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Kinder

Erstellt von PostMortem, 26.04.2006, 22:09 Uhr · 97 Antworten · 7.719 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Torsten

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    Ich werde später noch was zum Thema schreiben. Für diesen Moment verweise ich nur auf das Treffendste, das ich in letzter Zeit zu diesem Thema gehört habe:

    Ausschnitt aus "Das Philosophische Quartett" - "Diktatur des Kapitals" (1:41 min.)

    Ich finde die hier angerissene These von Rüdiger Safranski absolut zutreffend und beobachte, dass der geschilderte Zusammenhang zwischen Konsumismus und kinderloser bzw. veraltender Gesellschaft in der öffentlichen Debatte bemerkenswert häufig unter den Teppich gekehrt wird - ein deutliches Zeichen für eine Nation, die sich konsequent selbst belügt.

    Und ich mache keinen Hehl daraus, mich in dieser Argumentation ertappt zu fühlen...

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von sturzflug69

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    SonnyB. postete
    Und ich habe gedacht, daß ich verstanden werde wenn ich ausdrücklich schreibe, daß das meine ganz persönliche Meinung ist und ich jedem von Herzen sein Elternglück gönne.

    Statt dessen fühle ich mich hier schon wieder geprügelt und geächtet, weil ich sage: Ich möchte keine Kinder. Klar sind meine Ansichten heftig aber so denke ich nun mal. Jedem seine Ansicht der Dinge.

    Und wer sagt denn, daß ich mal im Alter alleine bin nur weil ich keine Kinder habe ? Vielleicht hab ich ja dann noch einen Partner und Freunde die meine Hand halten können ?
    Sorry ich hatte mir die Postings gar nicht durchgelesen,somit darfst Du Dich nicht angegriffen fühlen.

  4. #13
    Benutzerbild von PostMortem

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    MaxiMan postete
    Als verheirateter Vater von zwei noch nicht schulpflichtigen Kindern möchte ich den Thesen der kinderlosen Fraktion (PM und Sonny) meine - als Vater gewonnenen - Ansichten gegenüber stellen.

    Als Kinderloser kann man nie nachvollziehen, welche positiven Emotionen Kinder auslösen können. Das Spielen mit den eigenen Kindern, das Suchen nach Antworten auf deren Fragen, diese kompromisslos entgegengebrachte und gegebene Liebe und das Vertrauen in Papa (und Mama) können sehr wohl sinnstiftend sein und ein Gefühl von Glück auslösen.
    Naja, ich habe bewusst keine Diskussion Pro/Contra Kinder anfangen wollen und hatte es natürlich auch nicht im Sinn bekehrt zu werden ;-) Ich fände es nun etwas müßig auch nur den Versuch zu wagen, gegen etwas anzuargumentieren, dass ich ja gemäß Vorwurf nicht nachvollziehen und deshalb aus Deiner Sicht ja dann eben auch nicht beurteilen kann. Es gibt eben immer eine Vorabwägung gewisser Lebensentscheidungen. Z. B. weiss ich ja auch, dass ich niemals in einem anderen Land dauerhaft leben möchte und Deutschland trotz allen Gemecker sehr schätze. Auch da bekommt man von manchen natürlich zu hören, dass man das ja nur sagt, weil man nie den Mut hatte eine andere Erfahrung zu sammeln. Nun ziehe ich aber eben nicht erst nach Spanien oder in die USA, um nach 30 Jahren festzustellen, dass ich eben doch Recht damit hatte, besser in Deutschland geblieben zu sein. Und so ist das eben auch mit der Entscheidung für oder gegen eigene Kinder. Ich finde das wirklich ein bisschen unfair, Leuten die sich an einem gewissen Punkt gegen Kinder entschieden haben, so gewissermaßen zu unterstellen, dass sie diese Entscheidung gar nicht treffen konnten, weil sie alle anders denken würden, wenn sie doch Kinder bekommen hätten. Dabei lässt sich das doch recht einfach in Zweifel ziehen, denn es gibt offensichtlich sehr viele Leute, die besser keine Kinder bekommen hätten. Dafür müssen sie nicht erst im abgedunkelten Kinderzimmer verhungern oder zu Tode misshandelt werden. Viele Kinder haben keine kinderlieben Eltern.


    Ich will gar nicht von gesellschaftlicher Bedeutung etc. reden, auch nicht davon, dass dann bitte nicht meine Kinder im Seniorenheim der Kinderlosen Zivildienst schieben sollen. Nein, schauen wir doch einmal auf die üblichen Preiskonstellationen des Alttags.

    Beispiel Reise
    Beispiel Eintrittsgelder
    Ich gebe zu, dass ich der aktuellen Diskussion um Umverteilung der Kostenlast für Kinder viel abgewinnen kann.
    Na' dann bleib aber auch objektiv ;-) Du siehst natürlich nur Deine Sicht der Dinge. Ich weiss nicht ob es was bringt dagegen anzuargumentieren, aber ich schmeisse auch mal ein paar Dinge aus der anderen Sicht einfach so in den Raum:

    Ich bin seit sieben Jahren in einer festen Beziehung ohne Kinderwunsch. Allerdings erfülle ich nicht das Klischee, dass ständig bezgl. der sog. "DINKS" an ie Wand gemalt wird, wenn es um kinderlose geht. Ich heirate nicht aus steuerlichen Gründen, Du hingegen bekommst direkt erstmal für das pure Verheiratet sein (wo ich bis heute nicht verstehe, welchen Vorteil das dem Staat bringt, so das er das belohnen muss) und für die Kinder i. d. R. einen ordentlichen Steuervorteil verpasst. Dazu kommt natürlich das Kindergeld und das nun so genannte Elterngeld. Davon wird keiner reich und Du darfst es auch gerne haben, aber denk bitte dran, dass ich das ja nun auch alles mitfinanziere ohne es je selbst in Anspruch zu nehmen und das auch, während Mütter oder Väter einen europaweit so spitzenmäßigen Erziehungsurlaub "genießen". Für Kindergärten, Schulen usw. gilt das gleiche, daran ist jeder Steuerzahler beteiligt und die Kinderlosen sind es, ohne das je für eigene Kinder in Anspruch zu nehmen. Gleiches gilt in den gesetzlichen Krankenversicherungen für die Beitragsfreiheit von Ehefrauen/Müttern und Kindern, gleiches gilt für die Finanzierung angerechneter Erziehungszeiten bei der Rente usw. usf. Da kann man doch nicht so tun, als würden die Kinderlosen nur rumschmarotzen und die Eltern hätten alle Lasten zu tragen.

    Und zu den Alltagskosten.... nunja, auch da kannst Du wirklich mal versuchen auch die andere Sicht zu sehen. Es gibt genug kinderlose Paare die nicht zusammen wohnen, Fernbeziehungen usw. Das sind eben andere Lebensmodelle. Die zahlen Unmengen an Geld für doppelte Haushaltsführungen, die sie nirgends absetzen und wenn Du dann noch so ne arme Sau bist die in einer 40qm Wohnung zur Miete wohnen muss, zahlst Du lt. Mitspiegel völlig legal gleich nochmal 10% Strafzuschlag, weil Deine Wohnung ja so klein ist. Das ist nur EIN Beispiel. Ich könne jetzt noch von Packungsgrößen von Alltagsprodukten anfangen, die für Alleinstehende oder kinderlose Paare völlig ungeeignet sind und wo immer viel mehr gekauft und bezahlt werden muss, als am Ende verbraucht wird. Aber ich will das jetzt nicht auf die Spitze treiben. Es ist auf jeden Fall so, dass es nichts bringt immer nur die eigenen Nachteile und die Vorteile der anderen zu vergleichen.

    Worauf ohne Zweifel großer Neid besteht, ist die Freiheit von Kinderlosen sich Dinge gönnen zu können, weil die Finanzen meistens etwas weniger strapaziert werden. Aber das ist ja auch genau der Punkt beim Thema Kinderfinanzierung: Gehts um die Finanzen, wollen Eltern den Kinderlosen am liebsten alles in Rechnung stellen, weil ihre Kinder ja mal die Zivis sein werden die die Alten pflegen und weil die mal Rente einzahlen usw. Da wird den Kinderlosen ann Egoismus und was weiss ich nicht alles vorgeworfen. Das beim Kinder kriegen aber bei vielen auch eine gehörige Portion Egoismus dabei ist, gibt keiner zu, denn dieser Egoismus ist so positiv besetzt, dass man ihn schon nicht mehr Egoismus nennen darf. Doch es ist ja nunmal so, dass ein Kinderwunsch ein persönliches Bedürfnis ist das es sich zu erfüllen, also auch zu bezahlen gilt. Kinder werden auch aus völlig egoistischen Gründen gezeugt, z. B. um Beziehungen zu kitten (was natürlich nicht klappt und woraus dann wieder benachteiligte Alleinerziehende entstehen...). Aber es gibt auch andere Gründe, die man durchaus egoistisch nennen dürfen sollte. Das Bedürfnis an sich sich zu reproduzieren ist doch letztendlich auch nur ein egoistischer Wunsch der Nachwelt etwas von SICH zu hinterlassen und dem Tod so sozusagen ein winziges Schnippchen zu schlagen. Und nicht zuletzt bekommen viele Menschen Kinder, weil sie sich davon versprechen später einmal nicht ganz alleine da zu stehen. Darauf zielt ja auch ganz herrlich dieser aktuelle Aufsatz von Tagesschausprecherin Eva Herrmann zum Thema ab...

    PM

  5. #14
    Benutzerbild von PostMortem

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    sturzflug69 postete
    Aber natürlich versaut man sich die Figur durch eine Schwangerschaft...ganz zu schweigen von den hässlichen Streifen auf dem Bauch.

    Nein nein erstmal Karriere dann irgendwann auch höchstens 1,3 Kinder.

    Och es lebt sich auch ganz gut ohne die Teppichratten,oder?

    So als Generation X Paar mit zwei Autos,Haus und dem promovierten Ehegatten.Coole Freunde,die auch keine Kinder und Falten wollen.

    Zum Glück gibt es da Dr.Nötigenfalls und sein fideles Skalpell,gell?
    Deine Klischees erscheinen mir so dumpf und ungerecht wie die derer, die Familien ab vier Kindern für aoszial erklären... Ich weiss jetzt auch irgendwie nicht, was Dein Beitrag direkt mit meinem Posting zu tun hat (was habe ich provoziert?), außer das er meinen letzten Punkt eindrücklich mit Leben füllt. Es scheint Kinderlosenhasser zu geben, die militanter sind als militante Nichtraucher... Was muss das noch schön gewesen sein, als Paare oder alleinstehende Frauen oder Männer aus Überzeugung kinderlos zufrieden alt werden durften, ohne sich dafür irgendwelche Vorwürfe anhören zu müssen. Und solche Leute hats immer gegeben. Nur mussten sie sich nie so rechtfertigen wie heute. Dabei sind nicht die Leute die gar keine Kinder wollen "Schuld" das es zu wenig Nachwuchs gibt, sondern jene die eigentlich Kinder wollen, aber eben nicht mehr die statistisch notwendigen 2,1, sondern nur noch das eine... Die Kopfzahlen der Familien sinken.

    Nur...wenn ich dann mit ca.85 Jahren(natürlich wie 55 aussehend)auf dem Sterbebett im Altenheim liege,sitzt der Chirurg bestimmt nicht an meinem Bett und drückt meine Hand.
    Jau, dieses Argument finde ich immer zu Klasse! Konterkariert es doch den Egoismus-Vorwurf gegenüber den Kinderlosen ganz vorzüglich. Wer beim Kinder kriegen drauf spekuliert, dass die in die Welt gesetzten Kinder sich dann später schon schön um einen kümmern und zur Bespaßung im Alter beitragen werden, der hat beim Thema Kinder für mich die wahren egoistischen Motive und nicht derjenige, der sich gegen Kinder entscheidet.

    Und ansonsten keine Sorge, es lebt nicht jeder den für manche anscheinend vorgegebenen Lebensablauf einfach nur nach. Es gibt bereits heute genügend kinderlose Alte, die ihren Lebensabend zusammen aktiv verbringen und für ihre Pflege vorgesorgt haben. Das gilt hoffentlich sogar für viele Eltern, so wie es auch für meine Eltern gilt. Meine Eltern sind geschieden, leben meinerseits berufsbedingt von mir aus nun jeweils an der anderen Ecke Deutschlands. Ich werde keinen von beiden pflegen können und das wurde von mir auch ausdrücklich sehr früh auch nie erwartet. Unter den heutigen Bedingungen, setzt man nun besser keine Kinder mehr zur Pflege und Bespaßung im Alter in die Welt - zumindest dürfte diese Erwartung durch Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen in den meisten Fällen enttäuscht werden. Da heute erst mit Ende 30 die Kinder kommen, sind die Kinder mit Eintritt des eigenen Alters gerade mal mit em Studium fertig, in den Job eingestiegen und dürfen sich mit der eigenen bioligischen Uhr auseinandersetzen. Es würde mich bei solchen elterlichen Ansprüchen dann nicht wundern, wenn es demnächst heisst, dass angesichts der veränderten Altersstruktur keiner mehr Kindern bekommt, weil zwischen Eintritt der eigenen wirtschaftlichen Selbstständigkeit bis zum Ende der Fruchtbarkeit der Frau die Eltern gepflegt werden müssen....

    PM

  6. #15
    Benutzerbild von Feenwelt

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    Um mal wieder zum Ursprungs-Posting zurück zu kommen:

    Nein, ich habe in meinem Umfeld niemanden, dem ich auch nur ansatzweise unterstellen würde, bei der Kinderplanung an Geld gedacht zu haben.

    Um die Babies, die von meinen Bekannten gezeugt / zur Welt gebracht wurden, wurde kein all zu großer "Hype" gemacht. Natürlich ist ein Kind oft in Gesprächen das Thema Nr. 1 bei "frischeren" Eltern, aber das ist ja auch klar, da es den größten Teil deren Lebens ausfüllt.

    Noch nie habe ich in einem dieser Gespräche ein "Auf-die-Schulter-Klopfen" der Eltern festgestellt, weil sie zukünftige Steuerzahler produziert haben oder zum Fortbestand der Deutschen beigetragen haben. Für solche Gedanken haben die Eltern, die ich kenne, keine Zeit.

    Andererseits bin ich noch nie dafür auch nur scheel angeschaut worden, keine Kinder zu haben.

    Zuletzt: Ich kenne auch niemanden (das war ein später genanntes Argument), der ein Kind zur Kittung der Beziehung gewollt hätte.

    Insgesamt erscheint aus meiner Sicht Dein Beitrag, P.M., doch recht pessimistisch und sehr aufs Ökonomische bezogen.

    Ich kenne dafür viele Eltern, die Kinder bekommen haben, weil sie sich schlichtweg geliebt haben / lieben und einfach fanden, daß ein Kind "dazu gehört". Das mag ein traditioneller Ansatz sein, jedoch sind meine Bekannten alles andere als traditionalistisch. Dieser Ansatz fehlt mir hier völlig.

    Da waren Gedanken dabei wie "Was müßte das für ein tolles, süßes Kind werden, wenn wir beide uns zusammen tun und eins machen." Da war mit Sicherheit auch oft der Gedanke dabei, im Leben das Wagnis einer großen Verantwortung einzugehen und daran zu wachsen.

    Ich kann das nicht egoistisch nennen - was sollte schon an der Suche nach dem Sinn des Lebens egoistisch sein?

    Im Übrigen halte ich den Begriff "egoistisch" bei Eltern für generell deplaziert und für zu kurz gedacht. Du gibst ja bewußt ganze Teile Deines bisher geliebten Lebens auf, um sie für jemanden anderen zu "opfern". Da mag die Motivation auch sein, daß man "sich reproduzieren" will - na und? Das Ergebnis ist doch, daß man dafür aber auch 'ne Menge Streß und Selbstverzicht in Kauf nimmt.

    Im Gegenteil: Ich will keine Kinder und ich könnte gut mit dem Vorwurf leben, daß ich egoistisch sei. Ebenfalls - na und? Das ist eben mein Weg auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.

    Kinder oder nicht - beides sind in meinen Augen 2 Ansätze auf dem selben Weg. Beide Seiten haben es sowieso schon schwer, sich der jeweils anderen verständlich zu machen. Zu verschieden sind die beiden Lebenswirklichkeiten. Die Eltern haben dabei sogar noch den Vorteil, daß sie das Leben als Kinderloser noch aus eigener Erfahrung nachvollziehen können. Umgekehrt geht's nicht.
    Solche Diskussionsanfänge wie den Deinen sehe ich dabei eher als kontraproduktiv.

  7. #16
    Benutzerbild von Level 42

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    Eines vorweg, die Entscheidung Nachwuchs zu bekommen ist jedem seine "eigene Mütze"

    Ich bin seit 11 Wochen stolzer Vater einer Tochter, und ich kann Euch nur eines sagen, für die Diskussion die Ihr hier führt hat man als Vater überhaupt keine Zeit mehr, und so manche Probleme werden sowas von unwichtig.

    Allein der Nachwuchs bestimmt den Tagsablauf, und das Wort Verantwortung bekommt eine ganz neuen Sinn.

    Und wenn wir schon beim Thema Geld-Arbeitlosigkeit u.s.w sind, warum haben sich dann meine Großeltern für Kinder in Nazi-Deutschland entschieden ??? woraus dann mein Vater entstanden ist der sich wiederum für mich entschieden hat - sonst könnte ich hier wohl kaum posten-


    Gruß Level 42

  8. #17
    Benutzerbild von PostMortem

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    Feenwelt postete
    Insgesamt erscheint aus meiner Sicht Dein Beitrag, P.M., doch recht pessimistisch und sehr aufs Ökonomische bezogen.
    Ja, genau... so siehts in diesem Land auch aus, gerade zu dem Thema. Warum schwingt da immer gleich so eine Portion Vorwurf mit, wenn es um pessimistische Einschätzungen geht? Warum ist Optimismus immer automatisch gut und Pessimismus automatisch schlecht? Soll ichs mir schön reden, wenn mir in diesem Jahr schon drei Kolleginnen gebeichtet haben, dass sie wegen Bocklosigkeit die Pille abgesetzt haben und ich es auch schon erlebt habe, dass das ohne Kenntnis des potenziellen Vaters heimlich geschieht? Soll ichs mir schönreden, dass Leuten die ihren mangelnden Kinderwunsch NICHT irgendwie anderweitig begründen, immer mehr Feindseeligkeit und immer mehr Gängelung von staatlicher Seite wiederfährt? Soll ichs mir schönreden, dass man es eigentlich gar nicht akzeptiert, wenn jemand für sich erklärt keine Kinder haben zu wollen? Das wird doch oft gar nicht für voll genommen!

    Im Übrigen halte ich den Begriff "egoistisch" bei Eltern für generell deplaziert und für zu kurz gedacht. Du gibst ja bewußt ganze Teile Deines bisher geliebten Lebens auf, um sie für jemanden anderen zu "opfern".
    Das gehört für mich zum Thema Hype und zur Glorifizierung. Es hat doch mit der berechnenden und hinterhältigen Grundhaltung mancher Menschen wenig zu tun, das ausgerechnet beim schnell besitzerrgeifenden Thema Kinder kein Egoismus im Spiel sein soll. Dafür gibts zu viele Mütter, die ihre Kinder ohne mit der Wimper zu zucken und ohne Rücksicht auf die verstörten kleinen Wesen als Druckmittel einsetzen und ihren Vätern vorenthalten und andersrum kenne ich da einige Männer, die haben ihre zwei Kinder nur für ihren Lebenslauf in die Welt gesetzt (so stellt man sich eben Abteilungsleiter vor und aus diesen Kreisen sucht man die Kandidaten, seriös, verheiratet, zwei Kinder, Haus...), kümmern sich seitdem kein bisschen, überlassen alles ihrer treudoof sorgenden Ehefrau und gehen auf Dienstreise mit schwangerschaftsstreifenfreien Betthäschen fremd was das Zeug hält.... Naja, das wird eben an meinem Pessimismus liegen... vielleicht lebst Du auch in einer heimeligeren Umgebung als ich, keine Ahnung.

    Im Gegenteil: Ich will keine Kinder und ich könnte gut mit dem Vorwurf leben, daß ich egoistisch sei. Ebenfalls - na und? Das ist eben mein Weg auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.
    Da sind wir uns dann einig. Ich halte es nur für unangebracht, dass Kinderlose gegenüber solchen Vorwürfen vogelfrei zu sein scheinen und man dagegen am besten nichts sagen dürfte...

    Die Eltern haben dabei sogar noch den Vorteil, daß sie das Leben als Kinderloser noch aus eigener Erfahrung nachvollziehen können. Umgekehrt geht's nicht. Solche Diskussionsanfänge wie den Deinen sehe ich dabei eher als kontraproduktiv.
    Das bleibt Dir natürlich überlassen. Aber ich sehe das etwas anders als Du. In der Regel sind es ja Eltern die sich über die in Saus und Braus lebenden Kinderlosen beschweren und starke Geschütze auffahren. Die Diskussionen entwickeln sich also normalerweise genau andersrum als hier. Und dabei teile ich auch Deine Einschätzung nicht, dass Eltern da den Vorteil haben beide Seiten zu kennen. Zum einen kann man als 45jähriger Elternteil einer/eines zwanzigjährigen nicht einschätzen, wie man sich bis zur 45 als kinderloser entwickelt hätte und kann so stets nur zu den eigenen jungen Jahren vergleichen (was dann eben nicht unbedingt vergleichbar ist) und zum anderen erscheinen mir viele Eltern da dem gleichen Phänomen zu unterliegen wie ehemalige Raucher, die sich auch öfters zu den giftigsten Nichtrauchern entwickeln... Der Tanz ums selbst gezeugte goldene Kalb scheint bei manchen jedenfalls schonmal blind dafür zu machen, welche besonderen Bindungen man im Laufe eines Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen zu Menschen aufbauen kann, die man nicht selbst gezeugt hat.

    PM

  9. #18
    Benutzerbild von PostMortem

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    Level 42 postete
    ...hat man als Vater überhaupt keine Zeit mehr, und so manche Probleme werden sowas von unwichtig.

    Allein der Nachwuchs bestimmt den Tagsablauf
    Das ist genau der Grund warum ich z. B. keine Kinder will..... für mich sind das jedenfalls keine so positiv besetzten Argumente, damit ich plötzlich welche bekommen will. Und weils dafür stets Kloppe und Moralpredigten gibt, gehe ich ja auch davon aus, dass eine Menge Leute da lieber sagen "Och, ich würde ja gerne, aber Kinder kann ich mir heutzutage ja nun gar nicht mehr leisten!". Da stimmen dann sogar gestandene Eltern verständnisvoll mit ein und man darf relativ unbehelligt kinderlos bleiben....

    Trotzallem wünsche ich Euch natürlich als Eltern alles gute und wie Du schon sagst, dass ist eben alles jedem seine "Mütze" ;-)

    PM

  10. #19
    Benutzerbild von Level 42

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    PostMortem postete
    Das ist genau der Grund warum ich z. B. keine Kinder will..... für mich sind das jedenfalls keine so positiv besetzten Argumente, damit ich plötzlich welche bekommen will. Und weils dafür stets Kloppe und Moralpredigten gibt, gehe ich ja auch davon aus, dass eine Menge Leute da lieber sagen "Och, ich würde ja gerne, aber Kinder kann ich mir heutzutage ja nun gar nicht mehr leisten!". Da stimmen dann sogar gestandene Eltern verständnisvoll mit ein und man darf relativ unbehelligt kinderlos bleiben....


    PM
    Genau
    und lass Dich da nicht durch irgendwelche "zickigen" Übermütter belegen.
    Wie ich bereits in meinem Posting gesagt habe, das mit dem Kinder leisten ist meiner Oma mit Sicherheit nicht einmal durch den Kopf gegangen.

    Es ist eher eine "Neuzeitliche" Argumentation.

    Gruß Level 42

  11. #20
    Benutzerbild von Babooshka

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    Ich bin bekannterweise bekennende Kinderlose und könnte dafür 1000 Argumente anbringen, u. a. auch die von Post Mortem und anderen Schreibern erwähnten. In der Quintessenz gibt es für mich jedoch nur einen Hauptgrund, und das ist der, dass ich von der Natur einfach kein Mutterschaftsgen mitbekommen habe, das mir einen Kinderwunsch gemeldet oder meine biologische Uhr hätte ticken lassen. Ich habe in den letzten 20 Jahren des öfteren in mich hineingehört, und nein: Weder rief, noch tickte da jemals irgend etwas. Die typischen Sprüche, die man als gewollt kinderloser Mensch zu hören bekommt, habe auch ich mir in all den Jahren wie immer und immer wieder aufgelegte und abgedudelte Platten anhören müssen; im Übrigen waren es weitaus mehr Männer, die mir diesbezüglich mit Unverständnis begegnet sind (was auch ein Grund für mein Singledasein ist). Sturzflug hat mir das wieder einmal bestätigt mit seinem Posting Nr. 8. Frauen wollten mich zwar immer davon überzeugen, was mir doch alles Großartiges entgehen würde und versicherten mir stets, dass ich ja wohl ganz gewiss noch meine Meinung ändern würde, jedoch wurden sie nie verletzend oder beleidigend.

    Kinder sind keine Garantie dafür, im Alter nicht alleine zu sein. Ich denke, es liegt an mir selber, ob ich es sein werde oder nicht. Das Argument mit den Sozialschmarotzern zieht bei mir gleich gar nicht. Wer fällt denn nie wegen Schwangerschaft und Erziehungsurlaub aus? (Ich meine, ich finde es vollkommen richtig, dass es ihn gibt und er sollte auch beansprucht werden, aber Kinderlose brauchen das nun mal nicht.) Wer fehlt denn nie auf der Arbeit aufgrund kranker Kinder? Welche Frauen sind es denn, die ununterbrochen in die Rentenkassen einzahlen, weil sie ihr Leben lang durcharbeiten?

    Vor Einsamkeit im Alter habe ich keine Angst, denn ich ziehe ja sowieso mit Musicola, J.B. und Kinderfresser (der extra zu diesem Zweck in Frührente gehen will, sagt er) in eine Senioren-WG... und wenn ich richtig alt bin, ist Kinderfresser noch gut genug beieinander, um mir meine Brille einzusetzen und meine Dritten auf die Nase zu schieben und auch sonst seine derben Scherze mit mir zu treiben, damit ich was zu lachen habe

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