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Melancholie & Depression: War früher alles besser?

Erstellt von Orange, 19.04.2006, 00:18 Uhr · 14 Antworten · 2.093 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von PostMortem

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    Orange postete
    In den "Erfolgsbüchern" wird einem ja immer eingeredet,
    dass JETZT jedem seine "beste" Zeit ist und nicht
    die der Kindheit, Jugend oder sonstwann...
    Sowas lese ich nicht, vielleicht habe ich deshalb weniger Probleme damit ;-)

    Irgendwie häng ich aber an meiner Kindheit und Jugend,
    da es mich das alles ziemlich geprägt hat. Das fängt
    mit einem Amiga 500 an, geht über Hotdogs am Balaton
    und hört bei der Titelmelodie der (alten!) Tagesschau auf.

    Klar finde ich auch Gefallen an "neumodischen" Dingen,
    lehne aber manche kategorisch ab. Deswegen gibt es
    auch im Job öfter mal Zoff, weil Kunden mit dem 80er
    Stil (Mediendesign) von mir nichts anfangen können.

    Geht es Euch ähnlich? Oder bin ich einfach zu festgefahren
    und sollte alles lockerer sehen...?
    Die Frage, ob wir 80s Freaks uns "nur" nach der Zeit unserer Jugend sehnen, so wie die Generationen vor uns, sehe ich noch nicht abschließend beantwortet. Ich persönlich habe jedenfalls nicht das Gefühl, dass die Dinge die ich vermisse insbesondere mit meiner Jugend zu tun haben. Würde ich meine Jugend vermissen, stünde vor allem im Vordergrund, dass ich mich nicht ums Einkommen kümmern musste und kindlich/jugendlich rumspielen konnte ohne Verantwortung übernehmen zu müssen. Abgesehen davon, dass das bei mir als Scheidungs- und Schlüsselkind sowieso nicht gegeben war und es genug Schicksalsschläge gab, die mir meine Jugend spätestens rückblickend hätten vermiesen können (müssen?), vermisse ich die Zeit der mittleren bis ausgehenden 80er Jahre.

    Für mich hat das aber mit dem Ende der sog. "Bonner Republik" zu tun. Wir sind in die Globalisierung des 21. Jahrhunderts eingetreten (was insbesondere das globale Wirken des Geldes bedeutet) und wir alle spüren ihre schlimmen Folgen.

    In den 80ern waren wir noch einigermaßen unwissend und es bestand die letzte Chance realistisch daran zu glauben, dass es bald weiter voran gehen und uns allen immer besser geben wird. Die ganze Zukunfts- und Fortschrittsgläubigkeit war noch eine ganz andere. Rückblickend war unser Land damals schon in absoluter Schieflage. Aber wir hatten das Ausmaß alle noch gar nicht richtig kapiert. Heute sehen wir, welch unumkehrbare Veränderung globalen Ausmaßes sich seitdem ergeben hat und wie ohnmächtig die gute alte Bundesrepublik mit uns allen an Bord dagegen anrudert. Mit diesen Änderungen hat sich unser ganzes Leben und die ganze Grundstimmung in diesem Land umgekehrt.

    Vieles ist seitdem den Bach runter gegangen, vieles ging uns verloren. Ich sehne mich oft nach diesen "alten" Verhältnissen zurück und ich halte sie auch für die menschenwürdigeren und zukunftsfähigeren. Diese negativen Veränderungen einfach wie "Wetter" hinzunehmen, kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

    Für mich ist die Sehnsucht nach der Verhältnissen der 80er weit mehr als nur die gewöhnliche Sehnsucht zur eigenen Jugend. Wir wissen heute, dass danach ein Wendepunkt nach unten kam, den von den Nachkriegsgenerationen keiner kannte. In den 50er Jahre lebte es sich sicherlich unkomfortabler und schwerer, doch die Entwicklung zeigte nach oben, jeder spürte eine Verbesserung und erlebte seinen Zeitgeist-Kult (Rock n`Roll & Co.). Kein Wunder, dass diese Leute sich gerne an ihre Jugend erinnerten. Aus diesen Gründen, erinnern auch wir uns an die Jugend. Doch das erklärt nicht, warum sich selbst so viele Leute so gerne an die 80er erinnern, deren Jugend gar nicht in den 80ern lag. Für mich ist das höchstens vergleichbar mit der nie endenden Liebe ganzer Generationen "älterer" Leute zu "ihren" 20er Jahren. Auch damals war es ein historischer Umbruch hin zu den schlimmsten deutschen Jahren, aufgrund derer so viele Menschen ein besonderes Jahrzehnt als Bezugspunkt nie mehr vergessen konnten.

    PM

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von murmel

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    so icke will auch

    @Orange: Du musst Dir Deinen Weg selber suchen, Du kannst in der Vergangenheit leben oder auf jedem Trend mitreiten. Tue das wobei Du Dich am wohlsten fühlst. Aber bei einer Sache muss ich Dir ins Gewissen reden. Selbst wenn eine Frau Deines Alters Den Harrow nicht kennt, ist es doch egal, weile es sagt weder etwas über ihren IQ noch über Ihren Charakter aus. Oder anders gesagt, nimm den Menschen so wie er ist und sei auch du so wie du bist. Egal was andere denken. Wenn sie sagen du wärest ein Spinner, antworte na undf aber ein glücklicher Spinner.

    @babooshka
    Ich glaube die Leute die immer nur negatives an ihrer jugend finden, sind auch die die sich selbst nicht wirklich wahrnehmen. Das ende vom Lied im Normalfall sind diese Leute nicht kritikfähig, und in meinem Freundeskreis habemn leute die nicht kritikfähig sind nix zu suchen. Es war damal wie heute auch, es gab positives und negatives oder mit einem Schlagwort der 80er Gleichgewicht der Kräfte...

    @Postmortem
    Ich muss dir widersprechen Es war kein Wendepunkt, sondern lediglich die Konsequenz jahrzehntelanger nicht zukunftsorientierter Politik in der BRD; nicht dass wir es in der DDR besser gemacht hätten...
    Ich glaube die Faszination der 80er liegt einfach darin, dass es ein Jahrzehnt war in dem sich viel veränderte in allen Bereichen des Lebens. In den 80ern wurde wurden Wege für vieles geebnet, was wir heute geniessen oder verteufeln können...

  4. #13
    Benutzerbild von PostMortem

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    murmel postete
    @Postmortem
    Ich muss dir widersprechen Es war kein Wendepunkt, sondern lediglich die Konsequenz jahrzehntelanger nicht zukunftsorientierter Politik in der BRD; nicht dass wir es in der DDR besser gemacht hätten...
    Was für eine Politik hätte man denn betreiben müssen, um mit dem Lohndumping unserer osteuropäischer Nachbarn (das ironischerweise erst durch den Zusammenbruch der DDR und die Öffnung des eisernen Vorhangs möglich wurde) und den fernöstlichen Schwellengiganten (China, Indien etc.) konkurrieren zu können? HartzIV und 1-Euro-Jobs schon 1970, damit man sich bis heute wieder an niedrigste Lebensstandards gewöhnt hätte? Jegliche richtige oder falsche Politik der Bundesrepublik hätte an Eintreten und Auswirkungen der Veränderungen der Weltwirtschaft nichts ändern können, haben doch alle Mitglieder des Clubs "G7" mit den gleichen Effekten der Globalisierung zu kämpfen.

    Die Gestaltungs-Möglichkeiten einzelner Staaten sind diesbezüglich erschöpft. HEUTE ist die Politik gleichwohl zum Erfüllungsgehilfen des Großkapitals verkommen. Und deshalb blicke ich gerne in eine Zeit zurück, wo dieser Filz des sog. "rheinischen Kapitalismus" wenigstens noch der "Deutschland AG" und damit uns allen zu Gute kam. Seitdem ist viel Wohlstand kaputt gegangen, sind viele Branchen und Arbeiterkulturen aus Deutschland verschwunden, hat sich bei vielen die nackte Arbeitsplatzangst breit gemacht (was bis in die Anspruchslosigkeit und dem krank Arbeiten gehen gipfelt) und wird alles auf dem Altar der Wirtschaft geopfert. Für mich liegt der Wendepunkt zu einer unumkehrbar erscheinenden Entwicklung in diese Richtung in den frühen 90er Jahren.

    In den 80ern war man noch so naiv, dies für eine vorübergehende Krise zu halten und schrieb diese noch einzelnen Branchen zu (Stahl, Textil etc.). Deshalb sind die 80er für mich das letzte Jahrzehnt einer naiven Glückseeligkeit, die vom Wohlstand noch zu besoffen war um zu kapieren, dass die Krisen der 80er nichts vorübergehendes, sondern der Startschuss für eine rasante Talfahrt waren.

    PM

  5. #14
    Benutzerbild von Orange

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    Nun die BRD hätte sich wie die Schweiz irgendwie absondern sollen

  6. #15
    Benutzerbild von murmel

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    PostMortem postete
    Was für eine Politik hätte man denn betreiben müssen...
    Die Frage ist etwas falsch gestellt. Die Regierung hat lediglich auf die nächsten 4, in äußerst seltenen Fällen 8 Jahre weiter gedacht, aber keine Vorkehrungen getroffen, sich einen finanziellen Puffer für eventuell auftretende schlechte Zeiten anzulegen, was jeder Firmenboss machen würde, anstatt sich selber die taschen vollzuhauen. Mit anderen Worten, die Schuld für die Misere tragen wir in gewisser weise selbst. Auch wenn wir als Volk nur stillgehalten haben...

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