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Popstar 0 Flopstars

Erstellt von Kaylab, 02.12.2003, 15:53 Uhr · 25 Antworten · 1.596 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von DeeTee

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    @producer:
    Deshalb würde mich umso mehr deine Meinung zu folgender Aussage interessieren:
    "Es gibt keine gute oder schlechte Musik. Es ist die rein subjektive Selektion des Rezipienten, was er für sich als akzeptabel bestimmt."
    Oha! Mit hermeneutischen Interpretationszirkeln habe ich mich zuletzt im Studium beschäftigt - und das ist schon ein Weilchen her

    Ich will es 'mal so sagen: Wenn ich Deiner Aussage folge, bedeutet das einen absoluten Subjektivismus bezüglich der Bewertung von Kunst (und Musik ist eine Form von Kunst). Darüber haben sich die zeitgenössischen Künstler gestritten ... - ... etwa zwischen 1975 und 82.
    Natürlich liegt es letzlich immer im Auge des Betrachters, was er als musikalisch wertvoll, inspirierend oder auch nur angenehm empfindet. Regers 12-Ton-Musik ist zweifellos künstlerisch wertvoll - hören mag ich sie deshalb noch lange nicht. Ein möglicher Maßstab - und das ist mit aller Vorsicht geäußert - ist die Zeitdauer, die eine Musik überdauert, ohne völlig vergessen zu werden. Unbestritten gab es in den 80ern grauenhafte Musik, auch in den Charts - aber nicht so häufig wie heute. Der Mainstream jener Zeit war imho auch deutlich vielfältiger. Ebenso wird es einige Titel aus dem Techno-/Trance-Bereich geben, die diese Zeit überdauern. Ich prophezeie: Es werden weniger Titel sein wie aus den 80ern oder 70ern - einfach weil diese Titel zu sehr beliebig austauschbar sind.
    Ich gebe weiter zu: Natürlich machen wir ein Stück weit das, was wir möglicherweise an unseren Eltern als Konservatismus kritisieren: Wir rekultivieren eine Zeit, die eindeutig längst vorbei ist. So sind wir rückwärts gewandt. Dies ist generationenspezifisch. Wenn Du tiefer in unserem netten Forum gräbst, wirst Du diverse Diskussionen zu diesem Thema finden. Da ich beruflich-wissenschaftlich auf dem aktuellen Stand bin (und sein muss), gönne ich mir diesen Ausflug in meine Jugendjahre gern. Die heutige Jugend hat andere Musik. Von ihrer Machart ist diese Musik schlechter, denn sie ist musikalisch beliebiger. Das kritisiere ich!
    Der Dramatiker Heiner Müller hat einmal gesagt: "Wenn man erst eine kulturelle Wüste geschaffen hat, kann man in ihr alles als Kultur darbieten."
    Das sehen wir gerade, zumindestens im Ansatz.

    Grüße!
    DeeTee

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von falkenberg

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    926
    producer postete
    Es hilft nichts, sich darüber zu beklagen, daß die Charts völlig verkommen und vorzugsweise nur noch von Dieter B. bestritten werden, weil diese "Hitparade" nicht von Leuten unserer Altersgruppe bestimmt werden. Die Käufer dieser Musik finden sie toll. Aber "unsere Zeit" ist vorbei...
    Das stimmt so nicht. Die Charts (ich gehe mal von den offiziellen aus) sind zumindest bei den CDs reine Verkaufsrangfolgen. Das ist irgendwann zu Anfang der 90er mal umgestellt worden, bis dahin war das im wesentlichen Mauschelei. Damals waren viele Leute erstaunt, dass Wolfgang Petry plötzlich auf Platz 1 kam. Dabei war das nur die Wahrheit, die es bis dahin nicht geben durfte. Bei den MCDs spielen wohl auch noch die Radioeinsätze eine Rolle, das weiß ich aber auch nicht so genau.

    Ich weiß nicht, wie alt Du bist, vermute aber mal, dass Deine Kaufkraft etwas größer ist als die des durchschnittlichen 20jährigen, im Mittel trifft dies für 30- bis 40jährige jedenfalls ganz sicher zu. Wenn man dann noch eine vielleicht größere Kaufbereitschaft (nur im Vergleich zu illegalen Methoden gesehen!) dieser Altersgruppe berücksichtigt, wirst Du zugeben müssen, dass es einfach nicht stimmt, dass die Charts von den Unter-20-jährigen bestimmt werden. Sicherlich sind die Kaufinteressen bei ihnen leichter beeinflussbar und vor allem bündelbar. Aber den Hauptumsatz macht die Musikindustrie mit diesen Leuten nicht. Muss sie auch nicht. Weil das Vorurteil von der musikverbrauchenden und chartbestimmenden Jugend nicht stimmt.

    Im übrigen kommen auch aus dem Independent-Bereich stammende Bands gelegentlich in die Charts. Erst nach etlichen Jahren und zum Teil auch mit Marketing-Tricks. Aber es kommt vor, z. B. Wolfsheim (würg) oder And One (schon viel besser). Aber selbst die erfolgreichsten Vertreter des EBM wie z. B. Funker Vogt werden es nie schaffen. Das liegt einfach an der begrenzten Zielgruppe.

  4. #23
    Engel_07
    Benutzerbild von Engel_07
    Da ich eben erst aus einem der von bamalama erwähnten Proberäume nach Hause gekommen bin , ist es leider fast nicht möglich, so spontan auf alle Postings zu reagieren, die hier angefallen sind. Ich würde ja gerne, aber dann müßte ich wahrscheinlich die ganze Nacht durchtippen. Deshalb erstmal dazu:

    Feenwelt postete
    Jetzt mal im Ernst: Hättet ihr in eurer 80er-Jugend die Interpreten von 70er-Jahre-Songs gekannt? Oder sogar von 60ern? Ich bestimmt nur wenige - sogar von den großen Hits.
    Wozu also aufregen?
    Mich regt es auf, dass im Fernsehen und im Radio meist gar nicht mehr erwähnt wird, dass es sich um Cover-Versionen handelt. Und wenn, dann passiert etwas wie z.B. (ich glaube das war auch in einer der letzten Casting-Shows) "You keep me hangin´ on, das ist eine Cover-Version eines alten Kim Wilde-Titels"

    Man kann es keinem vorwerfen, wenn er nicht weiß, dass es sich bei einem Lied um eine Cover-Version handelt, aber bei Verschweigen von Informationen oder gar Fehlinformationen seitens der TV-/Radio-Moderatoren oder auch Bravo/JAM kann man schonmal wütend werden. Wenn´s gut geht, bricht man in schallendes Gelächter aus, aber das hilft den jungen Musikhörern natürlich nicht weiter.

    Ich habe mich immer für die Originale interessiert, wenn ich wußte, das ein aktuelles Lied "nur" eine Coverversion war! Und früher habe ich mich tatsächlich meist für die Originale entschieden!

    Es gibt aber zum Glück auch heute noch junge Leute unter 20, die sich für ältere Musik interessieren, manchmal tauchen sogar welche hier im Forum auf, um sich nach Originalinterpreten zu erkundigen!

    Für den Sohn einer Arbeitskollegin, der jetzt 15 Jahre alt ist und sich momentan für Lieder aus den 60ern interessiert, habe ich am Wochenende eine CD zusammengestellt und da z.B. auch Lieder draufgepackt, die er vielleicht aus den aktuellen Charts als Coverversion kennt (Z.B. "Somebody to love" - Jefferson Airplane). So etwas freut mich immer und erinnert mich an meine Jugend, in der ich bei den "Älteren" Platten rauf und runter gehört habe und das sehr spannend fand.

    Der Sohn eines anderen Arbeitskollegen fängt gerade an, selber Musik zu machen und interessiert sich momentan auch sehr für die alten Schallplatten seiner Eltern. Mit Chartsmusik kann er nicht viel anfangen, es sei denn es finden sich mal Bands der härteren Gangart (z.B. Linkin Park), was dann auch interessant wird, wenn sich sein Vater bei mir nach diesen Bands erkundigt

    Also, so ganz sind wir wohl doch noch nicht verloren!!! Man bedenke, dass die ganz vielen, ganz tollen Supergigastars es auch nur von Null auf 100 in die Charts schaffen, weil die Plattenfirmen Großmärkten wie MM & Co interessante Angebote machen, damit diese dann neue Produkte gleich tonnenweise bestellen. Und nur diese Zahlen zählen erstmal für die aktuellen Charts. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich diese Produkte dann auch tatsächlich super verkaufen lassen! Zusätzlich zählen auch noch Video-Einsätze auf den von uns "geliebten" Musiksendern und Samplerverwertungen wie Bravo-Hits. Also absoluter FAKE!!!

    Zu den Proberaumbands möchte ich noch sagen, dass es auch in den letzten Jahren (gerade auch in Deutschland) immer mal wieder welche geschafft haben, aus eben diesen Proberäumen rauszukommen und bekannt zu werden!
    Sportfreunde Stiller habe ich schon öfter hier im Forum erwähnt, welche es geschafft haben, durch eine bemerkenswerte Live-Präsenz an ihren Plattenvertrag zu kommen. Mia, Wir sind Helden, Virginia Jetzt!, Angelika Express sind weitere Beispiele dieser Art, wenn auch (leider) teilweise (noch) nicht ganz so erfolgreich wie die Sportfreunde. Und auch Bands aus anderen Musiksparten wie Donots, Beatsteaks oder die schon erwähnten Wolfsheim (die aber schon etwas länger unterwegs sind) oder In Extremo unterscheiden sich doch (Gott sei Dank!) deutlich von den vermeintlichen Nr.1-Superstars!

    Allerdings muß man hier anmerken, dass auch die o.a. Bands bei ihren Studioproduktionen leider immer wieder einige Abstriche machen müssen, weil die Plattenfirmen natürlich "Hits" geliefert bekommen wollen! Das bedeutet glattgebügelte Produktionen. Bei den Sportfreunden gab es lange Diskussionen mit der Plattenfirma, welches Lied als erste Single aus dem ersten Album ausgekoppelt werden sollte. Leider sind sie damals den Kompromiss eingegangen und haben "Fast wie von selbst" ausgekoppelt, anstatt "Spitze" oder "Wellenreiten" (letzteres war schon lange live-erprobt und ist m.E. auch repräsentativer für diese Band!).

    Es gibt also schon noch qualitativ gute aktuelle Musik. Dass nicht alle hier im Forum diese Musik gut finden, kann ich auch verstehen. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass es Leute hier gibt, die in ihrem Musikgeschmack so festgefahren sind, dass ich es amüsant finde, wenn gerade diese Leute sagen, die Kids von heute hören nur noch Hip-Hop oder Techno.

    Soweit erstmal!

  5. #24
    Benutzerbild von Closelobster

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    @ Feenwelt: den Begriff "talentfrei" habe ich schon benutzt, da hat Bohlen noch peinliche Auftritte in der ZDF-Hitparade hingelegt. Ich glaube aber, ich muß mir für das absolute Fehlen jeglichen Talents eine neue Formulierung suchen. Außerdem... wer sich wirklich für Musik interessiert, der hört sich auch Sachen aus den früheren Jahrzehnten an. Ich wußte z.B. mit 17 ziemlich genau über die 60er Jahre Musik Bescheid.

    @Engel07: breite Zustimmung, gerade was die neueren deutschen "Proberaum-Bands" angeht.

    Über Geschmack läßt sich bekanntermaßen nicht (oder vortrefflich, je nach Blickwinkel) streiten. Ich zitiere hier mal einen gewissen Stephen Patrick Morrissey, der 1986 sang: "... because the Music he constantly plays, it says nothing to me about my life". Producer, Du sagst, die Musik von heute ist Wegwerfware. Stimmt, absolut. Welche Bedeutung hat die Musik also für die Kids ? NULL. Bestenfalls tanzen sie zweimal dazu in ihrer Stammdisse und fertig. Was sagt ihnen die Musik über ihr Leben ? NICHTS. Keine Ecken und Kanten, an denen man sich stoßen könnte. Nicht mal halbwegs intelligente Texte. Mir muß Musik etwas sagen, entweder textlich oder vom Gefühl her. Natürlich gibt es genug neue (oder neuere) Bands, die das schaffen. Coldplay, Travis, Placebo seien mal genannt. Warum die Bands in Deutschland so wenig Erfolg haben, ist eins der großen Rätsel. Andererseits... in einem Land, das die Wiedervereinigung von Modern Schwachsinn 1998 als das musikalische Ereignis des Jahres gekürt hat... da kann ein Musikliebhaber nur Gehirnkrämpfe bekommen.

    Schnell mal Kohle scheffeln ist zwar von jeher Sinn und Zweck von populärer Musik gewesen, aber die Austauschbarkeit der heutigen Interpreten ist pervers. Aalglatt, geschniegelt und gebügelt zu sein, ein austauschbares Stimmchen zu haben... was sangen Hans-A-Plast vor 22 Jahren ? "Nur sauber gekämmt sind wir wirklich frei". Momentan haben wir wieder die Situation, wie es mal in den 50ern oder frühen 60ern war. Vergleiche: Alexander = Peter Alexander. Daniel Küblböck = Conny Froboess (wobei ich Conny da wirklich Unrecht tue, sie konnte zumindest singen). Bro`sis = Friedel Hensch und die Cyprys. No Angels = Kessler Zwillinge & Alice Babs. Toll, gell ? Sowas wird heute als das Nonplusultra verkauft.

    Ich bin nur froh, daß in meinem unmittelbaren Umfeld der Superstar-Wahn nicht stattfindet. Mir reicht, was ich im Radio mitbekommen und in Zeitungen lesen muß. Ich habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, daß es eine Besinnung gibt... auf das Casting-Shows bald der Vergangenheit angehören.

  6. #25
    Benutzerbild von J.B.

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    WOW hier hat sich ja so einiges getan!

    Wie steige ich nun am besten in den Thread ein? Am besten mit meiner subjektiven Sicht der Dinge und einem Zitat von Feenwelt:

    Feenwelt postete

    Jetzt mal im Ernst: Hättet ihr in eurer 80er-Jugend die Interpreten von 70er-Jahre-Songs gekannt? Oder sogar von 60ern? Ich bestimmt nur wenige - sogar von den großen Hits.
    Ich kann wie gesagt nur von mir ausgehen, aber ich habe mich schon seit der Zeit, die ich Musik bewusst höre, so um 77/78 (Baujahr 71), mit ihren Interpreten beschäftigt wenn mir Lieder gefielen. Wie sah das aus? Nun ich habe vor allem meine Eltern gelöchert, wenn man abends gemeinsam Disco mit Ilja Richter geschaut hatte.

    Danach dann Anfang der 80er habe ich begonnen den Plattenvorrat meines Dads zu prüfen. Hier habe ich dann Gruppen wie Santana, die Beatles, APP, CCR und Künstler wie Jean Michel Jarre, Adrian Cellentano und Eric Clapton gefunden und mich näher mit deren Musik beschäftigt.

    Kurze Zeit später so um 82/83 rum fing ich dann an Musik aus dem Radio aufzunehmen. Alles was mir gefiel und da waren sehr viele Sachen aus den 60ern und 70ern dabei. Spencer Davis Group, Steppenwolf, Bill Haley, Beach Boys kamen ebenso aufs Tape wie Songs von Phil Collins, Kim Wilde und Alice.

    Es kam die Zeit von Formel Eins und später Tele 5. Seit etwa 85 hörte ich dann verstärkt Hard Rock und Metal. Mit dieser Materie habe ich mich bis heute eingehend befasst und sie ist nach wie vor eines meiner Lieblingsgenres. Mich hat die handgemachte Mucke schon immer sehr fasziniert und Gitarre ist für mich das Musikinstrument (neben Synthesizern).

    Nach den Charts habe ich eigentlich nie gelebt, aber man konnte lange Zeit gute Tipps aus ihnen entnehmen. Das ist heute kaum noch der Fall! Daher kann ich mit Falkenbergs Satz

    Och Leute, ignoriert doch einfach die Charts
    nicht so viel anfangen. Charts waren für mich über eine lange Zeit ein Quelle guter Tipps wenn es um guten Pop oder auch Rock ging. Ich habe mich zwar nie gänzlich an ihnen orientiert, aber durch sie habe ich auch schon so einige Schätzchen gefunden, die sonst nie in meinen Besitz gelangt wären.

    Das Problem mit den Charts und Alternativen dazu ist aber heute auch noch ein anderes. Während früher die Künstler und Gruppen in den einzelnen und auch recht klar abgegrenzten Musikbereichen noch übersichtlich waren und man noch bei vielen mit Fug und Recht behaupten konnte „Dass sie ihren eigenen Stil haben“, so sieht es heute leider ganz anders aus.
    Ein musikalisches Konzept was Erfolg verspricht wird dutzendfach geklont und das in so ziemlich jedem Sektor. Wie will man da noch die verborgenen Perlen finden? Das ist doch schier unmöglich, weil es einen eigenen Stil so gut wie gar nicht mehr gibt. Wir haben alles mehrfach vorliegen. Boy-Group, Girl-Group, Black-Music Macker oder Schickse, Soul Queen, Techno oder Rave Power Gruppe, Pop Sternchen, Trance-DJ, Gangsta Rapper usw. Eigener Stil? Nicht mehr zu erkennen. Es ist alles vollkommen verwaschen. Und in dieser ganzen Flut befinden sich irgendwo auch 4-5 Sandkörner, die es nun zu finden gilt.

    Und warum? Weil Musik zum reinen Massenkurzzeitkonsomgut anvanciert ist! Wie Producer schon ganz richtig schrieb:

    Es ist nicht mehr wichtig, gut singen zu können oder gar selbst zu singen (zumindest im deutschen Chartbereich). Das ist wurscht, Hauptsache, du siehst cool aus und bist entweder voll süß oder krass böse. Wen interessiert, ob Interpret X den Song YZ selbst gesungen hat? Niemanden, ist doch nur Wegwerfmusik.
    Der Musikmarkt ist zugemüllt, weil man eben nicht mehr singen können muss (OK ein wenig schon) und weil jeder sich abzeichnende Trend sofort ausgebeutet wird und zwar vor allem mit solchen vollkommen unerfahrenen Casting-Models.

    Hier wird Wegwerfmusik von Wegwerfstars für Wegwerfkonsumierer auf den Markt geworfen. Auch hier sehr richtig von producer erkannt:

    Übrigens sind wir Musiksammler heutzutage die Ausnahme. Ich kenne genug Leute, die sich aktuelle Musik auf CDs brennen und die CDs nach spätestens 2 Wochen wegwerfen, sobald es was neues gibt.
    Die MI tut ja auch alles dafür es so zu belassen. Der kurzlebige Künstler ist in! One Hit Wonder am Fliessband.

    Hatten Künstler früher noch Zeit sich an das Musikbusiness zu gewöhnen und langsam da hinein zu wachsen, so werden die sogenannten Stars doch heute schon von Beginn ihrer “Karriere” mit Kameras begleitet und Mikrophonen traktiert. Es gibt nichts mehr, was unkommentiert bleibt!

    Folgendes Beispiel:

    Kaylab höhnte

    Und um zu verhindern das die Preluders rechtzeitig zu Ihren Auftritt kommen da haben doch die bösen bösen Jungs von Overground tatsächlich den Tourbus der Preluders mit einer Kette an ein Verkehrszeichen gekettet
    Eine Gag, über den wohl keiner von uns lachen kann! Nun sollte man aber mal folgendes bedenken:

    Haben wir uns nicht auch schon diverse Peinlichkeiten geleistet, weil wir es für cool, verrucht oder vermeintlich witzig hielten? Jeder dürfte sich schon mal zum Affen gemacht haben, jeden dürfte schon Mal einen Witz gerissen haben, über den nur er gelacht hat. Nur bei uns waren keine Kameras und Mikros dabei! Das ist das Entscheidende!!! Diese Casting-Opfer werden zu Glas! Nichts mehr was sie tun bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Keine Affäre, keine Peinlichkeit, kein Fehltritt. Und sie können nichts dagegen tun, denn sie werden von Menschen beraten, betreut und umlagert, die sie als reine Einmalgeldsau sehen.

    Das treibt irre Blüten mittlerweile. Man kann einen Abend mit Alexander gewinnen, ein Wochenende mit Daniel K., ein Essen mit Jeanette und einen Urlaub mit wasweißichwem. Die haben keine Chance mehr sich noch irgendwo zu regenerieren. Sie werden verschlissen. Die Halbwertszeit dürfte so etwa um die 4-6 Monate betragen.

    Bestes Beispiel sind für mich die No Angels! Ausgebrannt, nervlich am Ende streichen sie die Segel.

    Nun zum Thema Talent:

    producer stellte in den Raum


    Warum? Was unterscheidet jemanden mit Talent von jemandem mit Talent, der seinen Hintern nicht hochbekommt? Warum soll jemand besser sein (und das muß er ja, sonst würden wir ihm den Erfolg ja nicht gönnen), nur weil er seit Jahren erfolglos im Keller singt und Gitarre spielt, womöglich textet und komponiert, aber niemals seine Chance ergreift?
    Allein schon wegen der Flut an veröffentlichten Klonen gleich welcher Musikrichtung haben Leute, die aus Proberäumen kommen oder Talent auch in nicht trendmäßig angesagten Musikrichtungen haben heutzutage kaum eine bis gar keine Chance bei einer Palattenfirma unterzukommen, da sie sich nicht als „einmal-Nummer-1-und-dann-auf-den-musikalischen-Müllberg-Objekte“ eignen.

    Zudem bescheinige ich Musikern, die gelernt haben wie man ein Instrument hält, wie man Noten liest/schreibt und ein wenig Ahnung vom musikalischen Aufbau der Musik haben, die sie spielen wollen (egal ob mit oder ohne naturgegebenes Talent), dass sie qualitativ hochwertigere Musik machen würden, als zusammengecastete Hupfdohlen und –dohleriche denen alles von der Performance bis zum Song aufoktruiert wird. Ihnen wird in unglaublicher Rekordzeit alles eingeprügelt. Sie haben nicht die Zeit langsam zu lernen, aus Misserfolgen zu lernen und irgendwelche Erfahrungen zu sammeln.

    Und ja, ich halte Leute die aus Proberäumen und mit jahrelanger musikalischer Erfahrung für besser!

    producer fragte

    Woran liegt es, daß alle diese Diskussionen, die sich mit aktueller Musik oder mit Castingbands/ -interpreten beschäftigen, so ungeheuer emotional geführt werden?
    Ja, warum also führen Menschen, die Musik erleben, genießen, hören, fühlen wollen und nicht konsumieren, Diskussionen in und um diesen Themenbereich so emotional?

    Eben weil für sie Musik eben kein reines Einmal-gehört-dann-wegwerf-Konsom-Produkt ist! Ich will mich ansprechende Musik hören, fühlen, genießen, mit Ereignissen und Erlebnissen verbinden können, nichts anderes!

    producer lieferte folgende provokante Antworten

    - Weil sich niemand mehr für "unseren alten Kram" interessiert, obwohl der doch soo viel besser war?
    Ich höre meine Musik unabhängig davon, wem sie gefällt und wem nicht. Klar will man auch andere Leute für das begeistern was man selbst gut findet, aber man kann ja niemandem etwas aufzwingen. Und das sich niemand ausser uns mehr für den alten Kram interessiert ist auch nicht richtig.

    - Weil es in den 80ern keine hirn- und talentfreien Interpreten gab, sondern nur heutzutage?
    Klar gab es solche „Künstler schon immer, nur nicht in diesem hohen Maße wie heute und auch nicht so geballt in den Charts sondern fast nur in den Nischen.

    Überhaupt: Warum immer wieder das Wort Talent? Es gibt Leute die sich ihr musikalisches können erprobt, erübt und erarbeitet haben! Und zwar nicht zu knapp. Ein Talent tut sich beim erlernen und üben einfach leichter, aber das heißt nicht, dass ein musikalisches Talent vollkommen ohne Training, Übung und ein Mindestmass an Musikverständnis auskommt. Und letzteres spreche ich sehr vielen aktuellen „Superstars“ ab.

    - Weil es zur gleichen Zeit keinen Produzenten gab, der exakt die gleiche Masche 100 Mal durchgezogen hat und sich noch nicht mal die Mühe machte, die Interpreten-Marionetten auszuwechseln?
    Auch diese Produzenten gab es. Frank Farian, SAW usw. . Auch die setzten auf eine Masche und hatten Erfolg damit. Der Unterschied ist aber, dass die Variationen ihrer Grundkomponenten unterschiedlicher waren und meist auch nur auf einen Musikbereich beschränkt waren. Herr Bohlen variiert an seiner ersten Hitmelodie nur entweder um Nuancen, oder komplett um möglichst viele Genres mit diesem Einheitsbrei zu fluten. MT für das poppig-seichte, Blue System für das leicht toughe, die Superstars für den einen schnellen Hit usw. Ausserdem gingen die Zeiten von Farian, SAW und Co. Zu Ende, als neue Trends auftauchten, die sich nicht mehr mit ihren Konzepten vereinbaren liessen. Das Trendchameleon Bohlen ist da ganz anders. Er passt sich an! Aber das kann er nur, weil er die Macht hat, weil er die richtigen Connections zu Film, Funk, Fernsehen und der MI selbst hat. Das alles ist eine einzige Maschine, die dem Normalokonsumenten von heute vorgibt was der zu hören und zu kaufen hat, was der gutfinden soll, wessen Fan er sein darf usw.

    - Weil man (mit durchschnittlich 30 - 35 Jahren) nicht selbst entscheiden kann, was man sehen und hören möchte? No Angels-Gehirnwäsche überall? Keine Fluchtmöglichkeiten?
    Das ist es was wirklich traurig macht. Viele meiner Altersgenossen sind zu dem geworden, was die Herren Stein und Bohlen aus uns machen wollten und wollen. Willenlose Kaufmaschinen ohne eigenen Willen oder eigene Vorstellungen von der Musik die einem gefallen könnte. Sie laufen jedem gängigen musikalischen Trend hinterher und ignorieren alles, was sie nicht im Fernsehen sehen oder im Radio hören.

    Und zu guter letzt noch ein Zitat zu einem Punkt der mir sehr am Herzen liegt.

    "Es gibt keine gute oder schlechte Musik. Es ist die rein subjektive Selektion des Rezipienten, was er für sich als akzeptabel bestimmt."
    Für mich gibt es nur gute und schlechte Musik. Dazwischen existiert nichts für mich. Entweder mir gefällt ein Song, oder eben nicht! Und das gilt für alle Musikbereiche.

    Ich habe Alben aus den Bereichen, Metal, Hard Rock, Rock, AOR, Mainstream, Pop, Acid, Jazz, Acid-Jazz, Soul, Blues, Deutschrock, Punk, Britpop, Alternative, Trance, Techno, Rock’n’Roll, Klassik, Italo Disco, Italo Dance, Hi-NRG, Europop, Eurodance, Rap, Hip Hip, Funk, usw. aus den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern, 90ern und von heute.

    Natürlich ist es subjektiv, welchen Song ich gut finde und welchen nicht, denn sonst würde man sich ständig den Trends, die objektiv gute Musik (wer will das bestimmen?), unterwerfen. Ich will im Gegensatz zu vielen anderen selbst bestimmen was ich gut finde und welcher Song mir zusagt und mir das nicht von MI, Bohlen und Co. vorkauen lassen!

    So und jetzt fallt über mich her !

    Musikfreund J.B.

  7. #26
    Benutzerbild von dj.forklift

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    02.01.2003
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    834
    Während es früher mal eine monatliche Boxenparade gab, die dann von einer 14tägigen media-Control Hitparade abgelöst wurde, aus der dann mal eine Top 75 wurde, dann eine Top 100, so gibt es jetzt verschiedene Charts, Laßt Euch doch nicht von den Verkaufscharts beeindrucken. Wer kauft denn unsere gecasteten Superwunder? Richtig, die Generation mit dem meisten Geld und die sich am meisten beeinflussen lassen. Der Großteil von uns ist halt schon reifer und erfahrener. Was dabei aber schon aufregend ist ist der Unterschied zwischen den Verkaufs- und z.B. den Airplay-Charts. In letzteren kommen auch Titel vor, die es noch gar nicht zu kaufen gibt. In den 80ern war es wohl noch so, daß diejenigen, welche die meisten Scheiben verkauften, auch im Radio am häufigsten gespielt werden. Die Ludergrounders mögen zwar verkaufsmäßig die #1 sein, aber ich kenne hier keinen Radiosender, der diese Titel in der Rotation (Das Wort "Programm" können wir ja beim Radio weglassen) hat. Gott sei Dank vielleicht. Ich empfehle stattdessen mal einen Blick in diese aktuellen Airplay-Charts

    1. No Doubt - Its My Life
    2. Madonna - Nothing Failes
    3. Christina Aguilera - The Voice Within
    4. Limp Bizkit - Behind Blue Eyes
    5. Grönemeyer - Unbewohnt.

    Das liest (und hört) sich doch schon ganz anders. Und sucht doch mal die Luder-Mädels und die Ground-Jungs in den aktuellen Airplay Top 100: Nix, Niente, nothing, nitchevo, nihil, Also haltet die Bälle etwas flach und versetzt euch beim betrachten der Charts in die Position derer, für die sie gemacht wurde. Nämlich für die Industrie. Mich hat noch nie sonderlich interessiert, wo in welcher Hitparade ein Liedchen stand, wenn es mir gefiel habe ich es mitgeschnitten und dann später auch gekauft. Und ein kleines Bißchen mehr Toleranz darf ich auch noch anmahnen. Oder waren Eure Eltern sehr begeistert als sie das erste mal FGTH-Relax oder E. Thomas - High Energy gehört haben. War das nicht auch alles
    "...neumodisches Computerzeug!! Kein Respekt vorm Künstler!! Pfui!! Steve Miller oder Chicago haben zu meiner Zeit noch echte Orchester für Ihre Platten genommen! Und überhaupt, als ich noch jung war war ein Lied nach spätstens 3 Minuten zu Ende, mal von der Psychedelic-zeit abgesehen! Und heute alles 6, 7, 8 Minuten und noch länger... "

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