Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Zeige Ergebnis 1 bis 10 von 16

Lockerung der Wehrpflicht/Zuvieldienst :D

Erstellt von JJ28, 15.04.2003, 16:15 Uhr · 15 Antworten · 1.445 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von JJ28

    Registriert seit
    24.01.2003
    Beiträge
    474
    Hi,
    jeder dritte Mann ist für die Bundeswehr nicht tauglich, jetzt wollen sie zusätzlich
    nur noch Leute einziehen, die unter 23 Jahre sind, nicht verheiratet sind und mit 1 oder 2
    gemustert worden sind. - Stimmt so ungefähr? Habe es gerade im Radio mitbekommen.

    Man, wenn ich an meine 15 Monate denke, und die armen Schweine in den achtziger Jahren, die noch 18 Monate Bund oder 24 Monate Zivildienst leisten mussten

    Mh, die Bundeswehr will ja die Anzahl der Wehrpflichtigen abbauen, jedoch die Zivis, die dann im sozialen Bereich fehlen werden, lässt das System dann entgültig zusammenbrechen?

    Auf der anderen Seite sollte man einem motivierten Menschen das Leben durch solche Zwangsdienste auf Geringverdiener-Niveau nicht versauern, da manch alter Labersack sich über
    die "rechtlosen Langhaarigen" aufregt. Fand ich immer ganz schlimm


    CU
    JJ

  2.  
    Anzeige
  3. #2
    Benutzerbild von bubu

    Registriert seit
    29.05.2002
    Beiträge
    1.632
    ich warte ja nur auf den tag, wo diese unselige wehrpflicht endlich abgeschafft wird! es gibt doch genügend bekloppte, die das freiwillig machen wollen, und auch noch viel länger als die pflichtzeit. sollen die doch ran! und sollen die dafür dann auch bezahlt werden.

    klar, ohne zivis wird es ein gewaltiges problem im sozialen sektor geben. aber da war von anfang an ein fehler im system - dieses gesundheitssystem konnte nur aufgrund der gewaltigen billiglohn-leistung der zivis in dieser form existieren. so gehts halt einfach nicht.

    und mal abgesehen davon: welcher sinn steckt darin, jemanden, der keinen kriegsdienst mit der waffe leisten will, dazu zu zwingen, ein jahr (oder früher noch länger) seines lebens im sozialen dienst zu verbringen? was hat das denn mit dem wehrdienst zu tun? wo ist der adäquate pädagogische effekt? diese zeit hat man in heutigen rezessionszeiten doch dringend nötig, um seine ausbildung zu beginnen, sich um einen job zu bemühen, etc.

    bubu

  4. #3
    Benutzerbild von
    In Zeiten, als die Bundeswehr der Landesverteidigung diente, habe ich die Wehrpflicht schon nicht besonders gemocht, aber ich konnte ihre Daseinsberechtigung gerade noch nachvollziehen.

    Jetzt wird die Bundeswehr komplett umgebaut. Die Verteidigung unseres Landes auf eigenem Boden spielt nur noch eine untergeordnete Rolle - wir sind durchweg von Freunden umgeben, die uns alle nichts böses wollen.

    In einer solchen Zeit und in einem freien und demokratischen Land, hat ein Zwangsdienst wie die Wehrpflicht keine Berechtigung mehr. Ich bin kein besonderer Pazifist, von mir aus können wir ruhig eine gut ausgerüstete Berufsarmee haben, die darf auch gerne was kosten. Aber Pflichtdienste sind mir ein Greuel.

    Wenn ich dann noch Lieschen Müller von der Straße höre, die wieder diese ollen Kamellen runterbetet "Aber Frauen sind doch auch 9 Monate schwanger" oder "Meinem Freund/Sohn hat das nicht geschadet, der hat da Ordnung gelernt!!!", kommts mir hoch. Für so einen Schrott gibt man nicht sein Grundrecht auf Selbstbestimmung her, verliert seinen Job, bekommt gar nicht erst einen oder verplempert ein weiteres Jahr, weils mit dem Ausbildungs-/Studienbeginn nicht mehr hinhaut!

    Dave

  5. #4
    Benutzerbild von DeeTee

    Registriert seit
    19.12.2001
    Beiträge
    1.928
    Hi!
    @all:
    Ich glaube, Euch fehlen da ein paar Fakten, um die Änderungen bezüglich der Wehrpflicht angemessen beurteilen zu können.

    Der Verteidigungsminister, die Führungsgremien der Bundeswehr sowie die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten sind für den Erhalt der Wehrpflicht. Nicht ohne Grund. Das zentrale Problem ist allerdings die indirekt durch das Grundgesetz geforderte Wehrgerechtigkeit. Diese ist nicht mehr gegeben, wenn die Bundeswehr nur ca. 75 % der ihr zur Verfügung stehenden Wehrpflichtigen heranzieht, während das Bundesamt für den Zivildienst knapp 100% der anerkannten Kriegsdienstverweigerer heranzieht. Das Problem liegt - jenseits finanzplanerischer Überlegungen - im wesentlichen darin, dass der Bundeswehr mehr Leute zur Verfügung stehen, als sie tatsächlich brauchen kann. Jedoch möchten Bundeswehr und Parlamentarier nicht auf die Wehrpflicht verzichten, unter anderem aus folgenden Gründen:
    - die Wehrdienstleistenden sind Potential und Ressource, um geeignete Berufssoldaten zu werben;
    - eine Wehrpflichtigenarmee ist transparenter und durch den ständigen Austausch besser in der Gesellschaft verankert;
    - der grundgesetzliche Verteidigungsauftrag und die Bündnisverpflichtungen verlangen Streitkräft in hinreichendem Umfang. Dies kann derzeit nur durch Wehrpflichtige garantiert werden, die Aufgaben im Inland übernehmen und so die Berufssoldaten ersetzen, die im Ausland eingesetzt werden.
    - eine Freiwilligen-/Berufsarmee ist in jedem Fall teurer als die derzeitige Wehrpflichtarmee. Wer's nicht glaubt, sollte sich mal die Militäretats von Frankreich und Spanien anschauen. Seitdem diese Länder die Wehrpflicht ausgesetzt haben, ist dieser Posten im Haushalt jährlich gestiegen.

    Man kann die Wehrpflicht übrigens nicht durch den Zivildienst legitimieren. Da hätte das Verfassungsgericht auch was dagegen Es gibt derzeit keine ausformulierte Planung darüber, wie man den Zivildienst ersetzen kann. Mit freiwilligen sozialen Dienst ist das jedenfalls nicht zu machen. Es werden sich nicht 100.000 Freiwillige pro Jahr melden. Zivis sind nicht unsetzbar, aber ohne sie würden bestimmte Bereiche im Sozialwesen erheblich teurer werden und die Arbeitsbelastung für das Stammpersonal z. B. im Krankenhaus würde weiter steigen. Dies verschärft wiederum den bekannten Pflegenotstand.

    Die aktuellen Maßnahmen, die Herr Struck und Frau Schmidt vereinbart haben, sollen daher den Druck bezüglich der Wehrgerechtigkeit *vorübergehend* vermindern und sowohl der Bundeswehr als auch den Wohlfahrtsverbänden Planungssicherheit verschaffen. Abschließend wird über die Zukunft der Wehrpflicht erst in 2006 entschieden. Dann steht wohl das Gerüst eines europäischen Verteidigungskonzeptes fest.
    Grüße!
    DeeTee

  6. #5
    Benutzerbild von JJ28

    Registriert seit
    24.01.2003
    Beiträge
    474
    Hi DeeTee,
    danke für die Fakten.
    Die Wehrgerechtigkeit ist doch mittlerweile ein alter Hut, oder?
    Die war schon vor 10 Jahren nicht mehr gewährleistet, es gab da einige Schulabgänger, die nicht gleich einberufen wurden, nicht verweigerten, ihr Studium begannen und dann vor der Zwischenprüfung auf einmal gezogen wurden. Um dann ein Zeitverlust von 2 oder 3 Jahren in Kauf zu nehmen. - Bitter!
    Der Zivildienst ist um ein Drittel länger, da die Reserveübungen entfallen.
    Bloß, welcher "Bundi" wird heute noch zu so einer Übung gezogen?
    Die sind, wenn sie mal überhaupt mit 25 eine Einladung erhalten, auf einmal totkrank und lassen sich noch schnell ausmustern, oder reagieren überhaupt nicht auf den Wisch.

    MH, aus heutiger Sicht bin ich froh, dass ich damals verweigert habe, das ging kurz und sch(m)erzlos.
    Allerdings ist dieser Gewissenskonflikt, den man der Verweigerung beifügen muss ,und auch einigermaßen plausibel sein sollte , doch etwas "umständlich".

    Wenn man die Schule verlässt und schon konkrete Berufswünsche hat, dann sollte man als zukünftiger Mediziner doch lieber rechtzeitig verweigern und den Zivildienst als Berufeinstieg sehen und nicht als Zwangsdienst.
    Dann wird aus den Gewissensgründen recht schnell die berühmten "gewissen Gründe"

    So gesehen ist das eh recht verlogen, oder?

    ....

    - die Wehrdienstleistenden sind Potential und Ressource, um geeignete Berufssoldaten zu werben;

    Ok, das ist ein Argument

    ....
    - eine Wehrpflichtigenarmee ist transparenter und durch den ständigen Austausch besser in der Gesellschaft verankert;

    Wirklich? Aber es gibt doch einige, die es halt machen, weil man es schon immer so machte. Und als Wehrpflichtiger ist man doch ein äußerst rechtloses Wesen, ob es da einen Unterschied macht, ob man eine reine Berufsarmee hat oder nicht, die Führungsspitze trifft die Entscheidungen.

    .....
    - der grundgesetzliche Verteidigungsauftrag und die Bündnisverpflichtungen verlangen Streitkräft in hinreichendem Umfang.

    Naja, in einer 3-monatigen Grundausbildung lernt man nicht gerade viel, oder?
    Da kann der Wehrpflichtige allenfalls als Unterstützung einspringen, er kann Sandsäcke schleppen, ihn in Kriegsgebiete zu schicken wäre meiner Meinung nach unverantwortlich. Man erinnere sich an die Qualität des Volkssturms

    Zu meiner Zeit ( Ende 90 ) wurde während der Musterung und der Eignungs- und Verwendungsprüfung der Bundeswehr über solche Themen nicht diskutiert, satt dessen ging der Underberg im Kreiswehrersatzamt herum und bei der EVP brüllten die auch rum wie die letzten Idioten.
    Danach stand meine Verweigerung innerhalb einer Woche

    ....
    - eine Freiwilligen-/Berufsarmee ist in jedem Fall teurer als die derzeitige Wehrpflichtarmee. Wer's nicht glaubt, sollte sich mal die Militäretats von Frankreich und Spanien anschauen. Seitdem diese Länder die Wehrpflicht ausgesetzt haben, ist dieser Posten im Haushalt jährlich gestiegen.

    Ja, das kann schon sein. Durch eine Berufsarmee steigen die Lohnkosten und - da hört man schon Proteste von Abgeordneten in Amerika - diese rekrutiert seine Soldaten überwiegend aus der Unterschicht, welche sich eine normale Ausbildung nicht leisten können.



    Cu
    JJ

  7. #6
    Benutzerbild von Imaginary Boy

    Registriert seit
    14.10.2001
    Beiträge
    417
    De neue Regelung betrifft mich (zum Glück) ziemlich direkt, da ich vor einer Woche nachträglich ausgemustert wurde und nun feststeht, dass ich in Zukunft aufgrund meines Studiums und des dann zu hohen Alters nicht mehr einberufen werden kann. Womit ich dann jetz ersma ein halbes Jahr Urlaub hätte ;-).
    Auf jeden Fall hab ich mich schwer getäuscht darin, in der Bundeswehr ein notweniges Übel zu sehen, das mal mir nix, dir nix in 9 Monaten absolviert werden muss, um dann ein "geregeltes" Leben mit Praktikum, Studium usw. weiterzuführen, obwohl ja der Tagesablauf in der BW ja geregelter eigentlich nicht sein kann. Das stieß mir in den nur knapp 5 Tagen, die ich beim Bund verbrachte, schon heftig auf.
    Vielleicht klingt es pauschal, aber wer es soweit erträgt, von morgens bis abends (von meist gleichaltrigen oder sogar jüngeren Vorgesetzten) angeschnauzt zu werden und jede Form von Selbstbestimmung und Privatsphäre aufgeben zu müssen, dass er sich darüber hinaus noch für weitere Monate oder bis zum seinem Lebensende verpflichtet, hat im Grunde nen Hang zum Masochismus oder starke Rachegelüste gegen seine Ausbilder, die man in der Zukunft dann selber als Vorgesetzter befriedigen will.
    Anders kann ich mir ein weitergehendes Engagement, zumal in wirklichen Friedenszeiten, was Europa betrifft, nicht erklären. Das Argument, man bräuchte 250.000 Mann incl. Wehrpflichtige, um die vereinzelten (ich glaub 4000 sinds momentan) Soldaten im Auslands-"Einsatz" zu unterstützen und ihnen quasi Rückendeckung zu geben, ist ja, wie der Franzose sagt, "out of every proportion"!

    Gruß
    Irvine

  8. #7
    Benutzerbild von JJ28

    Registriert seit
    24.01.2003
    Beiträge
    474
    Na, dann möchte ich mal gratulieren!
    Gibt es Tipps, wie man sich erfolgreich nachträglich ausmustern lassen kann?
    Nun ja, die "Schule der Nation" stößt im Allgemeinen nicht auf Begeisterung?
    Als meine Eltern Abitur machten, es war Anfang der siebziger Jahre, da wollte eigentlich keiner von den Männern zum Bund; bis auf einen, der wollte sogar Zeitsoldat werden. Den haben sie allerdings ausgemustert, hatte wohl nicht die richtige Gesinnung, oder, vielleicht lief er auch nicht ganz zentrisch

    Zu deinen Rachegelüsten:
    Die Bundeswehr soll ja auch kein Tanzballet sein, sondern Soldaten ausbilden, die auf Befehl gehorchen und zur Not auch ohne Widerspruch töten.
    Ich habe ein paar Sendungen im TV verfolgt, wo ehemalige Berufssoldaten über ihre gesundheitlichen Schäden berichteten, die sie durch Kriegseinsätze erlitten.
    Vermutlich eine Persönlichkeitsveränderung aufgrund schrecklicher, unverarbeiteter Erlebnisse. Akut selbstmordgefährdet werden sie durch Medikamente ruhig gestellt. Eine Hilfe durch die Armee bzw. "Arbeitgeber" gibt es nicht.
    Mh, dagegen ist die Bundeswehr ein Haufen Trockenschwimmer, die noch nie Schreckliches erlebt haben.
    Und ob es gerade Masochisten sind, die eine Stellung beim Bund oder als Beamter suchen, das wage ich zu bezweifeln. Vielmehr Sadisten können sich, wenn erst einmal "hochgedient", dort ungestört austoben. Was in normalen Arbeitsverhältnissen weniger der Fall sein wird.
    Zucht und Ordnung


    Ja, dann lass dich aber nicht ein halbes Jahr hängen, wenn du weißt, was du wo studieren möchtest, kümmere dich schon mal um ein WG Zimmer, vielleicht kannst du die höheren Semester auf Vorlesungsskripte ansprechen, und manche Studiengänge bieten, von Studenten und HIWIS geleitete, spezielle Vorkurse 4 - 6 Wochen vor Ende der Semesterferien an, die den Einstieg ins studium erleichtern.


    Cu
    JJ

  9. #8
    Benutzerbild von Imaginary Boy

    Registriert seit
    14.10.2001
    Beiträge
    417
    JJ28 postete
    Na, dann möchte ich mal gratulieren!
    Na, dann ich möchte ich mal "Danke" sagen.

    Gibt es Tipps, wie man sich erfolgreich nachträglich ausmustern lassen kann?
    Ich hatte es in der Hinsicht schon mal ziemlich leicht, dass ich aufm Kreiswehrersatzamt schon nur als "nur eingeschränkt tauglich" gemustert wurde, was dem "behandelnden" Arzt beim Bund natürlich vorlag. Behandelnd deswegen in Anführungszeichen, da er einfach nur auf seinen von mir vorher ausgefüllten Zettel, auf denen ich alle Krankheiten schrieb, schaute und sich die Untersuchung aufgrund der angeblichen Schwere der Krankheiten und der vorm Arztzimmer in Reih und Glied stehenden anderen 150 Patienten sparte und mir einfach aufs Wort glaubte. O-Ton: "Und sie fühlen sich wirklich fit?"; "Was wollen sie eigentlich hier?"; "Spätestens übermorgen sind sie aus dem Verein (*g) hier draußen!"
    Beschwerden, die Eindruck hinterlassen, sind z.B. alle Sachen die mitm Rücken zu tun haben (also Skoliose, Scheuermann, Beckenschiefstellung, Bandscheibenvorfälle, etc.) und Wehwehchen ala Bluthochdruck, Schwindelanfälle, Pulsrasen, Blackouts usw.. Letztere lassen sich zum Glück nicht allzu schnell nachweisen und die Ärzte schlucken das dann meistens.

    Und ob es gerade Masochisten sind, die eine Stellung beim Bund oder als Beamter suchen, das wage ich zu bezweifeln. Vielmehr Sadisten können sich, wenn erst einmal "hochgedient", dort ungestört austoben.
    Sagen wir so: man macht ne Persönlichkeits- und Gesinnungsänderung vom anfänglichen Masochisten späteren Sadisten, der seine Rachegelüste ungehindert austoben kann!

    Ja, dann lass dich aber nicht ein halbes Jahr hängen, wenn du weißt, was du wo studieren möchtest, kümmere dich schon mal um ein WG Zimmer, vielleicht kannst du die höheren Semester auf Vorlesungsskripte ansprechen, und manche Studiengänge bieten, von Studenten und HIWIS geleitete, spezielle Vorkurse 4 - 6 Wochen vor Ende der Semesterferien an, die den Einstieg ins studium erleichtern.
    Damit hast du ziemlich genau das umschrieben, was ich in den nächsten Monaten vorhatte, zu tun. Bin grad auf Wohnungssuche in Aachen und belege vorm Semester noch Mathe- und Physik-Vorkurse. Letzeres war ein weiterer Grund für meien Ausmusterung, da der Arzt nen Kumpel hatte, der ebenfalls ich Aachen studierte. Von dem hatte er gehört, dass Vorkurse unbedingt notwendig seien und nachdem ich ihm meien Zukunftspläne erzählt hatte, war meine Ausmusterung damit schon in trockenen Tüchern...*g


    Gruß
    Matthias

  10. #9
    Benutzerbild von DeeTee

    Registriert seit
    19.12.2001
    Beiträge
    1.928
    JJ28 postete
    Die Wehrgerechtigkeit ist doch mittlerweile ein alter Hut, oder?
    Die war schon vor 10 Jahren nicht mehr gewährleistet, es gab da einige Schulabgänger, die nicht gleich einberufen wurden, nicht verweigerten, ihr Studium begannen und dann vor der Zwischenprüfung auf einmal gezogen wurden. Um dann ein Zeitverlust von 2 oder 3 Jahren in Kauf zu nehmen. - Bitter!
    Nun ja, man konnte schon wissen, dass der Wehr- bzw. Zivildienst auf einen wartet. Warum sollte man also ein Studium beginnen. Außerdem tritt kein "Zeitverlust von 2 oder 3 Jahren" auf. Die erworbenen Proseminarscheine gelten doch weiterhin.

    Der Zivildienst ist um ein Drittel länger, da die Reserveübungen entfallen.
    Bloß, welcher "Bundi" wird heute noch zu so einer Übung gezogen?
    Diese längere Dauer gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr. Derzeit haben wir 9 Monate Wehrdienst und 10 Monate Zivildienst. Ca. 10 % eines Jahrgangs müssen derzeit noch zu einer Reserveübung.
    Der sog. "Ausschöpfungsrest" der Bundeswehr liegt für die Geburtsjahrgänge 1975-78 zwischen 2,2 und 3,9 %. Dieser Anteil der zur Verfügung stehenden wird nicht herangezogen. Das sind die offiziellen Zahlen der Bundeswehr. In der Realität, bes. für die JAhrgänge ab 1978 liegt die Quote erheblich höher. Daher die neue Gesetzeslage.


    Aber es gibt doch einige, die es halt machen, weil man es schon immer so machte. Und als Wehrpflichtiger ist man doch ein äußerst rechtloses Wesen, ob es da einen Unterschied macht, ob man eine reine Berufsarmee hat oder nicht, die Führungsspitze trifft die Entscheidungen.
    Nun ja, in den USA sind es die Gegner (!) des Irakkrieges gewesen, die die Wiedereinführung (!) einer allgemeinen Wehrpflicht fordern. Sie wollen erreichen, dass auch die Kinder der Mächtigen und gutsituierten Politker und Wirtschaftsleute den Kopf für politische veranlasste Kriegsentscheidungen mithinhalten müssen. Derzeit werden vorwiegend Leute aus der Unterschicht für die Armee geworden und dann in den Krieg geschickt. Diejenigen, die diese Entscheidungen treffen, merken in ihrer Familie vom Krieg gar nichts. Berufssoldaten werden so sehr schnell zur beliebigen Verfügungsmasse verschiedenster Interessensgruppen. Bei einer Wehrpflichtigen-Armee ist das nicht so einfach.

    Grüße!
    DeeTee

  11. #10
    Benutzerbild von JJ28

    Registriert seit
    24.01.2003
    Beiträge
    474
    @Irvine
    Hast wirklich Glück, dass du ausgemustert worden bist. Jetzt hast du genug Zeit und kannst dein Studium in aller Ruhe anfangen.
    Was ist das überhaupt für eine Perspektive, 9 Monate Bund, dann biste mitten im Winter fertig und hast dann ein Jahr verloren.
    Ja, die Vorkurse sollen ganz nützlich sein, schau aber zur Sicherheit in den Vorlseungen nach, frag zusätzlich nach von Profs. empfohlende Bücher und die Übungsaufgaben samt Lösungen aus den Übungsgruppen.
    Dann bist du mit deinen 19 oder 20 Jahren einer der jüngsten Studenten, es gibt ja auch einige, die vor Studienbeginn eine Ausbildung absolviert haben.


    @DeeTee

    ....Außerdem tritt kein "Zeitverlust von 2 oder 3 Jahren" auf. Die erworbenen Proseminarscheine gelten doch weiterhin.....

    Nur dumm, wenn sie dich mitten im Semester ziehen, dann kannste die Klausuren nicht schreiben, bist ein Jahr draußen, und wenn du dann wieder einsteigen möchtest, dann hast du den Anschluss an deine "Clique" verloren.
    OK, es ist von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich. Nur, nach einem Jahr hast du ja auch einiges vergessen.

    .....die Kinder der Mächtigen und gutsituierten Politker und Wirtschaftsleute den Kopf für politische veranlasste Kriegsentscheidungen mithinhalten müssen....

    Und selbst wenn die allgemeine Wehrpflicht wieder in Amerika eingeführt werden würde, die Kinder der wirklich "Einflussreichen" werden sie niemals kriegen. Dann wird der Sohnemann auf ein Schweizer Internat geschickt, oder, da in Amerika Bildungsabschlüsse nun mal viel käuflicher sind, werden diese nach kurzer Zeit in höhere Postionen befördert, dann stehen sie als Kanonenfutter auch nicht mehr zur Verfügung.

    MH, unser Bobbele hat auch nie gedient, statt das Gewehr hat er den Tennisschläger geschwungen, und der damalige Verteidigungsminister erzählte was von Verdiensten für Deutschland.

    Naja, auch hier in Deutschland sind während des Irak-Kriegs 90/91 einige Stimmen laut geworden, dass die Verweigerung mittlerweile ein "Abiturientensport" sei; von den 45 Wehrpflichtigen meines Jahrgangs sind gerade mal noch 4 zum Bund gegangen. Zwei von denen wurden über den Tisch gezogen, sie wollten nach der Grundausbilung ins Ausland wegen des angeblich höheren "Entschädigungsaufwands", leider wurde da nichts daraus.

    Ich hörte mal von einem, der 86/87 beim Bund war, dass er auf Drängen seiner Mutter nach der Grundausbildung zu einer Panzertruppe versetzt wurde, anstatt zu einem "Gammeldienst". Die Mutter hat wohl regelmäßig bei einem Vorgesetzten angerufen und gut Wetter gemacht.
    Ob das stimmen kann?

    Einer aus meinem Jahrgang vereigerte kurzfristig, da der Vater ein Beamter in leitender Funktion war, liefen unter der Hand ein paar Telefonate nach Köln, und Sohnemann hatte nach 2 1/2 Wochen die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer. Sein Freund, der keine Beziehungen hatte, erhielt seine Anerkennung erst nach einem 1/2 Jahr, und so verlor er ein ganzes Jahr, da sein Studiengang nur zum WS anfing.


    Cu
    JJ

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte