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Montagsdemonstrationen

Erstellt von ihkawimsns, 08.08.2004, 22:20 Uhr · 46 Antworten · 2.381 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Es ist ja gerade in aller Munde:

    Proteste gegen den Sozialabbau werden in den neuen Ländern seit Kurzem wieder als "Montagsdemonstrationen" organisiert. Gegen die Proteste selbst, insbesondere gegen die Bezeichnung, regt sich nicht zuletzt von Seiten der Politik Widerstand.

    Ich selbst empfinde es irgendwo schon surreal, wieder Leute "Wir sind das Volk" skandieren zu hören, aber Verständnis habe ich schon für die Proteste. Die sogenannten Sozialreformen sind für mich weder sozial noch besitzen sie irgendein Merkmal einer Reform. Ich glaube aber, dass sich das Ganze im Laufe des Spätsommers wieder legen wird. Grundsätzlich kann ich mir schon vorstellen, dass die Politik, die die großen Parteien zur Zeit verfolgen, den Nährboden legt für ernsthaftere Protestwellen im Stile von '89, aber dafür geht es den meisten Menschen (noch) zu gut.

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von TactX

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    Gegen die Proteste selbst...regt sich nicht zuletzt von Seiten der Politik Widerstand.
    Wenns nicht so traurig wär....es wird kurzerhand mal die Arbeitslosenhilfe komplett gestrichen und da regen sich die Herren [-]Volksverar[/-], äh, Volksvertreter darüber auf, dass das tumbe Wahlvieh nicht lauthals "Hurra" schreit!?
    Ich bestreite keinesfalls, dass dieses Land Reformen bitter nötig hat, aber - Sommerloch hin oder her - Deutschland schafft es ja derzeit scheinbar noch nicht einmal eine vergleichsweise einfache Rechtschreibreform durchzuführen...
    Wenn dann mal politische Fehler eingestanden werden, beschränken sie sich darauf "dass man es wohl versäumt hat, dem Bürger die Thematik genügend nahe zu bringen"...
    Hat diese "Reform" irgend etwas weiteres im Sinn, ausser Kohle einzusparen?
    Wie soll ich Leute zum Arbeiten anhalten, wenn keine Arbeit da ist?
    Wieso bestraft dieser Staat Leute, die für ihre Zukunft vorgesorgt haben?
    Wie soll ohne Kaufkraft konsumiert werden?

  4. #3
    Benutzerbild von Bristol

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    TactX deine signatur ist geil. Spricht mir aus dem Herzen.

  5. #4
    Benutzerbild von
    Es mag schon sein, dass es den meisten Menschen gut geht (ich weigere mich "zu gut" zu schreiben, denn ich denke jedem sollte es so gut gehen können, wie es dem aussterbenden gesunden Mittelstand i.d.R. geht), aber Tatsache ist, dass je nach Statistik und Dunkelziffer 4-7 Mio. Menschen nach all den Jahren der Stagnation, ja Rezession auf dem Arbeitsmarkt und den anhaltenden sozialen Kahlschlägen (die immer nur die überhand nehmenden Auswirkungen auf den Staatshaushalt bremsen konnten, aber für die Menschen niemals etwas zum besseren wendeten), genügend Gründe und genügend Zeit hätten um auf die Straße zu gehen.

    Doch was passiert? In Anbetracht dessen was in den letzten 20 Jahren alles (vor allem im Osten, aber auch im Ruhrgebiet, an der Saar, in Teilen Schleswig-Holsteins und am ehemaligen Zonenrand) verpennt wurde, was an Arbeitsplätzen vernichtet und vom Staat an Sozialabbau vorangetrieben wurde, passiert so gut wie nichts!

    Ende der 80er brannten Ruhr und Rhein. Menschenketten, Betriebsbesetzungen, Streiks und Fackelzüge überzogen das Ruhrgebiet. Das war m. E. (zumindest im Westen, sogar ganz tief im Westen) das letzte Mal, dass Menschen nicht nur Solidarität demonstrierten, sondern auch lebten. Ich finde es wahnsinnig schade, dass nichts, aber auch gar nichts von diesem An- und friedlichen Aufstand die letzten 20 Jahre überdauert hat.

    Zu dieser Zeit war Deutschland angesichts von 2 Millionen Arbeitslosen entsetzt. Man sprach gar von Massenarbeitslosigkeit. Selbst wenn man bedenkt, dass wir heute 17 Mio. Deutsche mehr in der Bundesrepublik zählen, wäre es geradezu zum Totlachen, wenn es nicht so traurig wäre, dass unsere derzeitige Regierung es einmal zu ihrem Ziel erklärt hat, die Ende der 90er erreichte Arbeitslosenzahl auf einen Wert zu halbieren, der knapp über dem von 1987 lag. Ja wie weit ist es denn schon gekommen, dass wir uns Zustände zum Ziele setzen, die vor knapp 20 Jahren als geradezu katastrophale Massenarbeitslosigkeit angesehen wurden? Dabei hat 1987 ein Arbeitsloser im Vergleich zu heute ja noch geradezu im Schlaraffenland gelebt...

    Aber diese Entwicklung ist ja auch klar. In den 80ern wurden noch Zehntausende gleichzeitig auf die Straße gesetzt. Die konnten sich organiseren und ihrem Unmut solidarisch Luft machen. Daraus hat man gelernt. Heutzutage wird der Aderlass über Jahre gestreckt. Es gehen mal hier mal da ein paar hundert Leute und jeder den es nicht getroffen hat freut sich erstmal einen (zumindest solange bis er auch dran ist und sein Arbeitsplatz nach Tschechien wandert, wegrationalisiert wird oder von einem "Offshore"-Unternehmen übernommen wird.). Der Unmut der geschassten, wird nicht selten in Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften abgedämpft - selbst wenn dort mittlerweile fast nur noch über 40jährige zum Arbeitslosen qualifiziert werden. Wenn kleine und mittlere Betriebe zu machen interessiert sich ohnehin kaum jemand dafür.

    Solange nicht eine gewisse Masse an Menschen zur gleichen Zeit das gleiche Schicksal teilt, gibt es also offenbar eine alles übertünchende Gleichgültigkeit anderen gegen über. Das macht es den angestellten Konzerlenkern und unseren mittlerweile durch die Bank weg sehr neoliberal geprägten Politikern leicht die Leute auseinander zu dividieren und ruhig zu stellen. Wenn man sich anschaut bei welchen Anlässen und in welchen Massen in Nachbarländern wie Frankreich auf die Straße gegangen wird, frage ich mich, was denn hierzulande eigentlich passieren muss, bis mittlerweile 5 Millionen betroffene Menschen und nahezu 40 Millionen Menschen die langsam stark verunsichert sein sollten, eigentlich noch brauchen, um ihren faulen Hintern aus dem alm-bedudelten TV-Sessel zu schälen und sich mal was zu überlegen. Aber es ist ja auch klar, der obrigkeitsgläubige, ja -hörige Deutsche, zuckt ja auch sofort zusammen, wenn ein Arbeitsminister meint, es wäre ungehörig und undankbar jetzt von seinem verbrieften und absolut demokratischen Demonstrationsrecht gebrauch zu machen.

    Auch wenn es bei mir noch nicht so weit ist (und hoffentlich niemals kommt, denn mich packt das kalte Grausen wenn ich anhand von Beispielen aus dem Bekanntenkreis sehe, wovon ich da leben sollte und wie), kriege ich persönlich langsam echt nur noch das Kotzen. In heutigen "modernen" Unternehmen wird man den ganzen Tag nur noch mit irgendwelchen Pseudo-Zukunftsprogrammen verblödet. Während einem auf der einen Seite eingebläut wird, dass man nun total eigenverantwortlich und unternehmerisch denkend und handelnd ans Werk gehen darf, wird man auf der anderen Seite als "Humankapital" wie Verschiebemasse durchs Unternehmen umorganisiert und als eben absolut nicht eigenverantwortliches Lohnvieh dort hin verfrachtet wo es gerade passt - ob das mit den eigenen Interessen und dem eigentlich einmal angetretenen Job im Einklag ist, ist ja egal. Man kann ja schließlich auch gehen. Niemand wird gezwungen - höchstens mit Geld! Denn eins ist heutzutage klar: Der Arbeitsmarkt ist ein absolut nachfragegesteuerte Markt. Und die Nachfrage ist knapp. Wer also Arbeit hat, der lässt sich einiges gefallen und muss sich einiges gefallen lassen.

    Das Frustpotenzial hierüber scheint nach ein bisschen Mecker beim Feierabendbierchen mit den Kollegen aber doch immer recht schnell zu verfliegen. Deswegen weiss ich auch gar nicht, warum die Konsumentenstimmung so schlecht ist und jeder freie Euro auf der hohen Kante landet? Würde der dort nicht landen und unsere Binnennachfrage mit den angstgesparten Euros (wir Deutschen haben unser Sparvermögen innerhalb weniger Jahre der Krise nahezu verdoppelt! Erzähle mir also keiner, es gäbe keine Leute die sich heute eigentlich noch richtig was leisten könnten) malwieder ein bisschen belebt, ginge es uns allen besser. Tut er aber eben nicht und so bildet sich zusammen mit den Handlungend er Unternehmerseite ein Teufelskreis, der von keinem der Beteiligten durchbrochen wird. Im Export sind wir Weltmeister, selbst die Chinesen können sich immer mehr deutsche Waren leisten. Nur im Inland gehts seit Jahren bergab. Die Arbeitslosen haben kein Geld, der noch vorhandene Mittelstand macht die Tasche zu bzw. fördert chinesische Arbeitsplätze durch Kauf von minderwertiger Billigware und so werden immer mehr weitere Leute aus der Produktion heimischer Produkte entlassen. Dabei ist das heutzutage kein Phänomen der Produktion von Waren mehr. Auch die ehemaligen Job-Wunderkinder der Zukunft, die Softwareentwicker, landen zugunsten osteuropäischer und fernöstlicher Konkurrenz immer mehr auf der Straße - erst Recht wenn sie in einer Alterstufe ankommen, die sich durch beginnenden kreisrunden Haarausfall auszeichnet. Die Kaufkraft schwindet, der Mittelstand bricht weg, die Stimmung wird schlechter, die Nachfrage geht weiter runter, Leute werden entlassen..... weniger Einnahmen in den sozialen Sicherungssystemen, mehr Leistungsempfänger, Erhöhung der Beiträge, Absenkung der Leistungen und immer so weiter!

    Keiner der es noch könnte kauft was und auf die Straße geht auch keiner. Was machen wir also? Warten bis irgendwann feierlich der letzte Deutsche aus seinem Arbeitsverhältnis entlassen wird? Vielleicht bekommt er ja ein Fahrrad geschenkt...

    Ich habe ehrlich gesagt schon eine gewisse Portion Angst davor, dass in einigen Jahren doch plötzlich eine ganze Menge Leute wach werden und merken in welcher ausweglosen Situation sich die MS Deutschland befindet. Menschen die nichts mehr zu verlieren haben sind gefährlich. Die Parallelen zur Zeit nach dem 1. Weltkrieg sind, trotz völlig anderer Umstände, von einigen historisch bewanderten Menschen nicht wirklich herbeigeredet. Ab Januar wird sich m. E. die Situation zuspitzen. Viele Leute haben glaube ich noch immer gar nicht begriffen was auf sie zu kommt. Ich glaube schon, dass nach kurzer Zeit manches Arbeitsamt Polizeischutz in Anspruch nehmen wird. Leistungskürzungen unter dem Deckmantel Anreize zur Annahme von Arbeit zu schaffen, während an dieser ein Mangel besteht und dieser immer weiter wächst, sind einfach etwas, was Volkes Zorn heraufbeschwören wird. Solange darauf durch friedliche Demonstrationen hingewiesen wird, kann ich das nur begrüßen. Politiker die sich darüber nur bockig echauffieren und nicht begreifen, mit welchem Zaunpfahl ihnen da ins Auge gewunken wird und die allen Ernstes ein "Sozial" im Namen ihrer Partei tragen, sollten sich fragen, ob sie richtig im Job sind. Aber das ist eigentlich ja auch egal. Denn selbst wenn so ein Ministerjob mal weg ist... mit Arbeitslosengeld II wird man sich ein Glück niemals rumschlagen müssen.

    Dave

  6. #5
    Benutzerbild von waschbaer

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    @ihkawimsns

    Das mit dem "Wir sind das Volk" habe ich selber noch nicht gehört (habe derzeit umzugsbedingt keinen TV-Anschluss), aber der Slogan weckt natürlich Erinnerungen.

    Ich glaube, dass derzeit einfach eine riesige Unzufriedenheit mit Politikern egal welcher Couleur ist und dass diese mit Sicherheit davon wissen, aber - ähnlich wie einige Amtsträger der Kirche - einfach den Kontakt mit den einfachen Bürgern, sprich der Basis, verloren haben.

    Ob dieser aus der Geschichte positiv belastete Slogan (dieser Slogan war für mich damals einfach Zeitgeist) etwas an der derzeitigen Sozialpolitik einer SOZIALdemokratischen Bundesregierung ändert, weiß ich nicht und wage es auch nicht, darüber eine Prognose abzugeben.

    Ich habe vorgestern abend die Möglichkeit gehabt, mit meinem Landtagsabgeordneten ein paar Worte zu wechseln. Ich gebe zu, dass das Umfeld vielleicht nicht ganz treffend war (es war auf dem Volksfest im Bierzelt), aber wir haben uns ca. fünf Minuten unterhalten. Als ich ihm von einem Problem erzählte, das mich als Bürger (und Beamter) belastet, hatte ich das Gefühl, dass er es gar nicht so recht verstehen konnte, dass man damit ein Problem haben kann. Leider bezeichnend. Vielleicht muss "des Volkes Stimme" wieder lauter erschallen. Wie sagte Martin Luther so schön im 16. Jahrhundert? "Man muss dem Volk einfach aufs Maul schauen".

  7. #6
    Benutzerbild von Torsten

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    Dave Bowman postete
    Ich habe ehrlich gesagt schon eine gewisse Portion Angst davor, dass in einigen Jahren doch plötzlich eine ganze Menge Leute wach werden und merken in welcher ausweglosen Situation sich die MS Deutschland befindet. Menschen die nichts mehr zu verlieren haben sind gefährlich.
    Unterhalte ich mich mit anderen Leuten über diese Thematik, erwähne ich stets meine Überzeugung, dass es irgendwann selbst in den vermeintlich "zivilisierten" westlichen Gesellschaften zum großen Knall und einer regelrechten Revolution kommen wird. Das werden wir vielleicht nicht mehr erleben, aber allzu lange werden derlei umwälzende Ereignisse nicht mehr auf sich warten lassen.

    Daran ist in meinen Augen aber nicht primär die Politik schuld, sondern schlicht die Folgelasten kapitalistischen Wirtschaftens, wodurch die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft. Ich weise auch an dieser Stelle nochmals auf den mehrteiligen Text hin, den bubu seinerzeit im "Geiz ist geil"-Thread eingestellt hat: Solange Kapitalerträge dafür sorgen, dass erhebliche Geldmengen in den Töpfen der wohlhabenden Besitzstandswahrer festsitzen, wird sich der mehrheitliche Rest um das streiten müssen, was übrig bleibt.

    Denn was wir in der heutigen Politik beobachten, ist ein ewiger Disput um die Verteilung der begrenzten Mittel, die dem Staatshaushalt und den Normalbürgern zur Verfügung stehen. Anstatt nun aber darüber nachzudenken, wie man den Inhalt dieser Töpfe deutlich aufstockt - was nur durch eine weltweite, radikale Umverteilung funktionieren würde -, doktort man ewiglich an den Symptomen herum und reibt sich in unendlichen Grabenkämpfen auf: Jung gegen Alt, Beamte gegen Angestellte, Arbeitnehmer gegen "Sozialschmarotzer" usw. usf. Für mich als Außenstehenden ein absurdes Szenario, bei dem man lauthals auflachen möchte, wäre es aufgrund chronischer Hoffnungslosigkeit nicht so traurig.

    Hinzu kommt noch das, was Soziologen und Philosophen bereits in den 50ern voraussahen: die fatale Entwicklung der Arbeitsgesellschaft, die sich zunehmend den eigenen Ast absägt, auf dem sie sitzt. Wenn ein guter Teil der noch arbeitenden Bevölkerung damit beschäftigt ist, zukünftig noch mehr Arbeit abzuschaffen, wird irgendwann kaum noch Beschäftigung vorhanden sein. Aber wer soll dann noch konsumieren, was angeboten wird? Und wenn nicht konsumiert wird - wer kann dann noch anbieten? Der Big Bang scheint vorprogrammiert...

    Und die ständig steigende Lebenserwartung sowie die fatale Explosion der weltweiten Bevölkerungszahlen sind hier noch gar nicht berücksichtigt...

  8. #7
    Benutzerbild von Pallas

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    Der Begriff "Montagsdemonstrationen" und der Satz "Wir sind das Volk" verbinde ich mit der friedlichen Revolution in der DDR des Jahres 1989 -

    und mit sonst gar nichts!

    Ich bin dagegen, diese beiden Schlagworte jetzt für die Demos gegen Hartz IV einzusetzen.
    Sie stehen - mit vielen anderen Dingen - für das einzigartige geschichtliche Ereignis, das wir alle 1989 miterleben konnten.
    Damals hatten die Demonstrationen Erfolg. Soll der Geist des Erfolgs für die jetzigen Demos damit heraufbeschworen werden, daß man diese Schlagworte jetzt dafür benutzt?!?

  9. #8
    Benutzerbild von
    Pallas postete
    Der Begriff "Montagsdemonstrationen" und der Satz "Wir sind das Volk" verbinde ich mit der friedlichen Revolution in der DDR des Jahres 1989 -

    und mit sonst gar nichts!

    Ich bin dagegen, diese beiden Schlagworte jetzt für die Demos gegen Hartz IV einzusetzen.
    Sie stehen - mit vielen anderen Dingen - für das einzigartige geschichtliche Ereignis, das wir alle 1989 miterleben konnten.
    Damals hatten die Demonstrationen Erfolg. Soll der Geist des Erfolgs für die jetzigen Demos damit heraufbeschworen werden, daß man diese Schlagworte jetzt dafür benutzt?!?
    Für mich ist es völlig unerheblich welche Worte benutzt werden. Hauptsache es passiert etwas und es passiert friedlich. Aber mir ist schon klar, dass jetzt wiedermal mehr über die Art und Weise geredet wird, mit der dort versucht wird auf die Missstände aufmerksam zu machen, als über die Ziele der Menschen. Das passiert im Grund immer, wenn jemand in diesem Lande versucht etwas zu bewegen. Dabei ist es selten so nötig gewesen wie heute, "die da oben" daran zu erinnern wer das Volk ist und von wem eigentlich alle Macht ausgehen sollte. Aber dagegen wehrt man sich ja so gut es kann und lässt beim deutschen Stimmenvieh nichtmal einen Volksentscheid zur EU-Verfassung zu.

    Dave

  10. #9
    Benutzerbild von TactX

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    Es besteht in diesem Land ja ein Hang dazu, Dinge jeglicher Art mit einem plakativen Schlagwort zu versehen ("Jahrhundertflut", "Kampf gegen den Terror",...).
    Nun will ich den historischen Wert der Montagsdemos aus DDR-Zeiten gar nicht in Abrede stellen oder herabwürdigen, aber sooooooo weit hergeholt ist dieser Begriff nun auch wieder nicht. Auch heute gehen unter diesem "Siegel" Menschen auf die Strasse um gegen aus ihrer Sicht unhaltbare Zustände in ihrem Staat zu demonstrieren - und wiederum friedlich.
    Hätte man einen anderen Wochentag gewählt und beispielsweise "Dienstags-Demos" draus gemacht, gäbe es bestimmt auch einen Haufen Nörgler, die die alten "Montags-Demos" dadurch verballhornt gesehen hätten.

    Fakt ist, dass viele Leute wieder auf die Strasse gehen - aber anstatt "Ursachenforschung" zu betreiben, wird sich am Wochentag gerieben...

    Montags-Demos haben in diesem Land nun mal eine gewisse Tradition und man braucht ja nicht für jedes politische Ziel einen eigenen Wochentag...
    Außerdem bietet sich der Montag nun mal an, da man das ganze vorhergehende Wochenende zur Planung und Koordination solcher Veranstaltungen nutzen kann.

    Ich warte ja schon auf den findigen Kopf, der es versteht, diese Massen (deren Zahl sicher noch steigen wird) zu kanalisieren.
    Für einen Sternmarsch auf Berlin beispielsweise...
    Oder dass die Arbeitslosenheere Deutschlands dort ein Zeltdorf aufschlagen...

    Ich hoffe nur, dass sich die Demonstranten nicht vor den Karren irgendwelcher radikalen Organisationen spannen lassen.

  11. #10
    Benutzerbild von Pallas

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    Dave Bowman postete
    Pallas postete
    Der Begriff "Montagsdemonstrationen" und der Satz "Wir sind das Volk" verbinde ich mit der friedlichen Revolution in der DDR des Jahres 1989 -

    und mit sonst gar nichts!

    Ich bin dagegen, diese beiden Schlagworte jetzt für die Demos gegen Hartz IV einzusetzen.
    Sie stehen - mit vielen anderen Dingen - für das einzigartige geschichtliche Ereignis, das wir alle 1989 miterleben konnten.
    Damals hatten die Demonstrationen Erfolg. Soll der Geist des Erfolgs für die jetzigen Demos damit heraufbeschworen werden, daß man diese Schlagworte jetzt dafür benutzt?!?
    Für mich ist es völlig unerheblich welche Worte benutzt werden. Hauptsache es passiert etwas und es passiert friedlich. Aber mir ist schon klar, dass jetzt wiedermal mehr über die Art und Weise geredet wird, mit der dort versucht wird auf die Missstände aufmerksam zu machen, als über die Ziele der Menschen. Das passiert im Grund immer, wenn jemand in diesem Lande versucht etwas zu bewegen. Dabei ist es selten so nötig gewesen wie heute, "die da oben" daran zu erinnern wer das Volk ist und von wem eigentlich alle Macht ausgehen sollte. Aber dagegen wehrt man sich ja so gut es kann und lässt beim deutschen Stimmenvieh nichtmal einen Volksentscheid zur EU-Verfassung zu.

    Dave
    In meinem Posting ging es lediglich erst mal um die Wortwahl - und nichts weiter.

    Daß Demonstrationen wichtig und richtig sind, um auf die Mißstände um Hartz IV hinzuweisen, steht ja wohl auch außer Frage.

    Der Staat läßt die Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger mit ihren Problemen allein. Sie verlangen, daß sich die Leute suchen, was es längst nicht mehr für jeden hier gibt - einen Arbeitsplatz.

    Auf der anderen Seite wird nichts dagegen unternommen, daß sich Firmen vermehrt ins Ausland - vor allem im ehemaligen Ostblock, wo die Leute noch für wesentlich weniger Lohn arbeiten - absetzen.

    Die Massen werden sich in Bewegung setzen - mit Sicherheit.
    Und das ist auch ganz richtig so!

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