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Quo Vadis, Deutschland?

Erstellt von bubu, 22.12.2004, 18:20 Uhr · 293 Antworten · 19.156 Aufrufe

  1. #181
    Benutzerbild von Tim45

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Nein und genau das haben wir ja auch in diesem Land immer so gewollt. War das ein Irrtum? Brauchen wir amerikanische Verhältnisse? Doch warum legen sich die Dänen nicht so häufig in die soziale Hängematte, obwohl ihre Arbeitslosenleistungen geradezu luxuriös sind und unsere bei weitem in den Schatten stellen?
    Fragen über Fragen... Wie hoch ist denn der Hartz-IV-Satz zur Zeit? Ich musste auch mal von wenig Geld leben, hatte aber noch was übrig für Hobbies.
    Der dänische Ansatz, Sozialleistungen über Steuern zu finanzieren, ist sicherlich richtig, denn soziale Grundsicherung (Leben plus Kultur) ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und nicht nur der abhängig Beschäftigten.
    DeeTee hat am Beispiel des schlecht bezahlten promovierten Historikers in gewisser Weise die These formuliert, daß Bildungsgewinner aus der Unterschicht häufiger von Akademiker-Arbeitslosigkeit oder Praktika betroffen seien als Bildungsgewinner aus der Oberschicht. Ist das so? Zunächst würde man annehmen, daß Akademiker-Arbeitslosigkeit alle Akademiker unabhängig von der Klassenherkunft gleichermaßen treffen würde, was positiv formuliert einen Klassenaufstieg durch formale Bildung bedeuten würde.(Akademiker-Arbeitslosigkeit ist immer noch geringer als bildungsferne Arbeitslosigkeit.)

  2.  
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  3. #182
    Benutzerbild von Tim45

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Du könntest ruhig auch erklären, was insgesamt die Vorteile von völlig bankrotten Staaten, Ländern und Städten sein sollen und vor allem wie Du Dir dann neue Lösungen vorstellst.
    PM
    Es handelt sich um eine überspitzte Darstellung des Sachverhaltes, daß die politische Klasse nicht mit Geld umgehen kann. Fakt ist: Trotz immens hoher Staatsverschuldung (Deutschland hat die EU-Stabilitätskriterien mehrmals nicht geschafft) müssen die Politker bei sich selber nicht sparen. Dienstwagen werden beschafft, weil es entsprechende Verordnungen gibt. Pensionen der politischen Kaste werden in unsittlicher Höhe gezahlt, weil sie sich entsprechende Sonder-Gesetze gemacht haben (unsittlich angesichts der von ihnen verursachten Staatsverschuldung und Kürzung bei Hartz-IVern). Gelder für Bundeswehreinsätze in aller Welt werden gezahlt, nicht etwa, weil das Geld tatsächlich vorhanden wäre, sondern weil es der Bundestag so beschlossen hat. Parteien gewähren sich "Wahlkampfkostenzuschüsse", weil sie sich entsprechende Gesetze gemacht haben. Abgeordnetengehälter werden erhöht, nicht etwa, weil wir einen Geldüberschuß haben und nicht wissen, wohin damit, auch nicht deswegen, weil die politische Kaste besondere Leistungen bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gezeigt hat, sondern, weil die politische Kaste es sich so beschließt. Es scheint, als hätten die Politiker den Glauben, daß sich Mittel und Gelder allein durch Verordnungen und Durchführungsbestimmungen erzeugen lassen, nicht etwa durch effektives wirtschaften, florierende Konjunktur und dergleichen. Zur Not wird halt der Finanzminister bedrängt, höhere Budgets zu gewähren und die dazu notwendigen Gelder irgendwoher zu zaubern, also durch Verschuldung. Die Erkenntnis, daß man nur das ausgeben kann, was man auch im Mittel über die Jahre einnimmt, ist bei der politischen Kaste anscheinend nicht vorhanden.
    Im Zweifel wird halt bei Harz-IV gekürzt und diejenigen, die sich kaum wehren können, werden als Sündenböcke stigmatisiert.
    Warum muß es für Politiker Pensionen geben? Können sie nicht, wie alle anderen auch, bei Verlust des Arbeitsplatzes, z.B. wenn sie wegen schlechter Leistungen bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit abgewählt wurden, nicht wie alle anderen auch Harz-IV bekommen? Ist Harz-IV etwa für die politische Klasse doch nicht zumutbar? Warum eigentlich nicht? Finden Politiker, also z.B. Bundestagsabgeordnete, nach ihrer politschen Laufbahn als die hochqualifizierten Leistungsträger, als die sie sich gerne sehen, etwa nicht sofort unzählige hochbezahlte Arbeitsplatzangebote in der freien Wirtschaft?
    Ich halte eine Sozialgesetzgebung, der sich die politsche Kaste durch Sondergesetzgebungen wie Abgeordnetenpensionen entzieht, die sie also anscheinend für sich selber als unzumutbar ansieht, für niemanden zumutbar. Nur ein Politiker, der sich selber im Falle seiner eigenen Arbeitslosigkeit seiner eigenen Harz-IV-Gesetzgebung unterwirft, ist für mich glaubwürdig.

  4. #183
    Benutzerbild von DeeTee

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    Daumen runter Wirklich zum Kotzen ...

    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Wie hoch ist denn der Hartz-IV-Satz zur Zeit?
    Das spricht, glaube ich , für sich selbst.


    Ach ja, der Hartz-IV-Satz (besser ALG2) ist so hoch:

    DeeTee

  5. #184
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Fragen über Fragen... Wie hoch ist denn der Hartz-IV-Satz zur Zeit? Ich musste auch mal von wenig Geld leben, hatte aber noch was übrig für Hobbies.
    Für einen Alleinstehenden sind es 345 Euro. Dazu kommt ein Mietzuschuss, für den die Städte eigene Mietobergrenzen festgelegt haben. Kann man über die Obergrenze hinsichtlich der Wohnungsgrößen noch reden (es ist z. B. sicherlich zumutbar, dass ein Single auf max. 45qm lebt), liegen diese Obergrenzen für die meisten teuren größeren Ballungsräume (München, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Hamburg und ihre "Satelliten-Regionen") derart niedrig, dass damit quasi der Abstieg in die sozialen Brennpunkte verordnet wird. Denn wenn die Miete nicht reicht, musst Du umziehen oder anderweitig für Abhilfe sorgen (Untermieter etc.). Natürlich ist es als Arbeitsloser so gut wie unmöglich überhaupt eine Wohnung zu finden, die nicht unter den Begriff "Dreckloch" fällt, da man ja keine Verdienstbescheinigung vorlegen kann. Hat diese neue billige Wohnung dann - wie so oft - einen schlechten Standard und wird z. B. bei mieser Isolierung mit Nachtspeicheröfen beheizt, bist Du doppelt angeschmiert: Während die Arbeitsagentur stur ihren Regelsatz für Heizung und Strom zahlt, zahlst Du von Deinen 345 Euro noch die Differenz für Deine real höheren Kosten drauf.

    Doch auch wenn das nicht notwenig ist: Ein Monat hat bekanntlich rund 30 Tage. Rein rechnerisch stehen also 11,50€ zu Verfügung, um über den Tag zu kommen. Dabei blieben dann eben nur laufende Kosten, wie z. B. für einen Telefonanschluss (immer erreichbar sein für Arbeitsamt und potenzielle Arbeitgeber) außer Acht. Man wird also mit deutlich(!) weniger als 10 Euro am Tag hinkommen müssen. Vielleicht bin ich anspruchsvoll, aber selbst von vollen 10 Euro kann ich gerade mal meine drei Hauptmahlzeiten finanzieren.

    Klar, viele sind schonmal mit wenig Geld ausgekommen. Aber in welchem Stadium ihres Lebens? Meistens liegt diese Zeit doch in Studium oder Ausbildung. Wer sich einmal ein Leben aufgebaut hat, wer laufende finanzielle Verpflichtungen eingegangen ist (es gibt ja durchaus Zahlungsverpflichtungen die man nicht innerhalb von 12 Monaten los wird) und das Niveau einer Studentenbude verlassen hat, der hat riesige Probleme auf ein solches Niveau zurück zu kehren. Ich wüsste jedenfalls nicht, wie ich mit 345€ einen Monat lang auskommen sollte

    Mich wundert es deshalb nicht, dass viele Betroffene ihre Ernährung irgendwann auf Gerstenkaltschale beschränken und sich dementsprechend versorgt als Verlierer fühlend und von allen abgeschrieben vor ihrem Unterschichten-TV einigeln. Dicke Schufa-Einträge dürften sie bei dieser Talfahrt auf Hartz IV Niveau schonmal mindestens hingelegt haben und damit ist ihre Rückkehr in ein Mittelschichtenleben sowieso so gut wie ausgschlossen (keine Wohnung, kein Handy, keine Kreditkarte, kein finanziertes Auto mehr...). Aber das ist in dieser Situation ja eigentlich das kleinste Problem. Die Frage ist dann wohl eher, warum man morgens überhaupt noch aufsteht... Wie Du schon schreibst, Bildung sollte dazu verhelfen, sich in fremde Lagen hinein zu versetzen und ich denke mal, es ist einfach zu hoch gegriffen Leuten in dieser Situation noch zum Vorwurf zu machen, dass sie sich ihrem Schicksal fügen. Sie müssen aktiviert werden und das nicht durch Leistungskürzung ins unmenschliche.

    DeeTee hat am Beispiel des schlecht bezahlten promovierten Historikers in gewisser Weise die These formuliert, daß Bildungsgewinner aus der Unterschicht häufiger von Akademiker-Arbeitslosigkeit oder Praktika betroffen seien als Bildungsgewinner aus der Oberschicht. Ist das so?
    Mir haben die Vergleiche eigentlich was anderes gesagt. Die meisten Akademiker kommen eben aus wohlhabenderen Verhältnissen und sind deshalb auch im Falle ihres eigenen Versagens durch ihre "Sippe" abgesichert. Sie rutschen nicht sichtbar in die Unterschicht ab. Fallen jedoch ehem. Bildungsgewinner wieder aus der selbst erarbeiteten Mittelschichtzugehörigkeit heraus, ist niemand da der sie auffangen kann. Es trifft diese Leute also nicht häufiger, aber im Fall der Fälle härter und sichtbarer.

    (Akademiker-Arbeitslosigkeit ist immer noch geringer als bildungsferne Arbeitslosigkeit.)
    Das ist unbestritten! Allerdings ist umgekehrt auch die Zahl der beschäftigten Akademiker immer noch geringer als die Zahl der beschäftigten Nicht-Akademiker. Das soll nun keine Spitzfindigkeit sein, aber es ist ja auch umgekehrt so, dass auch nur eine sehr begrenzte Zahl offener Akademiker-Stellen existiert (ca 1/5 der insgesamt offenen Stellen). Das heisst allerdings nicht, dass auch alle Akademiker noch auf ihrem eigentlichen Ausbildungsniveau arbeiten. Sie haben den Vorteil, dass sie geringer Qualifizierte aus ihren angestammten Jobs nach unten verdrängen können. Das Auftauchen von Dipl-Wirtschaftsingenieuren auf Sachbearbeiter-Posten schützt deshalb sicherlich vor Arbeitslosigkeit, ist aber auf Dauer wohl auch nicht im Sinne des Erfinders. Ich hoffe also nicht, dass das auch die Rechnung: "Wären alle 4,3 Mio Arbeitslosen Akademiker, dann gäbs kaum Arbeitslose" hinaus laufen soll. Denn für diese 4,3 Mio arbeitslosen Akademiker, müsste es erstmal 4,3 Mio Akademiker-Jobs geben. Danach besteht allerdings kein Bedarf und diplomierte Pförtner und Taxifahrer hat unser Land sogar auch schon... Die geringere Akademiker-Arbeitslosenquote ist also ein schwacher und angesichts der einsetzenden Offshoring-Welle von Ingenieursleistung evtl. ein in naher Zukunft endlicher Trost.

    PM

  6. #185
    Benutzerbild von Tim45

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Für einen Alleinstehenden sind es 345 Euro. Dazu kommt ein Mietzuschuss, für den die Städte eigene Mietobergrenzen festgelegt haben. Kann man über die Obergrenze hinsichtlich der Wohnungsgrößen noch reden (es ist z. B. sicherlich zumutbar, dass ein Single auf max. 45qm lebt), liegen diese Obergrenzen für die meisten teuren größeren Ballungsräume (München, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Hamburg und ihre "Satelliten-Regionen") derart niedrig, dass damit quasi der Abstieg in die sozialen Brennpunkte verordnet wird.
    PM
    Weißt Du Zahlen zu Mietzuschüssen? Z.B. auch in Nicht-Ballungszentren wie Kassel oder Weimar? Außerdem lebe ich auch auf <45qm. De Harz-IV-Satz macht aber schon die Miete aus, Strom und Wasser kommen ja noch dazu.
    Ich müsste mal ein Experiment machen und versuchen, mit dem kompletten Satz (inkl. Mietzuschuß) einen Monat lang auszukommen. Und eine Wohnung unter Vorspiegelug falscher Tatsachen zu suchen.
    Viel wichtiger wäre es aber, die politische Kaste würde mal versuchen, während der Parlamentsferien damit über die Runden zu kommen. Zur Zumutbarkeit habe ich im anderen Posting ja schon was geschrieben.

  7. #186
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Weißt Du Zahlen zu Mietzuschüssen? Z.B. auch in Nicht-Ballungszentren wie Kassel oder Weimar? Außerdem lebe ich auch auf <45qm.
    Ich auch.... aber meine Miete läge trotzdem zu hoch, trotz Altbau und keinerlei Luxus. Ich wohne eben nur in einem Stadtteil, in dem man nachts noch ohne Baseballschläger auf die Straße gehen kann. Um den Hartz IV Mietzuschuss nicht zu reissen, müsste ich in einen üblen Stadtteil umziehen, z. B. in Hauptbahnhofnähe oder entsprechender "Überfremdung".

    Allerdings könnte ich ja auch in einen Nicht-Ballungsraum umziehen. Das ist ja eigentlich das interessante! In einem Nicht-Ballungsraum gibts vielleicht nicht die 320€ die es in Hamburg für eine Single-Wohnung maximal gibt, aber dafür kann man dann eben vielleicht von 250€ noch halbwegs würdevoll in irgendeinem Kaff im Grünen wohnen. Das war mein erster Gedanke, als ich anlässlich der Verabschiedung der Hartz-Gesetze darüber nachdachte, was es für mich bedeuten würde in diese Lage zu kommen. Da würde ich dann also meinen sozialen Abstieg durch Landflucht etwas lindern... ist das nicht paradox? Wenn man als Hartz IV Empfänger aus den arbeitsplatzreichen Ballungszentren rausgeht, gehts einem besser und man wird Mangels Angeboten noch weniger vom Arbeitsamt "genervt"... Super! Als Hartz IV Betroffener könnte man dann wohl am besten nach MeckPom ziehen

    Ich habe leider keine Liste vorliegen, welche kleineren Städte und Regionen welche Sätze haben. Aber Kaufbeuren soll mal Stellvertreter sein: Da darf die Wohnung eines Singles max. 245 Euro (warm) kosten. Eine kurze Recherche bei immobilienscout24.de zeigt mir, dass es gerade 1 Wohnung dort im Angebot gibt, die diesen Kriterien entspricht (1 Zimmer, 33qm) und die liest sich auch schon eher nach einfachem Wohnen. Aber das wäre schon ok, wenn man dabei nicht für immer ins Ghetto zieht. Hartz IV soll ja kein Luxusurlaub auf Staatskosten sein.

    Hier gibts einen ALG2-Rechner, bei dem sich jeder mal ausrechnen kann, was er zu erwarten hätte:

    http://www.sozialhilfe24.de/alg2-rechner.html

    Bei mir wärens insgesamt 727€. Da frage ich mich schon: Wie soll das gehen? Klar, dass man da hofft nie betroffen zu sein...

    De Harz-IV-Satz macht aber schon die Miete aus, Strom und Wasser kommen ja noch dazu.
    Ich müsste mal ein Experiment machen und versuchen, mit dem kompletten Satz (inkl. Mietzuschuß) einen Monat lang auszukommen.
    Solche Versuche wurden ja schon medienwirksam im TV durchgeführt. Die meisten sind gescheitert, jedenfalls wenn sie aus einem normal-berufstätigen Lebensstandard heraus erfolgten. Die Leute haben sich schon beim reinen Lebensmittelkonsum übernommen, obwohl sie zielstrebig nach eintönigem Billigfraß griffen.

    Auf der anderen Seite ist es natürlich auch mir ein Rätsel, warum klagende "Hartz-IV-Eltern" ("wir können unseren Kindern nichtmal was anständiges zum Anziehen kaufen oder mal was zum Geburtstag schenken") im TV stets Kette rauchen... die Kohle für Zigaretten dürfte eigentlich gar nicht da sein. Umso größere Sorgen muss man sich eigentlich dann um die Kinder machen und entspannt die Lage natürlich kein bisschen durch das dann oft geforderte blindwütige weiter kürzen.

    PM

  8. #187
    Benutzerbild von MaxiMan

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    Hartz IV und Mietkosten

    Mit Einführung von Hartz-IV wurde auf Seiten der Kritiker eine zum Teil recht polemische Diskussion rund um das Thema “Mietkosten” geführt. Schreckensszenarien, wonach vor allem im Osten ein „Umzugsboom“ stattfinden würde, haben sich nicht bestätigt. Die Gründe dafür liegen in der Detailgestaltung von Hartz-IV und der auch für diese Betroffenen geltenden sonstigen rechtlichen Grundsätze und Rechtsprechungen.

    Im Ergebnis ist es überwiegend so, dass die Gemeinden mittlerweile Richtlinien für Miet- und Nebenkosten erlassen und dabei sehr weiche Bestimmungen gewählt haben, die einen Auszug des Zuschussberechtigten erfordern. Die Ursachen dafür sind leicht nachzuvollziehen: Wenn der örtliche Wohnungsmarkt keinen geeigneten (=zumutbaren) Wohnraum hergibt, kann auch keiner umziehen. Die Kosten einer Alternativunterbringung (z.B. im Obdachlosenheim) trägt die Kommune, die Kosten eines Umzuges (inkl. erforderlicher Umbauten) ebenfalls. Die Kommune muss eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung erarbeiten, die für einen Zwei-Jahres-Zeitraum belegt, dass unter Würdigung der Gesamtkosten ein Umzug finanziell günstiger ist. Haben die Betroffenen schulpflichtige Kinder, sind auch deren Interessen (Schulwechsel) zu berücksichtigen. Hier greift dann die Härtefallregelung bzw. Sozialklausel.

    Hinzu kommt, dass auch Hartz-IV-Betroffene sich an Kündigungsfristen für ihre Wohnung halten müssen. Unabhängig von der Veränderung im Mietrecht (weitgehende Vereinheitlichung auf 3 Monate) muss somit die Laufzeit für befristete Mietverträge ebenso eingehalten werden wie die eventuell wirksame Frist von bis zu 12 Monaten.

    Angeschmiert sind in puncto Mietkosten wieder einmal die abgerutschten Mittelschichtler. Hat sich derjenige ein Haus gebaut, so wird geprüft, ob die Verwertung der Immobilie zuzumuten ist. Dabei wird zwar auch die Wohnfläche und Ortsüblichkeit einbezogen, jedoch ist es häufig so (wer ein Haus sein eigen nennt, weiß ich meine), dass die monatliche Kreditbelastung je m² höher ist, als die für eine vergleichbare (höherwertige) Mietwohnung. Dass diese Mehrbelastung auch ein Äquivalent für höheren Wohnwert (Wohnen im Grünen etc.) darstellt, fällt für die Hartz-IV-Betrachtung nicht ins Gewicht.

    Im Übrigen ist es auch nicht so, dass nach 12 Monaten Arbeitslosigkeit sofort der Absturz auf den Regelsatz von Hartz-IV erfolgt. Es gibt einen befristeten Zuschuss, der sich an der Höhe des bislang gezahlten ALG I orientiert. D.h., wenn nach etwa 9 Monaten Arbeitslosigkeit die Erkenntnis Raum gewinnt, dass der gegenwärtige Zustand sich nicht flexibel und mobil in Lauft auflösen wird, so bleibt Zeit, sich „neu zu orientieren“ (Diese nüchterne Feststellung kann nicht ansatzweise darstellen, was in diesem Moment in den Köpfen dieses Menschen passiert.).

    Um keine Interpretation meiner Meinung zu Hartz-IV aufkommen zu lassen: Ich vermag durchaus der Grundidee einiges abzugewinnen. Leider hat man aber die Regel „Fordern und Fördern“ aufgegeben, als man damit fertig war, den Forderungskatalog für die Betroffenen zu formulieren.

    @ Tim45
    Es ist schon traurig genug, dass Du auf Antworten zu Deinen Fragen nicht reagierst, dass Du Dir aber die Blöße gibst, nach der Höhe des Regelsatzes zu Hartz-IV zu fragen aber davor und danach den Eindruck vermittelst, im Thema zu stehen, ist peinlich.

    @ PM
    Dass gerade Du das Bild der „im TV rauchenden Hartz-IV-Eltern“ zitierst, verwundert mich. Du kennst doch den Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung und der Mediendevise, wonach Normalität nichts, der Blick aufs Extreme aber alles (Quote oder Auflage) bedeutet.

  9. #188
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von MaxiMan Beitrag anzeigen
    Um keine Interpretation meiner Meinung zu Hartz-IV aufkommen zu lassen: Ich vermag durchaus der Grundidee einiges abzugewinnen. Leider hat man aber die Regel „Fordern und Fördern“ aufgegeben, als man damit fertig war, den Forderungskatalog für die Betroffenen zu formulieren.
    Kein Wunder, dass sich die Betroffenen und mitdenkende Bürger von der Politik verschaukelt vorkommen: Während Müntefering und Thierse sich gestern die Blöße gaben ihr politisches Alzheimer zu dokumentieren: "Wir hatten ja nicht vor durch die Hartz-Gesetze die Arbeitslosigkeit abzuschaffen", erinnert sich der gemeine Bürger schließlich noch daran, dass man seinerzeit Stolz mit der CD in der Hand in die Welt posaunte die Arbeitslosigkeit Dank Peter Hartz in Kürze um 2 Mio. zu senken....

    @ PM
    Dass gerade Du das Bild der „im TV rauchenden Hartz-IV-Eltern“ zitierst, verwundert mich. Du kennst doch den Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung und der Mediendevise, wonach Normalität nichts, der Blick aufs Extreme aber alles (Quote oder Auflage) bedeutet.
    Genau das sollte den Betroffenen doch aber eigentlich selbst völlig klar sein, wenn sie sich für die BILD in Pose schmeissen oder in die Kamera eines ÖR- oder Privatsenders klagen. Jeder noch so Blöde würde nicht mit einer teuren Uhr an der Hand betteln gehen. Aber man sieht merkwürdig oft den Hartz IV Papa mit der Fluppe in der Hand klagen , dass er seiner Tochter keine Geschenke kaufen kann. Die hat ihm keiner in die Hand gezwungen und er schadet allen Mit-Betroffenen, weil die Sozialhetzer natürlich sofort drauf anspringen: "Solange der noch rauchen kann, kanns ihm ja nicht so schlecht gehen!". Deswegen sage ich ja: Ich kann mir diese Bilder nicht erklären und ich verstehe nicht, warum es ausgerechnet die Betroffenen es einem manchmal so schwer machen, für sie Partei zu ergreifen.

    ====

    Nochmal zum Thema Perspektive und Motivation zurück. Lt. einer emnid Umfrage von letzter Woche ergibt sich da ein interessantes Bild:

    "Die persönliche Angst, selbst zu verarmen, ist bei den jüngeren Bürgern bis 29 Jahre mit 60 Prozent deutlicher ausgeprägt als bei den Älteren. Von den über 50-Jährigen fürchteten demnach nur 33 Prozent, dass ihnen ein Leben in Armut drohen könnte."

    Das sagt viel darüber aus, wer sein Schäfchen im trockenen hat und wer sich der vererbten Misere stellen muss. Die Gruppe derer die Angst vor dem Abstieg in die Unterschicht hat, ist also 3x so groß wie die Unterschicht selbst. Es ist klar, dass das Einfluss auf die allgemeine Stimmung hat. Und die wiederum hat großen Einfluss auf die Motivation derer, die vor der Wahl stehen sich aus ihrer misslichen Lage frei zu strampeln oder sich in ihr dauerhaft einzurichten.

    Natürlich hat Tim recht wenn er sagt, dass man einem Betroffenen nur raten kann sich auf seinen Hosenboden zu setzen, sich nicht aus einem geregelten Alltagsleben zu verabschieden, seine Qualifikation zu verbessern und ggf. zu gucken, wie er seine Bewerbungen verbessern kann. Natürlich würds auch helfen, wenn jeder arbeitslose Handelsfachpacker am Ende noch ein Diplom nachmachen könnte.

    Gesellschaftspolitisch betrachtet, hätten wir dann aber eben 4,3 Mio arbeitslose Diplomierte, weil die Jobs eben einfach nicht da sind. Das ist also keine Gesamtlösung. Eine Gesamtlösung ist es, die Perspektive durch geeignete Maßnahmen zu verbessern. Während durch einen Überhang Millionen Gebildeter nämlich nicht die Jobs vom Himmel fallen, funktioniert es umgekehrt mit der Bildungsnachfrage und Motivation durchaus, wenn die entsprechenden Jobs winken. Aktionen wie die Auto 5000 GmbH von VW zeigen ja auch, dass die dort gezielt eingestellten Langzeitarbeitslosen sehr wohl sehr motiviert und sehr lernwillig sind, wenn für sie auch etwas dabei herauskommt.

    Der eingeschlagene Weg, bei der einfach Leistungsempfänger immer weiter drangsaliert werden und man den Druck zur Annahme nicht vorhandener Arbeitsplätze erhöht, ist deshalb völlig falsch. Er wäre angemessen, wenn wir 5 Mio offene Stellen und 500.000 Arbeitslose hätten und nicht umgekehrt. Doch genau deswegen ärgert es mich ja, wenn ich dann wieder klagende Betroffene mit der Zigarette in der Hand im TV sehe, als ob es gerade diese 3 Minuten nicht mal ohne ginge! Es ist doch klar, dass sich jede schichtende und in Kacke und Kotze rumrührende (sorry) Krankenschwester, die z. B. aus finanziellen Gründen selbst mit dem rauchen aufgehört hat, da drüber aufregt und natürlich zu dem Schluss kommt, dass das ganze Geld das man ihr zu viel vom brutto abrupft bei den Arbeitslosen landet und die sich wohl ein schönes Leben machen. Wenn dann noch Unkenntnis dazu kommt, mit wie wenig Geld man da eigentlich auskommen muss, dann ist diese Meinung auch kaum noch zu erschüttern...

    PM

  10. #189
    Benutzerbild von MaxiMan

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    Zitat Zitat von Tim45
    Können sie [die Politiker] nicht, wie alle anderen auch, bei Verlust des Arbeitsplatzes, ... nicht wie alle anderen auch Harz-IV bekommen? Ist Harz-IV etwa für die politische Klasse doch nicht zumutbar? Warum eigentlich nicht?
    Mal abgesehen davon, dass dies eine merkwürdige Argumentation ist (erst eine Frage stellen und im übernächsten Satz ohne inhaltliche Darstellung selber beantworten), so irrst Du hier.

    Politiker, die ihr Mandat verlieren und noch keinen Anspruch auf (Zahlung der) Pension haben und weder durch die Partei* noch einen vorher ausgeübten Beruf bzw. eine freigehaltene Stelle* aufgefangen werden, gehen den Weg jedes Arbeitslosen. Kleiner Unterschied: Nach Ablauf des Mandats gibt es noch ein zeitlich befristetes Übergangsgeld.

    Wir hatten nach der letzten Bundestagswahl einen abgewählten Mandatsträger, der sein Büro auflösen musste (und zwei Mitarbeiter entlassen durfte) und sich danach auch arbeitslos gemeldet hat. Ob der zwischenzeitlich wieder einen Job hat, weiß ich nicht.

    * Der normale Hinterbänkler hat meist nicht das Glück, wenn er aus einer der kleineren Parteien kommt, noch weniger.

  11. #190
    Benutzerbild von Tim45

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Natürlich hat Tim recht wenn er sagt, dass man einem Betroffenen nur raten kann sich auf seinen Hosenboden zu setzen, sich nicht aus einem geregelten Alltagsleben zu verabschieden, seine Qualifikation zu verbessern und ggf. zu gucken, wie er seine Bewerbungen verbessern kann. Natürlich würds auch helfen, wenn jeder arbeitslose Handelsfachpacker am Ende noch ein Diplom nachmachen könnte.
    Kleines Mißverstsändnis. Es ist sicher schön, wenn man in Zeiten der Arbeitslosigkeit seine Qualifikationen verbessert und damit dann ein Jobangebot bekommt.
    Volkshochschulkurse (wenn Du Dich auf dieses Posting beziehst), Bibliotheken, Vereine dienen aber auch der sozialen Kontaktpflege und der Entwicklung der Persönlichkeit, selbst oder auch gerade wenn man die Hoffnung auf (vernünftig bezahlte) Jobs schon aufgegeben hat bzw. musste. Ein Absacken in Lethargie, womöglich noch Alkohol und Ketterauchen, stellt für mich keinen erstrebenswerten Zustand dar, und ist mMn hart an der Grenze zum menschenwürdigen Leben, und beeinträchtigt das Selbstwertgefühl.
    Z.B. Leihbücher zu lesen und vieleicht einen Literaturdiskussionskreis im Bekanntenkreis zu machen, wäre je nach Interesse ein Möglichkeit, seine Persönlichkeit zu entwickeln und wenigstens etwas Freude im Leben zu haben. Vereine, Volkshochschulkurse usw. wären andere Möglichkeiten. Umsowichtiger ist es, Harz-IVern diese finanziell auch nicht aufwenigen Möglichkeiten zu lassen.
    Ich denke, daß jeder Mensch eine gewisse Anerkennung im sozialen Umfeld für sein Selbstwertgefühl benötigt. Im Idealfall wahrscheinlich berufliche Anerkennung, sonst auch durch persönliche Weiterbildung oder Erfolg beim Sport, usw. auch ohne das Ziel der beruflichen Verwertbarkeit.
    Sofern den Langzeit-Arbeitslosen nur noch die Möglichkeit zum Wohnen, Essen und Trinken gegeben wird und sie ansonsten gezwungen sind, ihre Zeit bzw. ihr Leben ungenutzt verstreichen zu lassen, raubt man ihnen mMn einen Teil der Menschenwürde. Umsowichtiger, diese Möglichkeiten auch zu nutzen, wenn man sie hat.

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