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Ich kann die Hitlervergleiche nicht mehr hören

Erstellt von waschbaer, 09.10.2012, 19:15 Uhr · 7 Antworten · 609 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von waschbaer

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    Ich kann die Hitlervergleiche nicht mehr hören

    Auch wenn es plakativ klingt, aber als ich heute die Nachrichten gesehen habe und beim Kanzlerinnenbesuch in Griechenland dann den wütenden Mob gesehen habe, dachte ich mir: Warum müssen wir als Deutsche es uns immer gefallen lassen, dass wir mit der NS-Vergangenheit konfrontiert werden?

    Die Plakate einer Angela Merkel mit Hakenkreuzbinde und Ähnliches gehen weit über den guten Geschmack hinaus und um es vorsichtig zu formulieren - ich fühle mich wenn meine Regierungschefin (unabhängig von der Tatsache, ob ich sie mag oder nicht) mit Hitler gleichgesetzt wird, ebenfalls beleidigt.

    Man kann wirklich Einiges an Frau Merkel kritisieren, aber das geht meines Erachtens eindeutig zu weit. Wenn wir eh schon halb Südeuropa mitfinanzieren, dann kann man einen wirklich halbwegs mit Respekt (Dankbarkeit würde man ja gar nicht erwarten) begegnen. Und bitte jetzt nicht die Entschuldigung, dass das der ungebildete Mob auf der Straße ist. Das wäre das gleiche Argument wie bei den stets gegen Mohammed-Schmähungen randalierenden Moslems.

    Ich wenn Politiker wäre, hätte schon lange den Geldhahn zugedreht, denn immense Anstrengungen der Griechen kann ich nicht erkennen, bzw. gehen wohl zu langsam. Und das sage ich, obwohl ich politisch gesehen definitiv nicht "rechtslastig" bin. Außerdem hat gestern schon die erste Ratingagentur (wenn auch nur eine kleine Ratingagentur aus der Schweiz) die Bonitätsstufe AAA aberkannt. Wie habe ich mal gelesen: Am Besten wäre ein europäischer Fäkalpakt - jeder kümmert sich ab sofort um seine Scheiße. Dann würde es uns deutlich besser gehen.

    Sehe ich das zu emotional oder wie seht ihr das. Mich zumindest nerven die ständigen Nazianspielungen und die häufen sich seit der Finanzkrise (die weder Deutschland, noch Frau Merkel verursacht haben).

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Kuddel Daddeldu

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    AW: Ich kann die Hitlervergleiche nicht mehr hören

    also,meine Chefin ist Frau Merkel nicht,ich habe sie nämlich gar nicht gewählt.
    und wie die Griechen in Athen mit ihr umgehen,geht mir am italienischen Fluß mit zwei Buchstaben vorbei...
    klar sind die Griechen jetzt sauer,vorher in Saus und Braus gelebt und wie Onassis mit ´ner fetten Jacht über die Ägäis schippern-und jetzt wird der Spargürtel umgeschnallt.
    das ist nachvollziehbar,daß man da etwas angepißt ist-aber immer gleich an den kleinen Österreicher dabei erinnert zu werden ist langsam aber sicher mal abgenudelt.
    es gab in der Geschichte noch weitere Diktatoren,die mit dem locker konkurrieren können.
    aber wie es da in Athen zugegangen ist,ist mir latten.

  4. #3
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Ich kann die Hitlervergleiche nicht mehr hören

    Zitat Zitat von waschbaer Beitrag anzeigen
    Auch wenn es plakativ klingt, aber als ich heute die Nachrichten gesehen habe und beim Kanzlerinnenbesuch in Griechenland dann den wütenden Mob gesehen habe, dachte ich mir: Warum müssen wir als Deutsche es uns immer gefallen lassen, dass wir mit der NS-Vergangenheit konfrontiert werden?
    Ich kanns eigentlich auch nicht mehr hören! Aber vermutlich hört es nicht auf, weil es immer wieder funktioniert. Es schadet jedenfalls nicht: Die Leute haben einen Schuldigen, können sich abreagieren und irgendwas springt immer dabei raus, denn der getroffene Deutsche ist meistens irgendwie betroffen und wagt es nicht sich offen zu wehren. Beschimpfte deutsche Persönlichkeiten verbitten sich sowas ja (leider) nichtmal. In der Geschichte der deutschen Aussenpolitik führte es im Gegenteil häufig zu finanziellen Zuwendungen.

    ich fühle mich wenn meine Regierungschefin (unabhängig von der Tatsache, ob ich sie mag oder nicht) mit Hitler gleichgesetzt wird, ebenfalls beleidigt.
    Ich habe mich erstmal gewundert, wie gut Merkel auf diesem Plakat aussieht.

    M. E. muss man damit aufhören, sich von derlei Vergleichen betroffen zu fühlen und in Demut durch die Welt zu schleichen. Etwas mehr Selbstbewusstsein (wie Briten und Franzosen es ganz selbstverständlich haben) stünde uns gut. Das Problem ist vermutlich, dass es uns Deutschen zu viel ausmacht, wenn andere schlecht über uns denken. Da opfert Deutschland lieber seine Interessen und will dafür lieb gehabt werden. Dummerweise klappt das fast nie. Wir opfern unsere geliebte D-Mark, wir spielen den Zahlmeister und geben immer mehr und immer mehr Kohle und sind trotzdem noch der Buhmann. Dabei ist es doch ok wenn wir unsere Interessen vertreten und andere das/uns nicht immer dafür mögen. Mir war es lieber, als unsere Nachbarn noch neidisch auf Deutschland waren, weil wir hier so viel verdient, so wenig gearbeitet haben und jedes Taxi ein Mercedes war. Heute ist das anders. Aber der Neid ist dafür noch lange nicht Sympathie gewichen.

    Sehe ich das zu emotional oder wie seht ihr das. Mich zumindest nerven die ständigen Nazianspielungen und die häufen sich seit der Finanzkrise (die weder Deutschland, noch Frau Merkel verursacht haben).
    Ich kann verstehen, dass die Menschen in ihrer Ohnmacht einen Blitzableiter brauchen - trotzdem finde ich es falsch und dümmlich, denn die Probleme Griechenlands sind genauso hausgemacht wie unsere eigenen. Das Problem das ich damit habe ist, dass uns die Lage der Griechen wahrscheinlich auch noch droht. Umso mehr wir in die heutigen Pleite-Staaten pumpen, desto früher. Überschuldete Kommunen, Absenkung des Rentenniveaus explodierende Gesundheitskosten, Ausweitung der Verlagerung/Globalisierung von Arbeitsplätzen auf Hochqualifizierte, nicht zuletzt der Zusammenbruch der Gesellschaft wie wir sie kannten in immer mehr deutschen Großstadtvierteln und auf dem Land... Das macht mir tatsächlich Sorgen.

    Von daher darf Merkel wegen mir in Griechenland ruhig beschimpft werden. Dann erlebt Sie schonmal im voraus, was sie in Deutschland mit ihrer Untätigkeit in vielen Dingen anrichtet. In den letzten Jahren wurden so viele Maßnahmen auf Kosten der klammen Kommunen verabschiedet, dass wir alle mittlerweile vor unserer Haustür sehen können wie diese unsere Heimat kaputt sparen müssen. Kinder müssen in Ganztagsschulen Dreck Essen und für vieles an sich wichtige Andere waren nichtmal Millionen da, während jetzt plötzlich Dutzende und Hunderte Milliarden für das Ausland und Pleite-Banken locker gemacht werden. In Deutschland geht deshalb heute kaum jemand auf die Straße, nur wegen Kopf-Bahnhöfen, Park-Bäumen, neuen Stromtrassen oder Atommülltransporten. Es ist bei uns wohl trotz allen Meckerns noch kein Bewusstsein dafür da, welch düstere Zukunft wir tatsächlich haben. Merkel dämmert es aber hoffentlich wohin das Alles führt, wenn sie in Griechenland den tobenden Mob sieht. Die dümmlichen Nazi-Vorwürfe nehme ich dafür in Kauf.

  5. #4
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Ich kann die Hitlervergleiche nicht mehr hören

    Schau Dir mal die Fotostrecken genau an: Die Fotos, mit denen die deutsche Presse den Eindruck erwecken will, bei der Demonstration in Athen sei es dem Grundtenor nach um die (in der Tat überzogene und indiskutable) Gleichsetzung von Merkel und Hitler gegangen, zeigen alle immer nur dieselben 5 oder 10 Personen. Was auf den Transparenten der 100.000 Gewerkschafter und Oppositionsanhänger stand, scheint demgegenüber für die deutsche Presse nicht weiter interessant zu sein.

    Zum Verständnis: Die von Berlin und Brüssel verordnete Sparpolitik führt in Griechenland momentan zu einer rapide steigenden Massenverarmung. (Und nein, die hiervon Betroffenen - Rentner, Erwerbslose, Niedrigverdiener, junge Dauerpraktikanten - haben in der Vergangenheit in aller Regel weder einen Swimmingpool noch eine Jacht im Hafen von Piräus besessen und auch nicht die Möglichkeit gehabt, großartig Steuern zu hinterziehen!) Und nun kommt Merkel persönlich nach Athen, um dem dortigen Regierungschef Samaras (der tatsächlich jene Jachtbesitzer repräsentiert) in eben dieser Politik zu bestärken.

    Mit "Hilfen für Griechenland" hat das ganze genauso wenig zu tun wie HarztIV mit der "Schaffung von Arbeitsplätzen" zu tun hat. Es geht darum, einen Zahlungsausfall des Griechischen Staats gegenüber den deutschen Banken zu verhindern. Und auch darum, in Griechenland das durchzusetzen, was in Deutschland unter fast allen Bundestagsparteien als Konsens gilt: Dass es in Krisenzeiten keine Alternative zur Kürzung von Löhnen, Renten und Arbeitslosengeld, zum Verkauf öffentlichen Eigentums und zum Abbau von Arbeitnehmerrechten gibt.

    Allerdings scheint es, dass die Leute in Griechenland die neoliberale Medizin nicht so willfährig schlucken werden wie die Leute im zunehmend lohndumpingorientierten Deutschland dies getan haben. Die Proteste in Griechenland halten sozusagen den duckmäusernden deutschen Arbeitnehmern und Erwerbslosen den Spiegel vor. Löblich, dass zumindest ein deutscher Politiker sich der Demonstration in Athen angeschlossen hatte. Linke-Chef: Riexinger steht voll hinter Athens Linksradikalen - Nachrichten Politik - Deutschland - DIE WELT

  6. #5
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Ich kann die Hitlervergleiche nicht mehr hören

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Schau Dir mal die Fotostrecken genau an: Die Fotos, mit denen die deutsche Presse den Eindruck erwecken will, bei der Demonstration in Athen sei es dem Grundtenor nach um die (in der Tat überzogene und indiskutable) Gleichsetzung von Merkel und Hitler gegangen, zeigen alle immer nur dieselben 5 oder 10 Personen. Was auf den Transparenten der 100.000 Gewerkschafter und Oppositionsanhänger stand, scheint demgegenüber für die deutsche Presse nicht weiter interessant zu sein.
    So isses - so funktionieren die Medien. Ich kann auch ein beleidigendes Plakat in die Kamera (Inhalt egal) halten, wenn es dann genug publiziert wird sind es halt "die Deutschen"...

  7. #6
    Benutzerbild von Elek.-maxe

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    AW: Ich kann die Hitlervergleiche nicht mehr hören

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Ich kann auch ein beleidigendes Plakat in die Kamera (Inhalt egal) halten, wenn es dann genug publiziert wird sind es halt "die Deutschen"...

    Waaas?

    Du bist Deutschland?




    Ich habe (glücklicherweise? Evtl. aber doch einfach die richtzigen Medien genutzt?) eine differenzierte Berichterstattung über den Kanzlerbesuch erlebt. Wenn dies aber nicht so vorkommt und einem immer nur die negativen Seiten gezeigt werden, wird man, da man sich ja nicht überall selbst ein Bild davon machen kann, dieser Berichterstattung schon zu einem nicht ungefählichen Grad glauben und einen entsprechenden Eindruck erhalten.

  8. #7
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Ich kann die Hitlervergleiche nicht mehr hören

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Schau Dir mal die Fotostrecken genau an: Die Fotos, mit denen die deutsche Presse den Eindruck erwecken will, bei der Demonstration in Athen sei es dem Grundtenor nach um die (in der Tat überzogene und indiskutable) Gleichsetzung von Merkel und Hitler gegangen, zeigen alle immer nur dieselben 5 oder 10 Personen.
    Das mag sogar so sein. Es geht aber ja nicht nur um eine Demo und es geht auch nicht darum, was deutsche Medien vielleicht übertrieben darstellen (allen voran die BILD). Es sind ja griechische (und nicht nur griechische, auch polnische, britische etc.) Medien, die immer wieder mit Merkel und Hakenkreuzbinde, Hitlerbärtchen, Pickelhaube, NS-Unform oder z. B. als "Völkermörderin" in Gefangenenkluft und Handschellen aufmachen. Das nun als Manipulation der deutschen Medien hinzustellen (die es ja durchaus gibt), wäre wirklich etwas zu gnädig. Gib mal in der Google-Bildersuche "Merkel Cover" ein, dann siehst Du was ich meine.

    Zum Verständnis: Die von Berlin und Brüssel verordnete Sparpolitik führt in Griechenland momentan zu einer rapide steigenden Massenverarmung.
    Das ist m. E. eine verständliche, aber zu kurzsichtige Wahrnehmung der Ursachen für das was heute in Griechenland passiert. Wenn ein Land sich den Euro erschleicht und über Jahrzehnte mit viel zu teuren Wahlgeschenken weit über seine Verhältnisse lebt, dann ist es eben irgendwann Pleite. Das ist die Ursache der heutigen Situation. Darüber ob Insolvenzen von Staaten oder andere Maßnahmen besser sind oder nicht kann man viel diskutieren. Doch egal was man macht, es kann so oder so nicht ohne erhebliche Einsparungen in Griechenland gehen. In ein Faß mit offenem Boden braucht die EU kein Geld zur Rettung pumpen. Das den Griechen das viel abverlangt und das zu großen Härten führt ist klar, dass sie auf die Straße gehen auch. Das sparen kein Konjunkturmotor ist, ist auch klar. Aber was können wir dafür?

    Was sollen wir Steuerzahler der EU-Staaten denn machen? Unsere Staaten sind selbst kurz vor der Pleite. Es gibt keinen Weg, der einfach neuen Wohlstand für die Griechen aus dem Nichts erschaffen kann. Letztendlich werden alle EU-Staaten irgendwann den Weg Griechenlands gehen. Welcher Staat kam in den letzten Jahrzehnten denn ohne neue Kredite aus? Griechenland ist nur früh dran. Deutschland fault von unten, in NRW kann man in vielen Kommunen schon griechische Verhältnisse besichtigen. Und die nehmen schon Kredite auf um Geld in den Osten Deutschlands zu überweisen. Nun noch Griechenland? Woher kommt das ganze Geld, das früher nie da war? Alles auch nur neue Kredite... Unsere eigene Schuldenfalle, die uns bald auf die Füße fällt - und das nachdem wir Deutschen gemeinsam eine Deutsche Einheit gestemmt und einen kompletten, überschuldeten Ex-Ostblock-Staat (fast) saniert haben (das mit der Angleichung der Lebensverhältnisse wird ein Klacks, wenn wir erst alle Pleite sind wie Griechenland...).

    Mit "Hilfen für Griechenland" hat das ganze genauso wenig zu tun wie HarztIV mit der "Schaffung von Arbeitsplätzen" zu tun hat. Es geht darum, einen Zahlungsausfall des Griechischen Staats gegenüber den deutschen Banken zu verhindern.
    Lt. aktueller Berichterstattung steht Griechenland bei allen deutschen Banken nur noch mit 1,8 Mrd. Euro in der Kreide. Selbst wenn die ausfallen, wäre das kein Beinbruch mehr. Das kann also nicht der Grund sein, im Vergleich zur HRE-Rettung sind das geradezu Peanuts.

    Allerdings scheint es, dass die Leute in Griechenland die neoliberale Medizin nicht so willfährig schlucken werden wie die Leute im zunehmend lohndumpingorientierten Deutschland dies getan haben. Die Proteste in Griechenland halten sozusagen den duckmäusernden deutschen Arbeitnehmern und Erwerbslosen den Spiegel vor. Löblich, dass zumindest ein deutscher Politiker sich der Demonstration in Athen angeschlossen hatte. Linke-Chef: Riexinger steht voll hinter Athens Linksradikalen - Nachrichten Politik - Deutschland - DIE WELT
    Das sehe ich auch als einzigen positiven Aspekt des Ganzen... Trotzdem stört es mich, wenn das Geld deutscher Steuerzahler aus überschuldeten Städten und Gemeinden und Bundesländern nach Griechenland überwiesen und von dort dann noch Hass und Propaganda in Richtung Deutschland verbreitet wird.

  9. #8
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Ich kann die Hitlervergleiche nicht mehr hören

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Wenn ein Land sich den Euro erschleicht und über Jahrzehnte mit viel zu teuren Wahlgeschenken weit über seine Verhältnisse lebt, dann ist es eben irgendwann Pleite. [...] Aber was können wir dafür?
    Dass die griechische Wirtschaft gegenüber der deutschen nicht konkurrenzfähig war, war auch beim Beitritt 1979 allen maßgeblich Beteiligten klar gewesen. Bei der Wirtschafts- und Währungsunion ging es ja gerade darum, Griechenland zum Absatzmarkt für deutsche Produkte zu machen. Der Deal war doch der: Die griechische Regierung verzichtete auf die Instrumtente der Schutzzölle und der Drachme-Abwertung und bekam dafür im Gegenzug großzügig Kredite eingeräumt, mit der sie ihre jeweilige Parteiklientel mit Posten und Wahlgeschenken versorgen konnte. Und diese Kaufkraft kam dann nicht zuletzt der deutschen Exportindustrie zugute. (Selbst jetzt in der Krise kauft der griechische Staat weiter bei der deutschen Rüstungsindustrie ein.) Natürlich konnte das auf Dauer nicht gut gehen und irgendwann saßen die deutschen Banken auf immer mehr faulen Krediten. Aber die brauchten sich keine Sorgen machen. Sie wussten ja, dass im Zweifelsfall der deutsche Steuerzahler einspringen würde.

    Eine Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch die schwache Lohnentwicklung in Deutschland. Diese führte einerseits zu einer flauen Binnennachfrage in Deutschland und war dadurch treibender Faktor der immer einseitigeren Exportorientierung. Und andererseits beraubte sie Griechenland und die anderen EU-Mittelmeeranreiner des tradtionellen Wettbewerbvorteils des niedrigeren Lohnniveaus.

    Lt. aktueller Berichterstattung steht Griechenland bei allen deutschen Banken nur noch mit 1,8 Mrd. Euro in der Kreide. Selbst wenn die ausfallen, wäre das kein Beinbruch mehr. Das kann also nicht der Grund sein, im Vergleich zur HRE-Rettung sind das geradezu Peanuts.
    Ok, das stimmt. Mittlerweile sind die deutschen Banken mit deutschen Steuergeldern gerettet worden und der Focus hat sich verschoben. Es geht jetzt mehr um den wirtschaftspsychologischen Aspekt, mit Blick auf Spanien und Italien keinen Zweifel am Zusammenhalt der Eurozone aufkommen zu lassen. (V. a. gegenüber jenen Spekulanten, die mit Rettungsfondgelder der EU gegen die EU spekulieren!)

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