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Interview zur Situation muslimischer Frauen in Deutschland

Erstellt von ihkawimsns, 10.08.2005, 02:07 Uhr · 7 Antworten · 1.106 Aufrufe

  1. #1
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    Diesen schon etwas älteren taz-Artikel habe ich gerade gefunden:

    Quelle: http://www.taz.de/pt/2005/02/28/a0122.nf/text

    "Multikulti ist verantwortungslos"
    Die Menschenrechtsaktivistin Seyran Ates, 41, fordert eine Verschärfung des Strafrechts, um türkische Einwanderinnen vor Gewalt und so genannten "Ehrenmorden" zu schützen: "Die Linken und Liberalen sind immer nur ratlos und veranstalten Tagungen und suchen den Konsens - das ist zu wenig"

    INTERVIEW JAN FEDDERSEN

    taz: Frau Ates, glauben Sie an Gott?

    Seyran Ates: Ja. Weshalb fragen Sie?

    taz: Weil es aus islamischen Kreisen heißt, Sie seien eine Nestbeschmutzerin, fern von Gott.

    S: Typisch: nur weil ich den Multikultifrieden nicht einhalten will.

    taz: Was haben Sie gegen Multikulti?

    S: Oberflächlich gesehen nichts. Ein schönes Wort. Aber ein Deckmantel für eine Ideologie, die nicht hingucken will.

    taz: Worauf denn?

    S: Wie es in den türkischen Communities - und über die kann ich hauptsächlich sprechen - wirklich aussieht.

    taz: Was sehen Sie, was andere nicht sehen können oder wollen?

    S: Dass die Idylle trügt. Dass in Berlin, in Kreuzberg zum Beispiel, das Bunte nur von den Deutschen kommt - nicht von den Türken selbst. Die türkische Kultur dort ist grau

    taz: Der Karneval der Kulturen...

    S: ...ist eine deutsche Fiktion.

    taz: Wie bitte?

    S: Niemand schaut nach oben. Die Häuser hoch. Dort sieht man die Frauen, die auf keinen Fall mitmachen dürfen, die gucken hinter ihren Gardinen zu. Frauen, die manchmal nicht mal wissen, wo sie sind - sie sind eingesperrt.

    taz: Warum meiden sie das pralle Leben?

    S: Sie sind ja zwangsverheiratet worden und wissen genau, dass sie ihr Leben gefährden, wenn sie sich nicht an das halten, was ihre Familie ihnen als Pflicht aufgibt: sie dürfen nicht auf die Straße.

    taz: Was heißt Pflicht in erster Linie?

    S: Dem Manne zu gehorchen, ihm eine gute Ehefrau zu sein und die Kinder großzuziehen. Das sind Sklavinnen auf dem muslimischen Ehemarkt.

    taz: Aber man sieht doch viele junge Frauen mit türkischer Herkunft, die in Berlin leben, wie sie möchten.

    S: Klar gibt es die. Frauen wie Hatun Sürüncü. Die ihre Familien verlassen müssen, um ihr Leben zu leben. Selbstbestimmt. Hatun hat das ihr Leben gekostet - hingerichtet von ihren Brüdern, weil sie sich dem Zwang ihrer türkischen Familie verweigerte.

    taz: Sie habe gelebt "wie eine Deutsche".

    S: Richtig - und an dieser Wendung kann man gut ablesen, wie lächerlich in der türkischen Community die Idee von Multikulti selbst gehalten wird. Man nimmt die deutschen zivilgesellschaftlichen Standards einfach nicht ernst.

    taz: Fühlen auch Sie sich bedroht?

    S: Natürlich. Jede Frau im Westen, die sich den Wünschen ihrer Familie verweigert, ist bedroht. Sie muss immer aufpassen. Unerträglich, aber so ist es.

    taz: Kritik an ultrapatriarchalen Lebensverhältnissen in Einwandererkreisen wird von Linken nicht gern geäußert, man fürchtet, als rassistisch zu gelten.

    S: Toll, ganz toll. Dass die Deutschen die Weltmeister sind, wenn es darum geht, bloß nicht als Rassisten zu gelten. Ehrenmorde zu kritisieren, sie zu ächten und das Strafrecht zu ändern, hat nichts, gar nichts mit Rassismus zu tun. Die Leidtragenden dieser besonderen Empfindsamkeit der Gutmenschen gerade dem Islam gegenüber sind wir Frauen.

    taz: Muslimen gewogene Ethnologen meinen, Ehrenmorde hätten mit dem Islam weniger, mehr aber mit patriarchalen Verhältnissen zu tun.

    S: Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Nur Multikultifanatiker finden diese Differenz interessant - um abzulenken, dass es jede Menge Probleme gibt.

    taz: Vor allem durch die Männer?

    S: Keineswegs. Es gibt auch unter türkischen Frauen viele, die missgünstig sind auf andere türkische Frauen, die, wie hieß das?, "wie eine Deutsche leben". Als ich in der Schule gut war, meinten Verwandte, na, das geht doch nicht gut. Haben meinen Eltern gesagt, eine höhere Schule bräuchte ich nicht.

    taz: Dennoch haben Sie mit Ihrer Familie gebrochen, um ihren Weg gehen zu können - Autorin, Expertin in Fragen muslimischer Integration, heimliche Heldin vieler türkischer Frauen.

    S: Ich musste mich von meiner Familie verabschieden, es ging nicht anders.

    taz: Heute passen Ihre Eltern mit auf Ihre kleine Tochter Zoe Sultan auf.

    S: Wir verstehen uns wieder gut, wie eine Familie eben. Ich bin einfach ihr Kind - und sie lieben und verstehen mich. Sie, nein, wir haben gelernt, dass ein Leben "wie eine Deutsche" sie nicht um ihre Tochter bringt.

    taz: Gibt es nicht auch andere Wege für türkische Frauen in Deutschland, sich zu emanzipieren?

    S: Meine Erfahrung spricht dagegen. Sie müssen den Bruch schaffen - sonst nimmt man sie nicht ernst. Und erst, wenn man sie ernst nimmt, kann man sich auch wieder nähern.

    taz: Sie fordern neue Gesetze in Sachen Zwangsverheiratung. Den Grünen waren es unbehaglich - als sollten Muslime kriminalisiert werden.

    S: Die haben eine unheimliche Angst, kulturelle Minderheiten an den Grundrechten zu messen. Das hat mich besonders geärgert - wo die Grünen sich immer so hübsch zugute halten, es mit den Menschenrechten ganz genau zu nehmen. Sind Frauenrechte keine Menschenrechte? Zwangsheiraten sind keine Bagatellen. Ich bin tatsächlich dafür, die Gesetze so zu verschärfen, dass sie Frauen schützen - und den Männern zu signalisieren, dass ihr Ehrenkodex vor deutschen Gerichten nicht zählt.

    taz: Ehrenmord ist vor deutschen Gerichten schon als Totschlag bestraft worden, weil dem Täter seine kulturelle Prägung angerechnet wurde.

    S: Vielen Dank für dieses besonders beeindruckende Signal für türkische Frauen in Deutschland. Mit kultureller Prägung - als ob die sich nicht auch ändern könnte - hat das nichts zu tun. Ehrenmorde an Frauen sind oft genau kalkuliert worden. Das war kein Trieb, der zwanghaft gelebt werden musste. Das war eine harte, eine mörderische Strafe. Und so muss diese Tat auch geahndet werden.

    taz: Manche Familien beauftragen mit einem Ehrenmord den jüngsten Sohn, damit er, wenn überhaupt, nach dem Jugendstrafrecht angeklagt wird.

    S: Was für mich ein weiteres Indiz für die genaue Planung des Verbrechens ist. Eine Frage der Ehre, eine der Kultur? Für mich sind das fürchterliche Ausreden, die von den Gutmenschen gern geglaubt werden. Ich bin dafür, das Jugendstrafrecht so zu verschärfen, dass der Trick, die Jüngsten für eine Mordtat auszusuchen, nicht mehr verfängt.

    taz: Im kanadischen Toronto wird ernsthaft debattiert, in muslimisch geprägten Vierteln wenigstens im Zivilrecht die Scharia einzuführen.

    S: Wenn es so wäre, könnte ich keiner Frau empfehlen, dort zu leben. Das wäre eine Bankrotterklärung der Zivilgesellschaft. Was das hieße: Züchtigung, Todesstrafe, Prügel, Entrechtung. Grauenvoll.

    taz: Debatten in deutschen Schulen scheinen dieser Tendenz verwandt: Wenn muslimische Mädchen nicht zu Klassenfahrten, nicht am Sportunterricht oder am 5exualkundeunterricht teilnehmen dürfen.

    S: Das sehe ich mit traurigen Augen. Was mich aber empört, ist, dass es nur die Mädchen trifft. Um die muslimischen Jungs geht es nie - immer nur um die Keuschheit der Mädchen. Gerade sie brauchen Wissen um 5exualität. Viele Mädchen müssen sich doch auf Analverkehr mit Jungs einlassen - weil dies die beste Verhütungsmethode ist.

    taz: Ist ja auch für die Jungs ein rüdes 5exualleben.

    S: Die spielen doch die andere Seite dieser Tragödie. Sie lernen von anderen Männern, dass 5exualität nur mit Gewalt zu haben ist - das ist für sie und für ihre Frauen eine Katastrophe.

    taz: Gibt es nicht auch familiär beschlossene Ehen, die glücklich sein können?

    S: Gegenfrage: Wie sehr muss sich eine Frau auf die Möglichkeit eines Zufalls einlassen? Viele Frauen hören doch in der Hochzeitsnacht, mach einfach die Augen zu und lass es geschehen. Das ist mein Blick auf die Dinge, der in der Bequemlichkeit der Multikultileute nicht vorkommt. Ein Blick, der stört, der den Faulen und Bequemen unter den Linken nicht passt.

    taz: Weshalb empfinden Sie sie als faul?

    S: Weil sie sich auf dem guten Gewissen ausruhen, irgendwie nicht rassistisch zu sein. Sie trinken Prosecco und kaufen gesunde Lebensmittel aus allen Ländern - und fühlen sich ziemlich gut. Mir kommt Multikulti wie organisierte Verantwortungslosigkeit vor.

    taz: Man will sich eben in andere Kulturen nicht einmischen

    S: warum nicht? Wir leben in einem Land. Es ist ein oft tödlicher Fehler, zu schweigen. Warum fordern deutsche Eltern türkische Eltern nicht auf, ihre Töchter auf Klassenreise mitfahren zu lassen? Wir sind eine Gesellschaft, nicht eine Ansammlung von vielen.

    taz: In Dänemark hat die rechtskonservative Regierung eine Regelung durchgesetzt, dass nur ins Land darf, wer sich der dänischen Kultur unterwirft - Zwangsheirat fast ausgeschlossen.

    S: Klingt nicht schlecht.

    taz: Aber das ist ein Werk von Konservativen, von Rechten.

    S: Na und? Dann ist es das eben. Konservativ muss ja nicht illiberal sein. Und immerhin ist das ein Vorschlag, um den Import von Frauen ohne Rechte zu verhindern. Die Linken und Liberalen und Feministinnen sind immer nur ratlos und veranstalten Tagungen und suchen den Konsens - das ist zu wenig.

    taz: Kein Wunder, dass Sie gerade denen als Zumutung gelten.

    S: Damit kann ich leben. 1984, nach dem Attentat auf den Frauenladen, in dem ich gearbeitet habe, hieß es auch schon, dass Frauen wie ich der türkischen Gesellschaft zu weit gegangen wären.

    taz: Wie sehen Sie sich selbst?

    S: Eine Frau, die genau in die Nester guckt, die Schmutz enthalten. Das ist mein Job.

    taz: Ihr Lebensgefühl?

    S: Ich bin öfter als früher erschöpft. Und ich habe auch Angst. Das ist beunruhigend für mich und meine Familie.

    taz: Was sagt Ihr Gott zu dem Leben, das Sie leben?

    S: Der ist mit mir auf meinem Weg.
    Was haltet ihr von dieser Problematik?

  2.  
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  3. #2
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    Was haltet ihr von dieser Problematik?
    Natürlich nichts... Es sollte sie im Jahr 2005 schlichtweg nicht geben!
    Bei aller Suche der Schuld bei einer verfehlten deutschen Integrationspolitik, muss ich allerdings auch immer wieder zu dem Schluss kommen, dass es kaum eine andere Gruppe von Zuwanderern gab, die sich stärker abgekapselt und weniger proaktiv integriert hätte wie die der anatolischen Türken und anderer muslimischer Bevölkerungsgruppen. Von daher kann ich es nicht akzeptieren, die Schuld immer bei der deutschen Politik zu suchen. Deutsche die sich in den jeweiligen Stammländern derart beschweren würden, dürften nur Spott und herzliches Gelächter ernten. Und das ist auch völlig korrekt, denn Integrationsbereitschaft ist eine Bringschuld, Unterstützung dabei kann ja vom Staat kommen. Wer sich nicht integrieren will, muss hingegen eigentlich nich in ein anderes Land gehen. Dabei muss man ja auch wissen, dass die Türkei lange ein Bevölkerungsproblem hatte und Kanzler Schmidt sich noch während seiner Amtszeit beim türkischen Staatsoberhaupt unbeliebt machen musste, da er ihn leider auf seine Ankündigung, noch mindestens 15 Mio. Türken nach Deutschland schicken zu wollen, auf die Realitäten zurückstutzen musste. Und es kommt auch nicht von ungefähr, dass die hier lebenden Türken zu einem großen Teil aus dem anatolischen, weniger westlich orientierten Teil der Türkei kommen. Und es ist deshalb auch immer wieder schnell klar, aus welchen anderen Regionen die Eltern der modern eingestellten türkischen Mädchen stammen, die vielleicht sogar einen deutschen Freund haben oder heiraten.

    Ich habe den Glauben daran verloren, dass wir an diesen Zuständen etwas ändern können. Das müssen die in Deutschland lebenden Türken und Türkinnen und die weniger zahlreich vorhandenen anderen Bevölkerungsgruppen muslimischen Glaubens letztendlich selbst erreichen. Dabei kann man sie unterstützen und ihnen jede Hilfe geben. Doch man kann letztendlich nichts daran ändern, dass der muslimische Glauben eben heutzutage erst eine Stufe durchmacht, die der christliche Glauben vor Jahrhunderten hinter sich gebracht hat. Besserung kann man von außen einfach nicht aufoktruieren oder beschleunigen. Es geht ja nunmal leider nicht nur darum, dass hier Leute ihre Frauen schlecht behandeln, sondern das sie es wegen eines ultrakonservativ ausgelegten Glaubens tun. Die Christen haben das auch einmal getan und waren davon nicht abzubringen, manche von hunderttausenden Menschen gefeierte Christen tun das übrigens auch bis heute, wir leben das nur glücklicherweise mittlerweile anders und betrachten das TamTam größtenteils als unterhaltsame Folklore oder als heimeliges Rahmenprogramm zum an sich längst entweihten Weihnachtsfest. Da ist kein Boden für Hardliner oder Hassprediger. Gut für uns!

    Die an sich bedauernswerte und sicher nicht optimale Ghetto-Bildung der hier auf der Anklagebank befindlichen rückwärtsgewandten Einwanderer sehe ich deshalb als das kleinere Übel an. Da eine echte Integration unter diesen Umständen gar nicht mehr möglich ist, ist es mir lieber das Theater konzentriert sich so wenigstens und das friedliche Zusammenleben wird ansonsten nicht gefährdet. So fällt es auch selbst muslimischen Hardore-Typen meistens nicht schwer auf der Arbeit den weltoffenen witzigen Menschen zu geben und zu Hause eine ganz andere Rolle anzunehmen. Ich möchte nicht wissen, was wir für Zustände hätten, wenn sich die Dinge die sich in den Ghettos abspielen in gemischten Mietskasernen abspielen würden. In manchen Häusern würde beim Zusammenprall der Kulturen wohl auf Dauer der Bürgerkrieg ausbrechen. Man könnte mir jetzt vorwerfen, dass das ja schön bequem für uns ist und wir so einfach wegschauen können. Das tun wir allerdings ja nicht und die Dinge werden nicht automatisch besser, nur weil man sie für alle schwerer und unerträglicher macht.

    Ich sehe die Aufgabe des Staates deshalb darin, die Verbesserungen innerhalb dieser Bevölkerungsgruppen durch Anlaufstellen und Budgets für dort selbst zu initiierende Projekte bereitzustellen incl. Beratungsstellen und Räumlichkeiten.
    Ansonsten muss der Staat schlichtweg Schadensbegrenzung betreiben, indem in Zukunft drauf geachtet wird, dass hier nur dauerhaft leben kann, wer sich unserer Lebensweise anpassen kann und will - ohne dabei natürlich sich selbst zu verleugnen. Diese Leute können dann auch voll integriert werden. Es stört sich heute niemand daran, wenn sein Nachbar Italiener oder Grieche ist. Zieht jedoch der gleichaltrige türkische Ex-Gastarbeiter nebenan ein, gäbe es ganz sicher schnell Zoff - deshalb kommt er auch gar nicht erst. Diese Leute bleiben m. E. besser in Ländern, wo sie ihre Lebensweise so pflegen können. Hier geht das schlichtweg nicht, ohne die bekannten ungewünschten Nebeneffekte. Wer hier bleiben möchte, muss sich integrieren können. Es hat m. E. nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun das zu erwarten, sondern das ist völlig selbstverständlich. Es ist komisch, dass das viele Multikulti-Fans anders sehen, obwohl sie Einwanderern damit einen Bärendienst erweisen. Die meisten integrierten Zuwanderer haben doch selbst die Schnauze gestrichen voll davon mit den rückwärtsgewandten Kollegen in einen Topf geschmissen zu werden und deshalb Nachteile zu erleiden.

    PM

  4. #3
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    Mit "Problematik" meinte ich vor allem die von Seyran Ates eingestreuten "besonderen Härten" der Multikulti-Gesellschaft, die ich, gelinde gesagt, interessant finde. Es kommt mir so vor, als ob ich so einen kleinen Blick hinter die Fenster der Nachbarschaft werfen kann, weil ich selbst in einem Viertel mit enorm hohem Ausländeranteil wohne. Obwohl die Kriminalitätsrate überproportional hoch ist und der Stadtteil einigermaßen verschrien ist, bekomme ich von Gewaltakten oder ähnlichem nichts mit. Auf der Straße fühle ich mich sicher. Diese scheinbare heile Welt scheint nach diesem Interview jedoch schon hinter den Wänden vieler Nachbarn zu enden, und dazu suche ich bis heute einen geeigneten Standpunkt. Weltoffenheit, Toleranz und Antinationalismus auf der einen Seite - simple Menschenrechte auf der anderen. Ein Kompromiss zwischen beiden Extremen ist stets eine Gratwanderung und wird wohl nie vollends gelingen. Zumindest einige ihrer Vorschläge kann ich aber bewerten:

    - Eine Abkehr vom grünen Ideal der Multi-Kulti-Gesellschaft ist dringend nötig. Damit meine ich nicht den Verzicht auf jegliche Integrationstätigkeit oder gar die Ghettoisierung unliebsamer Mitbürger, aber man soll doch bitte in der Öffentlichkeit nicht länger eine Friede-Freude-Eierkuchen-Situation propagieren.
    - Verbrechen dürfen nicht durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder zu einem bestimmten Kulturkreis verharmlost werden. Falsche Rücksicht auf die Täter verhöhnt die Opfer.
    - Der Schließung von Zwangsehen ist vorzubeugen. Wie man das juristisch umsetzen will, ist mir jedoch schleierhaft, denn es ist fraglich, ob es gelingt, glaubhaft zwischen einer Liebes- und einer Zwangsheirat zu differenzieren.
    - In bestimmten Bereichen ist das Strafrecht zu verschärfen. Ehrenmorde sind nicht unter Totschlag einzustufen, Mord darf nicht länger nach Jugendstrafrecht geahndet werden. Weitergehende Verschärfungen des Jugendstrafrechts lehne ich jedoch ab, da dieses ansonsten recht gut funktioniert. Teilweise bietet es sogar mehr Möglichkeiten als das Erwachsenenstrafrecht.
    - Einwanderer sollten sich der hiesigen Kultur anpassen. Die Frage ist nur, wie sich dies mit der Wahrung der individuellen Freiheitsrechte verträgt. Absoluten Zwang halte ich für kontraproduktiv. Zumindest aber sollte man eine Sprachprüfung bestehen, nicht unbedingt gleich bei der Einreise, aber innerhalb eines gewissen, eng abgesteckten Zeitraumes.

    Dennoch sollte man nun nicht das häufig von Rechten vorgebrachte Schreckensbild von der "islamischen Unterwanderung und Unterdrückung" Deutschlands vor Augen haben. Panikmache ist nicht angebracht.

  5. #4
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    Sicher muss man Unterdrückung auch dann kritisieren und ihr entgegenwirken dürfen, wenn sie in Einwandererfamilien stattfindet. Und es ist völlig richtig, mal darauf hinzuweisen, daß es in den sich als linksliberal/alternativ verstehenden Mileus bisweilen ein unlogisches Nebeneinander von menschenrechtsuniversalistischer Argumentation einerseits (Amnesty International zitieren, wenn es Asylpolitik und Abschiebehaftbedingungen geht) und kulturrelativistischer Argumentation andererseits ("Du, das ist halt deren Tradition." wenn es um islamisch begründete Morde an Familienmitgliedern geht).

    Was den gängigen Satz "Wer hier leben will, muss sich auch integrieren" betrifft, so muss man aber erstmal klären, was genau damit gemeint ist. Ok, im taz-Umfeld ist damit natürlich nicht der zwangsweise Umstieg von Döner auf deutsche Bratwurst mit Senf und von Islam auf Christentum gemeint, sondern die Akzeptanz einer liberal-zivilgesellschaftlichen Grundordnung, und auch in diesem Forum hier werden das wohl die allermeisten so sehen. Nur mache man sich hier nix vor: Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ist es wohl eher eine Minderheit, die dies so aufgeklärt-differenziert sieht! Meine Erfahrung z. B., wenn auf Familienfesten das "Ausländer-Thema" kommt: Am Anfang geht´s noch politischkorrekt um fanatischen Islamismus und familiäre Gewalt, aber nach ein paar Bier geht´s dann mehr in die Richtung "und überhaupt": etwa "wie die rumlaufen" und man "in einer deutschen U-Bahn mehr türkisch als deutsch hört" ...

    Aber auch wenn man mal als klar voraussetzt, daß es um Akzeptanz von Menschenrechten und Grundfreiheiten und nicht um Anpassung in Fragen des Stils und der Alltagskultur geht, ist es problematisch, hiervon (über strafrechtliche Behandlung hinausgehend) die Einwanderungserlaubnis, bzw. Ausweisung abhängig zu machen, denn müsste man dann nicht auch Teile der deutschen Bevölkerung ausbürgern? Z. B.
    - Neonazis
    - Eltern, die Schlagen immer noch für eine normale Erziehungsmethode halten
    - oder ihre Kinder gegen deren Willen in religiös geprägte Internate einweisen?

  6. #5
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    Die Luftgitarre postete
    Sicher muss man Unterdrückung auch dann kritisieren und ihr entgegenwirken dürfen, wenn sie in Einwandererfamilien stattfindet. Und es ist völlig richtig, mal darauf hinzuweisen, daß es in den sich als linksliberal/alternativ verstehenden Mileus bisweilen ein unlogisches Nebeneinander von menschenrechtsuniversalistischer Argumentation einerseits (Amnesty International zitieren, wenn es Asylpolitik und Abschiebehaftbedingungen geht) und kulturrelativistischer Argumentation andererseits ("Du, das ist halt deren Tradition." wenn es um islamisch begründete Morde an Familienmitgliedern geht).
    Es gibt häufig Probleme, wenn eine Person, die an diesen Dingen wirklich etwas ändern könnte, weil sie in entsprechender Position ist (z. B. ein Minister), hierzu klare Ansagen macht. Ruckzuck wirde es als ausländerfeindlich hingestellt, wenn z. B. es so dargestellt wird, als wären Ausländer gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil überproportional häufig in Diebstahl-, Gewalt- oder 5exualdelikte verstrikt. Das dies nach nüchterner Betrachtung der Statistik oftmals dann auch den Tatsachen entspricht, wird zugunsten einer zwischengezogenen Political Correctness Diskussion ganz schnell übertüncht. Einerseits kommt das beim Großteil der nachkriegsdeutsch erzogenen Bevölkerung immer noch gut an und andererseits will man ja bloß keinen mit der Nase drauf stoßen, dass da seit Jahrzehnten was im Argen liegt, wogegen man nichts unternimmt.

    Was den gängigen Satz "Wer hier leben will, muss sich auch integrieren" betrifft, so muss man aber erstmal klären, was genau damit gemeint ist.
    Am wichtigsten ist es, dass Sprachbarrieren nicht mehr zugelassen werden (heisst: Sprachtest und ggf. Schulungsmaßnahmen vor dauerhafter Aufenthaltserlaubnis oder Einbürgerung) und das kein Zuzug in die Sozialsysteme mehr stattfindet (heisst: Keine Aufnahme von Ausländern, die hier offensichtlich nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen können - hiervon ausgenommen sind natürlich tatsächlich politisch Verfolgte/Asylsuchende). Das würde schon sehr viel helfen Probleme und Vorurteile abzubauen. Denn in Deutschland gibt es m. E. eigentlich in sehr viel geringerem Maße "Ausländerfeinde" im eigentlichen Wortsinn, als das manchmal den Anschein macht. Die allerwenigsten haben etwas gegen einen Kanadier oder einen Australier - ihres Zeichens Ausländer. Das Problem dabei ist, dass wir meistens nur gut ausgebildete Kanadier und Australier treffen, die einen vergleichbaren Lebensstil pflegen und in vergleichbaren Verhältnisse leben. Auf gewisse Vorbehalte stoßen eben eher jene ausländischen Bevölkerungsgruppen die in der Vergangenheit zu einem Großteil der sozial schwachen Schicht angehörten. Leider pflanzt sich das aufgrund der Pflege abkapselnder Traditionen und der oft weiter vererbten Sprachbarriere so auch fort. Das muss man durchbrechen und das geht offenbar nur mit Druck. Wenn eine dunkelhäutige Person mit einem sündhaft teuren S-Klasse Coupè an der Tankstelle vorfährt, denken heute viele zu Erst an Drogengeschäfte und nicht daran, dass er ein erfolgreicher Manager sein könnte. Erst wenn sich das umgekehrt hat, haben wir diese Gruppe der Ausländer vernünftig integriert und auch erst dann, wird es kaum noch Vorbehalte geben. M. E. gibt es bei den allermeisten auch als ausländerfeindlich geltenden Menschen keine Angst davor, dass diese Menschen einfach nur anders aussehen (so wird es ja gerne hingestellt), sondern es gibt Angst vor der Kriminalität und der immer obskur bleibenden Lebensweise, weil sie irgendwo abgekapselt statfindet und keiner so genau weiss, was da abgeht. Aus diesem Grund entwickeln sich Parallelgesellschaften wo Frauen misshandelt oder Mädchen beschnitten werden - mitten unter uns. Diese Probleme sind m. E. nur durch Integration zu lösen. Dazu muss die Sprache da sein. Sie ist Grundvoraussetzung für eine gute Ausbildung, für den alltäglichen Umgang, den Austausch und für die An- und in gewissem Maße Übernahme der Art wie wir hier in Europa eben leben.
    Ich sehe hier allerdings wenig Raum für die Multikulti-Schmusereien der Multikulti-Jünger einer Claudia Roth. Diese Maßnahmen müssen verpflichtend sein. Wem das zuviel ist, der braucht ja nicht kommen, so hart das auch klingt.
    Alles andere ist zu respektieren. Wenn jemand kein Schweinefleisch essen möchte, muss er das nicht tun. Wer keinen 5ex vor der Ehe haben will braucht keinen zu haben etc. etc.

    Am Anfang geht´s noch politischkorrekt um fanatischen Islamismus und familiäre Gewalt, aber nach ein paar Bier geht´s dann mehr in die Richtung "und überhaupt": etwa "wie die rumlaufen" und man "in einer deutschen U-Bahn mehr türkisch als deutsch hört" ...
    Letztendlich ist auch das nur Angst davor, einmal fremder im eigenen Land zu sein. Gerade in den Städten, ist das doch auch häufig schon der Fall. Ganze Stadtteile gelten als "aufgegeben", Wortschöpfungen wie "Klein-Istanbul" kommen nicht von ungefähr. Ich habe mich schon in Ecken Duisburgs verirrt, in denen ich fast nicht glauben konnte noch in Deutschland zu sein. Dabei kommt es nicht drauf an, dass dort offenbar nur noch türkischstämmige Menschen leben. Es kommt drauf an, dass es dort verwahrlost aussieht, man Angst davor bekommt, dass das ausufert und man auch bei den Horden von umherlaufenden Kindern und auf den Straßen spazierenden Männern (Frauen sieht man sehr selten dort draußen... und wenn dann nur schwer verhüllt im Dreiergespann durch die Generationen beim schüchternen Spaziergang einmal um den Block) nicht umhin kommt sich zu fragen, was aus dieser nächsten Generation der Gastarbeiterkinder wird, immerhin handelt es sich hier oft um Generation 3 oder sogar schon 4. Trotzdem ist das Stimmgewirr reinstes türkisch, es gibt nur türkische Läden und all die schönen alten Häuser der Gründerzeit verkommen, alle "normalen" Geschäfte sind längst verschwunden..... WENN das nicht immer so automatisch miteinander verknüpft wäre, würde es kein Problem geben! Lächerlich ist nur, dass sich dieses Problems ausgerechnet rechtsradikale Parteien in ostdeutschen Landtagswahlkämpfen besonders bedienen und das auch noch mit Erfolg - dort wo der Ausländeranteil oft um 1% liegt! Das ist aber m. E. ein anderes Problem, hier sucht sich der Zorn über die eigene Misere ein x-beliebiges Ventil. Daran, dass man die o. g. Zustände, dort wo sie tatsächlich herrschen, ändern und nicht etwa zementieren muss, ändert das aber nichts. Sonst erweist man den Ausländern einen Bärendienst, insbesondere den vielen, die sich heute selbst schon davon distanzieren, wie die hier genannte Autorin.

    müsste man dann nicht auch Teile der deutschen Bevölkerung ausbürgern? Z. B.
    - Neonazis
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    - oder ihre Kinder gegen deren Willen in religiös geprägte Internate einweisen?
    Nein, warum? Für Probleme von deutschen in Deutschland sind immer noch Deutsche Institutionen zuständig - übrigens auch für Deutsche, die nicht per Geburt deutsch waren. Das Problem bei manchen notorischen ausländischen Straftätern ist doch auch, dass sie aus völlig anderen Verhältnissen stammen. Wenn ich aus einem Land stamme, in dem mir für einen Diebstahl die Hand abgeschlagen wird, lache ich mich über eine kleine Geldbuße oder Sozialdienst eben kaputt. Auch die paar Jahre Knast die es hierzulande für einen Totschlag gibt, sitzen manche in der Überzeugung als ehrenvoller Mann einen geringen Preis zu zahlen locker auf einer Backe ihres Hinterns ab. Die Abschreckung ist einfach nicht da... ich denke da schon, dass es sinnvoller ist, den Strafvollzug solcher Kandidaten in ihre Heimatländer zu verlegen, als hier Folter und Todesstrafe einzuführen, damit sich diese Leute nicht mehr vor unserem - in ihren Augen - laschen Strafsystem kaputtlachen. Das Problem ist bloß, dass das in den o. g. Fällen nichts bringt. Für einen Ehrenmord, z. B. weil die Frau fremd ging, wird man in manchen der Herkunftsländer ja ganz locker frei gesprochen, bzw. die Frau wäre ohnehin zum Tode verurteilt worden. Da stößt die bekannte Forderung, kriminelle Ausländer schlichtweg des Landes zu verweisen, an ihre Grenzen. Seine gerechte Strafe erhält er dort dann nämlich auch nicht und die die er hier bekommt, ist gemessen an seiner Erziehung und seiner Lebenserfahrung noch Sanatorium pur....

    PM

  7. #6
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    Es gibt häufig Probleme, wenn eine Person, die an diesen Dingen wirklich etwas ändern könnte, weil sie in entsprechender Position ist (z. B. ein Minister), hierzu klare Ansagen macht. Ruckzuck wirde es als ausländerfeindlich hingestellt, wenn z. B. es so dargestellt wird, als wären Ausländer gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil überproportional häufig in Diebstahl-, Gewalt- oder 5exualdelikte verstrikt. Das dies nach nüchterner Betrachtung der Statistik oftmals dann auch den Tatsachen entspricht, wird zugunsten einer zwischengezogenen Political Correctness Diskussion ganz schnell übertüncht.
    Diese Statistiken sind auch darauf angelegt, Ausländer zu stigmatisieren. Ausländer sind größtenteils als billige Arbeiter für gering qualifizierte Tätigkeiten nach Deutschland eingewandert und folglich auch überproportional in die entsprechenden Stadtteile, in denen die Mieten niedrig und soziale Probleme und Kriminalität immer besonders stark ausgeprägt sind. Aber die neuen Bewohner fielen auch äußerlich auf und aus der altbekannten Unterschichts- und Problemstadtteil-Kriminalität wurde nun in der öffentlichen Wahrnehmung eine Ausländer-Kriminalität - eine Wahrnehmung, die von Politikern nur zu gerne mit entsprechend ausgewählten Statisten unterstützt wurde, ließ sich damit doch der Eindruck erwecken: Mit unseren Städten und unserer Gesellschaft ist schon alles in Ordnung, es sind halt nur die Ausländer ... !



    (...) und das kein Zuzug in die Sozialsysteme mehr stattfindet (heisst: Keine Aufnahme von Ausländern, die hier offensichtlich nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen können - hiervon ausgenommen sind natürlich tatsächlich politisch Verfolgte/Asylsuchende). Das würde schon sehr viel helfen Probleme und Vorurteile abzubauen.
    Das wäre die nationale, rechtspopulistische Antwort auf die Soziale Frage, nach dem Prinzip: Man kann den deutschen Arbeitern jedes Opfer für den "Standort Deutschland", jede Ausbeutungsverschärfung, jeden Wohlstandstransfer nach oben zumuten, aber einen Wohlstandstransfer nach unten, d. h. an Einwanderer aus ärmeren Ländern natürlich nicht!


    Denn in Deutschland gibt es m. E. eigentlich in sehr viel geringerem Maße "Ausländerfeinde" im eigentlichen Wortsinn, als das manchmal den Anschein macht.
    Ich hab in der Anti-Asyl-Kampagne der hiesigen Medien und Volksparteien ´92/´93 eher den Eindruck gewonnen, daß hinter jedem Brandstifter 10 Biedermänner stehen!


    Letztendlich ist auch das nur Angst davor, einmal fremder im eigenen Land zu sein.
    Aber genau das ist es ja: dieses Verständnis von Nation als Kulturgemeinschaft und nicht als Staatsbürgergemeinschaft, diese Vorstellung, man habe ein Anrecht darauf, überwiegend deutschsprechende Nachbarn zu haben, ja überhaupt der Anspruch, zu erfahren , was da eigentlich bei den Nachbarn so vor sich geht, und andernfalls das Schlimmste zu unterstellen. In den Augen vieler Deutscher zählt ihr "Recht" auf eine kulturell vertraute Nachbarschaft mehr als das Recht ihrer Nachbarn, ihre eigene Kultur zu pflegen und dabei grundsätzlich erstmal frei von Verdächtigungen zu sein. (Nebenbei: Für die meisten ist die Frauendiskriminierung im Islam nur ein neu entdecktes Hilfsargument) Man kann es nicht oft genug sagen: Mit Vorurteilen aufzuräumen ist nicht die Aufgabe desjenigen, gegen den sich die Vorurteile richten, sondern desjenigen, der sie hegt!


    müsste man dann nicht auch Teile der deutschen Bevölkerung ausbürgern? Z. B.
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    - Eltern, die Schlagen immer noch für eine normale Erziehungsmethode halten
    - oder ihre Kinder gegen deren Willen in religiös geprägte Internate einweisen?
    Nein, warum? Für Probleme von deutschen in Deutschland sind immer noch Deutsche Institutionen zuständig - übrigens auch für Deutsche, die nicht per Geburt deutsch waren. Das Problem bei manchen notorischen ausländischen Straftätern ist doch auch, dass sie aus völlig anderen Verhältnissen stammen. Wenn ich aus einem Land stamme, in dem mir für einen Diebstahl die Hand abgeschlagen wird, lache ich mich über eine kleine Geldbuße oder Sozialdienst eben kaputt. Auch die paar Jahre Knast die es hierzulande für einen Totschlag gibt, sitzen manche in der Überzeugung als ehrenvoller Mann einen geringen Preis zu zahlen locker auf einer Backe ihres Hinterns ab. Die Abschreckung ist einfach nicht da... ich denke da schon, dass es sinnvoller ist, den Strafvollzug solcher Kandidaten in ihre Heimatländer zu verlegen, als hier Folter und Todesstrafe einzuführen, damit sich diese Leute nicht mehr vor unserem - in ihren Augen - laschen Strafsystem kaputtlachen.
    Jetzt argumentierst Du ja selber kulturrelativistisch: Die Ausländer sind harte und archaische Strafen gewohnt - das gehört quasi zu ihrer Kultur - , also ist es das beste wir übergeben straffällige Ausländer einfach den entsprechenden Rechtssystemen! Im Ergebnis läuft dies aber darauf hinaus, daß es für die gleiche in Deutschland begangene Straftat 2 verschiedene Strafen gibt: eine mildere für Inhaber des deutsches Passes und eine härtere (verbunden mit Ausweisung) für Ausländer.

    Egal ob es um Kriminalität oder um die Sozialsysteme geht: Das Denken in "In"- und "Ausländern" ist einfach nicht aus den Köpfen rauszukriegen. Und auch der perspektivlose Sozialhilfeempfänger und auch der erwischte Gauner - so sie nur Deutsche sind - wissen: Es gibt immer noch welche, die unter ihnen stehen. Irgendwas muss ja die Nation zusammenhalten.

  8. #7
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    Die Luftgitarre postete
    Diese Statistiken sind auch darauf angelegt, Ausländer zu stigmatisieren. Ausländer sind größtenteils als billige Arbeiter für gering qualifizierte Tätigkeiten nach Deutschland eingewandert und folglich auch überproportional in die entsprechenden Stadtteile, in denen die Mieten niedrig und soziale Probleme und Kriminalität immer besonders stark ausgeprägt sind.
    Eine ausländerfeindliche Frisierung der Statistiken, wage ich angesichts unserer Multikultibegeisterten Regierungskoalition zu bezweifeln. Die Grünen würden sofort eine Koalitionskrise ausrufen, wenn ihr Ex-Parteikollege es mit seinem Ministerium dabei übertreibt. Ansonsten: Ich habe bezgl. der Entstehung und Bedeutung der sozialen Verhältnisse nichts anderes geschrieben! Allerdings ist es ja eben *nicht* so, dass die einst eingewanderten Gabelstaplerfahre, Kohlekumpel und Fabrikarbeiter die Ausländerkriminalität anführen, sondern ihre Enkel. Und genau an diesem Umstand ändern diese ständigen Relativierungs-, Entschuldigungs- und Erklärungsversuche eben rein gar nichts. Er dürfte eigentlich nicht sein! Das eine Menge Deutsche ihrerseits kriminell sind, sollte man dabei nicht immer dazu sagen müssen, um nicht als Ausländerfeind oder Rechtspopulist zu gelten. Die Frage ist, ob wir uns durch Einwanderung noch sehenden Auges mehr Probleme einhandeln müssen, oder ob ein Staat nicht das Recht hat, seine Zuwanderung entsprechend zu steuern. Hat ein Staat weniger Hausrecht als ein einfacher Hauseigentümer? Muss er jeden bei sich wohnen lassen, sei es auch gegen seine ureigenen Interessen? Wenn ich mir im kleinen nicht vorstellen kann Leute bei mir zu Hause wohnen zu lassen, die mir nur Probleme machen, kann ich es im großen auch immer sehr schlecht rechtfertigen - ich sehe das einfach mal so pragmatisch.

    (...) und das kein Zuzug in die Sozialsysteme mehr stattfindet (heisst: Keine Aufnahme von Ausländern, die hier offensichtlich nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen können - hiervon ausgenommen sind natürlich tatsächlich politisch Verfolgte/Asylsuchende). Das würde schon sehr viel helfen Probleme und Vorurteile abzubauen.
    Das wäre die nationale, rechtspopulistische Antwort auf die Soziale Frage, nach dem Prinzip: Man kann den deutschen Arbeitern jedes Opfer für den "Standort Deutschland", jede Ausbeutungsverschärfung, jeden Wohlstandstransfer nach oben zumuten, aber einen Wohlstandstransfer nach unten, d. h. an Einwanderer aus ärmeren Ländern natürlich nicht!
    Ja, das klingt ja erstmal gut. Stellt sich eben nur die Frage, wie wir das finanzieren wollen (ich fände das jetzt nicht plötzlich gerecht, noch mehr in Arbeits- und Rentenversicherung einzuzahlen, nur weil wir uns zusätzlich 1 Mio. Einwanderer direkt als Sozialversicherungsempfänger einladen um nicht so ungerecht zu sein) und wie die Länder damit umgehen sollen, denen aus ihrer Sicht immerhin die Besten entzogen werden, können sie doch immerhin genug Mittel und Bildung aufbringen, um sich ihr Ticket in den Wohlstand zu sichern.

    Denn in Deutschland gibt es m. E. eigentlich in sehr viel geringerem Maße "Ausländerfeinde" im eigentlichen Wortsinn, als das manchmal den Anschein macht.
    Ich hab in der Anti-Asyl-Kampagne der hiesigen Medien und Volksparteien ´92/´93 eher den Eindruck gewonnen, daß hinter jedem Brandstifter 10 Biedermänner stehen!
    Es ging mir eher darum, dass Ausländer eben nicht gleich Ausländer ist, da es nunmal so ist, dass ein Kanadier anders gesehen wird als ein Kurde, siehe unser Thema von ganz oben. Das Problem ist also nicht das Ausländer sein, sondern die Zugehörigkeit zu einer ausländischen Nationalität die eher der untersten sozialen Schicht zugeordnet wird als die anderen.


    Aber genau das ist es ja: dieses Verständnis von Nation als Kulturgemeinschaft und nicht als Staatsbürgergemeinschaft, diese Vorstellung, man habe ein Anrecht darauf, überwiegend deutschsprechende Nachbarn zu haben
    Da haben wir dann eben eine unterschiedliche Meinung. Ich halte eine gemeinsame Sprache für sehr wichtig wenn man dauerhaft zusammen leben will. Das die meisten Integrationsprobleme von der Sprachbarriere herrühren ist unbestritten. Den Ausländern, die sich hier vorbildlich integriert haben und die sich darüber ärgern, dass sie wenig davon haben, weil sie mit ihren weniger gut integrierten Herkunftsgenossen in einen Topf geschmissen werden, würden sich nicht über eine weiter an den Tag gelegte übertriebende Toleranz freuen.

    Jetzt argumentierst Du ja selber kulturrelativistisch: Die Ausländer sind harte und archaische Strafen gewohnt - das gehört quasi zu ihrer Kultur - , also ist es das beste wir übergeben straffällige Ausländer einfach den entsprechenden Rechtssystemen! Im Ergebnis läuft dies aber darauf hinaus, daß es für die gleiche in Deutschland begangene Straftat 2 verschiedene Strafen gibt: eine mildere für Inhaber des deutsches Passes und eine härtere (verbunden mit Ausweisung) für Ausländer.
    Falsch! Es gibt viel weiter vorne einfach schon ganz unterschiedliche Hemmschwellen und unterschiedlichen Respekt vor Strafmaßen. Während ich nicht einen Tag Knast ertragen möchte, lacht sich einer der sonst für geringste Vergehen die Amputation von Körperteilen oder den Tod zu befürchten hätte, über ne kostenlose Nacht mit Vollpension doch kaputt. Ich weiss nicht, wie Du den Respekt vor den als lasch angesehenen deutschen Strafen erhöhen willst.

    PM

  9. #8
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    AW: Interview zur Situation muslimischer Frauen in Deutschland

    Interessant was wir hier vor sechs Jahren, lange vor der breiten Sarrazin-Debatte (die sich ja leider mehr mit ihm, als mit dem Thema beschäftigte), bereits diskutiert und benannt haben. Meine Texte würde ich heute doch glatt nochmal so schreiben.

    Warum ich diesen Thread wieder nach oben hole:

    "Verlorene Ehre - Der Irrweg der Familie Sürücü": Ein Film von Matthias Deiß und Jo Goll. Mittwoch, 27. Juli 2011, 23.00 Uhr in der ARD und am 22. August, 21.00 Uhr im RBB

    und dazu: Geschwistermord: Die verlorene Ehre der Familie Sürücü - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama


    Ein Satz dieses Artikels bringt eins der größten Probleme auf den Punkt:

    Sie haben das ostanatolische Dorf besucht, aus dem die Eltern stammen, in dem die Menschen noch heute in Steinhütten leben - und doch fortschrittlicher denken als ihre Landsleute am Kottbusser Tor.
    Ich werde mir das auf jeden Fall gleich anschauen.

    Mal sehen ob man heute noch derlei integrationskritisches schreiben bzw. senden darf oder dafür in der Rasterfahndung landet.

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