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Quo Vadis, Deutschland?

Erstellt von bubu, 22.12.2004, 18:20 Uhr · 293 Antworten · 19.123 Aufrufe

  1. #91
    Benutzerbild von Torsten

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    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Ich hatte geschrieben: "Ich möchte mal sagen, Chancen werden nicht durch eine Obrigkeit gegeben, sondern man muß sie sich nehmen. Es bleibt die Frage, ob Chancen nicht durch die Gesetzgebung verhindert werden."
    Du hast leider nur den 1. Satz zitiert, aber der 2. gehört dazu. Ich meine, man kann ganz sicher nicht warten, bis der Traumjob von alleine aufkreuzt. Andererseits werden möglicherweise Initiativen und Chancen durch die Gesetzeslage erschwert. frasier hat die Existenzgründerfeindlichkeit erwähnt. Hohe Lohnnebenkosten gehören womöglich ebenso dazu.
    Chancen, die in zunehmenderem Maße schlicht nicht vorhanden sind (siehe Artikel), können auch nicht genutzt werden. Und wem nützen Existenzgründungen, wenn immer weniger Menschen die dabei angebotenen Dienste/Produkte nutzen/kaufen können?

    Soweit ich weiß, sind um die 90 % der damals hochgepriesenen Ich-AGs gescheitert. Soll das nur an der Unfähigkeit der neuen Selbständigen gelegen haben?

  2.  
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  3. #92
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Das habe ich wo geschrieben?
    Lies Deine Postings... Du haust voll in die Kerbe derer, die meinen wir würden händeringend schlaue Köpfe suchen die unsere Wirtschaft vor dem Bankrott retten, aber nur Leute finden, die lieber Freizeit haben oder nicht die nötig Bildung hätten. Dem stellte ich die nackten Zahlen der in Deutschland absolut mickrigen Zahl an überhaupt im Fluß befindlichen Stellen und dazu die absolut hohe Zahl an stattfindender Innovation entgegen. Was zählt am Ende? Die Realität in Zahlen oder ganz anders motivierter Alarmismus von Wirtschaftsfunktionären und neoliberalem Politikvolk? Wo wollen wir denn noch hin als Exportweltmeister und Patentmeister? Wieviel besser und innovativer als der Rest der Welt hätten manche uns denn gerne noch? Kommt da irgendein Wahnsinn vom deutschen Übermenschen hoch der automatisch 10x schlauer sein muss als ein Chinese oder wie? Das ist nicht nachvollziehbar...

    Ist die Situation tatsächlich so einmalig? Gab es nicht auch schon im Altertum kontinentübergreifenden Handel?
    Lies meine Postings... Ich schrieb von der einmaligen Situation der ungleichen Verhältnisse UND der so noch nie dagewesenen Globalisierung des Faktors Arbeit. Mein Thema war nicht nur der globale Handel zwischen Nationen oder Kontinenten (die oft zur Beschwichtigung gezogene Parallele zur einsetzenden Globalisierung Anfang des 20. Jahrhunderts kann man deshalb so auch nicht ziehen, denn es war eine reine Globalisierung der Märkte und war nicht mit den Verwerfungen vergleichbar die wir heute erleben), mein Thema war die Verschiebung ganzer Wertschöpfungsprozesse und Industrien und der damit verbundenen Arbeitsplätze. Als Beispiel kann man die Textilindustrie nehmen, die heute zu 80% in China produziert, was nichts anderes heisst, als das sämtliche traditionellen Textilindustrieregionen Europas nur noch als Museum oder industrieromantische Hülle einer Umnutzung als Loft oder Baumarkt existieren. Die einen sagen "Na und dafür gibts billige Pullover" und die anderen (u. a. ich) sagen, "OK, die brauchen die Arbeitslosen auch, besser wären aber preisWERTE Pullover UND ein eigener Arbeitsplatz". Und dann kommen wieder die einen und sagen "Vergiss Textil, das ist alte Industrie, wir entwickeln hier jetzt nur noch kalte Fusion, Überlichtraumschiffe und fliegende Autos - leider sind die Leute dazu aber zu dumm, also müssen die schlauer werden". Und dann kommen wieder die anderen (u. a. ich) und die sagen "nicht jeder ist unbegrenzt zu bilden, lasst uns einfachen Leuten einfache Arbeit geben und dafür sorgen, dass keiner mehr so einfach unsere Märkte mit umweltzerstörenden Produktionsmethoden und 10-Euro-Monatslöhnen kaputt macht". Usw....

    Es scheint Fakt zu sein, daß diesem Unternehmen der Job nicht mehr als der angegebene Stundenlohn wert ist. Mehr habe ich nicht geschrieben. Was Du sonst noch dazu schreibst, interpretierst Du in meine Sätze hinein.
    Es hat mit Interpretation doch wenig zu tun, wenn ich schlicht und ergreifend feststelle, dass mit dem Markt gerne argumentiert wird (z. B. wenn einem der gebotene Lohn nicht schmeckt) und nur seine Gesetze gelten sollen, wenn es zugunsten des Unternehmers ist, aber plötzlich in unangemessenem Aktionismus ausgebrochen wird, wenn die Gesetze des Marktes zu gunsten des Arbeitnehmers wirken. Wer als Spezialist gesucht ist, der soll auch anständiges Geld verdienen, Ende. Wenn man aber mal von Unternehmen gehört hat, dass länger als vier Wochen gebraucht hat, um eine Ingenieursstelle zu besetzen, dann wird der Fachkräftenostand ausgerufen und der Niedergang der deutschen Wirtschaft prophezeit. Da wird dann nicht von Angebot und Nachfrage gesprochen, sondern gerne nach Greencards gerufen und nach minderwertigen Abschlüssen im Eilverfahren (Bachelor und ähnliche Beerdigungen der einst geschätzten deutschen Ingenieursausbildung), um die Preise und das Selbstbewusstsein der Spezis bloß schnell wieder in den Keller zu kriegen. Es ist also dann scheinbar legitim küsntlisch in den Markt einzugreifen und sich über Inder & Co. mehr Wettbewerber um Stellen in den Markt zu holen. Doch wenn der blöde Arbeitslose nach mehr Arbeitsplätzen ruft, dann ist er naiv, hat keine Ahnung von Marktmechanismen und schonmal gar nicht von Betriebswirtschaft...

    Und das ist in USA oder sonstwo in der Welt soviel anders? Ich dachte, in den USA werden die Manager nach Quartalsergebnissen bewertet und bezahlt. Welche Strategie anders als Kostensenkung hat denn GM (Opel-Mutterkonzern)? Walmart?
    Wenn Du im einsetzenden Wirtschaftskrieg um Wohlstand und Arbeit den "Feind" in den USA siehst, bitte. Allerdings ist es noch nie ein guter Berater gewesen sich Beispiele zu suchen wo es genauso schlecht oder noch schlechter läuft um vorwärts zu kommen. Deshalb wäre es auch einigermaßen sinnlos darüber zu diskutieren. Aber wie ich anfangs in diesem Thread schon schrieb (liest halt nicht jeder), haben die USA die Zahl ihrer Industriejobs in den letzten Jahren um 15% erhöht, während wir hier glauben, es wäre nicht zu ändern, dass die Zahl dieser Jobs ungebremst schrumpft. Was GM oder Ford als Einzelunternehmen machen, ist für die Gesamtentwicklung (da gibts ja noch was, dass nennt sich Volkswirtschaft, wird hierzulande leider zugunsten rein betriebswirtschaftlicher Sichtweisen leider fast vergessen) solange nicht von Belang, solange die Summe der Unternehmen mit innovativen Produkten mehr Jobs erhalten und schaffen, als an anderer Stelle verloren gehen. Und genau *das* schaffen die deutschen Unternehmen seit Jahren nicht. Nehmen wir die Mobiltelefonie. Firmen wie Bosch und Siemens hatten exzellente Startbedingungen, exzellente technologische Entwicklungsstände, exzellente Teams und eine ausgesprochen luxuriöse Kapitalausstattung. Was ist passiert? Erst hat es Bosch mit viel Beamtenmenthalität vergeigt und veräußerte sein Geschäft an Siemens und dann wiederholt sich die Geschichte innerhalb weniger Jahre bei Siemens nochmal. Das Feld bestellen nun quasi allein Nokia, Motorola und SonyEricsson. So enden sämtliche eigenständigen und hochsubventionierten Versuche großer deutscher Konzerne, ob es nun der Transrapid ist oder im Kommunikationsgeschäft.

    Das Ende vom Lied ist, dass der kleine Arbeitnehmer dafür bezahlt und früher oder später auf der Straße landet und der verantwortliche Manager sich das Gehalt um 30% erhöht. Das ist eben Marktwirtschaft... hahaha!

    Unser großes Glück ist es, dass wir im Automobil- und im Maschinenbereich nach wie vor sehr innovativ sind (weil das weniger publikumswirksam ist, bekommen die meisten das nur leider nicht mit und denken iPods und Windows Vista wären innovativ) und das wir es im Maschinenbau nicht mit einem Endkundengeschäft zu tun haben. Denn das beherrschen die deutschen Unternehmen offenbar im Technologiebereich nur noch sehr schlecht. Da wird immer mit angezogener Handbremse gefahren. Und weil das so ist, ist unser größes Vorzeige-Softwareunternehmen auch ein reiner Firmenlieferant: SAP. In den USA gibt es Firmen wie Microsort oder Apple. Wenn man wissen will, was da anders läuft, dann sollte man an dieser Stelle anfangen zu forschen.

    Das ist aber kein Argument. "Es ist auch absolut kein Wunder und kein Geheimnis, dass viele deutsche Arbeitslose als faul und unwillig verschrien sind." Das erklärt uns jetzt was?
    Das ist kein Argument und ein Fisch ist kein Vogel. O. g. (verdrehtes) Quote war jawohl mein Fazit zum vorrangegangenen Absatz "Wenn überhaupt, ist in diesem Bereich unser Problem, dass wir seit 20 Jahren zwar eifrig Dinge erfinden und Innovationen am laufenden Band hervorbringen, sie aber nicht in Produkte umsetzen, weil hierzulande angestellte Konzernlenker übernommen haben, die kein geschäftliches Risiko mehr eingehen und Gewinne nur über Kostensenkungen und Anteilsverkäufe steigern wollen.". Und? War mein Fazit jetzt falsch? Muss ein Fazit ein Argument sein? Wenn Du gerne das Fazit ziehen möchtest, dass deutsche Arbeitslose als faul und unwillig verschrien sind, dann ist Dir das doch überlassen.

    Fakt ist, daß es häufig eben keine Arbeit am Wohnort gibt, ob man nun mobil sein will oder nicht. Wenn man Arbeit auswärts findet, aber nicht am Wohnort, und Arbeit haben möchte, wird man wohl umziehen müssen, oder auf Arbeit verzichten müssen. Weißt Du eine Lösung, wie man in diesem Fall ohne Umzug und mobil zu sein zu Arbeit kommt?
    Es ist die Frage, ob man das Problem SO überhaupt lösen sollte. Wenn es in 10 Jahren nur noch Arbeit im Westen Deutschlands gibt, machen wir die fünf neuen Bundesländer dann zu? Ist es verfehlt und unangebracht, wenn man von einer Wirtschaftspolitik erwartet, dass sie die Wirtschaft anreizt sich dort anzusiedeln, wo sie zur Schaffung von Arbeitsplätzen und der Vermeidung der Verödung ganzer Regionen am dringendsten gebraucht wird?
    Im übrigen finde ich es reichlich kalt und abgezockt mit "Wenn man Arbeit auswärts findet, aber nicht am Wohnort, und Arbeit haben möchte, wird man wohl umziehen müssen" zu argumentieren, wenn wir hier im Zusammenhang bereits über zwei Postings hinweg über 16jährige Ausbildungssuchende schreiben. Du müsstest auch mal die Praktikabilität in Betracht ziehen. Ein 16jähriges Facharbeiterkind, das sich ein Studium evtl. schon von vorneherein abgeschminkt hat, weil die Eltern das finanziell nicht unterstützen können, und das für eine Ausbildung bestenfalls wenige hundert Euro verdient, muss für eine dreijährige Ausbildung ohne ausreichende Mittel existieren können, ist minderjährig und darf teilweise neben der Ausbildung überhaupt nicht nebenberuflich arbeiten. Wie stellst Du Dir die Mobilität eines solchen Menschen eigentlich vor, ganz abgesehen von rein menschlichen Problemen eines so jungen, nichtmal voll geschäftsfähigen Menschen, alle Zelte abzubrechen und hunderte km von Familie und Freunden zu leben? Soll das auf dem neoliberalen Altar geopfert werden, während gleichzeitig bitterlich darüber gejammert wird, dass eine Rückbesinnung auf Werte wie Familie stattfinden soll?

    Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass wir natürlich nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen werden. Nach meinem Verständnis liegt das daran, dass Du (wie andere natürlich auch) Wirtschaft einigermaßen als Selbstzweck ansiehst und Menschen und Nationen nur als Absatzmärkte. Der Deutsche darf zwar kaufen wo der Pfeffer wächst, aber Arbeit haben braucht er dort keine. Das sich ein derart propagiertes System am Ende einer Kette in dieser Form selbst zu Grunde richten wird (mit Verlagerungen kann man nur solange durch Kosteneinsparungen Gewinne maximieren, wie die Produkte am Ende noch von einem potenten Abnehmer gekauft werden können), werden wir als Beweis des Irrtums dieser Argumente hoffentlich nie erleben müssen, denn ich teile Deine teils extrem marktradikalen und darwinistischen Visionen nicht. Aber macht nur so weiter... es wird dann halt nur nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Parteien ratlos sind, was sie gegen NPD und andere Extreme tun sollen.

    PM

  4. #93
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    DeeTee

  5. #94
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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Lies Deine Postings... Du haust voll in die Kerbe derer, die meinen wir würden händeringend schlaue Köpfe suchen die unsere Wirtschaft vor dem Bankrott retten, aber nur Leute finden, die lieber Freizeit haben oder nicht die nötig Bildung hätten.
    Das habe ich nicht geschrieben, das phantasierst Du in meine Sätze hinein.

    Wo wollen wir denn noch hin als Exportweltmeister und Patentmeister?
    Nicht jedes Patent ist auch wirtschaftlich gut verwertbar. Manchmal dauert es auch Jahrzehnte, bis ein Patent überhaupt realisiert wird (Magnetschwebebahn). Fakt ist, daß trotz Konrad Zuse Computer- und Softwarestandards in USA oder Japan festgelegt werden. Trotz des historischen Vorsprungs deutscher (oder europäischer) Unternehmen sitzt der größte Unterhaltungselektronikkonzern in Japan. Siemens spielt z.B. in der Unterhaltungselektronik überhaupt keine Rolle mehr.

    Wieviel besser und innovativer als der Rest der Welt hätten manche uns denn gerne noch?
    So gut wie Sony mit dem Walkman und der CD.

    Lies meine Postings... Ich schrieb von der einmaligen Situation der ungleichen Verhältnisse UND der so noch nie dagewesenen Globalisierung des Faktors Arbeit. Mein Thema war nicht nur der globale Handel zwischen Nationen oder Kontinenten
    Wie globalisiert man denn Arbeit? Doch nur dadurch, daß die Produkte im Ausland produziert und nach Deutschland gehandelt werden.

    Als Beispiel kann man die Textilindustrie nehmen, die heute zu 80% in China produziert, was nichts anderes heisst,
    als daß die Textilien nach Europa gehandelt werden. Globalisierung ist also globaler Handel von Produkten.

    Es hat mit Interpretation doch wenig zu tun, wenn ich schlicht und ergreifend feststelle, dass mit dem Markt gerne argumentiert wird (z. B. wenn einem der gebotene Lohn nicht schmeckt) und nur seine Gesetze gelten sollen, wenn es zugunsten des Unternehmers ist, aber plötzlich in unangemessenem Aktionismus ausgebrochen wird, wenn die Gesetze des Marktes zu gunsten des Arbeitnehmers wirken.
    Wer macht denn das? Du kannst ja gerne versuchen, den Markt wegzuargumentieren, aber dadurch bekommst Du weder höhere Löhne noch billigere Spezialisten.

    Wer als Spezialist gesucht ist, der soll auch anständiges Geld verdienen, Ende.
    Wenn dem Unternehmen der Nutzen des Spezialisten aber nicht so viel Geld wert ist, sondern nur die Hälfte? Dann kann das Unternehmen versuchen, einen Spezialisten für weniger Geld zu finden, oder eben auf den Spezialisten verzichten.

    Wenn man aber mal von Unternehmen gehört hat, dass länger als vier Wochen gebraucht hat, um eine Ingenieursstelle zu besetzen, dann wird der Fachkräftenostand ausgerufen und der Niedergang der deutschen Wirtschaft prophezeit.
    Wer macht denn sowas?

    Da wird dann nicht von Angebot und Nachfrage gesprochen, sondern gerne nach Greencards gerufen und nach minderwertigen Abschlüssen im Eilverfahren (Bachelor und ähnliche Beerdigungen der einst geschätzten deutschen Ingenieursausbildung), um die Preise und das Selbstbewusstsein
    Bachelor und Master sind keine minderwertigen Abschlüsse, sondern im Ausland übliche Abschlüsse.

    Es ist also dann scheinbar legitim küsntlisch in den Markt einzugreifen und sich über Inder & Co. mehr Wettbewerber um Stellen in den Markt zu holen.
    Und im Umkehrschluß dürfen Deutsche dann auch im Ausland nicht mehr nach Arbeit suchen. Kleinstaaterei? Dürfen sächsische Unternehmen denn noch in Bayern nach umzugswillen Arbeitskräften suchen? Schwäbische nach thüringer Arbeitskräften? Sind nicht derlei Kleinstaatereien vielmehr eine künstliche Beschränkung des Marktes? Ist es nicht vielmehr so, daß, egal wie geschickt Du auch dagegen zu argumentieren versuchst, langfristig der Arbeitsmarkt international werden wird, noch viel stärker als heute? Darüberhinaus wurde das Greencard-Konzept erfolgreich von der Bürokratie kaputtgemacht. Die USA z.B. profitieren volkswirtschaftlich von Ihren gut qualifizierten Einwanderern, z.B. als Firmengründer.

    Wenn Du im einsetzenden Wirtschaftskrieg um Wohlstand und Arbeit den "Feind" in den USA siehst, bitte.
    Tu ich das?

    (da gibts ja noch was, dass nennt sich Volkswirtschaft, wird hierzulande leider zugunsten rein betriebswirtschaftlicher Sichtweisen leider fast vergessen)
    Als Unternehmer wirst Du aber betriebswirtschaftlich denken müssen oder langfristig pleite gehen.

    solange nicht von Belang, solange die Summe der Unternehmen mit innovativen Produkten mehr Jobs erhalten und schaffen, als an anderer Stelle verloren gehen. Und genau *das* schaffen die deutschen Unternehmen seit Jahren nicht.
    Welche deutsche Unternhemen schaffen das nicht? Welche amerikanischen Unternehmen schaffen das?

    Es ist die Frage, ob man das Problem SO überhaupt lösen sollte. Wenn es in 10 Jahren nur noch Arbeit im Westen Deutschlands gibt, machen wir die fünf neuen Bundesländer dann zu?
    Was hast Du dagegen zu setzen? Wie zauberst Du denn Jobs in die neuen Länder hinein? Was spricht dagegen, wenn sich die Industriejobs im Westen ballen und der Osten weitgehend auf Landwirtschaft umsteigt? Abgesehen davon stimmt das so extrem nicht, da es auch im Osten neue Industrieansiedlungen gibt.

    Ist es verfehlt und unangebracht, wenn man von einer Wirtschaftspolitik erwartet, dass sie die Wirtschaft anreizt sich dort anzusiedeln, wo sie zur Schaffung von Arbeitsplätzen und der Vermeidung der Verödung ganzer Regionen am dringendsten gebraucht wird?
    Ja, aus der Pleite mit der Zohnenrandförderung sollte man gelernt haben. Subventionen schädigen langfristig die Wirtschaft und den Staatshaushalt und machen die Unternehmen träge.

    Im übrigen finde ich es reichlich kalt und abgezockt mit "Wenn man Arbeit auswärts findet, aber nicht am Wohnort, und Arbeit haben möchte, wird man wohl umziehen müssen" zu argumentieren, wenn wir hier im Zusammenhang
    Ich argumentiere nicht, ich frage Dich, welche konkrete Lösung Du für diesen Fall, daß man Arbeit nur außerhalb, nicht aber am Wohnort findet und arbeiten möchte, vorsiehst.

    Du müsstest auch mal die Praktikabilität in Betracht ziehen. Ein 16jähriges Facharbeiterkind, das sich ein Studium evtl. schon von vorneherein abgeschminkt hat, weil die Eltern das finanziell nicht unterstützen können, und das für eine Ausbildung bestenfalls wenige hundert Euro verdient, muss für eine dreijährige Ausbildung ohne ausreichende Mittel existieren können, ist minderjährig und darf teilweise neben der Ausbildung überhaupt nicht nebenberuflich arbeiten.
    OK, also lieber arbeits- und aubildungslos bleiben, dafür aber bei den Eltern wohnen bleiben? Welches ist Deine konkrete Lösung für diesen Fall?

    Wie stellst Du Dir die Mobilität eines solchen Menschen eigentlich vor, ganz abgesehen von rein menschlichen Problemen eines so jungen, nichtmal voll geschäftsfähigen Menschen, alle Zelte abzubrechen und hunderte km von Familie und Freunden zu leben?
    Ich stelle mir das so vor, daß bei entsprechend leistungsfähigen Großunternehmen vom Unternehmen bezuschußte Lehrlingswohnungen bereitgestellt werden. Im anderen Fall kann man über staatliche Zuschüsse gekoppelt an die Ausbildungsleistungen nachdenken.

    Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass wir natürlich nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen werden.
    PM
    Wenn ich Dir aus lauter Symphatie in allem zustimme, ist die Diskussion doch sehr schnell zu Ende, oder nicht? Und langweilig wärs auch.

  6. #95
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    TV-Tipp zum Stichwort Bildung

    Sonntag, 24.09.2006, 23:45 - 00:45 Uhr, ZDF: "Das Philosophische Quartett"

    Notfall Erziehung - Braucht Bildung Vorbilder?

    Die Diskussion reißt nicht ab: immer deutlicher wird, wie unsere Bildungsinstitutionen versagen. Ob im Elternhaus oder im Kindergarten, in Schule, Lehre oder Hochschule - die Kinder, die Jugendlichen und auch die Studierenden suchen nach Orientierung und finden sie nicht. Kein Wunder, die ideologisch bestimmten Debatten in der Kultusministerkonferenz, die Verlautbarungen der zuständigen Gewerkschaften oder die Sonntagsreden der Bildungspolitiker in Bundestag und Länderparlamenten gehen über die dramatische Wirklichkeit hinweg. Was läuft falsch?

    Bildung wächst nicht allein durch die Vermittlung von Informationen. Ausbildung kann Bildung nicht ersetzen. Werte, Lebenseinstellungen, Selbstdisziplin, Neugier gehören auch dazu. Werte müssen vorgelebt, müssen wieder verkörpert werden, in der Familie, in der Schule, in der Hochschule. Haben aber unsere Bildungseinrichtungen noch die Kraft, sich gegen die heimlichen und unheimlichen Erzieher, gegen die falschen Vorbilder durchzusetzen, die Markt und kommerzielle Medien produzieren? Wollen sie es überhaupt? Welche Vorbilder brauchen wir heute? Welche Werte lassen sich noch vermitteln? Darüber diskutieren Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski mit ihren Gästen im "Philosophischen Quartett" im Rahmen des ZDF-Schulschwerpunktes.

    Gäste:
    • Reinhard Kahl (Journalist)
    • Dr. h.c. Michael Klett (Schulkritiker & Verleger)

  7. #96
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    Doppelposting

  8. #97
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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Ich habe mir davon weite Strecken angesehen... Ob mich das jetzt wirklich weiter gebracht hat weiss ich nicht so Recht.
    PM
    Ich hab nun auch alles angesehen und kann sagen, dass mir nun vieles klarer ist. Einige Aussagen, z.B. die von Klaus Farin ziemlich am Anfang, waren ziemlich erhellend. Sinngemäß: "Eine Rebellion der Jugend kann nur dann stattfinden, wenn es allen relativ gut geht", "Die Erwachsenengeneration gibt der Jugendgeneration die Rahmenbedingungen vor - daher müssen wir uns an die eigene Nase fassen". Besonders hart auch die Erkenntnis des einen Herrn Professors: "Das so seltsam harmonische Verhältnis der heutigen Jugend zur Erwachsenengeneration kann man auch so lesen, dass die Erwachsenen harmlos geworden sind, sprich: gar nicht mehr begreifen, was sich heutzutage alles verändert hat und wie gravierend es ist. Warum sollte man sich gegen harmlose Erwachsene also auflehnen?"

    Ziemlich deutlich raus kam, dass der heutigen Jugend familiäre Strukturen bzw. Sozialverbände sehr wichtig sind. Das abgeschmackte Ideal des Individualismus, wie es zu unserer Jugend noch hochgehalten wurde, hat ausgedient. Ideal ist, wenn du funktionierende Sozialkontakte hast, in einer Gruppe bist, eine intakte Familie hast. Es wäre auch mal bei anderer Gelegenheit interessant, darüber nachzudenken, inwieweit das eine Folge der neuen Kommunikationstechnologien Internet und Handy sein könnte.

    Ich habe mich ja schon immer gefragt, wieso zwischen Türken und Deutschen über all die Jahrzehnte so wenig Durchmischung stattgefunden hat. Nun weiß ich die Antwort und sie hat mich schockiert. Dass bei türkischstämmigen Familien noch in der dritten ?, vierten? Generation der Machismus und die religiös begründete Unterdrückung der Frau so drastisch ist, hätte ich mir nie träumen lassen. Deutschland im Jahr 2006 duldet, dass Frauen zwangsverheiratet werden, dass Männer ihre Frauen, dass Brüder ihre Schwestern unterjochen und potenziellen Freunden mit Ermordung drohen? Das kann einfach nicht sein. Das darf nicht sein.

    Mich hat das alles aber dennoch insgesamt darin bestärkt, dass Bildung und eine Verbesserung des Bildungsniveaus auf allen Ebenen - Haupt- und Realschule, Gymnasium sowie Hochschulen - nach wie vor einer der Schlüssel ist, um die Lage insgesamt zu verbessern. Ein ganz wichtiger Punkt hierbei ist die Bildung und konsequente Integration von Migrantenkindern. Ganztagsschulen wären auch für diese Kinder die Chance ihren reaktionär-religiösen Familienstrukturen zu entkommen.

    Dass viele junge Leute keinen Ausbildungsplatz bekommen liegt zwar auch an den schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, aber trotzdem - wenn du mal mit Handwerksmeistern sprichst (und das habe ich getan), und sie fragst, warum sie keine Leute ausbilden, kriegst du oft zur Antwort, dass sie es gerne würden, aber mit Leuten, die es einfach nicht gelernt haben, morgens pünktlich zur Arbeit zu kommen, oder noch nicht mal die Grundrechenarten beherrschen (und ja, die braucht man nun mal leider auch, wenn man Tischler oder Fliesenleger werden will), einfach nichts anfangen können. Eine Anhebung des durschnittlichen Bildungsniveaus würde das Problem zwar sicher nicht lösen, dennoch glaube ich, dass mehr junge Leute in Ausbildung kämen.

    Außerdem glaube ich auch, dass, wenn wir in der Bildungselite noch mehr zulegen, viel mehr in Forschung und Entwicklung investieren und uns wirklich darauf besinnen, dass Deutschland nur als Hochtechnologiestandort auch in Zeiten der Globalisierung eine Chance hat, dass wir dann auch insgesamt mehr Arbeitsplätze - und zwar auch für weniger Gebildete, bekommen werden.

  9. #98
    Benutzerbild von bubu

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    Zitat Zitat von ihkawimsns Beitrag anzeigen
    Die Mediziner sind in dieser Hinsicht ein Sonderfall, da sie ja immer mit dem Doktortitel abschließen. Von einem Diplom-Mediziner habe ich jedenfalls noch nie gehört.
    Zitat Zitat von Wikipedia
    Eine Doktorarbeit (Dissertation) ist in Deutschland innerhalb und nach Abschluss des Medizinstudiums nicht zwingend vorgeschrieben. Man kann das Medizinstudium mit dem zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung abschließen und nach Erhalt der Approbation als Arzt arbeiten. Man ist dann allerdings nicht promoviert und kann sich nicht "Dr. med." nennen, was gelegentlich zu Verunsicherung bei Patienten führt und in Deutschland immer noch einen Nachteil im späteren Berufsleben darstellen kann. Auch der Weg zu einer späteren Habilitation in Deutschland ist so versperrt.
    Dementsprechend muss man da auch andere Standards festlegen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass für alle angehenden Ärzte überhaupt hinreichend viele (ernsthafte) Forschungsmöglichkeiten bestehen, die mit begrenztem Budget, begrenztem Personalaufwand und begrenzter Zeit Ergebnisse liefern.
    Natürlich kannst du auch als Mediziner in die Forschung gehen - du hast sogar die besten Voraussetzungen, weil dir aufgrund der intensiven und breit gefächerten Ausbildung viele Wege offenstehen. Mediziner, die das vorhaben, machen in der Regel auch wirkliche Promotionen, weil die natürlich der Einstieg in eine weitere Forscherkarriere ist.

    In Großstädten findest du mehr und mehr niedergelassene Ärzte ohne Doktortitel - meist sind das jüngere und alternativere Ärzte, in ebensolchen Stadtteilen mit jüngerer "Kundschaft", die diesen Titel-Zirkus nicht mitmachen wollen. Ein Doktortitel sagt überhaupt nichts darüber aus, ob ein Arzt gut ist oder nicht. Viele Ärzte machen ihn auch nur, weil sie meinen, dass eine Praxis mit einem Dr. besser läuft. Auf 70-jährige Omis macht das womöglich auch noch Eindruck. Leider stellen die meist auch das Gros der Patientenschaft, vor allem in der Provinz.

  10. #99
    Benutzerbild von bubu

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Viel schlimmer ist für mich aber das offensichtlich in Deutschland stattfindende Rückschwingen des Pendels von einer sozialen und liberalen Gesellschaft zurück zu einer ultrakonservativen, sich diesbezüglich fast auf das stickige Adenauer-Deutschland zu bewegende Deutschland.

    Einige hier geäußerte Forderungen gehen ja in die gleiche Richtung, vonwegen Elternführerschein vor Zeugungserlaubnis usw.... PM
    Wenn ich in Deutschland ein Auto fahren will, muss ich einen Führerschein machen. Ist das nicht furchtbar maßregelnd? Schließlich bezahle ich das Auto von meinem Geld. Nein, denn ich übernehme eine große Verantwortung - ich könnte andere verletzen.

    Wenn ich in Deutschland ein Flugzeug fliegen will, muss ich einen Pilotenschein machen. Ist das nicht furchtbar maßregelnd? Schließlich bezahle ich das Flugzeug (oder die Miete) von meinem Geld. Nein, denn ich übernehme eine große Verantwortung - ich könnte andere verletzen.

    Wenn ich in Deutschland eine Waffe tragen will, muss ich einen Waffenschein machen.Ist das nicht furchtbar maßregelnd? Schließlich bezahle ich die Waffe von meinem Geld. Nein, denn ich übernehme eine große Verantwortung - ich könnte andere verletzen.

    Wenn ich in Deutschland Kinder kriegen will, muss ich niemandem Rechenschaft darüber ablegen, ob ich die Kinder ernähren kann, ob ich sie erziehen kann, ob ich psychisch und physisch bereit bin, diese große Verantwortung tragen zu können. Ich übernehme die Verantwortung für ein werdendes Leben. Und womöglich nicht nur für dieses eine Leben, sondern für viele. Denn, wenn ich mein Kind falsch erziehe und ernähre, es vielleicht sogar quäle und schlage, mache ich im schlimmsten Falle einen Psychopathen aus ihm, der andere verletzen könnte.

    Ich glaube, vielen Leuten ist das Maß der Verantwortung des Kinderkriegens nicht bewusst - die sehen Kinder in einer Reihe von Anschaffungen wie "mein Haus, mein Auto, mein Boot". Auf jeden Fall steht da immer ein "mein" davor.

    Der Staat hat die Aufgabe das Individuum zu schützen - also sollte er auch darauf achten, dass die Interessen seiner werdenden Bürger geschützt und gewahrt sind. Und die werden oft genug eben nicht gewahrt. Insofern kann ich dein Argument nicht ganz nachvollziehen.
    .

  11. #100
    Benutzerbild von bubu

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    Es gibt noch Manager mit Verantwortungsgefühl in Deutschland. Wendelin Wiedeking im Spiegel-Interview:

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,438927,00.html

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