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Quo Vadis, Deutschland?

Erstellt von bubu, 22.12.2004, 18:20 Uhr · 293 Antworten · 19.104 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von bubu

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    "Das wahre Elend" - eine erschreckende Analyse unserer gesellschaftlichen "Unterschicht"

    http://www.stern.de/politik/deutschl...33666&nv=hp_rt

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Darkmere

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    Spannender und traurig machender Artikel

    trifft in vielen Dingen aber auch meine Eindrücke..

    Gut fand ich besonders
    In den Olympiamannschaften finden wir fast nur noch Studenten oder Leute mit Abitur", sagt der Sportsoziologe Klaus Cachay. "Sport bedeutet Selbstdisziplin, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen und Leistungsorientierung. All das sind Fähigkeiten, die der Unterschicht mehr und mehr abhanden kommen." Doch wie kann heute jemand an unserem Arbeitsmarkt bestehen, der nicht zuverlässig, nicht diszipliniert und nicht leistungsorientiert ist?
    und auch
    Würde sich etwas ändern, wenn man jeder Familie im Meerkamp ein paar hundert Euro mehr Sozialhilfe auszahlen würde? Die Zukunftsaussichten der Jungs in Berthold Werths Fußballmannschaft blieben weiter jämmerlich. Sydneys Mutter würde ihre Kinder häufiger zu McDonald's einladen. Der dicke Herr Hupa würde sich mehr Weingummis vom Büdchen holen.
    Doch der ganze Artikel is irgendwie auch beängstigend... vor allem der letzte Absatz :\

  4. #3
    Benutzerbild von djrene

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    Das ist ein Absatz der mir 1. nicht unbekannt ist und 2. unsere Zukunft nicht unbedingt rosig erscheinen lässt.

    Unterschichtskinder, das haben Medienwissenschaftler herausgefunden, schauen nicht nur erheblich mehr fern als Gleichaltrige aus der Mittel- und Oberschicht. Sie bevorzugen billige Comics und Werbung. Die "Sendung mit der Maus" überfordert sie oft. Noch nicht in der Schule und schon abgehängt, selbst beim Glotzen.

  5. #4
    Benutzerbild von DeeTee

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    Das ist imho der der entscheidende Abschnitt:

    Was braucht die Unterschicht? Womit kann ihr geholfen werden, wenn nicht mit Geld? "Bildung", sagt Paul Nolte. "Bildung", sagt Berthold Werth. "Bildung", sagt Klaus Peter Strohmeier, Soziologieprofessor an der Bochumer Ruhr-Universität, einer der wenigen deutschen Sozialwissenschaftler, die sich mit der Unterschicht beschäftigen. "Bildung", sagt der Gesundheitsforscher Andreas Mielck. "Bildung", sagt der Sportsoziologe Klaus Cachay. "Bildung", sagt Klaus Wermker, Stadtentwicklungsleiter in Essen. "Bildung", sagt Karin Neuhaus vom Essener Institut für Stadteilbezogene Soziale Arbeit, die sämtliche sozialen Projekte in Katernberg koordiniert. "Bildung", sagt der Kriminologe Christian Pfeiffer. "Bildung", sagt Gisela Wehner-Böhme,die Leiterin der Kindertagesstätte in Katernberg. "Bildung", sagt Angelika Sass-Leich, Direktorin der Hebartschule, einer Grundschule in Katernberg.
    DeeTee

  6. #5
    Benutzerbild von Babooshka

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    Ich kann zum Teil bestätigen, was in dem Artikel geschrieben steht, denn ich habe ja 14 Jahre meines Lebens im ebenfalls darin erwähnten München-Hasenbergl gewohnt (jaja, fürs schicke, noble München eine sehr schlechte Adresse, für die ich mich die ganzen 14 Jahre stets rechtfertigen musste). Bei mir im Haus war es jetzt nicht so, dass jede der 35 Mietparteien so drauf war, denn es gab einige Singles und Paare, viele alte Leute, ein paar normal arbeitende Ausländer, stinknormale Familien, die wie ich wegen der erschwinglichen Mieten dort wohnten und meine Nachbarin mit zwei Gymnasialtöchtern, die sich aufgrund von Scheidung von ihrem früher eher schicken Leben verabschieden mussten. An eine Familie kann ich mich jedoch noch recht genau erinnern, denn auf die trifft die Beschreibung in dem Artikel vollinhaltlich zu. Drei Kinder, eins dümmer als das andere, der Älteste dürfte jetzt so Anfang 20 sein und, falls er es geschafft haben sollte, Sonderschulabschluss haben, lediglich die Tochter, jetzt wohl so 18-19, scheint einen einigermaßen normalen Berufsweg als Küchenhilfe geschafft zu haben. Essen kochen tat die Mutter kaum, stattdessen gab's Futter von der Dönerbude. Naja, immerhin besser als McDo, im Döner ist wenigstens mehr Gemüse drin! Ich sah manchmal, was sie im Supermarkt einkaufte; Gesundes war nie dabei. Vater saß von morgens bis abends vor der Glotze - selbstverständlich schickstes Modell - und bekam keine Arbeit, weil er noch nicht mal das Einmaleins beherrschte und außerdem auch gar keine Lust dazu gehabt hätte. Ich schüttelte nur immer den Kopf, was die Leute alles vom Sozialamt gesponsert bekamen. So wurde denen z. B. eine Komplettrenovierung ihrer Wohnung durch ein "echtes" Malerteam bezahlt, etwas, wofür ich bei meinem Auszug eine Menge Geld bezahlen musste. Eine Zeitlang hatten sie natürlich auch den größten Hund im Haus - ein weiteres typisches Charakteristikum dieser Klasse Menschen.

    Gleich vor dem Haus gab es so eine kleine Ladenzeile mit Restaurant, in dem es erst einen Italiener gab, der aber mangels Geschäft - trotz supergünstiger Preise - dichtmachte. Dann stand das Ding jahrelang leer, bis ein deutsches Restaurant dort einzog, das ein bisschen auf schick machte, aber eigentlich recht günstiges Essen anbot und das auch nur zu bestimmten Öffnungszeiten mittags und abends. Wie ich zu verstehen glaubte, war dieses Restaurant auch so eine Art Sozialprojekt, denn zum Schluss sah ich, dass die Mutter jener Familie aus meinem Haus dort in der Küche arbeitete.

    Eine andere Frau im Haus war allein erziehende Mutter, der, ich muss es mal so krass sagen, die Dummheit schon aus dem Gesicht schaute. Als junge, gesunde Frau wollte das Sozialamt sie trotz Sonderschulabschluss zum Arbeiten heranziehen. "Nee, bevor ich arbeite, werde ich lieber schwanger" - sprach es und wurde es. Einfach so, vom nächsten dahergelaufenen Typen. Ja, wenn die Mutter schon so eine Mentalität hat, wie soll das Kind denn überhaupt eine Zukunft haben? Wenn ihm von Anfang an vermittelt wird "mach dir keine Sorgen, du brauchst dich nicht anzustrengen, hier in diesem Staat verhungert schon keiner"?

    Ich kann den Leuten mit dem Stichwort "Bildung" in DeeTees Zitat nur voll und ganz zustimmen. Fand in dem Artikel auch den Ansatz mit den Ganztagskindergärten und -schulen sehr gut, zumal die Leute sich ja wirklich einiges abringen, um die Sache überhaupt finanzieren zu können. DAS nenne ich Engagement! Kinder, die zu Hause keinerlei Motivation und Förderung erfahren, müssen diese halt woanders bekommen und sich daher so lange wie möglich an diesem anderen Ort aufhalten.

    Auch was den Sport betrifft, ist das leider wahr. Die Zeiten, wo Ghettokids z. B. zu Basketballstars aufstiegen, weil sie bei sich in der Straße mit den improvisierten Netzen immer fleißig trainiert und Ehrgeiz entwickelt haben, sind anscheinend vorbei - oder gibt's das in den USA noch? Ich meine, die meisten unserer Fußballspieler sind auch nicht gerade Intelligenzbolzen und Oberschulabsolventen, aber sie sind auch keine Unterschichtkinder. Wie schon beschrieben, heutzutage gehen diese Kids nicht mehr vor die Tür, sondern gucken stundenlang fern oder spielen Ballerspielchen auf dem Computer.

    Traurig, das... und die Tatsache, dass genau jene Familien kinderreich sind, die sich das eigentlich nicht leisten können und die ihren Kindern null Förderung zukommen lassen, währenddessen die Gebildeten immer weniger Kinder bekommen, macht mir auch ziemlich Angst, muss ich sagen. Aber woran liegt Zweiteres?

  7. #6
    Benutzerbild von Feenwelt

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    Woran Zweiteres liegt?
    Frag Dich doch selbst mal.

    Gebildetere Leute haben in der Regel mehr Verantwortungsbewußtsein und reagieren empfindlicher auf scheinbar schlechtere Lebensbedingungen. Also genau umgekehrte Situation von der, die der Artikel beschreibt.
    Außerdem haben sie meistens die notwendigen Mittel, um sich zumindest teilweise selbst zu verwirklichen - und das wird mit der Zeit wichtiger als der Kinderwunsch.
    Falls man seine Prioritäten ändert, ist die biologische Uhr oft schon abgelaufen.

    Der typische "Werdegang" in meinem Umfeld (zwischen 35 und 45 Jahren alt) ist:
    Erst wollten die meisten Kinder, zumindest viele Frauen. Ab dem Alter von ca. 20 legten sie immer mehr Wert auf ihr eigenes Leben, Kinder "passen da nicht rein". So ab 35 fingen manche an umzudenken, aber "dann ist es ja sowieso schon zu spät und so wichtig ist es ja auch nicht".
    Das habe ich schon so oft gehört, daß ich es schon als stereotyp empfinde.

    Das gilt im Übrigen auch für mich.

  8. #7
    Benutzerbild von Babooshka

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    Gut, ich habe auch keine Kinder, aber bei mir ist der Grund ein bisschen anders gelagert. Ich habe einfach nie welche haben wollen.

    Solche Erfahrungen mit Leuten, wie du sie gemacht hast, kann ich überhaupt nicht bestätigen. Bei mir gingen gleich mehrere Beziehungen in die Brüche bzw. kamen gar nicht erst zustande, weil ER Kinder wollte, ich aber nicht; Kinder, die er dann mit einer anderen Frau auch bekommen hat bzw. bekommen wird. Einige meiner Freundinnen sind ähnlich drauf wie ich (man sucht sich halt mehr oder weniger bewusst Leute, die genauso denken), andere wiederum würden nach wie vor gerne eine eigene Familie haben, aber es war ihnen bislang nicht vergönnt, weil ihnen der Mann dazu fehlt(e). Na und einige haben ihre Meinung von Nein auf Ja geändert, nachdem sie die 30 überschritten hatten, was ja heutzutage schon alleine wegen der längeren Ausbildungszeiten (Studium meine ich) ziemlich normal geworden ist.

    Gut, die erwähnten Leute sind alles keine Akademiker, aber trotzdem solide "Mittelständler" mit Berufsausbildung und Arbeitsplatz. Ich nehme an, von solchen sprachst du in deinen Beispielen auch. Aber der allgemeine Ton, den ich höre, ist "wir wollen Kinder" und die machen sie dann auch.

  9. #8
    Benutzerbild von bubu

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    Klingt gar nicht gut:

    "Die neuen Proleten"
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,436351,00.html

  10. #9
    Benutzerbild von DeeTee

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    Pfeil

    Meines Erachtens die zwei wichtigsten Sätze:

    Der neue Arme ist kein Wiedergänger des alten. Vor allem an seinem mangelnden Bildungsinteresse erkennen wir den Unterschied. Er besitzt keine Bildung, aber er strebt ihr auch nicht entgegen.
    ...
    Fragen von sehr grundsätzlicher Bedeutung drängen sich in den Vordergrund: Kann eine Demokratie es tatsächlich hinnehmen, dass ein Teil des Souveräns dauerhaft von der Wohlstandsmehrung ausgeschlossen bleibt?
    Insgesamt halte ich es für ein zunehmendes Problem, dass Bildung, die über ein reines (kurzfristig ausgerichtetes) Nutzdenken hinausgeht, derzeit keinen hohen Wert besitzt. Und wer (fast) nichts hat und nichts weiß, der hat auch nichts zu verlieren.

    DeeTee

  11. #10
    Benutzerbild von PostMortem

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    EDIT ... viel zu langes Posting.... muss mir das nochmal kürzer überlegen ;-)

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