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"Langfristig wird die Arbeit verschwinden"

Erstellt von Torsten, 25.08.2005, 13:29 Uhr · 27 Antworten · 2.239 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Torsten

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    Ein Interview mit notwendigem Klartext zur unsäglichen Entwicklung auf den weltweiten Arbeitsmärkten:

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/st...16564?_seite=1

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von McFly

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    Ich kann diesen Artikel nicht wirklich ernst nehmen. Derartig nichtssagende und schwammige Äußerungen tragen doch nur zum weiteren Pessimismus bei.

    Herr Rifkin sollte ein Bad nehmen und dann nüchtern diesen Unsinn nochmal lesen.


    McFly

  4. #3
    Benutzerbild von Torsten

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    Dafür kann ich deinen Kommentar nicht ernst nehmen. Du klingst schon wie ein Politiker, der immer noch die von den erwähnten Pseudo-Argumenten durchtränkten Wahlreden hält.

    Mit welchen Argumenten kannst du denn widerlegen, dass

    - viele Volkswirtschaften sich an den Krücken privater Verschuldung durchwurschteln;

    - trotz steigender Produktivität immer mehr Arbeitsplätze vernichtet werden;

    - Maschinen immer günstiger produzieren werden als die billigsten Arbeitskräfte;

    - auch der Hoffnungsträger "Dienstleistung" zwangsläufig einer Rationalisierung unterliegen wird;

    - Fortbildungsmaßnahmen wenig taugen, wenn's schlicht zu wenig Arbeit für zu viele Menschen gibt;

    - die Beschneidung der Sozialsysteme immense Folgeschäden impliziert, die irgendwann explodieren?

    Der Mann fasst treffend zusammen, was sich durch Technologie und Globalisierung zusammenbraut. Dass das manchem nicht schmeckt, ist ja nun nichts Neues.

  5. #4
    Benutzerbild von DeeTee

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    Drei Pseudotheorien?

    Immer dieselben drei, ja. Erstens: Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Zweitens: Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Und drittens: Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind absurd.

    Wissen Sie, dass genau diese Argumente gerade in Deutschland diskutiert werden?

    Natürlich weiß ich das. Ihre Regierung hat mich ja gerade erst wieder zu einem Vortrag eingeladen. Aber der Reihe nach.
    Erstens: Die Zahl der Jobs die in Deutschland verschwinden weil sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert wird, ist verschwindend gering. Sie macht gerade mal ein Prozent der abgebauten Stellen aus. Der wirkliche Jobkiller ist der technologische Fortschritt. Aber davon hören Sie von den Politikern kein Wort. Maschinen machen sich als Buhmann eben schlechter als Chinesen oder Polen.

    ...

    Entschuldigen Sie, aber die Frage ist doch nicht, was die Menschen mit ihrer freien Zeit anfangen, sondern mit welchem Geld Sie ihre Miete und ihr Essen bezahlen, wenn alle Jobs verschwinden.

    Sie haben ja Recht. Also, es gibt verschiedene Ansätze. Besonders wichtig ist der so genannte Nonprofitsektor. Gemeint sind hier Aktivitäten von der Sozialarbeit über die Wissenschaft, Kunst, Religion bis hin zum Sport. In den Niederlanden sind heute bereits 12,6 Prozent aller Vollzeitstellen im Nonprofitsektor angesiedelt. In Deutschland sind es erst 4,9 Prozent. ier gibt es ein Potenzial für Millionen von Arbeitsplätzen.

    Aber wie soll dieser Nonprofitsektor finanziert werden?

    Durch Steuerumschichtung. 90 Prozent der Regierungseinnahmen weltweit stammen aus der Besteuerung von Arbeit und Kapital. Wir müssen viel stärker zur Besteuerung von natürlichen Ressourcen kommen. Warum sollen sich die Unternehmen einfach frei bedienen? Eine Besteuerung von Ressourcen würde sowohl zur Schonung der Umwelt führen wie zur Senkung von Unternehmensgewinnen. Die Steuereinnahmen könnten dann in den Nonprofitsektor fließen und dort Mehrbeschäftigung stimulieren.
    Man könnte auch über etwas anderes nachdenken. Wenn Maschinen immer mehr Menschen ersetzen, warum sollte es in Zukunft nicht genau so eine Maschinensteuer geben, wie es heute eine Einkommenssteuer gibt?
    Link: http://www.stuttgarter-zeitung.de/st...16564?_seite=4
    (Kursivsetzung von mir)

    Bezüglich der ersten Einschätzung (kursiv-1) stimme ich Rifkin zu. Die Folgen des technischen Fortschritts (EDV + Automatisierung) werden erheblich unterschätzt und deutlich zu positiv gesehen.

    Die zweite These (kursiv-2) halte ich, gelinde gesagt, für naiv. Warum sollten Unternehmen dort produzieren oder auch nur investieren, wo Ressourcen teuer sind. Kapital folgt immer der Möglichkeit nach dem höchsten Gewinn. Und das ist dann dort, wo Lohnkosten und Ressourcen billig sind.
    Rifkins Ansatz ist sicherlich sinnvoll - aber ist er auch realistisch?

    fragt sich
    DeeTee

  6. #5
    Benutzerbild von frasier

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    Gegenbeispiel:

    Auch Australien sucht händeringend Arbeitskräfte

    Berlin - Australische Firmen exportieren Wein nach Frankreich und Chilisauce nach Mexiko, Pekingenten nach China oder Bambuswände nach Japan. Die Wirtschaft des fünften Kontinents boomt sei 14 Jahren ungebrochen - vor allem getrieben vom Export. Zwischen 1997 und 2002 lag das Wirtschaftswachstum bei durchschnittlich vier Prozent.


    Stolz verweisen die Australier auf eine Inflationsrate von im Schnitt nur 2,3 Prozent (EU 3,2 Prozent, USA 2,9 Prozent). Und stolz präsentieren die Australier ihre Pendants zu den deutschen Arbeitsagenturen - denn die sind so leer wie ein Jobcenter der Bundesagentur für Arbeit an einem Sonntag. Hintergrund ist eine Entwicklung, die für die Wirtschaft in Down Under immer mehr einem ernstzunehmenden Problem wird und droht, den Boom abzuwürgen: Australien fehlen massiv Arbeitskräfte.


    Längst halten die Australier händeringend in aller Welt nach Fachkräften Ausschau - mit Erfolg. Im Jahr 2002 war bereits knapp jeder vierte der rund zehn Millionen Beschäftigten in Australien ein Zuwanderer. Vor allem Europäer und Menschen aus den GUS-Staaten folgen dem Lockruf aus Down Under. Doch das reicht nicht aus, den massiven Mangel an Arbeitskräften zu beheben, deshalb hat die Regierung in Canberra am Dienstag den Startschuß zur größten Werbeaktion für Jobs in Australien seit einem halben Jahrhundert gegeben. Sie soll in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten Station machen. Daneben wird auch in Indien, den USA und Asien nach zuwanderwilligen Arbeitskräften gesucht.


    Ziel der Aktion ist es, insgesamt 20 000 Menschen für eine neue Stelle in Down Under zu gewinnen. Da viele Australier hoch qualifiziert sind - rund 42 Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter verfügt über einen Hochschulabschluß eine handwerkliche Fachausbildung oder ein anderes Diplom - werden vor allem Facharbeiter wie Krankenpfleger oder Klempner gesucht.


    Die Arbeitslosigkeit in Australien ist inzwischen mit einer Quote von fünf Prozent auf den tiefsten Stand seit 28 Jahren gefallen. Der australische Zentralbankchef Ian Macfarlane hat mit Blick auf das historische Tief, das in Deutschland Jubel auslösen würde, drastische politische Reformen gefordert. "Angesichts einer alternden Bevölkerung ist es entscheidend, die Zahl der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte zu erhöhen", sagt er. Der Zentralbankchef mahnte an, die Altersbezüge zu überprüfen, um die Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen und forderte, Hindernisse für Unternehmen, die einstellen wollen, aus dem Weg zu räumen. In den 50er und 60er Jahren sei es weitaus leichter gewesen, Jobs zu schaffen. Macfarlane geht davon aus, daß die Arbeitslosenquote weiter sinken wird, und klar ist, daß die Geburtenrate nicht ausreicht, um für Nachschub an Arbeitskräften zu sorgen. Regierungschef John Howard hatte deshalb schon vor einigen Monaten versichert: "Egal von wo auf der Welt: Wir nehmen ausgebildete Menschen, die den Anforderungen entsprechen." do


    Gleichzeitig hat Australien seine Staatsverschuldung massiv verringert.


    Quelle: http://www.welt.de/data/2005/08/17/761172.html

  7. #6
    Benutzerbild von brandbrief

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    Da kann einem ja schon etwas bange werden. Die Frage ist nur: Wie lässt sich dieses Problem lösen und sind die Vorschläge des Herrn Rifkin dazu auch reell?

    Was wir brauchen, ist eine Reglobalisierung, bei der die Bedürfnisse der Mehrheit im Vordergrund stehen, nicht die Gewinnspannen einer kleinen Minderheit.
    Ich glaube, genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Nur ist dies mit Sicherheit wohl eher ein moralischer Aspekt. Diesen kann man wohl kaum durch Steuerumschichtungen etc. erzwingen.

    Wenn Maschinen immer mehr Menschen ersetzen, warum sollte es in Zukunft nicht genau so eine Maschinensteuer geben, wie es heute eine Einkommenssteuer gibt?
    Diese Idee ist mir auch schon mal zu Ohren gekommen. Aber um den gewünschten Effekt zu erreichen, müsste diese Maschinensteuer im Verhältnis zur "menschlichen" Lohnsteuer so hoch sein, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass das Unternehmen Menschen statt Maschinen einsetzt. Viele werden das aber bestimmt wieder als technologische Rückentwicklung werten.
    Desweiteren sind für derartige Steuermodelle die einzelnen Länder selber verantwortlich. Wenn nun, angenommen Deutschland der Initiator dieser Maschinensteuer ist, was würde dann wohl passieren. Die Unternehmen werden wieder ihre Standorte in Länder verlagern, die diese Steuer nicht erheben und es sich dadurch billiger produzieren läßt. Eine globalumfassende Maschinensteuer wird wohl kaum durchsetzbar sein.

  8. #7
    Benutzerbild von Torsten

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    DeeTee schrieb
    Bezüglich der ersten Einschätzung (kursiv-1) stimme ich Rifkin zu. Die Folgen des technischen Fortschritts (EDV + Automatisierung) werden erheblich unterschätzt und deutlich zu positiv gesehen.
    Vor allem im Hinblick darauf, dass auch der Sektor Dienstleistung immer mehr davon betroffen sein wird. In Zeiten solch rasanten technischen Fortschritts ist es naiv zu glauben, Rationalisierung würde sich in erster Linie auf Produktionsprozesse auswirken.

    Dee Tee schrieb
    Warum sollten Unternehmen dort produzieren oder auch nur investieren, wo Ressourcen teuer sind. Kapital folgt immer der Möglichkeit nach dem höchsten Gewinn. Und das ist dann dort, wo Lohnkosten und Ressourcen billig sind.
    Selbstverständlich. Das Problem all dieser weltverbessernden Utopien - sei es nun diese Vorstellung Rifkins, der Ruf nach einer anders funktionierenden Marktwirtschaft à la Helmut Creutz oder die Forderung einer "Re-Globalisierung" - ist die simple Tatsache, dass sie weltweit und ausnahmslos durchgesetzt werden müssten. Da dies kaum jemand für möglich hält, werden solche Vorschläge stets als Hirngespinste abgetan.

    Das Deprimierende ist: Mir erscheinen diese Wege als die einzigen Alternativen, aus der Misere herauszukommen. Sind sie nicht umsetzbar, sehe ich einen unausweichlichen Weg in den Abgrund.

  9. #8
    Benutzerbild von DeeTee

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    @frasier:
    Du hast aber auch ausgerechnet, dass in Australien rund 1 Millionen Menschen arbeitslos sind...?

    DeeTee

  10. #9
    Benutzerbild von frasier

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    DeeTee postete
    @frasier:
    Du hast aber auch ausgerechnet, dass in Australien rund 1 Millionen Menschen arbeitslos sind...?

    DeeTee
    Es bleiben trotzdem 5 Prozent, mit denen wir hier sehr zufrieden wären, ganz speziell die Ostdeutschen. Auch von der ständigen Kapitalismuskritik würde nicht viel übrig bleiben.

    Ausserdem ging es hier um die Aussage, dass technischer Fortschritt Arbeitsplätze vernichtet:

    Es wird wohl niemand behaupten, dass es in Australien keinen Fortschritt gäbe. Die Arbeitslosigkeit hätte also steigen müssen. Das Gegenteil ist der Fall.

    Einwand könnte noch sein, dass es dort mehr Ressourcen gibt als hier. Stimt schon, aber diese gibt es auch in Russland und im Nahen Osten, ohne dass es dem Durchschnittsbürger da etwas nützen würde. Saudi-Arabien hat enorme Auslandsschulden.

    Was die Million Arbeitslose angeht, der Fortschritt stellt die Bedingung, dass man eine Qualifikation haben muss, um einen Job zu finden.

    Reine Muskelkraft ist nicht mehr gefragt. Wer keine Ausbildung hat, hat auch dort schlechte Chancen auf einen Job. Und Leute, deren Firma pleite ging landen auch erstmal in der Statistik, bis sie wieder was gefunden haben, auch wenn es dort schneller geht, einen neuen Job zu finden als bei uns.

  11. #10
    Benutzerbild von Torsten

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    @ frasier:

    Regionale Beispiele taugen in einem globalisierten Szenario nicht. Fakt ist, dass in den meisten Industrienationen die Verhältnisse herrschen, die Rifkin beschreibt. Ich bezweifle, dass die Australier einen Stein der Weisen gefunden haben, der auf alle anderen Staaten anzuwenden ist.

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