Umfrageergebnis anzeigen: Hast du eine Patientenverfügung?

Teilnehmer
3. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • ja

    1 33,33%
  • nein

    2 66,67%
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Patientenverfügungen

Erstellt von ihkawimsns, 31.03.2005, 19:02 Uhr · 16 Antworten · 1.094 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    So, Terri Schiavo hat's heute hinter sich gebracht und die Hysterie um diese Frau legt sich hoffentlich bald wieder. Eigentlich hatte ich erwartet, dass in meiner Abwesenheit über dieses Thema bereits eine kontroverse Diskussion ausgebrochen ist, aber das ist überraschenderweise ausgeblieben. Ich möchte nun gar nicht die große Frage anschneiden, ob es moralisch gerechtfertigt war, sie sterben zu lassen oder nicht, als Außenstehende können wir uns darüber ohnehin nur in Spekulationen ergießen. Mich interessiert eher das Thema Patientenverfügungen. Habt ihr eine angefertigt? Habt ihr es vor? Wie denkt ihr darüber?

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von PostMortem

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    ihkawimsns postete
    So, Terri Schiavo hat's heute hinter sich gebracht und die Hysterie um diese Frau legt sich hoffentlich bald wieder. Eigentlich hatte ich erwartet, dass in meiner Abwesenheit über dieses Thema bereits eine kontroverse Diskussion ausgebrochen ist, aber das ist überraschenderweise ausgeblieben.
    Wenn Du es schon anschneidest und Dich interessiert:

    Ich denke, dass es für die Eltern sicherlich eine furchtbare Situation war und ist. Obwohl Terri Schiavos Mann ein wenig als böses Monster hingestellt wurde (schließlich hat er es gewagt, nachdem sich seine Frau 8 Jahre lang im Wachkoma befand eine neue Beziehung einzugehen mit einer anderen Frau Kinder in die Welt zu setzen), glaube ich, dass auch er noch auf Jahre von dieser Sache nicht loskommen wird. Allein schon wegen der aufgehetzten Leute, die ihn nun sicher als Mörder brandmarken werden. Wie dem auch sei: Wir sind hier Zeuge einer alltäglicheren Tragödie geworden, als man es uns weissmachen wollte. Solche/Ähnliche Dinge passieren in einigen Familien auf der ganzen Welt. Sie bleiben für die Betroffenen eine Katastrophe, für die Welt um sie herum hingegen nicht. Und das ist auch gut so, sonst würden wir alle vor Schmerz wahnsinnig werden.

    Und das ist es auch, was mich am meisten stört: Die Art und Weise wie die Medien dieses Thema malwieder ausgeschlachtet haben. Selbst auf "seriösen" ÖR Radiosendern wie WDR 2 kamen zeitweise 3x pro Stunde "Wasserstandsmeldungen" über Terri Schiavo. Nach jeder Meldung musste eine seichte Dudelmucke her, da man nach so einem Thema ja nichts für die gute Laune senden darf. Doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist die Gewichtung. Davon das der US-Präsident sein Amt gewissermaßen missbrauchte und versuchte geltendes Recht für gute Publicity zu manipulieren abgsehen, hätte es zu diesem Medienrummel niemals kommen dürfen. Woran liegt das eigentlich? Sterben 3.000 Amerikaner, kommt 24 Stunden pro Tag auf allen Fernseh- und Radiosendern nur noch Berichterstattung darüber. Ich hielt auch das in dieser Weise für nicht unbedingt zwingend erforderlich. Jetzt reicht schon das Schicksal einer einzigen Amerikanerin, um die deutschen Medienprioritäten auf den Kopf zu stellen. Wieviele Menschen im eigenen Land verrecken in dieser Zeit elendig, obwohl es gar nicht sein müsste, ohne das die Medien darüber berichten?

    Schlichtweg unerträglich fand ich es, das über die am Karfreitag bei einem illegalen Autorennen in Bielefeld völlig sinnlos gestorbene junge Frau und die weiteren Schwerverletzten in den Nachrichten erst nach der Meldung über die Ablehnung eines Gerichts, den Fall Terri Schiavo erneut anzunehmen, berichtet wurde. Terri Schiavo war zu diesem Zeitpunkt noch nicht tot! Es gab nichts wirklich wichtiges neues zu vermelden! In Bielefeld stirbt eine junge Frau und weitere Menschen werden für ihr Leben gezeichnet. Ist das weniger wichtig? Kommt diese Meldung etwa später, weil die Leute auch mit selbst Schuld waren?

    Mich interessiert eher das Thema Patientenverfügungen. Habt ihr eine angefertigt? Habt ihr es vor? Wie denkt ihr darüber?
    Die Wahrscheinlichkeit in eine Situation zu kommen, die mit der von Terri Schiavo vergleichbar ist, ist sicherlich (ein Glück) nicht besonders hoch. Trotzdem kann eine solche Verfügung sehr sinnvoll sein. Hierbei denke ich viel weniger an die offensichtlichen Beeinträchtigungen nach Unfällen. Nein, wir alle können entweder im Alter oder ggf. durch temporäre, krankhafte geistige Beeinträchtigungen (in Deutschland aus unerfindlichen Gründen ein Tabuthema, dabei leidet eine große Zahl der Bundesbürger irgendwann im Leben einmal an einer geistigen Erkrankung) einmal davon abhängig sein, unseren Willen schriftlich fixiert zu haben. Da geistig beeinträchtigte ältere Menschen in diesem Land wie Kinder behandelt werden und anderweitig geistig erkrankte eher weggesperrt/kaserniert und mit Medikamenten abgeschossen werden (die Pharmaindustrie hat natürlich wenig Interesse daran einen neuen "Kunden" wieder zu verlieren) tut man gut daran, für solche Fälle vorzusorgen und unter Vollbesitz seiner geistigen Kräfte einmal ausgeschlossen zu haben, welche Behandlungen man ggf. ablehnt, welche nicht, wie mit einem verfahren werden soll und wer ggf. Entscheidungen über die eigene Behandlung treffen darf.

    PM

  4. #3
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Keiner fühlt sich angesprochen (von PM mal abgesehen)?

    Gut, dann gebe ich mal meinen Senf zum Thema Patientenverfügungen ab. PM hat ja die Variante angesprochen, in einer Patientenverfügung bestimmte Behandlungen festlegen bzw. ausschließen zu lassen, die nicht über Leben und Tod entscheiden. Diese Möglichkeit hatte ich bislang noch gar nicht bedacht, das wäre auch für mich eine Überlegung wert. Außerhalb dieses Korridors kommt eine Patientenverfügung für mich jedoch nicht in Frage. Bei der Diskussion um das Einstellen lebenserhaltender Maßnahmen muss ich immer an den enormen Lebenswillen meines Urgroßvaters denken. Die letzten Monate vor seinem Tod hatte er einen Herzschrittmacher (den er im Übrigen über 20 Jahre trug), einen Katheter, wegen fortgeschrittenem Darmkrebs einen künstlichen Darmausgang, bestand nur noch aus Haut und Knochen, konnte nur noch selten sein Bett verlassen, befand sich die meiste Zeit allein im Zimmer eines Pflegeheims (vom täglichen einstündigen Besuch meiner Oma und vom gelegentlichen Auftauchen weiterer Verwandtschaft abgesehen)... und war dennoch irgendwie glücklich mit seiner Situation, froh, überhaupt noch am Leben zu sein! Religiös war mein Uropa übrigens nicht und das Verhältnis zur Nachkommenschaft war auch eher mittelmäßig, das einzige, woran er sich klammerte, war sein enormer Lebenswille, der erst wenige Tage vor seinem Tod brach. Das hat mir damals gewaltig imponiert. Insofern ist mein Uropa ein Vorbild für mich und das Abschalten lebenserhaltender Maßnahmen in solch prekären Situationen, wie sie zum Beispiel Terri Schiavo durchgemacht hat, ist für mich zum jetzigen Zeitpunkt keine Option.

    Dennoch respektiere ich die Entscheidung eines jeden, der für sich andere Schlüsse zieht.

  5. #4
    Benutzerbild von frasier

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    Welche Rechtslage gilt denn, wenn man keine Verfügung gemacht hat? Bleibt man dann automatisch bis zum von selbst eintretenden Hirntod in Behandlung?

    Oder könnten Angehörige sagen (oder gar behaupten), dass ich es nicht gewollte hätte, über Jahre im Koma liegen? Sie würden es sicher gut meinen, möglicherweise etwas zu gut, und mehr im Sinne der Ethik anstatt sich zukünftige medizinische Fortschritte offen zu halten?

    Was ich meine ist, müsste man für solche Fälle eine Verfügung machen, in der steht, dass ausdrücklich alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpf werden sollen bis zum natürlichen Ende oder gilt diese Grundsatz erstmal für alle, ausgenommen die, die schriftlich erklären, dass irgendwann die Behandlung abgebrochen wird?

  6. #5
    Benutzerbild von Babooshka

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    Also ich möchte, sollte ich ins Koma fallen oder sonstwie schwer krank oder schwerbehindert werden, nicht an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen werden. Die Chance, im ersten Fall irgendwann wieder aufzuwachen, ist verschwindend gering. Im zweiten Fall finde ich es einfach nur grausam, dass Menschen, die vor Schmerzen schreien oder aber im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind und dann außer mit den Augen zu blinzeln nichts tun können, noch nicht mal sprechen und sich nur noch den Tod als Erlösung wünschen, noch leben MÜSSEN, weil die Ethik das so erfordert. Vielleicht sollte ich das mal in offiziellerer Form aufschreiben und bei mir tragen, nicht nur unter einem Nick in einem Internet-Forum.

  7. #6
    Benutzerbild von frasier

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    siehe unten

  8. #7
    Benutzerbild von frasier

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    Hmm, dieser zweite Fall ist schon ein Problem. Im Koma zu liegen ist ja an sich kein Problem (ausser für die Angehörigen und die Kranken/Pflegeversicherung) aber bewusst den Zusastand der absluten Hilflosigkeit erleben zu müssen, tja dafür müsste man sich wirklich was einfallen lassen.

    Es könnte ja sogar sein, dass man in so einem Fall nichtmal unbedingt an lebenserhaltenden Maschinen angeschlossen wäre (z. Bsp. nur Ausfall der Motorik und des Sprachzentrums). Dann hätte man noch nicht mal diese Maschinen, die man per Verfügung ausschalten könnte. Dann bräuchte man schon aktive Sterbehilfe. Dann könnte man nur versuchen, über Augenkontakt zu kommunizieren.

    Man müsste sich mal mit nem Arzt unterhalten, wie man für solche Fälle vorsorgen kann.

  9. #8
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    @ frasier

    So weit ich weiß, richtet sich die aktuelle deutsche Rechtslage beim Thema Patientenverfügungen nach dem Motto "im Zweifel immer für das Leben". Dies geht so weit, dass eine solche Patientenverfügung gar nicht rechtlich bindend ist. Hat der Arzt Zweifel am Willen des Patienten (oder hängt er meinetwegen besonders stark am Hippokratischen Eid), so hat er stets das Recht, sich dem Abschalten der Maschinen zu verweigern. Eine Sicherheit, dass tatsächlich nach seinem Willen verfahren wird, gibt es also nicht. Umgekehrt ist dein Szenario, dass irgendwelche Leute ankommen, behaupten, man wolle gerne sterben, und sich damit durchsetzen unter normalen Umständen unmöglich.

  10. #9
    Benutzerbild von musicola

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    AW: Patientenverfügungen

    Da in der ARD gerade die Patientenverfügung Thema war, erinnerte ich mich an diesen Thread hier und hab mir die Diskussion nochmal durchgelesen!

    Seit 2009 ist die P. übrigens nach § 1901a BGB unmittelbar verbindlich.

    Ich hab mal 'ne Umfrage drangehängt!

    Gruß
    musicola

  11. #10
    Benutzerbild von Babooshka

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    AW: Patientenverfügungen

    Also wenn ich mir jetzt einen Zettel schreibe in der Art "sollte ich ins Koma fallen, wünsche ich keine lebenserhaltenden Maßnahmen und sollte ich unerträgliche Schmerzen haben oder außer Augenblinzeln zu keinerlei körperlichen Bewegungen fähig sein, wünsche ich zu sterben - Name - Unterschrift" und den dann immer bei mir trage, dann hat man sich im Ernstfall daran zu halten? Im ersteren Fall schon, nehme ich an. Aber im zweiteren Fall? Da bin ich dann wohl doch zum Weiterleben verdammt, es sei denn, jemand erbarmt sich meiner und leistet Sterbehilfe, oder?

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