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"Langfristig wird die Arbeit verschwinden"

Erstellt von Torsten, 25.08.2005, 13:29 Uhr · 27 Antworten · 2.240 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Abgesehen davon wird auch in Australien auf absehbare Zeit Schluss sein mit Wachstum. Spätestens dann, wenn die Ressourcen, auf denen das Wachstum beruht, zur Neige gehen.

  2.  
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  3. #12
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    Torsten postete
    DeeTee schrieb
    Bezüglich der ersten Einschätzung (kursiv-1) stimme ich Rifkin zu. Die Folgen des technischen Fortschritts (EDV + Automatisierung) werden erheblich unterschätzt und deutlich zu positiv gesehen.
    Vor allem im Hinblick darauf, dass auch der Sektor Dienstleistung immer mehr davon betroffen sein wird. In Zeiten solch rasanten technischen Fortschritts ist es naiv zu glauben, Rationalisierung würde sich in erster Linie auf Produktionsprozesse auswirken.
    Jepp, es ist aber m. E. auch falsch zu sagen "die Folgen des technischen Fortschritts wurden unterschätzt und zu positiv gesehen". Denn sieht man es wie Rifkin (das tue ich übrigens, ohne bisher etwas von dem und über den Mann gehört oder gelesen zu haben), dann ist der technische Fortschritt eine prima Sache, aber die sozialen Folgen sind zu negativ! Wir können doch nicht ernsthaft wollen, dass zur Schaffung von Arbeitsplätzen sich wieder Millionen die Gesundheit ruinieren, nur weil wir den technischen Fortschritt zurückdrehen oder künstlich hemmen.

    Nein, ich bin ein Verfechter des Fortschritts und ich bin sehr dafür monotone und gesundheitsschädliche (oft das selbe!) Jobs zu automatisieren. ABER ich bin absolut dagegen, dass Geringqualifizierte sich heute ihre pure Existenz nicht mehr leisten können, weil sie keine Arbeit und damit kein existenzsicherndes Einkommen mehr bekommen. Und genau in diesem Punkt stimme ich am meisten mit Rifkin überein: Die Qualifizierung ist nicht der Ausweg, das Wort der "hochqualifizierten Arbeitsplätze" eine leere politische Worthülse. Natürlich hat auch Merkel recht wenn sie sagt, das wir besser sein müssen, wenn wir teurer sind. Doch das hat mit der Schaffung von Arbeitsplätzen wenig zu tun, höchstens damit, nicht so schnell noch weniger Arbeitsplätze zu haben. Und sie unterschlägt dabei, dass es eben einfach Produkte gibt, die man überall auf der Welt gleich gut herstellen kann. Und wenn wir uns in unseren Haushalten und an unseren Körpern umsehen, werden wir feststellen, dass das wohl mittlerweile die meisten Produkte sein müssen.

    Der Vorwurf Rifkins an die Politik, sich zur Rationalisierung nicht zu äußern und das sich Maschinen im Gegensatz zu den Chinesen nicht als Buhmann eignen, mag für sein Land gelten, für unseres gilt er nicht. 1. Kriecht unsere Regierung den Chinesen im Gegenteil in den Hintern um den Großkonzernen ihre Deals zu sichern und 2. hat der grüne Regierungspartner sich sehrwohl auf die Maschinen eingeschossen und zwar im Grunde über eine Quasi-Maschinensteuer => Öko-Steuer. Die grüne Position war ganz klar "Wir bauen lieber Kilowattstunden ab als Arbeitsplätze". Diese Argumentation wird auch aktuell im Bundestagswahlkampf aufgefahren, wenn es um die teuren Energiepreise in Deutschland geht. Gleichzeitig hüllt man den Mantel des Schweigens um die völlig fehlgeschlagene Liberalisierung des Strommarktes. Beide Maßnahmen zusammen genommen hatten fatale Folgen.

    Doch damit sind wir wieder beim Problem: Regional kann man die Welt nicht verbessern! Das scheinen besonders "ökologische" und linke Parteien aber zu glauben. Effekt der o. g. Politik ist jedenfalls das Wegfallen von Arbeitsplätzen. Nicht alle Fälle schaffen es so medienwirksam ins Fernsehen wie die Hamburger Aluminiumhütte. In diesem Fall ist es die teure Energie die die Arbeitsplätze kostet. Im Fall einer reinen Maschinensteuer, würden die Maschinen eben massenhaft nach China, Osteuropa oder Südamerika verfrachtet - die letzte Möglichkeit konkurrenzfähige Produktion in Deutschland zu betreiben wäre dahin und damit die letzte Möglichkeit aus einer in Deutschland stattfindenden Wertschöpfung ein Einkommen für uns Deutsche abzuzapfen.

    So funktioniert es also nicht.... es würde theoretisch nur global funktionieren! Dafür wird man aber wohl keine Mehrheiten finden. Warum sollten die Chinesen ein Interesse daran haben ihrer ohne Murren für 50 Euro 80 Stunden /Woche arbeitenden Bevölkerung ein Grundeinkommen ohne Arbeitsleistung aus Maschinensteuern zu zahlen (und das am besten noch auf westlichem Niveau, sonst passt es ja wieder nicht mit der Chancengleichheit der Standorte)?

    Ich sehe deshalb diese Konsenslösungen nicht als Lösung. Persönlich sehe ich eher die Rückkehr zum mittlerweile völlig verpöhnten Protektionismus als Lösung. Wer hier Ware verkaufen will, der muss sie auf vergleichbarem Standard bezgl. Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Lebenshaltung erzeugt haben. Waren auf die dies nicht zutrifft und solche, deren Transportkosten über dem Erzeugerpreis liegt (man muss sich doch nur mal anschauen was für Billigschrott drei Mal um die Welt transportiert wird und hier immer noch mit Gewinn verkauft werden kann), müssten m. E. mit Strafzöllen belegt werden. Diese Strafzölle kommen dann genauso den Menschen zu Gute, wie die wieder hergestellte Konkurrenzfähgkeit ihrer Betriebe. Denn eines ist ja auch eine Lüge: Nicht wir sind zu teuer! Jene Länder die ihre Umwelt verpesten und die ihre Bevölkerung schinden wir hier zu Kaisers Zeiten, sind schlichtweg zu billig und das nur, weil sie ungeächtet zu inakzeptablen Bedingungen fertigen können.

    Damit muss Schluss sein! Das heisst aber auch, dass mit allerlei Annehmlichkeiten Schluss ist, die der deutsche Konsument anscheinend schon zu lieb gewonnen hat (sonst wäre es nicht so schnell so weit gekommen). Dann heisst es insbesondere auf Investitionsgüter malwieder richtig sparen! Aber ich befürchte: An den Fernseher auf der real Angebotspalette zu 99 Euro und den PC für 399 Euro haben "wir Deutschen" uns schon genauso gewöhnt, wie an den 5 Euro Pullover bei H&M. Vergessen die Zeiten, als ein normaler Fernseher mit normal großer Röhre noch 3000 Mark oder ein PC 5.000 Mark kosten durfte. Wir können noch so sehr auf die bösen Unternehmer schimpfen, letztendlich haben wir diese Dinge alle gekauft und weils so billig war gleich noch das und das und das.... Digicam, Videocam, PC und TFT, DVD Recorder........ wer hätte sich das früher schon alles so schnell und so zahlreich leisten können. Heute ist das auch für Normalverdiener kein Problem und wer sich für 2500 Euro einen PC kauft hat einen Knall..... Kein Wunder also, dass für uns keine Jobs mehr da sind, wenn das Zeug, das wir in Massen kaufen, immer billiger produziert werden soll.

    So gehts also nicht weiter. Qualität muss wieder etwas kosten dürfen und alles andere muss künstlich aber damit letztendlich fair verteuert werden (so das sich nur noch faire Produktion lohnt - ein Anreiz also, keine Strafe). Alles andere läuft letztendlich nur auf einen Wettbewerb nach unten hinaus. Und das kann ja nicht unser Ziel sein und soll es ja auch nach Aussagen unserer Spitzenpolitiker nicht. Erst dann, wenn die Chancengleichheit der Standorte wieder hergestellt ist, kann man darüber nachdenken, ob dort wo die Arbeit schwindet und von den Maschinen verdrängt wird, eigentlich Arbeit noch als selbstverständlicher und einzig richtiger Weg zum Broterwerb taugt. Mit etwas Nachdenken muss man eigentlich schnell darauf kommen, dass das auf Dauer so nicht funktionieren kann. Da sich hier eigentlich zwangsläufig der Gedanken an eine neue Wirtschaftsordnung aufzwängt, wird schnell klar: Wir brauchen o. g. Maßnahmen eigentlich, um noch etwas Zeit zu gewinnen uns eine "auszudenken". Wer hat denn eine mehrheitsfähige Alternative zum Kapitalismus mit seinem Faktor Arbeit parat?!

    Es ist die Frage, ob wir so weit überhaupt jemals kommen! Es scheint nicht allen Verantwortlichen klar zu sein, dass die Zeit dafür reif ist. Aber woher sollen sie es auch wissen? Ich selbst nehme es ja schon immer wieder mit großem Erstaunen zur Kenntnis, dass die 5 Mio,. die bereits ohne Arbeit sind, nicht zu begreifen scheinen, dass sie nach den Rentnern die größte Lobby Deutschlands sind. Warum bequemen sich so wenige zu Demonstrationen? Warum ist es so verdammt ruhig? Ich vernehme kaum Unmut... es ist nichts davon wahrzunehmen, dass hierzulande 1/6 aller Arbeitsfähigen arbeitslos ist. Solange das so bleibt, werden wir ohne Probleme auch noch auf 10 Mio Arbeitslose kommen, denn auch jene die heute von Kündigung bedroht sind, lassen sich ja relativ artig und kaum wahrnehmbar zur Schlachtbank führen. Die Hoesch-Mitarbeiter in Dortmund und die Kruppianer in Rheinhausen scheinen rückblickend die Letzten gewesen zu sein, denen ihre Arbeitsplätze noch wichtig waren?!

    Die Hoffnung vieler, auf den großen Knall, teile ich deshalb nicht. Denn bisher knallt kein Mensch. Warum sollte es in Zukunft knallen? Ich werde auch nicht knallen, denn ich habe immer relativ sichere Jobs gehabt und habe mir den nächsten gesucht wenn es mittelfristig unsicher zu werden schien. Auch deshalb bin ich in persönlichen Gesprächen mit von Arbeitslosigkeit betroffenen immer wieder erstaunt (ich gebs zu, im Grunde empört), dass ich mir mehr Gedanken um die Zukunft der Arbeit in Deutschland zu machen scheine als sie selbst. Resignation bringt uns nicht weiter.... Rifkin aber leider auch nicht!? Was uns bleibt, ist die Probleme immer genauer zu erkennen und zu beschreiben. Allein die Lösung will uns nicht einfallen.

    PM

  4. #13
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    Doch damit sind wir wieder beim Problem: Regional kann man die Welt nicht verbessern! Das scheinen besonders "ökologische" und linke Parteien aber zu glauben.
    Jein. Man müsste zumindest auf regionaler Ebene damit beginnen, um Überzeugungsarbeit beim "kleinen Mann" zu leisten. Auf einen großen Knall zu hoffen, nach dem es einfach so auf globaler Ebene funktioniert, ist illusorisch.

    Ich sehe deshalb diese Konsenslösungen nicht als Lösung. Persönlich sehe ich eher die Rückkehr zum mittlerweile völlig verpöhnten Protektionismus als Lösung. Wer hier Ware verkaufen will, der muss sie auf vergleichbarem Standard bezgl. Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Lebenshaltung erzeugt haben. Waren auf die dies nicht zutrifft und solche, deren Transportkosten über dem Erzeugerpreis liegt (man muss sich doch nur mal anschauen was für Billigschrott drei Mal um die Welt transportiert wird und hier immer noch mit Gewinn verkauft werden kann), müssten m. E. mit Strafzöllen belegt werden. Diese Strafzölle kommen dann genauso den Menschen zu Gute, wie die wieder hergestellte Konkurrenzfähgkeit ihrer Betriebe. Denn eines ist ja auch eine Lüge: Nicht wir sind zu teuer! Jene Länder die ihre Umwelt verpesten und die ihre Bevölkerung schinden wir hier zu Kaisers Zeiten, sind schlichtweg zu billig und das nur, weil sie ungeächtet zu inakzeptablen Bedingungen fertigen können.
    Protektionismus würde, wenn überhaupt, in dieser Radikalität nur funktionieren, wenn er gleichzeitig überall auf der Welt eingeführt würde. Probiert ein Land das allein aus, ziehen dort lediglich Zustände wie in Nordkorea ein. Aber auf Konsenslösungen darf man nicht hoffen, politisch einflussreiche Gruppierungen ziehen viel zu viel Nutzen aus der Marktöffnung. Überhaupt ist Globalisierung nicht generell abzulehnen, sie funktioniert nur nicht mit unserem gegebenen Wirtschaftssystem.

    Was die Umweltschäden betrifft: Theoretisch müsste jeder Teilnehmer einer Marktwirtschaft seine Entscheidungen nicht nur nach finanziellen, sondern auch nach ökologischen Kosten treffen. Dann wären Waren aus Übersee auch nicht mehr billiger als heimische Ware, was einerseits den lokalen Wirtschaftsstandort stärken und andererseits die Umwelt wegen wegfallender Transportleistungen entlasten würde. Wie man das praktisch umsetzen kann, ist mir jedoch schleierhaft, von der politischen Durchsetzung mal ganz zu schweigen.

    Es ist die Frage, ob wir so weit überhaupt jemals kommen! Es scheint nicht allen Verantwortlichen klar zu sein, dass die Zeit dafür reif ist. Aber woher sollen sie es auch wissen? Ich selbst nehme es ja schon immer wieder mit großem Erstaunen zur Kenntnis, dass die 5 Mio,. die bereits ohne Arbeit sind, nicht zu begreifen scheinen, dass sie nach den Rentnern die größte Lobby Deutschlands sind. Warum bequemen sich so wenige zu Demonstrationen? Warum ist es so verdammt ruhig? Ich vernehme kaum Unmut... es ist nichts davon wahrzunehmen, dass hierzulande 1/6 aller Arbeitsfähigen arbeitslos ist. Solange das so bleibt, werden wir ohne Probleme auch noch auf 10 Mio Arbeitslose kommen, denn auch jene die heute von Kündigung bedroht sind, lassen sich ja relativ artig und kaum wahrnehmbar zur Schlachtbank führen.
    Die Arbeitslosen sind deshalb so ruhig, weil sie mehrheitlich mit staatlichen Leistungen noch ein recht vernünftiges Auskommen haben. Das wird sich erst dann ändern, wenn es ans Eingemachte geht, sprich wenn Nahrung, Wohnraum etc. eingeschränkt oder ganz gestrichen werden. Je nachdem, wie schnell die soziale Schere in Zukunft auseinandergeht, rechne ich mit ernsthaften Unruhen mit entsprechenden Folgen für die Politik wie zum Beispiel ein Erstarken der Extremisten im Laufe der nächsten zehn bis zwanzig Jahre. Die Montagsdemos vom vergangenen Jahr waren nur ein lauer Vorgeschmack. Jetzt, in Wahlkampfzeiten (auch wenn die Wahlen gar nicht stattfinden dürften...), darf man eh nicht auf ein Aufbegehren hoffen, zu viele Leute verbinden ihre Hoffnungen mit den Versprechen der Parteien.

    Wie Torsten einmal treffend formuliert hat: Aufhalten werden wir das, was kommt, kaum können. Wir können nur versuchen, uns irgendwie "durchzuwursteln".

  5. #14
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    Mannomann.

    Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll. Also zunächst - mir erscheint vieles von Rifkin als plausibel und einfach konsequent weitergedacht.

    Ich denke, diese Gedanken erscheinen einem deswegen so unvorstellbar, weil man eines nicht bedacht hat - den exponentiellen Faktor bei der ganzen Sache. Blickt man mal zurück auf die lange und große Erfolgsgeschichte des Kapitalismus ist man versucht zu glauben, dass dieses System quasi selbstregulierend -Angebot und Nachfrage, Produktion und Konsum usw usw- immer sehr gut funktioniert hat. Klar, es gab immer Gewinner und Verlierer, Arme und Reiche, aber vor allem die (bald) 60-jährige Bundesrepublik galt ja als Musterbeispiel eines gezähmten Kapitalismus mit menschlichem Antlitz. Und dieses Musterbeispiel hat unbestritten eine beeindruckende wirtschaftliche Karriere in diesen 60 Jahren hingelegt.

    Nun ist aber der Motor des Kapitalismus der wissenschaftlich-technische Fortschritt. Dieser wissenschaftlich-technische Fortschritt hat - sagen wir mal in seiner 2000-jährigen Geschichte - ebenfalls beachtliche Distanzen zurückgelegt. Seit der Zeit der Industrialisierung in immer kürzeren Abständen. Und seit der Computer-/Internet-Revolution hat das Tempo nochmals ganz gewaltig angezogen. Die Folge ist die uns allen mittlerweile bekannte Globalisierung: Man spricht mittlerweile nur noch von Kapital- und Warenströmen. Denn alles fließt. Alles lässt sich mittlerweile genauso schnell hin- und herschieben wie die Elektronen im weltweiten Netz der Bits und Bytes. Nur eines nicht: die Menschen.

    Ein weiteres Problem ist, dass es (noch) kein so perfektes kapitalistisches System gibt, dass die Ressourcen, die es zur Produktion benötigt, vollständig rezyklieren kann (blenden wir den Faktor Energie mal aus).

    Wir sind nun in einer Situation, dass der Motor des Fortschritts immer schneller und schneller dreht, das Vehikel aber noch immer das alte ist: der Mensch und die Umwelt. Und beides kommt bei diesem exponentiellen Tempo irgendwann einfach nicht mehr mit.

    Viele Menschen haben sich so sehr daran gewöhnt, dass der Kapitalismus offenbar so zuverlässig wie ein Naturgesetz funktioniert. Man steckt oben Arbeit rein und unten kommt Wohlstand raus. Das würde er wahrscheinlich auch - wenn man den Fortschritt einfröre. Da dass allerdings nicht geht - aufgrund des humanen Faktors, s.u. - muss die Maschine irgendwann überdrehen und alles fliegt in die Luft.

    Ich habe mir schon so lange den Kopf über dieses Thema zerbrochen und ich habe keine Idee, wie man es lösen könnte. Zumindest nicht unter den Bedingungen des "humanen Faktors". Will sagen: es gäbe natürlich eine Menge Theorien, die sich gut anhören, aber einfach wider die menschliche Natur laufen.

    Der humane Faktor ist für mich vor allem unsere genetische Ausstattung, die unser Verhalten noch immer so stark beeinflusst und zurechtgeschnitten ist auf das Überleben in einer Welt, die genau mit der Erfindung der Zivilisation endete. Und diese genetische Prägung kommt natürlich noch viel weniger mit diesem Tempo mit, weder mit dem kulturellen, noch dem wirtschaftlichen und am allerwenigsten mit dem wissenschaftlichen. Geiz ist geil ist in der Steinzeit sicherlich eine Einstellung gewesen, die über Leben und Tod entschieden hat. Und Fortschritt einfrieren geht auch nicht, weil der Mensch einfach von Grund auf neugierig ist und wissen will.

    Stellen wir uns vor, wie sind irgendwann an dem Punkt, wo es auf der Welt keinerlei Billigproduktions-Schlupflöcher mehr gibt. Überall auf der Welt haben sich die Menschen ihre Rechte erkämpft, alle befinden sich auf dem gleichen Gehaltsniveau, alle haben den gleichen Lebensstandard. Der Faktor Produktion ist keiner mehr, über den man noch einen Vorteil erringen könnte. Und nehmen wir auch mal an, das Energieproblem sei gelöst durch die Einführung der Kernfusion. Nun gibt es nur noch zwei Standortvorteile: Technologie und Umweltressourcen. Wobei das eine jeweils das andere antiproportional ausgleichen kann (bessere Technologie -> besserer Rezyklierung -> geringerer Ressourcenbedarf).

    Dann ist ein System wie von Rifkin vorgeschlagen durchaus denkbar. Denn: jeder Mensch hat ebenfalls - kapitalistisch gedacht - unterschiedliche "Standortvorteile". Oder einfach gesagt: jeder hat von Geburt an unterschiedliche Begabungen. Nicht alle Menschen sind hochintelligent oder künstlerisch begabt, etc. D.h. entweder entwickelt sich tatsächlich ein soziales "Subventionssystem" - Eliten, die mit aller Kraft den Standortvorteil und die Wirtschaft des jeweiligen Landes durch Fortentwicklung der Technologie weiterbringen. Und Nicht-Eliten, deren rein produktive Arbeitskraft in solch einer Zukunft sehr wahrscheinlich viel schwieriger einen Lebensunterhalt einbringen werden. Diese Nicht-Eliten werden also durch die von den Eliten hauptsächlich erwirtschaftete Leistung via Staat subventioniert. Aber natürlich wird es auch nach wie vor (Dienstleistungs)bereiche geben, die niemals durch Technologie, also von Robotern oder Maschinen, ersetzt werden können - paradoxerweise diesmal dank des humanen Faktors. Zum Beispiel Altenbetreuung, Schule, soziale Dienste, Sanitär- und Medizin, etc. - ganz einfach da, wo ein Mensch einen anderen Menschen braucht.

    Eine andere Entwicklung ist allerdings auch denkbar - und es ist keine besonders schöne. Aber ich halte sie dennoch für absolut vorstellbar. Ich habe eben vorausgesetzt, dass der individuelle "Standortvorteil", sprich: das Kapital an Begabungen, das jeder von Geburt an mitbekommt, mehr oder weniger Schicksalsgegeben und nur bedingt durch Erziehung, Weiterbildung und Eigeninitiative veränderbar ist. Nun ist aber die Wissenschaft drauf und dran, selbst hier einzugreifen und die genetische Ausstattung zu verändern. Wird einmal dieses Tabu fallen und es gang und gäbe, die Intelligenz genetisch zu steigern, wird sich auch hier wieder ein kapitalistischer Wettlauf zwischen den Völkern und innerhalb der Völker entwickeln. Denkt man das mal konsequent weiter, dann werden wir irgendwann in einer Welt leben, wo es nur noch angebliche Eliten gibt, die mit aller Anstrengung in Fortschritt investieren. Was das für eine Welt sein wird, kann ich mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen.

  6. #15
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    ihkawimsns postete
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    Doch damit sind wir wieder beim Problem: Regional kann man die Welt nicht verbessern! Das scheinen besonders "ökologische" und linke Parteien aber zu glauben.
    Jein. Man müsste zumindest auf regionaler Ebene damit beginnen, um Überzeugungsarbeit beim "kleinen Mann" zu leisten. Auf einen großen Knall zu hoffen, nach dem es einfach so auf globaler Ebene funktioniert, ist illusorisch.
    Wurde damit nicht schon der vorauseilende Umweltschutz, der ausufernde Ausbau Deutschlands zum Wohlfahrtsstaat (nein, nein, ich habe nichts gegen ein gutes soziales Netz, aber nicht alles was wünschenswert war konnten wir uns wirklich leisten) und zuletzt die Öko-Steuer gerechtfertigt? Wer ist uns wirklich gefolgt und welcher unserer Konkurrenten und Partner wäre diesbezüglich heute nicht dort, wo er heute ist, wenn Deutschland nicht in diesen Punkten enteilt wäre? Nein, wir haben schon zu oft genau dort nationale Alleingänge gewagt wo sie uns nur Nachteile einbrachten und zu oft genau dort..........

    Protektionismus würde, wenn überhaupt, in dieser Radikalität nur funktionieren, wenn er gleichzeitig überall auf der Welt eingeführt würde. Probiert ein Land das allein aus, ziehen dort lediglich Zustände wie in Nordkorea ein.
    ......... wo sie m. E. funktionieren würden, mit dem Hinweis auf Nicht-Machbarkeit unterlassen. Ich teile Deine Ansicht bezgl. nordkoreanischer Verhältnisse nicht. Grund: Ich habe kein Embargo vorgeschlagen, sondern lediglich ein Ausmerzen des Preisdumpings. D. h. jeder hat freien Zugang zu unserem Markt, aber es lohnt sich für ihn nicht mehr seine Arbeiter schlecht zu behandeln, Kinder zu beschäftigen und Boden, Wasser und Luft zu verpesten.

    Solche Maßnahmen werden m. E. zu negativ gesehen und schnell als Sicherung von Pfründen der reichen Industrienationen gegeisselt. Dabei werden die positiven Nebeneffekte übersehen: Fakt ist doch, dass die Bewohner der heutigen Boomländer bei ihrer privaten Lebensstandards meistens vollkommen vom Boom abgekoppelt werden. In China ist zudem Streik verboten, besondere Tarifauseinandersetzungen wird es dort also auch nicht geben. Durch o. g. Maßnahmen würde den Leuten dort durch steigenden Wohlstand eine Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg ihres Landes gesichert. Ausserdem sind Ländern wie China heute ständig bemüht dafür zu sorgen, dass der Boom in ihrem Land nicht überhitzt, denn das würde ironischerweise direkt in eine Wirtschaftskrise führen.
    Diese Regulierung würde ebenfalls über o. g. Maßnahme vorweggenommen, indem es gar nicht Erst dazu kommt, dass ein potentes Land durch Preisdumping 80% des Marktes an sich reisst (was im Fall von China und Indien im Bereich von elektrischen Kleingeräten, Batterien, Textilien etc. ja schon der Fall ist). Das Problem ist ja nicht nur, dass sich in den letzten 20 Jahren die Zahl der Marktteilnehmer auf dem Weltmarkt fast verdoppelt hat, sondern das in diesen Bereichen durch ungesundes und künstliches Preisdumping eine totale Konzentration auf ein dominierendes Erzeugerland stattgefunden hat. Normalerweise sollte das zu steigenden und nicht zu sinkenden Preisen führen! Der Markt funktioniert also nicht mehr so wie er müsste und das hat m. E. alles mit dem Fall des eisernen Vorhangs zu tun. Länder die jahrzehntelang im Kommunismus verhaftet waren, drängen nun mit aller Macht und unter ungleichen Bedingungen mit Überlichtgeschwindigkeit gleichzeitig in den Markt. Dieses Ereignis war so wenig marktwirtschaftlich, wie es Protektionismus ist. Aber genau deshalb hat er m. E. auch seine Daseinsberechtigung in diesem Fall.

    Es ist doch ein Unding, dass man heutzutage fast keine Batterie mehr kaufen kann, die nicht chinesischen Boden und chinesische Menschen verseucht hat - aber hauptsache billig: 8er Packung AA oder AAA-Zellen für 99 Cent im Verbrauchermarkt um die Ecke - kein Wunder, dass kaum ein Markenhersteller da noch in Europa fertigen kann. Dies abzustellen läuft m. E. nicht auf nordkoreanische Verhältnisse hinaus. Ganz im Gegenteil: Es ist recht und billig. Rifkin verweist hier auf den Arbeitsplatzabbau in der us-amerikanischen Stahlindustrie. Fakt ist aber, dass dieser Rationalisierungsprozess in Europa sehr viel schneller und stärker von statten ging. Um seine schlechter aufgestellten US-amerikanischen Unternehmen zu schützen, hat Bush vor nicht all zu langer Zeit einmal Strafzölle auf Importstahl verhängt. Nichts anderes hat die EU vor wenigen Monaten bei den Textil-Importen getan - nur leider 20 Jahre zu spät, denn es gibt heute eigentlich keine nennenswerte Textilindustrie mehr zu schützen und wir müssten mangels nennenswerter Alternativen im Winter ohne neue Mode auskommen - das geht den Politikern aber ja langsam auch auf. Gefragt wären also langfristiger geplante und gesteuerte Maßnahmen.

    Was die Umweltschäden betrifft: Theoretisch müsste jeder Teilnehmer einer Marktwirtschaft seine Entscheidungen nicht nur nach finanziellen, sondern auch nach ökologischen Kosten treffen. Dann wären Waren aus Übersee auch nicht mehr billiger als heimische Ware, was einerseits den lokalen Wirtschaftsstandort stärken und andererseits die Umwelt wegen wegfallender Transportleistungen entlasten würde. Wie man das praktisch umsetzen kann, ist mir jedoch schleierhaft, von der politischen Durchsetzung mal ganz zu schweigen.
    Ja, das ist auch eins der Probleme. Es ist viel zu billig geworden heutzutage eine Ware von A nach B zu kutschieren. Früher hätte sich ein so aufwändiger Transport für viele Waren, auch teurere Waren, nicht gelohnt. Heute fliegt man Centartikel um die halbe Welt.... Wahnsinn! Und ausgerechnet in Deutschland ist Flugbenzin nichtmal steuerpflichtig...

    Die Arbeitslosen sind deshalb so ruhig, weil sie mehrheitlich mit staatlichen Leistungen noch ein recht vernünftiges Auskommen haben. Das wird sich erst dann ändern, wenn es ans Eingemachte geht, sprich wenn Nahrung, Wohnraum etc. eingeschränkt oder ganz gestrichen werden.
    Obwohl ich nicht wüsste, wie ich innerhalb von 12 Monaten meine laufenden Kosten derart runterfahren könnte, um von Hartz IV Bezügen leben zu können, bin ich dann unbedingt der Meinung, dass die Leistungen dann umgehend halbiert werden sollten..... Wenn das sein muss, um die Leute endlich wach zu rütteln, damit sie endlich mal Aufmucken, dann muss das eben sein. Ich glaube aber eher, dass wir Deutschen im allgemeinen einfach aus historischen Gründen zu obrigkeitsgläubig und zu friedlich aufgezogen worden sind. Unsere Nachbarn in Frankreich sind da ganz andere Kaliber. Allerdings nicht nur im positiven Sinne..... ihr Linksruck zu den Sozialisten in den 80er Jahren hat ihnen wirtschaftlich erst richtig das Genick gebrochen und das sollte allen eine Warnung sein, die mit solchen politischen Ideen als bequeme Lösung liebäugeln - sie ist es nicht.

    Wie Torsten einmal treffend formuliert hat: Aufhalten werden wir das, was kommt, kaum können. Wir können nur versuchen, uns irgendwie "durchzuwursteln".
    Ja, das ist es was ich tue. Ich sorge dafür, dass es mir persönlich gut geht. Trotzdem kann ichs nicht lassen mich für Politik zu interessieren, mir Gedanken zu machen und drüber zu diskutieren. Und da wundere ich mich eben, dass Leute die von Verschlechterungen direkter betroffen sind als ich, sich offenbar immer weniger damit befassen und lediglich demonstrieren, dass sie "Kopf in den Sand stecken" für eine Lösung halten sich dauerhaft in der sich verändernden Welt einzurichten.

    PM

  7. #16
    Benutzerbild von DeeTee

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    PostMortem postete
    [Obwohl ich nicht wüsste, wie ich innerhalb von 12 Monaten meine laufenden Kosten derart runterfahren könnte, um von Hartz IV Bezügen leben zu können, bin ich dann unbedingt der Meinung, dass die Leistungen dann umgehend halbiert werden sollten....Wenn das sein muss, um die Leute endlich wach zu rütteln, damit sie endlich mal Aufmucken
    Es geht nicht um's Aufrütteln. Das wird nur recht begrenzt helfen. Ich empfehle Euch, in diesem Zusammenhang einmal die sog. "Unterschichtstudie" zu lesen.
    Link: http://www.stern.de/politik/deutschl...p=4&nv=pr&pr=1
    Hier werden einige Zusammenhänge recht anschaulich verdeutlicht.

    DeeTee

  8. #17
    Engel_07
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    PostMortem postete
    ihkawimsns postete Die Arbeitslosen sind deshalb so ruhig, weil sie mehrheitlich mit staatlichen Leistungen noch ein recht vernünftiges Auskommen haben. Das wird sich erst dann ändern, wenn es ans Eingemachte geht, sprich wenn Nahrung, Wohnraum etc. eingeschränkt oder ganz gestrichen werden.
    Obwohl ich nicht wüsste, wie ich innerhalb von 12 Monaten meine laufenden Kosten derart runterfahren könnte, um von Hartz IV Bezügen leben zu können, bin ich dann unbedingt der Meinung, dass die Leistungen dann umgehend halbiert werden sollten..... Wenn das sein muss, um die Leute endlich wach zu rütteln, damit sie endlich mal Aufmucken, dann muss das eben sein.
    Ich habe die Befürchtung, dass es irgendwann einen Knall geben wird!
    Nur wird dieser nicht einem Befreiungsschlag gleichkommen nach dem Motto "Friede den Hütten! Kampf den Palästen!", sondern eher in Richtung "Alle gegen Alle!" laufen.

    Uns ist scheinbar das Bewusstsein verloren gegangen, dass man gemeinsam etwas bewegen kann. Selbst wertvolle Erfahrungen (Mauerfall durch friedlichen Widerstand/Zusammenhalt nach dem Hochwasser) haben den Menschen hier scheinbar nicht genug Kraft geben können, danach auch weiter zusammen zu stehen und zu kämpfen. Dem Westen unserer Republik fehlen diese Erfahrungen eh.

    Ferner hat die Entäuschung über die nicht erfüllten Hoffnungen und Versprechen viele Bürger in eine tödliche Lethargie zurück geworfen!
    (Ja, ich weiß, klingt sehr pathetisch! Und ich weiß auch, dass wir armen kleinen Wichte nicht die Welt verändern können. Trotzdem muss es doch mal einen Anfang geben, oder? Scheinbar nicht.)

    Ich glaube allerdings nicht daran, dass es in den nächsten Jahren zu einem Erstarken einer rechten Partei kommen wird. Ich befürchte wirklich eher, dass diejenigen, denen es dreckig gehen wird, lediglich um ihr eigenes Überleben kämpfen werden.

    Warum? Weil es jetzt schon vermehrt zu Überfällen und Wohnungseinbrüchen kommt. Ich habe dafür jetzt auf die schnelle keine Beweise und Statistiken zur Hand. Aber zumindest für Krefeld kann ich feststellen, dass ich im letzten Jahr ständig zu hören bekomme, dass in Wohnungen, Büros und Arztpraxen eingebrochen wurde. Selbst bei meiner Arbeitstelle wurde zweimal eingebrochen und es gab noch einen dritten fehlgeschlagenen Versuch innerhalb von neun Monaten! Dabei wurde "lediglich" das Geld aus der Getränkekasse geklaut. PCs und Monitore, oder andere Elektrogeräte, wie DVD-Player, TV, Videokamera wurden nicht angerührt! Dafür wurde aber die Wohnungstür total demoliert, sowie diverse verschlossene Roll-Container und Schränke.

    Im laufenden Betrieb wurde in einer Praxis, welche sich eine Etage über uns befindet, ebenfalls die Kaffekasse geklaut.

    Das befürchte ich wird der neue Trend! Und nicht "Wir alle zusammen gegen die Mächtigen!"

    Ein weiteres trauriges Indiz dafür dürfte auch das politische Desinteresse gerade der Jungen sein. Unsere Mituser ihkawimsns und McFly bilden da eine löbliche Ausnahme!

    Ich arbeite nun schon seit sechs Jahren in einer Fördermaßnahme für Auszubildende. Glaubt ihr, die kennen z.B. den Unterschied zwischen Bundeskanzler und Bundespräsident??? Ja denkste!
    Nun sind "meine" Azubis sicherlich nicht das Maß aller Dinge, aber fragt mal waschbaer! Ich schätze mal, dass selbst unsere so hochgelobten bayrischen Schüler da teilweise ähnlich unmotiviert und unwissend sind!

    Allerdings muss ich "meinen" Azubis zu 99% zugute halten, dass (und das ist für mich z.B. ein Punkt, der gegen ein Erstarken einer rechten Partei spricht) sie auch rechtsradikalen Parteien und rechten Schlägern keine Chance einräumen und das, obwohl viele von ihnen schon reichlich Stress mit Ausländern hatten (meist am Wochenende in irgendwelchen Discos, wenn es um Frauen ging ).

    O.k, das war jetzt ein Beitrag lediglich zu einem minimalen Teil des Ursprungsthemas, aber das musste ich jetzt mal loswerden. Dem Link von DeeTee kann ich erst später folgen, das ist um diese Uhrzeit echt nicht mehr drin .

    Für zum Schluss:
    Herr Rifkin sieht z.B. eine Chance in der Sozialarbeit.
    Erst war ich skeptisch, aber wenn man den Leuten vielleicht ein Stück weit ein Miteinander in Form einer Nachbarschaftshilfe vermitteln könnte, die es in ländlicheren Gebieten ja durchaus noch gibt, wäre das vielleicht tatsächlich ein Ansatz. Ich war schon immer ein Fan von Tauschgeschäften! *träum*

  9. #18
    Benutzerbild von UnknownPleasure

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    Futurologie:

    1975 - Die Menschen werden in der Zukunft nicht mehr arbeiten müssen
    2005 - Die Menschen werden in der Zukunft keine Arbeit mehr finden

    PostMortem postete
    Die Arbeitslosen sind deshalb so ruhig, weil sie mehrheitlich mit staatlichen Leistungen noch ein recht vernünftiges Auskommen haben. Das wird sich erst dann ändern, wenn es ans Eingemachte geht, sprich wenn Nahrung, Wohnraum etc. eingeschränkt oder ganz gestrichen werden.
    Obwohl ich nicht wüsste, wie ich innerhalb von 12 Monaten meine laufenden Kosten derart runterfahren könnte, um von Hartz IV Bezügen leben zu können, bin ich dann unbedingt der Meinung, dass die Leistungen dann umgehend halbiert werden sollten..... Wenn das sein muss, um die Leute endlich wach zu rütteln, damit sie endlich mal Aufmucken, dann muss das eben sein. Ich glaube aber eher, dass wir Deutschen im allgemeinen einfach aus historischen Gründen zu obrigkeitsgläubig und zu friedlich aufgezogen worden sind. Unsere Nachbarn in Frankreich sind da ganz andere Kaliber. Allerdings nicht nur im positiven Sinne..... ihr Linksruck zu den Sozialisten in den 80er Jahren hat ihnen wirtschaftlich erst richtig das Genick gebrochen und das sollte allen eine Warnung sein, die mit solchen politischen Ideen als bequeme Lösung liebäugeln - sie ist es nicht.
    Nun, ich könnte euch schildern, wie das ist, ohne jegliche Transferleistungen leben zu müssen - dies schließt auch die Beiträge in die Rentenkasse und die Krankenversicherung ein. Und das, weil man in Berlin der Meinung ist, daß nun meine Lebensgefährtin mich mitversorgen soll, weil sie ja ein so hohes Einkommen hat.
    Immerhin war man beim zuständigen Sozialgericht der Meinung, daß das Auseinanderbrechen einer Lebensgemeinschaft unter einem Dach in Kauf genommen werden müsse. Rechnen wir mal kurz nach (unter der Prämisse, daß ich eine Leistung erhalten würde):

    Sie und ich zusammen in einer Wohnung - 345€ ALG II, RV, KV (daß vom Regelsatz zusammen mit dem Einkommen meiner Freundin die Miete bestritten werden müßte, ist für mich durchaus noch einzusehen, also keine KdU)
    Sie und ich, jeder in der eigenen Wohnung - 345€ ALG II, RV, KV, KdU, Kosten für Erstausstattung, Kosten Umzug; weitere Kosten, die nicht unbedingt als zurückzuzahlendes Darlehen zu gewähren sind

    Okay, derzeit kommt man mit der derzeit gültigen Lösung günstiger weg; und da das Bundesverfassungsgericht derzeit auf einem äußerst politik- und wirtschaftsfreundlichen (neoliberalen) Kurs ist, wird es über kurz oder lang (geschätzt: in 3 - 7 Jahren) die Verfassungsmäßigkeit des SGB II bestätigen und dem weiteren Abbau sozialer Leistungen Tür und Tor öffnen.

    Allein, deswegen habe ich immer noch keine Anstellung gefunden (die "1.000 Bewerbungen-Marke" hatte ich zum Jahreswechsel geknackt). Und mit mir (eine Minderheit von "nur" ca. 300.000 Menschen, die jetzt nichts mehr bekommen und entgegen der Lügen Clements nicht mehr in der offiziellen Arbeitslosenstatistik geführt werden) bemühen sich über 2,8 Mio. Langzeitarbeitslose (nach offizieller Version) darum, dem Teufelskreis, der durch Hartz IV erst richtig angeheizt wurde, zu entkommen.
    Unsere Kontos sind mittlerweile im tiefroten, unsere nicht gerade üppigen Ersparnisse mittlerweile fast vollständig für den Lebensunterhalt aufgebraucht. Mal sehen, wann die Stadtwerke auf den "Ölpreis-Zug" aufspringen und uns eine Nachzahlung präsentieren werden, bei der uns die Tränen kommen - wie auch in den Jahren zuvor.

    Ich könnte jetzt stundenlag so weitermachen, kürze aber die Show an dieser Stelle ab und bringe es auf den Punkt: der Standort Deutschland wird systematisch kaputtgemacht. Und zwar nicht von den Arbeitslosen.

    Think about this.

  10. #19
    Benutzerbild von frasier

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    ihkawimsns postete
    Abgesehen davon wird auch in Australien auf absehbare Zeit Schluss sein mit Wachstum. Spätestens dann, wenn die Ressourcen, auf denen das Wachstum beruht, zur Neige gehen.
    Lässt sich der Zusammanhang zwischen eigenen Ressourcen und Wachstum eigentlich belegen?

    Ich hab da einige Zweifel, angesichts dessen, dass es einige Länder auch ohne nennenswerte Bodenschätze über lange Zeit geschafft haben, Wirtschaftswachstum zu erzielen.

  11. #20
    Benutzerbild von DeeTee

    Registriert seit
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    1.928
    In der TAZ von gestern war ein - wie immer - bemerkenswerter Artikel von Gabriele Goettle über Hartz IV. Ein Interview mit einer Mitarbeiterin Der Arbeitsagentur:

    Auszug

    "Produktion von Parias"
    ...
    Es ist doch ein Skandal, dass kein einziger von den entscheidenden Leuten es wagt, sich hinzustellen und zu sagen: Okay, wir ziehen das jetzt rigoros durch und wir machen das, weil wir es so haben wollen, nicht weil mit Hartz IV Arbeitsplätze entstehen. Basta! Das wagt keiner. Das mit den versprochenen Arbeitsplätzen ist natürlich eine Illusion. Es gibt keine Arbeitsplätze und es wird auch keine geben. Nie mehr! Keiner kennt dieses Dilemma besser als die Behörde.
    Kompletter Artikel: http://www.taz.de/pt/2005/08/29/a0180.nf/text

    DeeTee

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