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Kritik von Kinofilmen

Erstellt von waschbaer, 18.04.2004, 17:09 Uhr · 429 Antworten · 40.477 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Torsten

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    bubu postete
    Meine übliche Kritik der Gewaltdarstellung in Tarantinos Filmen ist bei "Kill Bill" gar nicht angebracht, weil hier die Gewalt in keinster Weise als lächerlich dargestellt wird, sondern im Zuge des Aktes der Rache.
    Sie wird auch in den anderen Streifen nicht als lächerlich dargestellt, sondern dient auch als Ausdrucksmittel der moralischen Verkommenheit der Protagonisten. Und ohne "Kill Bill" überhaupt gesehen zu haben, behaupte ich: Auch den menschlichen Akt der Rache müsste man mit Sicherheit nicht mit einer derart stilistisch perfekten und voyeuristischen Schlachtplatte servieren - um mal deinen eigenen Kritikansatz aufzugreifen. Nein, da werde ich mir beizeiten doch lieber ein eigenes Bild von machen…

    bubu postete
    Ich hatte mich bei "Pulp Fiction" und "Jackie Brown" stets an der Darstellung des Tötens als komisches und cooles Element gestört, das ich als eine zynische und menschenverachtende Haltung empfinde.
    Sorry, aber hast du "Jackie Brown" tatsächlich gesehen? Den kann man nun wirklich nicht mit "Pulp Fiction" vergleichen - schon gar nicht, was die von dir kritisierte Gewaltdarstellung angeht. Immerhin wurde der Streifen von nicht wenigen Tarantino-Fans seinerzeit eher enttäuscht aufgenommen, weil er so gar nicht einige der Elemente enthält, die "Pulp Fiction" und "Reservoir Dogs" auszeichnen.

    bubu postete
    Insofern war deine fast schon reflexhafte Parade in diesem Punkt gar nicht nötig.
    Sehe ich, wie oben erwähnt, anders - auch in einem "Kill Bill" könnte man die dargestellte Gewalt, wenn man wollte, kritisch zerpflücken.

    Außerdem bemühe ich mich immerhin, meine in gewissem Maße ambivalente Haltung zu den Tarantino-Streifen zum Ausdruck zu bringen. Das darfst du ruhig mal honorieren…

    bubu postete
    Ich habe schon in einigen vorhergehenden Diskussionen das Gefühl gehabt, dass du Kunst und Genius mit Virtuosität verwechselst. Das ist bei Tarantino genau das Problem - er ist ein unglaublich virtuoser Regisseur, mit einem sehr guten Gespür für Tempo, Optik, Dialog, Verfremdung und perfekt in der musikalischen Untermalung des Bildes.
    Da es kaum einem anderen Regisseur gelingt, eine stilistisch so perfekte Atmosphäre zu zaubern, darf man ihm in dieser Hinsicht ohne weiteres einen gewissen Genius unterstellen. Dieser Begriff umfasst schließlich nicht zwangsläufig, dass man in jeder Hinsicht über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, sondern bezieht sich immer auf bestimmte Teilbereiche - sonst würde es schließlich auch nicht den Begriff des "Allround-Genies" geben.

    Ach ja - laut Duden bedeutet "Virtuosität": "Kunstfertigkeit, Meisterschaft, besonders als Musiker". Warum dies ausschließen soll, dass jemand gleichzeitig auch ein echter Künstler sein kann, entzieht sich meinem Verständnis. Im Übrigen: Du schreibst selbst, Tarantino hätte ein "Gespür" für Tempo, Optik usw. Ein "Gespür" ist aber bereits ein angeborenes Talent, das man sich nicht erarbeiten kann. Allein schon deshalb kann man Tarantino mit Sicherheit nicht nur als "Handwerker" bezeichnen (was deine Aussage impliziert).

    Weißt du z. B., was ABBA und Michael Schumacher gemeinsam haben? Beide sind/waren absolute Ausnahmetalente, die zusätzlich zu ihren angeborenen Fähigkeiten auch noch knüppelharte Arbeiter sind/waren. Diese Mischung aus Genius, Disziplin und Handwerk macht ihre Sonderstellung aus. Von daher kennzeichnet die Besten der Besten also stets eine Mischung aus diesen Punkten. Purer Genius, ohne das Bestreben, seine Fähigkeiten mit handwerklicher Disziplin zu vervollkommnen, wird niemals zum Erreichen der absoluten Spitze ausreichen. Wenn ein Genie also etwas "Neues" schafft, hängt es letztlich auch von seiner Motivation zum Erreichen von Virtuosität ab, ob dieses "Neue" auch in angemessen hochwertiger Form präsentiert werden kann.

    Letztendlich könnte ich aber auch gelassen deine Definition übernehmen, den Begriff "Geniestreich" für Tarantinos Filme zurückziehen und an Stelle dessen das Wort "Meisterwerk" setzen - offen gesagt, ist mir die Diskussion um Begrifflichkeiten an dieser Stelle ziemlich wurscht, denn sie ändert nix an der außergewöhnlichen Qualität, die die Tarantino-Streifen in meinen Augen auszeichnet. Im Übrigen interessiert mich auch nicht die Person Tarantino an sich (der nach meiner Beobachtung in mancher Hinsicht 'nen ziemlichen Knacks weghat), sodass es mir eigentlich leidlich egal ist, ob's nun ein Genie, Virtuose, Handwerker oder sonstwas ist. Als "Kunst" nehme ich seine Produkte auf jeden Fall wahr, denn er "kann" nun mal unbestritten auch etwas, das mich fasziniert.

    bubu postete
    Aber seine Filme sind zugleich oft so unglaublich hohl.
    Nun, dies ist deine Sichtweise, die ich nicht teile - Unterhaltung muss ja nicht immer festgesetzten Vorgaben folgen, denn es gibt ja nun mal sehr verschiedenartige Dinge im Leben, die einen begeistern können. Im Übrigen amüsiert mich auch der Begriff "oft" an dieser Stelle etwas - das klingt ja, als hätte Tarantino schon Dutzende von Filmen gedreht. De facto ist "Kill Bill 1+2" gerade mal sein vierter Streifen; die Werke, an denen er ein wenig beteiligt war, mal ausgenommen.

    bubu, ich selbst hoffe ja darauf, dass Tarantino sich für die Zukunft etwas mehr einfallen lässt. Vielleicht sollte er sich einfach einen hochbegabten Drehbuchschreiber suchen, der ihm Geschichten liefert, die mit seinen Stilmitteln besonders gut harmonieren. Meine Wertschätzung für die unbestrittenen Fähigkeiten als Regisseur tut dies keinen Abbruch. "Allround-Genies" gab und gibt es nun mal nicht wie Sand am Meer, sondern nur in allerkleinster Zahl. Dies macht die Arbeit von "Teilzeit-Genies" jedoch um keinen Deut schlechter.

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von Kazalla

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    So Leutz,ist ja ein Klasse thema hier was auch gebührend respektiert werden soll,aber da es hier nunmal um 80er Filme und TV geht werde ich es jetzt ins OT-Laberforum verschieben!

  4. #13
    Benutzerbild von icebomb_de

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    Bärenbrüder:

    Wir waren begeistert von dem Film. Endlich mal ein Disney-Film, in dem der Held nicht die schillernde Personifizierung des Guten ist, sondern tatsächlich Fehler macht und aus diesen lernt! Die Zeichnungen der Disney-Filme finde ich seit Mulan schon nicht mehr so besonders schön - sind mir irgendwie zu gewollt realistisch und kantig dargestellt.
    Die Story war zwar ziemlich durchsichtig, aber trotzdem schön gemacht.
    Die Lacher waren schön erfrischend und auch gut plaziert - wenn man da mehr rein gemacht hätte, wäre die Mischung aus Drama und Komik kaputt gegangen. Am besten waren natürlich de Elche.
    Ich gebe einem Vorredner recht, daß ich schon besseres von Phil Collins gehört habe, aber den Titelsong fand ich trotzdem gut. Ich muß jedoch sagen, daß Phil auf keinen fall in Deutsch singen sollte - daß hört sich mehr als dämlich an...
    Ich bin jedoch der Meinung, daß das KEIN (Klein-)Kinderfilm ist. Der Film lief bei uns ohne Alterbeschränkung und wir waren in der Nachmittagsvorstellung. Da waren Zahlreiche Eltern mit noch zahlreicheren Kindern und sehr viele der Kinder fingen an zu weinen während der Kampfszenen mit dem Bären. Eine Mutter mußte ihrer Tochter den ganzen Film über erählen, daß der Bär ja gar nicht tot wäre, sondern bei seinen Freunden... usw.
    Die Meisten Erwachsenen werden sich hingegen gelangweilt haben. Da wir (meine Freunde/Frau und ich) aber einen ziemlich eigenen Filmgeschmack haben, fanden wir den Film total schön...

    Starsky & Hutch

    Am Anfang habe ich noch gedacht: Na, ob das was werden kann, mit den Schauspielern... aber dann wurde ich doch sehr angenehm überrascht. Die beiden kommen zwar nicht an das Kernige-Männer-Image der Originaldarsteller heran, aber sie versprühen mit ihrem Witz und der jugendlichen frische einen ganz eigenen Charme. Snoop Dog als Huggy hatte eine der besten Rollen und eine weitere Hauptrolle wurde durch das geniale rote Auto besetzt. Zum Schluß hatten die Original-Darsteller auch noch einen Gastauftritt, den die ganzen jungschen im Kino allerdings nicht verstanden haben :-)
    Von der Story her auch wieder nicht so der brüller aber wie gesagt - wir fanden das 70er Flair klasse und die Schauspieler und auch Gags waren gut.
    Alles in allem ein schöner Film.

  5. #14
    Benutzerbild von bubu

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    @Torsten

    Sie wird auch in den anderen Streifen nicht als lächerlich dargestellt, sondern dient auch als Ausdrucksmittel der moralischen Verkommenheit der Protagonisten.
    Das sehe ich nicht so. Vielmehr wird sowohl die Gewalt als auch die moralische Verkommenheit als cool und stilvoll zelebriert.

    Und ohne "Kill Bill" überhaupt gesehen zu haben, behaupte ich: Auch den menschlichen Akt der Rache müsste man mit Sicherheit nicht mit einer derart stilistisch perfekten und voyeuristischen Schlachtplatte servieren - um mal deinen eigenen Kritikansatz aufzugreifen. Nein, da werde ich mir beizeiten doch lieber ein eigenes Bild von machen…
    Muss man nicht, klar. Aber was ich einfach sagen wollte, war folgendes: es kommt bei der Darstellung der Gewalt vor allem auf die Motivation an, aus der heraus sie geschieht. Und ich finde es weniger verwerflich, Gewalt aus einem Gefühl der Rache heraus auszuüben, denn schlicht aus der Lust am Töten selbst, bzw. sogar nur aus Langeweile und Coolness.

    Außerdem sehe ich in diesem Film Tarantinos Bestreben, die Traditionen alter japanischer Samurai-Künste aufzugreifen und zu erläutern. Und diese sehen nun mal eine stilistisch perfekte Waffentechnik vor und ja, auch der Akt des Tötens gilt in der Tradition der Samurai als Kunst, obwohl das die Sache natürlich keineswegs weniger grausam macht. Die Sache an sich kann man natürlich moralisch ebenso verurteilen, ich habe "Kill Bill" aber unter diesem traditionellen Aspekt gesehen, insofern fand' ich's legitim.

    Sorry, aber hast du "Jackie Brown" tatsächlich gesehen? Den kann man nun wirklich nicht mit "Pulp Fiction" vergleichen - schon gar nicht, was die von dir kritisierte Gewaltdarstellung angeht.
    Ja sicher habe ich "Jackie Brown" gesehen. Ich kritisiere keine Filme, die ich nicht kenne (und im übrigen hätte ich mich dann auch nicht im "Überschätzte-Filme"-Thread über ihn ausgelassen ).

    Du hast Recht, die beiden sind recht unterschiedlich und auch ich finde "Jackie Brown" ist ein sehr guter Film. Es gibt aber eine Szene, die in meinen Augen viel Porzellan zerschlagen hat - und zwar die Parkplatz-Szene, wo Robert De Niro Bridget Fonda wie beiläufig einfach mal eben so erschießt, bloß weil sie ihm mit ihrer Nörgelei auf die Nerven geht. Genau diese zynische Haltung kommt bei "Pulp Fiction" noch viel deutlicher zum Ausdruck, z.B. als John Travolta aus Versehen im Auto den Typen erschießt, weil es gerade zufällig über ein Schlagloch fährt und er versehentlich den Abzug betätigt.

    Immerhin wurde der Streifen von nicht wenigen Tarantino-Fans seinerzeit eher enttäuscht aufgenommen, weil er so gar nicht einige der Elemente enthält, die "Pulp Fiction" und "Reservoir Dogs" auszeichnen.
    Daran kannst du sehen, wie unreflektiert seine Filme aufgenommen werden und wie sehr sich die Leute von der reinen Hülle blenden lassen. Das stilvolle aber zugleich banale, mit cooler Musik und in schnellem Tempo inszenierte Töten ist es, was die Leute offenbar so fasziniert.

    Außerdem bemühe ich mich immerhin, meine in gewissem Maße ambivalente Haltung zu den Tarantino-Streifen zum Ausdruck zu bringen. Das darfst du ruhig mal honorieren…
    Das tue ich. Selbstreflektion honoriere ich immer

    Da es kaum einem anderen Regisseur gelingt, eine stilistisch so perfekte Atmosphäre zu zaubern, darf man ihm in dieser Hinsicht ohne weiteres einen gewissen Genius unterstellen. Dieser Begriff umfasst schließlich nicht zwangsläufig, dass man in jeder Hinsicht über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, sondern bezieht sich immer auf bestimmte Teilbereiche - sonst würde es schließlich auch nicht den Begriff des "Allround-Genies" geben.

    Ach ja - laut Duden bedeutet "Virtuosität": "Kunstfertigkeit, Meisterschaft, besonders als Musiker". Warum dies ausschließen soll, dass jemand gleichzeitig auch ein echter Künstler sein kann, entzieht sich meinem Verständnis. Im Übrigen: Du schreibst selbst, Tarantino hätte ein "Gespür" für Tempo, Optik usw. Ein "Gespür" ist aber bereits ein angeborenes Talent, das man sich nicht erarbeiten kann. Allein schon deshalb kann man Tarantino mit Sicherheit nicht nur als "Handwerker" bezeichnen (was deine Aussage impliziert).
    Ein echter Künstler ist per definitionem jemand, der etwas Neues schafft. Das tut Tarantino aber nicht wirklich. Er macht seine Sache halt sehr sehr gut, aber wo sind die neuen Visionen? Die neuen Perspektiven? Wo hat er das Kino, die Gesellschaft, die Welt weiter gebracht, außer dass er einen neuen cineastischen Stil eingeführt hat?

    Außerdem glaube ich nicht, dass ein "Gespür" zwingend angeboren sein muss. Das kann man auch entwickeln, wofür er als Videothek-Mitarbeiter ja sicher genügend Vorbilder und Zeit hatte.

    Weißt du z. B., was ABBA und Michael Schumacher gemeinsam haben? Beide sind/waren absolute Ausnahmetalente, die zusätzlich zu ihren angeborenen Fähigkeiten auch noch knüppelharte Arbeiter sind/waren. Diese Mischung aus Genius, Disziplin und Handwerk macht ihre Sonderstellung aus. Von daher kennzeichnet die Besten der Besten also stets eine Mischung aus diesen Punkten.
    Schumi ist ein Talent und sehr guter Handwerker, aber kein Künstler wie die ABBA-Mitglieder. Das beide diszipliniert sind, möchte ich gar nicht bestreiten.

    Purer Genius, ohne das Bestreben, seine Fähigkeiten mit handwerklicher Disziplin zu vervollkommnen, wird niemals zum Erreichen der absoluten Spitze ausreichen.
    Das mag sein, aber andersrum gibt es Virtuosen, die das Handwerk besser beherrschen, als die Genies selbst - ohne selbst Neues schaffen zu müssen bzw. zu können. Beispielsweise gab es mit Sicherheit virtuose Pianisten, die besser Klavier gespielt haben als Beethoven, der allerdings selbst auch hervorragend gespielt hat. Dennoch erinnern wir uns an ihn wegen seiner Werke und nicht wegen seines Klavierspiels.

    Wenn ein Genie also etwas "Neues" schafft, hängt es letztlich auch von seiner Motivation zum Erreichen von Virtuosität ab, ob dieses "Neue" auch in angemessen hochwertiger Form präsentiert werden kann.
    Dennoch ist meiner Meinung nach die Idee stärker als die Form. Mir ist es wichtiger, ob der Inhalt genial ist, als dass sie perfekt inszeniert umgesetzt wird. Bekomme ich eine schwache Idee perfekt umgesetzt enttäuscht mich das mehr. Ein Beispiel: das Buch "Im Westen nichts Neues" ist meiner Meinung nach nicht gut geschrieben. Der Autor, Erich Maria Remarque, war auch nie als brillanter Stilist bekannt. Dennoch ist das Buch so stark, weil die Idee und die Motivation dahinter es sind.

    Letztendlich könnte ich aber auch gelassen deine Definition übernehmen, den Begriff "Geniestreich" für Tarantinos Filme zurückziehen und an Stelle dessen das Wort "Meisterwerk" setzen - offen gesagt, ist mir die Diskussion um Begrifflichkeiten an dieser Stelle ziemlich wurscht, denn sie ändert nix an der außergewöhnlichen Qualität, die die Tarantino-Streifen in meinen Augen auszeichnet.
    Ja, aber Meisterwerk bedeutet: meisterlich in der Form. Nicht im Inhalt. Insofern sind mir die Begrifflichkeiten hier nicht wurscht.

    Nun, dies ist deine Sichtweise, die ich nicht teile - Unterhaltung muss ja nicht immer festgesetzten Vorgaben folgen, denn es gibt ja nun mal sehr verschiedenartige Dinge im Leben, die einen begeistern können.
    Richtig. Drum gefallen mir ja auch so unterschiedliche Filme, wie z.B. "Erbsen auf Halb Sechs" und "Dawn Of The Dead". Wir diskutieren ja aber nicht darüber, ob seine Filme unterhaltend, sondern ob sie genial sind.

    Im Übrigen amüsiert mich auch der Begriff "oft" an dieser Stelle etwas - das klingt ja, als hätte Tarantino schon Dutzende von Filmen gedreht. De facto ist "Kill Bill 1+2" gerade mal sein vierter Streifen; die Werke, an denen er ein wenig beteiligt war, mal ausgenommen.
    Stimmt. Zum einen mag das daran liegen, dass ich immer dachte, dass "From Dusk Till Dawn" auch von Tarantino ist - ist er aber gar nicht. Zum anderen vermute ich den Grund, darin, dass er mittlerweile schon so oft mehr schlecht als recht kopiert worden ist und dieser "Tarantino-Style" einem fast überall begegnet. Genauso wie im Übrigen diese Zeitlupen-Technik von "Matrix" *nerv*

    bubu, ich selbst hoffe ja darauf, dass Tarantino sich für die Zukunft etwas mehr einfallen lässt. Vielleicht sollte er sich einfach einen hochbegabten Drehbuchschreiber suchen, der ihm Geschichten liefert, die mit seinen Stilmitteln besonders gut harmonieren.
    Das ist eine prima Idee!

    Meine Wertschätzung für die unbestrittenen Fähigkeiten als Regisseur tut dies keinen Abbruch. "Allround-Genies" gab und gibt es nun mal nicht wie Sand am Meer, sondern nur in allerkleinster Zahl. Dies macht die Arbeit von "Teilzeit-Genies" jedoch um keinen Deut schlechter.
    Nicht schlechter, relativiert sie aber. Mich nervt halt nur immer der völlig unreflektierte Umgang mit den Worten "Meisterwerk" und "genial". Und wenn ich dann noch die Texte von irgendwelchen Möchtegern-Filmkritikern lese, die sich nur so in einem Mummenschanz von Superlativen ergießen, kriege ich vollends 'nen Föhn! Im übrigen gilt das auch für Verrisse, wo immerfort nur in einem drauf gekloppt und alles abgrundtief schlecht gemacht wird. Man hat das Gefühlt, dass (zumindest in Deutschland) alles immer genial oder abgrundtief schlecht sein muss. Dazwischen gibt es nichts.

  6. #15
    Benutzerbild von Torsten

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    bubu postete
    Das sehe ich nicht so. Vielmehr wird sowohl die Gewalt als auch die moralische Verkommenheit als cool und stilvoll zelebriert.
    Ich gebe zu, dass ich mir bei der Interpretation Tarantinos Gewaltdarstellung auch nicht 100prozentig schlüssig bin. Einerseits könnte man Stil und Coolness ebenfalls als Ausdrucksmittel werten, um den Figuren eine entsprechende Charakterfärbung zu verleihen. Andererseits: Wenn Tarantino selbst schon sagt, dass er die Zuschauer mit ungewöhnlichen Mitteln zum Lachen bringen will, legt das natürlich den Verdacht nahe, dass er mit den niedersten humoristischen Trieben seines Publikums spielt und diese durch den Akt der Gewalt schlichtweg amüsieren will.

    Die entscheidende Frage wäre dann: Ist es moralisch verwerflich, sich durch die Gewalt erheitern zu lassen, die den Opfern in den Filmen angetan wird? Darüber könnte man wohl endlos diskutieren, denn Moral ist schließlich auch nur ein gesellschaftliches Konstrukt. Und bin ich zwangsläufig ein schlechter Mensch, wenn ich über solche - meist überspitzt-absurden - Szenen lache? Wohl nein, solange ich im realen Leben nicht ebenso emotional verrottet bin. Über die reale Gewalt, die z. B. über die TV-Nachrichten in unsere Wohnzimmer flimmert, amüsiere ich mich jedenfalls nicht, sondern empfinde dabei wie jeder gescheite Mensch auch Empörung, Wut oder Trauer.

    bubu postete
    Muss man nicht, klar. Aber was ich einfach sagen wollte, war folgendes: es kommt bei der Darstellung der Gewalt vor allem auf die Motivation an, aus der heraus sie geschieht. Und ich finde es weniger verwerflich, Gewalt aus einem Gefühl der Rache heraus auszuüben, denn schlicht aus der Lust am Töten selbst, bzw. sogar nur aus Langeweile und Coolness.
    Hm, wenn du eingehender darüber nachdenkst, wird dir auffallen, dass auch die Figuren aus "Pulp Fiction" nicht einfach aus Lust, Langeweile oder Coolness töten, sondern es dafür genauso wie in "Kill Bill" Motive gibt: Bestrafung, Überlebenskampf, Ungeschicktheit (der Kopfschuss im Auto) usw. Aus reiner Mordlust handeln meines Wissens nach dagegen die Hauptfiguren in "Natural Born Killers" (hab den Film nur einmal gesehen) - und bezeichnenderweise wurde dieser Streifen von Tarantino ja auch sehr kritisiert.

    bubu postete
    Außerdem sehe ich in diesem Film Tarantinos Bestreben, die Traditionen alter japanischer Samurai-Künste aufzugreifen und zu erläutern. Und diese sehen nun mal eine stilistisch perfekte Waffentechnik vor und ja, auch der Akt des Tötens gilt in der Tradition der Samurai als Kunst, obwohl das die Sache natürlich keineswegs weniger grausam macht. Die Sache an sich kann man natürlich moralisch ebenso verurteilen, ich habe "Kill Bill" aber unter diesem traditionellen Aspekt gesehen, insofern fand' ich's legitim.
    Naja, insofern kann man sich natürlich die Rechtfertigung in gewisser Weise immer auch ein bisschen zurechtbasteln, nicht wahr? Dass der Akt des Tötens als "Kunst" angesehen wird, macht seine Tradition nicht besser und ist fast noch verwerflicher als die reine Lust am Töten. Kritische Geister könnten also entgegnen, dass man eine derart abstoßende Gesinnung nicht auch noch als Motiv für eine filmische Darstellung missbrauchen sollte.

    bubu postete
    Ja sicher habe ich "Jackie Brown" gesehen. Ich kritisiere keine Filme, die ich nicht kenne (und im übrigen hätte ich mich dann auch nicht im "Überschätzte-Filme"-Thread über ihn ausgelassen )
    War natürlich nur 'ne rhetorische Provo-Frage, weil der Unterschied zwischen "Pulp Fiction" und "Jackie Brown" nicht gerade gering ist…

    bubu postete
    Es gibt aber eine Szene, die in meinen Augen viel Porzellan zerschlagen hat - und zwar die Parkplatz-Szene, wo Robert De Niro Bridget Fonda wie beiläufig einfach mal eben so erschießt, bloß weil sie ihm mit ihrer Nörgelei auf die Nerven geht.
    Der Witz ist aber: Man selbst erlebt doch gelegentlich auch mal Situationen, in denen man so genervt ist, dass in einem quasi so was wie eine latente Mordlust hochsteigt. Und Tarantinos Figuren sind emotional eben derart verkrüppelt, dass sie solchen Trieben ungerührt nachgeben. Insofern kann ich die Parkplatz-Szene gar nicht mal als außergewöhnlich zynisch empfinden, auch wenn das im ersten Moment aufgrund der vermeintlichen Absurdität so erscheinen mag.

    bubu postete
    Genau diese zynische Haltung kommt bei "Pulp Fiction" noch viel deutlicher zum Ausdruck, z.B. als John Travolta aus Versehen im Auto den Typen erschießt, weil es gerade zufällig über ein Schlagloch fährt und er versehentlich den Abzug betätigt.
    Zunächst nutzt Tarantino diesen Moment natürlich aus, um beim Publikum wieder einen ambivalenten Lacher zu ernten. Darüber hinaus verdeutlicht diese Begebenheit in der Folge dann allerdings umso stärker die moralische Verkommenheit der Hauptfiguren: Man geht mit dem Tod eines Menschen um wie mit 'ner Reifenpanne, bei der man anschließend einfach nur die Folgen beseitigen muss.

    bubu postete
    Daran kannst du sehen, wie unreflektiert seine Filme aufgenommen werden und wie sehr sich die Leute von der reinen Hülle blenden lassen. Das stilvolle aber zugleich banale, mit cooler Musik und in schnellem Tempo inszenierte Töten ist es, was die Leute offenbar so fasziniert.
    Abermals die Frage: Kann man das ernsthaft verurteilen, solange sich die Leute im wahren Leben ganz anders verhalten? Solange man eben nicht zu den wenigen Gestörten zählt, die solcherlei Filme für bare Münze nehmen, sich ein Waffen-Arsenal zulegen und dann beispielsweise in Schulen kaltblütigsten Amok laufen?

    bubu postete
    Ein echter Künstler ist per definitionem jemand, der etwas Neues schafft.
    Eine solch feststehende Definition des Wortes "Kunst" gibt es überhaupt nicht, denn es gehört zu den dehnbarsten Begriffen überhaupt. So ist in einem meiner Lexika beispielsweise zu lesen:
    Kunst. Allgemein die Ausübung angeborener oder erworbener Fähigkeiten in hochentwickelter, spezialisierter Form als "Können" oder Kunstfertigkeit und das Resultat dieser Betätigung (Kunstwerk), sofern es durchschnittliche Leistungen übersteigt, im eigentlichen Sinne jedes schöpferisch-ästhetische Gestalten und dessen jeweiliges Ergebnis auf den Gebieten der einzelnen Kunstarten und -gattungen. Genauere Definitionen, besonders über das Wesen dieses ästhetischen Schaffens, sind schwierig, da sie von der Beantwortung einer Reihe von Vorfragen abhängen, die die Wurzeln des künstlerischen Tuns, die Defintion des Schönen, die Aufgabe der Kunst usw. betreffen. Diese Vorfragen wurden in allen Epochen aufgrund der unterschiedlichen Anschauungen vom Wesen des Menschen, dessen Ausdruck die Kunst ist, verschieden beantwortet.
    Im Übrigen gäbe auch der Begriff des "Neuen" Anlass zu kontroversen Debatten. So neige ich z. B. dazu, denjenigen Musikern und Musikkennern zuzustimmen, die behaupten, dass es seit dem Einfluss von Kraftwerk auf die elektronische Musik nichts wirklich Neues mehr gab, sondern nur noch Varianten bereits bestehenden Materials. Folgt man dieser Ansicht, würde dies nach deiner Definition bedeuten, dass es seitdem keine echten Künstler mehr in der Musikbranche gegeben hat…

    bubu postete
    Das tut Tarantino aber nicht wirklich. Er macht seine Sache halt sehr sehr gut, aber wo sind die neuen Visionen? Die neuen Perspektiven? Wo hat er das Kino, die Gesellschaft, die Welt weiter gebracht, außer dass er einen neuen cineastischen Stil eingeführt hat?
    Das ist richtig, allerdings halte ich es für eine Illusion zu glauben, dass irgendein Film oder Werkschaffen eines Regisseurs durchschlagende, neue gesellschaftliche Visionen oder Perspektiven zur Folge hatte. Vielleicht übersehe ich da ja gewisse Beispiele, aber mir wollen momentan jedenfalls keine einfallen.

    bubu postete
    Außerdem glaube ich nicht, dass ein "Gespür" zwingend angeboren sein muss. Das kann man auch entwickeln, wofür er als Videothek-Mitarbeiter ja sicher genügend Vorbilder und Zeit hatte.
    Angesichts der cineastischen Innovation, die er mit "Pulp Fiction" zweifellos geschaffen hat, dürften "Vorbilder und Zeit" wenig dazu beigetragen haben, seinen ihm eigenen Stil zu kreieren. Ich vermute viel eher, dass ihm in altem Filmmaterial einfach das gewisse Etwas fehlte, das er durch sein angeborenes Gespür schlichtweg vermisste. Und da hat er wohl die Chance ergriffen und sich gedacht: Jetzt mache ich mal Filme, wie ich sie mir vorstelle; Ähnliches hat er meines Wissens ja auch zu "Kill Bill" von sich gegeben.

    bubu postete
    Schumi ist ein Talent und sehr guter Handwerker, aber kein Künstler wie die ABBA-Mitglieder.
    Och, das würden manche Rennsportfans wahrscheinlich anders sehen… Allerdings diente mein Beispiel auch nur dazu, um die markanten Eigenschaften absoluter Ausnahmeerscheinungen darzulegen - und die sind in Kunst und Sport nun mal identisch.

    bubu postete
    Beispielsweise gab es mit Sicherheit virtuose Pianisten, die besser Klavier gespielt haben als Beethoven, der allerdings selbst auch hervorragend gespielt hat. Dennoch erinnern wir uns an ihn wegen seiner Werke und nicht wegen seines Klavierspiels.
    Da gehe ich mit dir völlig d'accord. Nur widerspricht dein Beispiel ja auch nicht meiner These, dass Virtuosität das vorhandene Genie quasi vervollkommnet. Dass Beethovens Eingebungen eine höhere Wertschätzung als seine eigentliche Fertigkeit genießen, ist klar - denn solche Genies gab es nun mal in nur sehr begrenzter Anzahl (wenn überhaupt).

    bubu postete
    Dennoch ist meiner Meinung nach die Idee stärker als die Form. Mir ist es wichtiger, ob der Inhalt genial ist, als dass sie perfekt inszeniert umgesetzt wird. Bekomme ich eine schwache Idee perfekt umgesetzt enttäuscht mich das mehr. Ein Beispiel: das Buch "Im Westen nichts Neues" ist meiner Meinung nach nicht gut geschrieben. Der Autor, Erich Maria Remarque, war auch nie als brillanter Stilist bekannt. Dennoch ist das Buch so stark, weil die Idee und die Motivation dahinter es sind.
    Mir geht's da häufig anders herum, Beispiel: "Matrix". Interessante Grundidee, die in der Umsetzung völlig versauhudelt wurde - da schreit man geradezu nach einem brillianten Regisseur, der ein Gespür für die qualitätsrelevanten Faktoren hat…

    bubu postete
    Richtig. Drum gefallen mir ja auch so unterschiedliche Filme, wie z.B. "Erbsen auf Halb Sechs" und "Dawn Of The Dead". Wir diskutieren ja aber nicht darüber, ob seine Filme unterhaltend, sondern ob sie genial sind.
    Nun, es gibt sicher eine Menge Cineasten, die die Tarantino-Streifen als "geniale Unterhaltung" bezeichnen würden. Ob der Inhalt, der Plot, die Aussage genial sind, steht dann wieder auf einem ganz anderen Blatt. Der Begriff "genial" kann schließlich in verschiedener Hinsicht angewandt werden.

    bubu postete
    Zum anderen vermute ich den Grund, darin, dass er mittlerweile schon so oft mehr schlecht als recht kopiert worden ist und dieser "Tarantino-Style" einem fast überall begegnet. Genauso wie im Übrigen diese Zeitlupen-Technik von "Matrix" *nerv*
    Da sagste mal was… Ich weiß gar nicht, wie viele schlechte Pseudo-Tarantino-Streifen ich schon gesehen habe. Aber so ist das in der heutigen Medienlandschaft: Sobald irgendwas Erfolg hat, wird's gnadenlos kopiert - man schaue sich nur mal das Programm des sendenden Ideenvakuums SAT1 an…

    bubu postete
    Mich nervt halt nur immer der völlig unreflektierte Umgang mit den Worten "Meisterwerk" und "genial".
    Das kann ich allerdings nachvollziehen, denn mir selbst stößt der regelrechte "Missbrauch" bestimmter Begriffe auch immer wieder sauer auf. Beispiele aus diesem Forum z. B. sind "Hass" oder "hässlich"…

    bubu postete
    Und wenn ich dann noch die Texte von irgendwelchen Möchtegern-Filmkritikern lese, die sich nur so in einem Mummenschanz von Superlativen ergießen, kriege ich vollends 'nen Föhn!
    Ich empfand die Kritik für den zweiten Teil von "Kill Bill" übrigens auch als maßlos überschwänglich und regelrecht pathetisch - ohne ihn überhaupt gesehen zu haben. Und der inflationäre Gebrauch von Superlativen, die sich in die Alltagssprache eingeschlichen haben, geht mir schon lange auf den Senkel…

  7. #16
    Benutzerbild von Lutz

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    @bubu

    Ich glaube, Tarantino ist einer, der können will, aber nicht wollen kann. Sonst würde er nicht so monothematische Filme machen. Form vor Inhalt ist seine Prämisse. Deshalb ist er für mich kein Genie und seine Filme demzufolge auch keine Geniestreiche sondern allerhöchstens stilistisch meisterhaft. Aber ein Meister ist und bleibt nun mal ein Handwerker und kein Künstler
    Tarantino scheint mir eine kindliche Freude daran zu haben Menschen auf absurde Art und Weise zu erschrecken. Das wurde bei seinem Besuch in der Lateshow von Conan O`Brian deutlich, in der er ausmalte wie er die Premierengäste von "Kill Bill" am Liebsten geschockt hätte: "Eigentlich wollte ich noch 100 Penner einladen die sich unter die piekfeinen Gäste mischen, und einige Ratten kurz vor der Premiere im Kinosaal verteilen".

    Pulp Fiction gefiel mir Mitte der 90er wirklich sehr gut. Ich denke aber das sich mein Geschmack gewandelt hat. Kill Bill würde wohl kaum mein Fall sein...

    BTW: Ich telefoniere gleich mit jemandem der den Film gerade gesehen hat...

    Lutz

  8. #17
    Benutzerbild von bubu

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    Lutz postete
    Tarantino scheint mir eine kindliche Freude daran zu haben Menschen auf absurde Art und Weise zu erschrecken. Das wurde bei seinem Besuch in der Lateshow von Conan O`Brian deutlich, in der er ausmalte wie er die Premierengäste von "Kill Bill" am Liebsten geschockt hätte: "Eigentlich wollte ich noch 100 Penner einladen die sich unter die piekfeinen Gäste mischen, und einige Ratten kurz vor der Premiere im Kinosaal verteilen".
    Das wiederum finde ich richtig sympathisch!


    Pulp Fiction gefiel mir Mitte der 90er wirklich sehr gut. Ich denke aber das sich mein Geschmack gewandelt hat.
    Ich habe ihn schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen und wollte ihn mir auch nochmal anschauen. Die DVD habe ich hier schon seit einiger Zeit stehen...

    Kill Bill würde wohl kaum mein Fall sein...
    Das dachte ich eigentlich auch. Bin nicht sonderlich aufgeschlossen an den Film rangegangen, aber - er hat was. Wer weiß? Vielleicht ist er doch dein Ding?!

    Grüße!

  9. #18
    Benutzerbild von waschbaer

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    @Torsten und Bubu

    Entschuldigt, dass ich euren Tarantino-Yes-or-No-Disput (den ich zwar interessant zu lesen fand, aber der eigentlich eher einen eigenen Thread wert gewesen wäre) etwas unterbreche, und zum eigentlichen Thema dieses Threads zurückkehre.

    Ich habe mir gestern abend auf Überreden eines Freundes einen furchtbaren Kinofilm angetan.

    Coronado

    Die Story ist so einfach wie blöd. Eine junge Frau denkt, dass ihr Verlobter für eine Firma in der schweiz arbeitet. Tatsächlich arbeitet er aber im Mittelamerikastaat Coronado und verschiebt im Auftrag der Amerikaner Waffen an Rebellen, die die Regierung stürzen wollen. Diese linkt er allerdings, weil er gleichzeitig auch für die Regierung Coronados arbeitet und dann versucht, die Rebellen in eine Falle zu locken. Die junge Frau versucht nun zwischen Rebellen und Regierungstruppen mit Hilfe eines Fernsehreporters des Senders CBB ihren Verlobten in Coronado zu finden. Letztendlich verliebt sie sich dann in den Reporter.

    Es waren in der Spätvorstellung genau acht Leute in dem Film (3 x 2 Männer und dann noch ein jüngeres Päarchen etwa 17/18). Zu Ende geschaut haben den Film nur mein Freund und ich. Alle anderen sind vorher bereits gegangen. Das sagt doch schon einiges. Und warm?

    Der Film ist so dämlich wie schlecht gemacht. Einzig die Szene mit der großen Holzbrücke (erinnert sehr stark an die Brücke am Kwai) und die sehr verwirrende Kriegsstrategie (Sie denken, dass wir denken, dass sie denken, dass wir denken könnten ....) konnten mir ein müdes Lächeln entrinnen. Ansonsten ist der Film nicht Fisch nicht Fleisch, also weder reine Komödie, noch ernstzunehmender Film, so dass man wirklich nicht weiß, was der Drehbuchschreiber geraucht haben könnte, um solch einen verworrenen Mist zu Papier zu bringen. Evtl. sind die Landschaftaufnahmen noch halbwegs schön anzusehen. Müsste ich einen Rotstift schwingen, so würde ich diesem Film das Prädikat: "Gerade noch mangelhaft" geben. Leute, spart euch das Geld und schaut lieber etwas anderes an.

    Ach so: Im Abspann kommt dann noch eine Coverversion des 90er-Titels "Revolution in paradise" von Heath Hunter, die ich gar nicht mal so übel fand, aber das rettet den Film auch in keinster Weise.

  10. #19
    Benutzerbild von icebomb_de

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    Zwar nicht mehr im Kino, aber jetzt neu auf DVD: Master and Commander

    Also ich weiß ja wirklich nicht, warum dieser Film für so viele Oskars nominiert war.
    Der interessanteste Charakter war der Doktor - das war es dann aber auch schon. Der Story konnte ich überhaupt nix abgewinnen. Für meinen Geschmack stellenweise zu blutig und irgendwie an vielen Stellen zu langatmig... der Film hat mir überhaupt nicht gefallen.

  11. #20
    Benutzerbild von bubu

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    Kill Bill 2

    So, wie bereits angedroht, hier nun meine Meinung zu Tarantinos Fortsetzung.

    Mit drei Vokabeln kurz umrissen: langatmig, aufgeblasen, langweilig

    Der Film kam mir vor, wie in Zeitlupe gedreht, hat unglaublich träge Kamereinstellungen und bei den Dialogen, die den von Tarantino sonst so gewohnten verfremdenden Witz des Banalen gänzlich entbehrten, möchte man den Darstellern zurufen: Mensch Leute, jetzt kommt doch mal zu Potte hier!

    Die erste halbe Stunde des Filmes befinden wir uns in einer Rezitation von "Spiel mir das Lied vom Tod". Dann gibt's ein tarantinoeskes Intermezzo von gewohnter Grausamkeit, zu der sich allerdings in diesem Teil eine noch subtilere und fiesere Nuance hinzugesellt: Da wird der schönen Uma erst mal mit Kochsalz aus einer Schrotflinte ordentlich "zwischen die Titten" geschossen, was "sicher verdammt scheißweh tun muss". Dann wird sie gefesselt und vor die Wahl gestellt: bei Gegenwehr gibt's Tränengas aus zwei Zentimeter Entfernung direkt ins Auge gesprüht und danach eine lebendige Begrabung. Oder bei Fügung kein Tränengas und nur die lebendige Begrabung (immerhin mit Taschenlampe als Goodie). Hm, da fällt einem die Wahl wirklich schwer, oder?

    Daran anschließend beginnt der zweite Film im Film und schwuppsdiewupps befinden wir uns in "Die 36 Kammern der Shaolin" oder Bruce Lees "Teufelskralle" - egal, irgendein 70er-Kung-Fu-Schinken, da kenn ich mich nicht so aus. Und auch hier stimmt für den ganz offensichtlich vom Formalen besessenen Quentin Tarantino alles - von den schnellen Schnitten und Closeups, zur Krisseligkeit und den verblassten Farben des Kamerbildes, den chiuui-tschum-fu-aiiii-hiiiii-raaaaa-fump-fump-fump-wirbeldieschwupp-salti-Geräuschen bis hin zum drei Meter langen Bart des großen einfachalleskönnenden Meisters aller Meister der geheimen Kampfkünste der Shaolin. Jojo JOOOOO, spätestens jetzt muss dem 35-jährigen Spiegel-Online-Filmkritiker das cineastische Herz vor lauter Rührseligkeit ausgelaufen sein.
    Ich hingegen schaute erstmal auf die Uhr und beschloss, Quentin T. zuhause eine Email zu schreiben: Ja, Quentin, du kennst dich aus im Film. Du hast deine Hausaufgaben gemacht. Du kannst es. Du bist gut, so guuuut. Du bist der Beste. Können wir jetzt weiter machen?

    Ja, und dann geht's nach einigen Demütigungen, die sich Luke Skywalker in "Das Imperium schlägt zurück" bei seinem Training mit Yoda im Matsch sicherlich nicht einmal in seinen schlimmsten Jedi-Träumen ausgemalt hat, irgendwann tatsächlich weiter. Kommt doch jetzt die vermeintlich "morbide Erotik" in Gestalt der Daryl Hannah daher, die ihre besten Jahre weiß Gott hinter sich hat und die man sich eigentlich für immer als wunderschöne Frau aus der 80er-Komödie "Splash" in Erinnerung behalten wollte. Aber das hat Quentin einem jetzt gründlich versaut. 

    Fies wie sie ist, vergiftet sie ihren ehemaligen Partner - aber nicht mit Botox, was meiner Meinung viel passender gewesen wäre, nein, mit einer ECHTEN Schlange. Puh. Und während die Sau verreckt, rezitiert Hannah nochmal kurz aus dem Brockhaus, wie scheißgiftig das Gift doch ist, was den da gerade killt. Ist das nicht gemein?

    Aber ganz ehrlich, Hannah, ich nehm' dir einfach nicht ab, dass du so gemein bist, auch wenn du wirklich deine ganze Botox-runtergedrosselte Mimik dafür auffährst, sorry.

    Aber Uma kann auch gemein sein, denn die reißt ihr danach das letzte verbleibende Auge aus (und zerquetscht es auch noch glibbernd mit dem bloßem Fuß - Iiiiiih!). Auge um Auge...

    Ok, ich mach's kurz: ein paar nervige Dialoge und überraschende, weil unglaubwürdige Wendungen später, kommt dann der Showdown zwischen dem (wirklich guten) David Carradine und der süßen Uma. Toll, und wer gewinnt natürlich?

    Nee danke. Reine Zeitverschwendung. Die beiden Teile hätte man locker eindampfen und in einen Film packen können. Den ersten ca. auf ¾. Den zweiten ohne weiteres auf ¼. Alleine schon eine schnellere Abspielgeschwindigkeit auf das 1.5fache wäre nicht weiter aufgefallen, im Gegenteil. Aber ist ja auch clever: blase einen Film einfach um all die Szenen auf, die normalerweise dem Schneidemesser zum Opfer fallen, mache zwei Teile draus. Du sparst es dir, das Sequel nochmal aufwändig zu drehen, erledigst alles in einem Aufwasch, machst alles noch rätselhafter. Und das Beste: Du bringst den zweiten Teil zeitgleich in die Kinos, wenn der DVD-Verkauf des ersten Teils startet. Yessir, SO macht man die fette Kohle.

    Da war mir der erste Teil echt lieber, mit seinen ehrlichen Schwertkämpfen und weniger dummem, aufgeblasenem Gelaber.

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