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Kritik von Kinofilmen

Erstellt von waschbaer, 18.04.2004, 17:09 Uhr · 429 Antworten · 40.419 Aufrufe

  1. #291
    Benutzerbild von Torsten

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    AW: Kritik von Kinofilmen

    Eigentlich off-topic - aber da mir selbst viel gelobte Filme wie "Little Miss Sunshine", "Der letzte König von Schottland", "The Departed" oder "Blood Diamond" höchstens noch ein "ganz gut" entlocken, ist es mal an der Zeit, den Vergleich Film vs. Serie anzusprechen.

    Denn nachdem ich nun die vierte Staffel von "The Shield" und die erste von "Deadwood" durchhabe, ist mein Urteil endgültig: Die Premiumserien der letzten Jahre haben den klassischen Film qualitativ längst meilenweit abgehängt. Gegen die romanhafte Komplexität von "The Shield", "Deadwood", "The Sopranos", "The Wire", "Six Feet Under" oder "The Black Donnellys" wirken selbst die besten Filmproduktionen wie ein Kinderprogramm.

    "The Shield" war von Beginn an vom Feinsten und wird immer noch mit jeder Staffel besser - kein Wunder, dass selbst eine Hollywood-Ikone wie Glenn Close hier mit das Beste abliefert, was man bisher von ihr gesehen hat. Und "Deadwood" zersägt mit seiner dichten Erzählstruktur, authentischen Darstellung und den grandiosen Charakterbauwerken gnadenlos alles, was das Genre Western bis dato zu bieten hatte.

    Eine Passage aus einem Artikel zur letzten Staffel von "The Wire", die von renommierten US-Kritikern als das beste Projekt der TV-Geschichte bezeichnet wird, bringt die Überlegenheit der Top-Serien auf den Punkt:
    My point is this: while Hollywood has bravely set about the business of making the finest movies based on breakfast cereals ever made, David Simon and his collaborators have hoisted the medium of film onto their backs and marched it into the territory previously inhabited by Tolstoy, Melville and Dickens, the greatest of the long-form storytellers.

    The achievements of "The Wire" suggest that the two-hour American-standard-length film only scratches the surface of what the medium can actually do. And it does so with none of the diluting effect that some might expect would come from breaking up a 13-hour film into individual episodes. The experience of watching "The Wire" is precisely the same as reading "Anna Karenina". We do it by sandwiching its chapters in between the chapters of our own lives. We read a chunk, we live a chunk, and each enriches the other.
    http://mattzollerseitz.blogspot.com/...e-of-wire.html

    Schön, dass man dank des Mediums DVD auch nicht mehr auf's Fernsehen angewiesen ist, um in den Genuss dieser Monumentalwerke zu kommen. Wer einmal von den vielschichtigen, hochintelligenten und grandios inszenierten Charakterdramen à la "The Sopranos" gepackt wurde, für den sind Kinofilme allenfalls noch Fast Food für zwischendurch.

    Mögen die kreativsten Autoren Hollywoods ihre Köpfe auch weiterhin für solche Serienkolosse rauchen lassen...






  2.  
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  3. #292
    Benutzerbild von hechicero

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    AW: Kritik von Kinofilmen

    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    Die Premiumserien der letzten Jahre haben den klassischen Film qualitativ längst meilenweit abgehängt. Gegen die romanhafte Komplexität von "The Shield", "Deadwood", "The Sopranos", "The Wire", "Six Feet Under" oder "The Black Donnellys" wirken selbst die besten Filmproduktionen wie ein Kinderprogramm.
    In meinen Augen nicht zu vergessen: LOST

  4. #293
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    AW: Kritik von Kinofilmen

    Drachenläufer

    Hassan und Amir wachsen im Kabul der 70er Jahre auf. Obwohl Amir einen reichen Vater hat und Hassan nur der Sohn seines Dieners ist, sind sie eng miteinander befreundet. Eines Tages gerät Hassan in eine Zwangslage, aus der Amir ihm eventuell hätte helfen können. Doch dieser ist zu feige, um Hassan zu helfen oder sein Versagen einzugestehen, so dass die Freundschaft daran zerbricht. Kurz darauf marschieren die Russen ein und Amir und sein Vater fliehen Hals über Kopf in die USA. 20 Jahre später erhält Amir dort eine Nachricht von einem alten Freund seines Vaters, der ihn in die Heimat zurückruft, er habe dort etwas gutzumachen...

    Mein Fazit: Ein wunderbar melancholischer Film um Freundschaft, Verantwortung, Schuld und Vergebung. Wenn auch nicht stilistisch, so hätte er inhaltlich auch von Leone sein können. Hat mich durchaus berührt.

  5. #294
    Benutzerbild von Torsten

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    AW: Kritik von Kinofilmen

    TV-Tipp: Die nächste Ausgabe des ZDF-"nachtstudio", eine der besseren TV-Gesprächsrunden, beschäftigt sich in der kommenden Nacht auf Montag mit dem Thema "Große Gefühle im Kino".

    Gäste:
    • Mario Adorf (Schauspieler)
    • Heike-Melba Fendel (Filmjournalistin)
    • Hans W. Geißendörfer (Regisseur)
    • Julia Jentsch (Schauspielerin)
    • Valerie Niehaus (Schauspielerin)

    Neben Mario Adorf freue ich vor allem auf Heike-Melba Fendel, dir mir schon in zwei anderen Ausgaben des "nachtstudio" angenehm auffiel. Nicht nur eine charmante und attraktive Erscheinung, sondern auch eine sehr smarte Lady, deren Aussagen ich beide Male ausnahmslos zustimmen konnte.



    "nachtstudio": ZDF, 11.02.08, 00:55 - 01:55 Uhr

    http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/28/0,...156284,00.html

    Liebe, Herz, Schmerz und Einsamkeit - großes Gefühlskino ist doch das einzig wahre Kino. Die Sehnsucht der Filmfans nach Romantischem ist ungebrochen, pathetische Filme haben immer Konjunktur. Zwar wird Pathos von vielen Cineasten gerne kritisch beäugt und großen Hollywoodfilmen wie "Vom Winde verweht", oder "Titanic" werden übertriebene Emotionalität und theatralische Effekthascherei vorgeworfen. Wie populär aber diese Filme sind, zeigt gerade das Drama um den legendären Passagierdampfer Titanic mit der herzzerreißenden Liebesgeschichte zwischen Jack und Rose, dem bis heute erfolgreichsten Film aller Zeiten.

    Aber müssen es immer die ganz großen weltbewegenden Kinostoffe sein? Was populäres Gefühlskino, jenseits von Hollywood leisten kann, zeigen oft die finanziell weniger aufwendigen europäischen Produktionen. Und dabei ist es nicht nur das ewig spannende "Mann-Frau-Thema", das interessiert, oft sind es die kleinen, emotionalen Geschichten des Alltags, die die Zuschauer ins Kino locken. Das stellte auch Berlinale-Chef Dieter Kosslick bei der Präsentation seines diesjährigen Programms fest. "In Zeiten sozialer Kälte scheinen Emotionen im Kino wieder mehr gefragt zu sein", so der Leiter der Filmfestspiele.

    Wie werden in der modernen Film- und Fernsehindustrie Gefühle produziert? Wie wahrhaftig sind sie? Welche Formen und Funktionen hat Pathos im zeitgenössischen Film und wo ist die Grenze zum Kitsch? Wie funktionieren solche Filme genau - mit welcher Art von Rhetorik bringen sie "große Gefühle" zum Ausdruck? Sind es phantastische Geschichten, moderne Märchen oder eher realitätsnahe Stoffe, die den Zuschauer in ihren Bann ziehen? Welche Rolle spielt dabei das Drehbuch, wie wichtig sind die Schauspieler?

  6. #295
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    AW: Kritik von Kinofilmen

    Um nochma kurz an meinen vorletzten Beitrag anzuknüpfen: Wer wissen will, was das Beste ist, dass es jemals an Film-/TV-Produktionen gegeben hat, liest sich diesen Artikel durch:
    "Beste Show in der Geschichte des TV"

    An der Ecke East Madison Street und Greenmount Avenue, drei Minuten von Baltimores Rathaus entfernt, möchte ich aussteigen, mir die Drehorte der Fernsehserie "The Wire" anschauen, doch mein Taxifahrer rät, die Türen geschlossen zu halten: "Junge, bist du nicht ganz bei dir? Du siehst doch, was hier los ist." Die meisten Häuser haben statt Glas Bretter in den Fenstern, an jeder Straßenecke lungern drei, vier schwarze Teenager in Daunenjacken, belauern sich gegenseitig und gucken den Autos nach - in der Hoffnung, ein Kunde hielte an, um Drogen zu kaufen. Dann zählt der Taxifahrer die Morde auf, die hier in den vergangenen Wochen passiert sind: sechs Tote, darunter ein Weißer, der am Geldautomaten umgelegt wurde. An der Ecke East Madison und Greenmount sieht es an einem gewöhnlichen Tag kein bisschen freundlicher aus als in der Fernsehserie, die das Getto von Baltimore, Maryland berühmt gemacht hat.

    Vor kurzem ist die fünfte und letzte Staffel von "The Wire" beim amerikanischen Bezahlsender HBO angelaufen, und nachdem die Öffentlichkeit die Serie vier Jahre lang ignoriert hatte, brach in den vergangenen Monaten ein Hype aus, der sogar den Wirbel um die "Sopranos" in den Schatten stellt. Die Sendung begleitet Drogendealer und Polizisten, Hafenarbeiter und Lehrer, Eltern und Immobilienmakler, Politiker und Journalisten - drei Dutzend Hauptfiguren - bei ihrem Überlebenskampf in einer postindustriellen Großstadt. Die Kritiker schwärmen: "Beste Serie seit Jahrzehnten" (New York Times); "beste Show in der Geschichte des amerikanischen TV" (Philadelphia Inquirer); "wird als das beste Drama, seit es Fernsehen gibt, erinnert werden" (San Francisco Chronicle); "HBOs Meisterwerk - eine TV-Revolution" (Entertainment Weekly).

    "Time" entschuldigte sich bei seinen Lesern dafür, nicht schon früher über "The Wire" berichtet zu haben: "Wir haben versagt." Das Intellektuellenmagazin "Atlantic Monthly" empfiehlt, die DVDs zwischen Dostojewskij, Dickens und Tolstoi einzusortieren, und der "New Yorker" begleitete den Erfinder der Serie, David Simon, monatelang für einen elfseitigen Artikel, in dem selbst das Weihnachtsmahl seiner Eltern beschrieben wird.

    Doch Superlative greifen zu kurz, um zu beschreiben, wie großartig diese Serie ist. David Simon, der bis zum Ende des Autorenstreiks keine Interviews gibt, erklärte in "Time": "Die Show handelt vom Niedergang eines Imperiums. In unserem System sinkt an jedem Tag der Wert eines jeden Individuums - egal ob Dealer, Staatsanwalt, Journalist. Dies ist das Amerika, für das wir bezahlt haben. Nicht mehr und nicht weniger."

    Niemals würde er sein Werk mit Dostojewskij vergleichen, doch von Anfang an strukturierte er das Skript, als wolle er Weltliteratur schaffen. "Wir haben die Griechen geplündert: Sophokles, Aischylos, Euripides, aber nicht den Gute-Laune-Bären Aristophanes." Eine TV-Serie, die alle Regeln bricht: Die einstündigen Episoden haben keine Spannungsbögen, sondern funktionieren wie Kapitel in einem Buch, die Handlung geht unfassbar langsam voran.

    "The Wire" verzichtet auf comichafte Heldenfiguren wie den Agenten Jack Bauer in "24" oder ein seine Umwelt überstrahlendes Kraftzentrum wie Tony Soprano. Mehr als dreißig gleichberechtigte Charaktere führen vor, wie ein gescheitertes System Menschen in verheerende Abhängigkeiten treibt. Oftmals scheinen Mörder und Dealer menschlichere Vorstellungen von Moral zu haben als die Amtsinhaber, die für Recht und Ordnung sorgen sollen.

    Der Star ist das verfallende Baltimore, und jede Staffel lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Aspekt des Lebens in der Stadt: wie eine Spezialeinheit der Polizei versucht, Beweismaterial gegen eine Drogengang zu sammeln; wie der Niedergang des Hafens die weiße Mittelschicht zerstört; wie Hierarchien und persönlicher Ehrgeiz in den Institutionen jeden Fortschritt verhindern; wie die Schulen versagen; wie die Medien versagen. Kein Zuschauer könnte diesen Schwall deprimierender Vorgänge ertragen, wären Proposition Joe, Omar, The Bunk, McNulty und alle anderen Figuren nicht beseelt von einem Sinn für Humor, so trocken und herzerfrischend, wie man ihn noch nie im TV gesehen hat.

    Als David Simon 2001 bei HBO vorsprach, um erste Fassungen für den Piloten vorzustellen, reagierte Programmchefin Carolyn Strauss zurückhaltend. HBO verdiente üppig mit aufwendigen Eigenproduktionen wie "The Sopranos", "Oz" und "5ex And The City", und der Sender war stolz darauf, sich mit mutigen Ideen von der Konkurrenz abzuheben. Der Slogan lautete: "It's not TV. It's HBO". Da tauchte Simon auf mit einem Konzept, das von Dealern und Polizisten handelt. "Krimis sind nicht HBO, sondern Fernsehen", beschied ihm Strauss damals.

    Daraufhin schickte Simon eine E-Mail, die die Programmchefin doch noch überzeugte: "HBO hat Erfolg mit Themen, an die sich das Network-Fernsehen nicht herantraut. Doch der ultimative Triumph wäre, wenn HBO das Urgenre des Fernsehens, den Krimi, so radikal auf den Kopf stellte, dass hinterher niemand mehr 'C.S.I.' oder 'NYPD Blue' oder 'Law & Order' ertragen könnte; wenn HBO sich mit ABC oder NBC messen und ein Polizeidrama mit unerreichter Qualität liefern würde, das die Welt nicht in die Kategorien Gut und Böse vereinfacht, sondern realistischer denn je zeigt."

    Niemand bringt bessere Voraussetzungen mit als David Simon, 47, um das Leben in "Bodymore, Murdaland", wie die Bewohner ihre Stadt nennen, realistisch zu beschreiben. Er hat zwölf Jahre als Polizeireporter der "Baltimore Sun" aus den Gettos berichtet, und nachdem er die Zeitung 1995 verlassen hatte, verarbeitete er seine Erfahrungen zu den Bestsellern "The Corner" und "Homicide", aus beiden Büchern machte er TV-Serien. Simons Partner Ed Burns, der an den meisten Episoden von "The Wire" mitschrieb, hatte zunächst im Morddezernat des Baltimore Police Department gearbeitet und wurde dann Lehrer in einer öffentlichen Schule im Getto, bis er ausgebrannt aufgab. Die beiden hatten sich in den 80er-Jahren kennengelernt, als Burns dem Reporter Simon als Informant über die Drogenszene diente.

    Die Serie ist so perfekt gefilmt, ausgestattet und gecastet (in allen umfangreicheren Rollen wirken unbekannte Schauspieler, ausnahmslos brillant), wie es nur HBO gelingt. Um die Dialoge im feinsten Baltimore-Straßenslang verstehen zu können, müssen selbst Amerikaner die Untertitel einschalten, und die Schauspieler mussten eine neue Sprache lernen. Wenn es ein Genre gäbe für Serien wie "The Wire", müsste es wohl "Neo-Neorealismus" heißen.

    Simon schätzt, dass von den gut 200 Darstellern, die die Internet Movie Database auflistet, 150 aus den Nachbarschaften stammen, in denen die Serie entstand. Ehemalige Bürgermeister, Richter, Polizisten und "Sun"-Reporter wirken mit, und Simon und Burns haben sogar Verbrecher engagiert, die sie einst in den Knast befördert hatten. Der Gangsterboss Melvin Williams, der 1984 verurteilt wurde, spielt einen Pfarrer, und die frisch aus dem Zuchthaus entlassene Felicia Pearson tritt als lesbische Auftragskillerin Felicia auf.

    Alle Anekdoten und Charaktere wurzeln in der Realität. Die Vorgesetzten, unter denen Burns diente, sind ignorant und sadistisch wie Commissioner Burrell; der Drogenboss, über den Simon eine Serie in der "Sun" schrieb, war charismatisch und ein emsiger BWL-Student wie Stringer Bell; das innovative Projekt, mit dem ein Polizeioffizier Drogen in einigen Blocks legalisierte, so die Mordrate dezimierte und schließlich vom Commissioner entlassen wurde, hieß tatsächlich "Hamsterdam".

    Simon behauptet, die Wahrheit über seine Stadt wäre noch viel brutaler, als er im Fernsehen zeigt. Baltimore zählt jährlich um die 400 Morde. Ähnlich viele wie New York, wo zwölf Mal mehr Menschen leben. Gewalt ist so allgegenwärtig, dass die Programmzeitschrift "City Paper" in der Kolumne "Murder Ink" wöchentlich die Morde auflistet: "Mittwoch, 9. Januar, 20.50 Uhr, Zechariah Hallback, Afroamerikaner, 18, erschossen von einem unbekannten Afroamerikaner an der Kreuzung 33. Straße, Alameda / Mittwoch, 9. Januar, 22.10 Uhr..." Baltimore ist kein Sonderfall, sondern eine durchschnittliche amerikanische Großstadt, die nicht wie New York oder San Francisco das Glück hatte, vom Finanz- und Technologie-Boom zu profitieren. "The Wire" zeigt nicht das Extrem, sondern den Alltag der Innenstädte von Detroit oder Philadelphia.

    Warum also wurde dieses Meisterwerk so lange von der Kritik vernachlässigt, gewann bislang keine Auszeichnungen und erreichte selbst an besten Abenden nur 4,4 Millionen Zuschauer? Weil es unmöglich ist, "The Wire" in Ein-Stunden-Portionen zu konsumieren - genau wie "Schuld und Sühne" kein Welterfolg geworden wäre, wenn man nur ein Kapitel pro Woche hätte lesen dürfen. Wer "The Wire" mit all seiner Wucht nachvollziehen will, muss sich die DVDs bestellen und sie in einem Durchgang anschauen. Anders geht es für deutsche Zuschauer auch kaum: Bisher wollte kein deutscher Sender die Serie zeigen.

    Für HBO hat sich das Engagement dennoch gelohnt. Die euphorischen Kritiken steigern das Image des Senders, und die DVD-Verkäufe laufen exzellent. Das "The Wire"-Forum auf der HBO-Website verzeichnet Besucherrekorde. Die höchste Ehre steht noch bevor: Annie Leibovitz produziert für "Vanity Fair" eine Fotostrecke, und die "Vogue" bringt eine "The Wire"-Modestory.

    Nur ein Mann wird niemals Fan der Serie werden: Steve Bisciotti, der Besitzer des Football-Teams Baltimore Ravens. Er sucht seit Monaten einen Trainer, doch alle Kandidaten sagten ab. In der "Sun" beschwert er sich: "Die Ehefrauen gucken 'The Wire' und wollen mit ihren Kindern hinterher nicht mehr nach Baltimore ziehen."

  7. #296
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    AW: Kritik von Kinofilmen

    Habe mir vorgestern den Film "Im Tal von Elah" angeschaut.

    Zur Handlung:

    Als der Soldat Mike Deerfield von einem elfmonatigen Irak-Einsatz in die USA zurückkehrt, meldet er sich nach einem Ausgang nicht mehr auf seinem Stützpunkt zurück. Sein alter Vater, Kriegsveteran Hank Deerfield, macht sich auf die Suche. Er gelangt an ein nicht mehr funktionierendes Mobiltelefon, das sein Sohn auf seinem Militärstützpunkt zurückgelassen hat, und findet jemanden, der ihm die darauf gespeicherten Irak-Fotos und – nach und nach – auch Videos seines Sohnes weitgehend wieder herstellen kann. Ein Bild zieht dabei besonders Deerfields Aufmerksamkeit auf sich, ohne dass er etwas über den Hintergrund des Fotos herausfindet.


    Ansonsten jedoch erreicht er nichts, denn weder auf dem Militärstützpunkt noch in der Umgebung will man etwas von Mikes Verbleib wissen.
    Bewegung kommt in die Suche erst, als die Polizei verstümmelte und verbrannte menschliche Überreste findet, die als Überreste des Sohnes identifiziert werden. Das Militär erklärt sich aufgrund des Fundorts für den Fall zuständig und sieht Parallelen zu Morden im Drogenmilieu. Doch Hank Deerfield glaubt an die Unschuld seines Sohnes und verdächtigt das Militär, den Mord und seine Hintergründe vertuschen zu wollen. Er kann die junge Polizistin Emily Sanders überzeugen, dass der Mord an anderer Stelle stattgefunden hat, wodurch er in die Zuständigkeit der regulären Polizei fällt, und steuert weitere Beobachtungen zu den Ermittlungen bei. Polizistin Sanders' kleinem Sohn David erzählt der christliche Deerfield derweil die Geschichte des biblischen David, der den Riesen Goliath im Tal von Elah bezwang, um ihn Mut zu lehren.


    Im Rahmen der Ermittlungen im Mordfall erfährt Deerfield mehr als nur die Wahrheit, die er sucht: Durch die Videobruchstücke, die er nach und nach erhält, und durch Aussagen von Kameraden des Sohnes hört er von Drogen und gemeinsamen Besuchen in Bars, von Misshandlungen irakischer Gefangener, der Verhöhnung von Leichen und einem Verlust des Unrechtsbewusstseins der Soldaten.



    Ein Kamerad seines Sohnes erweist sich als der Polizei bekannt, ein anderer erhängt sich in seiner Zelle, wobei die Uhr von Mike Deerfield in seiner Hosentasche gefunden wird. Während sich nach und nach das mustergültige Bild auflöst, das sich der Vater von seinem Sohn gemacht hatte, bringen wiederholte Befragungen von Mikes Kameraden schließlich die banale Lösung des Mordfalls ans Licht: Belanglose Streitigkeiten und Drogen haben dazu geführt, dass einer der Irakheimkehrer die Nerven verlor und Mike tötete und zwei weitere Kameraden bei der Beseitigung der Leiche halfen.


    Schließlich erfährt Hank Deerfield aus der Erzählung eines weiteren Soldaten auch die Bedeutung des ihm aufgefallenen Irak-Fotos. Die Soldaten hatten während des Einsatzes Anweisung, aus Sorge vor Hinterhalten nicht zu bremsen, wenn etwas vor ihr Auto geriet. Bereits ganz zu Beginn ihrer Zeit im Irak hatte Mike Deerfield sich daraufhin gezwungen gesehen, ohne zu bremsen ein Kind niederzufahren, das ihm vor das Auto lief. Als er daraufhin seinem Vater am Telefon erzählt hatte, dass etwas Furchtbares passiert sei und er zurück in die USA wolle, hatte Hank Deerfield kein Verständnis für die Probleme des Sohnes erkennen lassen und ihn nur väterlich besorgt ermahnt, gut auf sich aufzupassen.



    Ich fand den Film nicht sonderlich gut gemacht. Er hat wahnsinnige Längen und wären da nicht Schauspieler von einem Format eines Tommy Lee Jones, einer Charlize Theron oder einer Susan Sarandon, so wäre er noch unerträglicher gewesen. In den USA muss der Film über die Verrohung der Sitten in der US-Armee gnadenlos gefloppt sein. Ich kann dies nachvollziehen, aber nicht, weil ich damit die Moral der US-GIs in den im Irak stationierten US-Truppen angreifen möchte, sondern weil ich einfach die Geschichte relativ schlecht umgesetzt fand und auch das sonstige "Handwerk" (Schnitt, Beleuchtung) in diesem Film bestenfalls ausreichend fand. Fazit: Für mich eine Enttäuschung und 8 Euro rausgeschmissenes Geld.

  8. #297
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    AW: Kritik von Kinofilmen

    Einige Filme habe ich in den letzten Monaten gesehen, davon haben es mir zwei besonders angetan:


    No country for old men

    Ein etwas zwielichtiger Texaner stößt Anfang der 80er Jahre bei der Jagd in der Wüste zufällig auf den Übergabeplatz eines gescheiterten Drogenhandels. Zwischen lauter toten Mexikanern findet er auch zwei Millionen Dollar, die er mit nach Hause nimmt. Glücklich wird er damit allerdings nicht, denn schon kurz darauf wird er nicht nur von der mexikanischen Drogenmafia, sondern zusätzlich noch von einem psychopathischen Killer gejagt, die ihrerseits von einem alten Sheriff und der Staatspolizei gejagt werden. So beginnt eine äußerst blutige Verfolgungsjagd quer durch den ganzen Staat...

    Bei diesem Film handelt es sich im Grunde um einen modernen Leone. Der Film besitzt eine gewisse grundlegende Ruhe und Lässigkeit und wird wesentlich geprägt durch seine eigenwilligen, charismatischen Charaktere. Oft genug sprechen die Bilder minutenlang für sich selbst, und wenn dann mal gesprochen wird, sind die Dialoge kurz, prägnant und darüber hinaus oft genug dermaßen bizarr und zynisch, dass man nicht weiß, ob man lachen oder den Kopf schütteln soll.


    Tödliche Entscheidung (Before the devil knows you're dead)

    Zwei in finanzielle Nöte geratene Brüder überfallen mit Hilfe eines Komplizen das Juweliergeschäft ihrer Eltern. Aufgrund eines dummen Zufalls ist statt einer Angestellten plötzlich die Mutter im Laden und wegen eines Missverständnisses erfolgt der Überfall nicht mit einer Spielzeugwaffe, sondern einer echten. Es kommt, wie es kommen muss: Eine Schießerei entbrennt, der Komplize wird getötet und die Mutter kommst schwerst verletzt ins Krankenhaus. Beim Versuch, ihre Beteiligung an dem Überfall zu vertuschen, geraten die beiden in immer größere Schwierigkeiten. Nebenbei werden, teilweise in Rückblenden, die menschlichen Abgründe der Charaktere offenbart, die zu dem Überfall geführt haben und die danach nur noch stärker hervorbrechen.

    Dies hört sich zunächst sehr nüchtern an, doch die düstere Atmosphäre lässt sich mit Worten schwer greifen - der Film wird auch hier wesentlich durch die Schauspieler getragen. Immer wenn man denkt, jetzt sie kriegen mal die Kurve, geht es nur noch weiter runter. Ein Freund von mir meinte nicht ganz zu Unrecht, dass er wohl noch nie etwas derart Depressives im Kino gesehen hätte...

  9. #298
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    AW: Kritik von Kinofilmen

    Brügge sehen... und sterben? (In Bruges)

    Nachdem der junge Auftragskiller Ray bei seinem ersten Einsatz aus Versehen ein Kind erschießt, muss er mit seinem älteren "Kollegen" Ken untertauchen - dazu verschlägt es sie aus London ausgerechnet ins belgische Brügge. Während Ken sich dort wohlfühlt, wünscht sich Ray von der ersten Sekunde an wieder heim, ahnt aber noch nicht, dass er England nie wieder sehen soll, denn Ken bekommt den Auftrag, Ray zu ermorden...

    Der Film lässt sich nicht eindeutig in eine Schublade stecken. Zum einen wird der Film von amüsanten Dialogen mit typisch britischem Humor geprägt, zum anderen ist er ein konsequent zu Ende gespieltes Drama. Dabei wechseln Komik und Tragik mitunter rasant ab. Colin Farrell ist hier mal als leicht nervöser Tolpatsch zu sehen - mal eine ungewohnte Rolle...


    Ansonsten ist mir heute noch aufgefallen, wie sehr gerade Indiana Jones gehypt wird. Dass ein Kino in fünf Sälen zeitgleich Previews des selben Films zeigt, habe ich jedenfalls noch nicht erlebt.

  10. #299
    Benutzerbild von waschbaer

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    Ich habe gestern Abend einen Abend im Kino verbracht und Verliebt in die Braut anschauen müssen.

    Eine Freundin von mir hatte Geburtstag und hat zehn Leute in einen Überraschungsfilm ihrer Wahl eingeladen. Was soll ich sagen? Ein Riesensch......

    Boy meets girl-Film, der sich im wahrsten Sinne des Wortes über Jahre hinweg hinzieht und dann damit endet, dass die begehrte kleine New Yorkerin einen schottischen Adeligen heiraten will, was der junge New Yorker Gegenkandidat zu verhindern weiß. Nicht einmal die netten Landschaftsaufnahmen aus Schottland können die miese Schauspielerei, das überaus miese Drehbuch und die zig Plattitüden über Schottland wenigstens einigermaßen ausgleichen.

    Fazit: Selten so einen Mist gesehen. Für jeden normal denkenden Mann nicht einmal im Suff zu ertragen. Witzig war es, dass danach die vier Männer die dabei waren einen Heidenspaß hatten über den Film zu lästern und die Mädels dann die übliche Leier (Ihr seid so unromantisch ....) vom Stapel ließen.

    @ihka

    In Augsburg ist es mit Indiana Jones ähnlich. Furchtbar, wenn man in zwei Kinos zusammen dann an einem Tag über 20 Vorstellungen dieses Films hat.

  11. #300
    Benutzerbild von AquaTom

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    Zitat Zitat von 80sgirl Beitrag anzeigen
    Ich habe Kleinruppin forever gesehen. Der Film war irgendwie nicht Fisch nicht Fleisch. Das übliche Verwechslungsschema (Zwillinge) und aus der DDR reist der falsche in den Westen. Als der Original-Westler dann die Chance bekommt, sich mit einem Sportteam in den Westen abzusetzen, kehrt er in die Zone zurück, weil er sich in eine Krankenschwester verliebt hat. Ansonsten einfach nur klischeelastig (Bananan). Irgendwie war der Film weder Komödie, noch Drama, sondern einfach nur langatmig. Würde mich interssieren, was User aus der Ex-DDR zu dem Film sagen.
    Hallo,
    der Film kam ja am Wochenende im TV (Kleinruppin Forever) und ich habe mich zwar ganz nett unterhalten aber mich auch ebenfalls gefragt, was denn wohl die damaligen DDR-Bewohner dazu sagen?
    Ich muss zu meiner Schande gestehen, daß mich das Thema DDR damals nicht sonderlich interessiert hat , aber für mich (als Teenie) war das alles irgendwie soweit weg! Unsere Parallelklassen waren da insofern näher dran, weil sie eine Klassenfahrt nach Berlin gemacht haben! (Wir sind woanders hingefahren!)
    Ich hab's ja bis heute noch nicht nach Berlin geschafft!
    Naja, wie dem auch sei, was meint Ihr denn zu dem Streifen ....?

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