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Lässig, zu lässig, unzuverlässig...

Erstellt von Torsten, 17.09.2003, 20:34 Uhr · 41 Antworten · 2.647 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von Sunset

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    @ kathrin ...

    @ Robby ... nee ich bin ja kein Experte auf dem Gebiet, eigentlich gebe ich nur das wieder, was in Studien getestet und mir durch Fernsehen und Zeitungen vermittelt wird.
    Hinzu kommen natürlich auch eigene Erfahrungswerte/Beobachtungen im näheren Umfeld. Irgendwie bekomme ich das ja auch schon seit vielen Jahren mit wie meine Freunde(innen) und Bekannten ihre Kinder gross ziehen inkl. Höhen und Tiefen, nicht zuletzt auch deswegen weil Eltern wirklich seeeeehr viel und ausgiebig über ihre Kinder erzählen können (was manchmal wirklich nervig werden kann).
    Ausserdem denke ich auch, dass die Beurteilung über Erziehungsfragen von kinderlosen Menschen vielleicht sogar objektiver ausfallen könnte, denn Eltern sind doch vielleicht viel zu sehr mit der Erziehung ihrer eigenen Sprösslinge beschäftigt um sich auch noch viel um die Erziehungsfragen anderer Leute zu kümmern ?! Ist bloss so 'ne Vermutung von mir

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von Robbie Yen

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    Sunset postete
    Ausserdem denke ich auch, dass die Beurteilung über Erziehungsfragen von kinderlosen Menschen vielleicht sogar objektiver ausfallen könnte, denn Eltern sind doch vielleicht viel zu sehr mit der Erziehung ihrer eigenen Sprösslinge beschäftigt um sich auch noch viel um die Erziehungsfragen anderer Leute zu kümmern ?! Ist bloss so 'ne Vermutung von mir
    Geniale Theorie. Auf sowas muß man auch erst mal kommen.

  4. #23
    Benutzerbild von Torsten

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    Ist doch immer wieder interessant, welche Reaktionen gesellschaftskritische Texte hervorrufen. Wie ich schon vermutet hatte, spalten sich die Reaktionen in zwei Lager: Da sind zunächst diejenigen – mir äußerst sympathischen – Zeitgenossen, die solche Einwürfe nachdenklich und selbstkritisch aufnehmen – ohne dem Autor in reflexartiger Wadenbeißer-Manier die trivialsten Motive zu unterstellen. Und dann gibt's eben diejenigen, die Trotz und Selbstgerechtigkeit dadurch tarnen, indem sie ausschweifend von Medaillen und deren Kehrseiten fabulieren – ohne zu merken, dass ihre Aufgeregtheiten meilenweit an der Intention des Autors vorbeizielen…

    @ Robbie Yen:
    Eine Pflicht zur ständigen Erreichbarkeit oder einen Zwang, immer zu jedem nett und freundlich zu sein, ist natürlich Quatsch. Dazu wurde ja auch schon das Wesentliche gesagt...
    Dummerweise wurde dazu bisher vor allem wesentlicher Quatsch gesagt… *kopfschüttel*

    Die PISA-Studie lässt grüßen: Das Verständnis von Texten scheint für manche Zeitgenossen ein essenzielles Problem darzustellen. Wer die von mir eingestellte Kolumne richtig liest und zudem in der Lage ist, auch zwischen den Zeilen zu lesen, wird bemerken, dass der Autor an keiner Stelle ständige Erreichbarkeit oder zwanghafte Freundlichkeit einfordert. Sondern schlicht darauf hinweist, dass gewisse Verhaltensweisen dazu missbraucht werden, um sich grundlegendsten Werten wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit zu entziehen.

    Wenn der Autor schreibt
    Wenn man mal nicht erreichbar ist, hilft die Schwäche des Systems: Die nicht immer hundertprozentig funktionierenden Netze erlauben jederzeit die dahingeworfene Entschuldigung: "Du, ich war temporarily not available, tut mir Leid." Und wird das Telefon ausgestellt, war eben der Akku leer oder der PIN-Code kurzfristig aus dem Gedächtnis verschwunden.
    so bezieht sich das natürlich lediglich auf Situationen, in denen Handy-Besitzer sich mit voller Absicht vor unangenehmen Momenten drücken wollen. Und nicht auf das nur allzu verständliche Verlangen, gelegentlich einfach mal alle Quasselkanäle stumm zu schalten, um ein bisschen wohlverdiente Ruhe zu genießen. Das mache ich nämlich auch immer wieder mal, ohne jegliche Gewissensbisse. Die muss ich allerdings auch nicht haben, da ich vorher bereits sämtlichen wie auch immer gearteten Zusagen oder Verpflichtungen nachgekommen bin – für mich eine Selbstverständlichkeit, über die es in meinen Augen eigentlich gar nix zu diskutieren geben sollte!

    Und das Gerücht, der Autor würde von seinen Mitmenschen permanente Freundlichkeit einfordern, ist ja an Abstrusität kaum zu toppen. Da darf man mir gerne mal eine Textpassage nennen, aus der das hervorgehen soll.
    Der Artikel ist sicherlich zwiespältig und vermischt unbedeutenden Kleinkram mit ganz essentiellen Dingen.
    Ich wüsste nicht, was hier "zwiespältig" sein sollte. Der Autor trifft mit jedem seiner Beispiele ins Schwarze, denn die kann man jeden Tag zu Dutzenden beobachten und sind für mich daher auch alles andere als "unbedeutend". Und wer die Richtigkeit seiner Beobachtungen leugnet, hat entweder das Wahrnehmungsvermögen eines Maulwurfs oder lügt sich die Welt konsequent schön. Oder lebt vielleicht in einer Enklave von erstaunlichstem Gutmenschentum.
    Das führt zu einem Sumpf von unverbindlichem Rumgeblubber und Verantwortung-im-Kreis-Rumschieben, der sich durch alle Lebensbereiche zieht.
    … z. B. gelegentlich durch dieses Forum (nicht auf dich gemünzt!)…
    Wenn ich z. B. jemandem irgend etwas zusage, dann muß ich mich halt auch verdammt noch mal dran halten.
    So ist es. Ich habe z. B. Lutz vor einigen Wochen etwas zugesagt, das ich aufgrund diverser Umstände bisher noch nicht einlösen konnte. Es war für mich jedoch selbstverständlich, ihn in regelmäßigen Abständen über den Stand der Dinge zu informieren und ihm so zu signalisieren, dass ich ihn nicht vergessen habe. In unserem kürzlich geführten ersten Telefonat wusste er dies auch zu schätzen, da er wie ich die Erfahrung gemacht hat, dass man es auch oft genug anders erlebt.

    @ sunset:
    (…) genau das ist es aber: ich denke das solche sich selbst verleugnerischen Aktivitäten eben teilweise auch aus Höflichkeit und Rücksichtsnahme entstehen (…).
    Das ist natürlich Höflichkeit an völlig falscher Stelle. Angemessen wäre hier Ehrlichkeit, um dem Betreffenden auch unangenehme Wahrheiten zu eröffnen. Ich kann jedenfalls in Worten kaum ausdrücken, wie sehr mich als Rücksichtnahme getarntes Drum-herum-Gesülze und –Geschleime anwidert.

    Was ich meinte, ist eine Situation, wie ich sie z. B. vor einigen Jahren mal erlebte, als ich eine Zeit lang bei Siemens arbeitete. Als ich einmal eine äußerst dringliche Frage zu einem bestimmten Bauteil hatte, die man dennoch simpel mit "ja" oder "nein" beantworten konnte, hielt ich nach dem Abteilungsleiter Ausschau. Ich erblickte ihn im Gespräch mit einem Kollegen, konnte in diesem Moment aber aufgrund der Umstände nicht lange auf die Beantwortung meiner Frage warten. Also ging ich zu den beiden hin und stellte mich seitlich neben sie – höflich wartend, auf dass der Abteilungsleiter von selbst das Gespräch kurz unterbrechen würde, um mir ein"Was gibt's?" zuzuwerfen. Nix passierte. Er warf mir zwischendurch zwar immer wieder einen Blick zu und konnte gar nicht übersehen, dass ich eine dringliche Frage hatte – und behandelte mich dennoch, als ob ich Luft gewesen wäre. Das Spielchen ließ ich mir vielleicht zwei oder drei Minuten gefallen (die in solchen Momenten verdammt lang werden können!), dann platzte mir der Kragen und ich unterbrach die Unterredung selbst mir der Frage, ob ich gnädigerweise kurz stören dürfe. Als der Abteilungsleiter daraufhin patzig wurde, konfrontierte ich ihn mit der Frage, ob er schon mal was von Höflichkeit und Manieren gehört habe – sein Verhalten ließ darauf jedenfalls nicht schließen.

    Hier wusste nämlich einfach jemand meine Höflichkeit nicht zu schätzen, nicht einfach dreist in ein laufendes Gespräch zu platzen, sondern kurz zu warten. Nur war dem Kerl das offensichtlich scheißegal - der erwartete wohl allen Ernstes, dass ich bis zum Sanktnimmerleinstag seiner unwichtigen Privatunterredung lauschte. Und solchen Typen kann man gar nicht deutlich genug die Meinung geigen…

  5. #24
    Benutzerbild von Robbie Yen

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    @ Torsten

    Torsten postete
    Wer die von mir eingestellte Kolumne richtig liest und zudem in der Lage ist, auch zwischen den Zeilen zu lesen, wird bemerken, dass der Autor an keiner Stelle ständige Erreichbarkeit oder zwanghafte Freundlichkeit einfordert. Sondern schlicht darauf hinweist, dass gewisse Verhaltensweisen dazu missbraucht werden, um sich grundlegendsten Werten wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit zu entziehen.
    Wo Du Recht hast, hast Du Recht. Da hab ich doch glatt den Artikel selbst mit einem der folgenden Postings vermischt. Das kommt davon, wenn man solche Sachen unter Zeitdruck in der Frühstückspause liest.



    Das mache ich nämlich auch immer wieder mal, ohne jegliche Gewissensbisse. Die muss ich allerdings auch nicht haben, da ich vorher bereits sämtlichen wie auch immer gearteten Zusagen oder Verpflichtungen nachgekommen bin – für mich eine Selbstverständlichkeit, über die es in meinen Augen eigentlich gar nix zu diskutieren geben sollte!
    Da dürftest Du allerdings der einzige sein. Ich kenne niemanden, mich natürlich eingeschlossen, der immer allen seinen Verpflichtungen nachkommen würde (vielleicht kenn ich aber auch bloß die falschen Leute).

    Und da kann man meiner Meinung nach durchaus zwischen "wichtig" und "weniger wichtig" unterscheiden. Und nicht aus Prinzip auf jeder Kleinigkeit rumzureiten, mag zwar inkonsequent sein, macht das Leben aber nun mal für alle Beteiligten leichter.

    Paßt zwar nicht 100%tig und mir fällt auch grad nicht ein, von wem das ist, aber trotzdem noch ein Zitat: Wer immer die Wahrheit sagt, den kann niemand auf Dauer ertragen.

  6. #25
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Also ich gehör auch zur eher unhöflichen Fraktion:

    - Mein Anrufbeanatworter hat, wenn ich zu Hause bin, selbstverständlich die Funktion, erstmal zu sehen, wer dran ist.

    - Der Vorteil der e-mail besteht für mich in erster Linie darin, daß der Absender nicht wissen kann, ob ich sie schon eingesehen habe.

    - Und ein Handy habe ich mir gar nicht erst gekauft (und wenn ich mir demnächst eins anschaffe, werden dies nur Arbeitskollegen erfahren.)

    - Für Zuspätkommen entschuldige ich mich grundsätzlich erst bei Überschreiten der "Halbe-Stunde-Unschärfe-Relation". (Was würden die Leute eigentlich machen, wenn die verdammte Uhr nicht erfunden worden wäre?)

    - An Zusagen, die mir "zwischen Tür und Angel" abgerungen wurden, fühle ich mich nicht zwingend gebunden.

    Was für eine idyllische Vorstellung hat der Autor eigentlich vom modernen Leben. Kennt er nicht diese Leute, die sich einfach nur gerne reden hören, und die geschickt darin sind, andere zu überrumpeln und zu irgendwelchen Zusagen "breitzuschlagen", die sich zur Not auf irgendwas berufen, was man mal so zwischendurch laut gedacht hat (nach dem Motto: "Alles was sie sagen, kann vor Gericht ...").

    Ist der sich denn nicht bewußt, was für Spannungen und langwierige Diskussionen entstehen würden, wenn man einfach mal öfters wahrheitsgemäß sagen würde: "Du, da hab ich jetzt echt kein Nerv drauf." oder "Ach nö, nicht jetzt!" oder "Ist denn das wirklich sooo wichtig?"

    Aber mal ganz im Ernst
    Ich denke, das Problem rührt daher, daß die sozialen Beziehungen des Menschen heute viel weiter gespannt und komplizierter sind, und daher auch mehr Termin- und Loyalitäts-Konflikte mit sich bringen, die mit den traditionellen Höflichkeits- und Zuverlässigkeits-Normen nicht mehr in Einklang zu bringen sind.

    Das persönliche Umfeld teilt sich zunächst in drei Kreise, die miteinander meist nix zu tun haben: Firma, Freunde und Verwandte. In der Firma gibt es heute i. d. R. eine immer größere Fluktuation und schneller wechselnde Strukturen (v. a. aber zunehmede Überstunden!), der Freundeskreis hat sich seit der Schulzeit immer mehr nach Themen und "Szenen" ausdifferenziert (hinzu kommen zeitweilige Liebesbeziehungen), die Familie zerfällt in die moderne "eigentliche" Familie (Eltern, Geschwister) und dann - "Ach ja!" - noch die Großeltern und Onkel/Tanten, mit denen man lebensweltlich im Grunde nix zu tun hat, die man ja aber "irgendwie" auch nicht ganz vergessen darf. - Und wenn man Pech hat, verteilt sich das ganze heutzutage auch noch auf unterschiedliche Städte!

    Die einzige Möglichkeit, die traditionellen Höflichkeits- und Zuverlässigkeits-Normen einzuhalten, wäre die, ein paar Leute einfach ganz von "von der Liste zu streichen", aber das will man ja auch nicht!

  7. #26
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Also ich gehör auch zur eher unhöflichen Fraktion:

    - Mein Anrufbeanatworter hat, wenn ich zu Hause bin, selbstverständlich die Funktion, erstmal zu sehen, wer dran ist.

    - Der Vorteil der e-mail besteht für mich in erster Linie darin, daß der Absender nicht wissen kann, ob ich sie schon eingesehen habe.

    - Und ein Handy habe ich mir gar nicht erst gekauft (und wenn ich mir demnächst eins anschaffe, werden dies nur Arbeitskollegen erfahren.)

    - Für Zuspätkommen entschuldige ich mich grundsätzlich erst bei Überschreiten der "Halbe-Stunde-Unschärfe-Relation". (Was würden die Leute eigentlich machen, wenn die verdammte Uhr nicht erfunden worden wäre?)

    - An Zusagen, die mir "zwischen Tür und Angel" abgerungen wurden, fühle ich mich nicht zwingend gebunden.

    Was für eine idyllische Vorstellung hat der Autor eigentlich vom modernen Leben. Kennt er nicht diese Leute, die sich einfach nur gerne reden hören, und die geschickt darin sind, andere zu überrumpeln und zu irgendwelchen Zusagen "breitzuschlagen", die sich zur Not auf irgendwas berufen, was man mal so zwischendurch laut gedacht hat (nach dem Motto: "Alles was sie sagen, kann vor Gericht ...").

    Ist der sich denn nicht bewußt, was für Spannungen und langwierige Diskussionen entstehen würden, wenn man einfach mal öfters wahrheitsgemäß sagen würde: "Du, da hab ich jetzt echt kein Nerv drauf." oder "Ach nö, nicht jetzt!" oder "Ist denn das wirklich sooo wichtig?"

    Aber mal ganz im Ernst
    Ich denke, das Problem rührt daher, daß die sozialen Beziehungen des Menschen heute viel weiter gespannt und komplizierter sind, und daher auch mehr Termin- und Loyalitäts-Konflikte mit sich bringen, die mit den traditionellen Höflichkeits- und Zuverlässigkeits-Normen nicht mehr in Einklang zu bringen sind.

    Das persönliche Umfeld teilt sich zunächst in drei Kreise, die miteinander meist nix zu tun haben: Firma, Freunde und Verwandte. In der Firma gibt es heute i. d. R. eine immer größere Fluktuation und schneller wechselnde Strukturen (v. a. aber zunehmede Überstunden!), der Freundeskreis hat sich seit der Schulzeit immer mehr nach Themen und "Szenen" ausdifferenziert (hinzu kommen zeitweilige Liebesbeziehungen), die Familie zerfällt in die moderne "eigentliche" Familie (Eltern, Geschwister) und dann - "Ach ja!" - noch die Großeltern und Onkel/Tanten, mit denen man lebensweltlich im Grunde nix zu tun hat, die man ja aber "irgendwie" auch nicht ganz vergessen darf. - Und wenn man Pech hat, verteilt sich das ganze heutzutage auch noch auf unterschiedliche Städte!

    Die einzige Möglichkeit, die traditionellen Höflichkeits- und Zuverlässigkeits-Normen einzuhalten, wäre die, ein paar Leute einfach ganz von "von der Liste zu streichen", aber das will man ja auch nicht!

  8. #27
    Benutzerbild von Torsten

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    @ Robbie Yen:
    Wo Du Recht hast, hast Du Recht. Da hab ich doch glatt den Artikel selbst mit einem der folgenden Postings vermischt. Das kommt davon, wenn man solche Sachen unter Zeitdruck in der Frühstückspause liest.
    Freut mich, dass du zu dieser Einsicht gelangt bist. Wie heißt es doch so schön: "Zu erkennen, dass man sich geirrt hat, ist ja nur das Eingeständnis, dass man heute schlauer ist als gestern."
    Da dürftest Du allerdings der einzige sein. Ich kenne niemanden, mich natürlich eingeschlossen, der immer allen seinen Verpflichtungen nachkommen würde (vielleicht kenn ich aber auch bloß die falschen Leute).
    Kommt darauf an, was man sich so alles aufhalst... Ich habe kein Mitleid mit Menschen, die sich selbst leichtfertig viel zu viele Verpflichtungen auferlegen, anstatt auch mal ein bisschen mehr an sich selbst zu denken. So könnte man seine festen Zusagen nämlich auf die wesentlichen Dinge beschränken und diese auch locker einhalten. Wenn man aber ohne groß über die Folgen nachzudenken leichtfertig irgendwelche Zugeständnisse macht, darf man sich nicht wundern, wenn man dadurch in Stress gerät, andere Mitmenschen vernachlässigt und so deren Unmut auf sich zieht.

    Da beißt die Maus keinen Faden ab: Vielen ist einfach nur ihr Zeitmanagement völlig entglitten. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich übrigens auch an einen Satz von DeeTee aus meinem Thread "Die neue Zeitlichkeit":
    Viele Menschen haben nicht begriffen, dass man nicht Zeit hat, sondern dass man sich Zeit nimmt. Vielen Menschen ist dass Bewusstsein für diesen Vorgang abhanden gekommen; sie sind dann eilig und das ständig.
    Für mich sind das mit die klügsten Sätze, die ich in diesem Forum jemals gelesen habe…

    Im Übrigen bezog sich meine Aussage ja auch nur auf telefonische Verpflichtungen. Wenn ich meine Ruhe haben will und die Quasselkameraden abschalte, überlege ich eben vorher, ob ich mit jemandem dahingehend noch was zu klären habe. Und wenn das nicht der Fall ist, kann ich beruhigt den "Aus"-Knopf betätigen.

    Ich frage mich ernsthaft, was daran so schwierig sein soll…
    Und da kann man meiner Meinung nach durchaus zwischen "wichtig" und "weniger wichtig" unterscheiden.
    Schon richtig. Aber warum lässt man sich bei den "weniger wichtigen" Dingen dann überhaupt zu einer Verpflichtung oder Zusage hinreißen?
    Paßt zwar nicht 100%tig und mir fällt auch grad nicht ein, von wem das ist, aber trotzdem noch ein Zitat: Wer immer die Wahrheit sagt, den kann niemand auf Dauer ertragen.
    Oder wie wär's hiermit: "Aufrichtigkeit um jeden Preis ist die Tugend derjenigen, denen es an Phantasie und Taktgefühl mangelt."

    Tja, insofern mangelt es mir wohl besonders eklatant an Phantasie und Taktgefühl – mit meinem Drang, möglichst häufig die Wahrheit zu sagen, stoße ich in der Tat nicht selten auf pikierte Gesichter…


    @ Die Luftgitarre:
    Ich denke, das Problem rührt daher, daß die sozialen Beziehungen des Menschen heute viel weiter gespannt und komplizierter sind, und daher auch mehr Termin- und Loyalitäts-Konflikte mit sich bringen, die mit den traditionellen Höflichkeits- und Zuverlässigkeits-Normen nicht mehr in Einklang zu bringen sind.
    Liest sich auf den ersten Blick recht einleuchtend. Mutet mir aber auf den zweiten Blick eher wie ein Sympton der immer weiter um sich greifenden ausrederitis akuta an. Wer sich in seinem Dschungel aus Terminen und Zusagen kaum noch zurechtfindet, sollte sein Leben mal eingehend überprüfen!

    Vielleicht sollten sich derlei Zeitgenossen einfach mal ein Buch wie "Simplify Your Life" zulegen. Ist nicht alles besonders originell, was da drin steht – aber richtig allemal. Und manche scheinen ja selbst auf die simpelsten Methoden der "Alltagsrationalisierung" nicht zu kommen…
    Die einzige Möglichkeit, die traditionellen Höflichkeits- und Zuverlässigkeits-Normen einzuhalten, wäre die, ein paar Leute einfach ganz von "von der Liste zu streichen", aber das will man ja auch nicht!
    Warum nicht? Weil man manche dieser Leute ja noch für irgendwelche Zwecke "gebrauchen" könnte, oder was? Ich habe vor einigen Jahren damit begonnen, meinen Freundes- und Bekanntenkreis rigoros "auszumisten". Also sämtliche Kontakte abgebrochen, die eh nur noch halbherzig aufrechterhalten wurden und die einem auf Dauer mehr Ärger als Freude machten. Dann hat man anschließend eben keinen exaltiert großen Bekanntenkreis mehr, aber dafür einige wenige echte Freunde, auf die man sich verlassen kann. Über diejenigen, die immer erzählen, was für einen ach so großen Freundeskreis sie doch hätten, kann ich mich mittlerweile sowieso nur noch amüsieren…

    Aber vielleicht hatte Erich Kästner ja doch Recht:

    "Entweder man lebt, oder man ist konsequent."

  9. #28
    Benutzerbild von Robbie Yen

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    @ Torsten

    Kommt darauf an, was man sich so alles aufhalst... Ich habe kein Mitleid mit Menschen, die sich selbst leichtfertig viel zu viele Verpflichtungen auferlegen, anstatt auch mal ein bisschen mehr an sich selbst zu denken. So könnte man seine festen Zusagen nämlich auf die wesentlichen Dinge beschränken und diese auch locker einhalten. Wenn man aber ohne groß über die Folgen nachzudenken leichtfertig irgendwelche Zugeständnisse macht, darf man sich nicht wundern, wenn man dadurch in Stress gerät, andere Mitmenschen vernachlässigt und so deren Unmut auf sich zieht.
    ...oder aufgehalst bekommt. Ich weiß ja nicht, was Du beruflich machst, aber ich bin leider nicht in der glücklichen Lage, mir jeden Morgen erst mal in Ruhe zu überlegen, wie ich die nächsten zehn Stunden so verbringen will. Mein Tag ist nun mal zu einem guten Teil fremdbestimmt (Chef, Geschäftsführung, Kunden oder ganz einfach der chaotische Verlauf der Dinge...). Und die Antwort "Leck mich am Arsch" oder "besorg Dir deine Zahlen doch selber" hat noch keine Karriere wirklich gefördert.

    Aber warum lässt man sich bei den "weniger wichtigen" Dingen dann überhaupt zu einer Verpflichtung oder Zusage hinreißen?
    Weil z. B. die Meinung meines Chefs (und gelegentlich auch die meiner Frau) bezüglich "wichtig" oder "unwichtig" hin und wieder von meiner abweicht. Und bei Dingen, die er mir im Vorbeigehen reindrückt und erfahrungsgemäß am nächsten Tag eh wieder vergessen hat, hab ich kein Problem "jaja" zu murmeln und den Aufwand dann anzupassen (sprich gar nix tun).

    Aber vielleicht hatte Erich Kästner ja doch Recht:

    "Entweder man lebt, oder man ist konsequent."
    Nicht nur vielleicht, da hat er wohl definitiv recht.

  10. #29
    Benutzerbild von
    Robbie Yen postete
    @ Torsten

    Ich weiß ja nicht, was Du beruflich machst, aber ich bin leider nicht in der glücklichen Lage, mir jeden Morgen erst mal in Ruhe zu überlegen, wie ich die nächsten zehn Stunden so verbringen will. Mein Tag ist nun mal zu einem guten Teil fremdbestimmt (Chef, Geschäftsführung, Kunden oder ganz einfach der chaotische Verlauf der Dinge...). Und die Antwort "Leck mich am Arsch" oder "besorg Dir deine Zahlen doch selber" hat noch keine Karriere wirklich gefördert.
    Klar ist, dass man auch im Job "nein" sagen können muss. Nicht jeder Hinweis darauf, dass man "zu" ist, ist gleich Arbeitsverweigerung. Klar ist aber auch, dass die Leistungsdichte an einem normal-deutschen Arbeitsplatz immer höher wird. Zunächst wurde sie das durch die Arbeitszeitverkürzung (die Arbeit wurde ja nicht weniger und neue Jobs im Gegensatz zu Gewerkschaftsträumereien nicht geschaffen, d. h. also die gleiche Arbeit in weniger Zeit). Anschließend, nach der Ausdünnung der Stellen zur Refinanzierung des ganzen und im Zuge der Verlagerung von immer mehr Tätigkeiten ins Ausland, dehnte sie sich auf inoffizielle Überstunden aus (d. h, viele haben offiziell immer noch 35 Stundenwoche, aber gleich noch >=10 Stunden auf ein Gleitzeitkonte pro Woche oben drauf, dass niemals abgeräumt wird). Die "wichtig"/"unwichtig"-Methode kommt mir übrigens bekannt vor.... ;-)

    D. h. es gibt in diesem Land mittlerweile eine Menge Leute mit chronischem "Burnout" (früher nur bekannt aus Pflegeberufen, z. B. Pflegekräfte im Schichtdienst, heute auch in Call-Centern völlig selbstverständlich). Die Zahl der Krankschreibungen wegen solcher Ermüdungserscheinungen nimmt jedes Jahr Rekordhöhen an. Es ist klar, dass unter solchen Umständen vieles für immer mehr Menschen weit über den Job hinaus zu viel wird. Mit Benimm- und Buchtipps ist diesem Massenphänomen nicht mehr beizukommen. Dieses Verhalten hat eben nicht nur ausschließlich triviale Ursachen (pure Faulheit, kein Benehmen etc.) und ist auch teilweise fremdbestimmt.

    Diese Sicht der Dinge mag nicht der "Intention des Autors" entsprechen. Sie entspricht allerdings der erlebten Realität in diesem Land. Es ist m. E. wie immer erlaubt, hier unterschiedlicher Meinung zu sein, ohne sich an die Gurgel zu gehen oder sich abfällig über andere Poster zu äußern.

    Im übrigen möchte ich hier nur anmerken, dass ich durch die Schilderung der o. g. Gründe für evtl. Fehlverhalten nicht ausgesagt habe, dass ich persönlich mich so verhalte oder das dieser Zustand in irgendeiner Weise positiv zu bewerten ist. Es geht mir nur darum, dass auch diese Medaille zwei Seiten hat und es in vielen Fällen mit dem Verständnis hapert, wenn Zusagen von Menschen gebrochen werden, die sie liebend gerne gehalten hätten und die durchaus ein schlechtes Gewissen plagt, weil sie sie nicht halten konnten. Es ist einfach auf die Einhaltung von Zusagen zu pochen und für eine Nicht-Einhaltung per se kein Verständnis aufbringen zu wollen und zu können. Es ist schwer die Nicht-Einhaltung zu verstehen und Verständnis dafür aufzubringen. Manchmal sollte man es sich aber eben auch nicht zu einfach machen....

    Torstens letzte Anmerkung beinhaltete allerdings schon auch wahres und jeder kann sich mal daraufhin testen: Viele Leute halten sich einen großen Freundeskreis warm, um bei Bedarf von einzelnen Kontakten zu profitieren (z. B. mal ein Auto billiger ab Werk kaufen können o. ä.). Wenns dann mit dem Einhalten und Koordinieren von Zusagen hapert, sehe ich das auch eher kopfschüttelnd... Ich bevorzuge ebenfalls einen kleinen aber feinen Freundeskreis den ich pflegen kann und mache das nicht daran fest, ob ich irgendwelche materiellen Vorteile daraus ziehen kann. Für solche Spielchen ist mir meine Zeit nämlich zu schade...

    Dave

  11. #30
    Benutzerbild von midnight_angel

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    da wir alle Menschen sind (und damit jeder Menge Unwägbarkeiten ausgesetzt sind) ist es doch komplett normal, wenn man mal eine Zusage brechen muss.

    Oder wie ist folgender Fall zu bewerten: Frau verabredet sich mit Freundin zum Kaffee. Kleine Tochter fällt vom Hochbett und bricht sich den Arm. Soll Frau dann vielleicht erst an ihre (zugegebenermaßen im Verhältnis eher unwichtige) Verabredung denken und dieser Freundin abtelefonieren oder doch vielleicht sich ausschließlich um ihre Tochter kümmern???

    Okay, das war jetzt vielleicht ein extremes Beispiel. Aber es ist doch so, das es einfach passieren KANN, das man eine Zusage nicht einhalten kann.

    Gruß, Antje

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