-bahnen, ämter und öffentliche einrichtungen wie schulen, etc.
    da diese meiner meinung nach öffentlich sind, sehen das dort die meisten leute, wenn ich dort ein graffiti/schablonen-bild anbringe...
    klar respektiere ich die meinung, dass dies nicht ok ist.
    ich befand mich bereits in arrest diesbezüglich... bisher fragten mich die
    leute: "und, was haste verbrochen?!" ich darauf: "wegen malen...!"
    antwort: "waaas? deswegen?!"
    leute deswegen dermassen hart zu bestrafen ist also nicht nur nach ansicht der sprayer völliger unsinn
    man vergleiche nur mal urteile wegen graffiti und urteile wegen körperverletzung oder sonstigen harten delikten.
    glücklicherweise haben staatsanwalt und polizei das täter/opfer-ausgleichprogramm geschaffen, in dem vesucht wird, den schaden auf sinvollere art zu beheben.

    "was ich gegen solche vorurteile habe?!"
    eine meinung haben ist das eine und völlig ok, steht jedem zu.
    hier unterscheiden offensichtlich manche nicht mehr zwischen meinung und pauschalurteil.
    "das ist keine kunst!" und "für mich ist das keine kunst!" ist doch wohl was anderes... oder sehe ich das falsch?
    ich kenne keinen maler, der sitze schlitzt! ich kenne auch keinen maler, der fensterscheiben einer bahn eintritt! ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein maler die zeit hat, nach einem besprühten zug noch andere derartig dämliche sachen zu machen. das hat zwar von den forum-usern keiner geschrieben, aber es wird trotzdem behauptet.
    mag sein, dass es viele maler gibt, die das wegen dem kick machen, aber der kick alleine kann es nicht sein. es ist der drang der verwirklichung seiner ideen. einige leiden möglicherweise unter minderwertigkeitkomplexen und sind nur dann "was", wenn sie nachts züge und wände malen.
    nur wenn die leute was von "revier abstecken" schreiben, von "tags sind geschmiere/sinnlos/kunstwerke"...
    also nee... die wenigsten sprayer stellen sich vor einen stromkasten und denken sich "och, jetz lass mal kunst machen hier!"
    wäre hier z.b. ein zocker (wie z.b. J.B) und ich behaupten würde, zocker sind nur deppen, die den ganzen nachmittag vorm PC hocken und das machen, weil sie den bezug zur realität verloren haben, sie leben in ihrer welt und alles andere wäre unwichtig...
    dann kann ich das 1. nicht sagen, weil selbst nie gezockt habe und 2. weils vielleicht nur auf nen geringen prozentsatz zutrifft und ich J.B. nicht mal persönlich kenne!
    zu so einer aussage habe ich kein hintergrundwissen und trotzdem könnte ich die aussage als "meinung" abstempeln.
    da würde ich es mir aber ganz schön einfach machen, oder nicht?
    was versteht ihr unter "rumschmieren"??

    laut lexikon (ja, ich nehm meine sache schon sehr genau):
    schmie|ren 1. intr. 1 dick, unleserlich schreiben; 2. tr. 1 mit Fett einreiben
    (Werkzeug, Rad); mit Belag bestreichen (Brot); jmdn. s. ugs.: bestechen; jmdm. eine schmieren. ugs.: jmdm. eine Ohrfeige geben
    ich kann alle tags einwandfrei lesen... mit brot hat es auch wenig zu tun und am wenigsten mit einer ohrfeige!

    es mag den einen sprayer geben, der unbelehrbar ist und sogar gewalt anwendet, sobald man ihn stellt... der andere geht weit über die grenzen und sprüht autos an... der andere wiederum sieht eher sinn daran, den reichen leuten (wie gerade bei "die fetten jahre sind vorbei!") eins vor den latz zu knallen.
    es gibt bei allem "die und die anderen!" deshalb kann ich dieses "ja, diese sprayer sind, tags sind so... und überhauot sind..." nicht abhaben! denn ich fühl mich da angesprochen und angegriffen.

    wen es doch interessiert:
    ich arbeite ohne lohn in einer obdachlosen-mission und habe sogar vielen privateigentümern/-geschädigten unentgeltlich geholfen, ihre wände wieder neu zu gestalten, OHNE, dass diese von mir VERunstaltet wurden.
    nur das mal nebenbei, falls jemand noch auf diue idee gewonnen haben sollte, ALLE sprayer wären asoziale, schlechterzogene jugendliche ohne respekt vor dem eigentum

    für interessierte:
    barbara uduwerella arbeitet seit vielen jahren mit und in dieser szene.
    http://www.hiphophamburg.org/texte/index.html

  6. #15
    Benutzerbild von J.B.

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    @ sinister

    Wie soll man jemanden bezeichnen der allen anderen Unwissenheit vorwirft, behauptet, dass diese anderen alle keine Ahnung vom Thema haben und eigentlich mit dieser Andeutung über das Politkgespräch nichts anderes zum Ausdruck bringen wollte als: "Wenn man mal von etwas keine Ahnung hat - Fresse halten!" (D. Nuhr)?

    Ich denke das käme dem von mir erwähnten Adepten recht nahe. Du unterstellst uns, die wir unsere Meinung kundgetan haben, wir hätten (bis auf Alyosha) alle keine Ahnung, betoonst aber, dass Du selbst aus der Szene kommst, also quasi Insider bist.

    Das mit den Emoticons ist mir im Übrigen durchaus klar. Nur stört mich so etwas nach einem Post, in den der Autor (in dem Falle ich) Mühe und Zeit investiert hat. Dass ich nicht gemeint war wurde nicht ersichtlich, schon gar nicht, weil wieder nur von Unwissenden oder "sogenannten Experten" die Rede war.

    In so einem Fall gehe ich davon aus nicht ernst genommen zu werden und das wiederum wirkt auf mich eher oder als .

    Und noch ein kleiner Tipp:

    ...s-bahn-thread hat es ja auch jeder für notwendig gehalten, oder zu verwenden...
    Ich wäre mit diesen Verallgemeinerungen sehr vorsichtig.

    Nichtsdestotrotz würde es mich aber trotzdem freuen, wenn Du bei Gelegenheit auf meine Fragen und Punkte eingehen könntest, denn mich interessiert das wirklich. Ich möchte einfach gerne verstehen was dahinter steckt.

    ***EDIT: Habe gerade gesehen, dass Du das schon gemacht hast! THX ***

    Gruß

    J.B.

  7. #16
    Benutzerbild von Babooshka

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    Alyosha postete
    ich habe doch nicht gesagt daß Babooshka eine Spießerin ist. Meinst du vielleicht, weil ich in ein oder zwei anderen Topics Leute gradewegs "Spießer" genannt habe ? - NEIN NEIN, ich sehe nicht gleich jede/n so !
    Ach, na dann bin ich beruicht Ich befürchtete es bloß, weil ich ja auch mehr oder weniger in die Kerbe der Leute haute, die du u. a. spießig nanntest. Um meine Meinung nochmal zusammenzufassen: schöne, kunstvoll gestaltete Graffiti: ja, wenn am richtigen Ort (graue, triste Betonmauer z. B.). Tags: definitiv nein.

    ich würde gerne vieles dazu sagen (aber nicht um sich zu rechtfertigen, sondern zur Information)
    (...)
    Könnt ihr mir also ein bißchen Zeit lassen ? nur Geduld, ich schreib demnächst MIT SICHERHEIT darüber.
    Was mich angeht: Ja, OK! Ich möchte das wirklich gerne wissen, was es mit Tags auf sich hat.

  8. #17
    Benutzerbild von DeeTee

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    Mein Weltbild ist da etwas schlichter.

    Graffiti können künstlerisch und /oder "handwerklich" wertvoll sein.
    Macht man/frau Tags und Graffiti unerlaubt an Hauswände, Eisenbahnwaggons usw. begeht man eine Straftat und soll dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

    Soweit möglich, sollten Sprayer als Strafe ihre Graffitis selbst wieder entsorgen müssen. Alternativ: Geldstrafe, Sozialdienst, Gefängnis.

    DeeTee

  9. #18
    LastNinja
    Benutzerbild von LastNinja
    Tag:

    Ein Signaturkürzel. Wird unter anderem in der amerikanischen Gang-Kultur als territoriale Markierung benutzt. Hierzu werden oft dicke wasserfeste Stifte benutzt. In europäischen Ländern auch teilweise unabhängig von Graffitis üblich, wo nur die Tags (Unterschriften) geschrieben oder auch gesprayt werden. Ziel dabei ist möglichst präsent zu sein in einer Stadt, einem Bezirk oder einer Gegend. Sozusagen ein Wettkamp unter Taggern, wer mehr, größere, an cooleren Stellen schafft.

    Tag ist aber nur ein Begriff von vielen....die weiter unten genauer erklärt werden.


    Obergriff ist halt Graffiti:

    Graffiti bezeichnet ursprünglich einen an eine Wand geschriebenen Text (z.B. in Pompeji). Heute werden damit umgangssprachlich vor allem die von Jugendlichen mittels Sprühdosen illegal oder legal hergestellten Bilder (pieces) bezeichnet. Als Oberbegriff beschreibt es neben den so genannten Tags und Pieces auch die Schablonengraffiti und politischen Graffiti und ist ein Teil der Straßenkunst (Street-Art).

    Das Anfertigen von Graffitis stellt ein Strafdelikt dar, wenn es ohne Zustimmung des Eigentümers auf fremden Eigentum ausgeführt wird. Außerdem löst es immer wieder kontroverse Diskussionen aus, da sich manche Personen durch die Kunstwerke im öffentlichen Raum nicht angesprochen fühlen.


    Graffiti heute

    Eine mit Graffiti bemalte Straßenbahn. Es handelt sich hierbei jedoch um Ganzreklame für Chewan-Jeans
    Ein sog. Bombing in einer U-Bahnstation in Düsseldorf (1994)Eine moderne Graffiti-Tradition entstand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Damals waren die Pieces geheime Nachrichten/Mitteilungen von Gang- und Cliquenmitglieder. Die Schriftzüge wurden so verziert, verzogen und verändert, dass jeweils nur die Gangmitglieder wussten, was es hieß. Unterschrieben wurden die Pieces auch, aber da es illegal war, unterschrieb jeder nur mit seinem Spitznamen, den er zusätzlich noch unlesbarer machte. Später markierten (vor allem in den Ghettos) Gangs ihre Gebiete mit Pieces oder Tags – weniger aufwendigen Schriftzügen. Wenn eine Gang das Graffiti einer anderen übersprayte, hiess das „Krieg“ – und die Kriege zwischen Gangs verliefen selten gewaltlos. Als Alternative zu der physischen Gewalt wurden dann auf Battles gekämpft. Dort trafen (und treffen sich auch heute) MCs (Master of Ceremony, Rapper), DJs, Breaker oder eben Writer (writen von englisch schreiben, ein Writer writet pieces).

    In der Hip Hop-Kultur bildet Graffiti eines der vier wesentlichen Elemente; der Graffiti schaffende Künstler wird allgemein als Writer bezeichnet. Oft werden mit den gesprühten Bildern auch Gebiete (Turfs, englisch für Revier) markiert. Es kann zwischen diversen Pieces unterschieden werden. Throw up oder Quickpiece, TtoB (Top to Bottom, englisch für „von oben bis unten“), und EtoE (End to End, englisch für „vom einen Ende bis zum anderen“, bezieht sich vor allem auf Eisenbahn-, U-Bahn- und Straßenbahnwagen), Blockbuster, Silverpieces etc. Weiter gilt eine Unterscheidung in Letters (Buchstaben, Schrift) und Characters (Bilder, meist im Stil von Comic-Figuren). Bildträger sind u.a. Außenwände von Häusern und anderen Gebäuden, Betonmauern von außerstädtischen Großbauwerken wie Autobahn- oder Kanalbrücken, aber auch nur zeitweilig ruhende Objekte mit großen Flächen wie Straßenbahnen und Eisenbahnwaggons.

    Als professionelle Künstler konnten sich nur wenige Writer durchsetzen, wie beispielsweise der New Yorker Keith Haring oder Thomas Baumgärtel, die beide allerdings nicht der Hip-Hop-Kultur entstammen. Bekannte deutsche Writer sind Loomit, WON und DAIM, dessen Spezialität dreidimensionale Letters sind. Ihre Buchstaben haben auch keine Outlines um sich vom Hintergrund abzuheben.

    Der Zusammenhang von Hip Hop und Graffiti ist nicht lückenlos. Graffiti gibt es länger als Hip Hop, und in den frühen 1980er Jahren waren Writer oft eher Punks, und auch heute sind es nicht die „modischen Discogänger“-Hip-Hopper, die selber Writer sind. Auch mit Hausbesetzern gibt es immer wieder Überschneidungen, was man dann an den farbenfrohen Fassaden sehen kann.


    Terminologie:
    Das Sprayen hat ein vielfältiges Sprach- und Technikrepertoire entwickelt:

    3D-Style
    Beim 3D-Style/-Stil wird die Outline weggelassen und die Konturen der Buchstaben werden allein durch Licht- und Schattensetzung definiert. Besonders durch die Entwicklungen von DAIM, Delta (Niederlande) und Erni (USA) ist mitlerweile der 3D-Style weltweit in der Graffiti-Szene akzeptiert.

    Background
    Der Hintergrund des Pieces wird als Background bezeichnet. Ursprünglich bestand dieser meist aus Bubbles oder einfarbigen Flächen, heute werden oft auch ganze Bildkompositionene, Landschaften oder grafisch aufwändige Farbverläufe gesprüht.

    Blackbook
    Ein Buch, das zum Skizzieren von Graffiti dient und in das häufig auch Fotos eingeklebt werden, nennt man Blackbook. Weitere Formen sind das Sketchbook, das nur Skizzen enthält und das Travel- oder Guestbook in das Bekannte des Sprühers zeichnen. Es findet keine klare Abgrenzung zwischen diesen Formen statt, so dass sich beispielsweise in einem Blackbook auch Bilder von anderen Sprühern befinden können.

    Blockbuster
    Blockbuster sind große, eckige Styles, die häufig an Western-Typografie erinnern und auch für Außenstehende gut lesbar sind.

    Bombing
    Bombing ist in der Sprayerszene ein Begriff für ein meist ohne großen Aufwand gemaltes Bild: hauptsächlich einfarbig ausgemalt mit Outlines. Die Zeit für ein Bombing ist auf wenige Minuten beschränkt, da dies eine illegale Handlung ist. Eine andere Bezeichnung für das Bombing ist Quickpiece.

    Bubbles
    Bubbles sind runde blasen- oder kreisförmige Farbflächen, häufig im Background zu finden.

    Bubblestyle
    Als Bubblestyle werden Pieces bezeichnet, die aus runden Elementen bestehen und aussehen, als seien sie aufgeblasen.

    Burner
    Als Burner wird ein besonders gelungenes Graffiti beschrieben. Es kann sich aber auch darauf beziehen, dass das Graffiti an einem besonders guten Platz zu sehen ist.

    Cans
    Mit cans (englisch für Kannen) sind die Spraydosen gemeint, mit denen die Writer ihre Pieces malen.


    Caps
    Caps sind die Sprühköpfe, die den Lack bei Entweichen aufgrund des Drucks in der Dose zerstreuen lassen. Es gibt mehrere unterschiedliche Arten von Caps: fatcpas, skinnycaps, NY-caps usw. Den Unterschied macht beispielweise die Dicke eines Striches aus. Bei Bombings wird meist ein Fatcap zum Ausmalen des Bildes benutzt, weil diese einen sehr dicken Strich haben.

    Character
    Als Character werden figürliche Darstellungen bezeichnet, die oft auch Comics entommen sind, oder an diese angelehnt sind. Ein für seine Character berühmter Writer in Deutschland ist Can 2 aus Mainz.

    End to end (E2E)
    Erstreckt sich auf die ganze Länge eines Zugwaggons, aber unterhalb der Fenster.

    Hall of fame
    Halls of fame (englisch für Ruhmeshallen) sind Flächen, die meist legal zu besprühen sind und auf denen die Writer vor allen Dingen qualitativ hochwertige Pieces anbringen. Der eigentliche Unterschied zu anderen Flächen im öffentlichen Raum ist, dass zu den Hall Of Fames Writer kommen, um die Werke zu betrachten und nicht die Werke zu den Writern kommen (wie beispielsweise besprühte Züge an den Bahnhöfen), häufig liegen sie sogar im Verborgenen. Bekannte Hall Of Fames in Deutschland sind bzw. waren zum Beispiel Bunker (Dortmund), Mauerpark (Berlin) und Live Music Hall (Köln). Hall Of Fames haben oft eine lange Tradition und dienen als Battleort und Treffpunkt für Writer. Ist eine Hall Of Fame gut besucht und unter vielen Writern bekannt, wird sie oft auch von Künstlern aus aller Welt besucht.

    Highlights
    Highlights ist die Bezeichnung für Lichtreflexe, die meist in Form von weißen Linien im Innenbereich der Buchstaben verwendet werden um das Bild plastischer erscheinen zu lassen.

    Line
    Der Begriff line ist in der Graffiti-Szene eine Bezeichnung für Bahntrassen (Zuglinien).

    Lay-Up
    Kleine Zugabstellanlagen werden von Writern als Lay-Ups bezeichnet, währden die offizielle Bezeichnung der Bahn dafür Kehranlage lautet. Oft sind dies Endhaltepunkte oder Knotenpunkte, an denen einzelne Züge zu Reinigungszwecken abgestellt werden und nach kurzer Zeit wieder herausgefahren werden.

    Outlines
    Outlines ist die Bezeichnung für die unmittelbare Umrandung ein Graffiti-Schriftzuges. Diese unterteilt die einzelnen Buchstaben in ihrer Form. Desweiteren gibt es die Second Outline (auch Frameline genannt), die den gesamten Schriftzug umrahmt.

    Piece
    Bezeichnung für ein aufwändiges, meist mehrfarbiges und großflächiges Graffiti. Es handelt sich dabei um die abgekürzte, ursprüngliche Bezeichnung für Masterpiece.

    Quickpiece
    siehe Bombing

    Rooftop
    Rooftops (englisch für Hausdach) sind Pieces auf Dachvorsprüngen.

    Spot
    Spots (englisch für Platz) sind explizit ausgewählte Orte, die zum Malen eines Bildes geeignet sind/wären.

    Graffiti in verschiedenen Stilen (Los Caños de Meca, Spanien)Stencils
    Als Stencil bezeichnet man Sprühschablonen.


    Throw-Ups
    Throw-Ups sind die Vorläufer von Bubblestyles und bestehen aus runden, wie aufgeblasen wirkenden Buchstaben, die meist ein- oder zweifarbig gestaltet und mit wenig Zeitaufwand erstellt werden.

    Top to Bottom (T2B)
    Erstreckt sich auf die ganze Höhe eines Zugwaggons.

    Toy
    Bezeichnung für einen unerfahrenen (schlechten) Graffiti-Künstler.

    Trash yard
    Hier rosten nicht mehr eingesetzte Zug-Waggons vor sich hin warten darauf, von Sprühern bemalt zu werden.

    Whole cars
    Sind komplett bemalte Zugwaggons.

    Wildstyle
    Als Wildstyles werden Bilder bezeichnet, die sehr kompliziert aufgebaut werden und deren Elemente wild verschlungen sind. Oft sind diese Bilder auch von erfahrenen Sprühern nicht lesbar. Als einer der Erfinder dieses Stils gilt Phase 2 aus New York.

    Yard
    Ein Yard ist der Ort an dem Züge oder U-Bahnen über Nacht zur Reinigung und Wartung abgestellt werden.
    [bearbeiten]



    Motivation:
    In der Öffentlichkeit wird häufig die Annahme verbreitet, die Sprüher fänden ihre Motivation im "Reiz des Illegalen". Welche Motivation wirklich ausschlaggebend ist, hat die Universität Potsdam untersucht. Dabei kam sie zu folgenden Ergebnissen:

    -Leistung bringen (Besser werden, besser als andere sein)
    -Positive Emotionen (Abschalten vom Alltag, abreagieren, Stimmung verbessern)
    -Kreativität (Ideen & Vorstellungen verwirklichen, Gefühle ausdrücken)
    -Gruppengefühl (Geborgenheit, Zusammenhalt)
    -Ruhm & Wettkampf
    -Lebenssinn & Halt im Leben (Crew als Familie)
    -Grenzerfahrungen machen (Angst überwinden, Gefahr erleben)
    -Zudem hat man festgestellt, dass Sprüher ein Flow-Erleben beim Sprühen haben.

    Diesen Zustand hat man sonst nur bei Extremsportlern wie z.B. Felskletterern festgestellt und er tritt überraschender Weise gleichermassen bei legal (Ruhm und Leistung) wie illegal (Grenzerfahrung) arbeitenden Writern auf. Gleichzeitig wurde aber bei Illegalen ein sehr hohes Mass an Besorgnis festgestellt, was dann wohl letztenendes auch zum "Umsteigen" auf legales Malen führt.


    Reaktionen der Öffentlichkeit:

    Graffiti in einem Berliner HinterhofGraffiti werden sehr kontrovers eingeschätzt: Die Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung empfindet insbesondere die kurzen Tags (Signaturkürzel), als Verunstaltung und puren Vandalismus, die einzig um des Vandalismus willen angebracht werden. Dies gilt umso mehr, wenn sie an frisch renovierten Gebäuden oder auf privaten Kraftfahrzeugen vorgefunden werden – Gegenstände, deren äußere Unversehrtheit vielen Menschen sehr wichtig ist. Hier wird Graffiti dann genau so negativ wie Scratching oder das Aufschlitzen von Sitzen in öffentlichen Verkehrsmitteln gesehen. Dieses Empfinden wird dadurch verstärkt, dass das gegenseitige (Teil-)Übermalen und Überschreiben von Graffiti zu künstlerich zweifelhafte Ergebnissen führt. Diese werden dann als pure „Schmierereien“ angesehen. Weiter führt das von Teilen der Szene demonstrierte, zum Teil zelebrierte, fehlende Unrechtsbewußtsein zur ablehnenden Reaktionen der Öffentlichkeit. Ebenso fehlt das Verständnis, warum sich Künstler ohne Not mit ihrer Kunst in die Illegalität begeben. Hieraus wird dann abgeleitet und unterstellt, dass es den Künstlern gar nicht um die Kunst, sondern nur um den „Kick“ durch die illegale Aktion geht.

    Strafrechtlich wird das unbefugte Bemalen von Wänden, Fensterscheiben, Zügen mit Sprühdosen als Sachbeschädigung eingestuft. Das Bemalen von Straßenschildern kann als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr gewertet werden. Weitere Straftatbestände können aus dem unbefugten Betreten von Grundstücken und Bauwerken abgeleitet werden. Zivilrechtlich verpflichtet es die Schädiger zum Schadensersatz. Unerlaubte Graffiti an Gebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln verursachen nach Angaben des Zentralverbandes der Deutschen Haus- und Grundeigentümer pro Jahr Schäden von bis zu 250 Millionen Euro.

    Nicht desto trotz wird Graffiti als Stil oft von der Werbebranche eingesetzt, um Jugendliche anzusprechen – legal, und von Erwachsenen. Unter den Jugendlichen genießen Graffiti jedenfalls quer durch alle Jugendkulturen breite Zustimmung. Graffiti gilt als illegale „Untergrundaktion“ und damit unter Jugendlichen natürlich auch als Mutprobe. Inzwischen werden gefasste Täter mehr und mehr selbst für die Beseitigung ihrer Schäden zur Verantwortung gezogen und zur Mitarbeit beim Entfernen der Farbe verpflichtet. Es wird behauptet, viele Täter kämen dadurch zur Einsicht und unterließen weitere Sachbeschädigungen dieser Art. Des weiteren kommt es immer wieder zu Verurteilungen zu hohen Geldstrafen.

    Anders als bei legaler Kunst können bei illegalen Graffitis nicht die selben Maßstäbe angelegt werden was Detailtreue oder Akkuratheit angeht. Dafür gewinnen Größe, unmögliche Erreichbarkeit (siehe Rooftops) und Einfachheit an Bedeutung. Legale Graffitikunst kann sich dagegen durchaus mit Atelierskunst messen.

    Um jugendliche Sprayer aus der Illegalität herauszuholen, wird Graffiti häufig auch als Jugendprojekt angeboten. Hier hat sich in den 1980er und 90er Jahren besonders Barbara Uduwerella und ihr Verein Hip Hop Hamburg e.V. hervorgetan. Ziel des Vereins ist es Graffiti zu entkriminalisieren und außergerichtliche Einigungen zu finden

    [bearbeiten]
    Graffitiforschung
    Die Graffitiforschung beschäftigt sich mit dem sozialen und kunstgeschichtlichen Aspekt von Wandmalereien.

    Dieser Forschungszweig sieht sich in der Tradition der Altertumsforscher, die vor ca. 300 Jahren begannen, antike Wandinschriften zu suchen, auszuwerten und zu publizieren. Der Begriff Graffitiforschung wurde erst ca. 1980 geprägt. Er setzte sich 1995 weltweit durch.

    Die Graffitiforscher gehen von der Annahme aus, dass Graffiti eine Menetekel-Funktion erfüllen und als politisches Thermometer angesehen werden können, sofern transpersonale Zusammenhänge eine Rolle spielen. Dies ist besonders in politisch unsicheren Zeiten von Bedeutung.


    --------------------------------------------------------------------

    Natürlich sind das nicht meine Worte...
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Graffiti
    (dort werden auch Bilder gezeigt)

    Hab jedoch beruflich damit zu tun....
    und besser kann man es nicht in Worte fassen..

    Ich persönlich finde es asig...
    mich wundert, dass diese "Kultur" einfach nicht ausstirbt...

  10. #19
    Benutzerbild von falkenberg

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    Sinister postete
    tags haben zum einen bedeutung, innerhalb der "szene" gesehen zu werden. oder oft auch nur für den sprayer selbst... "hier war ich schon mal!"
    aber auch für andere aufmerksame nicht-sprüher "hey, der war doch auch schon in XXXX!"
    hauptsächlich aber dient ein tag der kommunikation innerhalb der szene!
    Siehste, wusste ich es doch. Da lag ich mit dem pissenden Hund ja genau richtig.

  11. #20
    Benutzerbild von Sinister

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    @J.B.:
    Mit der Andeutung zur Politik wollte ich näherbringen, dass man vielleicht n Buch in die Hand nimmt, auf ner Internet-Seite was dazu anklickt... Irgendwas!
    Meinung hin, Meinung her... du hast doch zum Beispiel im S-Bahn-Thread sehr interessante Sachen diesbezüglich gesagt.
    Ich finde das lobenswert...

    @Falkenberg: Hab dir ja nicht widersprochen

    @LastNinja
    Zitat: "mich wundert, dass diese "Kultur" einfach nicht ausstirbt..."
    Solange es gebraucht wird, wird es auch nicht aussterben
    Werbung, Textilindustrie, Design jeglicher Art, CD- und Plattencover, Verpackungen... Ist ja nich so, dass Graffiti´s unwirtschaftlich wären!

    Was mir vorhin noch eingefallen ist... ich finde es viel rotziger, sich über gesellschaftliche Dinge zu beklagen und NICHTS dagegen zu tun.
    Protestiert heute noch jemand? Ausser die Gewerkschaftler ist mir da bisher leider keiner bekannt. Ach ja, HartzIV vielleicht ein paar. Nichts-Tun ist Mode?
    Meine Mutter erzählte mir, dass es in ihrer 68er-Generation auch schon Graffities bzw. Sprühparolen und -namen gab, die gegen die damaligen Umstände demonstrieren und aufmerksam machen sollten. Ich vermute jetzt zu lesen: "JAAA, war ja sinnvoll und das wäre was anderes. Das kannste nich vergleichen...". Liege ich richtig?

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