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Oscar ...

Erstellt von waschbaer, 09.07.2005, 20:16 Uhr · 17 Antworten · 1.403 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von compagnies

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    Es gibt Risiken, die nicht (mehr) in der Form versicherbar sind, das aus den Beiträgen der Einzahler die Ausfälle kompensiert werden können, was nun mal die Arbeitslosenversicherung betrifft und sich deutlich im Bundeshaushalt niederschlägt.

    Die von Dir erwähnten Besserverdiener stehen ohnehin ausserhalb des Solidarsystems, weil sie als selbstständig Tätige nicht in die SV-Kassen einbezahlen, was ja einst auch Sinn machte!
    Die Abgaben-Belastungen für Arbeitnehmer (Lohnempfänger) werden hingegen höher (siehe Pflegeversicherung), somit auch die für den Anteil des Arbeitgebers!
    Dies bindet u. a. nicht vorhandenes Geld, das auch nicht in den Wirtschaftskreislauf "Konsum" fliesst (Krankenkassen, das wird ja gerne ausgeblendet, geben ihre Erträge ja wieder ab).
    Geld wird gerne nicht für Verbrauchsgüter investiert, sondern in vermeintlich renditeträchtigen Kapitalgeschäften (letztendlich in die USA) verpulvert!

    Wenn staatliches Lenken nicht in der Lage ist, eine Politik zu betreiben, die familienfördernd wirkt, dann ist es legitim, repressiv zu handeln - solange die Verwandschaft die einzige moralisch legitimierte Erziehungsinstanz ist!
    Dumm nur, das dieser Auftrag mehrheitlich nicht erfüllt werden kann!
    Meinetwegen können Singles und Kinderlose mehr zur finanziellen Staats-Verantwortung gezogen werden, sie übernehmen ja sonst auch keine.

    Da liesse sich eine "gerechte" finanzielle Beurteilung von Individuen ausmachen, wenn man Erbschaft von Blutswegen abschaffen würde, dann wären auch Ausgangspositionen vergleichbar.

    PS: Die Vergleiche mit den Schergen des impotenten österreichischen Gefreiten benütze bitte sparsamer! Danke.

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von waschbaer

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    compagnies postete
    Dem Waschbär, so scheint mir, stellt sich das Fell auf, wenn er Oskar liest oder hört. Ich bin gerne bereit, Dir sein letztes "Werk" auszuleihen. Wenn es Dir stilistisch auch schwer fallen würde, dies durchzulesen, so halte ich es inhaltlich für eine brilliante Analyse! Witzigerweise argumentiert er auch gg. Journalisten, zu deren Kaste er sich ja auch zählen könnte/müsste!
    Danke, für das Angebot, aber das was ich bislang von Oskar gelesen habe, das reicht mir. Ich halte ihm allerdings zu Gute, dass er einer der ganz wenigen Politiker war, der 1990 davor gewarnt hat, dass es die deutsche Einheit nicht "zum Nulltarif" geben würde. Alle anderen hatten dies ja in ihrer schwarz-rot-goldenen Euphorie anscheinend ganz vergessen.

    Sicherlich hat er vertraglich ein Anrecht darauf, dass er das Geld noch bekommt, aber das ist meines Erachtens ähnlich wie die Geschichte mit dem Anwalt, der Millionen von Euros bekommen soll, weil sich eine Dame im Finanzamt in der Maske ihres Programms vertippt hat. Ich weiß noch, dass Torsten sich damals sehr darüber aufgeregt hat. Nichts widerrechtlichliches, aber irgendwie geht es mir absolut gegen den Strich. Aber wie sangen schon die Dire Straits so schön: "Money for nothing and the chicks for free"".

  4. #13
    Benutzerbild von McFly

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    Was Oskars letztes "Werk" betrifft:
    Lafontaine hat noch in den 90er Jahren die SPD-Fraktion immer gewarnt und ermahnt der BILD Interviews oder Statements zu gebe. Inzwischen tut er das für gutes Geld ja bekanntlich selber und hat inzwischen sogar deren Niveau erreicht.

    Oskar Lafontaine: Eine gescheiterte Polit-Existenz, die jetzt eine "Partei" gegründet hat, die genau genommen gar keine ist. Nur um albernen Trotzreaktionen ausleben zu können.
    Würde er nicht massiv das Wahlergebnis gefährden, könnte ich über ihn lachen.

    McFly

  5. #14
    Benutzerbild von compagnies

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    McFly postete
    Was Oskars letztes "Werk" betrifft:
    ...
    Ja, bitte? Sprich ruhig, da kam nämlich nichts mehr ...
    Bist wohl schon zu lange Sozialdemokrat wa?

    Ich sprach von diesem Band, der für € 19,90 zu bekommen ist.

    McFly postete
    Lafontaine hat noch in den 90er Jahren die SPD-Fraktion immer gewarnt und ermahnt der BILD Interviews oder Statements zu gebe.
    Er ist ja bis kommenden September auch in keiner Fraktion, da muss er sich auch nicht in den entsprechenden Zwängen bewegen oder?

    McFly postete
    Oskar Lafontaine: Eine gescheiterte Polit-Existenz, die jetzt eine "Partei" gegründet hat, die genau genommen gar keine ist..
    Die Mitglieder der WASG haben sich als Verein gegründet und sich in Teilen entschieden, eine Partei zu gründen, noch bevor der gute Oskar sich da aufgedrängt hat.

    McFly postete
    Nur um albernen Trotzreaktionen ausleben zu können.
    Das wäre nicht nötig gewesen, hätte ausgerechnet unser Medienkanzler mal bemerkt, das ihm die Unterstützung des Großteils der Bevölkerung abhanden kommt.
    Die Parteirechte hat unter Schröder jedes thematische und visionäre Interesse ausgehöhlt, um mit Hinblick auf Regierungsfähigkeit und Umfragewerte Wahlkampf um die Neue Mitte zu betreiben, von der noch nicht mal einer weiß, wo die sich überhaupt rumtreiben!

    Dieselbe Reaktion haben Deine älteren Genossen ggüber den Grünen an den Tag gelegt und nun mussten sie mit diesen Deppen, die denken sie seien eine Partei, koalieren!

    McFly postete
    Würde er nicht massiv das Wahlergebnis gefährden, könnte ich über ihn lachen.
    Ich bin beruhigt, das Du nicht Wahlsieg geschrieben hast ...

    Zuletzt habe ich allerdings das Gefühl, die Kanzlerkandidatin Merkel wird der Schwarzen Union noch mächtig Stimmen kosten.

    Vielleicht reicht es am Ende ja zu einer rot-röter Konstellation, die
    Lafontaine eine Zeit als Aussenminister
    begleitet, da würde sich Europa sicher freuen!

  6. #15
    Benutzerbild von PostMortem

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    compagnies postete
    Es gibt Risiken, die nicht (mehr) in der Form versicherbar sind, das aus den Beiträgen der Einzahler die Ausfälle kompensiert werden können, was nun mal die Arbeitslosenversicherung betrifft und sich deutlich im Bundeshaushalt niederschlägt.
    Es ist erst wenige Wochen her, dass die Bundesagentur für Arbeit erklärte, dass aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung ein Überschuss von 3 Mrd. Euro erwirtschaftet wurde. Man könnte also locker mal jedem der 5 Mio. ALG-I und ALG-II Arbeitslosen ein 13. und 14. Gehalt auf Hartz IV Niveau aus diesem Überschuss zahlen!!! Wo können da Risiken in der Arbeitslosenversicherung nicht gedeckt werden?!

    Ausserdem geht es um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Einzahlung in eine Versicherung und dem Leistungsanspruch der daraus entsteht. Wenn diese beiden Seiten in keinem Verhältnis mehr stehen, reichen lapidare Aussagen vonwegen "geht halt nicht" nicht mehr aus, weil wir dann im Bereich der Verfassungswidrigkeit angelangt sind. Und Wenn ein Ingenieur 20 Jahre lang jährlich 4.000 Euro, also insgesamt 80.000 Euro(!) in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, kann es doch nicht sein, dass er nach einem Jahr Arbeitslosigkeit auf Leistungen zurückgestutzt wird, die auf dem Niveau seiner früheren monatlichen Einzahlungen liegen?! Wenn das einzige Argument dagegen das ist, dass er aus Sicht von Wenigerverdienenden sowieso zu viel Geld bekommen hat, dann ist das reichlich dünn...

    Die von Dir erwähnten Besserverdiener stehen ohnehin ausserhalb des Solidarsystems, weil sie als selbstständig Tätige nicht in die SV-Kassen einbezahlen
    Wieso ist plötzlich jeder "Besserverdiener" selbstständig? Was ist denn ein Besserverdiener? Für mich sind AT-Angestellte und Angehörige der jeweils höchsten Tarifgruppen ihrer Tarifbereiche Besserverdiener und davon gibt es eine ganze Menge. Das sind doch wie jeder andere auch völlig abhängig Beschäftigte! Und nur weil jemand Selbstständig ist, ist er noch lange kein Besserverdiener, viele Selbstständige mit ihren 1-Mann-Betrieben oder schlecht laufenden Installateursbuden hangeln sich genauso mit Ach und Krach durch ihre Existenz wie mancher arme Schlucker.

    Wenn staatliches Lenken nicht in der Lage ist, eine Politik zu betreiben, die familienfördernd wirkt, dann ist es legitim, repressiv zu handeln - solange die Verwandschaft die einzige moralisch legitimierte Erziehungsinstanz ist!
    Dumm nur, das dieser Auftrag mehrheitlich nicht erfüllt werden kann!
    Meinetwegen können Singles und Kinderlose mehr zur finanziellen Staats-Verantwortung gezogen werden, sie übernehmen ja sonst auch keine.
    Ach so..... und wer zwei Kinder in die Welt setzt, hat damit direkt Verantwortung übernommen, nur weil er sich reproduziert hat? Das ist sicher tröstlich für Eltern von Sprösslingen die ihre Freundin direkt beim ersten Mal im zarten Alter von 14 oder 15 zielsicher geschwängert haben - die haben eben früh die Zeichen der Zeit erkannt und Verantwortung übernommen! Aber im Ernst: 1. Haben wir momentan noch nichtmal für 5 Mio. bereits im erwerbsfähigen Alter existierende Menschen Arbeitsplätze, 2. Ist es nicht nur mein subjektiver Eindruck, dass momentan insbesondere Kinder aus Verhältnissen ohne große Chancen auf die qualifizierten Arbeitsplätze der Zukunft in die Welt gesetzt werden und 3. Kann in Zeiten des Rückzugs der Arbeit aus unserem Land eine schrumpfende Gesellschaft auch ein Segen sein. Und was die "finanzielle" Verantwortung angeht, hast Du m. E. überhaupt nicht zu Ende gedacht. Nehmen wir das Beispiel Krankenversicherung: Obwohl meine Freundin und ich über der Versicherungspflichtgrenze liegen, sind wir immer noch in der gesetzlichen Kasse und zahlen somit im Vergleich zum Geringverdiener eine Menge mehr ein obwohl wir dafür auch nicht mehr Leistungen erhalten - entweder ist das ein Solidarprinzip oder das ist es nicht. Darüber hinaus sind wir nicht verheiratet, nehmen also eine Menge gesetzlicher Vorteile die daraus resultieren würden nicht in Anspruch UND was viel wichtiger ist, wir zahlen nach wie vor BEIDE unsere hohen Beiträge in die Kasse ein. Wären wir eine Familie mit Kindern und ich würde sie ernähren, wären plötzlich 3,4 oder 5 Köpfe über einen einzigen Versicherungsbeitrag versichert - so wie das ja bei vielen Familien in der Praxis der Fall ist. Also höre mir bitte damit auf unverheiratete Menschen ohne Kinder als Sozialschmarotzer hinzustellen, die sich auf Kosten von Familien bereichern. Wenn ich sowas lese, bekomme ich echt höchstens Lust mir bei der Central den PKV-Luxustarif zu buchen, trotzdem noch zu sparen und meinen Groll dagegen, das Privatpatienten in Praxen regelmäßig am Wartezimmer vorbeigewunken werden, gegen Genugtuung einzutauschen. Für die Steuern gilt das gleiche. Für die von Dir geforderten Schlechterstellungen von Singles und der finanziellen Verantwortungsübernahme sind die Steuerklassen da. Ich zahle mich in Steuerklasse 1 dumm und dämlich an Abzügen und mein Kollege mit seinem halben Kindergarten zu Hause kriegts vom Finanzamt draufgeknallt + Kindergeld. Für die Pflegeversicherung zahle ich nun dieses Jahr als Kinderloser auch mehr. Über das alles würde ich mich nie beklagen, das geht schon in Ordnung so. Mir dann aber auch noch irgendwelche Sprüche rein tun zu lassen, geht für mich zu weit. Was willst Du denn noch? Kannst Du es nicht haben, wenn sich irgendein Alleinstehender von seinem Gehalt irgendwas leisten kann was Du Dir nicht leisten kannst? Hat die liebe Seele erst dann Ruh und ist der "Gerechtigkeit" erst dann Genüge getan, wenn wir alle mit Hartz IV zu Hause sitzen und die Kinderlosen am allerwenigsten kriegen?

    Und wegen der schlichten Glorifizierung des Kinder in die Welt setzens, ohne irgendeinen weitergehenden Beleg, dass uns das rettet...

    PS: Die Vergleiche mit den Schergen des impotenten österreichischen Gefreiten benütze bitte sparsamer! Danke.
    ... drängen sich solche Vergleiche einfach nur auf. Denn höchstens zu Zeiten des Nazi-Regimes ("schenk dem Führer ein Kind!"), wurde die Zeugung von Nachwuchs derart glorifiziert und das Ablehnen eines Kinderwunsches als so unschick und asozial gebrandmarkt, wie das heute von Sozialpolitikern betrieben wird, denen diese Argumentation gerade recht und billig ist um von ihrer Unfähigkeit Globalisierung zu gestalten abzulenken. Dabei gibt es überhaupt keinen Grund davon auszugehen, dass unsere Sozialsysteme gerettet wären, wenn sich die Bevölkerung heute statistisch 1:1 reproduzieren würde. Ganz im Gegenteil, hätten wir absehbar ein gebären in die Arbeitslosigkeit und Sozialversicherungssysteme hinein, da in unserem Land jedes Jahr durch Rationalisierung und kostengetriebener Verlagerung mehr Arbeitsplätze wegfallen als neue entstehen und wir offenkundig keinen Mangel an Arbeitssuchenden haben - es ist ja nicht so, als würde irgendjemand belegen können, dass uns absehbar der Faktor Mensch ausgeht. Nein, der Faktor Arbeit geht uns aus - und das aus ganz anderen Gründen und die teilen wir mit Nachbarländern wie Frankreich, die immer noch 1,9 Kinder pro Frau in die Welt setzen! Die Darstellung einer alleinglückseeligmachenden Gebärmaschinenpolitik mit eingebauter Geisselung von kaufkräftigen Alleinlebenden (das sind vermutlich die einzige Konsumenten, die die deutsche Binnenwirtschaft noch vor dem Kollaps bewahren und den vielen im Einzelhandel beschäftigten noch den Job retten) könnte deshalb falscher nicht sein. Und es könnte auch deshalb falscher nicht sein, weil man nicht Leute, die eigentlich das Geld hätten um Nachwuchs zu zeugen, dazu zum Kinder bekommen "zwingen" sollte, in dem man sie finanziell so strapaziert, dass sie plötzlich geil aufs Kindergeld und bessere Hartz IV Bezüge werden. So eine Politik ist jawohl der größte Unsinn und die größte Verdrehung der Tatsachen die es gibt. Die ARMEN bekommen(!) heute Kinder, die "REICHEN" (und als das wird in manchen Kreisen ja heute schon angesehen, wer sich einen neuen VW Golf kaufen kann) bekommen heute keine(!). Manche weil sie keine wollen (und die sollte man besser auch nicht finanziell dazu zwingen oder anregen, da könnten einem höchstens die wegen Geld gezeugten Kinder leid tun!!!) und manche weil sie Angst haben dann sozial abzustürzen. Denen diesen Sturz leichter zu machen, indem man ihn quasi vorweg nimmt, ist jawohl kein schlaues Konzept, um den Wohlstand in diesem Land zu sichern. Hier für verlässliche Verhältnisse zu sorgen und damit Zuversicht zu schaffen (genug Länder haben das vorgemacht, wir müssen doch nicht so tun, als müssten wir in Deutschland noch das Rad neu erfinden!), wäre allemal sinnvoller, als so eine menschenverachtende Politik, die die Leute zu irgendwas zwingt oder in irgendeine fremdbestimmte Lebensgestaltung reinpresst. Das hier eine ganz neuer Qualität der Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Zeugungsunfähigen einsetzen würde will ich hier noch nichtmal durchkauen, da das eine eigene Diskussion wert wäre - die es hoffentlich unnötig und sinnlos ist zu führen.

    Eins ist jedenfalls klar: Einen Staat der mich für Leistung und freie persönliche Entfaltung bestrafen will, werde ich verlassen. Die EU bietet hier mittlerweile ein Glück Möglichkeiten in liberale Länder auszuwandern und sich dort frei niederzulassen. Das letzte Mal habe ich darüber nachgedacht, als Stoiber Kanzler werden sollte und sein Beckstein die größten Bevormundungsgesetzespläne aller Zeiten durch die Gazetten trompetete... Dabei ziehen bereits jetzt jedes Jahr 130.000 Deutsche aus Deutschland weg. Das sind fast immer exakt jene, die hier ständig bestraft werden sollen. Meistens qualifizierte, starke und leistungsfähige Leute, die hier eigentlich dringend gebraucht würden, um den Standort Deutschland gegen den Abstieg zu sichern. Aber solange man Politik gegen sie macht und sie vergrault wird das so weitergehen und es wird deshalb ganz sicher keiner Familie besser gehen, darauf setze ich ein Monatsgehalt. Ich finde es schon reichlich erschreckend, dass man (während man früher vor dem Wegbrechen des Mittelstands warnte) heute unter "sozialer Politik" alles salonfähig gemacht hat, was den Mittelstand (und nichts anderes sind die meisten Leute, die man hier kurz hinter den Oscars als Besserverdiener sieht) zerstört.

    PM

  7. #16
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Wie meine Vorredner kann auch ich nicht nachvollziehen, warum es nun gerade in Lafontaines Fall verwerflich soll, auf die Einhaltung von Verträgen (nach einseitiger Nichtabforderung der Leistung) zu bestehen.

    Spannender finde ich an Lafonaine die in der öffentlichen Aufregung um ihm immer wieder anklingende Frage: Was für ein Typ ist das eigentlich, was treibt ihn, worauf zielt er ab?

    Gängiges Erklärungsmuster A: "ein ganz Linker" / "der rote Oscar" /"Alt-68"
    Dazu ist zu sagen:
    - Lafonatine hat - anders als Schröder! - in der 68er-Zeit selber gar nichts mit der damaligen "Neuen Linken" zu tun gehabt und sich auch nicht allzu sehr mit den damals sehr linken Jusos beschäftigt. Geprägt war er vom Milieu her eher von der katholische Soziallehre und in der SPD hat er sich in der Zeit weniger für die "Programmarbeit" und die entsprechenden Theorieschlachten interessiert, als vielmehr für die Saarbrückener Kommunalpolitik.
    - Als er in den 80er Jahren bei der SPD Karriere machte, gehörte er zum weniger gewerkschaftsnahen Parteiflügel, zu den "Modernisierern". Die damalige IG-Metall-Forderung nach der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich schwächte gerade er für die SPD zur Forderung nach Arbeitszeitverkürzung ohne vollen Lohnausgleich ab.
    - Und was die WASG betrifft: Die vertritt doch nur das, was die SPD vor Schröder immer vertreten hat (gleiches gilt nebenbei längst auch für die PDS).

    Gängiges Erklärungsmodell B: "reine Eitelkeit" / "privater Rachefeldzug gegen Schröder"
    Dann hätte Lafontaine es doch viel einfacher haben können: Er hätte sich einfach wie alle anderen rotgrünen Politiker dem neoliberalen Mainstream anpassen und gute Miene zum bösen Spiel machen können. Dann wäre er heute noch Bundesfinanz-Minister und SPD-Chef und hätte außerdem einige Chancen gehabt, aus der Position des SPD-Chefs Schröder heraus aus dem Amt mobben. Das Argument mit dem unpolitischen Rache-Motiv ergibt doch gar keinen Sinn, denn ohne die inhaltlich-politische Differenz hätte es 1999 ja gar keinen Grund zum Bruch zwischen Schröder und Lafontaine (und daher auch keinen Anlass zur Rache) gegeben.

    Plausibler erscheint mit:
    Lafontaine ist wie jeder Politiker auch ein Karrieremensch. Aber sein Hunger auf Ämtern ist in den 80er und 90er Jahren (zumindest erstmal) gestillt worden und eben nicht sein einziges Motiv, er hat vielmehr durchaus auch eine eigene Gesinnung: Er ist mental in der Alten Bonner Republik verwurzelt und hat für sich den Ehrgeiz, die Sozialdemokratie - als wesentliche Säule der Bonner Republik - zu retten (so verblüffend das für Immer-noch-SPD-Mitglieder klingen mag). Er hat erkannt, daß er sich gegen Schröder innerparteilich nicht durchsetzen kann und daß Schröders Politik letztlich zur völligen Erosion der Sozialdemokratie führen wird: d. h. nicht nur zu zeitweiligen Wahlniederlagen, sondern zur dauerhaften Abwendung / Apathie der für die SPD identitätsbildenden Stammwähler und Stammmitglieder. Das Projekt "Neue Linkspartei" ist aus seiner Sicht von daher erstens ein konsequenter Schritt und zweitens wohl nur eine Zwischenlösung, die als linkes Korrektiv in die SPD hineinwirken und langfristig wohl wieder mit ihr verschmelzen soll.

  8. #17
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    compagnies postete
    Es gibt Risiken, die nicht (mehr) in der Form versicherbar sind, das aus den Beiträgen der Einzahler die Ausfälle kompensiert werden können (...)

    Wenn staatliches Lenken nicht in der Lage ist, eine Politik zu betreiben, die familienfördernd wirkt, dann ist es legitim, repressiv zu handeln - solange die Verwandschaft die einzige moralisch legitimierte Erziehungsinstanz ist!
    Aber siehst Du denn nicht selber, daß diese Argumentation auf ein Kapitulieren vor der Aushöhlung der Sozialsysteme und auf eine sozialpolitische Zeitreise ins 19te Jahrhundert hinausläuft (als die Familie - neben den Kirchenalmosen - der einzige soziale Schutz war, mit allen persönlichen Abhängigkeitsverhältnissen, die dies mit sich brachte)?

    Meinetwegen können Singles und Kinderlose mehr zur finanziellen Staats-Verantwortung gezogen werden, sie übernehmen ja sonst auch keine.
    Grundsätzlich ist es schon richtig, daß ein finanzieller Lastenausgleich zwischen Leuten mit Kindern und Kinderlosen stattfinden soll, allerdings sehe ich das ähnlich wie PM, daß dies doch schon in vielen Steuer- und Versicherungsangelegenheiten der Fall ist.

  9. #18
    Benutzerbild von McFly

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    compagnies postete
    Bist wohl schon zu lange Sozialdemokrat wa?
    Ich bin es leider noch nicht lange genug.

    compagnies postete
    McFly postete
    Lafontaine hat noch in den 90er Jahren die SPD-Fraktion immer gewarnt und ermahnt der BILD Interviews oder Statements zu gebe.
    Er ist ja bis kommenden September auch in keiner Fraktion, da muss er sich auch nicht in den entsprechenden Zwängen bewegen oder?
    Es ist einfach lächerlich. Oskar weiß sich nicht anders zu helfen, als über das Medium dieser selbsternannten Bürgervertreter. Wenn man das vergleicht, mit dem was er noch vor 10 Jahren tönte, kommt das glatt einem charakterlichen und politischen Offenbarungseid gleich.

    compagnies postete
    McFly postete
    Nur um albernen Trotzreaktionen ausleben zu können.
    Das wäre nicht nötig gewesen, hätte ausgerechnet unser Medienkanzler mal bemerkt, das ihm die Unterstützung des Großteils der Bevölkerung abhanden kommt.
    Wenn du schreibst, dass es nicht nötig gewesen wäre, meinst du also auch, dass es albern ist, ja? Das beruhigt mich.
    Ob Gehard Schröder tatsächlich, die Unterstützung des Großteils der Bevölkerung abhanden gekommen ist, wage ich noch zu bezweifeln. Warten wir die Wahlen ab.

    compagnies postete
    Dieselbe Reaktion haben Deine älteren Genossen ggüber den Grünen an den Tag gelegt und nun mussten sie mit diesen Deppen, die denken sie seien eine Partei, koalieren!
    Diese Deppen haben zumindest antworten, wenn auch gelegentlich fragwürdige. Die WASG hat sie nicht! Sie wiederholen nur die Fragen des Volkes, beantworten können sie sie jedoch nicht.
    Als ich vor wenigen Tagen auf dem SPD-Landesparteitag Sachsen-Anhalt war, kam die Frage auf, ob man sich Sorgen wegen der WASG machen müsste. Ich sagte "Nein, nicht wegen der Partei an sich" Denn das Problem ist, dass viele Menschen (Wähler!) sich von der WASG in ihren Sorgen verstanden fühlen und glauben, dass bei der ständigen Wiederholung ihrer Fragen, Sorgen und Nöte auch Lösungen dahinterstecken, was jedoch nicht der Fall ist. Ich werde (gemeinsam mit vielen weiteren aktiven jung-SPDlern) mein bestes geben, die Wähler in meiner Region davon zu überzeugen.

    compagnies postete
    McFly postete
    Würde er nicht massiv das Wahlergebnis gefährden, könnte ich über ihn lachen.
    Ich bin beruhigt, das Du nicht Wahlsieg geschrieben hast ...
    Einen Wahlsieg der SPD halte ich durchaus noch für möglich.

    compagnies postete
    Vielleicht reicht es am Ende ja zu einer rot-röter Konstellation,...
    Dazu wird es mit Sicherheit nicht kommen.

    Viele Grüße
    McFly

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