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habemus papam

Erstellt von bamalama, 19.04.2005, 19:05 Uhr · 71 Antworten · 4.819 Aufrufe

  1. #61
    Benutzerbild von Torsten

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    Muggi postete
    Möchte wissen, was an dem Nuhr-Artikel lustig, respektive "genial" sein soll. Für mich ohnehin der meistüberschätzte "Komiker" des Landes.
    Tja - wer die wirklich Guten ihres Fachs sehen will, sollte weniger die Glotze einschalten, sondern sich das Programm regionaler Kleinkunstbühnen zu Gemüte führen...

  2.  
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  3. #62
    Benutzerbild von French80

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    Hier sind einige interessante Vergleiche (Bilder) zu sehen (Posting von lonely-george von heute, 12:29)....

    http://www.kultpower.de/apboard/thre...ser=&sepost=#9


  4. #63
    Benutzerbild von Kazalla

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    Auch nicht schlecht:

  5. #64
    Benutzerbild von NDWforever

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    Die beiden ersten Schlagzeilen

    auf der Internetseite des Bayerischen Rundfunks

    am 19. April 2005:



    „Josef Kardinal Ratzinger neuer Papst Benedikt XIV.“

    „Teufel hat Rücktritt erklärt.“

  6. #65
    Benutzerbild von frasier

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    italomaster postete
    @ FRASIER
    ???
    Solange der Vatikan Verhütungsmittel verbietet stehen die Chancen für das Aids-Virus gut, sich weiter ungehemmt zu verbreiten. Und das nicht nur in Afrika sondern weltweit.

  7. #66
    Benutzerbild von Muggi

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    Kazalla postete
    Auch nicht schlecht:
    Nimm lieber den hier:














  8. #67
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Ein gutes Thema mit vielen Aspekten:

    Die liberale/protestantische Empörung: Die Katholen wählen sich einfach einen konservativen Papst, ohne uns zu fragen!
    Ich bin kein Fan der katholischen Kirche und auch sonst kein religiöser Mensch. Aber die Forderung vieler Protestanten, Atheisten und kirchenferner Leute, die Katholen mögen doch bitte mal einen "modernen", "liberalen", "fortschrittlichen" Papst wählen, finde ich dann doch etwas selbstherrlich und ignorant, denn es ist doch deren Papst! Wenn ein Verein einen Vorsitzenden wählt, dann soll der natürlich die Weltsicht der zahlenden Mitglieder vertreten und nicht die irgendwelcher Nicht-Mitglieder!

    Wenn die Katholiken und das Papsttum nur nicht so "konservativ" und "dogmatisch" wären!
    ... dann währen die Katholiken nicht die Katholiken und das Papsttum wäre überflüssung! Wenn einem ein Gedankengebäude nicht gefällt, dann sollte man dieses direkt kritisieren; aber einem religiösen Oberhaupt "Konservativismus" oder "Dogmatismus" vorzuwerfen ist so, als wolle man Motorsport-Rennfahrer wegen Geschwindigkeits-Überschreitung anzeigen.

    Die liberale/protestantische "Sorge": Die katholische Kirche schadet sich mit dieser Papstwahl selber, gerät ins Abseits.
    Die, die sich jetzt an einem "konservativen" Papst stören, würden doch sowieso nie eintreten! Im Falle einer "fortschrittlicheren" Papstwahl würden sie vielleicht Lob äußern; aber eintreten und Kirchensteuer zahlen noch lange nicht. Viel wichtiger als Lob oder Kritik von außerhalb ist es für die kath. Kirche daher, ihre wirkliche Stammklientel zu bedienen, ihr Milieu zusammenzuhalten, so wie sie es seit eh und je getan hat.
    Dass diese Strategie richtig ist, sieht man nirgendwo besser als in Deutschland: im katholischen Süden ist die Kirche immer noch eine bedeutende gesellschaftliche Kraft, präsent im Alltag vieler Leute. Die "wischi-waschi"-protestantische Kirche im Norden dagegen gilt zwar als "zeitgemäßer" und wird auch von kirchenfernen Leuten meist "ganz o. k." gefunden, aber das hat ihr nix genützt: sie ist am Sonntag leer und blutet finanziell aus!


    Der deutsche Stolz: "Wir sind Papst"
    LOL! Die Deutschen haben´s echt drauf, wirklich ALLES v. a. erstmal auf sich als Nation zu beziehen. Und dabei alle Differenzen hinter diesem fiktiven "Wir" zurücktreten zu lassen. Frei nach Wilhelm II. könnte man sagen: "Von diesem Augenblick an sehe ich keine Katholiken, Prostestanten und Atheisten mehr; ich sehe nur noch Deutsche!"


    Die deutsche Entüstung: Die "Inselaffen" sind mal wieder neidisch! Und so schlimm war´s bei der HJ ja auch nicht!
    Sicher, die Volksverhetzung in der britischen "Sun" ist oft noch etwas deftiger als die in der deutschen "Bildzeitung". Und jemandem einen Nazi-Vorwurf daraus zu machen, als Halbwüchsiger in der HJ gewesen zu sein, ist schon etwas unfair, wenn man das damals unreife Lebensalter des Betreffenden bedenkt und die scheinbare Selbstverständlichkeit, mit die meisten anderen um einen herum ja auch in der HJ waren.
    Aber der "Wir-waren-auch-bei-der-HJ-und-schämen-uns-nicht!"-Aufmacher, mit dem die "Bildzeitung" jetzt gekontert hat, und die veröffentlichten Rentner-Zitate (von wegen war alles ganz harmlos, nur Spiel, Spaß, Spannung bei der HJ), den hätte man so auch in der "Deutschen National-Zeitung" finden können! Alt-68er sollen sich - der Mainstream-Meinung nach - für ihre damaligen Steinwürfe schämen, heutige Jugendliche sollen sich für schlechte Umgangsformen schämen; aber die Mitgliedschaft in einer von Drill, Hackordnung und Denunziantentum geprägten Staatsjugend soll nicht weiter hinterfragt werden! Verdammt, was geht in diesem Land vor sich?!?

  9. #68
    Benutzerbild von Reading

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    Guter Beitrag von Luftgitarre. Wir haben heute morgen seine Amtseinführung angeschaut und er war wirklich sehr sympathisch. Hoffentlich ist dieser Stimmungsaufschwung nicht gekünstelt sondern bleibt erhalten. Ich glaube nämlich schon das er akzeptiert ist.

  10. #69
    Benutzerbild von PostMortem

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    Die Luftgitarre postete
    Ich bin kein Fan der katholischen Kirche und auch sonst kein religiöser Mensch. Aber die Forderung vieler Protestanten, Atheisten und kirchenferner Leute, die Katholen mögen doch bitte mal einen "modernen", "liberalen", "fortschrittlichen" Papst wählen, finde ich dann doch etwas selbstherrlich und ignorant, denn es ist doch deren Papst! Wenn ein Verein einen Vorsitzenden wählt, dann soll der natürlich die Weltsicht der zahlenden Mitglieder vertreten und nicht die irgendwelcher Nicht-Mitglieder!
    M. E. ein konstruierter Vorwurf, der mit einem schlechten Vergleich untermauert wird. Die Papstwahl hat mit einer Vereinswahl sowohl bei sehr oberflächlicher, als auch bei sehr tiefgehender Betrachtung nichts zu tun. Kirche ist keine Basisdemokratie. Die angeblichen Forderungen von Protestanten, Atheisten und kirchenfernen Leute gibt es also gar nicht, denn die wissen, dass "die Katholen" sich gar nichts wählen. Genau genommen haben nichtmal gewählte Vertreter "der Katholen" sich etwas gewählt. Ein vom Vorgänger ernannter Senioren-Männerclub hat sich etwas gewählt. Was bei Deinem Anti-Vorwurf aber besonders stört: Er lässt ausgerechnet die zahlreichen und lautstarken Forderungen von eben diesen "Katholen" selbst völlig außer Acht, tut so, als ob es sie nicht geben würde. Dabei möchten viele in der katholischen Kirche selbst, dass ihre Kirche auf einige Dinge verzichtet, die ihre christliche Religion nicht verlangt. Dazu gehören Zöllibat & Co. Denn die Katholen sind eben nicht der nach Konservativismus gierende züchtige Einheitstyp Mensch, als den Du ihn etwas weiter unten in Deinem Beitrag anscheinend gerne darstellen möchtest. Katholiken sind höchst verschieden - und in ihrem Glauben meistens nicht weniger beliebig als die Protestanten, siehe Torstens Kritik an fortgeführter Beliebigkeit, statt Konsequenz und Austritt bzw. vollständiger Befolgung der Regeln.

    Wenn die Katholiken und das Papsttum nur nicht so "konservativ" und "dogmatisch" wären!
    ... dann währen die Katholiken nicht die Katholiken und das Papsttum wäre überflüssung! Wenn einem ein Gedankengebäude nicht gefällt, dann sollte man dieses direkt kritisieren; aber einem religiösen Oberhaupt "Konservativismus" oder "Dogmatismus" vorzuwerfen ist so, als wolle man Motorsport-Rennfahrer wegen Geschwindigkeits-Überschreitung anzeigen.
    Also gehören die Reformbewegungen innerhalb der katholischen Kirche nicht mehr dazu? Das würde bedeuten, dass der größte Teil der katholischen Kirche (Latein-Amerika etc.) sich abspalten müsste. Sowas hatten wir glaube ich vor ca. 500 Jahren schonmal....

    Viel wichtiger als Lob oder Kritik von außerhalb ist es für die kath. Kirche daher, ihre wirkliche Stammklientel zu bedienen, ihr Milieu zusammenzuhalten, so wie sie es seit eh und je getan hat.
    Dass diese Strategie richtig ist, sieht man nirgendwo besser als in Deutschland: im katholischen Süden ist die Kirche immer noch eine bedeutende gesellschaftliche Kraft, präsent im Alltag vieler Leute. Die "wischi-waschi"-protestantische Kirche im Norden dagegen gilt zwar als "zeitgemäßer" und wird auch von kirchenfernen Leuten meist "ganz o. k." gefunden, aber das hat ihr nix genützt: sie ist am Sonntag leer und blutet finanziell aus!
    Man könnte meinen, die 1,5 Mio. Kirchenaustritte aus der kath. Kirche hätte es in Deutschland zwischen 1990 und 2000 nicht gegeben. Dabei ist diese Sicht auch noch einigermaßen praxisfremd. Selbst im gemeinhin als prüde und noch religiöser geltenden US-Amerika haben die katholischen Jugendlichen komischerweise früher ihren ersten GV, als andere Altersgenossen. Es scheint mit der Präsenz im Alltag also doch nicht mehr so ganz zu klappen, wenn man den Bogen zwischen Theorie und Praxis zu sehr überspannt. Das passiert eben, wenn man meint, es würde genügen, den Zeitgeist lediglich zu geisseln.

    Der deutsche Stolz: "Wir sind Papst"
    LOL! Die Deutschen haben´s echt drauf, wirklich ALLES v. a. erstmal auf sich als Nation zu beziehen. Und dabei alle Differenzen hinter diesem fiktiven "Wir" zurücktreten zu lassen.
    Ganz im Gegenteil: Die Deutschen haben es echt drauf jeglichen Stolz der etwas mit ihrer Nation zu tun hat auszumerzen und sich gegenseitig zu erklären, warum man nicht darauf Stolz sein kann, wenn einer aus den eigenen Reihen mal etwas schafft oder wird. Da kann man dann doch nur Stolz drauf sein, was man selbst geschafft hat und überhaupt sei man ja nur per Zufall Deutscher. Ausnahmen macht man da höchstens mal beim Fußball, wenn "Wir" Weltmeister sind. Andere haben es da eher drauf. Da braucht man gar nicht so weit gucken, nehmen wir z. B. die Franzosen. Die gucken nicht ohne Grund relativ befremdlich auf uns, wenn wir malwieder unser verklemmtes Verhältnis zu unserer Nation demonstrieren.

    Die deutsche Entüstung: Die "Inselaffen" sind mal wieder neidisch! Und so schlimm war´s bei der HJ ja auch nicht!
    Sicher, die Volksverhetzung in der britischen "Sun" ist oft noch etwas deftiger als die in der deutschen "Bildzeitung". Und jemandem einen Nazi-Vorwurf daraus zu machen, als Halbwüchsiger in der HJ gewesen zu sein, ist schon etwas unfair
    "Etwas" unfair? Bei einer derartigen Zwangsmitgliedschaft, kann man es Ratzinger auch direkt zum Vorwurf machen, dass er zwangsläufig Deutscher ist.

    Aber der "Wir-waren-auch-bei-der-HJ-und-schämen-uns-nicht!"-Aufmacher, mit dem die "Bildzeitung" jetzt gekontert hat, und die veröffentlichten Rentner-Zitate (von wegen war alles ganz harmlos, nur Spiel, Spaß, Spannung bei der HJ), den hätte man so auch in der "Deutschen National-Zeitung" finden können! Alt-68er sollen sich - der Mainstream-Meinung nach - für ihre damaligen Steinwürfe schämen, heutige Jugendliche sollen sich für schlechte Umgangsformen schämen; aber die Mitgliedschaft in einer von Drill, Hackordnung und Denunziantentum geprägten Staatsjugend soll nicht weiter hinterfragt werden! Verdammt, was geht in diesem Land vor sich?!?
    Ganz einfach: Die meisten außer Dir wissen vermutlich, dass man sich als Kind der HJ damals so gut wie nicht entziehen konnte (Ratzinger hat sich der HJ schon im Höchstmaß entzogen, indem er mehr oder weniger dort praktisch gar nicht teilnahm, sondern nur proforma fürs Papier dabei war). Das ist ja nun wohl nicht gleichzusetzen mit der Frage, ob jemand in der "Partei" war oder nicht.

    Aber klar, es ist ja für so viele Leute heute so einfach zu richten. Die Eltern hätten sich ja schließlich weigern können ihre Kinder in die HJ zu stecken. Dinge müssen nur 60 Jahre her sein, dann erscheint alles plötzlich ganz einfach. Ist es aber nicht.

    Die meisten außer Dir halten es deshalb wohl auch für ungehörig einem Menschen ein Leben lang einen Stempel aufzudrücken - ganz so, als könne er sein ganzes "restliches" Leben eh vergessen, da es nur zählt, dass er als Kind(!) mal erzwungenermaßen(!) in der HJ war. Die Sprüche von wegen "war alles ganz harmlos" hat so selbst in der BILD niemand getätigt. Alt-68er hingegen wurden niemals gezwungen einen Stein zu werfen oder mit der RAF zu sympathisieren. Es ist pure Geschichtsfälschung diese Dinge zu vermischen oder aufzuwiegen. Das sowas salonfähig ist, ist das ist es was in diesem Land vor sich geht. Wohl auch deshalb springen gewisse Kreise jetzt auf dieses Thema an, würden aber niemals auf die Idee kommen, ihren ostdeutschen Kollegen zu fragen, ob er denn in der FDJ war - das war ja schließlich keine Nazi-Jugendorganisation.

    Das die Briten immer wieder nichts besseres wissen, als aus jedem Thema mit deutschem Bezug ein Nazi-Thema zu machen (und das sind eben NICHT nur die britischen Medien, die Bevölkerung ist sich nicht zu Schade dieses "lustige" Spielchen mit zu spielen), schadet der europäischen Idee. Mich wundert es jedenfalls nicht, dass bis zur höchsten Ebene (aber eben auch ganz unten) heutzutage eine deutsch-französische Freundschaft sehr gut funktioniert, eine deutsch-englische aber zunehmend problematischer wird.

    PM

  11. #70
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    [b]PostMortem postete
    Die Papstwahl hat mit einer Vereinswahl sowohl bei sehr oberflächlicher, als auch bei sehr tiefgehender Betrachtung nichts zu tun. Kirche ist keine Basisdemokratie.
    Mitglied bleiben ist doch auch eine Form der Zustimmung.

    [b]
    Was bei Deinem Anti-Vorwurf aber besonders stört: Er lässt ausgerechnet die zahlreichen und lautstarken Forderungen von eben diesen "Katholen" selbst völlig außer Acht, tut so, als ob es sie nicht geben würde. Dabei möchten viele in der katholischen Kirche selbst, dass ihre Kirche auf einige Dinge verzichtet, die ihre christliche Religion nicht verlangt. Dazu gehören Zöllibat & Co. [...] Also gehören die Reformbewegungen innerhalb der katholischen Kirche nicht mehr dazu? Das würde bedeuten, dass der größte Teil der katholischen Kirche (Latein-Amerika etc.) sich abspalten müsste. Sowas hatten wir glaube ich vor ca. 500 Jahren schonmal....
    Eben! Ich finde die Frage, ob die internen Kritiker der katholischen Kirche nicht im Grunde ihres Herzen Protestanten/Freikirchler sind, gar nicht so abwegig. Denn wenn man den Forderungen der internen Kritiker folgen würde, d. h.: den sich selbst rekrutierenden Herrenclub zu Rom durch demokratische Strukturen ersetzen würde, das Monopol der Kirchenleitung auf Bibel-Interpretation brechen, das Zölibat abschaffen, Frauen oder auch Homo5exuelle gleichberechtigt aufnehmen würde, außerehelichen 5ex tolerieren ect. ect. - was wäre denn dann an der katholischen Kirche eigentlich noch das spezifisch katholische? (Abgesehen von den Sakramenten und der Beichte)

    Forderungen nach demokratischeren Strukturen ebenso wie die nach zeitgemäßeren Bibelinterpretationen basieren ja im christlichen Diskurs auf dem Begriff des Gewissens, auf der Gewissensfreiheit und dem damit verbundenen Recht der eigenen Bibelinterpretation und seltbestimmter Gemeindebildung. Aber diese Denkweise war eben der Ausgangspunkt der Reformation, des Protestantismus und der Freikirchen. Das Markenzeichen der katholischen Kirche hingegen ist es, sich genau solchen Argumentations- und Forderungsketten gegenüber zu verschließen.



    [b]
    Man könnte meinen, die 1,5 Mio. Kirchenaustritte aus der kath. Kirche hätte es in Deutschland zwischen 1990 und 2000 nicht gegeben. Dabei ist diese Sicht auch noch einigermaßen praxisfremd. Selbst im gemeinhin als prüde und noch religiöser geltenden US-Amerika haben die katholischen Jugendlichen komischerweise früher ihren ersten GV, als andere Altersgenossen. Es scheint mit der Präsenz im Alltag also doch nicht mehr so ganz zu klappen, wenn man den Bogen zwischen Theorie und Praxis zu sehr überspannt. Das passiert eben, wenn man meint, es würde genügen, den Zeitgeist lediglich zu geisseln.
    Auch das katholische Milieu ist gegenüber dem Zeitgeist und den Individualisierungstendenzen nicht 100% immun. Aber im Vergleich zum Protestantismus (zumindest in Deutschland) ist die Milieubindungskraft des Katholizismus wesentlich ausgeprägter und dies hat sich auch schon zu früheren Zeiten gezeigt. Zu Kaisers Zeiten und in der Weimarer Republik gab es mit der "Zentrum"-Partei eine Berufs- und Einkommensgruppen, Stadt und Land übergreifende kath. Konfessionspartei, sozusagen die erste Volkspartei; auf protestantischer Seite gab es nichts vergleichbares. Kirche hat im Norden schon damals nicht mehr so eine große Rolle gespielt.

    Und was die inkonsequente Prüderie im Katholizismus betrifft: Es geht doch gar nicht darum, daß die Leute keinen außerehelichen 5ex mehr haben sollen; sie sollen nur dabei ein schlechtes Gewissen haben und danach zur Beichte dackeln.*g*


    [b]
    Ganz im Gegenteil: Die Deutschen haben es echt drauf jeglichen Stolz der etwas mit ihrer Nation zu tun hat auszumerzen und sich gegenseitig zu erklären, warum man nicht darauf Stolz sein kann, wenn einer aus den eigenen Reihen mal etwas schafft oder wird. Da kann man dann doch nur Stolz drauf sein, was man selbst geschafft hat und überhaupt sei man ja nur per Zufall Deutscher. Ausnahmen macht man da höchstens mal beim Fußball, wenn "Wir" Weltmeister sind. Andere haben es da eher drauf. Da braucht man gar nicht so weit gucken, nehmen wir z. B. die Franzosen. Die gucken nicht ohne Grund relativ befremdlich auf uns, wenn wir malwieder unser verklemmtes Verhältnis zu unserer Nation demonstrieren.
    Dieses "verklemmte" Verhältnis zur deutschen Nation war ein Phänomen lediglich in bestimmten linksliberal/alternativ angehauchten Rand-Milieus. Aber davon haben sich doch Bildzeitung u. Co. noch nie ihren Nationalstolz nehmen lassen. (Mal abgesehen davon, daß hier doch jedes Kind mit dem Satz "Wir sind Exportweltmeister" aufgewachsen ist.) Und daß es in Deutschland vergleichsweise viel Patriotismus-Selbstkritik gegeben hat, liegt nicht nur an der NS-Zeit, sondern auch generell daran, daß der Patriotismus in Deutschland auch schon davor ein besonders irrationaler war: festgemacht an Abstammung und weniger an Staatsbürgerschaft; und eng verquickt mit anti-aufklärerischen und anti-demokratischen Traditionen (und darin gerade vom französischen Patriotismus sehr verschieden).

    [b]
    Die meisten außer Dir halten es deshalb wohl auch für ungehörig einem Menschen ein Leben lang einen Stempel aufzudrücken - ganz so, als könne er sein ganzes "restliches" Leben eh vergessen, da es nur zählt, dass er als Kind(!) mal erzwungenermaßen(!) in der HJ war. Die Sprüche von wegen "war alles ganz harmlos" hat so selbst in der BILD niemand getätigt. Alt-68er hingegen wurden niemals gezwungen einen Stein zu werfen oder mit der RAF zu sympathisieren. Es ist pure Geschichtsfälschung diese Dinge zu vermischen oder aufzuwiegen.
    Ich vergleiche die unterschiedliche Behandlung dieser Themen in der "Bildzeitung". Der Skandal ist für mich nicht, daß Ratzinger in der HJ war - siehe letzter Absatz, erster Satz -, sondern die Bagatellisierung des Themas HJ-Mitgliedschaft durch die "Bildzeitung".

    Es stimmt zwar, daß man sich der HJ kaum entziehen konnte. Aber das Problem ist doch, daß selbst noch die Renter-Zitate in der "Bildzeitung" darauf hindeuten, daß bei den meisten wohl gar kein größerer Druck notwendig war. Die meisten erzählen von Sport und davon, daß das ja "alle gemacht haben". Und dies deckt sich ja auch mit dem Gesamteindruck der NS-Forschung, derzufolge nämlich die meisten Leute damals weder richtig für noch richtig gegen das Regime waren, sondern sich einfach gar keinen Kopf gemacht haben.

    Nun kann man dies für die Hitlerjungen gewiß mit dem unreifen Alter entschuldigen (würde ich selber auch wirklich so sehen). Merk-würdig ist nur, wenn dies in einem Blatt und einem Öffentlichkeitssegment passiert, in dem man - Stichwort: Law&Order - z. B. jugendliche Kleinkriminalität in Problemstadtteilen niemals mit solchen Argument des Alters und des Umfeld entschuldigen würde! Entschuldbar wird jugendliche Unreife offenbar erst, wenn sie zum betreffenden Zeit den Segen der Staatsautorität genossen hat.

    Ebenso ist es bezeichnend, wie die Frage der Verantwortung der Eltern der Hitlerjungen unter den Tisch fällt - auch hier wieder diese Mischung: einige Zitat-Nebensätze vermitteln den fragwürdigen Eindruck, die meisten Eltern hätten damals nur ganzganz widerwillig ihre Kinder angemeldet; in den anderen, grob verharmlosenden Zitaten taucht diese Frage gar nicht auf -, während im gleichen Blatt jene, die in den 60ern mit dieser Tradition des Obrigkeitsdenkens brechen wollten und sich dabei in einigen Fällen auf Demos zu unverhältnismäßigen Mitteln hinreißen ließen, auch nach zigfach bewiesenem Anpassungswillen mit dem Stigma der Verirrten behaftet sind.

    Die Moral von der Geschicht´ scheint zu sein: Folge einfach der jeweiligen Obrigkeit und Du wirst im Urteil der Nachwelt im Zweifel auf der sicheren Seite sein.

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