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Lässig, zu lässig, unzuverlässig...

Erstellt von Torsten, 17.09.2003, 20:34 Uhr · 41 Antworten · 2.642 Aufrufe

  1. #31
    Benutzerbild von Torsten

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    @ midnight angel:
    da wir alle Menschen sind (und damit jeder Menge Unwägbarkeiten ausgesetzt sind) ist es doch komplett normal, wenn man mal eine Zusage brechen muss.

    Oder wie ist folgender Fall zu bewerten: Frau verabredet sich mit Freundin zum Kaffee. Kleine Tochter fällt vom Hochbett und bricht sich den Arm. Soll Frau dann vielleicht erst an ihre (zugegebenermaßen im Verhältnis eher unwichtige) Verabredung denken und dieser Freundin abtelefonieren oder doch vielleicht sich ausschließlich um ihre Tochter kümmern???

    Okay, das war jetzt vielleicht ein extremes Beispiel. Aber es ist doch so, das es einfach passieren KANN, das man eine Zusage nicht einhalten kann.
    Ich werd' bald wahnsinnig…

    Für alle zum Mitschreiben:

    In diesem Thread, in dieser Kolumne geht es nicht darum, dass man mal was vergessen kann. Es geht nicht darum, dass einem mal was dazwischenkommen kann. Es geht nicht darum, von allen Menschen Perfektion einzufordern. Und es geht explizit nicht darum, sämtliche Eventualitäten einkalkulieren zu müssen!

    Glaubt denn hier jemand allen Ernstes, dass der Autor sich tatsächlich über sämtliche Zeitgenossen erhebt in dem Glauben, er sei perfekt und alle anderen müssten sich selbst für die kleinsten Versäumnisse schämen?

    Hier die entscheidenden Passagen:
    Da wird gleich klar, dass es sich nicht um das übliche Vergessen handelt, diese markante Abnahme des Kurzzeitgedächtnisses bei Menschen, die gerade mal die 30 überschritten haben. Es geht um das kalkulierte Vergessen.
    und
    Das wirklich Empörende an der Misere aber ist die Selbstverständlichkeit, mit der über Aussagen, Vereinbarungen und Versprechen hinweggesehen wird, wenn sie gerade nicht in den Kram passen.
    Eben: Es geht darum, dass z. B. moderne Kommunikationstechnik mittlerweile häufig als Ausredenplattform missbraucht wird. Es geht darum, dass sich um Verantwortung gedrückt wird (Kunden der Telekom sollten wissen, was gemeint ist!). Es geht darum, das grundlegendste Werte zwar angeblich hochgehalten, aber in Wahrheit oft ziemlich vernachlässigt werden.

    Darüber darf man sich durchaus mal Gedanken machen, ohne sich gleich auf die Zehen getreten zu fühlen. Denn wenn man ehrlich ist, haben sich manche Verhaltensweisen über die Jahre hinweg bei fast allen von uns so nach und nach eingeschlichen. Und da ist ein solch mahnender Einwurf durchaus legitim und angebracht, denn er könnte eventuell ein ganz kleines bisschen dazu beitragen, den Umgang miteinander wieder zu verbessern.

    @ Robbie Yen:
    ...oder aufgehalst bekommt. Ich weiß ja nicht, was Du beruflich machst, aber ich bin leider nicht in der glücklichen Lage, mir jeden Morgen erst mal in Ruhe zu überlegen, wie ich die nächsten zehn Stunden so verbringen will. Mein Tag ist nun mal zu einem guten Teil fremdbestimmt (Chef, Geschäftsführung, Kunden oder ganz einfach der chaotische Verlauf der Dinge...). Und die Antwort "Leck mich am Arsch" oder "besorg Dir deine Zahlen doch selber" hat noch keine Karriere wirklich gefördert.
    Zwischen devoter Selbstaufgabe und einem "Leck mich am Arsch" gibt's aber sicherlich noch ein paar andere Alternativen…

    Dass man sich an seinem Arbeitsplatz manchmal nicht wehren kann, etwas aufgehalst zu bekommen, ist klar. Allerdings geht es hier in erster Linie um die Verpflichtungen im privaten Rahmen, nicht um beruflichen Stress. Wenn ich einem guten Freund vorlüge, dass ich seine Mail oder SMS nicht erhalten habe, hat das jedenfalls reichlich wenig mit meinem Berufsleben zu tun…

  2.  
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  3. #32
    Benutzerbild von Robbie Yen

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    Torsten postete
    Zwischen devoter Selbstaufgabe und einem "Leck mich am Arsch" gibt's aber sicherlich noch ein paar andere Alternativen….
    ...ist mir bekannt

    Torsten postete
    Dass man sich an seinem Arbeitsplatz manchmal nicht wehren kann, etwas aufgehalst zu bekommen, ist klar. Allerdings geht es hier in erster Linie um die Verpflichtungen im privaten Rahmen, nicht um beruflichen Stress. Wenn ich einem guten Freund vorlüge, dass ich seine Mail oder SMS nicht erhalten habe, hat das jedenfalls reichlich wenig mit meinem Berufsleben zu tun…
    Da haben wir dann wohl aneinander vorbeigeredet. Mir kommt es allerdings so vor, als hätte sich der Umgang miteinander im beruflichen Umfeld in den letzten Jahren noch wesentlich stärker in die geschilderte Richtung bewegt, als im privaten Bereich.

  4. #33
    Benutzerbild von Heinzi

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    Aus aktuellem Anlass mein Umfeld betreffend ist mir dieser Thread eingefallen, zu dem ich mich damals nicht geäussert hatte.
    Ich hab´ ihn mir gerade nochmals duchgelesen und dabei festgestellt, dass mir einige Aussagen, insbesondere aus dem Artikel selbst sowie von Torsten, der seine eigene Haltung beschreibt, in einem Ausmass aus dem Herzen sprechen, wie es schon lange kein Text mehr getan hat.

    Obwohl ich damit eigentlich nix Neues mehr beisteuere, ist es mir doch ein Bedürfnis, noch was Grundsätzliches aus meiner Sicht zu äussern. Vielleicht wird die Diskussion dadurch ja auch nochmals in Gang gebracht, wert wär´ sie´s auf jeden Fall...
    Auch ich kann geradezu richtig wütend werden oder aber schier verzweifeln angesichts des Verhaltens vieler Leute in Sachen Höflichkeit und Verlässlichkeit, die es etwa nicht für nötig halten, Verabredungen einzuhalten, eine Verzögerung, die natürlich passieren kann, wenigstens vorab, oder ausnahmsweise nachträglich, zu kommunizieren und oftmals meinen, ein simples Schweigen als (abschlägige) Antwort genügen lassen zu müssen.
    Besonders eklig finde ich dabei die auch im Artikel angesprochene Möglichkeit, auf´m Natel einen Anruf abzuweisen, also "wegzudrücken".
    Jedesmal, wenn mir selber sowas passiert, und ich nicht bald darauf ´ne Mitteilung zurück erhalte, bild´ ich mir ein, ich sei vom Angerufenen mit Sicherheit identifiziert worden und bewusst, ohne guten Grund, und somit als Mensch "weggedrückt" worden...

    Dass hin und wieder eine, nennen wir´s, "indirekte" Vorgehensweise durchaus der direkten, unverblümten Offenbarung einer negativen Haltung vorgezogen werden kann, und man, konkret, trotz Natel, mal das Bedürfnis haben kann, für niemanden erreichbar zu sein, ist für mich selbstverständlich und lässt sich auch ohne Weiteres mit meiner gerade skizzierten Meinung vereinbaren.

    Und wie´s, ganz einfach, geht, sei an diesem Beispiel kurz erklärt:

    Sunset postete
    z.B. Frau.A hat Herrn.X etwas in eigener Überzeugung zugesagt...plötzlich kommen ein Haufen Aktionen und Arbeiten auf Frau A zu, aber bei Herrn.X liegt derzeit nix weiter an, hat lange Weile und komprimiert seine Freizeit auf das von Frau A Zugesagte und fängt durch mehrmaliges Nachfragen an zu nerven......um nun Herrn X tacheles zurück zu weisen stehen Frau A eben vielleicht genau diese Charaktereigenschaften Höflichkeit und Rücksichtnahme im Weg was bedeutet, dass Frau A lieber das Handy ausschaltet oder sich vertleugnen lässt, anstatt dem mittlerweile nervigen Herrn X vor den Kopf zu stossen..
    "Liebe Frau A., teilen Sie Herrn X. einfach möglichst bald mit, dass sich die Sache verzögert oder vielleicht sogar ausfallen muss, was beides, wie erwähnt, natürlich passieren kann, und beschränken Sie sich gefälligst nicht auf´s blosse Schweigen und stehlen Sie sich auch nicht anderweitig aus der Verantwortung! Dann wird Herr X., der völlig im Recht ist, zwangsläufig damit aufhören, "nervend" "nachzufragen". Ist das verstanden, verehrte Frau A.?!?"

    Ist doch wirklich ganz einfach...

  5. #34
    Benutzerbild von
    Heinzel postete
    Besonders eklig finde ich dabei die auch im Artikel angesprochene Möglichkeit, auf´m Natel einen Anruf abzuweisen, also "wegzudrücken".
    Jedesmal, wenn mir selber sowas passiert, und ich nicht bald darauf ´ne Mitteilung zurück erhalte, bild´ ich mir ein, ich sei vom Angerufenen mit Sicherheit identifiziert worden und bewusst, ohne guten Grund, und somit als Mensch "weggedrückt" worden...
    Was ist denn ein "guter Grund" weggedrückt zu werden und wie stellt man das als Weggedrückter fest bzw. auf welcher Basis kann man das beurteilen? Ich frage das jetzt einfach mal ganz naiv und schildere mal meine Sicht als gelegentlicher Wegdrücker:

    Ich habe ein Mobiltelefon, weil ich damit für Dinge erreichbar bin, die man mir (meint?) unbedingt zeitnah mitteilen zu müssen, während ich nicht zu Hause erreichbar bin. Dies gilt insbesondere während der Arbeitszeit, während der ich eben - wie der Name schon sagt - arbeite. Das ist bei mir so in etwa ein 8,5-10 stündiger Zeitraum zwischen 9 und 19 Uhr, während dem man i.d.R. fest damit rechnen kann, dass ich in der Firma bin.

    Während dieser Zeit nehme ich tatsächlich ziemlich selektiv Gespräche an, denn ich weiss mittlerweile (renne nun schon seit 10 Jahren mit so einem Teil rum und kenne meine Pappenheimer) wer nur Langeweile hat und mir erzählen will, dass er sich gerade ne' neue DVD oder irgendwelche Klamotten gekauft hat (da ist z. B. jemand der den ganzen Tag Zeit und trotzdem genug Kohle und genug Langeweile um sie sich damit zu vertreiben).

    Diese Person mag es nun vielleicht genauso unhöflich und unbegründet finden, dass ich ihren Anruf nicht annehme. Das liegt aus meiner Sicht allerdings daran, dass dieser jemand dem Argument, dass ich in dieser Zeit für mein Geld arbeite und es einfach nicht einsehe ständig am Mobiltelefon über absolut unwichtigen Privatkram zu labern, nicht sehr viel Beachtung schenkt. Vielleicht würden mich derlei Themen aber auch einfach nach Feierabend sogar etwas mehr interessieren, wenn ich nicht gerade im "Arbeitsfluss" bin und froh bin, wenn ich irgendwie auch dann wieder rauskomme, wie ich es mir vorgenommen habe - schließlich gehe auch ich nur arbeiten um zu Leben. In diesem Fall werden genannte Person und ich aber sicherlich genauso unterschiedlicher Meinung sein wie wir jetzt hier. Beide werden wir uns absolut im Recht sehen, denn es ist ja auf beiden Seiten kein Bewusstsein dafür da etwas ungehöriges zu tun. Nur finde ich es für meinen Teil eben viel eher unhöflich mich zu dieser Zeit wegen Nichtigkeiten mobil anzurufen, obwohl man genau weiss, dass es sehr wahrscheinlich gerade nicht sehr günstig ist. Konsequenz war: Roten Hörer drücken.

    Mittlerweile habe ich mein Verhalten diesbezüglich aber geändert: Ich drücke nicht mehr weg. Ich habe auf der Arbeit sowieso nur den Vibrationsalarm an (es stört also keinen wenn es ewig bimmelt) und einfach meine Mailbox abgeschaltet (wer mir tagsüber nur Nonens berichten will, spricht erfahrungsgemäß zu 99% sowieso nicht drauf und ich höre nur noch das KLACK, fand ich dann auch immer prickelnd...). D. h. niemand wird mehr weggedrückt, jeder kann klingeln solange er will. Dran gehen werde ich aber eben tagsüber nur, solange ich unterstellen kann, dass es wirklich um etwas halbwegs relevantes geht und es gerade möglich ist.

    Alle die meine mobile Erreichbarkeit in der Vergangenheit für (ich schreib das jetzt einfach mal so platt) "jeden Scheiss" missbraucht haben und diesbezüglich trotz entsprechender Ansagen absolut lernresistent sind, müssen sich dann jetzt meinetwegen grämen wie ihr es auch tut. Und sie tun es mit der gleichen Überzeugung wie ihr. Wobei ich bei Euch natürlich nicht weiss warum ihr weggedrückt werdet und will diesbezüglich auch absolut nichts unterstellt haben!!! Es wird da immer verschiedene Gründe und Sichtweisen geben - nur beim "sich ungerecht behandelt fühlen", sind sich dann wieder alle einig.

    Dave

  6. #35
    Benutzerbild von Heinzi

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    Selbstverständlich gehört für mich zu einem höflichen Verhalten auch eine Abwägung zwischen Eigen- und Fremdinteressen dazu, bevor ich jemanden anrufe. Da ich mittlerweile auf empfundene Unhöflichkeit, sofern sie bei einer bestimmten Person kein Einzelfall darstellt, auf gleichem Niveau reagiere, haben es chronische "Störer" durchaus "verdient", eine klare Haltung des Angerufenen präsentiert zu bekommen.
    Auch hab´ ich dargelegt, "weggedrückt" zu werden, nur dann als "eklig" zu empfinden, wenn ich nicht danach innert vernünftiger Frist eine Rückmeldung erhalte, woraus ersichtlich wird, dass es auch für mich durchaus "gute Gründe" für eine solche Aktion geben kann, die ich dann aber wenigstens durch Eigeninitiative des Anderen erklärt bekommen möchte. Definitiv ein "guter Grund" ist, während einer wichtigen Arbeit nicht gestört zu werden, wobei sich, wie erwähnt, notorische "Aus-Langweile-Störer" im Sinne einer Interessenabwägung, die wohl auch der Angerufene vornimmt, eine niedrigere Hemmschwelle für eine Abweisung bzw. eine höhere betreffend eine nachträgliche Erklärung gefallen lassen müssen.
    Da mir das abrupte, an ein Auflegen ohne vorherige Verabschiedung während eines Gespräches erinnernde Besetzt-Zeichen, welches auf´s "Wegdrücken" folgt, persönlich einfach auf die Nerven geht, ziehe ich im Übrigen eine Abweisung am Natel dadurch vor, dass schlicht nicht rangegangen wird und eventuell die Sprachbox zum Zuge kommt. Entsprechend lasse ich, der oftmals das Bedürfnis hat, nicht erreichbar zu sein, das Natel etwa auch häufig zu Hause, drücke aber nur in Ausnahmefällen, bei akuter Störung, jemanden weg.

  7. #36
    Benutzerbild von
    Heinzel postete
    Entsprechend lasse ich, der oftmals das Bedürfnis hat, nicht erreichbar zu sein, das Natel etwa auch häufig zu Hause, drücke aber nur in Ausnahmefällen, bei akuter Störung, jemanden weg.
    Jepp, so sollte man es viel öfter machen Übrigens ein Traum für Swisscom, dass "Natel" bei Euch mit Mobiltelefon gleichgesetzt wird. Nach dem Satz "Ich lasse heute mein Vodafone zu Hause", würde sich Vodafone wohl alle Finger lecken *g* Unbezahlbar!

    Ich habe auch nochmal was zum Thema "lässig, zu lässig, unzuverlässig" & Handy bei zu tragen... ich weiss gar nicht, ob das hier schon in der Form angerissen wurde:

    Wie seht ihr das: Früher hat man sich für eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort verabredet. Wenn dann einer nicht zur rechten Zeit da war, bist Du nach 10-15 Minuten verärgert abgezogen und hast demjenigen am nächsten Tag Deinen Unmut mitgeteilt. Sowas ist mir seit Jahren nicht mehr passiert, denn wenns mal später wird oder kurzfristig was dazwischen kommt, bekommt man heutzutage i.d.R noch rechtzeitig einen Anruf auf dem Mobiltelefon, weiss entweder das es nicht klappt, auf welche Verspätung man sich ggf. einzustellen hat bzw. kann man sagen, dass es einem dann zu spät wird und steht nich doof in der Gegend rum.

    Ist das dann immer noch unzuverlässig, zu lässig oder eigentlich ganz in Ordnung bzw. wenigstens verträglich? Ich meine mal in normalem Rahmen (also nicht gerade jedes 2. bis 3. Mal von der gleichen Person). Ich habe da ehrlich gesagt meinerseits wiederum auch kein Problem mit oder fühle mich gar zurückgesetzt, wenn mir *mal* ne' lose, immer wiederholbare Verabredung rechtzeitig abgesagt wird, weil derjenige plötzlich noch ne' Karte für irgendeine einmalige Gelegenheit (Phil Collins Abschied-Tournee ;-) ergattert hat (was eben jetzt ja nichtmal unter den Begriff "Notfall" fällt). Leute die hingegen jeden Scheiss so wichtig machen (es gibt ja z. B. Leute, die wirklich JEDEN Fitzel Arbeit nicht bis morgen liegen lassen können, obwohl er absolut nicht terminlich gebunden ist und ohne weiteres bis morgen warten könnte), dass sie dafür andauernd jemanden versetzen, finde ich nicht nur unzuverlässig, sondern schlichtweg so annervend, dass ich dann relativ bald den Kontakt beende (kam aber ein Glück bisher selten vor).

    Ich selbst bin momentan ansonsten auch malwieder ziemlich unzuverlässig. Es gibt da derzeit so ein paar Leute, die überstrapezieren meine max. Arbeitszeit mit Nonsensanfragen deren Beantwortung mich im Moment schlichtweg zu viel Zeit kostet und deren Notwendigkeit absolut nicht nachvollziehbar ist. Aber sie wollen unbedingt einen raschen Termin genannt haben. Also nenne ich einen raschen Termin, wohlwissend, dass ich ihn nicht halten kann. Und ich halte ihn dann natürlich auch nicht. Plötzlich ists dann auch erstmal wieder gar nicht so wichtig und ich habe auf einmal zwei Wochen Zeit, weil Herr X oder Frau Y sowieso gerade im Urlaub ist. Irgendwann gewinnt man eben ein Gespür für sowas... Ehrlich gesagt, wird mir da dann eher "zu lässig" mit der Dringlichkeit mancher Dinge umgegangen und meine absichtliche Unzuverlässigkeit ist mein einziges Mittel ohne zeitraubende Diskussionen und dumme Gesichter gegen zu steuern.
    Am besten sind dann immer die dringenden Sachen, nach denen keiner mehr fragt, wenn man sie nicht gemacht hat (aber das kam hier glaube ich schonmal vor... ;-)

    Dave

  8. #37
    Benutzerbild von Torsten

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    Dave Bowman postete
    Wie seht ihr das: Früher hat man sich für eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort verabredet. Wenn dann einer nicht zur rechten Zeit da war, bist Du nach 10-15 Minuten verärgert abgezogen und hast demjenigen am nächsten Tag Deinen Unmut mitgeteilt. Sowas ist mir seit Jahren nicht mehr passiert, denn wenns mal später wird oder kurzfristig was dazwischen kommt, bekommt man heutzutage i.d.R noch rechtzeitig einen Anruf auf dem Mobiltelefon, weiss entweder das es nicht klappt, auf welche Verspätung man sich ggf. einzustellen hat bzw. kann man sagen, dass es einem dann zu spät wird und steht nich doof in der Gegend rum.
    Einer der entscheidenden Vorteile von Mobiltelefonen. Ist schon in gewisser Weise beruhigend zu wissen, dass man bei unvorhergesehenen Zwischenfällen dem anderen noch rechtzeitig Bescheid geben kann.

    Andererseits verleitet es manchen Zeitgenossen zweifelsohne dazu, sich deshalb um die pünktliche Einhaltung des verabredeten Termins nicht mehr allzu sehr zu kümmern. Es wundert mich doch immer wieder, wie viele Leute offensichtlich nicht kapieren, dass man sich bei einem vereinbarten Zeitpunkt von beispielsweise 20.00 Uhr eben nicht erst um 19.55 Uhr auf den Weg macht, sondern entsprechend frühzeitig losgeht oder -fährt.

    Dave Bowman postete
    Ist das dann immer noch unzuverlässig, zu lässig oder eigentlich ganz in Ordnung bzw. wenigstens verträglich? Ich meine mal in normalem Rahmen (also nicht gerade jedes 2. bis 3. Mal von der gleichen Person). Ich habe da ehrlich gesagt meinerseits wiederum auch kein Problem mit oder fühle mich gar zurückgesetzt, wenn mir *mal* ne' lose, immer wiederholbare Verabredung rechtzeitig abgesagt wird, weil derjenige plötzlich noch ne' Karte für irgendeine einmalige Gelegenheit (Phil Collins Abschied-Tournee ;-) ergattert hat (was eben jetzt ja nichtmal unter den Begriff "Notfall" fällt).
    Bei mir geht's sogar noch'n Tick weiter: Ich erwarte von jedem meiner Freunde, dass er es mir ganz offen sagt, wenn er auf ein vorher vereinbartes Treffen am betreffenden Tag schlichweg keinen Bock hat. Damit kränkt mich niemand, denn mir selbst geht es auch ab und an so, dass mich eine plötzliche Unlust befällt (weil man z. B. nach einem anstrengenden Arbeitstag ziemlich platt ist). Und da ich nix davon halte, seine Freizeit auch noch gewissen Zwängen zu unterwerfen, halte ich eine solche Ehrlichkeit für absolut legitim. Im Gegenzug haben meine Freunde es dann allerdings auch zu akzeptieren, wenn ich mich mal noch umentscheide (aber stets rechtzeitig!).

    Schlimm finde ich dagegen, wenn jemand offensichtliche Ausreden bemüht, um sich aus einer solchen Situation herauszuwinden. Deshalb gibt's für jeden neuen Bekannten oder Freund nach kurzer Zeit die klare Ansage, in solchen Fällen ganz ehrlich den eigentlichen Grund zu nennen. Dafür muss sich niemand schämen, denn schließlich kann keiner vorhersagen, wie er sich zu einem künftigen Zeitpunkt fühlen wird.

    Dave Bowman postete
    Leute die hingegen jeden Scheiss so wichtig machen (es gibt ja z. B. Leute, die wirklich JEDEN Fitzel Arbeit nicht bis morgen liegen lassen können, obwohl er absolut nicht terminlich gebunden ist und ohne weiteres bis morgen warten könnte), dass sie dafür andauernd jemanden versetzen, finde ich nicht nur unzuverlässig, sondern schlichtweg so annervend, dass ich dann relativ bald den Kontakt beende (kam aber ein Glück bisher selten vor).
    Ist auch alles eine Frage der Dosis. Wenn ich merke, dass jemand eine Verabredung diverse Male aus merkwürdigen oder zweifelhaften Gründen absagt, ist bei mir auch ganz schnell Schicht im Schacht. Gleiches gilt, wenn ich merke, dass jemand abstruse Prioritäten setzt und beispielsweise lieber ein unwichtiges Fußballspiel gucken will als mit mir zu telefonieren...

  9. #38
    Benutzerbild von
    Torsten postete
    Bei mir geht's sogar noch'n Tick weiter: Ich erwarte von jedem meiner Freunde, dass er es mir ganz offen sagt, wenn er auf ein vorher vereinbartes Treffen am betreffenden Tag schlichweg keinen Bock hat. Damit kränkt mich niemand, denn mir selbst geht es auch ab und an so, dass mich eine plötzliche Unlust befällt (weil man z. B. nach einem anstrengenden Arbeitstag ziemlich platt ist).
    Ja, das geht mir auch oft so, weshalb ich Leuten die dazu neigen irgendwelche privaten Treffen, die man genauso gut recht spontan festmachen könnte, drei Wochen im voraus auszumachen, meistens auch nur eher lose Zusagen gebe. Die kann ich dann ohne schlechtes Gewissen erst 1-2 Tage vorher endgültig festmachen oder eben doch absagen. Denn was hat denn jemand von mir, wenn ich aus purer "Pflichterfüllung" irgendwo erscheine, aber mein Unterhaltungswert unter Null liegt weil ich gerade die Schnauze voll habe? Ich bin sowieso echt immer froh, wenn ich Leute kenne, die spontan genug sind sich bei Lust & Zeit für den gleichen Tag zu verabreden und dann auch mit Spaß bei der Sache sein können. Ich hasse nix mehr, also irgendwo hingehen zu müssen, weil man das irgendwann mal ausgemacht hat und das nur weils irgendwie malwieder so weit ist.

    Gleiches gilt, wenn ich merke, dass jemand abstruse Prioritäten setzt und beispielsweise lieber ein unwichtiges Fußballspiel gucken will als mit mir zu telefonieren...
    Poah.... da gibts leider genug von Ich weiss auch echt nicht was manche für Prioritäten haben. Ist mir auch schon mehr als 1x passiert, dass Leute einen ständig einspannen wollen, ständig drängeln das man malwieder was machen müsste und dann schlägst Du Samstag vor (Hallo? Das sind 50% der Möglichkeiten eines arbeitenden Menschen einen Tag frei zu gestalten) und hörst "Nee, Samstag is schlecht, da kommt Bundesliga und danach Wetten Das?!"
    Ich weiss ja nicht.... ich würde keine Fernsehsendung irgendjemandem vorziehen, der mir angeblich wichtig ist. Mir wärs ehrlich gesagt auch zu peinlich, sowas als Grund zu nennen, selbst wenn ich Ehrlichkeit bei sowas erwarte.

    Dave

  10. #39
    Benutzerbild von Heinzi

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    Dave Bowman postete
    wenns mal später wird oder kurzfristig was dazwischen kommt, bekommt man heutzutage i.d.R noch rechtzeitig einen Anruf auf dem Mobiltelefon, (...)
    Die permanente Erreichbarkeit bzw. Möglichkeit, andere zu erreichen, ist natürlich unbestrittenermassen der Vorteil von Mobiltelefonen - war es zumindest ursprünglich, mittlerweile hat der Statussymbol-Status dieser Teile sowie die Nutzung zum Zeitvertreib, etwa als Spielzeug, eine nicht unerhebliche Bedeutung erlangt.
    Die erleichterte Möglichkeit, Unzuverlässigkeit an den Tag zu legen, dagegen, zumindest für diejenigen Zeitgenossen, denen Zuverlässigkeit noch etwas bedeutet, ist einer der Nachteile, wie in diesem Thread schon ausgiebig dargelegt wurde.
    Auf einen weiteren Nachteil der Mobiltelefonie hat mich einmal ein sympathischer älterer Herr aufmerksam gemacht, der einen sehr aufgeschlossenen, also keineswegs grundsätzlich fortschrittsfeindlichen Eindruck bei mir hinterlassen hat:
    Die ständige Erreichbarkeit senke die Notwendigkeit, seine Zeit präzise zu planen und Termine wohlüberlegt einzugehen, vermindere also das Organisationstalent des Menschen, weil kurzfristige Korrekturen mittlerweile jederzeit möglich seien.

    Meines Erachtens kein unberechtigter Einwand...
    Es ist durchaus angebracht, zwar die Vorteile der kurzfristigen Erreichbarkeit zu nutzen, sollte aber nicht in einen Schlendrian übergehen, nicht, schon aus intellektuellen Gesichtspunkten, in eine Herabsetzung des Eigenanspruchs, eine präzise Zeitplanung auf die Reihe zu bekommen.

  11. #40
    Benutzerbild von
    Heinzel postete
    Die ständige Erreichbarkeit senke die Notwendigkeit, seine Zeit präzise zu planen und Termine wohlüberlegt einzugehen, vermindere also das Organisationstalent des Menschen, weil kurzfristige Korrekturen mittlerweile jederzeit möglich seien.

    Meines Erachtens kein unberechtigter Einwand...
    Es ist durchaus angebracht, zwar die Vorteile der kurzfristigen Erreichbarkeit zu nutzen, sollte aber nicht in einen Schlendrian übergehen, nicht, schon aus intellektuellen Gesichtspunkten, in eine Herabsetzung des Eigenanspruchs, eine präzise Zeitplanung auf die Reihe zu bekommen.
    Ja, da hat der Mann natürlich Recht. Aber.... ;-) Ich möchte nun nicht ins philosophische wechseln.... aber ist das Problem, dass man hinter mangelnder Zeitplanung vermutet, nicht oft ein anderes?. Ich stoße mich seit langer Zeit am Begriff "Zeitplanung" oder ähnlichem, wenn es um zwischenmenschliche Dinge geht. Doch er hat anscheinend einen gewissen Stellenwert, denn es werden ja ganze Kurse und Schulungen zum "Time Management" angeboten. Jedes Unternehmen das was auf sich hält, bietet es seinen Arbeitnehmern an und in VHS Kursbüchern taucht selbiges für den Hausgebrauch auch nicht mehr selten auf.

    Dabei wird den meisten, die sich angesprochen fühlen, ein solcher Kurs m. E. nicht so sehr viel bringen. Denn die Zeit und seine eigene Zeitlichkeit kann niemand ändern. Eigentlich krankt es doch bei (fast) jedem, der glaubt zu wenig Zeit zu haben, an falsch gesetzten Prioritäten. Viele Leute die über lange jahre regelmäßig und gewohnheitsmäßig ohne besondere Anordnung Überstunden schieben, tun das, weil sie nicht in der Lage sind wichtige und unwichtige Arbeit zu unterscheiden und die etwas weniger wichtigen Dinge erst dann zu erledigen wenn wieder etwas Luft ist. Manche können eben am Ende eines Arbeitstages auch einfach nichts mehr liegen haben, das ist für mich dann am ehesten vergleichbar mit einem Putzfimmel und dezent krankhaft. Das gleiche gilt im Privaten, vonwegen lieber Fußball glotzen, statt sich mit Freunden oder PartnerIn einen schönen Tag bei schönstem Wetter zu machen.

    Die Auswirkungen solcher falsch gesetzten Prioritäten lassen sich auch durch Zeitplanung meistens nicht ändern, denn sie bestimmen ja ihrerseits auch wieder jede Form von Zeitplanung - was nichts daran ändert, dass - wenn nun auch terminiert - die falschen Dinge im Vordergrund stehen.

    D. h. es läuft auf den uralten Spruch zurück: Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Und da mag der ältere Herr, der da sicherlich seine Lebenserfahrung gesammelt hat, letztendlich dann auch doch wieder den Kern der Sache treffen: Umso leichter es ist, meine Prioritäten wieder zu verschieben, desto eher werde ich vielleicht geneigt sein es auch zu tun. Dementsprechend könnte man sich im Zweifelsfall also erstmal überprüfen, wenn man glaubt keine Zeit zu haben.

    Ich kenne Leute, die einen relativ wenig lernintensiven Studiengang belegt haben oder auch arbeitslos sind, aber allen Ernstes zu nichts kommen und ständig keine Zeit haben (das gleiche Phänomen wie bei Millionen Rentnern ;-). Da werden selbst triviale Dinge plötzlich verabredet (Beispiel: Mit der Freundin am nächsten Donnerstag um 22.30 die 45minütige aufzeichnung der Lieblingsserie von Montag Abend angucken). Das mag dann zwar tatsächlich Zeitplanung sein, ist aber letztendlich nur eine Krücke um bei völlig verschobenen Prioritäten überhaupt noch eine Partnerschaft oder Freundschaft auf der letzten Rille am Leben zu erhalten. Ich würde ehrlich gesagt jede Lust auf irgendwas verlieren, wenn ich ernsthaft damit anfangen müsste, mich mit meiner Freundin für einen bestimmten Termin zu verabreden um irgendwelche 45minütigen Video-Aufzeichnungen an zu gucken.

    Ich glaube echte Zeitplanungsprobleme, haben nur sehr wenige Menschen. Z. B. Mütter von einer Hand voll und mehr Kindern, die morgens die ganze Bande in Windeseile Ausgehfertig machen müssen um Kind 1 und 2 zur Schule, Kind 3 und 4 in den Kindergarten und Kind 5 zum Kinderarzt zu bringen. Die meisten anderen werden irgendwann noch aufwachen - viele allerdings wahrscheinlich zu spät - und merken, was in ihrem Leben wichtig ist (war) und was nicht.

    Dave

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