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Jugendgewalt und Generationengrenze - die 80er ?

Erstellt von DeeTee, 12.02.2004, 10:42 Uhr · 7 Antworten · 981 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von DeeTee

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    Folgenden Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 12.02.2004 finde ich in Hinblick auf dieses Board und einige der aktuellen Diskussionen recht interessant.


    (...) So viele Fragen es an die Rolle der Medien und Popkultur für die Genese der Jugendgewalt gibt, so schwer fallen nach wie vor die Antworten. Aber so indifferent Medien, Pop und digitale Technologien sich zur Moral verhalten, so wahrscheinlich ist es, dass sie gerade deshalb so wirkungsvoll sind.

    Und die Welt der Erwachsenen reagiert auch darum so ratlos auf die Gewaltextreme der Jugendlichen, weil deren Subkulturen mehr denn je darauf angelegt sind, unzugängliche Welten zu erschaffen, in denen sich ihre Generation, ihre Minderheiten zurückziehen können.

    Ohnehin tun sich die heutigen Elterngenerationen, die die Kultur ihrer eigenen Jugend bis ins hohe Erwachsenenalter pflegen, besonders schwer, neue Jugendkulturen zu verstehen - zumal sich hier inhaltlich und formal gewaltige Paradigmenwechsel eingespielt haben.

    Kleine und kleinste Fraktionen

    Das beginnt mit der Fragmentierung der Jugend- und Popkultur, die Ende der 80er Jahre begann. Wenn sich Schulhöfe früher grob in Fußballfans und Hippies teilten, werden heute eine unermessliche Vielzahl von Grabenkämpfen ausgefochten - zwischen Hip-Hop- und Rockfans, Skateboardern und Fußballern, Antiglobalisierern und Rechtsradikalen, alles Identifikationsgruppen, die wiederum untereinander Kleinstfraktionen bilden. Das hat jugendliche Rivalitäten erst recht dramatisiert.

    Dann gibt es den Rückzug der Subkulturen in die Körperlichkeit der Straßen- und Extremsportarten, um sich vom multimedialen Pop der Eltern abzugrenzen.


    So konnte selbst das Zufügen von Schmerz zum ultimativen Ausdrucksmittel werden - noch dazu, wo dies bei der zunehmenden Virtualisierung der Erfahrungswelt durch digitale Medien irgendwo zwischen Wirklichem und Unwirklichem verbleibt.

    Und im Internet bilden sich Subkulturen, die sich schon aus technischen Gründen separieren. Mit dem ins Netz gestellten Video einer Misshandlung kann sich eine Schlägerbande entweder über die offenen Systeme der Daten-Tauschbörsen bei kodierten Zielgruppen in Szene setzen, über die auch die illegalen Musikdateien verteilt werden - oder in abgeschlossenen Chatrooms, die nur Eingeweihten zugänglich sind.

    Die angestammten Medien der Popkultur, wie Text, Musik und Film, die ganze Generationen vereinen können, haben jedenfalls längst an Bedeutung verloren.

    All das sollte in einer Debatte über Jugendkultur behandelt werden. Doch welche Rollen spielen die zunehmende Instabilität der Familienstrukturen, demografische Veränderungen und die sozialen Härten der Wirtschaftskrise?

    Und führen all diese Fragen nicht doch zu weit vom Thema ab? Nur eines steht fest - Gewalt ist immer das Extrem eines größeren Phänomens.



    Link: http://www.sueddeutsche.de/deutschla...kel/179/26153/


    Diese angesprochene Elterngeneration sind WIR, zumindestens die Älteren von uns. Wie sehr Ihr das denn?

    Grüße!
    DeeTee

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Bounty

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    nur eine kurze beobachtung, die ich/wir(also meine klasse damals) schon gemacht haben. als wir so in der neunten/zehnten kalsse waren(also 86-87) fiel uns schon auf, das die 'kleinen' aus den fünfern und sechsern statt zu reden oder zu diskutieren. sofort zugeschlagen haben.

    auch deren wortwahl war heftig. worte, die man selber nich in den mund nahm flogen quer übern schulhof. keine pause, wo sich nich 2 oder steppkes geprügelt haben...das hat uns schon damals schockiert.

  4. #3
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Es war schon immer so, daß junge Leute, die ohne Bildung und Perspektiven in trister Umgebung groß wurden, gelegentlich in handgreiflicher Weise Dampf abließen. Und es war auch schon immer so, daß es dabei irgendwelche Formen der Gruppenbildung (mit fließenden Übergängen zum kleinkriminellen Bandenwesen) gab.

    Und daß diese Gruppenbildung nicht mehr bloß entlang lokaler Gegebenheiten erfolgt, sondern auch entlang von Stil-Grenzen, die aus den Medien kommen, vorgenommen wird, ist schon seit den 50er/60er Jahren der Fall (erst gabs nur die die rivalisierenden "Halbstarken"-Gangs, dann - zuerst in England - auch rivalisierende Stil-Gruppen: die Mods und die Rocker)

    In den frühen 80ern gab es bekanntlich die Punks und die Popper (und nicht bloß "die Fußballfans und die Hippies"! Wo hat der SZ-Autor damals bitte gelebt???) Was sich nun seit den späten 80ern beim Thema Jugendgewalt so grundsätzlich geändert haben soll, und inwiefern das dann noch mit den Internet-Communitys zu tun haben soll (die Jugendlichen, um die es beim Thema Gewalt geht, surfen doch nicht in Internet, sondern auf der S-Bahn!), das leuchtet mir auch nach mehrmaliger Lektüre des SZ-Artikels nicht so richtig ein.

    Und auch das mit dem gestiegenen Niveau der Jugendgewalt sollte man mal hinterfragen: Der "Spiegel" z. B. berichtet seit mindestens 1971 (im Ernst, ich hab nachgesehen!) regelmäßig über das "neue Phänomen: Gewalt auf dem Schulhof" ... *g*

  5. #4
    Benutzerbild von Heideland

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    @Bounty:

    Sei froh, dass du das nicht mehr erlebt hast. Ich befand mich genau in dieser Generation und musste teilweise die Hölle durchmachen in der Schule. Kann aber deinen Eindruck durchaus bestätigen.

  6. #5
    Benutzerbild von Alyosha

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    (hat jetzt nichts mit der Gewalt zu tun):


    ich fand es schon immer kleinkariert und spießig, diese Sichtweise: die Kultur und Lebensweise der jungen Leute dient dazu um sich "abzugrenzen" oder "zurückzuziehen" usw. -

    ich fand immer daß diese Leute die das so sehen, unter dem Syndrom "Hosenscheißer-Mentalität" leiden - der diesen komischen Artikel geschrieben hat, ist ein Spießer

    die jungen Leute sind doch einfach nur sie selber und machen das worauf sie eben Lust haben und wo sie eine Beziehung dazu haben - die führen doch einfach nur ihr Leben und sind sie selber und machen das was ihnen Spaß macht -
    ich fand es immer bescheuert was die Außenstehenden da reindeuten -

    jetzt sagt dieser komische "Süddeutsche" Journalist SOGAR schon daß Street-Sportarten dazu dienen, sich von den Erwachsenen abzugrenzen und etwas zu schaffen was für die nicht zugänglich ist ......
    ich verstehe nicht wie man so hinterm Mond leben kann ... was reden die denn da alle für eine Scheiße ?!?!?!??! ich versteh's einfach nicht ...


    auch bei Outfits, Stylings und Musikrichtungen fand ich es immer extrem blöd daß man sowas reindeutet - und ich kann auch gerne mal Genaueres darüber schreiben wenn ich mal etwas mehr Zeit habe - ich kann das gerne mal erklären

    ich kann ja schon fast stolz sein daß ich mit über 30 immer noch so'n lockerer Typ bin, der das Ganze so UNVERDORBEN sieht


    in der Psychologie und im soziologischem Bereich wird immer MASSLOS übertrieben und verallgemeinert und reingedeutet, voreilige Schlußfolgerungen gezogen, pauschalisiert bis zum Geht-nicht-mehr ....

    und das Thema "Kultur und Lebensweise jüngeren Leuten" ist ein Bereich wo eben immer ganz BESONDERS viel Scheiße gesabbelt wird - es ist kaum zu glauben ........
    ich finde es sehr erbärmlich das anzusehen: die Parade der Jugendkultur-Beurteiler

    der Schriftsteller Henry Miller hat mal was geschrieben von der "Horde der Schlafwandler, welche die ganze Welt bevölkern" -
    und die Leute die so blöde Vorstellungen über Jugendkulturen haben - DAS SIND DIE !

  7. #6
    Benutzerbild von Alyosha

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    was ich ganz besonders lächerlich finde: diese zwanghaften Jugendkultur-Beurteiler glauben immer sie selber wären im Leben irgendwie "weiter", "fortgeschrittener" als diese jungen Leute die sie da analysieren - darüber kann ich einfach nur lachen !!

  8. #7
    Benutzerbild von compagnies

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    Alyosha postete
    (hat jetzt nichts mit der Gewalt zu tun):
    ich kann ja schon fast stolz sein daß ich mit über 30 immer noch so'n lockerer Typ bin, der das Ganze so UNVERDORBEN sieht
    Vielleicht bist Du ja nur so unverdorben, weil Du einfach keine Ahnung hast, welches Problem Gewalt unter Jugendlichen ist und kannst da so ein lockerer Typ bleiben, weil Du darüber hinwegsehen kannst, weil Du nie damit konfrontiert wirst?

    Würde mich mal interessieren, was Lehrer wie waschbaer da für Erfahrungen haben.

    Der Artikel in der SZ mag zwar nicht sehr fundiert und nicht so eloquent ausgefallen sein, aber die Gedanken- und Konsequenzlosigkeit mit der Jugendliche heute durchaus Gewalt ausüben, die ist bedenkenswert.

    In einem höheren Maß ist die Erreichbarkeit und die Gewöhnlichkeit von Drogenmißbrauch (was zusammenhängen mag) für mich bedenklich und erschreckend.

    Den beobachteten Bedeutungsverlust und die Ideen über die Gründe kann ich teilen und das Fazit des Autors der SZ haben augenscheinlich nicht alle verinnerlicht!

    Muß ja auch nicht sein! Viele haben ihr persönliches "Seelenasyl" (bspw. in der Musik) gefunden und sich mit der Einkommenssteuererklärung ihren Beitrag an der Funktionsfähigkeit des Sozialssystems vor ihrem persönlichen Tribunal erkauft. Was schert es mich, wenn die Kiddies meiner Nachbarin im Keller kiffen. Ich sehe ja nicht, was die 14-jährigen anschließend machen ...

  9. #8
    Benutzerbild von Alyosha

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    ich meinte nicht die Gewalt, sondern die andern Sachen - (habe ich ja auch drauf hingewiesen)


    warum ist Musik "Seelenasyl" ? - das hört sich so konservativ an ... so von wegen "die müssen alle irgendein Problem haben".
    Und sogar WENN *manche* von ihnen eins haben - würden die denn nicht SO ODER SO auf Musik abfahren ??

    Wenn ein 40jähriger von einer Musik (oder irgendetwas anderem) fasziniert ist, redet man ja auch nicht gleich von Seelenasyl oder irgendetwas ähnlichem.

    Mein Gott, wenn ich mir diesen Artikel nochmal durchlese, da ist ja fast überhaupt nichts wo ich zustimmen kann .... solche Leute sind nicht auf meiner Wellenlänge ....

    und bitte stelle nicht einzelne Sätze aus meinem Posting zusammenhanglos nebeneinander, wenn du sie zitierst ....