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Hallo aus Bosnien-Herzegovina

Erstellt von waschbaer, 12.04.2004, 14:34 Uhr · 7 Antworten · 648 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von waschbaer

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    Der Waschbaer treibt sich gerade dienstlich in Bosnien und Kroatien rum und bekommt lauter neue Eindruecke.

    Wusstet ihr eigentlich, dass die Waehrung in Bosnien-Herzegovina 1996 der deutschen DM angepasst wurde? Es ist richtig schoen, nochmals ALTE Preise zu sehen. Richtig ungewohnt eigentlich.

    Plattenlaeden hier sind auch ganz seltsam. Die meisten CDs in Bosnien-Herzegovina kosten so etwa 2 bis 3 Euro, allerdings kann man bereits am Cover sehen, dass nicht einmal mit einem Farbkopierer gearbeitet wurde, sondern mit einem normalen Schwarz-Weiss-Kopierer. Also zum CDs kaufen muss man hier wirklich nicht her. Hier werden die Raubkopien einfach in den normalen Laeden angeboten. Als jemand, der auf die Cover auch noch Wert liegt, ist dies bislang meine erste Auslandsreise, von der ich mir noch keine CD mitgebracht habe.

    Gestern bin ich in dem Wallfahrtsort Medjugore (Anfang der 80er angebliche Marienerscheinungen, aber von Rom bislang nicht offiziell anerkannt) vorbeigekommen und nahezu jedes Geschaeft, welches religioese Artikel verkauft (also auch im heiligen Bezirk des Wallfahrtsortes) verkauft schon ganz offiziell die Passion Christi von Mel Gibson als DVD oder VHS-Video. Seltsamerweise befindet sich auf den DVDs kein Aufdruck, aber sie werden in den offiziellen Geschaeften des Wallfahrtsortes verkauft.

    Zum Teil kann man in eingen Orten noch die Nachwirkungen des Buergerkrieges sehen. Besonders deprimierend ist es, wenn man durch voellig verlassene Ortschaften kommt und man nur noch zerschossene Fassaden sehen kann.

    Nun ja, naechste Woche bin ich wieder in Deutschland und melde mich dann wieder. Morgen geht es nochmals weiter nach Kroatien und dann werde ich mir Dubrovnik anschauen.

    Viele Gruesse an alle vom waschbaer

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von SonnyB.

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    Hi Waschbaer,

    ich war vor Jahren (damals war noch Krieg) mal in Macedonien. Mein damalig Angetrauter war (ist) Berufssoldat und die Ehefrauen durften für ein paar Tage hin. So bin ich also in Tetovo und Scopje gelandet und musste mit Schrecken feststellen, daß da (im tiefsten Winter) Kinder ohne Schuhe rumrannten und um Essen bettelten.

    In Bosnien war`s nicht anders und es wurde alles verbrannt was brennen konnte um die Hütten warm zu kriegen. Die "Touristenhotels" wurden aus dem Boden gestampft (mit den Soldaten war ja gute Geschäfte zu machen) und die Zimmer wurden auch Stundenweise vermietet.

    Auch die Luft dort war schrecklich, da die Schornsteine keine Filteranlagen besaßen. Ist das heute noch so?

    Wie gesagt, gebettelt wurde überall und teilweise liefen einem die Leute 4 - 5 Straße hinterher, bis man ihnen dann entnervt ein paar Münzen gab.

    In wie weit hat sich die Situation verändert? Das würde mich interessieren, denn wie gesagt, ich war zu Kriegszeiten da.

  4. #3
    Benutzerbild von waschbaer

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    Hallo Sonny,

    da ich hier momentan leider nur noch zwei Minuten auf meinem PC habe, reicht das wohl nicht fuer eine ausfuehrliche Schilderung, aber ich melde mich wieder, wenn ich ab naechster Woche wieder in DL bin. Versprochen.

    Im Grossen und Ganzen merkt man zu deiner Schilderung doch schon einen Unterschied, wenn auch defintiv vieles hier noch nicht so ist, dass man sagt, diese beiden Laender waeren EU-reif oder so. In Slowenien sieht das Ganze schon ganz anders aus.

  5. #4
    Benutzerbild von SonnyB.

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    Ich bin sehr gespannt auf deinen Bericht, und was sich verändert hat.

    Es fing ja bei mir schon am Flughafen an:

    uns wurde gesagt, daß der Perso reicht war natürlich nicht so, und ich musste mir ein Visum "kaufen". Das gestaltete sich schwierig, weil ich kein Jugoslawisch konnte und die am Flughafen weder deutsch noch englisch.

    Gott sei Dank waren die Formulare in englisch als "untertitel" gedruckt und man konnte mit ein bischen Kombinationsgabe die Dinger ausfüllen. Hab dann auch noch einem älteren Herrn geholfen und hinterher erst erfahren, daß das ein General war, der auch noch zur Einheit meines Gatten wollte

    Also, Formular ausgefüllt...unter Bewachung zum Visa - Büro....und wieder kein englisch und auch kein einheimisches Geld. Ein netter junger Mann, der mit seinem Sohn (7 Jahre alt) zum ersten Mal seit Jahren nach Hause fuhr und auch (was ein Glück) aus meiner Ecke kommt, half mir dann weiter. Er übersetzte nicht nur für mich....NEIN....er lieh mir auch noch die, umgerechnet 80 DM, für das Visum und die "Gebühr, damit es schneller geht". Habe ihm hinterher auch noch das Geld nach Hause gebracht.

    Alles in Allem waren die Menschen da aber sowas von gastfreundlich und trotz Krieg ohne Vorurteile, daß es mir heute noch einen Schauer über den Rücken treibt.

    Man hat aber eben gemerkt, das alles noch im Umbruch war, und Service nicht bekannt war und gelernt werden musste. Nicht in den Läden, aber bei sämtlichen Behörden: "wenn du uns nicht verstehst, hast du Pech gehabt".

  6. #5
    Benutzerbild von waschbaer

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    Nachdem ich mittlerweile schon wieder weiter noerdlich bin und fast wieder an der kroatisch-slowenischen Grenze bin, einfach mal wieder ein paar Zeilen von mir.

    - Sehr erstaunt hat mich hier, dass eigentlich in allen ehemaligen Teilrepubliken Ex-Jugoslawiens der Euro schon fast gleichwertiges Zahlungsmittel ist. Zwar gibt es eigene Waehrungen wie Tolar (Slowenien), Kuna (Kroatien) und auch Mark (Bosnien-Herzegovina), aber der Euro wird von den meisten Geschaeften mittlerweile akzeptiert. Vor allem in Bosnien-Herzegovina wird richtig nach den "Euro-Devisen" zum Teil gegeiert.

    - Gerade in Kroatien heissen echt viele Cafes oder Kneipen "Genscher". Mal nachgefragtm weshalb das so ist, wurde mir gesagt, dass Genscher sich sehr stark fuer die Unabhaegigkeit Kroatiens stark gemacht hat und daher auch heute noch sehr populaer in Kroatien ist.

    - An der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegovina sieht ein typischer Grenzuebergang eigentlich so aus: Die Kroaten haben einen riesengrossen funktionellen Grenzuebergang errichtet und die Bosnier haben dann einfach daneben einen alten Container oder einen Bauwagen oder sonst irgendetwas hingestellt, was bestenfalls Platz fuer zwei Personen bietet und kontrollieren aber, was das Zeug haelt.

    - Die Freundlichkeit gegenueber Deutschen ist - wie Sonny schon geschrieben hat - sehr hoch.

    - Oeffentliche Internet-Terminals sind weitaus haeufiger vertreten, als beispielsweise bei uns.

    - Sehr negativ ist mir aufgefallen, dass Umweltschutz hier noch gar kein Thema ist. Zum Teil werden alte Wohnungseinrichtungen, Kuehlschraenke oder Autowracks einfach in die Pampa geworfen und man gibt kuemmert sich nicht mehr weiter darum. Das sieht wirklich haarstraeubend aus.

    So, jetzt freue ich mich wieder auf eine Tastatur mit Umlauten in zwei Tagen.

    Ach so: Und fuer musicola gibt es eine neue Episode aus der Rubrik "Des Waschbaerens grosse Klappe bei Grenzuebertritten."

  7. #6
    Benutzerbild von SonnyB.

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    Na dann sind wir ja mal gespannt

  8. #7
    Benutzerbild von musicola

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    und wie!

  9. #8
    Benutzerbild von waschbaer

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    Ich habe mal wieder eine falsche Bemerkung bei einem Grenzuebertritt gemacht: Als ich über Slowenien nach Kroatien einreisen wollte, haben die Slowenen sämtliche Papiere inklusive Fuehrerschein, Versicherungskarte und was weiss ich nicht alles kontrolliert. Als ich dann fragte, ob das angesichts des in wenigen Tagen anstehenden EU-Beitritts nichts doch ein bisschen uebertrieben sei, meinte einer der Slowenen in gebrochenem Deutsch: "Solange wir das noch duerfen machen wir das auch."

    Mir rutschte dann raus: "Wie ich es dick habe, wenn jedes Alpendorf meint, dass es Staat spielen muss."

    Daraufhin musste ich mir einen laengeren Vortrag des Grenzers in gebrochenem Deutsch anhören, dass Slowenien kein Dorf ist, sondern ein eigener Staat, dass es sehr schön ist, dass es bald EU-Mitglied ist, dass es reicher als Serbien ist, und so weiter und so fort.

    Vielleicht sollte ich an Grenzen in Zukunft einfach nur meine manchmal etwas vorlaute Klappe halten.

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