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Quo Vadis, Deutschland?

Erstellt von bubu, 22.12.2004, 18:20 Uhr · 293 Antworten · 19.172 Aufrufe

  1. #201
    Benutzerbild von frasier

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Aha, es gibt 115.000 offene Akademiker-Jobs und Du siehst das als Beleg dafür, dass 4,3 Mio Arbeitslose da rein passen würden, wenn sie hoch gebildet sind. Respekt! Die Wahrheit ist doch: Es gibt nicht genügend Stellen für alle und nur jeweils Einzelne haben bessere Chancen durch höhere Bildung oder können ihre Chancen durch Bildung noch verbessern. Insgesamt wird allein durch Erhöhung des Bildungsniveaus für alle aber erstmal nur auf höherem Niveau um die gleichen Stellen gekämpft. Aber für Leute die das bestreiten wollen, wurde ja die Religion des Akademikermangels erfunden, obwohl gerade mal 1/5 der offenen Stellen überhaupt Akademiker-Jobs sind, die offenen Stellen insgesamt gerade mal für 2,7% aller Arbeitslosen überhaupt reichen würden und diese auch noch locker von arbeitslosen Akademikern abgedeckt wären (sie sind den Personalchefs ab 35-40 eben nur zu alt, alt, alt, alt, aaaaaaaaalt).
    Du braucht mir nicht zu erklären, daß im Moment nicht alle gleichzeitig eine Stelle finden können, selbst wenn sie denn alle über Nacht hoch gebildet wären.

    Deine Aussage war, daß es so oder so 4,3 Millionen Alo's sind, egal wie sie gebildet sind.

    Aber der Bedarf an höher Gebildeten nimmt zu und wird weiter zumehmen, es gibt einen Trend zum Fachkräftemangel, die Wirtschaft wächst und braucht mehr Arbeitskräfte. Da wirst du sicher sagen, daß genauso viele Stellen oder noch mehr bei nicht so hoch Gebildeten wegfallen.

    Dann müßtest du bloß noch erklären, warum in vielen Ländern die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren deutlich gefallen ist. Selbst in Frankreich ist die Quote zurückgegangen.

  2.  
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  3. #202
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von frasier Beitrag anzeigen
    Du braucht mir nicht zu erklären, daß im Moment nicht alle gleichzeitig eine Stelle finden können, selbst wenn sie denn alle über Nacht hoch gebildet wären.

    Deine Aussage war, daß es so oder so 4,3 Millionen Alo's sind, egal wie sie gebildet sind.
    Meine Aussage ist, dass sich zahlenmäßig nichts ändert, wenn man nur am Rädchen Bildung dreht, weil am Ende immer noch zu viele Leute um zu wenig Stellen konkurrieren, nur mit insgesamt höherer Bildung. Dafür ist es egal ob gerade 4,3 oder 5 oder 10 oder 1 Mio Arbeitssuchende im Verhältnis zu x offenen Stellen existieren. Es werden immer mindestens so viele Arbeitslose über bleiben, wie gegenüber den offenen Stellen überzählig sind, ob die dann einen Dr., ein Diplom, einen IHK-Abschluss oder keinen Abschluss haben. Und die Vorstellung bei derart wenig mickrigen offenen Stellen die Lücke der wenigen frei verfügbar im Arbeitsmarkt befindlichen Stellen gleich noch ganz dicht zu machen ist sowieso rein theoretischer Natur bzw. führt höchstens in die Planwirtschaft.

    Aber der Bedarf an höher Gebildeten nimmt zu und wird weiter zumehmen
    Das ist nur leider ein anderes Thema. Nochmal: Es sind 115.000 Akademikerstellen auf 4,3 Mio. Arbeitslose. Selbst wenn sich die Zahl von heute auf morgen verdoppelt, übertrifft das kaum den Einfluss von gutem Wetter im Oktober und weniger arbeitslos gemeldeten am Bau... Ich streite doch nicht gegen Bildung, aber dass die Jobs vom Himmel fallen, nur weil heute bis zu einem gewissen Grad natürlich die meisten Akademiker nach dem Abschluss recht leicht einen Job finden, lässt sich doch nun einfach nicht behaupten.

    , es gibt einen Trend zum Fachkräftemangel, die Wirtschaft wächst und braucht mehr Arbeitskräfte. Da wirst du sicher sagen, daß genauso viele Stellen oder noch mehr bei nicht so hoch Gebildeten wegfallen.
    Den Schweinezyklus ignorierst Du auch? Die Branchen wachsen nicht alle ins Endlose und die zyklische Arbeitsmarktkonjunktur der verschiedenen Branchen lässt sich ganz gut zurückverfolgen. Wo heute gesucht wird wie bekloppt, ist in ein paar Jahre der große Katzenjammer und umgekehrt. Dazu kommen auch Arbeitsplatzverlagerungen im Ingenieursbereich, die gerade erst einsetzen, insbesondere bei IT und Entwicklung. Das macht sich recht bald bemerkbar und dann wird das Szenario vom Fachkräftemangel in der IT erst Recht zur Farce:

    An solche Meldungen hat man sich doch nun gewöhnt:

    Minus 14.500 Jobs

    Der Umbau von IBM


    http://www.zeit.de/2005/31/Kasten_aktuell


    CSC will in Europa 2650 Stellen streichen

    In Indien baut der IT-Dienslteister dagegen Personal auf.


    http://www.computerwoche.de/knowledg...rvices/580124/


    usw.


    Glaubst Du wirklich, dass hinterlässt im ach so fachkräftemangelgeplagten IT-Arbeitsmarkt keine Spuren?

    Dann müßtest du bloß noch erklären, warum in vielen Ländern die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren deutlich gefallen ist.
    Wenns nicht über 200 Länder auf der Erde mit höchst unterschiedlichen Einflussfaktoren geben würde.... In Deutschland ist die Arbeitslosenquote übrigens auch seit Jahresbeginn um 2 Prozentpunkte gefallen (das ist wohl deutlich?!). Warum diskutieren wir also noch?

    Ich denke mal wegen Herrn Müller
    Der gute Müller

    Ob sie Geologen waren, Historiker oder Schauspieler – um die erwerbslosen Akademiker hat sich beim Arbeitsamt in Saarbrücken Ludwig Müller gekümmert. Er hat sie getröstet und mit allerlei Maßnahmen in Arbeit gehalten. Vorbei, jetzt gilt Hartz IV. Niemand wird mehr aufgefangen Von Stefan Willeke

    http://www.zeit.de/2005/22/M_9fller

    PM

  4. #203
    Benutzerbild von Tim45

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Schade, dass wir jetzt wieder nicht weiter gekommen sind in der Diskussion. Irgendwie habe ich das Gefühl, die allermeisten Fragen und Versuche der Diskussion eine Richtung zu geben verpuffen...
    Das tut mir jetzt Leid, daß die Diskussion in eine andere Richtung als Dir genehm abgedriftet ist.
    Mir ist es ehrlich gesagt ziemlich schnuppe ob ein Hartz IV Empfänger die Möglichkeit nutzt sein Mütchen damit zu beruhigen im VHS-Töpferkurs den schönsten Pott zu töpfern - auch wenn das wieder polemisch klingt. Ob die H4-Empfänger es sich mit ihrer Regelleistung bequem machen oder nicht, ist mir wirklich egal. Sie bekommen den geringsten Satz der einem Bürger in Deutschland zusteht und das ist hierzulande so, damit niemand verhungern muss. Du hast Recht, man kann vereinsähnliche Aktivitäten zur Steigerung des Selbstwertgefühls betreiben - und man kann es nicht tun.
    Du hast stets darauf beharrt, daß es 4.3 Mio. Jobs zuwenig gibt. Daß also 4.3 Mio. ohnehin keinen Job finden werden, egal, was man an Harz-IV dreht und wendet. Das habe ich als Fakt akzeptiert, und davon ausgehend argumentiert. Eine Politik, die aber darauf abziehlt, diese 4.3 Mio. Menschen nur zu verwahren und bis zum Tod lediglich durchzufüttern, ohne ihnen irgendeinen Lebenssinn zu bieten, ist nicht mit meinen christlichen Weltbild vereinbar. Es geht nicht darum, sein Müttchen zu kühlen, sondern irgendetwas aus seinem Leben machen zu können, selbst wenn man keinen Job findet. Es gibt auch viele Arbeitnehmer, die einen Job gerade nur zum Geldverdienen machen, ohne darin ihren Lebenssinn zu sehen; ihren Lebenssinn schöpfen sie also auch aus außerberuflichen Aktivitäten.
    Für die meisten Leute, insbesondere Familien, geht es aber eben doch um sehr viel mehr als Selbstwertgefühl, sondern die nackte Not eine Familie über die Runden zu bringen und am Rande der Gesellschaft noch anständige Kinder groß zu ziehen.
    Deswegen muß die Sozialhilfe eben angemessen sein, wie ich ja schon dargelegt habe. Wenn man "Rand der Gesellschaft" nicht nur über das Einkommen definiert, steht man durch soziales Engagement z.B. in Vereinen etc. auch ohne Einkommen (d.h. mit Sozialhilfe) nicht zwangsläufig am Rande der Gesellschaft. Aus meiner dörflichen Herkunft kenne ich Beispiele, daß Arbeitslose über Vereine eben nicht am Rand, sondern in die dörfliche Gemeinschaft integriert waren. Zugegeben, ich bin vor vielen Jahren vom Dorf weggezogen, als es noch kein Harz-IV gab.
    H4-Empfänger müssen mir als Steuerzahler für ihre paar Kröten nicht dankbar sein und sie brauchen ihre Dankbarkeit auch nicht durch gespielten Antrieb vorspielen.
    Darum geht es mir nicht, sondern darum, aus eigenem Interesse nicht in Lethargie abzugleiten. Wer nichts aus seinem Leben machen WILL, schadet in erster Linie nur sich selbst, in zweiter Linie seinen Kindern. Und irgendwann, möglicherweise vieleicht auch nicht, ganz am Ende und sehr wahrscheinlich kaum bemerkbar auch der Gesellschaft.
    Die meisten Arbeitslosen wollen arbeiten, aber sie finden keine Arbeit. Unterm Strich kann man auf die von Politikern am liebsten diskutierten Sanktionen und jede weitere Hartz4- Empfänger- Entwürdigung durch Überkontrolle also getrost verzichten. Die Diskussion lohnt sich nicht und hat kein Sparziel, das nicht an hundert anderen Haushaltsposten einfacher zu realisieren wäre (die Arbeitsagentur stinkt schließlich auch noch vor Geld, hat Mrd.-Überschüsse angehäuft und die notwendige Absenkung der Lohnnebenkosten kann an dieser Stelle erfolgen).
    Wir wissen aber auch nicht, wo wir die fehlenden Jobs herzaubern sollen, oder? Modelle wie Arbeitszeitverkürzung auf 28 h/Woche haben's wohl auch nicht so richtig gebracht.
    Mir ist wichtig, dass jeder der in Deutschland Arbeit sucht auch welche findet.
    Schön, aber wie? Im Ziel sind wir uns einig, aber wie kommt man dahin?
    Mir ist wichtig, dass wir nicht immer mehr Kinderarmut in Deutschland bekommen. Mir ist es wichtig, dass wir keine Medienberichte über verwahrloste Kinder mehr sehen müssen (und die werden nur noch mehr, wenn diesen Eltern noch das Geld gekürzt wird). Mir ist wichtig, dass Jugendliche eine Perspektive haben, auch wenn sie einfach "nur" MechanikerIn, SekretärIn oder MonteurIn werden möchten und nicht zum Master of Business Administration geboren wurden.
    Hast Du irgendwelche Ideen? Welche Perspektiven außerhalb der Berufswelt meinst Du? So, wie Du im Thread bisher argumentiert hast, ist es Fakt, daß es für 4.3 Mio. keine Perspektiven innerhalb der Berufswelt gibt und auch kurzfristig nicht geben wird. Also müssten es Perspektiven außerhalb der Berufswelt sein. Als Beispiel: Wäre ich arbeitslos und eine bescheidene Grundsicherung (bescheidene kleine Wohnung, Nahrung und ein paar Mark übrig) gegeben, wüsste ich tausend Dinge oder Projekte, die ich angehen könnte. Mir scheint eher, daß die Angst vorm Verhungern, vor dem Verlust des Daches über dem Kopf, die Angst vor Verarmung und Hilflosigkeit im Alter die Menschen lähmt und ihnen sämtliche Initiative raubt. Es wäre also oberstes Gebot der Politik, den Menschen diese Existenzangst zu nehmen, die man immer noch in Deutschland bei objektiver Betrachtung des verfügbaren und verteilbaren Reichtums nicht haben müsste.

  5. #204
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Zitat Zitat von Tim45 Beitrag anzeigen
    Wir wissen aber auch nicht, wo wir die fehlenden Jobs herzaubern sollen, oder? Modelle wie Arbeitszeitverkürzung auf 28 h/Woche haben's wohl auch nicht so richtig gebracht.
    Tatsächlich halte ich das aber für die beste Methode der Reduktion von Arbeitslosigkeit. Wenn man immer weniger menschliche Arbeitskraft benötigt, die Bevölkerungszahl mittelfristig aber in etwa konstant bleibt, kommt man nicht daran vorbei, die noch verbleibende Arbeit an mehr Leute zu verteilen als heute. Knackpunkt war ja bisher immer die Finanzierung, aber wenn man mal eine ganz nüchterne volkswirtschaftliche Überlegung anstellt, kann das kein Problem sein: Das Angebot an Waren und Dienstleistungen ist groß genug, es ist lediglich eine Verteilungsfrage. Und es muss auch möglich sein, so etwas ohne kommunistische Experimente zu realisieren. Allerdings erst dann, wenn die Wirtschaft nicht länger durch Schwächung der Kaufkraft am eigenen Ast sägt.

  6. #205
    Benutzerbild von Tim45

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    Zitat Zitat von ihkawimsns Beitrag anzeigen
    [Arbeitszeitverkürzung]Tatsächlich halte ich das aber für die beste Methode der Reduktion von Arbeitslosigkeit. Wenn man immer weniger menschliche Arbeitskraft benötigt, die Bevölkerungszahl mittelfristig aber in etwa konstant bleibt, kommt man nicht daran vorbei, die noch verbleibende Arbeit an mehr Leute zu verteilen als heute. Knackpunkt war ja bisher immer die Finanzierung, aber wenn man mal eine ganz nüchterne volkswirtschaftliche Überlegung anstellt, kann das kein Problem sein: Das Angebot an Waren und Dienstleistungen ist groß genug, es ist lediglich eine Verteilungsfrage. Und es muss auch möglich sein, so etwas ohne kommunistische Experimente zu realisieren. Allerdings erst dann, wenn die Wirtschaft nicht länger durch Schwächung der Kaufkraft am eigenen Ast sägt.
    Das geht aber nur, wenn auf Lohnausgleich verzichtet wird, also der kürzer arbeitende Arbeitnehmer auch weniger verdient. Ansonsten ist nämlich der im Vorteil, der statt 1000 Leute 28h/Woche arbeiten zu lassen, lieber 737 Leute 38/h/Woche schaffen lässt. Und dieser jenige muß ja nicht in DE produzieren, sondern im Ausland. Also: Strafzoll auf Importe zur Rettung der heimischen Arbeitsplätze? Und im Gegenzug Ruinieren der Exportmärkte? Außerdem gehst Du implizit davon aus, daß die verfübare Lohnarbeit eine konstante Menge ist.
    Aber stimmt das denn?

  7. #206
    Benutzerbild von McFly

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    @ Ihka:
    zum Thema Arbeitszeitverkürzung:
    Dieses von den Gewerkschaften erfundene Placebo ist definitiv keine Methode zur Senkung von Arbeitslosigkeit. Es ist vielmehr ein weit verbreiteter Wirtschaftsirrtum. Mann muss weg von dem Gedanken, dass Arbeit ein einfach teilbares Gut ist. Das Prinzip klingt simpl: Alle gehen etwas weniger Arbeiten, dadurch entsteht "liegengebliebene" Arbeit für die Arbeitslosen. Das führt dann aber nur dazu, dass man aus einer Vollzeitkraft zwei Teilzeitarbeiter (quasi zwei Halbarbeitslose) macht. Und was ist dann eigentlich bei schlechter Auftragslage? Sollen die Menschen dann nur noch einen viertel Tag ins Werk gehen?

    Die Lösung heißt nicht weniger sondern mehr arbeiten: Leider wird bei uns sowenig effektiv gearbeitet wie in keum einem anderen Land: Wir sind Spitzenreiter bei Feiertagen, Urlaubstagen sowie Wochen- und Monatsarbeitszeit. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum sich immer weinger Investoren für deutsche Standorte finden. Es kursiert oft das Gerücht, dass die Steuern daran Schuld haben, was natürlich nicht stimmt. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind alle Steuern bei uns sehr moderat gehalten, die bei einer Standortwahl ein Rolle spielen könnten. Viel problematischer ist für Unternehmen und Konzerne, dass sie produzieren wollen, aber nicht können. Weil sich sich Geringqualifizierte kaum für die Samstagsschichten finden lassen (weil sie da evtl. ein paar Nebenbeschäftigungen nachgehen können), weil hochqualifizierte Experten wochenlang im Urlaub sind und weil um 16Uhr die Werkssirene dröhnt.

    Würden die Wochenarbeitszeiten heraufgesetzt, würde das zwar zu keiner direkten Reallohnsteigerung fürhren. Zumindest aber, hätte das eine Kürzung der Stundenlöhne zur Folge, die wiederum dazu führt, dass Handwerk und Industrie wieder bezahlbarer wird. Wenn man also einmal mehr den Handwerker rufen kann, verdient sein Betrieb besser und es kann auch zu Lohnsteigerungen kommen.

    Zu diesem Thema empfehle ich Henrik Müllers Buch "Wirtschaftsirrtümer" sowie Ulrich van Suntum "Masterplan Deutschland"

    Grüße
    McFly

  8. #207
    Benutzerbild von frasier

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    Zitat Zitat von McFly Beitrag anzeigen

    Die Lösung heißt nicht weniger sondern mehr arbeiten: Leider wird bei uns sowenig effektiv gearbeitet wie in keum einem anderen Land: Wir sind Spitzenreiter bei Feiertagen, Urlaubstagen sowie Wochen- und Monatsarbeitszeit. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum sich immer weinger Investoren für deutsche Standorte finden.


    Es freut mich, das von einem Anhänger einer linken Partei zu lesen.

    Es kursiert oft das Gerücht, dass die Steuern daran Schuld haben, was natürlich nicht stimmt. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind alle Steuern bei uns sehr moderat gehalten, die bei einer Standortwahl ein Rolle spielen könnten.
    Die Steuerquote ist niedrig, das stimmt, aber die nominal hohen Steuersätze schrecken ausländische Investoren trotzdem ab, da sie die ganzen Steuertricks nicht kennen.

    Deswegen muss das Kirchhoff-Modell eingeführt werden. Niedrige Sätze, keine Ausnahmen, leicht zu verstehen.

  9. #208
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von McFly Beitrag anzeigen
    @ Ihka:
    zum Thema Arbeitszeitverkürzung:
    Dieses von den Gewerkschaften erfundene Placebo ist definitiv keine Methode zur Senkung von Arbeitslosigkeit. Es ist vielmehr ein weit verbreiteter Wirtschaftsirrtum. Mann muss weg von dem Gedanken, dass Arbeit ein einfach teilbares Gut ist.
    Das kannst Du dann ja den Managern von ThyssenKrupp Stahl erzählen, die gerade erst die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 34 Stunden vereinbart haben und dafür 1.000 Auszubildene übernehmen und 500 neue Stellen schaffen werden. Die müssen ja völlig bescheuert sein

    Die Lösung heißt nicht weniger sondern mehr arbeiten
    *Das*ist so einfach auch wieder nicht zu sagen. Wie lange arbeitest Du schon bzw. welche eigenen Erfahrungen in dem Bereich hast Du? Ich erinnere mich da an Bundeswehrzeit vor kurzem usw., deswegen frage ich. Hauptsächlich kommt es erstmal auf die Produktivität an und die ist in Deutschland sehr hoch. Ich habe noch von keinem gehört, dass er nach Arbeitszeitverkürzungen weniger arbeiten musste. Tatsächlich ist die Arbeitsdichte für jeden Einzelnen in Deutschland in den vergangenen Jahren immer höher geworden. Was früher in einem Betrieb in jeweils 42 Stunden mit 10.000 Leuten gemacht wurde, wird heute bei 38,5, 37 oder 35 Stunden mit 6.000 Leuten gemacht. Da kam sicherlich oft weitere Automatisierung hinzu, das ändert aber nichts an der höheren Arbeitsdichte. Sehr schön sehe ich das an mir selbst (allerdings umgekehrt, denn ich bin von der 35 Stunden Woche eines IGM Betriebs in die 40 Stunden Woche gewechselt und das entzerrt einiges, führt aber auch nicht unbedingt zu mehr Output) und an meinem Großvater und Vater, die den gleichen Job nacheinenader machten. Mein Opa würde diesen Job unter den heutigen Bedingungen keinen Tag aushalten, da keine Zeit mehr für ein Quätschen, Käffchen, Bierchen (eh verboten) und Zigarette hier und da ist und mein Vater stöhnt mittlerweile schon rum, dass sie doch bitte die Arbeitszweit wieder verlängern sollen, damit man nicht den ganzen Tag rumhetzt wie bekloppt. MEHR Output kommt dabei aber nicht unbedingt raus. Es ist also kein Zufall, dass wir in Produktivitätsvergleichen weitaus besser abschneiden, als Länder in denen die Mitarbeiter eigentlich viel mehr Zeit haben uns in dieser Disziplin zu schlagen.

    : Leider wird bei uns sowenig effektiv gearbeitet wie in keum einem anderen Land: Wir sind Spitzenreiter bei Feiertagen, Urlaubstagen sowie Wochen- und Monatsarbeitszeit.
    Dafür müsste man die Statistiken mal genauer angucken. Was wird dort verglichen? Urlaubsansprüche, Regelarbeitszeiten etc. Wer überhaupt wieviel Urlaub nimmt und wieviele Überstunden später auf Gleitzeitkonten verfallen oder zu Hause geleistet werden, wird dort nicht verglichen.

    Wir Deutschen arbeiten uns nicht zu Tode, aber im Schnitt 38 Stunden in der Woche. Damit liegen wir voll auf EU-Durchschnittsniveau. Das Deutsche mehr Urlaub ungenutzt verfallen lassen als andere kommt darin genauso wenig vor, wie es unerwähnt bleibt, dass wirtschaftlich erfolgreiche Länder wie Schweden, Dänemark oder Holland in Summe mehr Urlaubs- und Feiertage haben als wir. Aber soweit brauchen wir ja gar nicht zu schauen. Auch in Deutschland sind ausgerechnet die Länder mit den meisten Feiertagen seit Jahrzehnten die wirtschaftlich stärksten. Wie kann das nur sein?

    Wichtiger als die Länge der Arbeitszeit, ist dann auch die Flexibilität und da hat sich entgegen der Theoretiker-Meinung erhebliches getan. Und es ist auch im Sinne der Menschen. Denn so besitzstandswahrend wie sich der Deutsche auch manchmal zeigt, bewertet die OECD die Flexibilität der Arbeitszeiten in Deutschland seit Jahren sehr hoch. Dann zu arbeiten wenn man gebraucht wird ist wichtig, nicht das man möglichst lange dort Zeit absitzt.

    Und wenn da einer meint, die Arbeitszeitverkürzung bei VW (ohne Lohnausgleich übrigens) wäre ja fehlgeschlagen, dann ist das auch nicht so ganz richtig. VW ging es mit dieser Lösung eine ganze Zeit gut. Das im Management eine Zeit lang eine Vorliebe für technisch sehr komplexe Lösungen herrschte und ein Golf immer mehr ein kleiner Passat wurde, kann man der Produktion nicht vorwerfen. Das war aber einer der Hauptgründe, warum der Golf V so schwer gewinnbringend zu produzieren ist und das ist auch der Grund, warum er früher abgelöst wird als geplant.

    Aber umgekehrt kann man da genauso gut mit Siemens Mobile bzw. BenQ Mobile argumentieren. Die Beschäftigten haben beträchtliche Einbußen beim Gehalt und längere Arbeitszeiten hingenommen um ihre Arbeitsplätze zu erhalten. Man sieht was es bringt: Lediglich ein geringeres Arbeitslosengeld...

    Das ist auch einer der Hauptgründe, warum sich immer weinger Investoren für deutsche Standorte finden.
    Dann müsste es unseren fünf östlichen Bundesländern ja blendend gehen, angesichts ihrer seit langem längeren Arbeitszeiten und niedrigerer Löhne. Das ist allerdings nicht so. Wie passt das zu der These, diese Vorgehensweise sei erfolgversprechend?

    Der größte Beweis dafür, dass diese These nicht stimmt, ist die Tatsache, dass die Investitionen zielsicher an den 40 oder sogar 42 Stunden rackernden ostdeutschen Standorten vorbei (und trotz exzellenter Qualifikation) seit langem direkt nach Polen gehen. Es geht nicht um lange, es geht nicht um kurz, es geht nicht um Spitzenqualifikation. Es geht nur noch um billig und da wo billig ist, da gehen die Investitionen hin. So lange und zu so geringen Gehältern kann man in Deutschland gar nicht arbeiten, um zu deutschen Lebensstandards mit diesen Arbeitskosten im Direktvergleich zu konkurrieren. DAS ist ja das Problem und es tritt nur dort nicht auf, wo unsere hohe Produktivität und unsere Fähigkeit zu höchster Qualität uns rettet (siehe BMW, siehe Porsche, siehe AMD, siehe Bosch, siehe ThyssenKrupp, siehe ......).

    Wer glaubt da ernsthaft, dass in einem Land, wo gerade im Bereich der Premiumprodukte die Jobs die sichersten sind und die Produktion am meisten brummt, sich ein Blumentopf gewinnen ließe, wenn man anfängt mit Billigproduzenten wie Polen oder China in die Lohn- und Lebensstandardsspirale nach unten einzutreten?

    , weil hochqualifizierte Experten wochenlang im Urlaub sind
    und weil um 16Uhr die Werkssirene dröhnt.
    Ich nehme jetzt zum Vergleich sogar noch nichtmal einen Experten, sondern einen einfachen Malocher. Wenn ich mir mal den TKS-Stahlarbeiter angucke und den von US Steel, dann hat der eine 30 Tage Urlaubsanspruch und der anderen 10-15 Tage. Die Rogowskis dieses Landes würden es jetzt wieder dabei belassen und sagen "Seht ihr!".

    Der US Steel Mitarbeiter ist aber zwei Monate im Jahr nicht am Arbeitsplatz! Denn er vedient 7.000 US$ und damit erheblich mehr als der Deutsche - und er bekommt auch noch mehr raus. Vom angesparten macht er erstmal zwei Monate im Jahr frei, weil er wegen weitaus schlechterer Arbeits- und Umweltschutzstandards mit durchschnittlich 55 verreckt und auch noch was vom Leben haben will. Das ist schlicht und ergreifend mal aus dem Leben gegriffene Realität. Steht sowas auch in Deinen Büchern oder stehen da nur die nackten funktionärsfreundlichen Statistiken, die wieder helfen sollen den Standort kaputt zu reden?

    Würden die Wochenarbeitszeiten heraufgesetzt, würde das zwar zu keiner direkten Reallohnsteigerung fürhren. Zumindest aber, hätte das eine Kürzung der Stundenlöhne zur Folge, die wiederum dazu führt, dass Handwerk und Industrie wieder bezahlbarer wird. Wenn man also einmal mehr den Handwerker rufen kann, verdient sein Betrieb besser und es kann auch zu Lohnsteigerungen kommen.
    Wenn man alle Löhne kürzt, wieso ist dann der Handwerker billiger? Wenn ich weniger verdiene und er weniger kostet, sind das zwar beides kosmetisch niedrigere Zahlen, aber zahle ich dann weniger?

    Das ist doch sowieso der allergrößte Irrtum in Deutschland und der Diskussion überhaupt! Es sind mitnichten die dicken Löhne die hierzulande angeblich kassiert werden, die den Standort Deutschland teuer machen. Die Reallohnentwicklung in Deutschland ist im Gegenteil seit Jahren äußerst schlecht, die Kaufkraft sinkt und wird mit der MwSt-Erhöhung noch weiter sinken. Da unser größtes Problem die Binnennachfrage ist, kann auch gar keinem daran gelegen sein, ausgerechnet dieses Problem noch weiter zu verschärfen.Die LohnNEBENKOSTEN sind hoch, nicht die Löhne - schon lange nicht mehr.

    Zu diesem Thema empfehle ich Henrik Müllers Buch "Wirtschaftsirrtümer"
    Ja, da scheint er eine Menge von in die Welt gesetzt zu haben...

    PM

  10. #209
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    @ Tim & McFly

    Ihr habt nicht verstanden, worum es mir geht. Wenn man immer weniger menschliche Arbeitskraft benötigt, hat man langfristig die Wahl, ob man

    (a) einige viel und die anderen gar nicht oder
    (b) fast alle ein bisschen

    arbeiten lässt. Wenn Unternehmen nicht nur auf den kurzfristigen Gewinn schielen würden, müssten sie Szenario (b) eigentlich (a) vorziehen. So aber müssen sie über Steuern den Lebensunterhalt der Arbeitslosen mitbezahlen, bekommen dieses aber nicht zurück, weil bei diesen schlichtweg die Kaufkraft fehlt, um sich mehr als das Nötigste zu leisten. Außerdem halten sich die, die noch Arbeit haben im Konsum zurück, weil sie fürchten müssen, demnächst ebenfalls stempeln zu gehen. Szenario (b) ist zwar kurzfristig teurer, zahlt sich aber langfristig aus. Ermöglicht wird die aktuelle Schieflage aber auch erst durch Wirtschaftspolitiker, die in betriebs- statt in volkswirtschaftlichen Größenordnungen denken.

    PMs Arbeitsdichtenargument halte ich bei der Diskussion um Arbeitszeiten auch für wichtig, wenngleich es natürlich nicht für alle Branchen gilt. Ein Straßenbahnfahrer wird sich zum Beispiel für seine Fahrt nicht auf einmal zehn Minuten mehr oder weniger Zeit lassen können...

  11. #210
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    "Ich war noch vor fünf bis sieben Jahren ein Anhänger des Marktes und der Auffassung, die ökonomische Vernunft am Markt regele alles. Heute denke ich anders."

    Hamburgs regierender Bürgermeister Ole von Beust, CDU

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