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Quo Vadis, Deutschland?

Erstellt von bubu, 22.12.2004, 18:20 Uhr · 293 Antworten · 19.111 Aufrufe

  1. #111
    Benutzerbild von MaxiMan

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    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Was spricht dagegen, wenn sich die Industriejobs im Westen ballen und der Osten weitgehend auf Landwirtschaft umsteigt?
    Der Gedanke löst entspannte Assoziationen bei mir aus. Mir fallen die Visionen der „blühenden Landschaften“ ein, die dann im Wortsinn Realität werden. Mag sein, dass der eine oder andere dabei schon Zustände bekommt, wenn er an blühende Rapsfelder denkt. Andere wären damit schon zufrieden, befürchten aber eher den Blick auf die Steppe.

    Du hast natürlich recht, was spricht gegen Re-Urbanisierung? Andere Industriestaaten (vor allem dieser große mit den drei Buchstaben) lassen seit ewigen Zeiten auch Städte bewusst verfallen, geben sie als Wohnstätte auf. Leider mangelt es dem deutschen Michel diesbezüglich an Konsequenz. Ich kenne eine kleine Stadt, die einmal Industriestandort war, die hat jetzt unheimlich (?) viele Grünzonen und Parks. Manch Bewohner sagt, er finde sich dort nicht mehr zurecht, die Straßenzüge würden bei all dem Grünzeug ihren Halt verlieren, die Geborgenheit und städtische Infrastruktur gingen verloren.

    Ach, das wollte ich noch fragen: Wenn der Osten deindustrialsiert wird, gibt der Westen dann seine Landwirtschaft auf? Wahrscheinlich nicht, oder?

    Ich denke, Du verstehst meine Aussage.

    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Wenn ich Dir aus lauter Symphatie in allem zustimme, ist die Diskussion doch sehr schnell zu Ende, oder nicht? Und langweilig wärs auch.
    Obgleich ich es persönlich bedauern würde, wenn PM die Diskussion für sich als beendet ansieht, so ist es auch offensichtlich, dass Deine Grundüberzeugung und die von PM einander gegenüberstehen. Der eine wird den anderen nicht beeinflussen können.

    Eure Diskussion darf aber als Abbild des Grundproblems dienen: Du glaubst, dass die heutigen Verhältnisse (die politische und wirtschaftliche Grundordnung) vom Prinzip in Ordnung sind und lediglich einzelne Korrekturen im Detail zu überdenken wären. Der Ansatz von PM (den ich im Wesentlichen teile) stellt nach meiner Auffassung grundlegende Ausprägungen des jetzigen Systems nicht nur in Frage, sondern würde auch die Grundordnung (wie sie in Deutschland anzutreffen ist) an sich beeinflussen.

  2.  
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  3. #112
    Benutzerbild von bubu

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Unser großes Glück ist es, dass wir im Automobil- und im Maschinenbereich nach wie vor sehr innovativ sind (weil das weniger publikumswirksam ist, bekommen die meisten das nur leider nicht mit und denken iPods und Windows Vista wären innovativ) und das wir es im Maschinenbau nicht mit einem Endkundengeschäft zu tun haben. Denn das beherrschen die deutschen Unternehmen offenbar im Technologiebereich nur noch sehr schlecht. Da wird immer mit angezogener Handbremse gefahren. Und weil das so ist, ist unser größes Vorzeige-Softwareunternehmen auch ein reiner Firmenlieferant: SAP. In den USA gibt es Firmen wie Microsort oder Apple. Wenn man wissen will, was da anders läuft, dann sollte man an dieser Stelle anfangen zu forschen.PM
    Wieso beherrschen deutsche Unternehmen das Endkundengeschäft denn so schlecht. Was ist der Grund? Und was läuft bei Apple, Microsoft und Co. anders? Das würde ich wirklich gerne verstehen. Was vermutest du als Gründe?

  4. #113
    Benutzerbild von bubu

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    Vielleicht beantwortet das hier schon meine Frage:

    BenQ stellt ehemalige Siemens-Tochter kalt

    Volker N.
    Das ganze System krankt
    Das Problem liegt doch wo ganz anders! Es gibt nur noch Manager und keine Unternehmer mehr. Der Manger will das der Aktienkurs steigt, der Unternehmer dass es der Firma gut gut. Der Manager sieht die Mitarbeiter als Kosten, der Unternehmer als Kapital. Das ganze jetzt mal etwas überspitzt ausgedrückt. Über Herrn Wiedeking beschwert sich keiner, der verdient noch viel mehr. Aber er agiert wie ein Unternehmer! Aktionkurs? Egal! Daxlistung? Egal!
    Mir treibt es die Tränen in die Augen wenn ein Unternehmen tausende Mitarbeiter entlässt und am gleichen Tag steigt dadurch der Aktienkurs!
    Bisher ist es keinem Unternehmen gut bekommen am Markt vorbei zu arbeiten! Erfolgreich sind die, die das Ohr am Kunden haben. Und das hatte Siemens definitiv nicht! Selbst Nokia hat viele Trends verpennt und musste in den vergangen Jahren dafür büßen!

    (Leserkommentar aus FTD.de)

  5. #114
    Benutzerbild von Torsten

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    In dieser Nacht gibt's direkt die nächste Gesprächsrunde zum Thema Bildung:

    Freitag, 29.09.2006, 00:40 - 01:40 Uhr, ZDF: "nachtstudio"

    "Wer immer strebend sich bemüht..." - Ein Loblied auf die "antiautoritäre" Schule?

    Keine Debatte der so genannten 68er-Bewegung hat die Gemüter so erhitzt, wie der Streit um Alexander Sutherland Neills Buch zur Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung, am Beispiel Summerhill, 1969 - Bestseller in den USA und Großbritannien. 1921 von Neill in der Zeit der Reformpädagogik gegründet, gilt Summerhill als die älteste demokratische Schule der Welt. Hier steht die Freiheit der Schüler im Vordergrund.

    Im Windschatten von Neills Theorie entstanden während der Zeit der Studentenrevolte in Berlin und Frankfurt Kinderläden mit bis dahin undenkbaren Erziehungsmethoden: Keine Verbote, freie 5exualität, selbstbestimmtes Aufwachsen. Mit der Pädagogik der Neuen Linken begann eine Politisierung, die nicht im Sinne des Reformpädagogen Neill war. Selbstbestimmtes Lernen, das Vertrauen in die individuellen Fähigkeiten des Kindes und Jugendlichen - ohne Angst, ohne Kontrolldruck: Das war schon immer Ziel der Reformpädagogik von Rousseau über Pestalozzi, von Maria Montessori, Célestin Freinet bis zu Hartmut von Hentigs pädagogischer Grundüberzeugung; Die Menschen stärken, die Sachen klären. In seiner Laborschule in Bielefeld macht den Schülern Unterricht Spaß, weil sie angstfrei lernen können. Zensuren, Hausaufgaben oder Sitzenbleiben wie in den Regelschulen gibt es nicht.

    Wurde der Begriff der antiautoritären Erziehung nur falsch ausgelegt? Hatte die Kinderladenbewegung, entstanden in der Zeit der Studentenrevolte auf dem Urgrund der Psychoanalyse, doch recht? Welche Chancen hat freie Erziehung angesichts der neuen Rückkehr zur Bürgerlichkeit? Welche reformpädagogischen Bewegungen müssten neu belebt wieder Eingang in schulische Prozesse finden? Und: Wie wichtig sind uns Kinder heute wirklich?

    Gäste:
    • Zoë Readhead (Leiterin der Summerhill-Schule in Leiston/England)
    • Klaus von Dohnanyi (ehem. Bundesbildungsminister)
    • Horst-Eberhard Richter (Psychoanalytiker und Kenner der 68er-Bewegung)
    • Susanne Thurn (Leiterin der Laborschule Bielefeld)

  6. #115
    Benutzerbild von Tim45

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    Zitat Zitat von MaxiMan Beitrag anzeigen
    Du hast natürlich recht, was spricht gegen Re-Urbanisierung?
    Ja, was denn? (Meinst Du De-Urbanisierung?) Wem hilft es, mit irrsinnigen Subventionen Industrien künstlich am Dahinsiechen zu erhalten? Da die Bevölkerung abnimmt, werden ohnehin nicht alle Dörfer und Flecken bewohnt bleiben können. Darüberhinaus wandeln sich die Branchen: Kassel z.B. verliert an produzierender Industrie, gewinnt aber an Logistik, weil es durch die Wiedervereinigung plötzlich verkehrsgünstig in der Mitte Deutschlands liegt.

    Ach, das wollte ich noch fragen: Wenn der Osten deindustrialsiert wird, gibt der Westen dann seine Landwirtschaft auf? Wahrscheinlich nicht, oder?
    Wahrscheinlich schon, wenn alles bebaut ist. Oder gibt's im Ruhrgebiet so viel Landwirtschaft?

    Obgleich ich es persönlich bedauern würde, wenn PM die Diskussion für sich als beendet ansieht, so ist es auch offensichtlich, dass Deine Grundüberzeugung und die von PM einander gegenüberstehen. Der eine wird den anderen nicht beeinflussen können.
    Ich will niemanden beeinflussen. Wir tauschen nur Argumente aus.

    Eure Diskussion darf aber als Abbild des Grundproblems dienen: Du glaubst, dass die heutigen Verhältnisse (die politische und wirtschaftliche Grundordnung) vom Prinzip in Ordnung sind und lediglich einzelne Korrekturen im Detail zu überdenken wären.
    Dann hast du mich mißverstanden. Ich erkenne aber die Fakten an. Fakt ist, daß es gelegentlich oder auch häufig Arbeit und Ausbildung nur weit weg vom Wohnort gibt, Stichwort "Mobilität". Ich habe gefragt, was man denn nun konkret machen soll, wenn man arbeiten möchte und nur auswärts was findet. Umziehen? Oder zuhause wohnen bleiben und arbeitslos bleiben?
    PM hätte natürlich viel lieber Arbeitsplätze vor der Haustür, jedenfalls am Wohnort, aber das ist häufig eine zwar schöne, aber doch reine Wunschvorstellung. Man muß aber doch mit den Fakten leben.

    Der Ansatz von PM (den ich im Wesentlichen teile) stellt nach meiner Auffassung grundlegende Ausprägungen des jetzigen Systems nicht nur in Frage, sondern würde auch die Grundordnung (wie sie in Deutschland anzutreffen ist) an sich beeinflussen.
    Was ist denn sein konkreter Ansatz für das Mobilitätsproblem? Oder Deiner?

  7. #116
    Benutzerbild von Tim45

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    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    In dieser Nacht gibt's direkt die nächste Gesprächsrunde zum Thema Bildung:

    Freitag, 29.09.2006, 00:40 - 01:40 Uhr, ZDF: "nachtstudio"

    "Wer immer strebend sich bemüht..." - Ein Loblied auf die "antiautoritäre" Schule?

    Hab ich verpasst. Gab's etwas, daß unsere Diskussion weiterbringen würde?

  8. #117
    Benutzerbild von Torsten

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    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Hab ich verpasst. Gab's etwas, daß unsere Diskussion weiterbringen würde?
    Da mir die Aufnahme leider misslungen ist, kann ich diese Frage nicht beantworten.

  9. #118
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von bubu Beitrag anzeigen
    @Tim45

    Ich glaube du hast mich missverstanden. Lies mein Posting 42 nochmal in Ruhe (und du lieber PM auch, weil aufgrund deiner Polemik mal wieder der Sinn einer Aussage gerdreht wurde).
    Wegen meiner Polemik wurde malwieder was gedreht? Also sowas! Ich lese nochmal. Was stand da in Posting 42? Da stand:

    "37. Bevor Eltern Kinder bekommen, müssen sie eine Art "Eltern-Führerschein" machen. Das sind verpflichtende Kurse in Sachen Erziehung, Pädagogik, Gesundheitserziehung, etc."

    Ich ließ in meinem Posting ganz allgemein Revue passieren, dass im Verlauf dieser Diskussion schon der "Elternführerschein vor Zeugungserlaubnis usw." gefordert wurde.

    Das ist m. E. nicht polemisch, sondern die stets elegant ausgeblendete und unausgesprochene Konsequenz, wenn markig solche Forderungen in den Raum gestellt werden. Denn wie will man denn (wenn man sowas überhaupt wollte) in der Praxis kontrollieren, dass Eltern einen "Eltern-Führerschein" haben, "bevor Eltern Kinder bekommen"? Wenn die Kontrolle nicht, wie in meiner angeblichen "Polemik", vor der Zeugung stattfinden soll, wann dann? Willst Du erst bereits werdende Eltern dazu verpflichten, einen "Elternführerschein" zu machen? Und wenn sie sich dann weigern, wird dann Zwangsabgetrieben? Nein, natürlich nicht? Wo bliebe dann die Pflicht? Zwangsadaption? Auch nicht? Das wäre unmenschlich? Unzuvilisiert? Genau! Solche Forderungen sind a) nicht in die Tat umzusetzen, weil man sonst neben jede empfangsbereite Gebärmutter einen Polizisten stellen müsste, der die Elternführerscheine beider 5exualpartner vor einem ungeschützten oder nach einem diesbezüglich verunfallten Verkehr kontrolliert. Und b) sind sie ein derart krasser Eingriff in die Selbstbestimmung und Freiheit der Menschen, dass man m. E. sowas als sog. "freier Bürger" nur totalitär und in einem eher mehr als weniger freien Land für absolut ausgeschlossen halten kann.

    Ansonsten finde ich die nachgeschobenen Vergleiche zum Führen einen Fahrzeugs usw. nur bei oberflächlicher Betrachtung zum Vergleich angemessen. Du vergleichst etwas "unnatürliches" (Auto fahren ist dem Menschen nicht evolutionär und biologisch vorbestimmt und angeboren) mit etwas sehr natürlichem, der Fortpflanzung. Auch wenn es zunächst unpassend klingt, wäre dieser Akt und seine Folge wohl eher mit anderen natürlichen Bedürfnissen vergleichbar. Ich hoffe ich kann dann demnächst noch ohne Kloführerschein einen Haufen machen, auch wenn ich den hinterher nicht noch erziehen, sondern nur abziehen muss Gibt es Gründe für Körperfunktionen einen Führerschein zu verlangen? Dürfen nur Eltern Kinder haben, die uns den PISA-Schnitt nicht versauen? Fällt das nicht schon unter Aussiebung in "wertes" und "unwertes" Leben? Ist das nicht schon präpränatale Selektion, wenn ich z. B. bei verhauener Elternfahrprüfung den Elternführerschein nicht erteile? Und bevor mir wieder Polemik unterstellt wird, was soll die Konsequenz bei Vorenthalten des "Elternführerscheins" denn sonst sein? Dürfen diese Eltern dann trotzdem Kinder bekommen, diese aber nicht zu Schule schicken oder muss eine Sicherheitsleistung von 1 Mio. erbracht werden, damit die mutmaßlich später missratenen Kinder dem Sozialsystem nicht zur Last fallen? Was soll die Konsequenz denn sein und wie willst Du es durchsetzen, dass ohne Schein kein Kind zur Welt kommt? Schwangere unten zunähen, bis sie bestanden haben???

    Ernsthaft: Ich halte es für angemessener dafür zu sorgen, dass Menschen nicht jahrelang weggucken wenn sie ein Kind im Haus haben, dass für sein Alter zu klein, zu dünn und öfters mit auffälligen Flecken oder blauem Auge versehen ist, das es stärker untersucht und betreut wird, wenn Kinder nicht zur Schule kommen oder auffällig sind usw. Der Staat hat genügend bestehende Berührungs- und Kontrollpunkte mit jedem Kind. Sie sollten ausgenutzt werden und Eltern auffälliger Kinder aufgesucht, ggf. untersucht und betreut werden. Wo das nicht fruchtet, muss man die Kinder sicherlich entziehen. Das ist sehr selten nötig, aber dann sicherlich geboten. Doch deshalb muss man nicht erstmal alle Eltern noch gar nicht geborener Kinder unter Generalverdacht stellen werdende Rabeneltern zu sein und mit einem Kontrollstaat bekämpfen, der höchstens für noch viel weniger Kinder von genau den Menschen sorgt, die sich das Kinder kriegen bereits jetzt schon drei Mal überlegen. Darüber hinaus, würden solch drastische Maßnahmen, die doch ganz locker der chinesischen Geburtenkontrolle Konkurrenz machen, ganz sicher einen derartigen Freiheitsverlust bedeuten, dass Menschen mit Kinderwunsch ganz bestimmt in Erwägung ziehen würden in ein anderes EU-Land oder darüber hinaus auszuwandern. Früher wurde dann zum Abtreiben ins Ausland gefahren, "morgen" zum Kinder kriegen.

    PM

  10. #119
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Darüberhinaus wandeln sich die Branchen: Kassel z.B. verliert an produzierender Industrie, gewinnt aber an Logistik, weil es durch die Wiedervereinigung plötzlich verkehrsgünstig in der Mitte Deutschlands liegt.
    Seit der Wiedervereinigung haben so manche Ministerpräsidenten und Bürgermeister ihre Region zur Mitte Deutschlands ausgerufen. Doch ist Logistik denn Branchenwandel? Boom der Logistik ist im Unterschied zu früherem Wandel (Kutsche => Automobil) nicht evolutionär. Das ist auch leicht einzusehen, wenn man durch das Marketinggeblubber der lokalen Wirtschaftspolitik (ich kenne das gut, siehe Logport Duisburg, was sollen die hilflosen Lokalpolitiker auch anderes sagen) einmal hindurchsieht und sich anschaut welche nicht nur zahlenmäßige, sondern auch qualitative Einbuße an Arbeitsplätzen da Einzug hält. Das ist die unmittelbare Folge des Wegfalls der Produktion, irgendwoher muss der billige Fön ja kommen. Das Logistikjobs kein gleichwertiger Ersatz sind, ist doch klar wie Kloßbrühe: Würden mehr und besser bezahlte Menschen in Kassel, Duisburg, Hamburg und anderswo für die Logistik von Importware benötigt, als für die heimische Produktion, würde sich das ganze überhaupt nicht rechnen und es würde weiter in Deutschland produziert. Diese nicht zukunftsgerichtete Art von "Wandel" ist also auch nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern nur eines der zahlreichen Symptome des von Dir kritisierten Dahinsiechens unserer Industrien. Du verpackst die pure stattfindende Realität, den Niedergang und die Krankheiten des Patienten Deutschland als Lösung. Warum? Ist alles richtig und eine Lösung, nur weil es eben geschieht? Ich bin ja immer für Jobs zu haben, die auch den niedriger Qualifizierten Chancen bieten, aber sicherlich nicht, indem man die Qualifizierten nach Hause schickt und das noch als tolle Erfolgsstory verkauft.

    Wahrscheinlich schon, wenn alles bebaut ist. Oder gibt's im Ruhrgebiet so viel Landwirtschaft?
    Aus Ruhrgebietskühen kommen für jeden Bundesbürger pro Jahr 20 Gläser Milch. Ich denke, dass ist nicht wenig... Aber was solls, Deine Antwort kann ich mir irgendwie schon denken: Ab mit den Ruhrgebietslandwirten in den Osten, Land ist ja genug da. Auch die Bauern müssen da eben mal mobil sein und dürfen der Neuordnung unseres Landes in einen Morgentau- und einen Marshall- Teilstaat nicht im Wege stehen, nicht wahr? Kommt mir so vor, als würdest Du mit Zinnsoldaten spielen.

    Ich habe gefragt, was man denn nun konkret machen soll, wenn man arbeiten möchte und nur auswärts was findet. Umziehen? Oder zuhause wohnen bleiben und arbeitslos bleiben?
    PM hätte natürlich viel lieber Arbeitsplätze vor der Haustür, jedenfalls am Wohnort, aber das ist häufig eine zwar schöne, aber doch reine Wunschvorstellung. Man muß aber doch mit den Fakten leben.
    Erstens geht es nicht darum was ich am liebsten hätte. Ich gehe mal davon aus, dass jeder Mensch grundsätzlich erstmal bequem ist (wer was anderes von sich behauptet ist mir suspekt). Zweitens habe ich meinen Wohnort oft genug für Arbeitsstellen gewechselt und weiss was es für einen Menschen bedeutet sich immer wieder zu verpflanzen. Deshalb ist mir Deine rein wirtschaftszentrierte Sichtweise, die Menschen zu nicht mehr als Humankapital-Wanderzirkus degradiert, offen gesagt auch zuwider. Für Dich ist eben der Mensch der Berg der zum Propheten kommen müsse, wenn der Prophet gerade mal nicht zum Berg kommt, basta, das ist dann Fakt und aus. Das diese Fakten nicht statisch und nicht unbeeinflussbar sind, scheint für dich komischerweise keine Rolle zu spielen. Wozu dann Wirtschaftspolitik, Wirtschaftsförderung, wozu überhaupt Politik, wenn Wirtschaft doch so unbeeinflussbar sein sollte wie Wetter und man der "Sonne" eigentlich nur hinterherziehen kann? Hat AMD sich in Dresden am Ende nur verirrt und wollte eigentlich nach Kassel oder Taiwan?

    Trotz des historischen Vorsprungs deutscher (oder europäischer) Unternehmen sitzt der größte Unterhaltungselektronikkonzern in Japan. Siemens spielt z.B. in der Unterhaltungselektronik überhaupt keine Rolle mehr.
    Tja, mein Reden. Als ich allerdings davon anfing, dass Konzerne wie Siemens das unternehmerische Risiko scheuen mit neuen Produkten auf den Markt zu gehen und als ich beschrieb, mit welcher Beamtenmenthalität und angezogener Handbremse sie es tun, wenn sie es denn überhaupt tun, kam wieder so eine merkwürdige Gegenfrage.... und nach zwei, drei Umdrehungen in diesem Kreis unserer Diskussion lese ich meine Ursprungsthese nun wieder als Antwort auf eine meiner Antworten. Naja...

    Wie globalisiert man denn Arbeit? Doch nur dadurch, daß die Produkte im Ausland produziert und nach Deutschland gehandelt werden.
    Das kann man wohl nur so nüchtern sagen und betrachten, wenn man den Status Quo grundsätzlich immer als Fakt nimmt und sein Entstehen und seine Daseinsberechtigung nicht weiter hinterfragt.

    Stellen wir uns mal eine Welt mit vier Staaten vor. Drei Staaten treiben Handel miteinander und Staat vier köchelt in seiner eigenen Suppe, weil das Staatsoberhaupt ein bisschen komisch ist. Die drei Staaten handeln z. B. mit Kühlschränken. Staat A ist ein bisschen größer und hat 40% Marktanteil, Staat B hat 30% Marktanteil und Staat C ist eigentlich recht klein, hat aber immerhin 20% Marktanteil. Staatsbürger aus Staat A kaufen ihre eigenen Kühlschränke, aber auch Importkühlschränke aus Staat B und C und die anderen Staaten kaufen auch bunt durch die Welt. Staat D importiert und exportiert nichts und nur wenige wissen überhaupt was ein Kühlschrank ist. Die leute hätten auch meistens sowieso keinen Strom und kein Geld für verderbliche Ware. Sie essen eigentlich sowieso nur Reis und der muss nicht in den Kühlschrank.

    Der komische Staatschef aus Staat D mokiert sich, weil die Staatschefs aus A, B und C alle in Saus und Braus leben und er nur heimlich einen ganz mickrigen Kühlschrank hat.

    Er denkt sich: "Ha! Ich lass mir zeigen wie man diese Kühlschränke baut und dann verkaufen wir diese Kühlschränke an Staat A, B und C. Aber rein lassen wir keine Kühlschränke".

    Gesagt getan, Staat D baut nach kurzer Zeit Kühlschränke in Massen, mit Massen von Menschen die für ihre Arbeit keinen eigenen Kühlschrank kaufen wollen und können, diese aber für Leute in Staat A, B und C bauen, die ihn sich leisten können.

    Es dauert nicht lange, da freuen sich die Menschen in Staat A, B und C, dass sie nun so viel Geld für andere Sachen ausgeben können, wenn sie einen billigen Kühlschrank aus Staat D kaufen können. Sie selbst dürfen zwar nicht nach Staat D verkaufen, aber das macht nichts, weil die Leute dort sowieso kaum Geld für Kühlschränke haben.

    Nach einiger Zeit gehen die Kühlschrankverkaufszahlen von Staat A, B und C stetig zurück und es müssen immer mehr Mitarbeiter entlassen werden. Die Marktanteile fallen auf die Hälfte. Staat C zieht sich als erster ganz aus der Kühlschrankproduktion zurück, weil er mit Staat D nicht mehr konkurrieren kann. Die Produktionsanlagen werden an Staat D verkauft. Da die Einwohner von Staat C einen hohen Lebensstandard haben, müssen sie trotzdem Kühlschränke bekommen, obwohl sie nicht arbeiten. Staat C verschuldet sich. Staat D hat jetzt 65% Marktanteil, nimmt selbst aber kaum als Nachfrager am Kühlschrank-Markt teil.

    So: Das Szenario in dem Staat A, B und C unter gleichen Bedingungen Handel miteinander betrieben und sich vielleicht mal ein paar % Marktanteil und Arbeitsplätze abnahmen war globaler Handel. In dem Moment wo Staat D unter ganz anderen Bedingungen eintrat, fand eine Globalisierung der Arbeit statt, die nicht etwa bedeutete, dass sich die Arbeit global verteilte, sondern das sie von vielen Ecken der Erde, aufgrund starker Wettbewerbsverzerrung an einem Ort aufgesogen wurde.

    als daß die Textilien nach Europa gehandelt werden. Globalisierung ist also globaler Handel von Produkten.
    Nein, wenn sie nur darauf beschränkt wäre, würde es viele akute Probleme ja nicht geben. Globaler Handel ist natürlich nur ein Teilaspekt der Globalisierung. Ausserdem fällt mir auf, dass auch hier der Begriff schonwieder rein wirtschaftlich vereinnahmt wird, obwohl er zahlreiche nicht wirtschaftliche Aspekte hat. Das ist ein Beleg dafür, dass vieles bereits nur noch rein ökonomisch gesehen und beurteilt wird. Das heisst aber nicht, dass das auch automatisch richtig und Gesetz ist.

    Wenn man aber mal von Unternehmen gehört hat, dass länger als vier Wochen gebraucht hat, um eine Ingenieursstelle zu besetzen, dann wird der Fachkräftenostand ausgerufen und der Niedergang der deutschen Wirtschaft prophezeit.
    Wer macht denn sowas?
    Du willst mir also erzählen, dass es Dir neu ist, das gewisse bekannte Anheizer diverser Arbeitgeberverbände solche Thesen immer wieder mal streuen oder es gar leugnen? Das würde meine Ausführungen dazu, dass es gar nicht genügend offene und im Fluss befindliche Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt um solche Behauptungen am Leben zu halten total nutzlos machen, wäre aber irgendwie schwer zu glauben.

    Bachelor und Master sind keine minderwertigen Abschlüsse, sondern im Ausland übliche Abschlüsse.
    Ich habe den Master zwar gar nicht bewertet, aber "Im Ausland üblich" ist natürlich überhaupt kein schlagkräftiges Argument. Wir sollten es dann in Betracht ziehen unsere Exkremente in frisch gebuddelte Erdlöcher abzusondern und dort zu verbuddeln - das ist im Ausland üblich. Das die Qualität der in Deutschland praktizierten Bachelor-Ausbildung stark diskutiert wird und an geeigneten Stellen und von durchaus kompetenten Leuten ausreichend verargumentiert in Frage steht, willst Du also genauso abstreiten wie die Tatsache, dass von gewissen Leuten zur Erreichung ganz anderer Ziele (Lohndumping durch verstärkten Zugriff auf Billigkräfte) ein Fachkräftemangel inszenziert wird? Wenn es der Profitmaximierung dienen würde, wäre die Erde wahrscheinlich auch morgen wieder eine Scheibe...

    Es ist also dann scheinbar legitim küsntlisch in den Markt einzugreifen und sich über Inder & Co. mehr Wettbewerber um Stellen in den Markt zu holen.
    Und im Umkehrschluß dürfen Deutsche dann auch im Ausland nicht mehr nach Arbeit suchen. Kleinstaaterei?
    Wenn Du es Kleinstaaterei nennen willst, dass sogar Deutsche zwar durchaus überall auf der Welt nach Arbeit suchen, sie aber nicht so ohne weiteres auch antreten dürfen, dann mach das. Ich nenne es Souveränität von Staaten und die ist nunmal real existent und noch nicht auf dem Altar der Wirtschaftslenker geopfert worden. Also, Otto-Normal-Arbeitnehmer hat es durchaus schwer in so manches Land einzuwandern, egal ob er will oder nicht.

    Das ist allerdings ja auch das tolle an der rein ökonomischen Globalisierung: Wenn z. B. Sony seine DVDs am Ende der Welt für ein paar Cents pressen lässt, ist das i. o., aber importier Du Dir als mieser kleiner Konsument mal eine DVD die hierzulande noch nicht veröffentlicht wurde und setze sie nach Ansehen gebraucht bei ebay rein. Dann ist die von Dir angeprangerte Kleinstaaterei ganz selbstverständlich und Du müsstest mindestens saftig für die Abmahnung blechen. *DAS* ist die Art wie Globalisierung heute stattfindet und damit hätten wir dann auch geklärt, dass es genauso ungerecht und absurd ist, wie Du es eigentlich gar nicht hören wolltest

    (da gibts ja noch was, dass nennt sich Volkswirtschaft, wird hierzulande leider zugunsten rein betriebswirtschaftlicher Sichtweisen leider fast vergessen)
    Als Unternehmer wirst Du aber betriebswirtschaftlich denken müssen oder langfristig pleite gehen.
    Natürlich. Es ist nur so, dass die die am meisten als Unternehmer argumentieren, selbst gar keine sind und dementsprechend eigentlich auch mal den Blick auf die gesamte Wirtschaft, den gesamten Arbeitsmarkt, das ganze "Mensch sein" etc. lenken könnten. Tun sie aber nicht, getreu dem Motto: Wer am unternehmerischsten denkt hat am meisten recht. Das ganze ist fast wie ein Schönheitswettbewerb darum, wer die härtesten und neoliberalsten Floskeln raushaut. Da wird dann auch schonmal erklärt, dass das eben von Wirtschaftsgöttern so vorbestimmt sei, wenn fünf Bundesländer mit 16 Mio. Einwohnern zum Agrarbundesland werden, obwohl einem Blinden mit dem Krückstock auffallen müsste, dass es nun wirklich Mumpitz ist, eine Region, die eigenständig nach Einwohnern der achtgrößte von 25 EU-Staaten wäre, in dieser Form abzuschreiben. Zumal man dabei vom einst gelobten Tor zu den Märkten des Ostens redet, ohne anzusprechen, dass man es an dieser Grenze nach Osten wiederum mit Lohnkosteneffekten zu tun hat, die nicht durch die Gesetze des Marktes, sondern die Gesetze der Politik entstanden sind. Nichts, aber auch gar nichts anderes ist der Grund dafür, dass die Investitionen seit längerem beständig an den ostdeutschen Bundesländern vorbei direkt nach Polen & Co. gehen.

    Warum müssen da Leute wie ich immer die Patentlösungen anbieten, um sich nicht als Träumer und Sozialromantiker abkanzeln zu lassen? Die Situation ist unnatürlich (politisch/militärisch) entstanden, warum müssen Leute wie Du nicht erklären, warum man es allein den Gesetzen des Marktes überlassen sollte das auszubaden, was die Politik historisch und bis ins heute nachwirkend angerichtet hat? Die Teilung kam nicht durch den Markt, die viel zu frühe Aufnahme der neuesten Mitglieder in die EU kam nicht durch den Markt. Warum soll man jetzt zuschauen und mit dem Markt argumentieren, wenn das schlimme Folgen für die Menschen hierzulande hat?

    OK, also lieber arbeits- und aubildungslos bleiben, dafür aber bei den Eltern wohnen bleiben? Welches ist Deine konkrete Lösung für diesen Fall?
    Das habe ich dir bereits geschrieben. Wenn Du von 16jährigen Ausbildungssuchenden bereits das volle Programm verlangst, dann mach sie volljährig und lass sie Auto fahren. Wenn du das nicht willst, dann erklär mir, wie Du von Minderjährigen so einfach, so generell und ohne Einschränkungen verlangen kannst sich von ihren Erziehungsberechtigten zu entfernen?

    Ich stelle mir das so vor, daß bei entsprechend leistungsfähigen Großunternehmen vom Unternehmen bezuschußte Lehrlingswohnungen bereitgestellt werden.
    Und daran das zu tun hindert jetzt genau wer oder was diese entsprechend leistungsfähigen Großunternehmen? Und für welchen Bedarf bilden die dann die zusätzlich durch das Angebot von Lehrlingswohnungen angezogenen Leute aus den strukturschwacheren Regionen genau aus? Oder wird das Problem nur verlagert und stattdessen bleiben dann mehr Ortsansässige ohne Ausbildungsplatz? Und die gehen dann in den Osten (haben ja bereits prima Gasteltern mit leeren Jugendzimmern dort) und werden Landwirt oder oder oder? Wo ist da die Lösung?

    PM

  11. #120
    Benutzerbild von Tim45

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Ernsthaft: Ich halte es für angemessener dafür zu sorgen, dass Menschen nicht jahrelang weggucken wenn sie ein Kind im Haus haben, dass für sein Alter zu klein, zu dünn und öfters mit auffälligen Flecken oder blauem Auge versehen ist, das es stärker untersucht und betreut wird, wenn Kinder nicht zur Schule kommen oder auffällig sind usw. Der Staat hat genügend bestehende Berührungs- und Kontrollpunkte mit jedem Kind. Sie sollten ausgenutzt werden und Eltern auffälliger Kinder aufgesucht, ggf. untersucht und betreut werden. Wo das nicht fruchtet, muss man die Kinder sicherlich entziehen. Das ist sehr selten nötig, aber dann sicherlich geboten.
    PM
    Es wäre auch geboten, (werdenden) Eltern Hilfsangebote zu machen, Haushaltshilfe, Kinderbetreuung. In Mißbrauchsfällen waren häufig Eltern/Mütter überfordert (nachdem sich der Vater vieleicht aus dem Staub gemacht hat, oder einfach keine Hilfe war); ihnen wuchsen die täglichen Pflichten über den Kopf. Dort müsste schon im Vorfeld angesetzt werden, damit es erst gar nicht zu Mißhandlungen kommt, anstatt nur, wenn das Kind schon mißhandelt wird, einzugreifen.

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