Umfrageergebnis anzeigen: Was hat im Fernsehjahr 2006 am meisten genervt?

Teilnehmer
32. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • Kinder+Jugendformate

    1 3,13%
  • Casting Shows

    22 68,75%
  • Volksmusik & Mutantenstadl

    9 28,13%
  • Reality Shows (IKEA-Werbeshows etc.)

    12 37,50%
  • Pseudo Reality Shows (Kallwass, Familiengericht etc.)

    23 71,88%
  • Quiz Shows

    3 9,38%
  • Talkshows

    5 15,63%
  • Polit- und Nachrichtenformate

    3 9,38%
  • Deutsche TV-Serien und Filmproduktionen

    4 12,50%
  • US TV-Serien und Filmproduktionen

    2 6,25%
Multiple-Choice-Umfrage.
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Was hat im Fernsehjahr 2006 am meisten genervt?

Erstellt von PostMortem, 02.01.2007, 23:57 Uhr · 40 Antworten · 3.702 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von PostMortem

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    Was hat im Fernsehjahr 2006 am meisten genervt?

    Das Fernsehjahr ist rum und viele sagen, dass es das schlimmste seit Einführung des Fernsehens in der Bundesrepublik war.

    Aber was genau hat dieses Fernsehjahr so schlimm gemacht?
    Was hat im Fernsehjahr 2006 am meisten genervt?

    Eine kleine Umfrage.... Mehrfachauswahl ausdrücklich erwünscht und angesichts der sich mehrenden Nerv-Formate in den verschiedenen Genres wohl auch unvermeidlich!

    Mich haben dieses Jahr am meisten genervt:

    - Die insgesamt einfallslosen und peinlichen deutschen TV-Serien und Filmproduktionen

    - Die Pseudo-Reality-Formate (echte Unterschichten-Talkshows können ab und an immerhin noch als Sozialstudie taugen, aber was soll sowas???)

    - Die fortschreitende Inflation des Rentner-TV, also der "Mutantenstadl"-Formate. Ich habe mich ja langsam damit abgefunden das zur "Primetime" heutzutage kaum noch gute Filme gesendet werden, aber das mittlerweile insbesondere auf den ÖR-Sendern dauernd Hossa, Hossa, Hossa um 20:15 gesetzt ist, hat mit TV-Grundversorgung nichts mehr zu tun.

    PM

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Muggi

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    Ich hab für diese Pseudo-Reality gestimmt, obwohl ich zugeben muß, noch nie sowas länger als 10 Sekunden am Stück gesehen zu haben. Diese Dilettanten-"Schauspielerei" verursacht bei mir Fremdscham in Potenz.

  4. #3
    Benutzerbild von murmel

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    Viel zu viel hat genervt ...
    Aber verjessen haste inner Aufzählung (schlechte) Werbung ...

  5. #4
    Benutzerbild von Scheul

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    Ich schaue eigentlich nicht so viel fern und habe nur zwei Kreuzchen gemacht. Was aber fehlt ist das schlechte Programm der Musiksender. Die nerven mich am meissten. Wenn ich da schon mal reinzappe läuft eigentlich immer irgendwas, was mir nun gar nicht gefällt. Und das schon seit längerem :-/

  6. #5
    Benutzerbild von expander

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    Ich habe für Reality und Pseudo Reality Shows gestimmt. Wenn ich an Tonne Wittler und Konsorten und an die mittlererweile inflationär vorhandenen Gerichts-, Wohn-, Deko- und Glücksbringer-Shows (gibts was bescheuerteres als Vera IntVeen ??? ) denke, muß ich mich fragen, ob die Programmdirektoren der SAT1/ProSieben Gruppe und des RTL Konzerns 1. noch alle Latten am Zaun haben und 2. nicht auch schon zur Unterschicht gehören ? Kreativität erschöpft sich nur noch in stumpfem Wiederholen.

    Ich schaue, wenn überhaupt, nur noch ausgewähltes auf 3SAT oder den Digitalkanälen von ARD und ZDF. Filme hol ich mir auf DVD.

  7. #6
    Benutzerbild von Torsten

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    Wirklich nerven kann ja nur was, dem man ständig unfreiwillig ausgesetzt ist. Ich lass zwar gerne mal die Glotze als Hintergrundbeschallung laufen (klassisches Single-Syndrom ), aber dann schaue ich ja eh nicht hin. Ansonsten sehe ich meistens sehr selektiv fern, und dann läuft überwiegend PHOENIX, ARTE oder 3SAT (bevorzugt irgendwelche Dokus oder erträgliche Gesprächsrunden). Die Machwerke der Privatsender sind bis auf wenige Ausnahmen nahezu komplett aus meiner Wahrnehmung verschwunden, so viel Peinlichkeiten sind für mein fremdschamanfälliges Gemüt sowieso nicht zu ertragen.

    Wenn mich tatsächlich etwas nervt, dann ist es die nahezu gänzliche Abwesenheit von echten Charakterköpfen unter den Präsentatoren deutscher TV-Shows. Gerade unsere "Generation Golf" hat mit schwiegermutterkompatiblen Einfaltspinseln à la Geissen, Kerner & Co. eine Armada von charismafreien Langweilern herangezüchtet, die mir schon im realen Leben zuwider sind - dass solche Durchschnittsnulpen zu den Allzweckwaffen ihrer Sender erhoben werden, ist eigentlich 'ne Bankrotterklärung unseres Zeitgeistes.

    Scheul erwähnt zurecht auch den Niedergang der Musiksender. Konnte man die vor zehn Jahren noch als Ersatz für Radio oder CD laufen lassen, besteht deren Programm heute überwiegend aus terroristischer Werbung und intelligenzbeleidigenden Gaga-Formaten. Wie gut, dass es (noch) die riesige Auswahl an Internet-Radiostationen gibt...

    Auf mich wirkt dieser ganze TV-Zirkus mittlerweile wie 'ne große Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, denn so viel gescheite Showkonzepte und talentierte Persönlichkeiten können gar nicht geschaffen und entdeckt werden, wie es bei zig Kanälen entsprechende Sendezeit zu füllen gibt. Das Fernsehen ist zu einer Inszenierungsplattform für Otto Normalhansel geworden, auf der Banalitäten zur Pseudo-Unterhaltung aufgeblasen werden. Als Harald Schmidt kürzlich in einem SWR1-Interview ein ihm vorgehaltenes Zitat bestätigte, wonach er 95 % des in dieser Branche tätigen Personals für unfähig hält, habe ich innerlich Beifall geklatscht.

    Die Kreativlosigkeit, mit der vor allem die Privaten ihre Sendezeit füllen, hat Olli Kalkofe in einer NDR-Talkshow mal so amüsant wie eindringlich geschildert: Klick mich!

    Für meine Film- und Serienhighlights ist das Medium DVD ein Segen - keine Werbung, Auswahl an Originaltonspur/deutscher Synchro und vor allem freie Zeiteinteilung bieten einen Komfort, den ich nicht mehr missen möchte. Und ein Jahrhundertereignis wie die in meiner Sig beworbene Produktion, die wie keine andere das mögliche Potenzial von TV-Unterhaltung demonstriert, wird auf diese Weise zu einem umso faszinierenderen Erlebnis.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Mich haben dieses Jahr am meisten genervt:

    - Die insgesamt einfallslosen und peinlichen deutschen TV-Serien und Filmproduktionen
    Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass du vor einigen Jahren im Rahmen einer hitzigen Debatte über die Qualität diverser TV-Formate einen Quark wie "GZSZ" als seichte Form der Unterhaltung verteidigt hast, mit der man nach einem Arbeitstag abends gut abschalten könne. Deshalb zwei Fragen:
    • Siehst du das im Falle dieser Soaps - ob nun "GZSZ", "Unter uns", "Marienhof" usw. - immer noch so?
    • Bist du nicht auch der Meinung, dass diese populäre Trash-Produktion einen gewissen Anteil an der ideenlosen, auf pures Marketing ausgerichteten Dilettanten-Mentalität hat, die seitdem immer mehr die Programmgestaltung der vornehmlich privaten TV-Sender bestimmt?

  8. #7
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    Wirklich nerven kann ja nur was, dem man ständig unfreiwillig ausgesetzt ist. Ich lass zwar gerne mal die Glotze als Hintergrundbeschallung laufen (klassisches Single-Syndrom ), aber dann schaue ich ja eh nicht hin. Ansonsten sehe ich meistens sehr selektiv fern, und dann läuft überwiegend PHOENIX, ARTE oder 3SAT (bevorzugt irgendwelche Dokus oder erträgliche Gesprächsrunden).
    Das ist zwar richtig, aber letztendlich nervt es ja auch wenn kein vernünftiges Programm verfügbar ist wenn man es mal braucht. Da gibt es den typischen verregneten Sonntag, den Freitag abend an dem man früher nach dem Abendessen einfach mal geschaut hat was so kommt und auch immer einen guten Film gefunden hat, den man schon immer mal (wieder) sehen wollte usw. Das ist heute ein Ding der Unmöglichkeit. Man muss für diesen Fall eigentlich immer mindestens ne' Auswahl von Serien-DVD-Boxen und Film-DVDs bevorraten. Und auch dabei nervt mich das Fernsehen wieder: Denn solange Schnarchnasen wie RTL/RTL2 oder Sat1/Pro7 auf Rechten sitzen bzw. solange die erstmal wieder warten müssen bis Premiere eine Serienstaffel exklusiv vorab durchgenudelt hat, solange warte ich auch auf meine DVD-Box. Manchmal nimmt das Ausmaße an, die sind eigentlich völlig verrückt. Beispiel "BSG75" / Battlestar Galactica: Die 1. Staffel dieser fantastischen SF-Serien-Neuauflage konnte man hier (deutsch) erst 2 1/2 Jahre nach US-Start und 1 1/2 Jahre(!!!) nach UK-Box-Start käuflich erwerben. Die 2. Staffel darf man nun zur Hälfte ab Februar kaufen, während die kompletten UK-Boxen der 2. Staffel natürlich "schon" seit August 2006 (Produktionsjahr 2004!) draussen sind. Ich könnte natürlich wie viele andere einfach die Originalboxen kaufen und so tun, als wäre das kein Problem für mich. Aber obwohl ich an sich ganz vernünftig englisch spreche und verstehe, habe ich persönlich keine Lust auf Original-Versionen, weil es mich ziemlich anstrengt dem Original-Genuschel zu folgen (es ist ja nicht so, dass in solchen Serien klarstes englisch gesprochen wird und der Originalton ist komischerweise auch nicht selten recht leise und dumpf für einen der nicht Muttersprachler ist).

    Scheul erwähnt zurecht auch den Niedergang der Musiksender. Konnte man die vor zehn Jahren noch als Ersatz für Radio oder CD laufen lassen, besteht deren Programm heute überwiegend aus terroristischer Werbung und intelligenzbeleidigenden Gaga-Formaten. Wie gut, dass es (noch) die riesige Auswahl an Internet-Radiostationen gibt...
    Richtig! Das es überhaupt noch Musiksender gibt, war mir gar nicht mehr bewusst <g> Genau genommen nervt mich hier auch deren Nicht-Verfügbarkeit. Denn aus MTV und ViVa sind nur noch Abspielstationen für von Karaoke- und Datingshows unterbrochener Klingeltonwerbung geworden... Ich weiss auch nicht, warum diese Lücke nicht längst wieder jemand gefüllt hat. Der Markt ist eindeutig da, in anderen europäischen Ländern leben ja noch echte Musiksender von ihrem Geschäft. Warum erfüllen die ÖR hier nicht ihren Grundversorgungsauftrag? Wer im TV Kinderkanäle anbieten und im Radiobereich Popmusiksender anbieten kann, der ist eigentlich fast in der Pflicht auch einen Musiksender anzubieten. Technik und Kompetenz sind da, teilweise sitzen ja sogar ehem. TV-Musiksendungsmoderatoren am Mikro (auch wenn Schmoll, Tücking & Co. hinsichtlich ihrer Kompetenz immer wieder für Streit sorgen, aber einer Gülcan-Moderation würde beide wohl jeder vorziehen ;-).


    Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass du vor einigen Jahren im Rahmen einer hitzigen Debatte über die Qualität diverser TV-Formate einen Quark wie "GZSZ" als seichte Form der Unterhaltung verteidigt hast, mit der man nach einem Arbeitstag abends gut abschalten könne. Deshalb zwei Fragen:
    • Siehst du das im Falle dieser Soaps - ob nun "GZSZ", "Unter uns", "Marienhof" usw. - immer noch so?
    • Bist du nicht auch der Meinung, dass diese populäre Trash-Produktion einen gewissen Anteil an der ideenlosen, auf pures Marketing ausgerichteten Dilettanten-Mentalität hat, die seitdem immer mehr die Programmgestaltung der vornehmlich privaten TV-Sender bestimmt?
    GZSZ ist sicherlich mit die untere Qualitätsebene. Aber "Marienhof" und "Verbotene Liebe" sind für mich durchaus hochwertige Vertreter ihres Genres. Man kann natürlich das ganze Format ablehnen, aber als Vertreter ihres Formats sind diese Produktionen m. E. eher von hoher Qualität.

    Was hier allerdings genauso wie bei Gerichtsshows, Talkshows, Reality-, Pseudo-Reality, Casting- und Quizshows nervt ist die inflationäre Ausbreitung von gleichartigen Formaten. Wer braucht zwei Eislaufshows (ok, wer braucht EINE Eislaufshow? ;-) zur gleichen Zeit auf zwei verschiedenen Sendern, wer braucht zig Casting Shows in denen teilweise Talente für Zwecke gesucht werden bei denen man sich fragt, warum man sowas überhaupt sucht? Ich habe kein Problem wenn Sat1 eine Telenovela machen will und damit Erfolg hat. Aber leider kopieren dann ja wiederum andere Sender das Konzept und anschließend wieder und wieder sich selbst, so dass man die Programmschienen kaum noch ertragen kannm, weil sie auf allen Sendern so aussieht: 11.00 Uhr Talkshow1, 12.00 Uhr Talkshow 2, 13.00 Uhr belangloses Mittagsmagazin, 14.00 Uhr Gerichtsshow 1, 15.00 Uhr Gerichtsshow 2, 16:00 Uhr Pseudo-Psychologie-Show, 17:00 Uhr Pseudo-Detektiv-Reality, 18:00 Uhr belangloses Abend-Boulevard-Magazin, 18.30 Uhr Telenovela / Soap 1, 19.15 Uhr Telenovela / Soap 2, 20.00 Uhr News, 20.15 Reality Show 1 Schöner Wohnen, 21.15 Reality Show 2 Partner/Mama/Auto/Wohnsitztausch, 22.15 Pseudo-Reportage Magazin ausm Baumarkt / Frittenbude / Puff, 23.15 Billigserie, 00:00 Uhr "Call In Show" mit diversen Leitungen, Geldpaketen und Bildern wo jeder den Fehler sieht aber komischerweise keiner durchkommt oder für 30.000€ Wörter gesucht werden die keiner kennt.

    So... jedes Format für sich fände ich nich jetzt nichtmal schlimm. Das kann man ignorieren und ich mache die Leute nicht fertig die sich das angucken möchten. Aber wenn man weder die Zeit innerhalb eines Senders auf die nächste gute Sendung abwarten kann, noch über alle Sender hinweg, weil sie alle inflationär diesen Mist parallel senden dann nervt es und wird zum Qualitätsproblem. Es gab auch früher Schund, aber es gab eben auch immer genügend Alternativen. Heute ist das leider nicht mehr so.

    PM

  9. #8
    Benutzerbild von italomaster

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    Treffender geht's nimmer:

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,457054,00.html

    Natuerlich vom Kalk-Man!

  10. #9
    Benutzerbild von NovalisHH

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    Die meisten von Euch wissen oder erahnen zumindest, daß ich keinen Fernseher zu Hause habe. Als ich im Mai 2002 von München nach Hamburg zurückkehrte, beschloß ich, mir aus Prinzip keinen mehr zuzulegen. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht in einer einzigen Sekunde bereut habe. In den letzten fast fünf Jahren hat mir der TV niemals gefehlt!

    Als ich Ende Juli 2006 ein paar Tage im UKE, wegen einer Mandelvereiterung, lag, wurde ich also erstmals seit Mai 2002 mit dem aktuellen Fernsehgeschehen konfrontiert.
    In einer E-Mail kurz danach, an meine liebste Internetfreundin Danielle (die sich inzwischen auch hier im Forum angemeldet hat), schrieb ich folgende "Polemik" über das TV-Geschehen des "Heute und Hier".
    Wie gesagt, folgender Text ist eine Polemik, überzeichnet oft einwenig und spitzt natürlich oft immens zu - daher ja auch eine Polemik und kein Sachtext

    Let's go:

    "...Die unerwartete Konfrontation mit der Gegenwart jedoch ließ mich zutiefst erschaudern... Wie Du weißt, besitze ich seit Mai 2002, also seit meiner Rückkehr von München nach Hamburg, keinen Fernseher mehr; falls ich denn mal Radio hörte, dann ausnahmslos „Oldie 95“, also einen Sender, der ausschließlich Lieder aus den 60er bis 80er Jahren spielt, aber niemals Aktuelles auflegt.
    In meinem Krankenzimmer befanden sich sowohl ein Fernsehgerät, als auch die Möglichkeit, zwei zeitnahe Radiosender zu empfangen. So habe ich, z.B. während der rund einstündigen Infusionen oder abends, wenn ich nach Halbneun nun doch meine ellenlangen Spaziergänge durchs UKE-Gelände beendet hatte, letztlich erstmals seit Mai 2002 ferngesehen. Was ich dort sah, wirkte durchaus wie ein kleiner „Kulturschock“ auf mich.

    Nun gut, die drei Filme, die ich Samstag Abend („The Kid“), Sonntag Abend („Tatort“) bzw. Montag Abend („Durchgeknallt“) sah, waren schon sehr spannend und sehenswert, und ich möchte es nicht missen, sie mir zu Gemüte geführt zu haben... aber, nachmittags, diese ständigen Gerichtsshows, diese debil-drallen Gewinnshows auf den Privatsendern... merkwürdige Krimiserien, wohl eiligst im „Low-Budget-Verfahren“ zusammengeschustert... dies alles wirkte vollkommen fremd auf mich.

    Das Bizarrste waren jedoch die pausenlosen Werbeblocks... schrill, schnell, schräg, laut, krachig wurde für irgendein Produkt geworben, das ich zum einen weder kannte, geschweige denn ich zu Beginn des rasanten, rasenden Werbefilms überhaupt herausfinden konnte, WOFÜR denn nun letztlich geworben würde...

    Als besonders haarsträubend zeigten die Werbeblöcke bei MTV bzw. VIVA... „Lade Dir diesen Klingelton“, jenen Klingelton... schicke eine SMS an diese Nummer, jene Nummer (auf Deutsch: „Schmeiße das Geld Deiner Eltern aus dem Fenster heraus!)... und all dies in Sekundenschnelle, mit Hunderten auf einen einstürzenden, so bunten, wie aussagelosen Bildern untermalt, so daß man letztlich gar nicht mehr hinterher kam...

    Fragwürdige Spielkonsolen wurden ebenso drastisch und lautstark dröhnend beworben... komische Soundtrack-CDs dazu; also, früher gab’s „Soundtracks“ nur zu Kino- bzw. Fernsehfilmen... heutzutage wird so etwas offenbar schon zu irgendwelchen Ballerspielen auf den Markt geworfen, deren Sinn und Gehalt ich eh nicht verstehe

    Und Du hörst kaum noch ein deutsches Wort in diesen Werbefilmchen. Gerade auf den sogenannten „Jugendsendern“, wie eben bei MTV oder VIVA... da braucht sich wahrhaftig niemand mehr wundern, wenn die heute 14-16jährigen „Kids“ keinerlei Verhältnis mehr zu unserer Muttersprache entwickeln können, wenn sie ständig nur mit diesen grausigen Anglizismen (die oft noch nicht einmal KORREKTE englische Sprache wiedergeben, sondern letztlich ein kurioses Sprach-Mischmasch ohne realen Sinn und Zweck darstellen) überflutet werden...

    Bei MTV wurden, ich glaub es war Sonntag am frühen Abend, vor Beginn des „Tatort“ bei der ARD, die zehn mutmaßlich „besten deutschen Bands“ im Rahmen eines „Specials“ vorgestellt. Nun gut, dachte ich, „Rosenstolz“ dürften bestimmt dabei sein, ggf. „PUR“ (schrecklich, aber leider erfolgreich), und, wenn ich besonderes Glück habe, BAP oder Extrabreit.
    Nichts da... die einzigen beiden Bands, die ich zumindest irgendwo einordnen konnte, waren „Die Ärzte“ und die „Toten Hosen“, wenn natürlich auch ganz fremde, vermutlich brandneue Lieder derer dort per Video eingespielt wurden.
    Ob „SEEEED“, „Fettes Brot“, „Beatnicks“ (o.ä.)... von all dem hatte zu zuvor noch kaum etwas bis rein gar nichts gehört… und das, was ich hörte, tat meinen Ohren schlicht weh. „Silbermond“ waren auch noch dabei, entsinne ich mich, das dröhnte nur so vor sich hin und klang für mich schlußendlich wie Nina Hagen auf Drogen (wobei Jan später telephonisch anmerkte, eher wie Nina Hagen OHNE Drogen… denn MIT Drogen macht Frau Hagen wesentlich bessere Musik, als die Herrschaften von „Silbermond“

    Die „Download-Hitparade“ auf VIVA – ich glaube, es war am Montag – erwies sich für mich persönlich nicht weniger als audiovisuelle Geisterbahnfahrt…
    Nelly Furtado (oder so ähnlich) greift sich im Video alle paar Sekunden an die Brüste und kreischt dazu „Maneater, Maneater“… dabei wohl vergessend (oder gar nicht erst wissend), daß es nur EINEN real existierenden Song, EINEN wirklich historisch bedeutsamen Song diesen Titels gibt – „Maneater“ von Hall & Oats, aus Dezember 1982!!!

    Dieses fragwürdige Schunkellied von den (leider nicht allzu stillen) Sportsfreunden aus Unterhaching hätte vor 20 Jahren ein Tony Marshall vorgesetzt bekommen und – des lieben Geldes wegen – vermutlich auch schenkelklopfend geträllert. Heute nennt sich dies „Deutschrock“ (welch Beleidigung für dieses ansonsten doch so viel Konstruktives hervorgebracht habende Genre!) – wenn ich aber „1954, 1974, 1990“, oder wie immer dieses Schmankerl auch heißen mag, zu Herrn Jack White nach München bringe und dort im volkstümlichen Schlagerkostüm arrangieren lasse… käme dabei nichts anderes heraus, als ein schmalztriefender Stimmungshymnus im Sinne Tony Marshalls.

    Und diese „La Fee“ – oder wie immer die sich nennt –... eigentlich ein Grund für Ronald Barnabas, Kuba oder Brasilien umgehend zu verlassen und schleunigst in die BR Deutschland zurückzukehren… nun gut, mit einigen blutjungen Bohlen-Popsternchen im Hamburger Prominentenlokal „Wollenberg“ hatte Barnabas damals auch seine gemeinsamen Toilettenbesuche absolviert… aber, von einer gerade mal 15jährigen Schlampe, die nichts wichtigeres zu tun hat, als sich so eindeutig es nur geht, auch als Schlampe zu vermarkten… ich glaube, davon hat Barney in den Tagen seiner Amtszeit als Innensenator wohl nicht einmal zu träumen gewagt.

    Da rappt diese „La Fee“ irgend etwas von „großen Titten“… ich sag mal ganz frech: erst welche haben, dann darüber singen… Zu meiner Zeit wäre in so einem Falle stehenden Fußes die „Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften“ aufmarschiert… sogar Heinz Rudolf wurde 1992 von derselben belangt, nur weil er in seinem krossen Bluesrocker „Leck mich doch“ vorab manche Phantasien eben genannten einstigen hanseatischen Spitzen-Politikers einwenig offenherzig, aber stets überaus gekonnt formuliert und verbal analysiert hatte…

    Irgendwann am späteren Montag Abend, nach der – wie ich finde hochgradig spannenden und mitreißenden – Milieustudie „Durchgeknallt“, begann auf Viva eine sogenannte „VIP-Hitparade“… Die Moderatorin wurde vermutlich in der Hamburger Herbertstraße aufgelesen… Wenn man davon absieht, daß sie geistig nicht in der Lage war, auch nur einen einzigen vollständigen, grammatikalisch korrekten Satz von sich zu geben, so stieß sie mindestens zweimal pro Satzkorsett das Wort „geil“ aus…. Das ist „geil“, jenes ist „geil“, alles ist „geil“… und sie hielt sich mutmaßlich für die Allergeilste der Allergeilsten!

    All dies hat mir letztlich eines eindeutig und unwiderruflich bewiesen und belegt: Eine Rückkehr, eine Einkehr, ein Einzug meiner Person in die „Gegenwart“ ist unter keinen Umständen (mehr) möglich… ich werde wohl den Rest meines Lebens irgendwo in der „Vergangenheit“ leben, denken und fühlen. Es gab wahrlich nichts, was mich an diesen drei Fernsehtagen auch nur im geringsten gelockt hätte, mich auf den Weg in die Jetztzeit zu machen. Ich sehe keinen Grund dafür… was soll ich zwischen überteuerten Klingeltönen, brustfetischistischen Teenagerschicksen, grellen Werbefilmen, in denen ich das zu bewerbende Produkt nicht erkennen kann, kruden Hardcore-Versionen traditioneller Tony-Marshall-Schunkler, dauer-geil-seiender wie -schreienden Talkshowmoderatorinnen und bumsenden Gameboy-Soundtracks????"

    Freue mich schon auf Eure Reaktionen zu dieser - ich wiederhole - Polemik

    Alles Liebe aus HH

  11. #10
    Benutzerbild von Torsten

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    Zitat Zitat von italomaster Beitrag anzeigen
    Treffender geht's nimmer:

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,457054,00.html

    Natuerlich vom Kalk-Man!
    Und das hier ist die traurige wie zum Brüllen komische Quintessenz:
    Der Begriff "Unterschichtenfernsehen" ist in diesem Zusammenhang nicht diskriminierend, sondern vor allem falsch. Es handelt sich nicht um die soziale Unterschicht, vielmehr um den intellektuellen Bodensatz der Gesellschaft, die schlammige Ursuppe der televisionären Evolution.

    Es sind jene Menschen, die immer anschalten, egal, was läuft. Die auch beim Testbild anrufen würden, wenn sie glaubten, man könne einen der Farbbalken gewinnen.

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